Folgen einer Deo-Pflicht für Angestellte

Vorsitzende eines Unternehmerverbandes will Deo-Pflicht einführen

In einem Interview mit der Zeitschrift FOCUS ließ die Vorsitzende des Verbandes für mittelständische Unternehmer verlauten, dass sie sich für eine Deo-Pflicht in Betrieben einsetzen will. Ursula Frerichs findet es unangenehm, wenn jemand nach Schweiß riecht. (1) Als der Journalist im Interview fragte, wie man sich eine Umsetzung vorstellen könne, ließ Frau Frerichs keinen Zweifel daran, wie ernst sie ihr Vorhaben empfindet. Angestellte in Betrieben sollen sich möglichst mehrfach pro Tag mit Deo einsprühen und wenn es nach ihr ginge, soll dies sogar durch betriebsfremde „Schnüffler“ überprüft werden. Wer trotz Deo-Pflicht stinkt, dem sollen Abmahnungen ins Haus stehen.

Chemikaliensensible Mitmenschen sind erschüttert vom Ansinnen der Verbandsvorsitzenden, sie fürchten, dass damit der verbliebene kleine Rest ihrer Lebensqualität gänzlich verloren geht und sie, wenn sich dieser Vorschlag durchsetzt, unausweichlich körperliche Reaktionen in vielen Situationen anstehen. Eine chemikaliensensible Frau hat deswegen bereits Anzeige gegen die Verbandsvorsitzende erstattet, sie hält das Vorhaben u.a. für eine vorsätzliche Aufforderung zur Körperverletzung.

Systematisch ausgrenzt durch Duftstoffwahn

Was für die Zeitungen eine willkommene Sommerschlagzeile war, lässt Asthmatikern, Allergikern, Migräne-Patienten und Menschen mit Chemikalien-Sensitivität aufhorchen, denn durch eine solche Maßnahme würde ihnen die Möglichkeit genommen, ihre Arbeit in einem Betrieb mit forcierter „Deo-Pflicht“, ohne gesundheitliche Einschränkungen leisten zu können. Nicht wenige müssten sogar kündigen, weil Reaktionen bis hin zu Lebensgefahr zu erwarten wären und die eingeschränkte Gesundheit einfach nichts anderes zulässt.

Deos sind zum Großteil üble Chemikaliengemische

Um zu wissen, was die Inhaltsstoffe für die Gesundheit bedeuten, die auf Deo-Spraydosen und Deo-Rollern angegeben sind, muss man fast ein Chemiker oder Toxikologe sein. Sollte der Käufer sich die Mühe machen, die Inhaltsstoffe zu identifizieren, muss er sich außerdem darüber im Klaren sein, dass nicht alles deklariert ist, was im Produkt enthalten ist – „Produktgeheimnis“ nennen dies die Hersteller. (2)

Gesundheitsprobleme durch Duftstoffe

Für einen erheblichen Anteil der Menschen mit Krankheiten, die durch Duftstoffexposition verschlimmert werden, insbesondere Chemikaliensensible, würde eine „Deo-Pflicht“ und der damit verbundene zwangsläufige extensive Einsatz von Deos sogar bedeuten, dass sie normale Geschäfte oder Handwerksbetriebe nicht mehr betreten können. Atembeschwerden, schwere Asthmaattacken, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Konzentrationsverlust, bis zu Bewusstlosigkeit reichen die Reaktionen, die berichtet werden. Sogar mit anaphylaktischen Schocks muss bei hypersensibilisierten Personen gerechnet werden.

Deo für alle – giftige Chemikalien für alle

Oft wird von Laien vermutet, dass nur allergische oder „empfindliche“ Personen auf Duftstoffe oder beduftete Produkte reagieren. Ein Blick auf die Inhaltsstoffliste vieler Deo-Sprays lehrt einen ein Besseres, zu den Inhaltsstoffen gehören z.B. Butanol, Propanol, Dipropylen Glycol, BHT, CETEARETH-12, Kampfer, Cumarin, Triclosan, Lilial, Limonene, Linalool, Geraniol, denaturierter Alkohol, Aluminium, usw. (3)

