Bayrisches Ministerium warnt vor Duftstoffen und gibt Tipps

duftstoffe-ii.jpg

Duftstoffe können die Gesundheit und die Umwelt ganz schön belasten

Duftstoffe sind trotz, aber nicht nur wegen ihres Geruchs zur Last geworden. Um über die Wirkungsweise von Duftstoffen und deren Gefahren aufzuklären, entwickelte das Bayrische Staatsministerium eigens eine kleine Broschüre über Duftstoffe, die aufklärt und mithelfen soll, Asthmatiker, Allergiker und Chemikaliensensible zu schützen. Dass Ministerium weißt darauf hin, dass bei einer Allergie auf Duftstoffe nur ein wirksamer Schutz bleibt: Vermeidung.

Duftstoffe belasten Gesundheit

Über 6000 unterschiedliche, größtenteils chemische Substanzen werden in der Duftstoffindustrie als so genannte „Riechstoffe“ verwendet. Sie belasten im erheblichen Maße die Umwelt und immer häufiger die Gesundheit vieler Menschen. Insbesondere durch die zunehmend in Mode gekommene „Raumluftaromatisierung“ werden Asthmatiker, Allergiker und Menschen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) belastet und in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Für manchen, für dessen Gesundheit Duftstoffe zur Qual geworden sind, bleibt als Konsequenz nur noch Vermeidung, und das kann im schlimmsten Fall sogar den Arbeitsplatz und somit die Existenz kosten, denn es gibt kaum einen Bereich, der nicht „beduftet“ wäre oder an dem sich keine Menschen aufhalten, die Parfums, Aftershaves, Weichspüler, duftstoffhaltige Waschmittel, etc. verwenden.

Ministerium klärt auf

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nahm all diese Tatsachen zum Anlass und erstellte im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz eine kleine Broschüre zum Thema Duftstoffe:

Ist angenehmer Duft auch immer gesund? Riech-, Duft- und Aromastoffe

In für jeden verständlicher Form vermittelt das Ministerium in seiner Aufklärungsbroschüre, wo Duftstoffe anzutreffen sind, aus was sie bestehen, über welche Aufnahmewege sie aufgenommen werden, wie sie sich auswirken können und dass sie, wo immer es unnötig ist, zu vermeiden sind.

Ministerium empfiehlt lüften statt beduften

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schließt seine Broschüre mit den nachfolgenden Empfehlungen für den Verbraucher:

  • Wenn es unangenehm riecht, überdecken Sie den Geruch nicht durch Versprühen von Duftstoffen.
  • Versuchen Sie die Geruchsquelle zu beseitigen!
  • Lüften ist allemal gesünder!
  • Verzichten Sie auf Duftstoffe in der Raumluft.
  • Denken Sie an empfindliche Personen.Helfen Sie Allergien vermeiden!
  • Bewahren Sie Duftöle immer außerhalb der Reichweite von Kindern auf.
  • Geben Sie Duftstoffe nur in die Raumluft, wenn alle Raumnutzer einverstanden sind.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Juni 2008

Literatur:

Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Ist angenehmer Duft auch immer gesund? Riech-, Duft- und Aromastoffe, 19.9.2003

9 Kommentare zu “Bayrisches Ministerium warnt vor Duftstoffen und gibt Tipps”

  1. Franz 8. Juni 2008 um 23:54

    Eine Überraschung des Bayrischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

    „Hessen vorn“, die Parole des ersten hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn gilt also,was Aufklärung über Duft- und Aromastoffe angeht, nicht mehr.

    „In Hessen ist inzwischen der Hessen-Duft Inspire auf dem Markt. Ein Team von Studenten des Studiengangs Industriedesign an der Hochschule für Gestaltung in Darmstadt unter der Leitung von Prof. Tom Philipps hat im Rahmen eines geladenen Studentenwettbewerbs das Flakon- und Packaging-Design entwickelt…

    Fünf Arbeitsgruppen bestehend aus insgesamt neun Studierenden machten sich ans Werk, die Intentionen des Duftes, den der Frankfurter Parfümeur Frank Albrecht kreierte, umzusetzen: Zum einen sollte das Hessenparfüm den Stolz der hessischen Bevölkerung wecken, des weiteren der Landesregierung als hochwertiges Give-Away dienen – insbesondere gegenüber ausländischen Investoren. Schließlich sollte der Duft Hessen als Bundesland mit erstem eigenen Parfüm im Ländervergleich hervorheben.“
    http://74.125.39.104/search?q=cache:zcdMhpwMiv0J:www.fbg.h-da.de/fileadmin/autoren/philipps/R_D_TP/05_Flakon.pdf+hessenparf%C3%BCm&hl=de&ct=clnk&cd=4&gl=de

    Jetzt gilt die Parole „Bayern vorn“, zumindest was Aufklärung über Duft- und Aromastoffe angeht.

  2. Henriette 9. Juni 2008 um 08:28

    Prima, von wegen die Bayern wären knorzig oder hinterwäldlerisch.
    Eher weltoffen scheinen sie mir zu sein, wenn man diese gut aufgemachte
    Broschüre über Duftstoffe liest.

    Ich werde die Broschüre zusammen mit dem CSN Flyer unters Volk bringen.

  3. Krys 10. Juni 2008 um 22:05

    Sehr schön – das werde ich meinen weichspülfreudigen Nachbarn dann demnächst mal unter die Nase halten, wenn sie mich mit ihrer sogenannten „frisch gewaschenen Wäsche“ mal wieder dazu nötigen, die Fenster über viele Stunden geschlossen halten zu müssen.

  4. Eric 4. August 2008 um 07:49

    Das ist echt spitze, Bayern hat Vorbildfunktion, die es von den anderen Bundesländern nachzuahmen gilt. Warum sind solch gute Maßnahmen so unbekannt? Von den Duftstoff-Warnungen höre bzw. sehe ich hier zum ersten Mal. So eine gute Sache gehört in die Medien, damit diese Aufklärung bei der Gesamtbevölkerung ankommt und tatsächlich Verbesserungen für Kranke eintreten.

    Aber immerhin, ein erster Schritt ist gemacht, einfach nur toll.

    @Henriette, Deine Idee diese Duftstoff-Warnungen mit dem CSN-Flyer zu verteilen werde ich ebenfalls in Angriff nehmen.

  5. Nelly 4. August 2008 um 16:19

    Gerne möchte ich mich Eric anschließen, die Verteilidee der Duftstoffwarnungen des Bayrischen Ministeriums zusammen mit dem CSN-Flyer ist eine prima Idee. Das Bayrische Staatsministerium müsste selbst einen Anti-Duftstoff-Flyer erstellen, das käme noch souveräner rüber. Aber immerhin, es tut sich was.

    Der CSN-Flyer ist bisher überall gut angekommen. Ich hatte den Hinweis im CSN-Forum entdeckt und gleich Gebrauch von dem überaus gelungenen Flyer gemacht. Einige Bekannte haben sogar welche nachgeordert, weil sie selbst welche an Freunde und Bekannte weiterleiten möchten. Das finde ich klasse.

    Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Man kann ja nicht aktiv genug sein. Aber ich kann feststellen, ich hatte bisher nur gute Resonanz und einige Freunde / Bekannte sind seitdem auch rücksichtsvoller mir gegenüber und haben auch schon einiges bei ihren Kosmetikprodukten umgestellt.

  6. Tacheles 9. August 2008 um 13:27

    Endlich mal gute Neuigkeiten, der Anfang ist gemacht. Die Bayern nehmen Umweltschutz- und Gesundheitsschutzmaßnahmen scheinbar ernst. So ist das Bayrische Nichtraucherschutzgesetz m. E. das härteste Deutschlands.

    Die Duftstoffbroschüre des Bayrischen Staatsministerium gibt Anlass zur Hoffnung. Ich wünsche mir eifriges Nachahmen der übrigen Ministerien Deutschlands.

  7. K. Fux 16. August 2008 um 23:11

    Immerhin, die Bayern sind ein kritisches Volk. Endlich einmal positive Nachrichten.

    Wären nur alle Ministerien so umweltbewußt. Die Duftstoff-Broschüre der Bayern müsste man an die restlichen deutschen Ministerien verschicken und anfragen, warum im restlichen Deutschland gesundheitsschädliche Duftstoffe, ja gar Zwangsbeduftung durch Duftmarketing und sogar Duftsäulen an Schulen erlaubt sind.

    Da läuft doch gewaltig was schief in unserem Lande.

  8. Mary-Lou 17. August 2008 um 22:47

    Warum können diese tollen Duftstoff-Broschüren nicht bundesweit verteilt werden. Das wäre endlich einmal eine geeignete Maßnahme um die massiven Neuerkrankungen bei Duftstoffallergien zu minimieren. Aber leider finden immer nur die schlechten Neuerungen bzw. Erkenntnisse von Entscheidungsträgern flächendeckende Anwendung.

  9. Realityshow 24. November 2008 um 13:01

    Dass das Vorgehen der bayrischen Behörden gegen Duftstoffe mehr als berechtigt ist, belegte der aktuelle Testbericht von Ökotest in der Dezemberausgabe über Parfums. Die getesteten Produkte haben äußerst schlecht abgeschlossen.

    http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?suchtext=&doc=91901&pos=0&splits=0:1581:3097:4423:5587

Kommentar abgeben: