Sonntagsgedicht: Vergessen und verworfen

Vergessen und verworfen

Es ist unglaublich

wie man

mit einer Krankheit

die für

Andere

unerklärlich ist

ins Abseits gerät.

Man wird vergessen

obwohl man noch

da ist

man muss es

alleine tragen

und überhaupt

entstammt es

nur

dem Kopf.

Vergessen wird man

weil man

nicht mehr

dabei ist

Verworfen wird man

weil man

seine Denkweise

in bezug

auf MCS

nicht ändert.

Man ist selbst schuld.

Autor: Mona die Glasprinzessin für CSN – Chemical Sensitivity Network, 22.August 2010

Mona’s Geschichte: Mona die “Glasprinzessin” ein einsames Leben mit Wind und Wetter

Weitere Gedichte und Geschichten zu den Themen: MCS, Umweltkrankheiten, Umwelt

Qualitätsmanagement bei der Diagnostik von Fibromyalgie und MCS erforderlich

Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und MCS durch Studien bestätigt

Patienten, die unter Fibromyalgie (FM) leiden, berichten häufig auch über Beschwerden, die außerhalb ihres Problembereichs Muskel-Skelett-System liegen. Andererseits beklagen Patienten mit Chemikalien-Sensitivität (MCS), neben ihren Reaktionen auf Chemikalien in Niedrigdosisbereich, immer wieder beeinträchtigende Schmerzen in verschiedenen Körperregionen. Fibromyalgie wird herkömmlich als ein atypisches Weichteilrheuma angesehen. Die Diagnostik erfolgt in erster Linie durch Überprüfung von 18 druckempfindlichen Körperstellen, den sogenannten Tender-points. Wissenschaftler aus Skandinavien stellten bereits vor über 10 Jahren fest, dass es eine Überschneidung zwischen MCS und Fibromyalgie gibt, die für die medizinische Diagnostik von erheblicher Relevanz ist. Eine neuere kanadische Studie von Februar 2010 bestätigte dieses Ergebnis. Die Studienautoren appellierten in einer medizinischen Fachzeitschrift für die Einführung einer adäquaten Ausbildung und Bereitstellung spezieller Informationsressourcen für Angestellte in den Gesundheits- berufen und der Öffentlichkeit, um die Prognose der Patienten zu verbessern.

Schmerzen über Schmerzen

Patienten mit Fibromyalgie oder Chemikalien-Sensitivität führen oft Schmerzen an, die sie als vergleichbar mit „Zahnweh am ganzen Körper“ beschreiben. Wissenschaftler aus Skandinavien stellten sich Ende der neunziger Jahre die Aufgabe herausfinden, ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Krankheitsbildern besteht.

Liegt bei Fibromyalgie-Patienten auch MCS vor?

Das Ziel einer Pilotstudie bestand darin zu ermitteln, wie häufig MCS bei Fibro-myalgie-Patienten in einer universitären rheumatologischen Praxis auftritt. Hierzu setzte das Wissenschaftlerteam Fragebögen ein, mittels denen MCS festgestellt werden sollte. Ergänzend wendeten die Mediziner Kriterien aus einer damals aktuellen Studie an, durch die das immunologische Profil der Patienten mit dieser Erkrankung festgestellt werden konnte. Patienten mussten außerdem mit „Ja“ oder „Nein“, das Vorhandensein von 48 FM-bezogenen Symptomen bestätigen. (1)

Studie stellt Zusammenhang zwischen FMS und MCS fest

Das Ergebnis der Studie wurde im ersten Halbjahr 1997 in der medizinischen Fachzeitschrift „Scandinavian Journal of Rheumatology veröffentlicht. Dreiunddreißig von 60 Patienten mit Fibromyalgie erfüllten die Kriterien für MCS. Elf dieser Patienten erfüllten weitere, restriktivere Kriterien, die das Vorliegen eines „höheren Schweregrades“ einer Chemikalien-Sensitivität nachwiesen.

Bestätigung fanden die Wissenschaftler zusätzlich darin, dass die Symptome und die Auslösesubstanzen von Reaktionen, die am häufigsten von den Fibromyalgie-Patienten zitiert wurden, ähnlich denen waren, die von MCS-Patienten in anderen Studien berichtet wurden.

Ansonsten unterschieden sich Fibromyalgie-Patienten mit und ohne MCS- Symptomatik nicht von anderen FM-Patienten. Da analog der Studie bei über der Hälfte der Patienten mit Fibromyalgie ebenso eine Chemikalien-Sensitivität vorlag, schlossen die skandinavischen Wissenschaftler daraus, dass MCS durchaus ein zusätzlicher Symptomkomplex im Spektrum von Fibromyalgie darstellen kann.

Kanadische Studie bestätigt gleichzeitiges Vorliegen von MCS und FMS

Dass beide Erkrankungen gleichzeitig vorliegen können, bejahten einige wissen- schaftliche Studien in den vergangenen Jahren. Wie hoch jedoch die Wertigkeit rascher, zielgerichteter Diagnostik aufgrund der möglicherweise einschneidenden Auswirkungen von MCS und FMS auf das Leben der Erkrankten anzusehen ist, wurde durch eine Studie der Umweltklinik EHC in Toronto offenkundig.

Die kanadischen Wissenschaftler untersuchten ein Patientenkollektiv von 128 Patienten auf das Vorliegen von MCS, CFS und FMS und ermittelten die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf deren Alltagsleben. Von 70 Patienten hatten acht jeweils eine der Diagnosen MCS, CFS oder FM erhalten, während die restlichen Patienten zwei oder drei überlappende Diagnosen hatten. Wie groß die Auswirkungen der Umweltkrankheiten für die Patienten waren, konnten die Leser der kanadischen Fachzeitschrift für Allgemeinmediziner in der Ausgabe Februar 2010 erfahren. Die meisten der Studienteilnehmer (68,8%) hatten ihre Arbeit durchschnittlich 3 Jahren nach Einsetzen der Symptome wegen ihrer Krankheit aufgeben müssen. (2)

Relevanz für die Diagnostik in der Umweltmedizin und Mainstream- Medizin

Aus der Studie aus dem Jahr 1997 und der Studie von Anfang 2010 ergibt sich für die medizinische Praxis der dringliche Hinweis, dass beim Vorliegen von einem der beiden Krankheitsbilder MCS oder FM das jeweils andere durch entsprechende Diagnostik und gründliche Anamnesestellung unbedingt abzuklären ist.

Bei der Befunderhebung von MCS-Patienten sollte somit grundsätzlich eine Abklärung erfolgen, ob gleichzeitig eine Fibromyalgie vorliegt. Dies kann von jedem Arzt ohne großen Aufwand durch Überprüfung der 18 Tenderpoints festgestellt werden.

Der Aspekt, dass bei Fibromyalgie-Patienten gleichzeitig eine Überempfindlichkeit auf Chemikalien vorliegt, dürfte trotz positiver Studien in der Mainstream-Medizin in den letzten zehn Jahren immer noch nicht angekommen sein. Für die FM-Patienten wäre es jedoch von nicht abzuschätzender Wichtigkeit, dass Rheumatologen mit der Diagnostik von MCS vertraut gemacht würden. Die Prognose der Fibromyalgie-Patienten könnte sich durch entsprechend ausgerichtete Behandlung und Aneignen von Vermeidungsstrategien, was den Umgang mit den jeweils Beschwerden auslös- enden Chemikalien betrifft, erheblich verbessern.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 16. August 2010

Literatur:

  1. A. T. Slotkoff; D. A. Radulovic; D. J. Clauw, The Relationship between Fibro-myalgia and the Multiple Chemical Sensitivity Syndrome, Scandinavian Journal of Rheumatology, Volume 26, Issue 5 1997
  2. Lavergne MR, Cole DC, Kerr K, Marshall LM., Functional impairment in chronic fatigue syndrome, fibromyalgia, and multiple chemical sensitivity, Can Fam Physician. 2010 Feb; 56 (2):e57-65.

