Archiv der Kategorie ‘Umwelt‘

Pestizide: Gefahr für Umwelt und Gesundheit – oder Hysterie?

Umweltorganisationen und Verbraucherschützer kritisieren die kontinuierlich zunehmende Anwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft. Lt. einem 2007 veröffentlichten Bericht des BUND für Umwelt und Naturschutz werden in Deutschland mehr als 30000 Tonnen Pestizide jährlich auf unsere Äcker, Obstplantagen und Weinberge ausgebracht, mit weitreichenden Folgen für Natur und Umwelt, aber auch für die Gesundheit der Verbraucher. Das durch das Insektizid Clothianidin der Firma Bayer CropScience 2008 stattgefundene Massensterben der Bienen belegt die gravierenden Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf das Ökosystem. Als bedenklich ist die Tatsache anzusehen, dass Rückstände von Pestiziden in unser Grundwasser und in die Nahrungskette gelangen.

Zunahme gefährlicher Agrargifte

Im Februar dieses Jahres veröffentlichte Greenpeace eine Neuauflage der Schwarzen Liste der gefährlichsten in der konventionellen Agrarwirtschaft eingesetzten Pestizide, die auf ihre Schädlichkeit für Umwelt und Gesundheit neu bewertet wurden. Lt. Greenpeace können viele Pflanzenschutzmittel Krebs erregen, in den Hormonhaushalt eingreifen, das Immunsystem schädigen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen sowie neurotoxisch wirken. Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace führt an, dass nicht nur der Verzehr von pestizidbelasteten Lebensmitteln Gesundheitsrisiken birgt, sondern ebenso die Anwendung der Agrargifte. Manfred Santen fordert von Politik und Wirtschaft den Einsatz der für Umwelt und Gesundheit gefährlichen Pestizide zu stoppen. Seit der 2008 veröffentlichten Schwarzen Liste gefährlicher Pestizide ist ein Anstieg der besonders schädlichen Agrarchemikalien zu verzeichnen, die Zahl habe sich seither von 327 auf 451 erhöht.

Abnahme der Rückstände einzelner Pestizide – Tendenz zum Giftcocktail

Greenpeace berichtet über allgemein abnehmende Pestizidrückstände in Obst und Gemüse seit 2007. Allerdings bedeutet dies keine Entwarnung, denn der aktuelle Trend verläuft dahingehend, hohe Konzentrationen einzelner Pestizide durch geringere Mengen unterschiedlicher Pestizide zu ersetzen, um die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten. Daraus ergeben sich gefährliche Giftcocktails, deren tatsächliche Wirkung auf Umwelt und Gesundheit nicht abschätzbar ist, da keine wissenschaftlichen Studien existieren. Daher fordert Greenpeace die Einführung eines Grenzwerts für Mehrfach-Rückstände.

Erst kürzlich hat Greenpeace Strauchbeeren auf Pestizidrückstände in Speziallabors untersuchen lassen. In Johannisbeeren wurden reinste Giftcocktails nachgewiesen, durchschnittlich sechs verschiedene Wirkstoffe, auch wurden in zwei Proben zwei in der EU nicht zugelassene Substanzen gefunden. Greenpeace bezieht bei der Auswertung der Untersuchungsergebnisse die Summenwirkung der Agrargifte mit ein. Manfred Santen erläutert, dass beim 2006 durchgeführten Beerentest pro Probe durchschnittlich „nur“ drei Pestizide festgestellt wurden.

In einer Pressemeldung der Universität Oldenburg vom April 2008 äußerst die Biochemikerin Prof. Dr. Irene Witte zu Grenzwerten von Pestiziden Folgendes:

Forderung nach Grenzwerten

Toxische Kombinationswirkungen: keine Entwarnung

Keine Entwarnung in der Diskussion um toxische Kombinationswirkungen“ – diesen Schluss zieht die Biochemikerin Prof. Dr. Irene Witte aus den inzwischen abgeschlossenen Forschungsarbeiten des Graduiertenkollegs Toxische Kombinations- wirkungen. Das von der Hans Böckler Stiftung finanzierte Kolleg an den Universitäten Oldenburg und Bremen, deren Sprecherin Witte war, lief von 2002 bis 2006. Im BIS-Verlag ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse erschienen.

Das Problem: Synthetisierte Substanzen werden von der Industrie in immer neuen Verhältnissen und Kompositionen zusammengemischt, ohne dass die Wirkung für Mensch und Umwelt geklärt ist. So sind heute rund 20.000 unterschiedliche Pestizidpräparate auf dem Markt, denen 800 Wirkstoffe zugrunde liegen. Und es werden immer mehr.

Die Folge: Die Anzahl der nachgewiesenen Pestizide in Obst und Gemüse steigt Jahr für Jahr, was jedoch in Ermangelung an „Kombinationsgrenzwerten“ ohne Folgen bleibt. Dem „sorglosen Umgang mit dem Mixen von Chemikalien“ müsse Einhalt geboten werden, so Witte. Der Gesetzgeber sei gefragt, um Grenzwerte zu setzen und die Möglichkeit der Herstellung von Gemischen einzuschränken.

Pestizide sind Dauergifte, die das Krebsrisiko signifikant erhöhen

Auf globaler Ebene beurteilen viele Wissenschaftler und Umweltorganisationen die möglichen Folgen des permanent ansteigenden Einsatzes von Pestiziden für Umwelt und Gesundheit als dramatisch. Greenpeace gibt bereits 2003 zu bedenken, dass die Auswirkung der weltweit über 5000 angewandten Spritzmittel ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellt. Mögliche Wechselwirkungen der zahlreichen Gifte seien völlig unzureichend untersucht. Toxikologen erachten bereits die damals existierenden Grenzwerte als unzureichend. Greenpeace zufolge gelten Pestizide als Hauptursache für akute wie auch schleichende Vergiftungen. Viele Pestizide sind Dauergifte, die sich persistent in der Umwelt anreichern. Mediziner teilen Pestiziden bereits 1999 auf dem Krebskongress in Lugano die Eigenschaft zu, bestimmte Krebsarten zu fördern.

Britische Studien kommen ebenso zu besorgniserregenden Resultaten. Lt. einer aktuellen Veröffentlichung von Chem Trust wird ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Krebs im Kindesalter mit Pestizidexpositionen von Schwangeren in Zusammenhang gebracht. Britische Wissenschaftler stellen fest, dass die bei Landwirten nachgewiesenen zunehmenden Krebsraten Pflanzenschutzmitteln anzurechnen sind. Innerhalb der letzten 30 Jahre haben sich verschiedene Krebsarten der britischen Bevölkerung drastisch vervielfacht.

Der Cancer Panel Bericht des US-Präsidenten erörtert, dass gerade Kinder einem erhöhten Gesundheitsrisiko hinsichtlich der Entstehung von Krebs und weiteren chronischen Krankheiten durch die Belastung an Pestiziden ausgesetzt sind. Die Leukämieraten bei Kindern, die auf Farmen aufwachsen, sind demnach durchweg erhöht. Den Ausführungen des Obama Cancer Panel zufolge unterliegen Farmer einem signifikant verstärkten Prostatakrebsrisiko.

Risiko oder nur falsche Wahrnehmung?

Im September 2008 wurden Grenzwerte für Pestizide in der EU vereinheitlicht und zum Teil erheblich angehoben. Greenpeace und PAN Germany bewerten die festgelegten Höchstgrenzen, die per Juni 2010 teilweise wieder reduziert wurden, weiterhin als akut gesundheitsgefährdend, besonders die mögliche Kombinationswirkung verschiedener Pestizidwirkstoffe.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit:

Neue Vorschriften über Pestizidrückstände: Verbesserung der Lebensmittelsicherheit in der EU

Ein klares System zur Festlegung von Rückstandshöchstgehalten…Die in Lebensmitteln enthaltenen Rückstandsmengen dürfen keine Gefahr für die Verbraucher darstellen.

Die neuen Vorschriften gewährleisten die Sicherheit aller Verbraucher- gruppen, einschließlich Säuglingen, Kindern und Vegetariern. Die EFSA ist für die Sicherheitsbewertung zuständig, wobei sie sich auf die Eigenschaften des Pestizids, die zu erwartenden Höchstgehalte in Lebensmitteln und die unterschiedlichen Essgewohnheiten der europäischen Verbraucher stützt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR veröffentlicht eine umfangreiche Studie zur Wahrnehmung von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln.

Ziel der Studie war es, detaillierte Informationen über die Wahrnehmung und das Informationsverhalten der Bevölkerung zum Thema Pflanzen- schutzmittel zu erheben. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Informationen über Pflanzenschutzmittel bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht ankommen. Die Folge sind Fehleinschätzungen über die Verwendung und die gesetzliche Regulierung von Pflanzen- schutzmitteln: „Fast 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Lebensmittel gar keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten dürfen“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. „In der Bevölkerung ist nicht bekannt, dass Rückstände in geringen Mengen erlaubt sind, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind.“ Das BfR wird die Ergebnisse der Studie verwenden, um Verbraucherinnen und Verbraucher gezielter über Nutzen und Risiken von Pflanzenschutzmitteln zu informieren.

… Die gesetzlichen Höchstgehalte stellen sicher, dass von Pflanzen- schutzmittelrückständen in Lebensmitteln kein gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher ausgeht. Die Fehleinschätzung der Verbraucher trägt dazu bei, dass Pestizidrückstände als Gesundheitsrisiko wahrgenommen werden. Medien greifen diesen Sachverhalt auf und verstärken diese Wahrnehmung in der Bevölkerung möglicherweise.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse wird allgemein mit gesunder Ernährung assoziiert. Um der eigenen Gesundheit auch tatsächlich etwas Gutes zu tun, ist es empfehlenswert, zu biologisch erzeugtem und saisonalem Obst und Gemüse zu greifen. Mit diesem Kaufentscheid kann man die Angebotsvielfalt an knackigem Obst und Gemüse ohne Reue genießen. Bio-Ware ist frei von Rückständen von in Verruf geratenen gesundheitsschädigenden synthetischen chemischen Pestiziden. Als Nebeneffekt leistet man somit einen nachhaltigen Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz. Nachfrage regelt bekanntlich das Angebot, so dass jeder von uns einen entscheidenden Beitrag für die eigene Gesundheit und eine nachhaltige Umwelt leisten kann.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity

Weitere interessante CSN-Artikel zum Thema Pestizide:

Klage soll das Verbot von BPA erzwingen

Der NRDC verklagt die Amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) wegen dem Versagen, für eine giftige Chemikalie Vorschriften einzuführen

WASHINGTON – Der Natural Resources Defense Council (NRDC), der Rat zum Schutz natürlicher Ressourcen, reichte gegen die Lebens- und Arzneimittelbehörde eine Klage ein, weil diese nicht in der Lage ist, auf eine Petition zu reagieren, welche ein Verbot für die Verwendung von Bisphenol A (BPA) in Lebensmittelverpackungen, Lebensmittelbehältern und anderen Materialien fordert, die gewöhnlich mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. BPA, eine den Hormonhaushalt störende Chemikalie, die mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen in Zusammenhang steht, stellt für Föten, Babies und Kleinkinder eine besondere Gefahr dar. Der NRDC reichte diese Klage am 29.06.2010 beim Amerikanischen Berufungsgericht ein, das für die Bezirksgerichte zuständig ist.

Im Oktober 2008 ersuchte der NRDC die FDA, die Verwendung vom BPA in Lebensmittelverpackungen zu verbieten, um zu verhindern, dass diese giftige Chemikalie Lebensmittel kontaminiert. Seit mehr als 18 Monaten war die FDA nicht in der Lage, auf diese Eingabe zu reagieren, obwohl die Behörde ihre Besorgnis zum Ausdruck brachte, da eine frühe BPA-Belastung die Entwicklung von Gehirn und Prostata von Föten, Babies und Kleinkindern beeinflusst.

BPA ist in sehr vielen Produkten vorhanden, von der Beschichtung der Dosen von Säuglingsmilchnahrung, über Limonade- oder Bierdosen, Obst- oder Gemüsekonserven und Pizza-Schachteln bis hin zu aus Polycarbonat hergestellten Haushaltsgegenständen, wie Babyfläschchen, Trinktassen und wiederverwendbare Wasserflaschen. Mehr als 93% der Gesamtbevölkerung hat mehr oder weniger BPA im Körper, hauptsächlich aufgrund der Belastung, die von kontaminierten Lebensmitteln und anderen vermeidbaren Quellen ausgeht.

“BPA-freie Alternativen sind längst auf dem Markt verfügbar. Die FDA hat keinen triftigen Grund, das Verbot weiter hinauszuzögern”, sagte Dr. Sarah Janssen, eine führende Wissenschaftlerin des Umwelt- und Gesundheitsprogrammes des NRDC. “Es ist schlimm, dass Lebensmittel für die meisten Menschen die Hauptquelle der BPA-Belastung sind. Die FDA sollte jetzt handeln, um dieses unnötige Risiko zu eliminieren.”

Ein ständig wachsender Bestand an wissenschaftlicher Forschung hat eine BPA-Belastung mit einer gestörten Entwicklung des Gehirnes und mit Verhaltensänderungen, mit Anfälligkeit für Prostata- und Brustkrebs, Erbschädigung, Diabetes, Fettleibigkeit, Herz- und Gefäßerkrankungen in Zusammenhang gebracht.

“Die FDA hat versagt, eine gesunde Nahrungsversorgung sicherzustellen und die Bevölkerung vor Schaden zu bewahren”, sagte Aaron Colangelo, ein Anwalt von NRDC. “Das Versagen der FDA, Vorschriften für diese Chemikalie in Lebensmittelverpackungen zu erlassen, kann nicht gerechtfertigt werden, und deshalb sind wir gezwungen, das Gericht zu bitten einzugreifen und die Behörde anzuweisen, zu handeln.”

Literatur:

NRDC, Natural Resources Defense Council, Release – Lawsuit Seeks to Ban BPA from Food Packaging, WASHINGTON, June 29, 2010.

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

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Der Natural Resources Defense Council ist eine gesamtamerikanische, gemeinnützige Organisation von Wissenschaftlern, Rechtsanwälten und Umweltfachleuten, die sich mit dem Schutz von Gesundheit und Umwelt befassen. 1970 gegründet, hat der NRDC 1,3 Millionen Mitglieder und Online-Aktivisten, mit Büros in New York, Washington, Chicago, Los Angeles, San Francisco und Peking.

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Weitere CSN-Artikel zu BPA – Bisphenol A

EP-Umweltausschuss für strikte Regeln bei Bioziden

Besserer Schutz für Verbraucher und Umwelt

Künftig wird es EU-weite Mindeststandards für die Zulassung von so genannten Bioziden geben. Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat sich heute in erster Lesung für eine entsprechende EU-Verordnung ausgesprochen. Biozide werden hauptsächlich im Hygiene- und Reinigungsbereich angewandt und schützen vor Bakterien, Ungeziefer, Insekten, Vorratsschädlingen und Mäusen oder Ratten. Biozide finden aber auch in der Industrie Verwendung, etwa wenn Autolacke versiegelt oder Möbel behandelt werden.

Ein breiter Konsens besteht bei der so genanntes “Trittbrettfahrerproblematik”. Hier wird bei dem Zugang zu dem für die Registrierung erforderlichen Wirkstoffdossier sichergestellt, dass es bei der Produktzulassung keine Marktmonopole und keine Wettbewerbsverzerrungen gibt. Um unnötige Tierversuche zu vermeiden, soll europaweit ein Datenaustausch erfolgen.

Produkte wie etwa Möbel und Stoffe dürfen zukünftig nur mit in der EU zugelassenen Bioziden behandelt sein und sind entsprechend zu kennzeichnen. “Aus diesem Grund ist die EU-weite Produktzulassung so wichtig, die sicherstellt, dass überall dieselben Produktanforderungen gelten. In diesem Fall konnte sich die EVP-Fraktion mit ihrer Forderung vollständig durchsetzen,” so der Europaabgeordnete Dr. Horst Schnellhardt (EVP/CDU).

Die Plenarabstimmung wird voraussichtlich im September stattfinden. Eine Einigung zwischen Europäischem Parlament und Rat ist im kommenden Frühjahr denkbar.

Literatur: Europäisches Parlament, Dr. Horst Schnellhardt, EP-Umweltausschuss für strikte Regeln bei Bioziden, Dienstag, 22. Juni 2010

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Weitere CSN-Artikel:

Umweltorganisationen in Kanada fordern: Unnötige Autoabgase und Parfüm vermeiden

Umwelt- und Automobilorganisationen setzen sich gemeinsam für Luftreinhaltung ein

Die kanadische MCS-Aktivistin Lynn staunte nicht schlecht, als sie dieses riesengroße Schild in Edmonton sah, auf dem auf der einen Hälfte ein Hinweis stand, wie man unnötig Autoabgase vermeiden solle:

“Es gibt eine gute Möglichkeit unsere Luftqualität zu verbessern.

Du hast den Schlüssel dazu in der Hand. Lasse den Motor nicht laufen.”

Auf der anderen Seite des Schildes stand der Hinweis „Limit your Perfume – Edmonton “, der bedeutet, dass man sich in Edmonton mit der Benutzung von Parfüm zurückhalten solle.

Das Hinweisschild hatten mehrere Umweltorganisationen und ein großer Automobilclub gemeinsam gesponsert. Ihre Initiative hatte das Ziel, die Luft für alle Stadtbewohner von Edmonton zu verbessern. In Kanada nimmt man die Problematik, die sich durch Duftstoffe für die Luftqualität ergeben, sehr ernst. Halifax bspw. war die erste Stadt weltweit, die die Benutzung von Duftstoffen in der Öffentlichkeit verboten hat.

Autor: CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Juli 2010

Photo: Vielen Dank an Lynn Argent, Living in a Chemical Soup!

Weitere CSN Informationen: Gesundheitsgefahren durch Duftstoffe und Parfüms

Ölpest… und weiter spuckt das Ungeheuer

Ölpest… und weiter spuckt das Ungeheuer

Noch grün und frisch das Schilf am Meeresstrand,

Mangrovenwälder schützen manch Getier,

Fische tummeln sich im Wurzeldschungel -

ist nicht herrlich die Natur?

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Da schwimmt leise ein Pelikan daher

mit unbekannten Federkleid.

Er putzt und putzt, was ihn einst schützte,

schon lähmt ihn DAS,

was des Menschen Wirtschaft schmiert.

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Die Fischer fangen nicht mehr Fische,

sammeln ein den Tod vom Strand,

bevor das Gift kriecht auch in ihren Adern,

schleichend sterben sie auch dann.

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Und weiter spuckt und kotzt das Ungeheuer,

das BP weckte am Meeresgrund.

Entsetzen, aufgeriss’ne Augen,

doch weiter geh’n Flüge und Verkehr.

Profit muss ständig sprudeln,

der Mensch nicht Willens zur Gegenwehr.

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Wir haben nur diese eine Erde,

die Menschen eine blinde Herde,

folgend dem falschen Hirtenruf:

“Wollt ihr den totalen globalen Krieg

gegen Mutter Erde?”

Noch stürzend hinab, sterbend ihr Schrei:

“Jawohl, den wollen wir -

wenn wir auch krepieren dabei.”

Autor des Gedichtes: Gehard Becker, CSN-Chemical Sensitivity Network, 12. Juni 2010

Weitere Beiträge von Gerhard zum Thema Umwelt:

Weltumwelttag 2010 – Aus der Rede des/der Bundeskanzler/in im Jahre 20XX

“… und so fordern wir im Interesse der deutschen und europäischen Volkswirtschaft unsere lieben Bürgerinnen und Bürger auf, auch künftig nur an solchen Kranheiten zu erkranken, die unserer Volkswirtschaft durch die Erhöhung des Bruttosozialproduktes dienlich sind. Krankheiten oder Erkrankungen etwa, die einen hohen Verbrauch an pharmazeutischen Produkten, an medizinisch technischen Hilfsmittel, an orthopädischen Material, einschließlich von Prothesen und von Hygieneartikel nach sich ziehen, solche Krankheiten sind uns willkommen, vor allem wenn sie kurz vor und nach Erreichen des Rentenalters eintreten.

“Krankheiten” aber, die in erster Linie auf einem Konsumverzicht im Allgemeinen und auf den Verzicht von auf Erdöl oder Kohle basierenden Produkten, auf den Verzicht von konventionell hergestellten Lebensmitteln und deren industriellen Veredlung, auf den Verzicht von schulmedizinischen Behandlungsmethoden und von pharmazeutischen Produkten im Besonderen hinauslaufen, sowie auf einer dauerhaften “Schongang-Lebensweise” beruhen, solche “Krankheiten” sind für die Volkswirtschaft natürlich schädlich und müssen daher weiter ignoriert werden. Im Gesundheitswesen soll das weiterhin durch die bewährte Methode der Psychiatrisierung und Bagatellisierung geschehen, die Behörden wenden das Ignorieren und Einfordern von schulmedizinischen erstellten Gutachten an (die dabei ihrerseits natürlich die eben genannten Prinzipien im Gesundheitswesen anwenden) und die einfache Bevölkerung muss sich aus patriotischen Gründen motiviert fühlen, weiterhin solche “Krankheiten” als Macken und dergleichen anzusehen. Diese “Kranken” nerven ohnehin nur ihre eigene Familienangehörigen und die anderen Menschen. Es ist nicht hinnehmbar, dass ein etwaiges Umsichgreifen von solchen – nach meiner Einschätzung – psychischen Beschwerden, die westliche, freiheitliche, auf ständiges Wachstum und Konsum ausgerichtete Lebensweise gefährdet.”

Der/die Bundeskanzler/in wird gefragt, ob sie eine parlamentarische Zwischenfrage erlaube. Er/sie bejaht.

“Sehr geehrte/r Frau/Herr Bundeskanzler/rin, das Bienensterben und Sterben anderer, Blüten bestäubender Insekten, in Amerika und Europa haben verheerende Ausmaße angenommen. Weltweit sind Amphibien durch aggressive Pilze vom Aussterben bedroht. Kann es nicht sein, dass diese Insekten und Amphibien ebenfalls an Umweltkrankheiten leiden, wie die von ihnen angesprochene zweite Personen-gruppe?”

“Herr Abgeordneter! Ich habe keine zweite Patientengruppe angesprochen, sondern einen Unterschied gemacht, zwischen echten und vermeintlichen Krankheiten. Meinen sie im ernst,

Bienen und Amphibien können an vermeintlichen Krankheiten erkranken?” (Sowohl Gelächter als auch Buhrufe im Plenarsaal)

Zwischenruf: ” Aber sie sind doch krank!”

Empörte Reaktion der/des Kanzlerin/Kanzlers: “Das verbiete ich mir. Ich bin nicht krank!”

“Die Bienen und Frösche!” (Korrigierender Zwischenruf)

“Meine Damen und Herren, wir kommen vom Thema ab.”

Der/die Kanzler/in wird erneut gefragt, ob sie eine weitere Zwischenfrage gestattet, was er/sie – allerdings etwas gereizt – bejahte.

“Sehr geehrte Frau/Herr Bundeskanzler/in, als deutscher, europäischer Bürger, der abendländischen Kultur verpflichtet, möchte an den Aussagen des Buches der Bücher erinnern, wo es im Buch

Jesaja sinngemäß heißt, dass jeder sein eigenes Haus bauen und bewohnen, jeder unter seinem eigenen Weinstock sitzen würde usw.. Gäbe es insgesamt nicht bedeutend weniger Krankheiten -

vor allem umweltbedingte – wenn wir nach solchen Prinzipien leben würden, anstatt – wie es seit hunderten Jahren der Fall ist – dass man entweder vorwiegend für andere arbeitet oder überhaupt nicht, weil…”

“Genug”, unterbricht die/der Kanzler/in den Fragesteller sichtlich erregt. “Was soll dieses Steinzeit oder Aussteiger Gefasel?”

“Das ist kein Gefasel. Für die einen ist es eine biblische Hoffnung und für andere wenigstens eine ökologische Alternative.”

“Ach so. Dann können wir also die Hochhäuser, Banken, Industrieanlagen, die Großstädte plattmachen und die Autobahnen abschaffen? Auf was soll denn das bitte schön hinauslaufen?”

“Die Bienen könnten sich erholen!” (Zwischenruf)

“Ach hören sie mir mit den Bienen auf!”

“… und die Menschen wären gesund!” (Zwischenruf)

“Ach hören sie mir mit den Menschen auf!”

Die/der Bundeskanzler/in wacht schweißgebadet auf.

“Du Schatz, ich hatte einen furchtbaren Albtraum! Ich wollte vor dem Bundestag das mit den echten und vermeintlichen Krankheiten endlich klären und ehe ich mich versah, bin ich bei den Bienen und Umweltfragen gelandet. Sag mal, gibt es das Bienensterben wirklich?”

“Aber Schatz – dein Traum hinkt den Ereignissen hinterher. Die Bienen sind doch schon so gut wie ausgestorben!”

“Was?! Das ist ja furchtbar. Dann stimmt das also wirklich?”

“Aber warum denn? Es werden doch schon längst robuste Roboterbienen eingesetzt, unterstützt durch chemische Befruchtungsverstärker.”

“Chemische Befruchtungsverstärker? Chemische?”

” Na und? Hast du plötzlich was gegen die Chemie? Die Grenzwerte die ein Mensch im Verlaufe seines Lebens von diesen Stoffen abkriegen darf, liegen immerhin bei…”

“Ist ja gut, aber ist das denn gesund?”

“Was heißt gesund? Eine Minderheit von 20 bis 30 Prozent reagiert etwas, hat Atemnot, Herzrasen, Blutdruckanstieg, Verdauungsstörungen, Gedächtnisausfällle, Gliederschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Depressionen …”

“Ist ja gut, verstehe schon. Das sind ja doch wieder nur solche angeblich umwelt-bedingten Störungen. Dann sind diese Verstärker ja in Ordnung.”

Die/der Bundeskanzler/in beißt genussvoll in das Frühstücksbrötchen und verzieht angewidert das Gesicht:

“Was ist das denn für ein Zeug auf dem Brötchen?”

“Schmeckt dir das denn nicht? Das ist echter Roboterbienenhonig. Die Grenzwerte liegen bei …

“Hör auf!”

“Verstehe – dein Albtraum. Wie wäre es denn Schatz, wenn wir uns wirklich einen Traum erfüllen?

Wir bauen uns ein Haus, pflanzen einen Weinstock und in einigen Jahren können wir gemütlich unter einem Weinstock sitzen…”

“Neeeeiiiinnn!!! Merkst du denn nicht, dass ist eine Ökofalle. Ein ZURÜCK-IN-DIE-STEINZEITFALLE.

Eine fundamentalistisch -christliche Falle ? ”

“Bitte was Schatz? Ist schon gut, dein Albtraum…”

“Lass meinen Albtraum in Ruhe, vor allem aber tue nicht so, als wäre es keiner, als wären diese Visionen die Lösung.”

“Aber du wolltest doch die Umweltkrankheiten verschwinden lassen!”

“Ja doch, aber nicht so.”

“Schatz, du weißt aber schon, dass die Frösche auch…”

“Scheiß auf die Frösche. Dann werden gefälligst Roboterfrösche gebaut…”

Der/die Partner/in drückt blitzschnell auf die Austaste des/der Roboter-Kanzler/in.

Diesmal war sie/er zu weit gegangen. Er /sie muss neu programmiert werden, sonst durchschaut das Volk den Betrug. Es darf nicht erkennen, dass es ferngesteuert, durch künstliche Intelligenz regiert wird. Es muss von der Sache her genauso hart und unnachgiebig reagiert, aber emotional angenehmer verpackt werden, sonst werden die Umweltgeschädigten und unangepassten Ökofreaks zu stark…

Ende.

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. Juni 2010 – TAG DER UMWELT.

Weitere CSN-Artikel zum Thema Umwelt, Umweltpolitik:

Der Ölsandabbau in Kanada zerstört die Natur

Im März 2003 kletterte der Ölpreis auf 35 US-Dollar pro Barrel. Im gleichen Jahr entdeckte die United States Energy Information Administration das Öl im Ölsand. Das Ansteigen des Ölpreises ließ die Förderung der gewaltigen Ölsand-Vorkommen plötzlich wirtschaftlich erscheinen, so dass sie von Ressourcen zu Reserven befördert und Kanada zum Land mit den weltweit größten nachgewiesenen Erdölreserven wurde – gleich nach Saudi-Arabien.

Neben Sanden, Tonen und Wasser bestehen Ölsande aus zwischen einem und zwanzig Prozent Kohlenwasserstoffen. Nach der Abtrennung von Sand und Wasser wird der Kohlenwasserstoff-Anteil im Upgrader hauptsächlich thermisch gecrackt, hydriert, entschwefelt und zu synthetischem Rohöl weiterverarbeitet. Während die Förderung oberflächennaher Vorkommen im Tagebau erfolgt, müssen die Kohlenwasserstoffe tieferer Schichten durch das Einleiten von heißem Wasserdampf in verschiedenen Varianten verflüssigt werden.

Da die oberflächennahen Vorkommen als zumeist erschlossen gelten, gewinnen diese energieintensiven in-situ-Verfahren an Bedeutung. Skeptiker weisen auf den steigenden Energieeinsatz hin, der umso mehr erzwungen wird, je weiter sich die Vorkommen von der Erdoberfläche entfernt befinden. Die Energie zur Dampfbereitstellung stammt zurzeit noch größtenteils aus der Verbrennung von Erdgas: für die Umwandlung eines Barrels Bitumen in “dickes”, gerade transportfähiges Öl müssen ca. 28 Kubikmeter Erdgas verheizt bzw. 1 Gigajoule aufgewendet werden; im Gegenzug hat ein Barrel Öl ein Energieäquivalent von 6,117 Gigajoule. Außerdem ist das bei Extraktion und Umwandlung in synthetisches Rohöl anfallende CO2 ein weiteres Problem– rund 50 Kilogramm pro Barrel allein in der Dampferzeugung. Um einen weiteren Anstieg der CO2-Emissionen Kanadas durch zusätzliche Verbrennung fossiler Energieträger zu vermeiden, wird auch die Nutzung von Atomenergie als langfristige Alternative zum Erdgas in Betracht gezogen.

Der Ölsandabbau in Alberta führt zur totalen Zerstörung einer riesigen Waldfläche, die doppelt so groß ist wie Bayern. Beim Abbau von Öl aus Sand wird extrem viel Gift produziert, was zur Folge verkrustete Erde und verpestete Luft durch giftige und ätzende Lösungsmittel hat. Die komplette Pflanzen- und Tierwelt der Region wird rücksichtslos vernichtet. Kanadische Ureinwohner müssen die Umgebung aufgrund der Schadstoffbelastung verlassen und ein ganzes Dorf von Ihnen soll einer Ölpipeline weichen. Pro Tag fließen Millionen Liter vergiftetes Wasser ins Grundwasser. “500 Millionen Liter giftigen Wassers gibt es in den Seen”, sagt Christoph von Lieven von Greenpeace. “90 Prozent des Wassers, das benutzt wird, um das Öl auszuwaschen, ist mit Giften wie Quecksilber und Arsen versetzt.” Für einen Liter Öl verbraucht die Industrie drei Liter Wasser.

Die Investitionen für den Abbau und die Weiterverarbeitung der Ölsandvorräte zu hochwertigen Ölprodukten sind sehr hoch und zeitaufwendig. Gegenwärtig werden mehr als 100 Milliarden US-Dollar investiert. Die durchschnittlichen Förderkosten liegen bei knapp über 20 US-Dollar pro Barrel, mit der notwendigen Umwandlung des Bitumens in synthetisches Rohöl klettert der Preis auf ca. 40 US-Dollar. Die Produktionskosten dürften bei dem vorgesehenen Ausbau der Produktion, der Verwendung teuerer technischer Verfahren und dem damit einhergehenden Energieverbrauch deutlich steigen. Parallel dazu werden die Umweltschäden zunehmen. Das nächste Problem ist, dass für die Abtrennung des Bitumens vom Sand ungeheure Wassermengen erforderlich sind. Bereits heute wird ein Viertel des Süßwasserverbrauchs in Alberta von der Öl- und Gasindustrie verbraucht. Wegen zunehmender Trockenheit im Lande wiegt dieser Raubbau schwer.

Greenpeace-Aktivisten haben mit einer Protestaktion am 16. September 2009 den Abbau von Ölsand in Kanada für mehr als 30 Stunden gestoppt, um auf die schädlichen Auswirkungen dieser Förderung auf das Klima hinzuweisen. Mehr als 20 Mitglieder der Umweltorganisation ketteten sich in der Provinz Alberta an schwere Maschinen an. Der Mineralölkonzern Shell stoppte daraufhin den Betrieb der Abbaustätte Albian Sands und verhandelte mit den Demonstranten. Mit dieser Aktion wurde ein Zeichen gesetzt, das in den internationalen Medien Beachtung fand.

Autor: Maria-Magdalena, CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. Juni 2010 – TAG DER UMWELT.

Weitere CSN Artikel zum Thema Umwelt:

Weltumwelttag: UND SIE TATEN SO…

UND SIE TATEN SO…

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und sie taten so,

als gäbe es die unendlichkeit

auf erden,

fischten die ozeane leer,

als wären sie

kleine badewannen.

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und sie taten so

als gäbe es die unendlichkeit

auf erden,

mähten die urwälder nieder,

als wären sie

liegewiesen

-

und sie taten so

als gäbe es die unendlichkeit

auf erden,

höhlten die berge nach bodenschätzen aus

als wären sie schweizer käse

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und sie taten so

als gäbe es die unendlichkeit

auf erden,

bliesen gift, asche und rauch,

als wär die welt ein raucherzimmer

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und sie taten so

als gäbe es die unendlichkeit

auf erden,

kippten alpenberge von plastikmüll

in landschaften und meere

als wär’s futter für delphine und bären

-

und sie taten so

als täte es weder natur

noch menschen weh,

lachten die kranken menschen aus,

die nicht mehr wissen wie leben

-

die erde einst ein paradies,

nun stöhnt gequält

tier und mensch

auf diesem fremden

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halbtoten planeten

-

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. Juni 2010 – weltweiter Tag der Umwelt.

Weitere umweltkritische Beiträge von Gerhard:

Tag der Umwelt: Leben ist Vielfalt – Vielfalt ist Leben

Welchen Stellenwert hat die Umwelt?

Was gibt es Schöneres als bei einem Spaziergang dem Zwitschern der Vögel und Summen von Insekten zu lauschen oder Tiere zu beobachten? Dies ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk der Natur, das in unserer hektischen und leistungsorientierten Zeit viel zu wenig Beachtung findet. So sind wir uns kaum dessen bewusst, welchen Einfluss die Umwelt auf unser Dasein ausübt, denn ob wir in einer lebensfeindlichen Umgebung aufwachsen oder ob wir sauberes Trinkwasser, saubere Luft zum Atmen und gesunde Böden für unsere Ernährung zur Verfügung haben, wird von dem Schicksal geprägt, wo wir auf dem Globus leben. Die umweltbedingten und klimatischen Begebenheiten üben entscheidenden Einfluss darauf aus, wie wir leben.

Der 5. Juni ist dem Tag der Umwelt gewidmet, der in diesem Jahr unter dem Motto „Leben ist Vielfalt“ steht. Eigentlich müsste jeder Tag im Jahr ein Tag der Umwelt sein, denn sie ist Ursprung und Grundlage allen Lebens. Wenn man sich allerdings veranschaulicht, wie es um unsere Lebensgrundlage bestellt ist, kommt die berechtigte Frage auf, welchen Stellenwert hat die Umwelt?

Biodiversität – wie ist es um sie bestellt?

Biologische Vielfalt ist für eine intakte Natur unabdingbar, denn jedes Lebewesen ist ein Teil vom Ganzen. Das weltweite Artensterben schreitet mit großen Schritten voran, so auch in Deutschland. Auch wir Menschen sind ein Teil dieses komplexen Puzzles, doch auf viele unserer „Taten“ im globalen Ökosystem brauchen wir wirklich nicht stolz zu sein. Kein anderes Lebewesen auf unserer Erde richtet in Umwelt und Natur vergleichbaren Schaden an. Wir sägen am eigenen Ast, zerstören erfolgreich unsere eigene Existenzgrundlage und hinterlassen vielerorts ein Feld der Verwüstung. Am Beispiel der Haie lässt sich die dramatische Auswirkung menschlichen Einflusses auf die Biodiversität besonders gut veranschaulichen. Haie bevölkern unsere Erde bereits seit über 400 Millionen Jahren und sind erfolgreiche Jäger, die immensen Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht in unseren Meeren nehmen. Haie, die sich im Laufe der Evolutionsgeschichte kaum verändert haben, bezeichnet man in der Wissenschaft auch als „Urfische“. Leider führen schier unaufhaltsame Profitgier, international intensiv betriebener und völlig unzureichend kontrollierter Hai-Handel und die steigende Nachfrage in den Restaurants rund um den Globus dazu, dass die zu den Knorpelfischen zählenden Meeresbewohner in ihrer Existenz massiv gefährdet sind. Bedauerlicherweise haben sehr viele Hai-Arten Einzug in die  Rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten gefunden.

Renaturierung und Nachhaltigkeit bringen Leben zurück

Naturschutzverbände führen verstärkt Renaturierungsprojekte durch, um den vom Menschen verursachten Umweltschäden Einhalt zu bieten und wieder funktionierende Ökosysteme zu schaffen. Vielerorts können sich die Resultate ökologisch ausgerichteter Maßnahmen durchaus sehen lassen, so auch der Rückbau des einst begradigten und unattraktiven Isar-Ufers in München. Das Zurückfinden zur Natürlichkeit bietet zahlreichen Pflanzen und Tieren neuen Lebensraum, verschönert das Landschaftsbild erheblich, bereichert zudem den Erholungs- und Freizeitwert und verbessert ganz nebenbei auch den Hochwasserschutz. Die Errichtung von Fischtreppen ermöglicht zahlreichen Fischarten, problemlos zu ihren Laichplätzen zu gelangen.

Die durch intensive Landbewirtschaftung in Deutschland entwässerten Moore und die damit verbundene Zersetzung des Torfs leisten einen beachtlichen Negativbeitrag zur Klimaerwärmung. Die Renaturierung von Deutschlands Mooren könnte lt. BUND für Umwelt und Naturschutz, einen äußerst positiven Effekt auf den Treibhausgasausstoß ausüben und die biologische Artenvielfalt nachhaltig verbessern. Der Erhalt der Feuchtgebiete sichert seltenen Tier- und Pflanzenarten, die speziell in Moorgebieten angesiedelt sind, ihre Lebensgrundlage und schafft zudem Hochwasserschutz, da intakte Moorgebiete natürliche Wasserspeicher sind.

Auch das Rettungsnetz Wildkatze, das durch den BUND in Zusammenarbeit mit Politik, Behörden und Bürgern entstand, verbessert bzw. schafft neuen Lebensraum für die bedrohte Wildkatze. Durch die kontinuierliche Zersiedlung zusammenhängender Waldflächen reduziert sich der Lebensraum vieler Waldtiere und führt dazu, dass auch im Wald ein rasanter Artenschwund zu verzeichnen ist. Um dem Wanderverhalten der scheuen Wildkatzen gerecht zu werden, wurden 2007 über 20.000 Büsche und Bäume zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald gepflanzt. Diese Verbesserung natürlichen Lebensraums kommt nicht nur der Waldkatze, wie die scheue Wildkatze ebenfalls genannt wird, sondern ebenso weiteren bedrohten Tierarten, wie Dachsen und Füchsen zu Gute.

Intakte Umwelt – gesundes Umfeld

Unsere Umwelt ist ein fragiles Ökosystem, von dessen Zustand alles Leben auf unserem Planeten abhängt – sie ist praktisch DAS LEBEN schlechthin! Die weltweit massiv zurückgehende Biodiversität, wie auch die rasant steigende Zahl von Krankheiten, die durch Schadstoffe und die Umwelt verursacht werden, wie z. B. Krebs, Asthma, Unfruchtbarkeit, MCS, MS, ALS, Diabetes, Allergien etc., sind Indikatoren dafür, dass es so mit unserer Umwelt nicht weitergehen kann und darf. In einer schadstoffbelasteten Umwelt mit vorherrschend Monokultur-betriebener Landwirtschaft, die nur mit steigendem Einsatz von Pestiziden aufrechtzuhalten ist, der wiederum enorme Bodenbelastungen nach sich zieht, kann es kein gesundes Leben geben. Die resultierenden Folgen dieser und anderer Missetaten werden uns u. a. durch den globalen Rückgang der Artenvielfalt quittiert. Diese Mahnmale verdeutlichen mit Nachdruck, dass die negativen Auswirkungen unserer Umweltsünden gestoppt und nachhaltige Veränderungen realisiert werden müssen. Um das Artensterben aufzuhalten, bedarf es der weltweiten Umsetzung von weitreichenden Artenschutzprojekten, um umweltfreundlichere Lebensbedingungen zu schaffen, die auch uns Menschen zu Gute kämen. Die weiterhin stattfindende Zunahme an Umweltkrankheiten könnte somit auch positiv beeinflusst werden.

Wir sollten uns immer vor Augen halten, nur eine intakte Umwelt ermöglicht ein gesundes Umfeld, denn unsere Umwelt ist ALLES, was wir zum Leben / Überleben brauchen.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity, 5. Juni – Tag der Umwelt 2010

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Obst „klauen“ für mehr Nachhaltigkeit und Artenschutz

Mundraub ausdrücklich erlaubt und sogar gefördert

Die Idee für das Projekt entstand auf einer Kanufahrt. Obstbäume, von deren Zweigen verlockend leckeres Obst hing, brachten einige junge Leute zum Nachdenken. Sie hatten nicht im Sinn, es unentdeckt zu klauen, denn, auch wenn es „nur“ Obst vom fremden Baum ist – das ist Diebstahl und strafbar. Obst ungenutzt hängenlassen bis es verfault, ist aber auch keine akzeptable Alternative und eigentlich müsste auch das strafbar sein, also schritten die jungen Leute zur Tat. Ihre Idee: Sie wollten MUNDRAUB salonfähig machen und dafür sorgen, dass er legal wird. Sie haben es geschafft: Mundraub ist in Deutschland seit November 2009 ausdrücklich und offiziell erwünscht. Die Plattform www.mundraub.org wurde am 23.11.2009 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung als aussichtsreich und zukunftsfähig eingeschätzt und wurde sogar mit dem Nachhaltigkeitspreis prämiert.

Mundraub wird legal

Die hunderttausende vergessenen und herrenlosen Obstbäume in Deutschland werden nach und nach von der Mundraub-Community getaggt und jedem Bürger für eine freie Nutzung überlassen. Das köstliche Obst muss nicht mehr länger nutzlos verfaulen und ganz nebenbei werden alte Obstsorten, die in vielen Regionen nur noch selten anzutreffen sind, erhalten. Um des den „Obst-Räubern“ leicht zu machen, wurde eine interaktiven MundraubMap erstellt, dort kann man nachschauen, wo in nächster Nähe „Beute“ auf freigegebenen Bäumen wartet. Die Initiative kümmert sich außerdem um Freigaberegelungen mit öffentlichen und privaten Eigentümern und sie erarbeitet Geschäftsmodelle für regionale Akteure.

Mundraub wird salonfähig und trägt zu Nachhaltigkeit bei

Mundraub ist ein wichtiges Projekt, das der Sicherheit dient, wie sich im letzten Jahr zeigte, als im Nordosten der Republik der Obstnotstand ausgerufen wurde. Es gab einfach zu viele Äpfel, Birnen und Pflaumen an den Alleen und in den verlassenen Gärten der landflüchtigen Bevölkerung. Eine Fahrt über eine Mecklenburger Obstbaumallee wurde nicht selten zu einer Rutschpartie durch Mus und Kompott. Die meisten dieser Früchte verrotteten, mit ihnen Potenzial für Sprösslinge alter und wertvoller Sorten. Zur gleichen Zeit wurde auf der anderen Seite über die Nicht-Finanzierbarkeit des EU-Schulobstprogramms gestritten und Bioläden boten Früchte aus Neuseeland und Südafrika an.

Genau hieraus entstand letztendlich die Idee, Mundraub wieder salonfähig zum machen. Entwickelt und umgesetzt wird das Projekt von einem kleinen Team aus Deutschland, Dänemark und Kanada. Die fünf Protagonisten wollen nicht nur eine rein technische Lösung anbieten, sondern eine Reihe von positiven Effekten auf Gesellschaft und Landschaft initiieren.

Regional Werte schaffen

Mundraub hat das Potenzial, viele kreative Akteure zusammen zu bringen, die für sich und ihre Regionen Werte schaffen und Werte bewahren. So soll beispielsweise Mundraubsaft in ortsansässigen Lohnmostereien produziert werden und der ländliche Tourismus durch Mundraub-Aktionen während der Erntesaison eine Aufwertung erfahren. Von Betriebsausflügen und Schulwandertagen zur nächsten Obstbaumallee wird das Raubgut in Form von gepresstem Saft mitgebracht, welcher dann monatelang in Büros und Klassenzimmern fließt. Ein rundum gelungenes Projekt also, das volle Unterstützung von jedem Obstbaumbesitzer verdient.

Raubzüge zulassen – Obstbäume melden

Wer Obstbäume im Garten oder auf Grundstücken der Familie hat, die selbst nicht leeressen kann, der kann sie bei www.mundraub.org melden. Oder wenn Ihre Gemeinde Alleen oder Streuobstwiesen besitzt,die niemand nutzt, dann sprechen Sie doch den Bürgermeister an und tragen Sie das Projekt „Mundraub“ vor. Die freigegebenen Bäume werden dann getaggt und auf der mit Googlemaps verbunden Karte auf der Webseite der Initiative vermerkt. Wichtig ist, dass die Bäume nicht mit Pestiziden gespritzt werden, um die Nachhaltigkeitseffekt in vollem Umfang zu garantieren und besser für die Umwelt und die Gesundheit aller „Obst-Diebe“ ist es natürlich auch.

Was es Neues über das Projekt gibt und ausgefallene Rezepte für das Verarbeiten von allem, was in der Natur wächst, kann man auf dem Blog der Initiative MUNDRAUB erfahren. Wer Freude daran findet, kann sich mit der Initiative in Verbindung setzen und auf seine Weise mitmachen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 31. Mai 2010.

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