MCS Leitlinie für Krankenhäuser

Ministerium für Gesundheit schafft bessere Bedingungen für MCS Kranke in Kliniken

Das Ministerium für Gesundheit des australischen Bundesstaates Victoria hat eine Leitlinie für Krankenhäuser herausgegeben, indem beschrieben wird, welche speziellen medizinisch bedingten Bedürfnisse Patienten mit MCS – Multiple Chemical Sensitivity haben und wie man mit dieser Patientengruppe Entgegenkommen erweisen sollte, damit ein Klinikaufenthalt positiv verläuft. Der Bedarf für eine solche Leitlinie ergab sich durch die wachsende Anzahl MCS Kranker in den einzelnen Gemeinden des Bundesstaates Victoria. Mehrere Selbsthilfegruppen und MCS Aktivisten hatten sich bemüht, dass Victoria die Leitlinien für den Umgang mit MCS Patienten in Krankenhäusern des Gesundheitsministeriums von Südaustralien übernimmt. Außer Australien gibt es bislang noch kein anderes Land, das über eine solche Leitlinie verfügt. Lediglich in den USA und Kanada gibt es vereinzelt Krankenhäuser, die spezielle Regelungen im Umgang mit Chemikaliensensiblen entwickelten, um auch dieser Patientengruppe medizinische Hilfe anbieten zu können. In Deutschland verfügt lediglich ein Hamburger Krankenhaus zwei speziell hergerichtete Umweltzimmer für Umweltkranke an und hat das Klinikpersonal auf dem Umgang mit den Umweltpatienten hin geschult.

MCS – eine schwächende Krankheit mit vielfältigen körperlichen Symptomen

Das Ministerium für Gesundheit von Victoria beschreibt Multiple Chemical Sensitivity (MCS) als eine schwächende Krankheit mit schwerer körperlicher Symptomatik, die durch Exposition gegenüber chemischen Stoffen eingeleitet wurde. Weil es bislang noch keine Diagnose-oder klinischen Leitlinien für MCS in Australien gibt, hält das Ministerium es für möglich, dass einige Patienten, die hypersensibel auf Chemikalien reagieren, ebenfalls an MCS leiden, ohne dass die Erkrankung je diagnostiziert wurde.

Krankenhausaufenthalt auf Bedürfnisse MCS Kranker anpassen

Eine normale Krankenhausumgebung ist für MCS Kranke sehr problematisch. Desinfektionsmittel, starke chemische Reinigungsmittel, parfümierte Waschmittel und Körperpflegeprodukte, Chemikalien in Nahrungsmitteln, sowie viele spezielle Krankenhauschemikalien erschweren eine medizinische Behandlung und einen Klinikaufenthalt. Patienten, die schwerer betroffen sind und bereits hypersensibel reagieren, hatten bislang keine Möglichkeit, sich in einem Krankenhaus behandeln zu lassen. Weil die Chemikalien, auf die MCS Kranke reagieren, von Fall zu Fall variieren, regt die Leitlinie an, individuelle Anpassungen vorzunehmen. Dadurch erhofft man sich von Behördenseite, dass zwangsläufig eintretende körperliche Reaktionen der Patienten in einem Krankenhaus verringert und der Gesundheitszustand besser stabilisiert werden kann, was auch der Erholung und dem Wohlbefinden der Kranken dienlich ist. Nicht zuletzt wird sich durch die angepassten Modalitäten der Zeitraum der Rekonvaleszenz nach einem operativen Eingriff reduzieren und mit dazu beitragen, dass medizinische Behandlungen erfolgreich verlaufen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 7. September 2011

Literatur:

State of Victoria, Department of Health, Multiple Chemical Sensitivity: A guide for Victorian hospitals, 26.08.2011

Weitere CSN Artikel zum Thema MCS im Krankenhaus:

Hamburger Klinikum kann ab sofort MCS-Patienten und Umweltkranke aufnehmen

Schadstoffkontrollierte Krankenzimmer

Endlich gibt es in Deutschland ein Krankenhaus, das über speziell eingerichtete schadstoff- und allergenkontrollierte Krankenzimmer verfügt. Jahrelang haben vor allem an MCS Erkrankte um Krankenzimmer gebeten, die den besonderen Bedürfnissen dieser Patientengruppe wenigstens annähernd gerecht werden. Jetzt gibt es drei „Umweltbetten“, für ganz Deutschland. Wenngleich dies zu wenig ist und die Klinik im Norden von Deutschland nicht für jeden der Erkrankten erreichbar, ist es ein großer Fortschritt.

Umweltkontrollierte Krankenzimmer in Hamburger Klinikum

Im März 2011 hatte ein Hamburger Klinikum angekündigt, dass man im fertiggestellten Klinikneubau zwei Krankenzimmer einrichte, die für die besonderen Bedürfnissen von Umweltkranken und Multiallergikern geeignet wären. Bis die Klinik signalisieren konnte, dass die mit viel Sorgfalt ausgebauten Zimmer Patienten aufnehmen können, vergingen weitere vier Monate. Die beiden Umweltkrankenzimmer sind ein Hoffnungsschimmer für Chemikaliensensible aus ganz Deutschland. Leichte bis mittelschwere Fälle können sich in der Hamburger Klinik Operationen, medizinischen Eingriffen und spezieller Diagnostik unterziehen.

Umweltkranke können nun ins Krankenhaus

Seit Mitte Juli 2011 ist das Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg (DKH) in der Lage die drei Betten der beiden „Umweltzimmer“ mit MCS-, Umweltpatienten und Multiallergikern belegen zu können. Der Umweltzimmerbereich gehört zur Abteilung der Inneren Medizin in dem seit Februar geöffneten herkömmlich erbauten Regelklinikum mit 360 Betten.

Nähere Einzelheiten:

Hamburger Krankenhaus bietet Zimmer für Patienten mit MCS und Umweltkrankheiten

Kriterien zur Aufnahme im Umwelt-Krankenzimmer

Das DKH ist ein Klinikum, das viele verschiedene Fachbereiche abdeckt und an dem auch Operationen durchgeführt werden. Es handelt sich nicht um eine Umweltklinik und es werden keine umweltmedizinischen Therapien oder Behandlungen durchgeführt, sondern schulmedizinische Interventionen, die auf die jeweilige medizinische Indikation hin ausgerichtet werden. Das Klinikpersonal, mit dem die Umweltpatienten in Kontakt kommen, ist speziell geschult, vermeidet es Duftstoffe zu benutzen und ist bestrebt, den umweltkranken Patienten im Rahmen des Machbaren zu helfen.