Aber es sind nicht nur die Deo-Sprays, auch Deo-Roller oder Deo-Sticks enthalten genauso toxische Substanzen, die sich krebserregend, immunschädigend, sensibilisierend, Organ- und fortpflanzungsschädigend, neurotoxisch, irritativ auf die Haut, Augen und Atemwege auswirken. (3)

Deo-Pflicht – Statt Umsatzplus, eher Umsatzverlust zu erwarten

Der Bevölkerungsgruppe, die bereits Probleme mit Duftstoffen hat, würde mit einer „Deo-Pflicht“ in mittelständischen Betrieben in schwerwiegenderen Fällen die Möglichkeit genommen, sich einen Handwerker in die eigenen vier Wände zu rufen. Ob sich das Handwerk oder andere Betriebe mit Publikumsverkehr das leisten können? Eine Studie von 2009 stellte fest, dass sich 30,5% der Bevölkerung durch Duftstoffe belästigt fühlt. Schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen beklagten in der Studie 19% der Teilnehmer, die aus der Allgemeinbevölkerung stammten. (4)

  • Fast jeder zweite in Deutschland leidet unter Allergien
  • Duftstoffallergie gilt als die zweithäufigste Allergie nach Nickel
  • Asthma hat laut Fachverband der Lungenfachärzte rund 30% der Bevölkerung
  • Bei MCS geht man davon aus, dass ca. 15% der Bevölkerung leicht bis mittelschwer betroffen sind
  • Migräne betrifft etwa 10% der Bevölkerung
  • Schwangere fühlen sich in der Regel durch Düfte „belästigt“

Hinzu kommen Menschen mit Vernunft und Gesundheitsbewusstsein, die chemische Düfte einfach ablehnen, weil sie überflüssig, gesundheitsschädlich und umwelt-verschmutzend sind.

Was sagt die Wissenschaft zu Beduftung ohne Ausweichmöglichkeit?

In der Süddeutschen Zeitung brachte der Duftforscher Hanns Hatt am Beispiel Duftmarketing auf den Punkt, wo das eigentliche Problem steckt, wenn man zu einer Zwangsbeduftung übergeht:

„Heimtückisch am Duftmarketing sei, erklärt Hanns Hatt, dass wir den Düften nicht entkommen können: “Ich kann die Augen zumachen oder die Ohren zuhalten, aber ich kann natürlich nicht verhindern, dass ich einen Duft in die Nase kriege. Wir müssen schließlich atmen und mit der Atemluft werden immer Düfte aufgenommen.” (5)

Nur, im Fall von Duftmarketing wird man mit einer einzigen Duftkomposition konfrontiert. Unproblematisch ist dies zwar auch meist nicht, wie Berichte offenbaren, ungleich problematischer wird es jedoch, wenn die von der Vorstandsvorsitzenden der mittelständischen Betriebe geforderte Deo-Pflicht z.B. in einem Großraumbüro zum Tragen kommt. Duftnoten für Deos werden individuell ausgesucht und somit kann an einem Arbeitsplatz mit 50 Angestellten mit mindestens 20-40 verschiedenen Duftnoten (Chemikaliencocktails) gerechnet werden. Wie Angestellte vorgehen sollen, um nicht verschwitzt zu riechen, teilte Ursula Frerichs im Interview dem Journalisten des Focus am eigenen Beispiel mit. Weil der Journalist in einem Großraumbüro arbeitet, habe er sich am Morgen dreimal links und dreimal rechts mit Deo eingesprüht und fragte, ob das in Ordnung sei. Er bekam den Rat, weil er in einem Großraumbüro arbeitet: „Dann sollten Sie das auch gerne öfter machen.“

Integration von Behinderten und Allergiker durch Duftstoffverbot in Betrieben

In USA und Kanada ist man sich über die Auswirkungen der Chemikalien in Parfüms, Deos und Duftstoffen bewusster, und es gibt immer mehr Betriebe, Behörden, Krankenhäusern, Schulen und Universitäten, die ein Duftstoffverbot verhängen. Damit soll den Menschen, die auf Duftstoffe und Chemikalien reagieren, die Möglichkeit gegeben werden, dennoch einer Arbeit nachgehen zu können oder eine Schule, Universität zu besuchen. Diese Vorgehensweise wurde in einigen Fällen freiwillig eingeführt, in anderen Fällen vor Gericht erzielt, weil durch Chemikalien-Sensitivität (MCS) behinderte Personen gesundheitlich zu Schaden kamen.

Organisiertes Vorgehen, der Gesundheit zuliebe

Weil die zunehmende Verwendung von Duftstoffen auf Arbeitsplätzen zu krankheitsbedingten Fehlzeiten führt, haben sich in den USA 2008 mehrere Vereinigungen aus Gesundheitsberufen, u.a. Krankenschwesternverbände, zusammengetan, um ein Duftverbot an Arbeitsplätzen durchzusetzen und Leitlinien zu entwickeln. Es gab eine Videokonferenz der Vereinigung, bei der Evie Bain, eine der Moderatorinnen, sagte: “Asthma und Migränekopfschmerzen können in Zusammenhang mit Exposition gegenüber Duftstoffen stehen, und beides sind Hauptursachen für Arbeitsfehlzeiten”.

“Asthma ist eine schwerwiegende Krankheit und kann durch die Exposition gegenüber synthetischen Duftstoffen verursacht werden”, erläuterte Bain damals und fügte an, “Das Institut für Medizin platzierte Duftstoffe in die gleiche Kategorie der Asthmaauslöser für Erwachsene und Schulkinder, wie Passiv -Zigarettenrauch.“ (6)

Behörden warnen vor Duftstoffen in Innenräumen

Das deutsche Umweltbundesamt gab in den vergangenen Jahren mehrere Mitteilungen heraus, in denen man vor dem Einsatz von Duftstoffen warnte. In einer Meldung aus dem Jahr 2000 geht deutlich hervor, wie das UBA zu Duftstoffen in Innenräumen steht (7-9):

„Da davon auszugehen ist, dass öffentliche Gebäude, zum Beispiel Kaufhäuser, Kinos, und so weiter, auch von empfindlichen oder bereits sensibilisierten Personen betreten werden, wird dringend empfohlen, im Sinne des Verbraucherschutzes dort Riech- und Aromastoffe nicht zu verwenden. (7)

Die bei Überschriften einer Pressemitteilung des Umweltbundesamtes vom 15.07.2004 lautete:

Duftstoffe nicht wahllos einsetzen

UBA, Industrie und Verbände bei Kriterien einig: gesundheitliche Unbedenklichkeit, Umweltverträglichkeit und Rücksicht auf empfindliche Personen.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA, setzte Juni 2010 ebenfalls ein unübersehbares Zeichen. Eine Konferenz mit mehr als 300 Experten zum Thema Asthma, wurde duftfrei ausgerichtet. Die EPA teilte in der Einladung mit: (10)

Asthma-freundliche Umgebungen sind unsere Aufgabe – Bitte helfen Sie uns, eine duftstofffreie Veranstaltung zu ermöglichen, indem Sie duftfreie Körperpflegemittel verwenden und auf Parfüms und andere Reizstoffe verzichten.

Anzeige wegen Aufforderung zu vorsätzlicher Körperverletzung

Um dem vorzugreifen, dass in Deutschland tatsächlich eine solche „Deo-Pflicht“ in mittelständische Betrieben eingeführt wird und Chemikaliensensible, wie auch andere sensibilisierte Menschen, unnötigerweise gesundheitlichen Schaden davontragen, hat eine chemikaliensensible Frau aus Berlin gleich nach Bekanntwerden Anzeige erstattet. Für sie ist dieses angestrebte Unterfangen u.a. eine Aufforderung zu vorsätzlicher Körperverletzung, Diskriminierung von Behinderten und Nötigung. Andere MCS-Erkrankte signalisierten, dass sie nachziehen wollen, wenn die „Deo-Pflicht“ tatsächlich näher in Betracht gezogen werden sollte. Wie Schadenfälle ausgehen, konnte in den USA mehrfach beobachtet werden. In Detroit gewann eine Arbeitnehmerin einen Prozess, in dem sie nicht nur 100 000$ Schadensersatz erhielt, sondern der auch dazu führte, dass nun alle Behörden in der Stadt ein Duftstoffverbot eingeführt haben. (11)

Weit hergeholt ist die Einschätzung der Frau, die selbst unter schwerer MCS leidet, nicht, ganz im Gegenteil, denn dass Menschen mit MCS durch Duftstoffe schon in geringen Konzentrationen schwerste Reaktionen erleiden, ist bekannt und durch Studien zweifelsfrei dargelegt. Selbst eine Einschränkung der Hirnfunktion nach kurzzeitiger Duftstoffexposition konnte bei MCS Patienten im Jahr 2009 von spanischen Wissenschaftlern nachwiesen werden. (12)

Es bleibt abzuwarten, ob und wie der Staatsanwalt im aktuellen Fall die Gefahr einschätzt, die durch Freisetzung von erheblichen Mengen von Deo-Spray entsteht. Dass nicht ausschließlich die Gesundheit von Menschen gefährdet wird, sondern auch die Außenluft, die jeder zwangsläufig atmen muss, dadurch kontaminiert wird, wurde durch ein Gerichtsurteil in Kalifornien offenkundig. In diesem umweltbewussten US-Bundesstaat musste im März 2010 ein Deo- Hersteller über eine Million Dollar Strafe wegen Luftverschmutzung zahlen und erhielt erhebliche Auflagen. (13)

Körperpflege statt Deo-Zwang

Duftstoffe lassen unangenehmen Körpergeruch nicht verschwinden, sie sind ausgelegt, ihn zu überdecken und addieren ganz einfach Chemikalien oder duftende Substanzen hinzu. Das kann schnell zu einem unangenehmen Geruchsmix führen, vor allem wenn Kleidung nicht gepflegt ist und die Körperhygiene vernachlässig wurde. Eine noch bedenklichere Variante sind 24h oder 48h Antiperspirants, sie unterdrücken das Schwitzen, was auf Dauer sehr ungesund ist und in wichtige Regulationsmechanismen des Körpers eingreift. Tägliche Körperpflege, sorgsame Reinigen der Kleidung und gute Lüftung in Innenräumen sind nahezu immer im Stande, unangenehme Körpergerüche im Rahmen des Erträglichen zu halten.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 13. Juli 2010

Literatur:

  1. Focus, Deopflicht, Wer stinkt fliegt raus, 6.7.2010
  2. Silvia K. Müller, Das Geheimnis von Parfüms, Studie findet Chemikalien, CSN, 12.05.2010
  3. Skin Deep, Safety guide to cosmetics and personal care products, Environmental Working Group, 2010
  4. Silvia K. Müller, Bevölkerung durch Duftstoffe und Parfums gesundheitlich beeinträchtigt, CSN, 02.04.2009
  5. Süddeutsche, Duftforschung – Gerüchen kann man nicht entkommen, 22.6.2010
  6. Silvia K. Müller, Synthetische Duftstoffe stellen für 20% der Angestellten ein Gesundheitsrisiko dar, CSN Blog, 16. 09.2008.
  7. Umweltbundesamt, Duft- und Aromastoffe nicht unüberlegt in Innenräumen einsetzen, 14.04.2000.
  8. Umweltbundesamt, Pressemeldung 34/2004, Ein unterschätztes Problem: Umweltbedingte Kontaktallergien, 22.04.2004
  9. Umweltbundesamt, Duftstoffe nicht wahllos einsetzen, 15.07.2004
  10. Silvia K. Müller, EPA Konferenz plädiert zur Rücksichtnahme auf Asthmatiker, 17.06.2010
  11. Silvia K. Müller, Vergleich bei Gericht: 100 000$ Entschädigung und Duftstoffverbot bei Behörden, CSN, 15.03. 2010
  12. Orriols R, Costa R, Cuberas G, Jacas C, Castell J, Sunyer J., Brain dysfunction in multiple chemical sensitivity, J Neurol Sci. 2009 Oct 2.
  13. Silvia K. Müller, Luftverschmutzung durch Deo. Hersteller muss 1,3 Millionen Dollar Strafe zahlen, 17.03.2010

7 Kommentare zu “Folgen einer Deo-Pflicht für Angestellte”

  1. Energiefox 13. Juli 2010 um 20:12

    Silvia danke für den Blog der ist prima.

    Es ist sehr gut das eine Frau sofort Anzeige erstattet hat.
    Schon öfter im Wald juckte mir die Nase, wenn ein stark parfümierter Sportler in meiner Nähe kam. Habe immer versucht viel Abstand zu halten.

    Also ich mag mir gar nicht vorstellen wenn es Pflicht würde, wie viele dann ihren Beruf wechseln müssten.
    Ist ja im Blog gut erklärt, dass immer mehr Leute von diesen chemischen Düften krank werden.

    Es ist schlicht eine Bevormundung die angedachte Deo – Pflicht.
    Ein Kollege sagte damals immer wehret den Anfängen. Deshalb ist es toll, dass sofort auf diesen Unsinn mit diesem Blog reagiert wurde.
    Es gibt genügend gesunde Alternativen, die im Blog aufgeführt sind.

    In den 68 iger Jahren wurde besonders gegen Bevormundung protestiert. Heute durch die Hintertür, weil die sogenannten Arbeitgeber mächtig geworden sind, (und die Arbeitklauer, Upps Arbeitnehmer fast ohnmächtig) fangen wieder solche Spielchen an. Ich habe ernsthaft den Verdacht die Parfumindustrie soll gesponsert werden. Leider in diesem Land wenn irgend eine Industrie Wachstum hat, es wird bejubelt, weil man meint damit Vollbeschäftigung erlangen zu können. Es wird aber dann oft überhaupt nicht hinterfragt brauchen wir so was, ist das Produkt umweltfreundlich, oder macht es uns sogar krank.

    Ich hoffe die Klage ist erfolgreich.

    Gruß Fox

  2. PappaJo 14. Juli 2010 um 00:34

    Das wird ja immer irrer hier im Land!
    Die Frau Ursula Frerichs sollte:

    1. Ihren Kopf untersuchen lassen und
    2. zur Sicherheit auch Ihre Nase !

    Nur weil “irgendjemand” “unwichtigerwelcher” ein Problem mit Schweißgeruch hat, sollen alle ungefragt jeden Tag penetrant ekelig und stinkende Deos riechen müssen sollen, oder wie.

  3. Karlheinz 14. Juli 2010 um 09:18

    Vielleicht sollte man stattdesen mal über eine Waschpflicht nachdenken. Wer dann noch Deo benutzt muß sich noch mal waschen. Dafür müssen die Betriebe dann ausreichend Waschräume bereitstellen.

  4. Juliane 15. Juli 2010 um 09:39

    Leider gibt es in unserem Land kaum Untersuchungen zu Innenraumschadstoffen aus Kosmetika.

    Die Fachhochschule Wiesbaden stieß bei einer Untersuchung von Schadstoffen im Klassenräumen allerdings auf ein erstaunliches Ergebnis:

    “Die Luft in Klassenräumen ist voller Allergene. Das erstaunliche Ergebnis einer Studie der Fachhochschule (FH) Wiesbaden belegt: Die meisten Allergie-Auslöser bringen die Jungen und Mädchen selbst mit in die Schule. Und zwar in Form von Haarspray, Deo, Lippenstift, Haargel und Co.

    “Wir haben schon in Grundschulen zahlreiche Substanzen gefunden, die aus Kosmetika stammen”, sagt Günter Stein, Professor für Umwelttechnik an der FH. Stein und seine 17 Studenten und Studentinnen waren von diesem Ergebnis selbst überrascht. Ursprünglich hatte das Forschungsteam nur nach Benzol und ähnlichen Schadstoffen gefahndet, wie sie im Straßenverkehr entstehen. “Die Werte aus diesen Messungen lagen deutlich unter den Grenzwerten, und wir hätten aufgehört zu forschen, wenn wir nicht schon interessante Spuren anderer Stoffe entdeckt hätten”, sagt Stein.

    Was sie in der exemplarischen Untersuchung fanden, waren massenhaft Duftstoffe wie Menthol, Carvon oder Lilial, die in Kosmetika, Körperpflegemitteln und Waschzusätzen enthalten sind. Zwei Drittel aller in der Luft auffindbaren Allergene, so das Ergebnis, stammten aus diesen Quellen. Der Rest hatte seinen Ursprung vor allem in Putzmitteln, mit denen Böden, Bänke und Tische gewischt werden. Weniger als zehn Prozent kamen aus dem Straßenverkehr.

    Die Studie der Fachhochschule Wiesbaden über die Belastung von Schulräumen mit Allergenen heißt Susi (Schulraumuntersuchung auf Schadstoff-Immission).

    Gesammelt wurden rund 20.000 Einzelwerte; dabei wurden 113 Substanzen erfasst und in ihrer Konzentration gemessen. Quelle der Allergene sind vor allem Kosmetika und Putzmittel.

    Die Stadt Rüsselsheim hat die Studie für ihre 17 Schulen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind beispielhaft auch für andere Schulen.

    Gesetzlich festgelegte Grenzwerte für Allergene gibt es nicht.Die Stoffe seien nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend, so Stein, in ihrer Konzentration allerdings bedenklich. Gerade mit Blick auf das noch nicht ausgereifte Immunsystem jüngerer Schülerinnen und Schüler könne man nicht ausschließen, dass durch die Raumluft tatsächlich Allergien ausgelöst würden.

    Stein empfiehlt daher, auf Kosmetika und parfümierte Pflegemittel bei Kindern weitgehend zu verzichten..”

    http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?em_cnt=1371054&sid=a0600adb6e037cac796d28325dd7a544

    Die Raumluftbelastung in Büros, Geschäftsräumen wird wohl ähnlich belastet sein.
    Das UBA /BfR wäre gefragt.

  5. Gerhard Becker 18. Juli 2010 um 19:40

    Ich kann dem bisher gesagten nur beipflichten.

    Wasser und duftfreie Naturseifen oder -waschmittel (Waschnüsse, Seifenkraut, Pflanzenseife, duftfeie, hyperallergene Seifen und Wascherde sind das Beste für die Haut. Als Deo wirkt eine Prise Natron unter den Achseln wahre Wunder (nicht zuviel nehmen, das kann auf Dauer reizen). Heilerde und diese duftfreie Deokristalle wirken auch, sind aber aluminiunhaltig, sind dennoch besser diese Chemodeos. Man kann sich nur wundern, wie fantasielos diese Mittelstand-Dame diesbezüglich ist. Das ist erheblich weniger wie Mittelmaß…

    Gruß Gerhard

  6. Galaxie 19. Juli 2010 um 13:47

    ich finde das toll, aber es muß sich für uns unbedingt gesetzlich was ändern, denn ich werde wie andere von meinen Nachbarn bedroht und und jedesmal ist das ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit mit Deo und Schad- sowie Duftstoffen. Von den Reinigungsfirmen meines Vermieters. – Leben kann ich wegen denen nicht mehr hier. Die Nachbarn schließen sofort die Luftklappen nachdem gereinigt wurde u.s.w.- Habe schon überlegt eine einstweilige Anordnung wegen Rufmord beim Amtsgericht bzw. Zivilgericht zu beantragen. Vom Vermieter kommt keine Hilfe.

    Grüsse von Galaxie!

  7. Duftstoff_NeinDanke_Fee 21. Juli 2010 um 21:39

    Tja, vom Sommerloch abgesehen, was soll aus einem derart duftstoffbenebelten Hirn auch rauskommen?
    Dieser Dame sollte mal ein riesiger Haufen Kuhscheisse vor die Nase gesetzt und ein Teil davon zwangsweise unter die Arme gerieben werden, damit die Erinnerung, wie Natur naturreineigentlich riecht, und nicht stinkt, zurückkommt. Unsereiner als Duftstoffgeschädigter weiß das zu schätzen, selbst dass Schweiss angenehm riechen kann, weil es einfach natürlich ist. Und hinterher einfach mit duftstofffreier Seife abwaschen – und nicht deodorieren!!! (Zwangsverhalten unterbinden). Waschen ist alles!, primäre Hygiene als solches. Muss dran denken, wie ich an einer Tanke zahlen wollte und mich ein derart widerlicher Parfümgeruch, der vom Kassierer kam, umwedelte, dass mir übel wurde. Ich fragte nach und der sagte doch promt in einer Selbstverständlichkeit, dass er sich gerade Deo unter die Arme gesprüht hat, weil er das Gefühl hatte, dass er stinke. Meine Frage war dann, was er denn von einfach mal waschen hält? denn jetzt stinke er so richtig – jedenfalls für mich…. große, fragende Augen… die Antwort bleibt offen….
    Duftstoffreie Grüße an alle – die arg gebeutelte Duftstoff_Fee

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