Weitere CSN Artikel über  MCS und Fibromyalgie:

MCS – Multiple Chemical Sensitivity: Ein Bericht aus Dänemark

Dänemark nimmt international eine Vorreiterstellung ein, was Chemikalien-Sensitivität (MCS) betrifft. Man hat dort im Jahr 2006 ein staatliches Forschungscenter für Chemikalien-Sensitivität und Duftstoffempfindlichkeiten geschaffen. Damit gehört das kleine skandinavische Land neben Kanada zu den Ländern, in denen von staatlicher Seite Center für Umweltkrankheiten geschaffen wurden. Weil das Forschungscenter offensichtlich versucht, nachhaltigen Einfluß auf die internationale Wissenschaft zu nehmen, berichten wir in einer Fortsetzungsserie darüber.

Der erste Artikel der Serie „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“ wurde von Bodil Nielsen, einer Krankenschwester geschrieben, die selbst an MCS erkrankt ist. Für alle die Teil I nicht gelesen haben:

Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?

„Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld “ Teil II

Im nachfolgenden Artikel berichtet Mette Toft, die, bevor sie chemikaliensensibel wurde, an Universitäten unterrichtete, über die Situation der MCS-Kranken in Dänemark und über das MCS-Forschungscenter in Gentofte, dass Elektroschocktherapie als erfolgsversprechende Behandlungsmethode für MCS-Kranke ansieht.

Mette Toft berichtet:

Hallo, ich heiße Mette Toft. Ich bin 53 Jahre alt, verheiratet und mit zwei erwachsenen Kindern gesegnet. Ich habe einen Universitäts-abschluss (Magister Artium) für Japanisch und Dänisch und habe diese Sprachen viele Jahre an Universitäten und Sprachschulen unterrichtet. Durch fleißige Schüler angeregt entwickelte ich sogar eine neue, einfache Methode, die dänische Aussprache zu lehren, und ich habe Unterrichtsmaterialien für Lehrer und Studenten veröffentlicht. Ich dachte immer, ich hasse Lautlehre, aber dieses Projekt bereitete mir viel Vergnügen.

Allerdings hatte ich immer mehr Gesundheitsprobleme, die kein Arzt erklären konnte: Kopfschmerzen, Ausschläge, Müdigkeit und Unwohlsein.

Duftstoffallergie, MCS und Lupus

1999 ergab ein Patchtest, dass ich hochgradig allergisch auf Parfüm reagierte. Meine Hautärztin riet mir, dies äußerst ernst zu nehmen. Wenn nicht, erklärte sie, könnte es mit mir so weit kommen, dass ich mich nicht mit jemand, der ein Parfüm aufgetragen hat, im gleichen Raum aufhalten könne. Von diesem Tag an wurde unsere Wohnung vollständig duftstofffrei. Auf der Arbeit jedoch, und überall wo ich mich hin begab, war ich weiterhin von Parfüm und parfümierten Produkten aller Art umgeben. So hat sich die Prophezeiung der Hautärztin leider voll erfüllt.

2005 erkrankte ich sehr schwer an etwas, dass sich gleichzeitig als MCS und Lupus (eine wirklich unangenehme und unheilvolle Autoimmunerkrankung) herausstellte. Schnell wurde klar, dass ich meine Arbeit aufgeben werden muss. Trotzdem habe ich vier Jahre lang keinerlei Sozialhilfe erhalten. Dies ist, wie ich leider sagen muss, in Dänemark eine sehr weit verbreitete Praxis.

Eine fröhliche Veranstaltung unter unglücklichen Umständen

Nun möchte ich von unserer MCS-Veranstaltung am 12. Mai im Zentrum von Kopenhagen erzählen, dem Internationalen MCS Tag und nicht zuletzt auch von den unglücklichen Umständen dieses lebensfrohen Ereignisses.

In Dänemark ist MCS wie in vielen anderen Ländern noch nicht als echte körperliche durch Chemikalien verursachte Erkrankung anerkannt. Das Dänische Gesundheits-ministerium rückt von der Auffassung nicht ab, dass MCS keine Erkrankung sondern ein „Zustand“ sei, in dem die Menschen „glauben“ oder „fühlen“, dass verschiedene Chemikalien aus der Luft sie krank machen. Dementsprechend werden MCS-„Patienten“ manchmal an Psychiater überwiesen, wo sie mit einem psychiatrischen Befund falsch diagnostiziert werden, typischerweise „somatoforme Störung“, was bedeutet „alles sei mental“.

Das Dänische Forschungszentrum für Chemikalien-Sensitivität hält Ausschau nach „psychologischen Faktoren“ bei MCS-Betroffenen

2006 wurde auf Initiative des Dänischen Umweltministeriums das Dänische Forschungszentrum für Chemikalien-Sensitivität eingerichtet. Es wurde schnell klar, dass der Zweck dieses Forschungszentrums darin bestand, die Umwelt vom Vorwurf MCS zu verursachen, wie man so sagt, frei zu sprechen. Immer wieder hörten die Betroffenen den Leiter der Forschung MD, PhD Jesper Elberling verkünden, dass die Umwelt für die Probleme nicht verantwortlich gemacht werden sollte.

Unter den Mitarbeitern des Forschungszentrums gibt es keine Fachleute für Toxikologie oder Umweltmedizin. Stattdessen konzentrieren sich die neue Forschungsleiterin PhD Sine Skovbjerg, eine ehemalige Krankenschwester und ihre Mannschaft darauf, unzählige „psychologische Faktoren“ bei den Betroffenen zu zählen und zu dokumentieren. Ihre Ansicht ist, dass MCS als somatoforme Störung erforscht werden sollte und dass MCS durch eine sogenannte aufmerksamkeitsbasierte kognitive Therapie geheilt werden kann.

Welche psychologischen Faktoren haben Sie? – Keine. Ich habe MCS.

Bestürzende Nachrichten über Elektroschocktherapie, ECT (electroconvulsive therapy) als MCS-Behandlung

Ich denke, es ist gerechtfertigt zu sagen, dass die internationale MCS-Community schockiert war, als der zuvor erwähnte Jesper Elberling einen Artikel veröffentlichte, in dem er erklärte, das „Elektroschocktherapie“ bei schwerer und sozial behindernder MCS als Möglichkeit in Betracht gezogen werden sollte…“. An anderer Stelle meinte Elberling, „Wenn die Beobachtungen zu ECT korrekt sind, dann bedeutet dies, dass wir, was eine zukünftige Behandlung von MCS angeht, SEHR (na super!) optimistisch sein können.“ Offenbar stimmen nicht viele dänische MCS-Betroffene dieser Ansicht zu.

Eine Kurzfassung des Artikels sowie internationale Reaktionen darauf gibt es auf Canary Report:

Psychiater versprechen induzierte Convulsionen als Behandlung für Multiple Chemical Sensitivity

Gegenaktionen

Als Versuch, uns inmitten dieser deprimierenden Idiotie ein wenig aufzu-muntern, beschlossen wir, den Internationalen MCS-Tag am 12 Mai mit einem bunten und festlichen Ereignis im Zentrum von Kopenhagen zu feiern.

Unglücklicherweise regnete es den ganzen Tag in Strömen und ein paar unserer Attraktionen – darunter einige spektakuläre Kanarien-Kostüme – mussten aus dem Programm genommen und für einen hoffentlich sonnigeren MCS-Tag im nächsten Jahr aufgehoben werden. Unsere MCS- Lotterie und kostenlose Proben duftstofffreier Hautcremes sprachen trotzdem sehr viele Leute an, und ein jeder von ihnen nahm sich ein Exemplar unseres MCS-Informations- und Faltblattes zum Lesen mit nach Hause.

Ein Schüler, der beschlossen hatte, eine Arbeit über MCS zu schreiben, erschien früh, um Fragen zu stellen. Und ein (!) besorgter Politiker (einer von ca. 60 die eingeladen wurden) kam auf ein ernsthaftes Gespräch vorbei.

Autor: Mette Toft, Dänemark

© Fotos: Torben Bøjstrup

Fortsetzungsserie: „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“

Teil I: Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?


Weitere Berichte über die Situation und Aktivitäten von MCS-Betroffenen in verschiedenen Ländern:

Hilfe im Krankenhaus trotz MCS- Multiple Chemical Sensitivity möglich?

Deutsche Krankenhäuser haben im internationalen Durchschnitt gesehen einem hohen Standard und unser Land verfügt über hervorragende Spezialkliniken. Dennoch gibt es für eine zahlenmäßig erhebliche Bevölkerungsgruppe kein Krankenhaus, das für sie im akuten Fall geeignet wäre, oder das den krankheitsbedingten Erfordernissen auch nur ansatzweise gerecht werden könnte. Die Rede ist von Menschen, die unter Multiple Chemical Sensitivity (MCS) leiden.

An MCS Erkrankte reagieren auf geringe Spuren von Alltagschemikalien mit leicht bis schwer behindernden Symptomen. Bei hypersensibilisierten Personen sind auch Bewusstlosigkeit und Schockreaktionen möglich. Obwohl die Krankheit in Deutschland über einen Diagnoseschlüssel verfügt (ICD-10 T78.4) und im Einzelfall als Behinderung anerkannt werden kann, ist MCS vielen in medizinischen Berufen arbeitenden Menschen nicht bekannt und es gibt weder Maßnahmenkataloge, noch Leitlinien, die Ärzten, Sanitätern, Rettungskräften und Pflegepersonal vorgeben, wie man mit dieser besonderen Gruppe von Erkranken umgehen muss, um weiteren körperlichen Schaden abzuwenden.

Ein Krankenhausaufenthalt kann unverhofft erforderlich sein, für Menschen, die unter Chemikalien-Sensitivität (MCS) leiden eine Vorstellung, die viele schnell wieder verdrängen, weil ihnen bekannt ist, dass sie im Krankenhaus eine Umgebung erwartet, die umgehend zu Reaktionen führt. Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel, Duftstoffe und eine erhebliche Zahl von Krankenhauschemikalien errichten unsichtbare Barrieren, die bislang in jedem Krankenhaus anzutreffen sind.

Thommy’s Blogfrage der Woche:

  • Welche Erfahrung habt Ihr in deutschen Krankenhäusern gemacht als MCS-Kranker? Kannte man dort MCS?
  • Habt Ihr ein Krankenhaus gefunden, das für Chemikaliensensible tolerierbar ist?
  • Ging man auf Eure besonderen, krankheitsbedingten Bedürfnisse ein? Oder hat man Eure MCS nicht ernst genommen?
  • Was habt Ihr erlebt während eines Krankenhausaufenthaltes? Berichtet bitte über positive, wie auch negative Erfahrungen.
  • Oder schiebt Ihr eine erforderliche Operation oder Behandlungsaufenthalt im Krankenhaus bereits seit längerer Zeit vor Euch her, wegen der bekannten Problematik für Euch?
  • Haltet Ihr es für möglich, MCS-gerechte Abteilungen in Schwerpunktkrankenhäusern, bzw. wenigstens in einigen deutschen Großstädten bereitzustellen?

Nachwort zum Freitod von Heide N.

Erneuter Suizidfall wegen fehlender Umweltklinik und fehlendem MCS-gerechtem Wohnraum

Heide N. hat unter großem Leiden fast ein Jahr in der Umweltabteilung des Fachkrankenhauses Nordfriesland gelebt. Sie litt unter einer schweren MCS. Sie hatte ihren Besitz und ihre Unterkunft als Folge der durch Vergiftungen entstandenen MCS aufgeben müssen. Ihre Tochter zahlte für die Unterkunft in der Umweltklinik in Riddorf bei Bredstedt, ca. 70€ pro Tag, so Heide. Eigentlich hätte sie nur Kost aus biologischem Anbau bekommen müssen. Für einen nicht MCS-Patienten wäre die Unterkunft wohl gut gewesen, aber Heide vertrug es nirgends mehr.

Heide kam aus Österreich, ein Land, in dem MCS wie in Deutschland mit einen ICD-10 Code (T78.4) als körperlich bedingte Krankheit gelistet ist. Es gibt dort keine Umweltklinik, so wie es in den anderen europäischen Ländern ebenfalls keine geeignete Klinik für schwer an MCS Erkrankte gibt. Schließlich musste Heide auch aus der Umweltabteilung weichen, da dort aus Kostengründen verkleinert wurde, so dass für hypersensible MCS-Kranke überhaupt kein Platz mehr verfügbar ist. Um die Klinik aufrecht zu erhalten, wurden dort Spielsüchtige untergebracht. Die Umweltklinik konnte nie richtig verwirklicht werden, da es für Umweltkranke keine Unterstützung wie bei anderen Krankheiten gibt. Erschwerend gibt es auch kaum genügend qualifizierte Ärzte auf diesem Gebiet und die Krankenkassen können wegen kassenrechtlicher Bestimmungen nur selten die richtige Behandlung übernehmen. Heide bekam schwere Medikamente, die eigentlich bei MCS nicht helfen können. Sie wusste nicht mehr weiter, es gab für sie keinen Ausweg, obwohl sie selbst klinische Psychologin war, sie war einfach zu krank.

Schließlich bekam sie eine Wohnung neben dem Haus von Dr. Eberhard Schwarz, dem ehemaligen Leiter der Umweltklinik, ein Psychiater und Umweltmediziner. Er schaute ab und an nach ihr und sah nach dem Rechten. Aber Heide vertrug die Gegend nicht, es wird dort viel Gülle ausgebracht. Mitpatienten wollten ihr helfen, eine neue Wohnung zu finden. Eigentlich konnte man Heide unmöglich in ihrem Zustand alleine in ihrer Wohnung lassen. Da ihr Zustand immer unerträglicher wurde und sie keine geeignete Hilfe bekommen konnte, wählte sie den Freitod. Am 3. August 2010 war in einer kleinen Kirche in Bredstedt die Beerdigung von Heide N.

Es ist traurig, dass es immer wieder so kommen muss, da seit Jahren in unserem hochentwickelten Land unzumutbare Zustände für Umweltkranke herrschen. Nichts wird unternommen, obwohl öffentlich bekannt ist, dass schon mehreren MCS-Kranken nur noch der Suizid als Ausweg blieb. Umweltkranke und Umweltärzte sprachen immer wieder bei Behörden und Politikern vor, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Nichts wurde unternommen, die Betroffenen werden zwangsläufig ausgegrenzt und haben nur geringe oder keine Lebensqualität mehr.

Ich habe Heide N. gekannt und bin selbst von schwerer MCS betroffen,

Eleonore Heilmann

Weitere CSN-Artikel über die quälende Situation Umweltkranker

Hilferuf: Spanischer Professor mit chronischer Quecksilbervergiftung und MCS trat in Hungerstreik

Gestern am 26. Juli 2010, hat Professor Servando Perez, der Kopf von Mercuriados Spain (Menschen die an chronischer Quecksilbervergiftung leiden) mit einem Hungerstreik begonnen. Bei Prof. Perez wurde vor zwei Jahren eine schwere Quecksilbervergiftung und Multiple Chemical Sensitivity (MCS) diagnostiziert. Sein Fall kam vor das höchste spanische Gericht und dieses stellte fest, daß Prof. Perez infolge von Zahnfüllungen an einer chronischen Quecksilbervergiftung leidet und verfügte, daß das spanische Gesundheitssystem (die Sozialversicherung) seine Erkrankung mittels Chelattherapie [Entgiftungstherapie mit Ethylendiamin-Tetraessigsäure] behandeln oder ihn an eine private Klinik überweisen und die Kosten dafür übernehmen soll. Das war ein außergewöhnlicher Präzedenzfall.

Wie zu erwarten war, wurde Prof. Perez bis dato noch nicht behandelt und die Sozialversicherung unternahm, was sie konnte, um klar zu stellen, daß er wie auch andere spanische Erkrankte mit MCS, CFS/ME und Fibromyalgie keine angemesse medizinische Versorgung durch das Gesundheitssystem erhalten. Darum haben wir, Mercuriados Spain und viele andere Gruppen, Kampagnen, Volksbegehren, Interessenvertretungen, Klagen und viele andere Vorhaben gestartet, um diese Situation zu ändern. Bisher aber ohne Erfolg.

Prof. Perez Gesundheit hat sich verschlechtert und vor einem Monat begab er sich in die Notaufnahme der Universitätsklinik von Santiago de Compostela. Sie weigerten sich, ihn zu behandeln und er erklärte, er würde die Klinik nicht verlassen, bis die gerichtliche Anweisung zur Chelattherapie durchgeführt würde. Während des vergangenen Monats hat Prof. Perez in der Klinik alle möglichen Schikanen und Druck ertragen, mit dem man ihn zum Verlassen der Klinik zwingen wollte. Man hat bei ihm sogar trotz seiner organischen Erkrankung eine psychiatrische diagnostiziert.

Wir, die spanischen MCS, CFS/ME und FMS Gruppen haben eine Kampagne ins Leben gerufen, um Prof. Perez mit Emails, Anrufen bei der Klinik, Pressearbeit usw. zu unterstützen. Nun besteht die neueste Schikaniermethode der Klinik darin, ihm Nahrung ohne Zusatzstoffe zu verweigern. In Anbetracht all dessen hat Servando Perez einen Hungerstreik begonnen. Natürlich könnte er versuchen, einen Bankkredit zu bekommen, um eine Chelattherapie als Privatpatient bezahlen zu können, doch diese würde uns, den anderen in Spanien auf eine Behandlung durch das Gesundheitssystem wartenden Erkrankten nicht helfen. Die Klinik ließ wissen, sie wolle ihn nicht an eine private Klinik überweisen, da dies ein Präzendenzfall bedeuten würde, und dann müßten demnächst alle Menschen mit einer chronischen Metallvergiftung in Spanien behandelt werden. Dies jedoch wollen sie mit unserem Steuergeld nicht tun.

Servando Perez hat sich für den tapferen und schweren Weg entschieden, diese hoffnungslose Situation, in der wir uns mit dieser Art von Erkrankungen in Spanien befinden zu ändern. Darum sind wir auf Servandos Handeln stolz.

Wir lassen Ihnen diese Informationen zukommen und bitten Sie um Unterstüzung. Bitte schreiben Sie an den Vizedirektor der Klinik von Santiago de Compostela, an Dr. Jose-Ramón Gómez oder an jose.ramon.gomez.fernandez[at]sergas.es oder rufen sie ihn unter 0034 98 1950970 an.

Wir alle sind Servando Perez!

Herzlichen Dank!

Clara Valverde

Leiterin der Liga SFC

(CFS/ME League, Spain)

www.ligasfc.org

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Photo: Thank you to Mercuriados Netlog!

Der Artikel erschien auch in anderen Sprachen:

Buch über MCS demnächst als Serie im Radio

Öffentlichkeit ist interessiert Näheres über Chemikalien-Sensitivität zu erfahren

Als das Buch „Vermisst. Ein durch Multiple Chemical Sensitivity zerstörtes Leben“ in den Buchhandel kam, war es rasch überall erhältlich und der Verkauf läuft überraschend gut. Die Autorin des Buches, Eva Caballé, ist chemikaliensensibel und kann nur noch in ihrer Wohnung völlig zurückgezogen existieren. Mehrere Luftfilter laufen Tag und Nacht. Sie kann nur noch wenige Nahrungsmittel tolerieren, das Wasser, das sie trinkt, muss speziell gefiltert werden. Besucher haben keinen Zutritt in ihr Apartment, sie könnte durch Duftstoff- und Waschmittelrückstände in deren Kleidung Schockreaktionen erleiden. Trotz der Schwere ihrer Krankheit trat die Spanierin an die Öffentlichkeit, die höchstes Interesse zeigte. Ihr Blog NO FUN wurde zu ihrem Sprachrohr und wird täglich von Tausenden gelesen.

Durch die Interviews, die Eva Caballès Mann David im Fernsehen, im Radio und gegenüber Zeitungen gab, kannte man in Spanien Evas Geschichte schon bevor ihr Buch in den Regalen stand. Jetzt wurde das Buch für eine Hörfunkserie vertont.

Im vergangenen Monat hatte David einige Interviews über chronische Krankheiten für ein Radioprogramm namens „Vital Space“ gegeben. Die Macher der Sendung waren begeistert von Evas Buch und berichteten darüber in ihrer Sendung, um MCS der Öffentlichkeit näherzubringen. Details über Chemikalien-Sensitivität sind auch in Spanien bislang nicht sehr bekannt. Die Resonanz war enorm, was die Redakteure auf die Idee brachte, dass MCS-Buch als Hörfunkserie zu vertonen. Eva und David stimmten zu und schrieben ein Editorial dafür. Zwei professionelle Schauspieler, deren Stimmen denen von Eva und David sehr ähneln, wurden engagiert und ein leitender Moderator, der die Aufnahmen koordinierte. Das ganze Buch wurde vertont und mit einer Hintergrundmusik untermalt. Im nächsten Herbst wird die Serie gesendet. Für jedes Kapitel stehen jeweils 10 Minuten Sendezeit zur Verfügung. Über einen Zeitraum von 21 Wochen werden die Radiohörer im Herbst die nackte Wahrheit über MCS – Multiple Chemical Sensitivity erfahren.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 26. Juli 2010

CSN-Beiträge von Eva Caballé:

Kanada: Parfüm- und Duftstoff-Verbot dient der Sicherheit am Arbeitsplatz

Duftstoffe gelten als Luftverschmutzer Nr.2 direkt nach Passivrauch

Im kanadischen Bundesstaat British Columbia gibt es seit Februar 2010 eine Leitlinie für Arbeitssicherheit, betreffend Duftstoffe am Arbeitsplatz. Herausgegeben wurde diese Anweisung von WorkSafeBC (ähnlich unseren Berufsgenossenschaften), um die Gesundheit und Sicherheit von Angestellten an Arbeitsplätzen sicherzustellen. Die Zielsetzung besteht darin, Exposition gegenüber parfümierten Produkten zu verhindern, da diese umweltbedingte Chemikalien-Sensitivität (MCS) hervorrufen können. Die Leitlinie wurde jetzt auch an Schulen und Theatern eines Distrikts bereits umgesetzt. Alle Angestellten und Besucher von Gebäuden, die WorkSafeBC unterstehen, werden dazu angehalten, davon Abstand zu nehmen, parfümierte Produkte zu verwenden. (1,2)

Gestaltung von Arbeitsplätzen

Deutschland: Deo-Pflicht – Kanada: Duftstoff-Verzicht

Als in Deutschland im Sommer 2010 die Meldung durch alle großen Zeitungen ging, dass die Vorstandsvorsitzende des Verbandes für mittelständische Unternehmen darauf drängt, eine Deo-Pflicht in Betrieben einzuführen, waren verantwortungs-bewusste Mediziner, Allergiker und Umweltkranke gleichermaßen schockiert. (3) In im kanadischen Bundesstaat British Columbia und Alberta geht man genau den entgegengesetzten Weg, weil man sich der Gesundheitsgefahren durch Chemikalien und Allergene in parfümierten Produkten bewusst ist.