Ärztliche Krankenhauseinweisung erforderlich

Zur Aufnahme in den „Umweltzimmern“ benötigt der Patient eine hausärztliche Krankenhauseinweisung. Der Patient oder der einweisende Arzt ruft in der Zentrale des DKH unter Tel: 040-79020-0 an und lässt sich zum Bettenmangement durchstellen. Dort wird der Einweisungsgrund genannt und erklärt, dass ein MCS-, Umweltpatient oder Multiallergiker eine Unterbringung in den „Umweltzimmern“ wünscht. Für die Aufnahme muss der Patient einen ärztlichen Nachweis vorlegen, der ihn als MCS- und Umweltpatient/Multiallergiker ausweist, z. B. ein MCS-Pass oder ärztlicher Befund. In den „Umweltzimmern“ sollen nur Patienten mit umweltbezogenen Erkrankungen als Nebendiagnose aufgenommen werden.

Belegung der Umwelt-Krankenzimmer

Da das DKH mit der Versorgung von MCS-, Umweltpatienten und Multiallergikern Neuland betritt, sollten gerade die Patienten der ersten Wochen dies bedenken, falls am Anfang nicht gleich alles reibungslos funktioniert. Um diese Anfangsphase so unproblematisch wie möglich zu gestalten, ist höchste Kooperation von allen Beteiligten gefragt. Die Hamburger SHG MCS & CFS hält es von daher auch in der Anfangsphase für sinnvoll, wenn nicht die empfindlichsten MCS-Patienten als erstes aufgenommen werden, so lange bis Erfahrungsberichte vorliegen. Diese Vorgehensweise ermöglicht, dass unvorhersehbare Probleme beseitigt werden können. Die Mitarbeiter des DKH sind motiviert, den Umweltpatienten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und bitten ausdrücklich um Anregungen und Verbesserungsvorschläge.

Umweltbetten müssen ausgelastet sein

Der Erfolg des Projektes hängt u.a. von der Belegung der Betten ab. Die Hamburger SHG für MCS & CFS teilt deshalb mit, dass für ein dauerhaftes Belegen der Betten mit Umweltpatienten eine ausreichende Nachfrage notwendig ist. Selbsthilfegruppen für MCS und CFS Kranke, Organisationen für Allergiker und Ärzteverbände sind daher aufgerufen ihre Mitgliedern über die Hamburger Umweltzimmer im Agaplesion Diakonieklinikum und die medizinischen Möglichkeiten des Klinikums zu informieren.

Selbsthilfegruppe unterstützt bei Fragen

Die Hamburger SHG Umweltkrankheiten MCS & CFS bietet an, Fragen zu den „Umweltzimmern“ von akut krankenhausbedürftigen MCS- und Umweltpatienten/ Multiallergikern oder bereits aufgenommener Patienten zu beantworten. Es sei darauf hingewiesen, dass die Organisatoren der Selbsthilfegruppe ebenfalls erkrankt sind und aufgrund der eigenen begrenzten Leistungsfähigkeit Anfragen vornehmlich unter der Faxnummer 040-63975226 oder per E-Mail unter shg-umweltkrankheiten-hh@gmx.de entgegennehmen. In sehr dringenden Fällen kann die Selbsthilfegruppe auch telefonisch unter 040-6300936 erreicht werden.

Kooperativ dem Pilotprojekt zum Erfolg verhelfen

Die Hamburger Umwelt-Krankenzimmer sind die Ersten ihrer Art in Deutschland, das bedeutet, in der Anlaufphase ist höchste Kooperation eines der wichtigsten Kriterien um dem Pilotprojekt zum Erfolg zu verhelfen. Die SHG Umweltkrankheiten MCS & CFS – Hamburg ist sehr auf die Erfahrungen von Patienten der „Umweltzimmer“ angewiesen, um deren Verbesserungsvorschläge und Eindrücke mit dem DKH zu besprechen und bittet nach dem Aufenthalt in den „Umweltzimmern“ um Rückmeldung. Konstruktives Feedback von Patientenseite wird mithelfen, dass dieses Projekt für Umweltkranken aus ganz Deutschland im Falle der Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthaltes eine Perspektive wird.

Patienteninformation: Patienteninfo für MCS- und Umweltkranke / Multiallergiker

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 23.07.2011

Literatur:

Weitere CSN-Artikel zum Thema:

MCS – Multiple Chemical Sensitivity: Ein Bericht aus Dänemark

Dänemark nimmt international eine Vorreiterstellung ein, was Chemikalien-Sensitivität (MCS) betrifft. Man hat dort im Jahr 2006 ein staatliches Forschungscenter für Chemikalien-Sensitivität und Duftstoffempfindlichkeiten geschaffen. Damit gehört das kleine skandinavische Land neben Kanada zu den Ländern, in denen von staatlicher Seite Center für Umweltkrankheiten geschaffen wurden. Weil das Forschungscenter offensichtlich versucht, nachhaltigen Einfluß auf die internationale Wissenschaft zu nehmen, berichten wir in einer Fortsetzungsserie darüber.

Der erste Artikel der Serie „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“ wurde von Bodil Nielsen, einer Krankenschwester geschrieben, die selbst an MCS erkrankt ist. Für alle die Teil I nicht gelesen haben:

Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?

„Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld “ Teil II

Im nachfolgenden Artikel berichtet Mette Toft, die, bevor sie chemikaliensensibel wurde, an Universitäten unterrichtete, über die Situation der MCS-Kranken in Dänemark und über das MCS-Forschungscenter in Gentofte, dass Elektroschocktherapie als erfolgsversprechende Behandlungsmethode für MCS-Kranke ansieht.

Mette Toft berichtet:

Hallo, ich heiße Mette Toft. Ich bin 53 Jahre alt, verheiratet und mit zwei erwachsenen Kindern gesegnet. Ich habe einen Universitäts-abschluss (Magister Artium) für Japanisch und Dänisch und habe diese Sprachen viele Jahre an Universitäten und Sprachschulen unterrichtet. Durch fleißige Schüler angeregt entwickelte ich sogar eine neue, einfache Methode, die dänische Aussprache zu lehren, und ich habe Unterrichtsmaterialien für Lehrer und Studenten veröffentlicht. Ich dachte immer, ich hasse Lautlehre, aber dieses Projekt bereitete mir viel Vergnügen.

Allerdings hatte ich immer mehr Gesundheitsprobleme, die kein Arzt erklären konnte: Kopfschmerzen, Ausschläge, Müdigkeit und Unwohlsein.

Duftstoffallergie, MCS und Lupus

1999 ergab ein Patchtest, dass ich hochgradig allergisch auf Parfüm reagierte. Meine Hautärztin riet mir, dies äußerst ernst zu nehmen. Wenn nicht, erklärte sie, könnte es mit mir so weit kommen, dass ich mich nicht mit jemand, der ein Parfüm aufgetragen hat, im gleichen Raum aufhalten könne. Von diesem Tag an wurde unsere Wohnung vollständig duftstofffrei. Auf der Arbeit jedoch, und überall wo ich mich hin begab, war ich weiterhin von Parfüm und parfümierten Produkten aller Art umgeben. So hat sich die Prophezeiung der Hautärztin leider voll erfüllt.

2005 erkrankte ich sehr schwer an etwas, dass sich gleichzeitig als MCS und Lupus (eine wirklich unangenehme und unheilvolle Autoimmunerkrankung) herausstellte. Schnell wurde klar, dass ich meine Arbeit aufgeben werden muss. Trotzdem habe ich vier Jahre lang keinerlei Sozialhilfe erhalten. Dies ist, wie ich leider sagen muss, in Dänemark eine sehr weit verbreitete Praxis.

Eine fröhliche Veranstaltung unter unglücklichen Umständen

Nun möchte ich von unserer MCS-Veranstaltung am 12. Mai im Zentrum von Kopenhagen erzählen, dem Internationalen MCS Tag und nicht zuletzt auch von den unglücklichen Umständen dieses lebensfrohen Ereignisses.

In Dänemark ist MCS wie in vielen anderen Ländern noch nicht als echte körperliche durch Chemikalien verursachte Erkrankung anerkannt. Das Dänische Gesundheits-ministerium rückt von der Auffassung nicht ab, dass MCS keine Erkrankung sondern ein „Zustand“ sei, in dem die Menschen „glauben“ oder „fühlen“, dass verschiedene Chemikalien aus der Luft sie krank machen. Dementsprechend werden MCS-„Patienten“ manchmal an Psychiater überwiesen, wo sie mit einem psychiatrischen Befund falsch diagnostiziert werden, typischerweise „somatoforme Störung“, was bedeutet „alles sei mental“.

Das Dänische Forschungszentrum für Chemikalien-Sensitivität hält Ausschau nach „psychologischen Faktoren“ bei MCS-Betroffenen

2006 wurde auf Initiative des Dänischen Umweltministeriums das Dänische Forschungszentrum für Chemikalien-Sensitivität eingerichtet. Es wurde schnell klar, dass der Zweck dieses Forschungszentrums darin bestand, die Umwelt vom Vorwurf MCS zu verursachen, wie man so sagt, frei zu sprechen. Immer wieder hörten die Betroffenen den Leiter der Forschung MD, PhD Jesper Elberling verkünden, dass die Umwelt für die Probleme nicht verantwortlich gemacht werden sollte.

Unter den Mitarbeitern des Forschungszentrums gibt es keine Fachleute für Toxikologie oder Umweltmedizin. Stattdessen konzentrieren sich die neue Forschungsleiterin PhD Sine Skovbjerg, eine ehemalige Krankenschwester und ihre Mannschaft darauf, unzählige „psychologische Faktoren“ bei den Betroffenen zu zählen und zu dokumentieren. Ihre Ansicht ist, dass MCS als somatoforme Störung erforscht werden sollte und dass MCS durch eine sogenannte aufmerksamkeitsbasierte kognitive Therapie geheilt werden kann.

Welche psychologischen Faktoren haben Sie? – Keine. Ich habe MCS.

Bestürzende Nachrichten über Elektroschocktherapie, ECT (electroconvulsive therapy) als MCS-Behandlung

Ich denke, es ist gerechtfertigt zu sagen, dass die internationale MCS-Community schockiert war, als der zuvor erwähnte Jesper Elberling einen Artikel veröffentlichte, in dem er erklärte, das „Elektroschocktherapie“ bei schwerer und sozial behindernder MCS als Möglichkeit in Betracht gezogen werden sollte…“. An anderer Stelle meinte Elberling, „Wenn die Beobachtungen zu ECT korrekt sind, dann bedeutet dies, dass wir, was eine zukünftige Behandlung von MCS angeht, SEHR (na super!) optimistisch sein können.“ Offenbar stimmen nicht viele dänische MCS-Betroffene dieser Ansicht zu.

Eine Kurzfassung des Artikels sowie internationale Reaktionen darauf gibt es auf Canary Report:

Psychiater versprechen induzierte Convulsionen als Behandlung für Multiple Chemical Sensitivity

Gegenaktionen

Als Versuch, uns inmitten dieser deprimierenden Idiotie ein wenig aufzu-muntern, beschlossen wir, den Internationalen MCS-Tag am 12 Mai mit einem bunten und festlichen Ereignis im Zentrum von Kopenhagen zu feiern.

Unglücklicherweise regnete es den ganzen Tag in Strömen und ein paar unserer Attraktionen – darunter einige spektakuläre Kanarien-Kostüme – mussten aus dem Programm genommen und für einen hoffentlich sonnigeren MCS-Tag im nächsten Jahr aufgehoben werden. Unsere MCS- Lotterie und kostenlose Proben duftstofffreier Hautcremes sprachen trotzdem sehr viele Leute an, und ein jeder von ihnen nahm sich ein Exemplar unseres MCS-Informations- und Faltblattes zum Lesen mit nach Hause.

Ein Schüler, der beschlossen hatte, eine Arbeit über MCS zu schreiben, erschien früh, um Fragen zu stellen. Und ein (!) besorgter Politiker (einer von ca. 60 die eingeladen wurden) kam auf ein ernsthaftes Gespräch vorbei.

Autor: Mette Toft, Dänemark

© Fotos: Torben Bøjstrup

Fortsetzungsserie: „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“

Teil I: Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?


Weitere Berichte über die Situation und Aktivitäten von MCS-Betroffenen in verschiedenen Ländern:

Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?

In Dänemark wurde im Januar 2006 auf Initiative des Umweltministeriums ein MCS-Wissenscenter gegründet. Das Center sollte dazu dienen, MCS und Sensitivitäten auf Duftstoffe näher zu erforschen und den Betroffenen Behandlungsangebote zu offerieren. Die anfängliche Hoffnung, dass durch dieses vom Ministerium finanzierte Center konstruktive Erkenntnisse in die medizinische Wissenschaft und zum Wohle der MCS-Erkrankten einfließen, wurde durch deren neuere Veröffentlichungen zerschlagen.

In mehreren Artikeln wird darüber und über die sich daraus ergebenden Konsequenzen für MCS-Erkrankte im CSN Blog berichtet werden. Dass auch Umweltmediziner und Organisationen in anderen Ländern umfassend informiert werden über die Vorgänge in Gentofte, ist von erheblicher Wichtigkeit, denn das dänische Wissenscenter-Team strebt offensichtlich an, die internationale Wissen-schaft zu MCS beeinflussen zu wollen.

Der erste Artikel der Serie „Dänisches MCS-Wissenscenter im internationalen Blickfeld “ wurde von einer Krankenschwester geschrieben, die selbst an MCS erkrankt ist:

Welche Interessen verfolgen einzelne Wissenschaftlergruppen bei der Erforschung von MCS?

Bodil Nielsen – Im April 2010 hat eine unabhängige Gruppe von italienischen Wissenschaftlern (De Luca et al.) ihre Forschungsresultate veröffentlicht ”Biological definition of multiple chemical sensitivity from redox state and cytokine profiling and not from polymorphisms of xenobiotic-metabolizing enzymes”. (1) Die Ergebnisse der Studie haben u.a. gezeigt, dass bei MCS-Betroffenen die Aktivität der erythrozytären Katalase und GST niedriger waren, während Gpx höher war, als normalerweise. Sowohl reduziertes als auch oxidiertes Glutathion war niedriger, während Stickoxid (NO)/Peroxynitrit (ONOO-) in der MCS-Gruppe erhöht waren. Das Fettsäureprofil der MCS-Patienten war gegen den gesättigten Teil verschoben, und das IFN-Gamma, IL-8, IL-10, MCP-1, PDGFbb und VEGF waren erhöht.

Dänisches MCS Wissenscenter stellt Arbeit von Kollegen in Frage

Im Juli 2010 vermeldete das Wissenscenter für Duft- und Chemikalienüber-empfindlichkeit in Dänemark (das nach der Auffassung vieler dänischer MCS-Betroffenen mittlerweile eine sehr tendenziöse Forschung betreibt, mit Hauptgewichtung auf den psychischen Bereich) auf seiner Webseite: (2)

”Da es sich vorläufig um eine einzelne Studie handelt (De Luca et al.), ist es notwendig, die Resultate durch neue Studien zu überprüfen, bevor eine Schlussfolgerung hinsichtlich der Bedeutung der immunologischen Faktoren bei Duft- und Chemikalienüberempfindlichkeit gezogen werden kann“ …

„Deshalb plant das Wissenscenter zu untersuchen, ob bei Duft- und Chemikalienüberempfindlichen erhöhte Zytokinwerte nachgewiesen werden können – UNABHÄNGIG VON KONTAKTALLERGIEN“.

Selektive Kontrolle?

Die Resultate der Italiener haben jedoch nicht nur eine Erhöhung des Botenstoffs Interferon-(IFN)-Gamma gezeigt, sondern auch dass mehrere metabolische Parameter auf beschleunigte Lipidoxidation hinweisen, wie auch vermehrte Stickoxid-Produktion und eine Reduzierung des Glutathion in Kombination mit erhöhten inflammatorischen Zytokinen, was bei einer biologischen Definition und der Diagnose von MCS berücksichtigt werden muss.

Kontaktallergie eine Ausschlussdiagnose bei MCS?

Der ehemalige Leiter des dänischen MCS- Wissenscenters, nun Seniorforscher Jesper Elberling, weiß als früher angestellter Arzt bei der dermatologischen Abteilung des Gentofte Hospitals, dass der Botenstoff Interferon-(IFN)-Gamma eine Rolle bei der Entwicklung von Kontaktallergien spielt, ein Zytokin-Botenstoff, den die Italiener in ihrer Forschung bei den MCS-Patienten gefunden haben. Dem Wissenscenter ist aus seiner eigenen Fragenbogen-Studie zudem bekannt, dass viele MCS-Betroffene u.a. auch unter Kontaktallergien leiden. Aus diesem Umstand stellen sich einige Fragen:

  • Wählt das Wissenscenter somit, bewusst und gezielt, ausschließlich DIESEN kleinen Teil des Forschungsresultats der Italiener um nachzuprüfen; obwohl – wie man selber mitteilt – alle Forschungsergebnisse überprüft werden müssen, bevor eine Schlussfolgerung hinsichtlich deren Gültigkeit gezogen werden kann?
  • Bezweckt diese angedachte Forschungsstudie, diejenigen MCS-Betroffenen auszusortieren, die gleichzeitig eine Kontaktallergie haben, um zu sehen, ob dies das Resultat ändert?
  • Ist das Wissenscenter imstande zu beweisen, dass dieses EINE Resultat dem De Luca et al. Forschungsresultat zugeschrieben werden kann, demzufolge ein großer Teil der MCS-Betroffenen, die an der Studie der Italiener teilnahmen, auch unter Kontaktallergien gelitten haben müssen, und dass dieses Forschungsresultat deshalb eventuell tatsächlich nur diesem Umstand zugeschrieben werden kann?

Soll das Studienergebnis aus Italien diskreditiert werden?

Denn nur dann könnte das Wissenscenter dadurch das vorliegende Forschungsresultat in Misskredit bringen, was leicht dazu führen kann, das vollständige Forschungsresultat der Italiener in ein schlechtes Licht zu stellen.

Wenn schon Kontrolle, warum dann nicht umfassende Kontrolle?

Es stellt sich auch die Frage, warum das Wissenscenter sich nicht dazu entschlossen hat, auch die anderen Forschungsresultate der italienischen Wissenschaftler nachzuprüfen, die ja auch überprüft werden müssen, bevor das Wissenscenter sie für valid halten kann.

Nach Martin Palls Theorie (dem fatalen NO/ONOO Zyklus) heißt es, dass u.a. bei MCS-Betroffenen eine erhöhte Stickoxid -Produktion stattfindet, was ja auch die Forscher aus Italien nachgewiesen haben. Rechnet das dänische Wissenscenter also vielleicht damit, dieses Forschungsresultat nicht zu widerlegen oder in Misskredit bringen zu können?

Die italienischen Wissenschaftler haben nämlich nachgewiesen, dass in Übereinstimmung mit Martin Palls These vom unheilvollen biochemischen NO/ONOO Zyklus drei Faktoren im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe erniedrigt/abweichend sind, im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe, aber dies wünscht man im einzigen MCS-Wissenscenter der Welt merkwürdigerweise nicht nachweisen zu müssen.

Da die italienischen Mediziner – soweit ich erkennen kann – in ihren Überlegungen keine Kontaktallergie mit einbezogen hatten, aber die meisten biochemischen Stoffe im Körper natürlich mit vielen Faktoren/Krankheiten in funktioneller Verbindung stehen, weshalb dieser Versuch, gerade diesen einen Faktor (den Botenstoff Interferon-(IFN)-Gamma) mit etwas zu vergleichen, das sich – wie man weiß – auch auf Kontaktallergien auswirkt, drängt sich einem fast unweigerlich eine weitere Frage auf:

Ob diese Vorgehensweise dahingehend zu deuten ist, dass das dänische Wissenscenter bezwecken will, einen Unsicherheitsfaktor im Forschungsresultat der Italiener konstruieren zu wollen, um die ganze Studie der italienischen Wissenschaftler – mit diesen für die MCS-Betroffenen so wichtigen Resultaten – in ein schlechtes Licht zu bringen?

Wir hoffen jedenfalls, dass weitere, unabhängige Wissenschaftler damit anfangen werden, die Richtigkeit all der anderen Resultate zu überprüfen, und nicht ebenfalls hingehen und nur ein einzelnes Resultat auswählen, in der Hoffnung, die Validität widerlegen zu können.

Autor: Bodil Nielsen aus Dänemark, Krankenschwester, MCS- und EHS-Betroffene

Übersetzung: Dorte Pugliese, Silvia K. Müller, CSN.

  1. Chiara De Lucaa, Maria G. Scordob, Eleonora Cesareoa, Saveria Pastorea, Serena Mariania, Gianluca Maiania, Andrea Stancatoa, Beatrice Loretic, Giuseppe Valacchid, e, Carla Lubranoc, Desanka Raskovicf, Luigia De Padovac, Giuseppe Genovesic and Liudmila G. Korkinaa, Biological definition of multiple chemical sensitivity from redox state and cytokine profiling and not from polymorphisms of xenobiotic-metabolizing enzymes, doi:10.1016/j.taap. 2010.04.017, Toxicol Appl Pharmacol. 2010 Apr 27
  2. MCS-Wissenscenter, Italiensk studie sætter fokus på signalstoffer, 18.07,2010

Weitere Artikel zum Thema:

ACTION !!! Weltweit schreiben MCS-Kranke an Oprah Winfrey

Menschen mit MCS-Multiple Chemical Sensitivity von überall auf der Welt haben beschlossen, nicht mehr länger zu schweigen und sich zu verstecken. Aktivisten aus allen Ländern treten nacheinander hervor und rufen zu Aktionen auf. Für den Monat Juli hat eine niederländische Aktivistin eine Kampagne ins Leben gerufen und bittet alle, die chemikaliensensibel sind, sich daran zu beteiligen.

JULI 2010 – Monique van den Broek’s Appell:

AN ALLE MCS-Patienten weltweit!

Es ist an der Zeit, die Welt wissen zu lassen, wie viele Menschen gesundheitliche Probleme haben, die von Chemikalien herrühren.

Wenn es ein Fernsehprogramm gibt, das weltweit angeschaut wird und wirklich Einfluss hat, dann ist es die OPRAH WINFREY SHOW

Diese Dame zeigt Respekt für Natur, Umwelt und Gesundheit.

Ich möchte Euch alle um etwas bitten, nur eine Bitte. Nehmt Euch eine Stunde Zeit.

Geht am 3. oder 4 Juli auf folgenden Link und schreibt an Oprah Winfrey:

Kontaktformular Oprah Winfrey Show

Schreibt auf Englisch oder in Eurer Sprache. Wer es nicht aus dem Stehgreif kann, kann schon jetzt seinen Beitrag (bis zu 2000 Zeichen sind möglich) schreiben und ihn am 3. oder 4. Juli in das Formular einsetzen.

Geht folgendermaßen vor:

  1. Schreibt Euren Namen und Euer Land
  2. Schreibt, wie lange Ihr bereits unter MCS leidet
  3. Was MCS für Euer tägliches Leben bedeutet, wie Euch die Krankheit einschränkt
  4. Durch was die MCS eingetreten ist
  5. Für den Fall, dass Ihr eine Kontaktperson für Oprah Winfrey sein möchtet, schreibt zum Schluss noch Eure Telefonnummer, E-Mail Adresse oder Skype Adresse

GANZ WICHTIG: Wir alle werden unsere Geschichte AM GLEICHEN TAG an Oprah senden. Nur wenn wir alle unsere Botschaft am 3. und 4. Juli senden, bekommen wir die Aufmerksamkeit die wir benötigen.

Denkt bitte nicht „ich mache das vergeblich, das nutzt nichts“, wenn wir so denken, können wir nie etwas erreichen. Lasst uns unkonventionelle Wege gehen. MACHT MIT!!!

Noch eine kleine Bitte am Rande:

Sendet diese Nachricht an alle MCS Leute, die Ihr kennt. Lasst es uns probieren und ein Bombardement von Tausenden von E-Mails an Oprah Winfrey Show am 3. und 4. Juli senden, denn TAUSENDE MACHEN EINEN UNTERSCHIED.

