Archiv der Kategorie ‘Gefahren durch Alltagschemikalien‘

Hersteller warnt: Empfindliche Kinder sollten Nahrungsmittel mit Azofarben nicht essen

Algen sind gesund und schmecken, wenn sie richtig zubereitet sind, wirklich sehr lecker. Wakame-Salat ist besonders köstlich und man bekommt ihn im japanischen Supermarkt tiefgefroren und fertig zubereitet. Frisch gibt es Wakame nur saisonal und ist nicht so leicht zu bekommen. Also greift man zum Fertigprodukt im Tiefkühlschrank. Prima, keine Arbeit mit der Zubereitung und dass Garant, dass der Wakame-Salat richtig abgeschmeckt ist und authentisch schmeckt. Vorsicht ist angesagt, denn die schöne grüne Farbe der fertig abgepackten Wakame-Alge kann durch einen Azofarbstoff hervorgerufen sein. Das stellte ich durch Zufall beim Einkaufen fest und machte schnell ein Photo. Es ist keine photographische Meisterleistung – sorry, aber ich musste mich beim Photographieren ein wenig vorsehen, weil ein Angestellter gerade Waren auffüllte.

Wakame mit Azofarbstoff?

Zwei Sorten Wakame-Salat verschiedener Hersteller fand ich im japanischen Supermarkt im Tiefkühlschrank. Bei Herausnehmen der Packung fiel mir ein kleines Hinweisschild ins Auge:

„Azofarbstoffe können bei empfindlichen Kindern möglicherweise zu Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen führen.“

Ein vorbildlicher Nahrungsmittel-hersteller, der eine solche Warnung auf die Packung seines Nahrungs-mittels aufklebt. Es ist das erste Mal gewesen, dass ich eine solche Warnung auf einer Nahrungsmittel-packung sah. Gerade für Kinder können Azofarben wirklich sehr problematisch sein. Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen sind nur ein Teil dessen, was an Beschwerden eintreten kann. An den Fallbericht eines Mädchens, dass durch Essen von bunten Bonbons, die mit Azofarben gefärbt waren und dadurch chemikaliensensibel wurde und auch keine Medikamente mehr vertrug, erinnert Ihr Euch vielleicht noch.

Azofarben in Nahrungsmitteln generell bedenklich

Azofarben sollten generell aus Nahrungsmitteln draußen bleiben, da sie ein reines chemisches Erdölprodukt sind und für keinen gut. In einem eigentlich rundum gesunden Nahrungsmittel wie Wakame-Algen hätte ich ehrlich gesagt Farbstoffe nie vermutet. Die Algenart ist bei vielen Menschen beliebt, weil sie vergleichsweise wenig Jod enthält und reich an Magnesium, Calzium, Eisen, Kalium, B-Vitaminen und einer Reihe von Aminosäuren ist. Wakame wird auch wegen seiner antibakteriellen Wirkung geschätzt und weil die Alge die Abwehrkräfte stärkt. Sogar entgiftend wirkt diese Braunalge durch die darin enthaltende Alginsäure.

Aber, man lernt ständig dazu und ich gehe davon aus, dass in Restaurants der Wakame-Salat recht oft fertig angeliefert wird. Ob auf der Speisekarte ein Hinweis auf die Azofarben steht? Müsste eigentlich. Gesehen habe ich es jedoch noch nicht. Beim nächsten Besuch im japanischen Restaurant werde ich interessehalber nachfragen. Essen werde ich im Restaurant keine, da bleibe ich lieber bei Sushi.

Autor: Thommy, CSN – Chemical Sensitivity Network, 12. März 2010

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Auch vermeintlich ungiftige Chemikalien können den Tod bringen

Die Wasserqualität des Rheins hat sich in den letzten Jahren durch Ergreifen vieler umweltfreundlicher Maßnahmen zum Positiven entwickelt. Noch in den 60er und 70er Jahren waren viele einst heimische Fischarten auf Grund der schlechten Wassergüte ausgestorben. Mangelndes Umweltbewusstsein führte dazu, dass Industrieabwässer damals völlig ungeklärt in den Rhein geleitet wurden. Erst in den 70ern erkannte man die dringende Notwendigkeit, Abwässer in Klärwerken zu filtern, so dass sich die Wasserqualität des Rheins seither ständig verbessert hat. Seit Anfang des Jahres 2000 sind wieder über 40 verschiedene Fischarten im längsten Nordseezufluss angesiedelt.

Es besteht jedoch kein Anlass, sich auf den Lorbeeren ausruhen, denn der Schein trügt. Durch die an unseren Flüssen zahlreichen angesiedelten Chemieparks und Industrieanlagen wie auch durch den intensiven Binnenschiffsverkehr finden immer wieder Schadstoffkontaminierungen des Rheinwassers statt. Dies belegen auch die aktuell ablaufenden Ereignisse am Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz.

Chemikalien verursachen Sterben von Lachmöwen am Rhein

Umweltschützer sind besorgt, denn seit drei Jahren findet zwischen Mainz und Wiesbaden ein rätselhaftes Möwensterben statt. Mittlerweile konnten Tenside als Ursache für die traurige Misere dingfest gemacht werden, der Verursacher ist jedoch nach wie vor unbekannt. Matthias Werner von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland in Frankfurt berichtet, dass Hunderte Lachmöwen dort den Tod finden. Die Dunkelziffer wird wesentlich höher eingestuft. Die vom hessischen Landeskriminalamt in Auftrag gegebenen Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Tenside Glycerin-Monooleat und Oleamin für das Möwensterben verantwortlich sind.

Tenside werden in der Lebensmittelindustrie als Emulgatoren verarbeitet und kommen in Reinigungs- und Waschmittel, Kosmetika, Duschgels und Shampoos zuhauf zum Einsatz. Tenside sind waschaktive Substanzen, sie haben die Fähigkeit die Oberflächenspannung des Wassers zu reduzieren und somit beim Reinigen die Löslichkeit von Schmutzpartikel und Fett zu beschleunigen.

Die waschaktiven Substanzen der Tenside zerstören die Fettschicht im Gefieder

Genau diese Eigenschaften werden den Möwen zum Verhängnis. Die nachgewiesenen Emulgatoren zerstören die Fettschicht des Gefieders der Lachmöwen. Das Gefieder wird struppig und verliert die für die Vögel lebensnotwendige Schutzfunktion vor Nässe und Kälte, so dass diese an Unterkühlung sterben. Durch ihr ständiges Putzen verteilen die Möwen die für sie tödlich wirkende Substanz weiter in ihr Gefieder und verstärken somit den negativen Effekt. Die Naturschützer tappen weiter im Dunkeln und vermuten, dass sich die Möwen möglicherweise in Klärbecken verunreinigen oder das Sterben mit der Futtersuche in Zusammenhang steht. Ornithologen hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Aufklärung des traurigen Möwensterbens am Rhein beitragen können.

Tenside – Chemikalien mit reizendem, umweltschädlichen, allergenem und toxischem Potential

Es gibt vier verschiedene Arten von Tensiden, manche sind als ungiftig eingestuft. Das Umweltlexikon KATALYSE – Institut für angewandte Umweltforschung führt an, dass Tenside Massenchemikalien sind, die teilweise eine schlechte biologische End-Abbaubarkeit in der Umwelt aufweisen.

Die ökologisch am verträglichsten anionischen Tenside sind Reinigungsmitteln zugesetzt. Nichtionische Tenside (hauptsächlich Alkoholethoxylate und Alkylphenolethoxylate – werden auch als APEO bezeichnet) kommen häufig zusammen mit anionischen Tensiden vor. Die Abbauprodukte der APEO-Tenside sind jedoch als hochgradig fischtoxisch klassifiziert. Die positiv geladenen kationischen Tenside haben keine Waschwirkung und kommen in  Weichspülern und Desinfektionsmittel zur Anwendung. Sie sind für Wasserlebewesen hochgiftig, können sich im Klärschlamm anreichern und Allergien auslösen. Amphotere Tenside haben sowohl positive wie auch negative Ladungen und werden deshalb auch als Co-Tenside bezeichnet. Sie werden als Wirkbeschleuniger verwandt.

Auch der Mensch ist vor negativen Auswirkungen auf die Gesundheit durch Tenside nicht gefeit. Die Chemikalien können neben Haut- und Schleimhautreizungen chronische Hautschädigungen und Kontaktekzeme hervorrufen.

In unserem modernen Leben sind wir zunehmend von chemischen Substanzen umgeben, sei es durch Umwelteinflüsse oder Gegenstände des täglichen Bedarfs, die vielfach als vermeintlich unbedenklich gelten. Allerdings werden deren Auswirkung auf die Umwelt und Natur sowie unsere Gesundheit oftmals unterschätzt, wie das aktuelle Beispiel des Möwensterbens verdeutlicht. Das fragile Ökosystem wird vielfach bereits durch geringe Einflüsse erheblich gestört. Es ist also unabdingbar, weiter vereint daran zu arbeiten, negative Umweltfaktoren weitestgehend zu reduzieren und nicht sorglos mit Chemikalien im Alltag umzugehen.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity Network, 11. März 2010

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Verpackungen von Lebensmitteln geben Schadstoffe in Nahrungsmittel ab

Fachleute sind besorgt wegen einer bislang unbekannten Schadstoffquelle für Nahrungsmittel. Kartonverpackungen für Lebensmittel enthielten “hohe Mineralölanteile”, heißt es dem Nachrichtenmagazin “Focus” zufolge in einem Protokoll des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). (1) Das Problem, dass Lebensmittelverpackungen eine Schwachstelle darstellen können, die zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher geht, ist dem BfR schon seit Jahren bekannt. Probleme bereiten neben dem Schadstoffeintrag aus Altpapier auch Perfluorchemikalien, Nanomaterialien, recycelte Kunststoffe, Phthalate, Druckfarben, Dichtungsmaterial bei Glaskonserven, Bakterizide, etc.

In einer aktuellen Pressemeldung heißt es:

Den aktuellen BfR-Analysen, die im Auftrag des Bundesverbraucherschutz-ministeriums erstellt wurden, liegt eine Studie des Kantonalen Labors Zürich zugrunde. Die Schweizer Toxikologen wiesen nach, dass Ölspuren aus der Druckfarbe wiederverwerteten Papiers “binnen weniger Wochen” in Lebensmittel übergehen können, die mit Produkten aus Altpapier verpackt sind. “Diese Stoffe gehören nicht in die Nahrung”, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel. Neue Grenzwerte sind allerdings nicht in Sicht. Während der Züricher Laborleiter Rolf Etter Deutschland auffordert, bei der EU auf “Regulierungen” zu drängen, sieht Hensel “weiteren Erkenntnisbedarf”.

Bekanntes Problem: Verpackungen kontaminieren Nahrungsmittel

Dass Lebensmittelverpackungen für Schadstoffeintrag in unsere Nahrungsmittel verantwortlich sein können, weiß das BfR seit Jahren. Es ist schließlich nicht nur das belastete Altpapier, sondern auch die Druckfarben, die bei der Bedruckung der Lebensmittelverpackungen zum Einsatz kommen und kritisch betrachtet werden müssen. Bei einem Blick auf die Webseite des BfR wird ersichtlich, dass sich die Behörde mit der Thematik „Druckfarbenrückstände“ schon länger beschäftigt. In der Meldung „Druckfarben in Lebensmitteln: Gesundheitliche Bewertung mangels Daten nicht möglich“ aus dem Jahr 2006 äußerte das BfR bezüglich einer Situation, die bereits damals für die Behörde nicht zufriedenstellend war, und nennt den Hauptgrund:

„Das Problem: Anders als viele andere Stoffe, die im Kontakt mit Lebensmitteln eingesetzt werden, sind Druckfarben auf europäischer Ebene gesetzlich nicht geregelt.“

Behörden und Industrie: Kein Konsens zugunsten der Verbrauchergesundheit

Aus der Pressemitteilung des BfR vom 1. März 2006 wird offenkundig, dass es zum damaligen Zeitpunkt bereits Treffen mit Vertretern der Industrie gab:

„Das Gespräch zwischen der Kunststoffkommission und Vertretern der Druckfarbenindustrie im BfR hat ergeben, dass sich der Übergang von Stoffen aus Druckfarben auf Lebensmittel durch einen so genannten Abklatscheffekt oder aufgrund von Migration durch das Verpackungsmaterial technologisch derzeit nicht vermeiden lässt. Kurzfristig wird sich diese Situation auch nicht ändern: Die Druckfarbenindustrie setzt zur Erfüllung lebensmittelrechtlicher Anforderungen auf ihre eigene Leitlinie. Danach sollen besonders bedenkliche Substanzen von der Verwendung ausgeschlossen und für andere Stoffe toxikologische Daten vorgelegt werden. Die hierfür vorgesehenen Fristen halten das BfR und die Kunststoffkommission für unakzeptabel: Je nach Menge des zu erwartenden Übergangs der Substanz in Lebensmittel will die Industrie die Daten – insbesondere solche zur Klärung einer eventuell vorhandenen erbgutverändernden Wirkung – erst zwischen 2010 und 2015 vorlegen. Damit wäre sowohl die gesundheitliche Bewertung als auch die Überprüfung auf Einhaltung lebensmittelrechtlicher Anforderungen lange Zeit nicht möglich. (2)

Vier Jahre sind seitdem vergangen, wir haben das Jahr 2010, die Verbraucher sind, wie die aktuelle Pressemeldung offenbart, noch immer Schadstoffen aus Lebensmittelverpackungen ausgesetzt und noch immer setzt man auf „Erkenntnisbedarf“. Das bedeutet, dass der Verbraucher weiterhin auf „Goodwill“ warten muss, bis Änderungen zum Wohle seiner Gesundheit getroffen werden.

Statt Verbraucherschutz, Selbstkontrolle der Industrie

Das BfR teilt in einer Veröffentlichung erläuternd mit, dass es kein spezielles Zulassungsverfahren gibt für Materialien im Kontakt mit Lebensmitteln. Es gibt aber die bereits erwähnten Anforderungen der EU-Verordnung 1935/2004, die alle Materialien und ihre Bestandteile erfüllen müssen, wenn sie für den Kontakt mit Lebensmitteln verwendet werden sollen. Die Verantwortung hierfür tragen jedoch die Hersteller selbst.

Sorge hat die Behörde, der die Hände gebunden zu sein scheinen, wie man an einer weiteren Meldung von 2007 sieht. Damals gab das BfR an, dass man eine Regelung auf EU-Ebene für die vielen Stoffe, die durch das Bedrucken von Lebensmittelverpackungen mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommen können, für dringend erforderlich hält. Über 1000 Stoffe würden für das Bedrucken von Lebens-mittelverpackungen eingesetzt, so die Behörde für Risikobewertung. (3)

Das BfR ist sich den Reaktionen der Konsumenten, wenn es um schadstoffbelastete Nahrungsmittel geht, durchaus bewusst, wie aus einer Hintergrundinformation für Journalisten deutlich wird. Darin heißt es: “Wenn Lebensmittel Stoffe enthalten, die man als Verbraucher dort nicht erwartet und schon gar nicht gewünscht hat, ist die öffentliche Diskussion schnell auf dem Siedepunkt.“(3)

Verbraucher werden im Regen stehen gelassen

Verwunderlich ist die Reaktion der Verbraucher nicht, von der das BfR berichtet. Der Verbraucher von Heute erwartet, dass Nahrungsmittel frei von krankmachenden Schadstoffen sind. Ihn interessiert es wenig, welche Gründe Hersteller vorbringen, warum in welchem Fertigungsprozess Schadstoffe in die Nahrung übergehen können, er möchte sich darauf verlassen können, dass das, was er isst, seine Gesundheit stärkt, nicht gefährdet. Dem Verbraucher dies abzusprechen, bedeutet, ihm das Vertrauen zu nehmen, das er den verantwortlichen Behörden und den Herstellern in der Nahrungsmittel produzierenden Industrie entgegenbringen möchte.

Es ginge auch anders, die Hersteller müssten nur umschwenken

Dass es durchaus Möglichkeiten gibt, Lebensmittelverpackungen schadstofffrei oder schadstoffarm zu bedrucken, müsste man vermuten können, wenn man Angebote von Druckereien studiert. Da fallen Begriffe wie: „umweltfreundliche Produktion, lösungsmittelfrei, kein Einsatz von Industriealkohol im Druckprozess, Rapsöl als Bindemittel der Druckfarbe,…“ Es bleibt abzuwarten, ob zunehmender Druck von Seiten der Verbraucher und Verbraucherinitiativen umweltfreundliche und für die Gesundheit unschädliche Lebensmittelverpackungen bei den Nahrungsmittel-produzenten erwirken kann, wenn Behörden dazu seit Jahren nicht im Stande sind.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 9. März 2010

Literatur:

  1. dts, Fachleute besorgt wegen Giftstoffen im Essen, 07.03.2010.
  2. BfR, Druckfarben in Lebensmitteln: Gesundheitliche Bewertung mangels Daten nicht möglich, 06/2006, 01.03.2006.
  3. BfR, Materialien im Kontakt mit Lebensmitteln, A/2007, 27.04.2007.

Die Störung des Hormonhaushaltes durch Chemikalien

Endocrine Disrupters – Hormonell wirksame Substanzen

Bisphenol A (BPA) war im CSN Blog bereits öfter Thema. Zuletzt ging es darum, welche Probleme diese Substanz Lebensmittel-herstellern macht, selbst wenn sie Willens sind BPA zu vermeiden. In unserem englischsprachigen EMM Blog wurde neulich eine Studie vorgestellt, nach der nicht ausgeschlossen werden kann, daß sich eine Belastung mit BPA während der Schwangerschaft negativ auf die Fertilität weiblicher Nachkommen auswirkt. Davor wurde mehrfach über die karzinogene und hormonelle Wirkung von BPA berichtet. Vor nicht all zu langer Zeit waren nicht nur bei uns, sondern auch in vielen Medien Berichte zu lesen, daß BPA in Schnullern und anderen Produkten, mit denen Kleinkinder in Kontakt kommen, gefunden wurde. Nicht zuletzt Dank des Filmes “Plastic Planet” von Werner Boote kommt BPA allmählich auch bei einer breiteren Öffentlichkeit als Thema an.

Während eine Lösung für das Problem BPA noch nicht in Sicht ist, taucht schon das nächste auf. Die Washington Post berichtete am 02.03.2010 über eine von der National Academy of Sciences vorab online veröffentlichte Studie zu Atrazin, die auf erstaunlich viel Resonanz in Blogs und Kommentaren stieß.

Prof. Tyrone Hayes und andere untersuchten die hormonelle Wirkung des weltweit am häufigsten verwendeten Herbizides. Es führte im Labor zur Verweiblichung männlicher Krallenfrösche (Xenopus laevis). Kaulquappen wurden in Wasser mit 2.5 ppb Atrazin großgezogen. 10 Prozent der untersuchten Frösche, die alle männliche Chromosomen aufwiesen, hatten sich zu fortpflanzungsfähigen Weibchen entwickelt, die allerdings nur männliche Nachkommen bekamen. Bei den übrigen 90 Prozent war die Männlichkeit eingeschränkt. Die meisten hatten einen niedrigen Testosteronspiegel und eine geringe Fruchtbarkeit. Sie hatten es schwerer als Männchen aus der nicht exponierten Kontrollgruppe, mit diesen um die Aufmerksamkeit von Weibchen zu buhlen.

Prof. Hayes erklärte der Washington Post, das Problem könnte darin bestehen, daß Atrazin über die Haut der Frösche aufgenommen wird und in männlichen Fröschen ein Gen aktiviert, das normalerweise abgeschaltet sein sollte und das die Produktion eines Enzymes veranlaßt, das Testosteron in Östrogen umwandelt und den Körper des Frosches mit falschen Hormonsignalen überflutet.

Im Abstract der Studie heißt es:

“…Vorausgegangene Studien zeigten, daß Atrazin die larvale Entwicklung von Amphibien negativ beeinflusst. Die vorliegende Studie demonstriert, welche Folgen eine Atrazin-Exposition für die Fortpflanzung erwachsener Amphibien hat. Atrazin exponierte Männchen waren im ausgewachsenen Zustand sowohl entmännlicht (chemisch kastriert) als auch vollständig feminisiert…

…Die vorliegenden Ergebnisse veranschaulichen, welche Rolle Atrazin und andere endokrin wirksame Pestizide möglicherweise beim globalen Rückgang der Amphibienbestände spielen.”

Vielleicht kann diese Studie aufgrund ihrer Datenbasis nicht mehr als Hinweise auf hormonelle Störungen durch Atrazin liefern. Diese sind jedoch besorgniserregend. Die Tiere waren einer geringeren Konzentration ausgesetzt, als dem von der Amerikanischen Umweltschutzagentur, der Environmental Protection Agency (EPA), empfohlenen MCL-Wert (Maximum Contaminant Level). Die EPA hält derzeit 3 ppb (parts per billion – drei Am. Billionstel, bei uns Milliardstel) also 0,003 mg Atrazin pro Liter (~1 Kg) Trinkwasser für gesundheitlich unbedenklich. Sie weist aber darauf hin, dass exzessives Trinken von Wasser mit dieser Konzentration bei manchen Menschen zu Kreislauferkrankungen und Fortpflanzungsproblemen führen kann.

Seit dem 07.10.2009 läuft bei der EPA ein Verfahren zur Neubewertung von Atrazin. In Deutschland ist die Anwendung von Atrazin seit 1991 verboten, Europaweit seit 2004 (PDF). Es gilt ein Grenzwert von 0.1 µg/l, was 0.1 ppb entspricht. Dieser Grenzwert ist 30 Mal kleiner als der Amerikanische. Obwohl Atrazin bei uns nicht mehr angewendet werden darf, ist es im Grundwasser immer noch nachweisbar und übersteigt diesen manchmal.

Nach dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland wurde bei einer Messung im Jahre 2001 im Gebiet zwischen Schwarzwald und Vogesen auf deutscher Seite bei 40 Prozent aller Proben Atrazin nachgewiesen. Bei 4 Prozent war der Grenzwert überschritten. Auch in der Schweiz sollen Grenzwertüberschreitungen hauptsächlich bei Atrazin und dessen Hauptabbauprodukt Desethyl-Atrazin auftreten. Messwerte werden selten angegeben. Doch es gibt Zahlen vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. 2006 (vermtl.) wurde für Atrazin bei 34 Prozent der Proben der Grenzwert (0.1 ppb) überschritten. Der Höchstwert betrug 0.37 ppb. Desethyl-Atrazin wurde bei 52 Prozent der Proben mit maximal 0.60 ppb überschritten.

So sieht es aus, wenn Atrazin seit längerem verboten ist. Die Werte (PDF) aus den USA, wo Atrazin noch nicht verboten ist und häufig eingesetzt wird, sollten zu denken geben. Von 2004 bis 2006 wurden an verschiedenen Messstellen in Wassereinzugsgebieten Höchstwerte in einem Bereich von 49.87 bis 237.5 ppb gemessen. Die Durchschnittswerte schwanken von 2.58 bis 18.56 ppb. 3 ppb war der Wert, den die EPA noch als unbedenklich ansieht und dieser ist dreißigmal höher als der Europäische Grenzwert.

Der Grenzwert für Atrazin in Nahrungsmitteln beträgt in der EU vorläufig 0.1 mg/Kg, also 100 ppb und greift auf den Grenzwert für Getreide einer vorausgegangenen Richtlinie der Kommission zurück.

Messwerte für Atrazin-Rückstände in Lebensmitteln liegen uns nicht vor.

Sicher werden sich weitere chemische Substanzen als endokrin wirksam herausstellen. Diese Eigenschaft war bei deren Entwicklung nicht vorgesehen, weil man nur den Zweck die Anwendung und nicht den Menschen im Blick hatte. Dabei hätte man aus Erfahrungen mit künstlich hergestellten Hormonen lernen können, welche Gefahren von hormonell wirksamen Substanzen ausgehen.

Das künstliche Östrogen Diethylstilboestrol (DES) wurde 1938 erstmals im Labor synthetisiert und seit 1947 zur Prävention von Fehlgeburten verabreicht. Eine solche Wirkung besaß das Medikament aber nicht, da man den niedrigen Östrogenspiegel, der ausgeglichen werden sollte, nicht als Folge einer Fehlgeburt erkannte, sondern für dessen Ursache hielt. DES wurde keiner ausreichenden klinischen Prüfung unterzogen, jedoch weltweit vermarktet und gegen zahlreiche Erkrankungen verschrieben. Zur Behandlung von Memopausen- und Postmemopausensyndromen, gegen Prostatakrebs und unerwünschte Laktation. Es fand weitere Verwendung als Verhütungsmittel (“Pille danach”) und als Wachstumsförderer zur Mast von Hühnern, Schafen und Rindern.

Seit 1971 weiß man, dass Frauen, deren Mütter DES eingenommen haben, ein erhöhtes Risiko für das klarzellige Adenokarzinom aufweisen, eine bis dahin äußerst seltene tödliche Krebserkrankung. Seit 1971 weiß man auch, dass es bei diesen Töchtern zu genitalen Missbildungen kommen kann. Noch im gleichen Jahr zog die FDA (Food and Drug Administation), die Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel die Zulassung für DES zurück.

Später wurden weitere Auswirkungen von DES festgestellt, welche die Fähigkeit der Töchter zu einer Schwangerschaft bedrohten. Die wichtigste Erkenntnis, die DES gebracht hat, ist sicherlich jene, die bis dahin gültige Lehre von der Plazenta-Barriere widerlegt zu haben. Der Fötus ist nicht gegen solche Einflüsse von Außen geschützt, sondern äußerst verletzbar.

Der genaue Vorgang kann in einer Studie der Europäischen Umweltagentur “Späte Lehren aus frühen Warnungen: Das Vorsorgeprinzip 1896–2000″ (PDF) von 2001 sehr ausführlich mit vielen Quellenangaben nachgelesen werden.

Wenn man aus DES Lehren gezogen hätte, würde man aus Vorsicht immer eine hormonelle Wirkung von chemischen Substanzen in Betracht ziehen und abklären, bevor man sie für unschädlich erklärt. Dann hätte man die Anwendung von BPA und Atrazin unterlassen und nach harmloserem Ersatz gesucht, statt diese Stoffe in derart großen Mengen zu verbreiten, dass sie allgegenwärtig sind.

Wie bereits DES zeigt, müsste das fragliche Konzept von Grenzwerten überdacht werden. Die Wirkungen, welche Substanzen auf die Entwicklung eines Fötus haben können, lassen es nicht zu, einen gesunden Erwachsenen als Maß dessen zugrunde zu legen, was man einem Menschen an gesundheitlicher Belastung zumuten kann.

Endokrin wirksame Substanzen wirken über Generationen, sofern sie die Fortpflanzung nicht unterbinden. Es ist schlimm genug, wenn ein Individuum erkrankt, wie erklärt man das aber jemand, der keine Chance hatte, gesund auf die Welt zu kommen?

Autor: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network, 4. März 2010

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Buch über MCS jetzt auch als E-Book / Kindle Book erhältlich

Das von Els Valkenburg geschrieben Buch über Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist seit ein paar Tagen auch als E-Book erhältlich. Eine wunderbare Lösung, Bücher lesen zu können ohne die Umwelt zu stark zu belasten. E-Books kommen Chemikaliensensiblen sehr entgegen, weil sie beim online Lesen nicht mit den Ausdünstungen der Druckerschwärze und des Papiers in Kontakt kommen. Wer schwer betroffen ist, kann überhaupt keine Bücher oder Zeitungen lesen. Nur wenige der Chemikaliensensiblen verfügen über eine Lesebox, durch die eine Absaugung der Ausdünstungen erfolgt und Chemikalien der Druckerzeugnisse nach draußen geleitet werden.

Das Buch „Understanding Multiple Chemical Sensitivity: Causes, Effects, Personal Experiences and Resources“ ist vorerst nur als englischsprachiges E-Book erhältlich. Eine holländische und deutsche online Version sollen jedoch folgen, sobald dazu die Möglichkeit besteht.

MCS Buch unterstützen

Eine spannende Angelegenheit dürfte auch die Möglichkeit sein, ein Bild von sich und dem Buch hochzuladen auf Amazone (links unterhalb der Buchabbildung). Das geht bei der Printausgabe und beim E-Book. Bilder, die Chemikaliensensible mit ihrer MCS-Schutzmaske oder in ihrer MCS-gerechten Wohnung zeigen, könnten anderen Mitmenschen verdeutlichen, was ein Leben mit der Krankheit bedeutet und das Buch in seiner Aussagekraft stärken.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 27. Februar 2010

Weitere Informationen: Interview mit Els Valkenburg

Buchinformationen:

Gericht spricht Schmerzengeld wegen Explosion von Toilettenspray zu

Auf der Betriebstoilette eines Essener Supermarktes wurden zwei Dosen Raumduftspray von einem Angestellten durch Lüftungsschlitze in eine Toilette versprüht. Es kam zu einer Detonation, weil sich das Spray entzündete. Ein Mitarbeiter wurde dadurch sehr schwer verletzt, weil es geschah, während er die Toilette benutze. Die Detonation des Luft-Gas-Gemischs verwüstete mehrere Räume und ließ Fensterscheiben zu Bruch gehen. Auch der Kollege der das Toilettenspray versprüht hatte wurde verletzt. Der Arbeitnehmer, der lebensgefährliche Brandverletzungen davongetragen hatte, klagte vor dem Arbeitsgericht Oberhausen gegen den Kollegen.

Das Gericht hat am 19. Februar der Klage stattgegeben und dem Mann 20 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Zwei Zeugen hatten bestätigt, dass der Beklagte die Raumduftsprays damals im Jahr 2006 versprüht hatten. Das Gericht gelangte durch die Zeugenvernehmung zu der Auffassung, dass der Beklagte für die Explosion verantwortlich gewesen war. Weshalb sich das Raumspray letztendlich entzündete, konnte nicht ermittelt werden. Die Staatsanwaltschaft Essen war am Versuch gescheitert herauszubekommen, ob sich das Gemisch entzündet hatte, weil der Kläger auf der Toilette geraucht hatte oder ob ein Zündfunke einer SMS, die der Mann auf der Toilette empfing, ausgereicht hatte.

Bisphenol A – Eine Chemikalie verseucht unsere Nahrungsmittel und Getränke

Verzweifelung auf Seiten der Nahrungsmittelindustrie und der Konsumenten

Das Thema ist brisant – Bisphenol A (BPA) ist eine Chemikalie, die für eine ganze Reihe von Gesundheitsproblemen einschließlich Krebs ursächlich ist. Der Washington Post war BPA gestern die Titelseite und die erste Innenseite wert. Die Zeitung berichtete über die verzweifelte Suche von verantwortungsbewussten Lebensmittelherstellern nach Verpackungen für ihre Produkte, die frei von Bisphenol A sind. Ein Unterfangen, das sich schwieriger gestaltet, als man vermutet.

Einige US Nahrungsmittelhersteller gaben große Summen aus, um ihre Produkte ohne die allgegenwärtige BPA – Kontaminierung anbieten zu können. Die Washington Post beschreibt in ihrem Leitartikel, wie schwer sich für Nahrungsmittelhersteller die Suche nach BPA-freier Verpackung gestaltet.

Die Frustration unter Herstellern, die auf BPA-frei umgestellt haben, sei oft groß, berichtet die Zeitung und führt zur Illustration den Fall eines Fischkonservenherstellers an. Die Firma hatte im vergangenen Jahr mit großem Aufwand zu Bisphenol A freien Dosen gewechselt und musste erschüttert zur Kenntnis nehmen, dass eine Verbraucherorganisation dennoch BPA in ihrem Thunfisch fand. 10 000$ wurden für Laboranalysen ausgegeben um herauszufinden, an welcher Stelle der Schadstoff sich einschlich. Die Suche nach der Kontaminierungsquelle gestaltete sich als Katastrophe. Ob es die Handschuhe waren, mit denen der Fisch angefasst wurde, oder ein Schneidbrett, oder schon der Thunfisch selbst, man wisse es nicht, so der verzweifelte Fischkonservenhersteller, denn die Chemikalie sei omnipräsent – sie einfach überall. Es bliebe nur eins übrig, weiterzusuchen und Lösungen finden.

Der BUND gab heute eine Pressemitteilung zur Bisphenol A Situation im Nahrungsmittel- und Getränkesektor in Deutschland heraus, denn Bier-, Softdrink- und Energydrink-Dosen in deutschen Regalen enthalten auch Bisphenol A.

Hormone aus der Dose

Berlin: In Getränkedosen von Sprite, Red Bull, Schöfferhofer, Faxe-Bier, Nescafé und weiteren Abfüllern hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die riskante Chemikalie Bisphenol A nachgewiesen. In den Epoxidlacken der Innenbeschichtungen der Dosen habe ein vom BUND beauftragtes Labor je Dose zwischen 0,3 und 8,3 Mikrogramm Bisphenol A gefunden. Akute Gesundheitsschäden seien beim Trinken aus Dosen zwar nicht zu befürchten, jedoch trage der Schadstoffgehalt zur Gesamtbelastung des Menschen mit Bisphenol A bei. Bisphenol A wirke ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen und habe bei Versuchen an Muttertieren schon in geringer Konzentration bei Föten zu Organmissbildungen, Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung und späteren Fruchtbarkeitsschäden geführt, so der BUND. Beim Menschen seien Zusammenhänge zwischen einer Bisphenol-A-Belastung mit Herz- und Kreislauferkrankungen, Sexualstörungen sowie Diabetes festgestellt worden. Der Umweltverband forderte die Hersteller von Dosen und anderen Lebensmittelverpackungen auf, auf Bisphenol-A-haltige Materialien zu verzichten.

Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin: „Bisphenol A findet man nicht nur in Schnullern, Babyflaschen und jetzt auch in Getränkedosen. Es kommt auch in Konservendosen, Zahnfüllungen und Thermopapier vor. Und es gibt noch viele weitere Quellen, die zur Belastung des Menschen mit hormonellen Schadstoffen beitragen.“ Die BUND-Expertin nannte als Beispiel Weichmacher in PVC-Produkten.

Cameron: „Hochwirksame hormonelle Stoffe haben in Erzeugnissen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, nichts zu suchen. Unsere Analyse der Dosengetränke hat auch gezeigt, dass Bisphenol A aus dem Epoxidlack in die Flüssigkeiten übertritt. Der höchste gemessene Wert betrug beim Faxe-Bier 3,9 Mikrogramm pro Liter. Während in allen Dosenbeschichtungen Bisphenol A nachgewiesen werden konnte, waren die Getränke selber nicht in jedem Fall belastet. Vermutlich hängt das auch von den Lagerbedingungen und dem Doseninhalt selbst ab. Dazu benötigen wir weitere Analysen.“

Der BUND forderte die Bundesregierung auf, den Einsatz Bisphenol-A-haltiger Kunststoffe wie Polycarbonat, Epoxidlacke und -harze bei Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen oder direkten Hautkontakt haben, zu verbieten. Zudem müsse die Bundesregierung bei der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA für eine verschärfte Risikobeurteilung von Bisphenol A eintreten.

Der Bisphenol-A-haltige Kunststoff Polycarbonat sei in Ländern wie Kanada und einigen Staaten der USA für die Herstellung von Babyflaschen bereits verboten. Erst kürzlich habe die amerikanische Gesundheitsbehörde ihre Warnungen vor Bisphenol A verschärft.

Die Analyseergebnisse zu Bisphenol A in Getränkedosen finden Sie im Internet unter: BUND Bisphenol A

Autor Antext: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network 24. 02. 2010

Literatur: BUND, Pressemeldung, 24. Februar 2010

Weitere CSN Artikel über Bisphenol A

Dänisches Parlament bespricht Gesetzesentwurf zur Entwicklung von Richtlinien für Duftstoffe

Der mehrjährige massive Kampf durch die beiden dänischen Selbsthilfegruppen für Chemikaliensensible, MCS-SHG e.V. und MCS-Danmark für die Einführung einer Regelung für Duftstoffe in Dänemark, u.a. im Gesundheitswesen, trägt nun Früchte:

Im dänischen Parlament wird heute, am 23. Februar um 13 Uhr ein Gesetzesentwurf der SF (Abk. von „Sozialistische Volkspartei“) behandelt: „Gesetzesentwurf zur Entwicklung von Richtlinien für Duftstoffe in Krankenhäusern und Kindertagesstätten“.

Die von MCS-Danmark formulierte „Duftpolitik“ schuf die Grundlage für den Gesetzesentwurf. Diese Initiative erfolgte im Anschluss an eine Eingabe von MCS-Danmark vom November 2009 im dänischen Parlament. Die Eingabe war dem Ausschuss für Umwelt und Planung und dem Ausschuss für Gesundheit vorgelegt worden. Die beiden dänischen Organisationen ließen heute Morgen verlauten: „Wir sind superfroh, dass dieser Kampf nun endlich Früchte tragen wird!“

SF hat Unterstützung von den Sozialdemokraten, der kleinen sozial-liberalen Partei und Radikale Ventre, die alle drei in der Opposition zur bürgerlichen Regierung stehen.

Einige der Vorstandsmitglieder von MCS-Danmark werden heute bei dieser ersten Behandlung des Gesetzesentwurfs anwesend sein.

Autor: Dorte Pugliese für CSN – Chemical Sensitivity Network, 23. Februar 2010

Diabetes – Bitter, süß oder giftig?

Indigene Völker, Diabetes und die Bürde der Umweltverschmutzung

Diabetes wird heute vielerorts als die Epidemie des 21. Jahrhunderts angesehen. Mit ungefähr 284 Millionen Menschen, bei denen diese Krankheit gegenwärtig diagnostiziert wurde, ist dies bestimmt keine Übertreibung, nicht zuletzt für Indigene Völker.

Nach dem “State of the World’s Indigenous Peoples Report”, dem Bericht über die Lage der Indigenen Weltbevölkerung der Vereinten Nationen, haben mehr als 50% der Indigenen Erwachsenen über 35 Jahre Diabetes Typ 2, und es heißt darin, “diese Zahlen werden voraussichtlich noch steigen”.

Diabetes wird “Lifestyle Krankheit” genannt, für deren grassierende Ausbreitung man Fettleibigkeit verantwortlich macht, die unserem zunehmenden Verlass auf die westliche Ernährungsweise (auch als Fleisch-Zucker-Diät bekannt) und unserem Verzicht auf regelmäßige körperliche Betätigung geschuldet ist.

Während dies sicher mitverursachende Faktoren sein können, gibt es immer mehr wissenschaftliche Belege, dass zwischen Diabetes und unserer Umwelt ein enger Zusammenhang besteht. Es wurden über ein Dutzend Studien veröffentlicht die langlebige organische Schadstoffe, Persistent Organic Pollutants (POPs), darunter Polychlorierte Biphenyle (PCBs), als Dioxine bekannte krebserzeugende Kohlenwasserstoffe und das tödlichste synthetische Pestizid DDT, in einen Zusammenhang mit höheren Raten der Erkrankung bringen.

„Wenn es die POPs sind, wenn nicht Übergewicht Diabetes verursacht, ist dies wirklich heftig, wenn es stimmt“, meint Dr. David O. Carpenter, Direktor des Institutes für Gesundheit und Umwelt an der Universität von Albany (im Bundesstaat New York).

Einer von vier Indigenen Erwachsenen, die in Kanadischen Reservaten leben, wurde mit Diabetes vom Typ 2 diagnostiziert, der am weitesten verbreiteten Form von Diabetes. Die Prävalenz dieser Erkrankung scheint dermaßen stark zu sein, dass die Zahl der in Kanada neu diagnostizierten Fälle über dem Wachstum der Indigenen Bevölkerung liegen könnte. Es ist nicht mehr ungewöhnlich, Kinder die nicht älter als drei Jahre sind, mit dieser Erkrankung zu finden. Nach der Statistik der Regierung werden 27 Prozent aller Indigenen Menschen in Kanada in den nächsten 10 Jahren an Diabetes vom Typ 2 leiden.

Die Situation der Sandy Lake First Nation in der Sioux Lookout Zone von Nord Ontario entspricht genau diesen Daten. Eine Studie vom März 2009, die von Dr. Stewart Harris mitverfasst wurde stellte fest, dass 26 Prozent der Gemeinschaft an dieser Krankheit leiden, die höchste in Kanada festgestellte Diabetes-Rate. Mit einer Bevölkerung von 2.500 wurde die nördliche Cree Gemeinschaft kürzlich als ein “Epizentrum” der Epidemie beschrieben.

Es wurde wenig über die Konzentrationen langlebiger organischer Schadstoffe in Sandy Lake geforscht, doch nach Angaben des First Nations Environmental Health Innovation Network (FNEHIN), (Plattform zur Vernetzung von First Nations und Umweltmedizin-Forschung) sind von mehreren Nachbar-Gemeinschaften die ebenfalls hohe Diabetes Raten aufweisen, wie der Kitchenuhmaykoosib Inninuwug First Nation, erhöhte PCB-Werte ihrem Blut bekannt.

Die Mohawk Gemeinschaft von Akwesasne muss sich auf ihre Art mit Diabetes und der Belastung durch POPs auseinandersetzen. Ihr Lebensraum erstreckt sich über die Staatsgrenze zwischen New York und Ontario-Quebec entlang des St. Lawrence Flusses. Über Jahrzehnte leiteten drei Aluminium-Gießereien stromaufwärts des Reservats PCBs in den Fluss und verseuchten Wasser, Boden und Vegetation.

Dr. Carpenter hat sich jahrelang mit erwachsenen Mohawks in Akwesasne wissenschaftlich beschäftigt. Erst kürzlich, im Jahre 2007, war er an einer Studie beteiligt, die den Zusammenhang zwischen Diabetes und Umweltverschmutzung in der Gemeinschaft untersuchte. “Unsere Studie an erwachsenen Mohawks zeigte eine auffällige Erhöhung der Diabetes-Raten in Abhängigkeit von den Blutwerten dreier langlebiger organischer Schadstoffe, DDE, dem Stoffwechselprodukt von DDT, Hexachlorbenzol und PCBs”, so Dr. Carpenter. “Unsere Ergebnisse stimmen sehr gut mit denen von Lee et al überein.”

2006 zeigten Dr. Dae-Hee Lee und ihre Kollegen, dass für Menschen mit der höchsten Belastung durch POPs die Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken ungefähr 38 mal höher ist, als für solche mit der niedrigsten Belastung. Außerdem, “zeigten sie, dass für Personen die zwar übergewichtig waren, aber keine hohen Werte von POPs im Blut aufwiesen, das Risiko an Diabetes zu erkranken nicht erhöht war”, fährt Dr. Carpenter fort. “Wahrscheinlich werden die meisten Leute übergewichtig, weil sie zu viele tierische Fette aufnehmen und genau in denen sind die POPs enthalten.”

Die Aufnahme von POPs über die Nahrung wurde von der Amerikanischen EPA (Environmental Protection Agency) in ihrem Entwurf von 1994 zur Dioxin Neubewertung bestätigt, der offiziell nie veröffentlicht worden ist. Nach diesem Entwurf zur Neubewertung stammt 93 Prozent unserer Dioxinbelastung aus dem Verzehr von Rindfleisch, Milchprodukten, Milch, Geflügel, Schweinefleisch, Fisch und Eiern. Mit anderen Worten, die westliche Ernährungsweise.

Eine im Mai 2001 im Journal für Toxikologie und Umweltmedizin veröffentlichte Studie zog ähnliche Schlüsse aus der Neubewertung der EPA. Zusätzlich zeigte die Studie, dass “Säuglinge sehr viel mehr Dioxine in Relation zum Körpergewicht aufnehmen, als alle älteren Altersgruppen” und dass Muttermilch doppelt so giftig ist wie Milch aus dem Handel. Außerdem wurde festgestellt, dass Veganer den aller niedrigsten Anteil von POPs in ihrem Körper aufwiesen.

Nach einer Veröffentlichung vom Oktober 2009, des Forschungszentrums für Umweltchemie und Ökotoxikologie der Masaryk University, sind die Weltmeere eine weitere Hauptquelle von POPs, insbesondere DDT. Darüber hinaus wurde in der Abhandlung festgestellt, dass trotz aller Einschränkungen, die der Verwendung von DDT vor über 30 Jahren auferlegt wurden, die Konzentrationen des Giftes weiter zunehmen.

Indigene Völker tragen einen ungleich hohen Anteil dieser globalen Giftlast. Nach dem National Pollutant Release Inventory (NPRI), der staatlichen Erfassung von Schadstoffemissionen von Environment Canada, einer Einrichtung des Kanadischen Umweltministeriums, gibt es in Kanada beispielsweise 212 Indigene Gemeinschaften, die flussabwärts oder in der Nähe von Zellstoff-Fabriken oder anderen Anlagen leben, die Dioxine oder Furane abgeben. Ein erschreckendes Beispiel ist die alte Dryden Pulp Mill in der Nähe von Grassy Narrows. Nach Auskunft des Mercury Disability Boards, dem von den betroffenen Gemeinschaften gebildeten Rat für Quecksilber-Behinderung, der auf gesetzlicher Grundlage über Entschädigungsrenten für Angehörige der Grassy Narrows und Islington Bands entscheidet, leitete dieser Betrieb von 1962 bis 1970 tonnenweise Quecksilber-Abwasser, das zusätzlich Dioxin enthielt, in den English-Wabigoon River.

Vierzig Jahre später stellt der giftige Abfall immer noch eine “ernsthafte Gefahr” für die Grassy Narrows und die Wabaseemoong First Nations dar, wie das Disability Board erklärt. Zur Dekontamination wurden von der Staats- oder Landesregierung keinerlei offizielle Schritte unternommen.

Die Lage der Tohono O’odham Nation erinnert sehr an die Grassy Narrows: diese Nation im Südwesten Arizonas weist die welthöchste Diabetesrate auf. Stammeseigenen Gesundheitsbeamten zufolge wurde bei fast 70 Prozent der 28.000 Menschen zählenden Bevölkerung diese Erkrankung diagnostiziert. Die O’odham Angehörigen sind die zweitgrößte Indigene Nation in den Vereinigten Staaten.

Lori Riddle gehört zur Aquimel O’odham Gemeinschaft und ist Gründerin der Gila River Alliance for a Clean Environment (GRACE), der Gila River Allianz für eine unbelastete Umwelt.

GRACE dient dem zehnjährigen Kampf gegen eine gefährliche Müllaufbereitungsanlage, die ohne ausreichende Genehmigung für Jahrzehnte auf O’odham-Gebiet in Betrieb war. Die Anlage gehörte der Romic Environmental Technologies Corporation und spuckte ununterbrochen Abwasser in die Luft, bis sie schließlich 2007 geschlossen wurde.

Die Anlage von Romic war nicht der erste Beitrag zur toxischen Belastung der O’odham’s, erklärt Riddle. Sich an ihre Kindheit erinnernd berichtet sie: “Fast ein Jahr lang, immer wenn ein Flugzeug über unseren Köpfen geflogen ist, konnte man den Nebel sehen. Wir dachten nie daran unser Wasser abzudecken. Die Chemikalien bemächtigten sich unser und wurden ein Teil von uns.”

Von den frühen 50′er Jahren bis in die späten Sechzigern sprühten Baumwoll-Farmer im Wassereinzugsgebiet des Gila Rivers routinemäßig DDT auf ihre Pflanzen um sie gegen Baumwollraupen zu schützen. Nach Angabe der Agentur für giftige Substanzen und Erfassung von Erkrankungen, der Agency of Toxic Substances and Disease Registry (ATSDR), versprühten die Farmer jährlich ungefähr 23 Pfund DDT pro Acre, das sind etwa 25.7 Kilogramm pro Hektar.

1969 wurde im Staat Arizona der Einsatz von DDT verboten. Zu dem Zeitpunkt war der Fluss hochgradig kontaminiert. Nach Auskunft der ATSDR wechselten die Farmer danach zu Toxaphen, einem Ersatz für DDT, bis dieses 1990 von der US-Regierung verboten wurde.

Wegen diesen Chemikalien, erklärt Riddle, waren die O’odham gezwungen, ihre traditionelle Ernährung aufzugeben und die westliche anzunehmen. Auch mussten Farmen aufgegeben werden und nötigten die Familien ihre Stammesgemeinschaft zu verlassen. Gesellschaften wie Romic begannen, sich auf ihrem Gebiet nieder zu lassen und trieben die Situation auf die Spitze. “Das hat unserer Lebensqualität einen Tribut abverlangt”, sagt sie. “Ich habe mich in den Schlaf geweint.”

Die O’odham schlagen sich mit dem herum, was Riddle als “Cluster Symptome” bezeichnet. Das sind Fehlgeburten, Arthritis der Wirbelsäule, Atemprobleme, unerklärliche Hautausschläge und Probleme mit der Produktion roter Blutkörperchen. Dies zusätzlich zu Diabetes, der häufig zu Nierenversagen, Erblindung, Herzerkrankungen und Amputationen führt.

Es werden immer mehr Studien veröffentlicht, die in Nachfolge der wegweisenden “Ranch Hand” Studie den Zusammenhang zwischen Diabetes und langlebigen organischen Schadstoffen wie DDT belegen. 1998 stellte diese Studie für US Air Force Personal, das während des Vietnamkrieges mit dem Herbizid und Entlaubungsmittel Agent Orange besprüht worden war, eine Zunahme von Diabetes (der eine Insulinkontrolle erfordert) um 166 Prozent fest. Die Studie zeigte auch, dass sich mit höheren Dioxinwerten die Häufigkeit und die Schwere von Typ 2 Diabetes ebenfalls erhöht; die Zeit bis zur Erkrankung verkürzte sich einem ähnlichen Trend folgend.

Dr. Carpenter weist jedoch darauf hin, dass wegen der überall auf Zustimmung stoßenden Meinung, Diabetes sei eine durch die Lebensweise verschuldete Erkrankung, die von der Ernährungsweise und dem Maß an Bewegung abhängt, dem Zusammenhang mit POPs von Regierungen, Nachrichtenagenturen oder irgend einer von den Hunderten an gemeinnützigen Diabetes-Stiftungen weltweit, wenig Beachtung geschenkt wird. “Nicht einmal bei uns, in Medizinerkreisen, ist dies angekommen”, fügt Dr. Carpenter hinzu. “Man braucht viel Zeit um beides zu ändern, die Ansichten der Medizin und die der Öffentlichkeit.”

“Das eine was jeder tun kann ist eindeutig, weniger tierisches Fett zu essen”, empfiehlt Dr. Carpenter. Einige Indigene Gemeinschaften im nördlichen Manitoba und in British Columbia haben damit begonnen dies zu tun, indem sie ihre eigenen Gärten bepflanzen und Gewächshäuser bauen; indem sie ganz traditionell auf ein paar Lebensmitteln zurückgreifen, die sie seit Millenien versorgt haben. Andere wenden sich körperlichen Aktivitäten zu, was nicht nur für die Prävention von Diabetes, sondern für ihre gesamte Gesundheit eine wichtige Rolle spielt.

“Wir müssen also Wege finden, die POPs aus den Tieren herauszubekommen, die wir essen. Das wird nicht einfach sein, angesichts des Ausmaßes, wie verseucht wir die Welt gemacht haben”, ergänzt Dr. Carpenter. Deshalb weist Lori Riddle, die selbst an Diabetes erkrankt ist, auf den Tribal Council (Stammesrat) und auf die US-Bundesregierung hin.

Autor und Copyright:

John “Ahniwanika” Schertow, Indigenous people, diabetes and the burden of pollution, Winnipeg 02.02.2010

Zum Autor: Ahni  ist ein Verfechter Indigener Rechte und Autor des Blogs Intercontinental Cry

Wir danken Ahni für die Genehmigung den Artikel übernehmen und übersetzen zu dürfen.

Wer den Artikel übernehmen möchte, bitte bei Ahni Kontakt oder CSN anfragen.

Übersetzung: IP: 87.187.136.186 @19.02.2010 00:40:56

Büttenrede aus Hessen über eine Umweltambulanz in Giessen

Liebe Närrinen und Narren,

gerade erreicht CSN die diesjährige Büttenrede eines hessischen Hofnarren.

Kinder und Narren sagen die Wahrheit sagt man.

Der hessische Hoffnarr kennt sich aus.

Lest selber. Hessisch ist gar nicht so schwierig.

Einfach laut mitlesen, dann klappt es schon.

Wolle mern rei lasse?

***

In Giesse da gibt es ä Ambulanz

Ei horscht a moo, ihr liewe Leud,

in Hesse sinn se net gescheid,

was Roland macht und aach de Weimar,

des iss euch sischer lang schon klar.

Die Presse hots ans Licht gebracht,

wie merr aus Gesunde Kranke macht

um zu vertusche, was mit Geld

in diesem Land wird angestellt

**

Doch liewe Leud, des iss net Alles,

in Hesse gilt im Fall des Falles,

is Aaner nischt mehr angenehm,

nimmt merr Gutachter, wie bequem.

Des mescht merr ach mit echte Kranke,

da drüwwer macht euch heut Gedanke!

**

Des glaabt ihr net? Ihr treue Seele!

Na horscht, isch will euch was verzähle.

**

Es gibt do Mensche in Betriewe un Geschäfte,

dene entschwinde tagtäglich die Kräfte,

die laafe von dokder zu dokder und klaache,

was ihne tagtäglich geht uff de mache,

wies ihne geht, wann se ziddern un schwächeln

wenn se koppweh hawwe und von Parfüm röcheln.

Und kaaner der Doktoren will ebbes finne,

die saache es iss in deim Kopp da nur drinne!

**

Vom Owwäschdibbsche solls dann soi ,

in mansche Fälle vom Abbelwoi,

aach dann, wenn die Leud den gar net drinke,

duud de Doktor nur müd wincke

und schickt die Pantjente vielleicht in die Kur

oder nach Giesse zum suchen der Spur.

In Giesse nämlisch sin die Experte,

die kenne sich aus mit derlei Beschwerde.

**

In Giesse da gibt es ä Ambulanz

mit em Professor, der mand er kanns,

de läschelt dann breid und fracht nach Beschwerde,

stellt sich vor als MCS-Experte

Er schwätzt von Verständnis,

erklärt ganz geflisse

dass alle Experte begutachte müsse.

Und wenn die Patjente dann ehrlisch saache

dass ihne Gestank geht uff de Maache,

dass Rauch ihne zu schaffe mäscht

selbst Parfüm ihnen die Sinne verschläscht,

dann sache die Experte

Sie armer Dropp,

sie dauern uns,

doch ihre Beschwerde

die komme vom Kopp!

**

Die schicke den Mensch dann zum Terrapeude,

der iss spezialisiert uff koppkranke Leude,

mit dem müsse die üben dann,

wie merr Chemikalie aach noch vertrache kann.

Und wenn des ned klappt, dann gehts uff Station

und was dann kommt, ihr ahnt es schon!

Da gibt es dann Spritze und aach noch Pille

sozusaache für die rosa Brille.

Doch nutze duds nix, bei dene Kranke!

De Experte mäscht des kei Gedanke!

Die reiwe die Händ

und schreibe mit Macht,

sie hätte aus Kranke Gesunde gemacht.

**

Wer denkt isch berischte von Einzelfälle,

den muss ich uffklärn, uff der Stelle

diese Experte von dene ich sprach,

die reise durchs Land

in dieser Sach!

Sie wolle verhüde im ganze Land,

dass de Mensche wird eine Krankheit bekannt!

Die predische und die schweiwwe Büscher

und ziehn über Tatsache Schleier und Düscher!

Die hacke aach Helmholtz,

wenn euch des was säscht

und achte darauf, dass kein Gutachten äscht!

Mir wurde bekannt, das se globalisiere!

Sie wolle jetzt auch weltweit intoniere!

Deshalb ist meine Pflicht es heud,

zu unnerrichte Land und Leud!

Tracht weider, was der Hoffnarr sprach!

MCS , liewe Leud , iss aach euer Sach.

**

Es grüßt Euch der Hofnarr aus Hesse,

der für Euch an der Quell hat gesesse.

**

Helau!

Autor: Hessischer Hofnarr