In einer Leitlinie, die von WorkSafeBC erstellt wurde, möchte man folgende Ziele erreichen:

  • Eliminierung der Verwendung von Parfüms, Cologne/Aftershave, Lufterfrischern mit Duft, Duftkerzen und Potpourri am Arbeitsplatz;
  • Eliminierung der Verwendung stark duftender Körperhygieneartikel wie Haarpflegeprodukte, Bodylotions, Cremes und Deodorants;
  • Reduzierung von stark duftenden Blumen am Arbeitsplatz wie Lilien, Hyazinthen, etc.

Allgemeine Informationen

WorkSafeBC begründet diese Maßnahmen mit einer grundsätzlichen Information, in der steht, dass Exposition gegenüber duftenden Produkten die Gesundheit einer Person nachhaltig beeinträchtigen kann. In hinreichenden Konzentrationen lösen Duftstoffe Reaktionen bei denjenigen aus, die unter Allergien oder Chemikalien-Sensitivität leiden, erläutert WorkSafeBC in seiner Leitlinie und führt Symptome auf, die allergische, asthmatische und anderweitig sensibilisierte Personen u.a. erfahren können, wenn sie Duftstoffen ausgesetzt sind:

  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Schwindel, Benommenheit
  • Schwäche
  • Verwirrung
  • Taubheitsgefühle
  • Symptome der oberen Atemwege
  • Hautirritationen
  • Übelkeit, Erschöpfung
  • Unwohlsein
  • Angstgefühle
  • Konzentrationsstörungen
  • Verstopfte Nebenhöhlen
  • Appetitverlust

Diese Symptome können auftreten, sind aber nicht beschränkt auf die Aufzählung in dieser Liste, vielmehr können sie individuell variieren. Auch die Schwere der Symptome ist unterschiedlich. Einige Menschen verspüren bei der gleichen Konzentration eines Duftstoffes leichte Beschwerden, während sie andere völlig arbeitsunfähig hinterlässt.

Duftstoffkategorien

WorkSafeBC erklärt in seiner Leitlinie, dass Duftstoffe in verschiedene Kategorien eingeteilt sind.

Produkte des persönlichen Bedarfs

Bereich Hygiene, darunter versteht man u.a. folgende Produkte, wobei wegen der Flut von parfümierten Produkten nicht alle aufgeführt werden können: Kosmetika, Parfüms, Colognes, Aftershave und parfümierte Rasiercremes, Deodorant, Shampoo, Haarspülungen, Haarspray, Lotionen und Cremes.

Bereich Nicht-Hygiene, darunter versteht man Produkte wie bspw. Duftkerzen, Potpourri und beduftete Dekorationsgegenstände.

Produkte sonstigen Bedarfs

Alltagsprodukte mit einem ausgeprägten Duft oder Parfüm, wie u.a. beduftete Haushaltsreiniger, Lufterfrischer, Raumsprays, Baumaterialien (Farben) und einige Arten von Blumen.

Verantwortung von Vorgesetzten

Unternehmensleitungen und Vorgesetzte tragen die Verantwortung für Angestellte und die Umsetzung, als auch für das Durchsetzen der Einhaltung eines duftfreien Arbeitsplatzes.

WorkSafeBC teilt in seiner Leitlinie die einzelnen Verantwortungsbereiche auf. Manager und Vorgesetzte haben demnach die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass stetig Bewusstsein geschaffen und aufgeklärt wird, als auch, dass Personal-schulungen stattfinden in Bezug auf einen duftfreien Arbeitsplatz.

WorkSafeBC verlangt, dass sichergestellt wird, dass Mitarbeiter in folgenden Bereichen geschult werden:

  • WorkSafeBC Leitlinie HEA1-9 Sicherheit hinsichtlich Duftstoffen am Arbeitsplatz
  • Kenntnis über die Arten von bedufteten Produkten des persönlichen/nicht persönlichen Bedarfs
  • Wie man Zuwiderhandlung und unsichere Bedingungen meldet
  • Wie man Erste Hilfe erhält
  • Sicherstellung, dass Angestellte duftfreie Produkte verwenden
  • Sicherstellung, dass Materialien und andere Ressourcen, die benötigt werden, um eine duftfreie Arbeitsumgebung aufrecht zu erhalten, jederzeit griffbereit sind (das heißt: angebrachte Hinweisschilder, Aufklärungsmaterial, Präsentationen, etc.) Hierzu kann eine spezielle Dienststelle für Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden angefragt werden.
  • Durchführung eines Referats zur Sicherheitsproblematik hinsichtlich Duftstoffen, mindestens alle zwei Jahre, das in die monatliche Sicherheitsschulung einbezogen wird.
  • Information der Besucher über die Leitlinie, bevor sie irgendeine WorkSafeBC Einrichtung aufsuchen.

Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden

  • Erstellung und Beibehaltung einer effektiven Richtlinie für einen Arbeitsplatz, der frei von Duftstoffen ist.
  • Erstellung aller erforderlichen Aufklärungsmaterialien, Hinweisschildern und/oder fördernden Materialien
  • Unterstützung bei der Schulung von Mitarbeitern über die Auswirkungen von duftstoffhaltigen Produkten und was geeignete Alternativen sind.

Hilfen, Infrastruktur für einen duftfreien Arbeitsplatz

Zur Aufrechterhaltung eines duftfreien Arbeitsplatzes verlangt WorkSafeBC:

  • Sicherstellung, dass jedes Produkt, das für Renovierungs- oder Wartungsarbeiten, als auch zum Reinigen benötigt wird, duftfrei ist, soweit dies möglich ist.
  • Über die Leitlinie sind Handwerker und Baufirmen vor dem Besuch jeder WorkSafeBC Einrichtung zu informieren.
  • Benachrichtigung von geeignetem Personal, wenn Arbeiten durchgeführt werden, die beduftete Produkte zum Einsatz bringen, oder solche Produkte, die einen Geruch haben, der die Gesundheit eines Angestellten beeinträchtigen kann. Angemessene Warnung sollten Angestellten im Vorfeld übermittelt werden, um sicherzustellen, dass Vorkehrungen getroffen werden, falls dies erforderlich ist.

Gemeinsame Ausschüsse für Sicherheit und Gesundheit

  • Unterstützung von Mitarbeiterschulungen über die Verwendung und Auswirkungen von parfümierten Produkten.
  • Betreuung von Vorgesetzten zur Aufrechterhaltung eines duftfreien Arbeitsplatzes.

Forderungen an Angestellte

  • Unterlassung des Mitbringens von parfümierten, duftenden Produkten für den persönlichen und/oder nicht persönlichen Bedarf auf WorkSafeBC Arbeitsplätzen.
  • Teilnahme an Aufklärungen, Schulungen und Training über Duftstoffe.
  • Befolgung der HEA 1-9 Leitlinie Sicherheit hinsichtlich Duftstoffen am Arbeitsplatz und den eingeführten Richtlinien.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 21. Juli 2010

Literatur:

  1. WorkSafeBC, Scent Safety in the Workplace – HEA 1-9, Feb. 04, 2010
  2. Terrace Standard, Schools, Theathre now scent-free, 15.07.2010
  3. Silvia K. Müller, Folgen einer Deo-Pflicht für Angestellte, CSN Blog, 13.07.2010

Weitere Informationen über Gesundheitsgefahren durch Parfüms und Duftstoffe:

Kostenlose Informationskarten über Duftstoffe und deren Gefahren und  Infomaterial erhalten Sie bei CSN – Chemical Sensitivity Network.


Folgen einer Deo-Pflicht für Angestellte

Vorsitzende eines Unternehmerverbandes will Deo-Pflicht einführen

In einem Interview mit der Zeitschrift FOCUS ließ die Vorsitzende des Verbandes für mittelständische Unternehmer verlauten, dass sie sich für eine Deo-Pflicht in Betrieben einsetzen will. Ursula Frerichs findet es unangenehm, wenn jemand nach Schweiß riecht. (1) Als der Journalist im Interview fragte, wie man sich eine Umsetzung vorstellen könne, ließ Frau Frerichs keinen Zweifel daran, wie ernst sie ihr Vorhaben empfindet. Angestellte in Betrieben sollen sich möglichst mehrfach pro Tag mit Deo einsprühen und wenn es nach ihr ginge, soll dies sogar durch betriebsfremde „Schnüffler“ überprüft werden. Wer trotz Deo-Pflicht stinkt, dem sollen Abmahnungen ins Haus stehen.

Chemikaliensensible Mitmenschen sind erschüttert vom Ansinnen der Verbandsvorsitzenden, sie fürchten, dass damit der verbliebene kleine Rest ihrer Lebensqualität gänzlich verloren geht und sie, wenn sich dieser Vorschlag durchsetzt, unausweichlich körperliche Reaktionen in vielen Situationen anstehen. Eine chemikaliensensible Frau hat deswegen bereits Anzeige gegen die Verbandsvorsitzende erstattet, sie hält das Vorhaben u.a. für eine vorsätzliche Aufforderung zur Körperverletzung.

Systematisch ausgrenzt durch Duftstoffwahn

Was für die Zeitungen eine willkommene Sommerschlagzeile war, lässt Asthmatikern, Allergikern, Migräne-Patienten und Menschen mit Chemikalien-Sensitivität aufhorchen, denn durch eine solche Maßnahme würde ihnen die Möglichkeit genommen, ihre Arbeit in einem Betrieb mit forcierter „Deo-Pflicht“, ohne gesundheitliche Einschränkungen leisten zu können. Nicht wenige müssten sogar kündigen, weil Reaktionen bis hin zu Lebensgefahr zu erwarten wären und die eingeschränkte Gesundheit einfach nichts anderes zulässt.

Deos sind zum Großteil üble Chemikaliengemische

Um zu wissen, was die Inhaltsstoffe für die Gesundheit bedeuten, die auf Deo-Spraydosen und Deo-Rollern angegeben sind, muss man fast ein Chemiker oder Toxikologe sein. Sollte der Käufer sich die Mühe machen, die Inhaltsstoffe zu identifizieren, muss er sich außerdem darüber im Klaren sein, dass nicht alles deklariert ist, was im Produkt enthalten ist – „Produktgeheimnis“ nennen dies die Hersteller. (2)

Gesundheitsprobleme durch Duftstoffe

Für einen erheblichen Anteil der Menschen mit Krankheiten, die durch Duftstoffexposition verschlimmert werden, insbesondere Chemikaliensensible, würde eine „Deo-Pflicht“ und der damit verbundene zwangsläufige extensive Einsatz von Deos sogar bedeuten, dass sie normale Geschäfte oder Handwerksbetriebe nicht mehr betreten können. Atembeschwerden, schwere Asthmaattacken, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Konzentrationsverlust, bis zu Bewusstlosigkeit reichen die Reaktionen, die berichtet werden. Sogar mit anaphylaktischen Schocks muss bei hypersensibilisierten Personen gerechnet werden.

Deo für alle – giftige Chemikalien für alle

Oft wird von Laien vermutet, dass nur allergische oder „empfindliche“ Personen auf Duftstoffe oder beduftete Produkte reagieren. Ein Blick auf die Inhaltsstoffliste vieler Deo-Sprays lehrt einen ein Besseres, zu den Inhaltsstoffen gehören z.B. Butanol, Propanol, Dipropylen Glycol, BHT, CETEARETH-12, Kampfer, Cumarin, Triclosan, Lilial, Limonene, Linalool, Geraniol, denaturierter Alkohol, Aluminium, usw. (3)

Aber es sind nicht nur die Deo-Sprays, auch Deo-Roller oder Deo-Sticks enthalten genauso toxische Substanzen, die sich krebserregend, immunschädigend, sensibilisierend, Organ- und fortpflanzungsschädigend, neurotoxisch, irritativ auf die Haut, Augen und Atemwege auswirken. (3)

Deo-Pflicht – Statt Umsatzplus, eher Umsatzverlust zu erwarten

Der Bevölkerungsgruppe, die bereits Probleme mit Duftstoffen hat, würde mit einer „Deo-Pflicht“ in mittelständischen Betrieben in schwerwiegenderen Fällen die Möglichkeit genommen, sich einen Handwerker in die eigenen vier Wände zu rufen. Ob sich das Handwerk oder andere Betriebe mit Publikumsverkehr das leisten können? Eine Studie von 2009 stellte fest, dass sich 30,5% der Bevölkerung durch Duftstoffe belästigt fühlt. Schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen beklagten in der Studie 19% der Teilnehmer, die aus der Allgemeinbevölkerung stammten. (4)

  • Fast jeder zweite in Deutschland leidet unter Allergien
  • Duftstoffallergie gilt als die zweithäufigste Allergie nach Nickel
  • Asthma hat laut Fachverband der Lungenfachärzte rund 30% der Bevölkerung
  • Bei MCS geht man davon aus, dass ca. 15% der Bevölkerung leicht bis mittelschwer betroffen sind
  • Migräne betrifft etwa 10% der Bevölkerung
  • Schwangere fühlen sich in der Regel durch Düfte „belästigt“

Hinzu kommen Menschen mit Vernunft und Gesundheitsbewusstsein, die chemische Düfte einfach ablehnen, weil sie überflüssig, gesundheitsschädlich und umwelt-verschmutzend sind.

Was sagt die Wissenschaft zu Beduftung ohne Ausweichmöglichkeit?

In der Süddeutschen Zeitung brachte der Duftforscher Hanns Hatt am Beispiel Duftmarketing auf den Punkt, wo das eigentliche Problem steckt, wenn man zu einer Zwangsbeduftung übergeht:

„Heimtückisch am Duftmarketing sei, erklärt Hanns Hatt, dass wir den Düften nicht entkommen können: „Ich kann die Augen zumachen oder die Ohren zuhalten, aber ich kann natürlich nicht verhindern, dass ich einen Duft in die Nase kriege. Wir müssen schließlich atmen und mit der Atemluft werden immer Düfte aufgenommen.“ (5)

Nur, im Fall von Duftmarketing wird man mit einer einzigen Duftkomposition konfrontiert. Unproblematisch ist dies zwar auch meist nicht, wie Berichte offenbaren, ungleich problematischer wird es jedoch, wenn die von der Vorstandsvorsitzenden der mittelständischen Betriebe geforderte Deo-Pflicht z.B. in einem Großraumbüro zum Tragen kommt. Duftnoten für Deos werden individuell ausgesucht und somit kann an einem Arbeitsplatz mit 50 Angestellten mit mindestens 20-40 verschiedenen Duftnoten (Chemikaliencocktails) gerechnet werden. Wie Angestellte vorgehen sollen, um nicht verschwitzt zu riechen, teilte Ursula Frerichs im Interview dem Journalisten des Focus am eigenen Beispiel mit. Weil der Journalist in einem Großraumbüro arbeitet, habe er sich am Morgen dreimal links und dreimal rechts mit Deo eingesprüht und fragte, ob das in Ordnung sei. Er bekam den Rat, weil er in einem Großraumbüro arbeitet: „Dann sollten Sie das auch gerne öfter machen.“

Integration von Behinderten und Allergiker durch Duftstoffverbot in Betrieben

In USA und Kanada ist man sich über die Auswirkungen der Chemikalien in Parfüms, Deos und Duftstoffen bewusster, und es gibt immer mehr Betriebe, Behörden, Krankenhäusern, Schulen und Universitäten, die ein Duftstoffverbot verhängen. Damit soll den Menschen, die auf Duftstoffe und Chemikalien reagieren, die Möglichkeit gegeben werden, dennoch einer Arbeit nachgehen zu können oder eine Schule, Universität zu besuchen. Diese Vorgehensweise wurde in einigen Fällen freiwillig eingeführt, in anderen Fällen vor Gericht erzielt, weil durch Chemikalien-Sensitivität (MCS) behinderte Personen gesundheitlich zu Schaden kamen.

Organisiertes Vorgehen, der Gesundheit zuliebe

Weil die zunehmende Verwendung von Duftstoffen auf Arbeitsplätzen zu krankheitsbedingten Fehlzeiten führt, haben sich in den USA 2008 mehrere Vereinigungen aus Gesundheitsberufen, u.a. Krankenschwesternverbände, zusammengetan, um ein Duftverbot an Arbeitsplätzen durchzusetzen und Leitlinien zu entwickeln. Es gab eine Videokonferenz der Vereinigung, bei der Evie Bain, eine der Moderatorinnen, sagte: “Asthma und Migränekopfschmerzen können in Zusammenhang mit Exposition gegenüber Duftstoffen stehen, und beides sind Hauptursachen für Arbeitsfehlzeiten”.

“Asthma ist eine schwerwiegende Krankheit und kann durch die Exposition gegenüber synthetischen Duftstoffen verursacht werden”, erläuterte Bain damals und fügte an, “Das Institut für Medizin platzierte Duftstoffe in die gleiche Kategorie der Asthmaauslöser für Erwachsene und Schulkinder, wie Passiv -Zigarettenrauch.“ (6)

Behörden warnen vor Duftstoffen in Innenräumen

Das deutsche Umweltbundesamt gab in den vergangenen Jahren mehrere Mitteilungen heraus, in denen man vor dem Einsatz von Duftstoffen warnte. In einer Meldung aus dem Jahr 2000 geht deutlich hervor, wie das UBA zu Duftstoffen in Innenräumen steht (7-9):

„Da davon auszugehen ist, dass öffentliche Gebäude, zum Beispiel Kaufhäuser, Kinos, und so weiter, auch von empfindlichen oder bereits sensibilisierten Personen betreten werden, wird dringend empfohlen, im Sinne des Verbraucherschutzes dort Riech- und Aromastoffe nicht zu verwenden. (7)

Die bei Überschriften einer Pressemitteilung des Umweltbundesamtes vom 15.07.2004 lautete:

Duftstoffe nicht wahllos einsetzen

UBA, Industrie und Verbände bei Kriterien einig: gesundheitliche Unbedenklichkeit, Umweltverträglichkeit und Rücksicht auf empfindliche Personen.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA, setzte Juni 2010 ebenfalls ein unübersehbares Zeichen. Eine Konferenz mit mehr als 300 Experten zum Thema Asthma, wurde duftfrei ausgerichtet. Die EPA teilte in der Einladung mit: (10)

Asthma-freundliche Umgebungen sind unsere Aufgabe – Bitte helfen Sie uns, eine duftstofffreie Veranstaltung zu ermöglichen, indem Sie duftfreie Körperpflegemittel verwenden und auf Parfüms und andere Reizstoffe verzichten.

Anzeige wegen Aufforderung zu vorsätzlicher Körperverletzung

Um dem vorzugreifen, dass in Deutschland tatsächlich eine solche „Deo-Pflicht“ in mittelständische Betrieben eingeführt wird und Chemikaliensensible, wie auch andere sensibilisierte Menschen, unnötigerweise gesundheitlichen Schaden davontragen, hat eine chemikaliensensible Frau aus Berlin gleich nach Bekanntwerden Anzeige erstattet. Für sie ist dieses angestrebte Unterfangen u.a. eine Aufforderung zu vorsätzlicher Körperverletzung, Diskriminierung von Behinderten und Nötigung. Andere MCS-Erkrankte signalisierten, dass sie nachziehen wollen, wenn die „Deo-Pflicht“ tatsächlich näher in Betracht gezogen werden sollte. Wie Schadenfälle ausgehen, konnte in den USA mehrfach beobachtet werden. In Detroit gewann eine Arbeitnehmerin einen Prozess, in dem sie nicht nur 100 000$ Schadensersatz erhielt, sondern der auch dazu führte, dass nun alle Behörden in der Stadt ein Duftstoffverbot eingeführt haben. (11)

Weit hergeholt ist die Einschätzung der Frau, die selbst unter schwerer MCS leidet, nicht, ganz im Gegenteil, denn dass Menschen mit MCS durch Duftstoffe schon in geringen Konzentrationen schwerste Reaktionen erleiden, ist bekannt und durch Studien zweifelsfrei dargelegt. Selbst eine Einschränkung der Hirnfunktion nach kurzzeitiger Duftstoffexposition konnte bei MCS Patienten im Jahr 2009 von spanischen Wissenschaftlern nachwiesen werden. (12)

Es bleibt abzuwarten, ob und wie der Staatsanwalt im aktuellen Fall die Gefahr einschätzt, die durch Freisetzung von erheblichen Mengen von Deo-Spray entsteht. Dass nicht ausschließlich die Gesundheit von Menschen gefährdet wird, sondern auch die Außenluft, die jeder zwangsläufig atmen muss, dadurch kontaminiert wird, wurde durch ein Gerichtsurteil in Kalifornien offenkundig. In diesem umweltbewussten US-Bundesstaat musste im März 2010 ein Deo- Hersteller über eine Million Dollar Strafe wegen Luftverschmutzung zahlen und erhielt erhebliche Auflagen. (13)

Körperpflege statt Deo-Zwang

Duftstoffe lassen unangenehmen Körpergeruch nicht verschwinden, sie sind ausgelegt, ihn zu überdecken und addieren ganz einfach Chemikalien oder duftende Substanzen hinzu. Das kann schnell zu einem unangenehmen Geruchsmix führen, vor allem wenn Kleidung nicht gepflegt ist und die Körperhygiene vernachlässig wurde. Eine noch bedenklichere Variante sind 24h oder 48h Antiperspirants, sie unterdrücken das Schwitzen, was auf Dauer sehr ungesund ist und in wichtige Regulationsmechanismen des Körpers eingreift. Tägliche Körperpflege, sorgsame Reinigen der Kleidung und gute Lüftung in Innenräumen sind nahezu immer im Stande, unangenehme Körpergerüche im Rahmen des Erträglichen zu halten.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 13. Juli 2010

Literatur:

  1. Focus, Deopflicht, Wer stinkt fliegt raus, 6.7.2010
  2. Silvia K. Müller, Das Geheimnis von Parfüms, Studie findet Chemikalien, CSN, 12.05.2010
  3. Skin Deep, Safety guide to cosmetics and personal care products, Environmental Working Group, 2010
  4. Silvia K. Müller, Bevölkerung durch Duftstoffe und Parfums gesundheitlich beeinträchtigt, CSN, 02.04.2009
  5. Süddeutsche, Duftforschung – Gerüchen kann man nicht entkommen, 22.6.2010
  6. Silvia K. Müller, Synthetische Duftstoffe stellen für 20% der Angestellten ein Gesundheitsrisiko dar, CSN Blog, 16. 09.2008.
  7. Umweltbundesamt, Duft- und Aromastoffe nicht unüberlegt in Innenräumen einsetzen, 14.04.2000.
  8. Umweltbundesamt, Pressemeldung 34/2004, Ein unterschätztes Problem: Umweltbedingte Kontaktallergien, 22.04.2004
  9. Umweltbundesamt, Duftstoffe nicht wahllos einsetzen, 15.07.2004
  10. Silvia K. Müller, EPA Konferenz plädiert zur Rücksichtnahme auf Asthmatiker, 17.06.2010
  11. Silvia K. Müller, Vergleich bei Gericht: 100 000$ Entschädigung und Duftstoffverbot bei Behörden, CSN, 15.03. 2010
  12. Orriols R, Costa R, Cuberas G, Jacas C, Castell J, Sunyer J., Brain dysfunction in multiple chemical sensitivity, J Neurol Sci. 2009 Oct 2.
  13. Silvia K. Müller, Luftverschmutzung durch Deo. Hersteller muss 1,3 Millionen Dollar Strafe zahlen, 17.03.2010

Hilferuf – Junge Frau in Lebensgefahr

Versprühen von Pestiziden bringt junge chemikaliensensible Frau in Not

Elvira Roda lebt in der spanischen Region Valencia und ist in großer Not, ihre Familie und Freunde bitten um internationale Hilfe. Die 35-jährige Frau leidet unter MCS-Multiple Chemical Sensitivity. Dort, wo sie wohnt, sind durch die feuchte Hitze vermehrt Ungeziefer und Moskitos aufgetreten. Die Gemeinde lässt zur Eindämmung die Bäume und Straßenränder mit hochgiftigen Organophosphat-Pestiziden besprühen (Siehe Video in der Mitte der Webseite um einen Eindruck von der Sprühaktion zu bekommen). Diese Nervengifte sind für Menschen und Tiere sehr schädlich.

Elviras Familie hat am 1. Juli 2010 eine Petition verfasst und bitte um internationale Unterstützung.

Behandlungserfolg von Spezialklinik vernichtet, stattdessen Lebensgefahr

Ein Klinikaufenthalt in der besten Umweltklinik weltweit, dem Environmental Health Center Dallas, hatte Elvira körperliche Stabilität und ihrer Familie Hoffnung zurückgegeben. Ihr Fall wird von den Medien seit einiger Zeit begleitet.

Die junge Frau, die schon von geringen Spuren von Parfüms schwere Reaktionen bekommt, ist in letzter Zeit bereits mehrfach zusammengebrochen. Der Grund sind hochtoxische Pestizide der Organophosphatklasse, die von der Gemeinde vor ihrem Haus ausgebracht werden. Diese Pestizide sind für Sie ganz besonders gefährlich, weil sie ein bestimmtes Entgiftungsenzym lahmlegen und der Körper sich dadurch selbst vergiftet.

Im Moment wird Elvira täglich ans Meer gebracht. Es ist schwierig für sie, weil sie unter anderem unter schwerer Lichtempfindlichkeit, Spasmen, einem kapitalen Immunschaden und Fibromyalgie leidet. Dort verbringt sie den ganzen Tag, obwohl es ihr gesundheitlich so schlecht geht, dass sie im Bett liegen müsste. Es gibt keine andere Lösung, es ist die einzige Möglichkeit, um sie davor zu bewahren, dass sie den gefährlichen Giften ausgesetzt ist. Ein Notfallquartier gibt für Chemikaliensensible in Spanien nicht, genaussowenig wie in anderen Ländern.

Junge Frau in Lebensgefahr, wegen Uneinsichtigkeit der Gemeinde

Die Eltern von Elvira haben ihr eine „Bubble“ gestaltet – ihr Wohnraum ist schadstofffrei gestaltet, so dass die 35-jährige normalerweise gut zurechtkommt. Sie hat dort eine Sauna um zu entgiften, es ist alles da, damit Elvira Zuhause eine Oase hat, wo sie sicher ist. Doch das war einmal, jetzt versprüht die Gemeinde toxische Pestizide bis wenige Meter vor das Haus. Die Bäume werden mit einem Sprühwagen von oben bis unten eingenebelt.

Die Familie hat der Gemeinde mitgeteilt, in welche Gefahr diese Maßnahmen die junge Frau bringen, vergebens. Man teilte mit, dass man vor dem Versprühen der Pestizid Bescheid sagen wolle. Viel nutzt das nicht, denn die Aerosole dringen auch durch die abgedichteten Fenster und Türen des Apartments, in dem Elvira normalerweise Tag und Nacht ist. Organophosphatpestizide bleiben einige Zeit aktiv, das bedeutet, dass sie je nach Art mehrere Tage bis mehrere Wochen ausgasen. Gefährdet sind durch diese Pestizide nicht nur Chemikaliensensible, sondern jeder, der im Umfeld wohnt, ganz besonders natürlich Babys und Kinder, deren Entgiftungs- und Immunsystem noch nicht voll leistungsfähig ist. Das Hauptzielorgan für Organophosphatpestizide ist das Nervensystem, doch sie wirken auch schädigend auf das Immunsystem und sind im Fall von bspw. Chlorpyrifos dafür bekannt, MCS auszulösen.

Petition zur Unterstützung von Elvira Roda

Um das Versprühen der Pestizide zu stoppen, hat die Familie von Elvira eine Petition an den Stadtrat von Alboraya geschrieben. Jeder kann diese Petition mitunterzeichnen und einen Kommentar abgeben. Es ist wichtig, dass Elvira internationale Hilfe erhält. Die Familie bitte den Aufruf auch auf Facebook, in Newsgruppen und auf Twitter zu verbreiten.

Petition für Elvira Roda: http://www.gopetition.com/online/37492.html

Unterzeichnen und einen Kommentar abgeben kann man hier:

http://www.gopetition.com/online/37492/sign.html

Gebt Elvira Unterstützung, Kraft und Hoffnung

Informationen über Elvira können auf ihrer Webseite ElviraRoda eingesehen werden, die ihre Familie für sie errichtet hat. Dort kann man sich über den Stand der Dinge informieren.

Eine nette menschliche Geste wäre, wenn viele an Elvira und ihre Familie schreiben und Mut zusprechen (ganz gleich in welcher Sprache, Englisch und Spanisch sind vorzugsweise zu verwenden. Andere Sprachen werden per Computerprogramm übersetzt). Die Situation, in der sich Elvira im Moment befindet, kann jeden treffen, der unter MCS leidet.

Da Elvira auch unter Elektrosensibilität leidet, kann sie zwar nicht selbst antworten, bekommt aber alle Briefe vorgelesen. Elvira wird versuchen, Kontakt über ihre Webseite zu halten. Sie schreibt handschriftlich auf Papier, und die Familie und Freunde aktualisieren die Seite. Es kann unter Umständen etwas dauern, bis Informationen online gehen, weil sich alle intensiv um die junge Frau kümmern müssen.

Alles Gute für Elvira!

Wir wünschen Elvira viel Kraft und dass von Seiten des Stadtrates schnell Verständnis eintritt und man zu ungiftigen Schädlingsbekämpfungsmethoden übergeht, das wäre zum Wohle aller Bewohner der spanischen Stadt. Alternativen gibt es.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 11. Juli 2010

Weitere CSN Berichte über MCS Patienten in Not