Viele Grüße,

Monique van den Broek (MCS Betroffene),

Naarden, Niederlande

Bau eines MCS-Hauses: Materialauswahl, Bauausführung

Bauplatz MCS-Haus

In Teil I der Serie „Planung und Ausführung eines MCS-verträglichen Wohnhauses“ stellte Baubiologe Volkmar Hintze dar, welche Überlegungen vor der konkreten Planung eines Wohnhauses für eine chemikaliensensible Person erforderlich sind. Die Auswahlkriterien für ein Grundstück wurden erläutert, damit es auf lange Sicht ein relatives Optimum darstellt. Im nachfolgenden Teil II werden Materialien beschrieben, die sich als besonders geeignet herausstellten. 

 Ein MCS-Wohnhaus entsteht

Das Objekt wurde als KfW-40 (heute Energieeffizienzhaus 55) Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung und Keller/Nutzungsräumen geplant. Der gesamte Wohnbereich im Erdgeschoß (ca. 130 m²) ist ebenerdig und (überwiegend) behindertengerecht. Das Kellergeschoß (ca. 180 m²) enthält eine Einliegerwohnung und die Kellerräume. 

Materialauswahl und Bauausführung:

Ziel war, ein möglichst schadstoffarmes, energieeffizientes Haus, angepasst an einen MCS-Bewohner, zu errichten. Dabei kamen neben speziellen baubiologischen Materialien auch konventionelle Baustoffe und Materialen zum Einsatz. Das ausschlaggebende Argument für den Einsatz der Materialien war die Schadstoffarmut und Verträglichkeit für einen MCS-Patienten. Es muss an dieser Stelle klar gesagt werden, dass die nachfolgend aufgeführten Materialien und Baustoffe für den individuellen Fall verträglich waren. Andere MCS-Patienten reagieren möglicherweise auf einzelne Baustoffe unterschiedlich. Es ist daher grundsätzlich eine individuelle Auswahl und Prüfung erforderlich. 

Die Auswahl und Prüfung der Materialien in Bezug auf Schadstoffhaltigkeit bzw. Schadstoffemission wurde im Vorfeld auf der Basis von Herstellerangaben, Datenblättern, Internetrecherchen, Zertifikaten (z.B. „NaturePlus“, „Blauer Engel“, „IBR“, „TÜV-Toxproof“, „FSC“, „AUB“), Infoaustausch und Testberichten (z.B. ÖKO-Test) durchgeführt. Von den in Frage kommenden Materialien wurde – soweit möglich- Proben vom Hersteller angefordert, die auch in vielen Fällen problemlos zur Verfügung gestellt wurden. 

Die persönliche Verträglichkeitsprüfung wurde dann von der Betroffenen an den Materialproben, mit denen die Betroffene in direkten oder indirekten Kontakt kommen kann, durchgeführt. Neben Kontaktprüfungen wurden die Materialien auch Alternativmedizinisch überprüft. 

Unter die stahlarmierte Beton-Bodenplatte wurde eine 30 cm dicke Isolierung aus druckfestem und drainagefähigem Schaumglas eingebracht. 

Der Keller wurde im Bereich der Erdberührung mit druckfesten Ziegel-Kellersteinen (36,5 cm) gemauert. Die Isolierung gegen das Erdreich wurde mit einer Bitumen Dickbeschichtung, EPS und einer Noppenfolie ausgeführt. Die Außenwände ohne Erdberührung wurden mit gedämmten Ziegelsteinen (Unipor Coriso W08 36,5 cm λ=0,08 W/mK) im Dünnbettmörtelverfahren ausgeführt. 

Die Innenwände wurden mit Hochlochziegeln (Erberdobler) ausgeführt. Die Kellerdecke wurde aus bewehrtem Beton gegossen. Der Estrich wurde als Zementestrich mit 14 cm EPS-Dämmung ausgeführt. Teilweise wurde Fußbodenheizung (ELW) eingebracht, in zwei Kellerräumen kam eine Wandheizung zum Einsatz. Sämtliche Innenwände wurden mit einem reinen Kalkputz versehen.

Autor: Dipl.-Ing (UHT) Volkmar Hintze Öko-logo Schadstoffanalytik und Baubiologie www.oeko-logo.eu   

 

Anmerkung: Der Artikel ist rein zu Informationszwecken gedacht. Es bestehen keine Abhängigkeiten, finanziellen oder werbemäßigen Zwecke. 

Teil I: Was ist MCS und welche Vorplanung braucht es für ein MCS Haus?

Im nächsten Blog der Fortsetzungsserie erfahren wir Näheres über den Bau des Kellers und Rohbaus des MCS Hauses.

Dysfunktion des Gehirns bei Patienten mit Multiple Chemical Sensitivity festgestellt

Gehirn zeigt Auffälligkeiten bei MCS-Patienten

 

Eine aktuell in der medizinischen Fachzeitschrift Journal of Neurological Science erschienene Studie berichtet über Patienten, die unter MCS – Multiple Chemical Sensitivity leiden und bei denen nachgewiesen wurde, dass hirnorganische Störungen durch Chemikalienexposition eintreten. (1) Das Wissenschaftlerteam des Universitätshospitals Vall d‘ Hebron in Barcelona setzte Provokationstests ein und ermittelte danach durch eine radiologische Untersuchungsmethode und psychometrische Testverfahren die Veränderungen in der Hirnfunktion bei den MCS-Patienten. Es konnten neurokognitive Beeinträchtigungen bei den Chemikalien-sensiblen festgestellt werden. Die pathologischen Ergebnisse bei den MCS-Patienten bestätigen die Ergebnisse von vier vormals von amerikanischen Wissenschaftlern durchgeführten SPECT Studien. (2-5)  

Provokationtest zeigt Unterschiede bei MCS-Patienten

Für ihre Studie hatten die spanischen Wissenschaftler eine Probandengruppe ausgewählt, die aus Patienten mit diagnostizierter MCS und einer Kontrollgruppe aus gesunden Personen bestand. Alle Probanden wurden unter kontrollierten Bedingungen Chemikalien in nicht toxischer Dosis ausgesetzt. Nach der Provokation wurde ein SPECT Scan (photon emission computed tomography) durchgeführt, als auch validierte psychometrische Tests. Mittels dieser verschiedenen Untersuchungen konnten die Wissenschaftler eine Veränderung der Durchblutung des Gehirns und der kognitiven Auswirkungen bei den Patienten feststellen. 

Im Vergleich zu den Kontrollpersonen wiesen die MCS-Patienten nach der Provokation mit Chemikalien eine Minderperfusion in verschiedenen Teilen des Gehirns auf. Die verminderte Durchblutung wurde vor allem in den Bereichen, in denen Geruch verarbeitet wird, dem rechten und linken Hippocampus, dem rechten Parahippocampus, der rechten Amygdala und den rechten temporalen Regionen des Cortex festgestellt. 

MCS, eine Krankheit organischen Ursprungs

Im Vergleich zu den Kontrollpersonen wiesen MCS-Patienten eine geringere Lebensqualität und verminderte neurokognitive Funktion auf. Bei den MCS-Patienten verschlechterte sich neurokognitive Funktion nach Chemikalienexposition. 

Das spanische Wissenschaftlerteam geht aufgrund der Untersuchungsergebnisse davon aus, dass MCS eine neurogene Ursache hat, weil die provozierten Chemikalienexpositionen eben diese neurokognitiven Beeinträchtigungen verursachten und weil das SPECT Scan Fehlfunktionen des Gehirns insbesondere in den geruchsverarbeitenden Arealen aufwies, was somit für MCS einen organischen Ursprung nahelegt.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 7. Dezember 2009

Literatur:

  1. Orriols R, Costa R, Cuberas G, Jacas C, Castell J, Sunyer J., Brain dysfunction in multiple chemical sensitivity, J Neurol Sci. 2009 Oct 2. 
  2. Heuser G, Mena I, Alamos F (1994) NeuroSPECT findings in patients exposed to neurotoxic chemicals. Toxicol Ind Health 10, 561-571. 
  3. Simon TR, Hickey DC, Fincher CE, Johnson AR, Ross GH, Rea WJ (1994) Single photon emission computed tomography of the brain in patients with chemical sensitivities. Toxicol Ind Health 10,573-577. 
  4. Fincher CE, Chang TS, Harrell EH, Kettelhut MC, Rea WJ, Johnson A, Hickey DC, Simon TR (1997) Comparison of single photon emission computed tomography findings in cases of healthy adults and solvent-exposed adults. Am J Ind Med 31,4-14. 
  5. Fincher CE, Chang TS, Harrell EH, Kettelhut MC, Rea WJ, Johnson A, Hickey DC, Simon TR (1997) Comparison of single photon emission computed tomography findings in cases of healthy adults and solvent-exposed adults: Correction of previous results. Am J Ind Med 32,693-694.

Was hilft, wenn der Körper keine Nahrung mehr toleriert?

Allergien gegen Nahrungsmittel Bei Chemikaliensensiblen treten neben den bekannten Reaktionen auf Alltagschemikalien häufig auch schwerwiegende Allergien und Sensitivitäten gegenüber Nahrungsmitteln oder deren Bestandteile (Zitronensäure, Phenole, Histamin, etc.) auf. Wird darauf kein Augenmerk gerichtet, wird die Anzahl der Nahrungsmittel, die noch vertragen werden, immer kleiner. MCS Patienten, die nur noch weniger als fünf Nahrungsmittel essen können, sind durchaus keine absolute Seltenheit. 

Symptome, die durch Nahrungsmittel-sensitivitäten ausgelöst werden, können leicht bis sehr schwer sein. Eine Ernährung ausschließlich mit biologischer Nahrung ohne Zusatzstoffe ist in solchen Fällen zwingend. Eine Rotationsdiät kann zu wesentlicher Besserung und zu Toleranzgewinn beitragen. Doch was kann unternommen werden, wenn fast kein Nahrungsmittel mehr toleriert wird? Oder wenn eigentlich kein Nahrungsmittel mehr ohne Beschwerden gegessen werden kann? Der Gewichtsverlust immer bedenklicher wird? Ward Ihr einmal in dieser Situation? 

Anlass der heutigen Blogfrage: Mit Euren Antworten könnt Ihr möglicherweise den MCS-Kranken unter uns weiterhelfen, die sich im Augenblick in der oben beschriebenen schlimmen Situation befinden. 

Thommy’s Blogfrage der Woche: 

  • Welche Erfahrung habt Ihr mit schweren Nahrungsmittelsensitivitäten?
  • Wie habt Ihr Euch stabilisiert, was half Euch, damit Euer Körper wieder mehr Nahrungsmittel tolerierte?
  • Habt Ihr Erfahrung mit künstlicher Ernährung? Gibt es welche ohne Zusatzstoffe?
  • Habt Ihr Ärzte gefunden, die sich mit dieser extremen Problematik auskennen und weiterhelfen können?

MCS jetzt auch in Japan im ICD-10 als körperlich bedingte Krankheit klassifiziert

Japanische Webseite der Organisation Citizens Against Chemicals Pollution (CACP)

Eva Caballé – Eva’s No Fun Blogspot – aus Spanien berichtet:

Vor einigen Tagen entdeckte ich, dass mein Blog einige Besucher von einer japanischen Webseite zu verzeichnen hatte. Es war ein Blog, der von Prof. Masumi Yamamuro von der Tokyo University erstellt wurde. Als ich den Eintrag las, stellte ich fest, dass es mein Artikel „Die nackte Wahrheit über MCS“ auf Japanisch war, und es wurde erwähnt, dass er von Citizens Against Chemicals Pollution (CACP) übersetzt wurde. Ich beschloss, ihnen zu schreiben. Herr Takeshi Yasuma von Citizens Against Chemicals Pollution (CACP) schrieb mir zurück und erklärte mir, dass er meinen Artikel bei Canary Report gefunden hatte. Er sei sehr beeindruckt davon gewesen und habe ihn sofort ins Japanische übersetzt und mit dem Untertitel „Schrei aus dem Herzen einer spanischen MCS Patientin“ versehen. Er veröffentlichte die japanische Version meines Artikels im letzten August auf der Citizens Against Chemicals Pollution Website und zusätzlich in der September Ausgabe von deren monatlichem Newsletter. Ich fragte ihn über die MCS Situation in Japan, und jetzt darf ich, mit seiner Genehmigung, darüber berichten. Ich schreibe Euch den Teil seiner E-mail, in dem er darüber schreibt, und berichte auch über die Mission von CACP.

