Mechanismus, der erklärt, warum Sauna-Therapie bei MCS, CFS und FMS hilft

Sauna hilft bei MCS - Multiple=

Sauna-Therapie wird seit Jahrzehnten auch in der Umweltmedizin erfolgreich zur Entgiftung eingesetzt. Ein kürzlich in einer medizinischen Fachzeitschrift erschienener Artikel, geschrieben von Prof. Dr. Martin L. Pall, begründet einen ungewöhnlichen Mechanismus für die Wirkungsweise von Sauna-Therapie. (1)

Sauna lässt BH4 ansteigen

Pall argumentiert in seinem Artikel, dass Sauna-Therapie in erster Linie seine Wirkung entfaltet, indem die Verfügbarkeit einer Verbindung namens Tetrahydrobiopterin (BH4) im Körper ansteigt. Von BH4 wird berichtet oder angenommen, dass es bei einer Reihe von medizinischen Gesundheitszuständen vermindert ist, von denen ebenfalls berichtet wird, dass sie positiv auf Saunatherapie reagieren. Dazu gehören Multiple Chemical Sensitivity, Fibromyalgie, Chronic Fatigue Syndrom, erhöhter Blutdruck, vaskuläre endothele Funktionsstörung und Herzversagen. Dieses Wirkungsmuster kann offensichtlich erklärt werden, wenn Saunatherapie die Verfügbarkeit von BH4 im Körper ansteigen lässt.

Weiterer Mechanismus beteiligt

Prof. Pall spricht sich für zwei verschiedene Mechanismen aus, von denen man annimmt, dass durch sie Sauna-Therapie die Verfügbarkeit von BH4 im Körper ansteigen lässt. Beide funktionieren mittels einer Verstärkung der Synthese eines Enzyms, das als GTP Cyclohydrolase I bekannt ist – dem begrenzenden Faktor bei der Biosynthese von BH4. Sauna-Therapie ist dafür bekannt, die Blutzirkulation in den erhitzten äußeren Körperteilen stark zu erhöhen. Der dadurch bedingte Anstieg der vaskulären Scherbeanspruchung führt bekanntermaßen zu einem starken Anstieg der Aktivität der GTP Cyclohydrolase I und folglich von BH4.

Zweiter Mechanismus läuft über Hitzeschockproteine ab

Ein zweiter derartiger Mechanismus wird durch die Aktivität des Hitzeschockproteins Hsp90 vermittelt, einem Protein von man weiß, dass es bei mäßiger Erhitzung von Körpergewebe gebildet wird. Dieses Protein ist funktionell in einen GTP Cyclohydrolase I enthaltenden Komplex von Proteinen einbezogen. Das Hsp90 Protein reduziert den proteolytischen Abbau des GTP Cyclohydrolase I Proteins, was zu einer verstärkten BH4 Synthese führt und es hat sich gezeigt, dass dies wiederum auf die eNOS Stickoxid-Synthase wirkt.

Auch andere Krankheiten sprechen auf Sauna an

Durch den Anstieg in der BH4 Synthese, als Reaktion auf diese beiden Mechanismen, kann erwartet werden, dass dadurch die verschiedenen Körpergewebe mit BH4 beliefert werden, auch die, die nicht direkt durch die Sauna-Therapie beeinflusst werden. Die gesundheitlichen Vorteile von aktivem körperlichem Training können ebenfalls teilweise über die gleichen Mechanismen vermittelt werden. Über eine Anzahl weiterer Krankheiten wird berichtet, dass bei ihnen ebenfalls eine BH4 Verminderung stattfindet. Hierzu gehören Alzheimer, Parkinson, Asthma, Schizophrenie, Bipolar Disorder, pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) und Typ II Diabetes. Die genannten Krankheiten könnten ebenfalls auf Sauna-Therapie ansprechen.

Sauna-Therapie erhöht die Entgiftungsleistung

Prof. Pall resümiert am Ende seines Artikels, dass für gewöhnlich angenommen wird, dass ein Ansprechen von MCS Fällen auf Sauna-Therapie durch einen Entgiftungsprozess vermittelt wird, der über Ausscheidung funktioniert. Der Wissenschaftler führt an, dass es einige publizierte Belege dafür gibt, dass Sauna-Therapie die Entgiftungsleistung erhöht. Der Haupteinfluss von Sauna-Therapie bei MCS-Fällen und sicherlich auch bei diesen anderen Erkrankungen könnte, so schließt Pall, jedoch sehr gut auf der erhöhten Verfügbarkeit von BH4 beruhen.

Zusammenfassung und Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 20. August 2009

Literatur:

Pall ML. Do sauna therapy and exercise act by raising the availability of tetrahydrobiopterin? Med Hypotheses. 2009 Jul 4.

10 Kommentare zu “Mechanismus, der erklärt, warum Sauna-Therapie bei MCS, CFS und FMS hilft”

  1. Domiseda 27. August 2009 um 12:27

    Danke für diesen Blog! Wenngleich die Erklärungen von Prof. Pall mir plausibel sind, habe ich dennoch mehrfach verheerende Erfahrungen mit Saunabesuchen machen müssen: akute Kreislaufprobleme,Attacken kaum stillbaren Nasenblutens, sodaß diese Methode der Entgiftung für mich leider auf Dauer ausscheiden muß.
    Für MCS-Kranke stellt sich die Frage nach verträglichen Saunaräumen- das viele Holz…dessen Emissionen bei Erhitzung…Imprägnierungen gegen Schimmel?…

  2. Silvia 27. August 2009 um 19:48

    Eine Sauna die nicht kontaminiert ist, ist Grundvoraussetzung Domiseda. Öffentliche Saunen müssen desinfiziert werden und sind kontaminiert mit Duftstoffe und sonstigem. Ich kenne MCS Betroffene die bei Freunden in die Sauna dürfen. Andere haben sich eine kleine Sauna im Bad installiert, selbst gemauert und komplett gefliest.

    Warum ein Saunabesuch schief geht, kann mit belasteter Umgebung zu tun haben, aber auch dass der Körper überfordert ist. Bei mir waren anfangs 5 Minuten schon zu viel und ich lag bewusstlos vor der Sauna. Trotzdem ging ich am nächsten Tag wieder rein. Ganz langsam „diente“ ich mich nach oben und heute kann ich meistens eine halbe Stunde drin bleiben.

    Die Entgiftung kann man durch Nährstoffe erleichtern und unterstützen. Ein Umweltarzt kann ein Programm zusammenstellen und eine Saunatherapie begleiten. Saunatherapie in einer cleanen Umweltklinik wäre natürlich als Optimum zu nennen.

  3. Rob 28. August 2009 um 00:06

    Hallo,
    ich kann euch das Buch Sauna Therapy http://www.drlwilson.com/articles/sauna_therapy.htm
    empfehlen.
    Habe mir aus Aluprofilen+Winkeln einen Rechteckigen Kasten gebaut, den ich mit dicken Bettlaken überspannt habe und an dessen schmaler seite 4 250W Infrarotbirnen in Keramikfassungen für Hitze sorgen. Frei von Holz und kostet im eigenbau schlappe 200€. Man muss wirklich handwerklich nicht viel drauf haben um sich sowas zu Basteln…

    Was aber eindeutig effektiver bei MCS ist, ist die Probiotische Therapie. Das hat zur Heilung meines MCS geführt.

  4. Lucie 28. August 2009 um 06:38

    Liebe Silvia,

    wieder ein herzliches Dankeschön an Dich für diesen Blogartikel. Gerne würde ich in die Sauna gehen, doch ich habe keine Möglichkeit dazu.

    Gibt es in den uns zur Verfügung stehenden Umweltkliniken dort die Möglichkeit, eine Sauna-Therapie zu erhalten? Ich weiß, dass sich die in Deutschland existierenden Kliniken nicht mit den Standards aus den USA messen können, doch ich habe im Forum gelesen, Dr. Müller soll ganz kompetent sein und seinen Patienten tatsächliche Hilfe anbieten.

    Ich finde es absolut untragbar, dass bei uns in D das Hauptaugenmerk auf die Pychiatrisierung von MCS Patienten gelegt wird, wir also fehltherapiert werden, währenddessen es sehr wohl adäquate Therapiemöglichkeiten gibt, MCS Kranken ein wenig Verbesserung zu verschaffen.

    Wir alle werden benutzt um den überaus zahlreichen Psychiatern, Psychologen und Psychotherapeuten den Arbeitsplatz zu sichern.

    Es sind untragbare Zustände und mich überkommt unvorstellbare Wut, wenn ich intensiv darüber nachdenke, wie mit uns allen umgegangen wird, obwohl es auch anders laufen könnte.

  5. Clarissa 28. August 2009 um 06:42

    Sauna? Tolle Sache, wenn man es verträgt, ich jedenfalls habe massive Probleme wenn es warm wird und oder höhere Luftfeuchtigkeit vorhanden ist.
    Die x-mal die es probierte, endeten jedes mal mit einem Fiasko. Selbst nur Heißluft oder Wärmetische sind die Hölle für mich, im Gegenzug dazu vertrage ich Kälte und Nebel hervorragend.
    Also für mich ist eine Sauna egal welcher Art leider keine Hilfe. Schade, denn vom Prinzip her denke ich das mir das helfen könnte aber für mich leider nicht geht.

  6. Toxicwarrior 28. August 2009 um 21:43

    Ich hatte das Glück eine Badewanne in der neuen Wohnung zu besitzen. Folge dessen nahm ich über Monate regelmäßig heiße Sitzbäder, was mir bis heute sehr bekommt. Zu Anfangs unter Aufsicht einer Freundin, wegen Kreislaufprobleme bzw. Vorsicht wegen Ertrinken bei Ohnmacht. Zudem kann man die Wassertemperatur sehr gut nivellieren. Den Schweißfilm der auf der Wasseroberfläche schwamm, und der sich beim Ausstieg aus dem Wasser wieder auf meiner Haut befand , wusch ich mit Alepposeife wieder ab. Ich selbst kann jedem nur sanftes Ausschwitzen, Bio-Rotationskost, Zufuhr von Mineralien, stilles Wasser trinken, Vitamine und sehr viel Geduld und Zeit zur „Heilung“ bzw. Linderung von MCS empfehlen.

    Dies ist kein Königsweg, lediglich eine Empfehlung, mit der Hoffnung dass es bei anderen MCS Betroffenen eventuell auch hilft.

  7. Spider 31. August 2009 um 09:29

    Hallo Toxicwarrior,

    danke für Deine Tipps. Ich werde sie testen, denn leider habe ich keine Möglichkeit in der Sauna zu entgiften. Durch Sitzbäder kann ich mir gut vorstellen, dass es helfen könnte.

    Gruß Spider

  8. heinz wiedemann 1. September 2009 um 12:07

    btr. sauna
    z. zt. wird überall empfohlen, eine infra- rot-
    sauna zu benützen, da diese 6 x besser entgitet u.
    kreislaufschonender ist. leider sind diese meist
    mit zedernholz ausgestattet, das wiederum aus-
    dünstet. gibt es eine möglichkeit eine infra-rotsauna mit verträglichen materialien zu

    bekommen?

    gruß heinz

  9. heinz wiedemann 1. September 2009 um 12:14

    betr.: sauna
    der kommentar von rob dazu finde ich sehr kon-
    struktiv. wie kann ich rob erreichen?!

    gruß
    heinz

  10. Renni 23. Dezember 2010 um 20:12

    Also leide sei 2 Jahren an cfs. Seit ich die Diagnose hab gehe ich jeden Tag 10 min in die Sauna. Ich reagiere auf Hitze auch ziemlich heftig. Also meine Symptome werden in der Sauna immer verschlimmert. Aber dafür hab ich nach der Sauna ca. 2 Stunden so hitzeschübe von innen heraus. Da geht’s mir dann immer viel besser. Ich kann’s also nur jedem empfehlen

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