Takeshi Yasuma Citizens Against Chemicals Pollution (CACP) schrieb:

Es gibt gute Neuigkeiten.

Am 1. Oktober 2009 hat MEDIS-DC, das Medical Information System Developement Center, eine Unterorganisation des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) eine überarbeitete Liste der japanischen ICD-10 Kodierung für Krankheiten herausgegeben. Darin ist MCS mit T65.9 klassifiziert: das steht für Toxische Auswirkung durch andere und unspezifische Substanzen / Toxische Auswirkungen durch unspezifische Substanzen. Es wurde dadurch jetzt in Japan ganz klar anerkannt, dass MCS keine psychische Krankheit, sondern eine körperlich bedingte Erkrankung ist.

Diese Entscheidung wird von den MCS Patienten und ihren Unterstützern sehr begrüßt und sie erwarten eine mögliche Übernahme der Kosten für MCS durch die Krankenkassen, aber bis jetzt ist es noch ungewiss, ob und wie eine Änderung eintritt. Patienten und ihre Unterstützer werden Anstrengungen unternehmen, um die Japanische Regierung anzurufen, um MCS Patienten dringend Unterstützung zu gewähren, einschließlich der Übernahme von MCS durch die Krankenkasse, Ausbau der medizinischen Leistungen, finanzielle Unterstützung für den Lebensunterhalt und Bereitstellung von geeignetem schadstofffreiem Wohnraum.

Am 31. Oktober werden wir in Tokio ein MCS Symposium abhalten, wir werden die MCS Anerkennung feiern und die Japanische Regierung um weitere Maßnahmen für MCS bitten.

CACP’s Zielsetzungen

Bereitstellung von Informationen an die Öffentlichkeit und Ergreifung von notwendigen Maßnahmen zum Schutze der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor schädigenden Chemikalien nach dem Vorsorgeprinzip und ökologischer Gerechtigkeit.

Hauptaktivitäten:

  • Herausgabe eines monatlichen Newsletter (PICO)
  • Bereitstellung eines wöchentlichen Mailservices
  • Bereitstellung von Informationen auf unserer Webseite
  • Publizierung von Büchern und Broschüren, die mit umweltbedingter Gesundheit in Zusammenhang stehen
  • Einbringen unserer Vorgaben bei der Japanischen Regierung und lokalen Verwaltungen.
  • Abhalten von Seminaren für Bürger über den Schutz menschlicher Gesundheit und der Umwelt

Ich möchte Herrn Takeshi Yasuma für die Übersetzung meines Artikels danken und dafür, dass ich die Informationen über MCS in Japan veröffentlichen darf und auch dafür, dass er mich fragte, ob ich eine Mitteilung für MCS Patienten und deren Unterstützer schreibe, die am MCS Symposium verlesen wird. Es wird mir eine große Ehre sein!

Autor: Eva Caballé, Eva’s No Fun Blogspot

Deutsche Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN

Weitere Blogs auf denen der Artikel erschien:

Umweltmedizin: Die Gene – MCS-Risiko – Ursache

Genvarianten werden bei fast allen MCS Patienten gefunden

Seit Anfang der 90er-Jahre ist die Humangenetik in die Umweltdiskussion gekommen. Vor allem hat interessiert, ob genetisch bedingt Unterschiede der Empfindlichkeit existieren (Stichwort: gute und schlechte Entgifter). Die Genanalyse zeigt, dass die Entgiftungskapazitäten individuell sehr unterschiedlich sind (Stichwort: Polymorphismen). Die Toxikologie nennt eine Spreizung der Suszeptibilität von einer Zehnerpotenz. Schaut man in Einzelberichte, erkennt man, dass die Unterschiede in der individuellen Wirkschwelle noch größer sind.

Kuklinski, der schon seit Mitte der 90er Jahre bei seinen Patienten die Genabschnitte (Allele) für die Entgiftungsenzyme bestimmen ließ, berichtet auf einem der Frankfurter Kolloquien Ende der 90er Jahre, von den guten Entgiftern hätte er noch keinen in seiner Praxis gesehen. Das heißt, unsere Grenzwerte schützen nur die Minderheit der guten Entgifter, und das ist verfassungswidrig (wird vertieft, soweit professionelles Interesse besteht).

In der Debatte um das „C“ in MCS wurde gefragt, ob MCS – Patienten statistisch gesehen ein schwächeres Detox-System aufweisen. Die Antwort ist ja. Pall hat Genstudien von MCS-Patienten gesammelt. In verschiedenen Studien wurden verschiedene Allele getestet. Natürlich wurde prompt argumentiert, das sei kein Beweis für das „C“. Pall sagt dazu, das zwar einzelne Polymorphismen bei Genen, die für die Entgiftungsenzyme zuständig sind, den Rückschluss auf Chemikalienverursachung nicht erlauben, aber alle Ergebnisse zusammen den Zweifel an der Verursachung durch Chemikalien verbieten.

In dem Zusammenhang fällt auch ein Schlaglicht auf die deutsche Forschung. Pall streicht die Studie von Schnakenberg als besonders hilfreich heraus. Es gibt aber noch eine zweite Studie aus Deutschland. Diese ist von Wiesmüller mit nur 1/9 des Aufwandes der Schnakenbergstudie (lt. Pall, nicht von mir) und sie findet keinen Zusammenhang. Es liegt also nicht am handwerklichen und/oder wissenschaftlichen Können in Deutschland, sondern um gewollten Pfusch. Jeder, der etwas von Epidemiologie versteht, weiß, dass Signifikanz verschwindet, wenn die Probantenzahl klein ist – man kann das vorher abschätzen. So machte Triebig seine Malerstudie, Wiesmüller seine MCS-Gen-Studie und auch die Erlanger Fakestudie benutzte statistische Verdünnung: immer nur ein paar Probanten pro Schadstoff.

Pfusch ist die Grundlage der negativen Ergebnisse der deutschen MCS-Forschung, die einen Umweltbezug verneint. Das einzig wissenschaftliche dieser Forschung ist die Abschätzung, welche gezielten Mängel ein negatives Ergebnis bezüglich der Ursache sichern.

Autor: Dr. Tino Merz, CSN – Chemical Sensitivity Network, 8. Oktober 2009

Vorhergehende Blogs zur Serie und zum Thema:

Weiterführende Informationen: