MCS bei japanischen Arbeitern nachgewiesen

Umweltkrankheit MCS bei japanischen Arbeitern nachgewiesen.

Chemikaliensensitivität  bei Industriearbeitern

Wissenschafter aus Japan untersuchten Arbeiter aus zwei großen Industriebetrieben, um herauszufinden, ob sie unter Chemikaliensensitivität (MCS) leiden und ob die Anzahl der von MCS betroffenen Arbeiter Schwankungen unterlegen ist.

Die Studie zeigte eindeutig, dass MCS unter japanischen Industriearbeitern existiert. Die Studie wurde im Januar 2014 in der medizinischen Fachzeitschrift „Environmental Health and Preventive Medicine“ publiziert.

Validiertes QEESI Diagnosetool bringt Resultate

Für ihre Langzeitstudie untersuchten die Wissenschafter Arbeiter aus zwei herstellenden Industriebetrieben in Kyushu. Um MCS bei den Arbeitern zu diagnostizieren, setzten sie das QEESI Diagnosetool (Quick Environmental Exposure and Sensitivity Inventory) von C. Miller ein und die japanischen MCS Fallkriterien. Beides hat sich in der Vergangenheit bei wissenschaftlichen Studien als zuverlässig erwiesen.

MCS bei Arbeitern in Industriebetrieben festgestellt

Die Arbeiter im Industriebetrieb A wurden 2003, 2006 und 2011 einer Untersuchung und Befragung unterzogen. Die Industriearbeiter des Betriebs B untersuchte man 2003 und 2011. Die japanischen Wissenschafter wollten mit dieser Vorgehensweise feststellen, ob die Chemikaliensensitivität der Arbeiter, über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, Schwankungen unterlegen ist.

Das Wissenschaftlerteam fand heraus, dass MCS im Jahr 2011 etwas häufiger bei Arbeitern nachgewiesen wurde als 2003. Sie zogen hierfür das QEESI Diagnosetool heran. Die japanischen MCS Kriterien erbrachten, dass MCS im Jahr 2011 häufiger bei Arbeitern vorhanden war als im Jahr 2006. Im zweiten Industriebetrieb war Chemikaliensensitivität 2011 weniger häufig als 2003, laut den Ergebnissen, die sich aus den japanischen MCS Fallkriterien ergaben. Die Unterschiede waren jedoch geringfügig und statistisch gesehen von untergeordneter Relevanz.

Japanische Arbeiter leiden unter MCS

Eindeutig war für die japanischen Forscher, dass MCS bei den Arbeitern in beiden Industriebetrieben existiert. Die Schwankungen waren minimal und ließen erkennen, dass MCS in diesen beiden Kollektiven keine steigende Tendenz hat.

MCS bei Arbeitern in Deutschland

Studien zur Feststellung von Chemikaliensensitivität bei deutschen Industriearbeitern gab es bislang nicht, außer einer Erhebung mittels Fragebogen von Werner Maschwesky aus dem Jahr 1998. Dass Chemikaliensensitivität auch bei deutschen Arbeitern jedoch existiert, wird von MCS Selbsthilfegruppen seit Jahren berichtet.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 2. Februar 2014.

Literatur:

Cui X, Lu X, Hiura M, Oda M, Hisada A, Miyazaki W, Omori H, Katoh T., Prevalence and interannual changes in multiple chemical sensitivity in Japanese workers, Environ Health Prev Med. 2014 Jan 30.

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Frohes neues Jahr für alle Umweltkranken!

CSN wünscht allen Umweltkranken Happy New Year.

CSN wünscht allen MCS Betroffenen und Umweltkranken einen guten Rutsch ins neue Jahr und dass 2014 viel Gesundheit für Euch bringen wird!

Das richtige und falsche Vorgehen bei Schimmelpilzsanierung

Man könnte nun unter diesem Titel schreiben: „Hängen Sie Hygrometer in Ihre Wohnräume. Achten Sie darauf, dass die relative Luftfeuchtigkeit irgendwo zwischen 40 und 60 % bleibt und sorgen Sie für ein regelmäßiges Stoßlüften.“ Klingt einfach, aber in der Praxis ist gerade der letzte Teil nicht immer einfach zu handhaben und ganz nebenbei, das ist auch nicht genug.

Schimmelwachstum begünstigt

Gehen wir ins Detail beim Wohnverhalten, so muss man auch die Art der Einrichtung einbeziehen. Zugestellte Außenwände, ohne jegliche Art der Hinterlüftung, ja das sind Naherholungsgebiete für viele Schimmelpilzarten. Ungestört, windfrei, kühl und damit auch fast immer ein wenig feucht… herrlich. Kommt dann noch eine organische Tapete, wie beispielsweise die Rauhfaser hinzu und eine, wunderbar schon x mal mit Dispersionsfarbe gestrichene Oberfläche, braucht es noch nicht mal Staub zur Ernährung des unerwünschten Mitbewohners.

Nur richtiges Lüften verhindert Schimmel

Auch hier eine Hypothese, die oftmals völlig falsch verstanden wird: „Diffusionsoffenheit sorgt für schimmelfreie Wohnumgebung.“ Ganz falsch ist es sicher nicht, das ist belegt, aber pauschal in den Raum gestellt, ist es auch nicht ganz richtig. Gardinen, Sofas, Teppichboden und selbst die Bettwäsche – alles in der Regel diffusionsoffen und somit auch alles hervorragend in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Aber wie schnell geht das Aufnehmen und wie lange dauert es, bis diese Produkte wieder trocken sind. Kurz und knapp: Die Feuchtigkeitsaufnahme geht sehr schnell, das abgeben jedoch, das dauert. Mit einem oft angeratenen, zweimaligen, je 10 Minuten dauerndem Stoßlüften, werden Sie in nahezu allen Fällen noch nicht einmal die Bettwäsche vom nächtlichen Schwitzen trocken bekommen. Steht dazu noch der Wäscheständer mit frisch gewaschener und somit auch nasser Wäsche noch irgendwo im Raum, schon gleich gar nicht. Kommt hierzu noch das tägliche Duschen, eine wunderschön anzusehende aber dennoch üppige Zimmerpflanzenkultur, ein wenig Kochen, das ein oder andere Haustier – ja auch das atmet und erzeugt damit Feuchtigkeit, hier eine Obstschale, dort ein wenig Gemüse, im Badezimmer Opas Wasserglas mit der eingelegten Zahnprothese, im Wohnzimmer das Aquarium für Papas Hobby und, und, und, wird es immer schwerer, die Luftfeuchtigkeit in einem Rahmen zu halten, der eben nicht dazu beiträgt, Schimmelpilze ungewollt im Wachstum zu fördern. Kurzum, es braucht kein Loch im Dach, ganz normales Wohnverhalten, reicht völlig aus, um nicht nur zweimal am Tag, sondern vielleicht auch 5 mal am Tag ordentlich lüften zu müssen und oft reichen da auch nicht nur 10 Minuten, manchmal dürfen es auch 20 oder 30 Minuten sein.

Wie in einer Plastiktüte

Es gibt sogar Studien, welche nachgewiesen haben, dass bei einer ungünstiger Grundrissgebung, neuen, absolut dichten Fenstern und ungedämmten Altbauwänden, drei bis viermal am Tag für 20 Minuten quergelüftet werden muss und fast den ganzen Rest des Tages einige Fenster in Kippöffnung gehalten werden müssen. Ja, richtig gelesen, Kippstellung. Auch eine Lüftungsart, die ganz gerne mal pauschal negiert wird, aber eben auch nicht immer und grundsätzlich Unsinn ist.

Sie sehen, schon allein das Lüften ist im Grunde eine Studie für sich. Grundrezepte für das richtige Lüften, die für alle Wohnräume gelten, gibt es nämlich gar nicht. Wir alle sind Menschen mit ganz individuellen Lebensgewohnheiten und dummerweise auch noch ganz individuellem Nutzer-/Wohnverhalten und wir alle haben unterschiedlich geschnittene Wohnräume. All das verbietet schlecht hin einem Fachmann, generelle Lüftungsanweisungen zu erstellen. Was nur bedeuten kann, dass man Lüftungsratschläge nur dann geben kann, wenn man sich vor Ort umgeschaut hat.

Ein Fachmann geht vor Ort und rät nicht blind am Telefon

„Vor Ort sieht“, dieses sollten Sie aufmerksam im Kopfe behalten. Das vor Ort sehen, gilt für einen echten Fachmann nämlich auch dann, wenn tatsächlich schon ein Schimmelpilz im Wohnraum bzw. den Wänden, den Möbeln, oder wie auch immer vorhanden ist. Erwarten Sie von keinem Fachmann, dass er Ihnen durch eine kurze Erklärung am Telefon Ratschläge geben kann, die auch wirklich funktionieren. Erwarten Sie das genau so wenig, wie Ihnen ein Mediziner über das Telefon einen Blinddarm entfernen kann. Es geht schlicht und einfach nicht und wer dies trotz allem macht, ist ganz sicher kein Fachmann.

Schnelles Business, Schimmel schnell zurück

Ähnliches gilt, wenn Sie eine helfende und somit auch altruistische Beurteilung von Menschen erwarten, die Ihnen gleich im Gespräch auch noch eine Auftragsbestätigung zur Sanierung oder für den Kauf eines eigenen Produktes unterbreiten. Das sind keine unabhängigen Fachleute, das sind Unternehmer, die ganz andere Ziele verfolgen. Noch genauer, das sind Menschen, die Ihnen für die Beratung sicher keine Garantie geben. Sie werden für die Ausführung vielleicht eine bekommen und vielleicht auch für die verkauften Produkte, aber Gewährleistungen im Handwerk sind in manchen Fällen, ob nach VOB oder BGB, einfach zu kurz, insbesondere, wenn es um Schimmelpilzsanierungen geht. Durchaus oft kann man feststellen, dass eben der Schimmelpilz entweder versteckt und somit nicht sichtbar weiter wächst oder dessen Wachstum erst so richtig nach der üblichen Gewährleistung wieder loslegt. Viele bei einer Schimmelpilzsanierung eingesetzte Stoffe verlieren die fungizide Wirkung im Laufe der Gewährleistung, nicht schlagartig sondern nach und nach, relativ langsam. Ist sie erst mal weg, hat der Pilz wieder freie Bahn und bis Sie die Frucht des Pilzes, also den schwarzen, roten oder braunen Fleck an der Wand sehen können, hat er schon ein ordentliches Wurzelgeflecht darunter erschaffen.

Kostenfreie Beratung von selbsternannten Experten

Wie man ordentlich fehlberaten kann, habe ich erst kürzlich erlebt. Eine Haubesitzerin schrieb mir eine sehr umfangreiche E-Mail, in der sie mir mitunter erklärte, dass Ihr Außenputz absandet und großteils auch schon abgefallen ist. Sie versuchte sicher, mir so viel wie nur möglich in das Schreiben zu packen, offensichtlich, da sie günstig ein paar heilende Zeilen zur Antwort wollte. Natürlich klingeln bei mir die Alarmglocken, wenn ich höre, dass der Außenputz mehr Schein als Sein aufweist, aber allein das reicht bei weitem nicht, um seriös eine wirklich helfenden Ratschlag geben zu können. Von daher antwortete ich Ihr, dass ich das vor Ort sehen, eventuell auch die eine oder andere Messung vornehmen und mir vor allem auch einen Gesamteindruck zur fachlich korrekten Beurteilung schaffen muss. Es dauerte keine 24 Stunden, als Sie mir wiederum antwortete, dass zufällig der Vertreter eines Antischimmelproduktes bei Ihr auftauchte, der gleiche Vertreter, der ihr eben ein solches Produkt vor einem Jahr verkaufte, um damit den nun wohl wieder vorhandenen akuten Schimmelbefall zu beseitigen. Er traf wohl die Aussage, dass der defekte Außenputz und all die anderen Dinge nichts mit dem Schimmel zu tun haben würden und das … wie getippt vor einem Jahr … aufgetragene Antischimmelmittel eine Zeit braucht, um wirklich seine Wirkung zu entfalten. Sie bedankte sich letztendlich für meine Antwort und traf die Aussage, dass mein Erscheinen nun nicht mehr nötig sei. Die Beratung des Verkäufers war natürlich, zumindest nachdem was mir mitgeteilt wurde, völliger Schwachsinn, aber aus Erfahrung weiß ich, dass jeder weitere Kommentar von mir kaum mehr Beachtung finden würde. Diese Dame war sich des Ernstes der Lage nicht bewusst und wollte sich diesem wohl auch nicht bewusst werden – sie wollte keine Begutachtungskosten, sie wollte kostenfrei beraten werden und nichts weiter. Da kann ich als Sachverständiger nicht viel machen, ich berate, nachdem ich gesehen habe, sehr eindringlich in Bezug auf mögliche Kosten, aber ich bin kein Kaufmann, ich bin Ingenieur, für mich ist die dauerhafte und fachgerechte Beseitigung jeglichen Schadens im Vordergrund und nicht die Zahl, die auf der Rechnung stehen wird.

Fachkundige Begutachten statt laienhafte Schilderung

In einem anderen Fall hat mich, zufälliger Weise auch wieder eine Hausbesitzerin angerufen und mir versucht, ihren Schimmelschaden zu erklären. Auch hier habe ich die Aussage getroffen, dass ich mir die Sachlage vor Ort ansehen müsste. Am Rande: Das, was ein Bauherr laienhaft versucht, fernmündlich zu erklären, stellt sich vor Ort zu fast 100 % ganz anders heraus – ergo, es ist nur wenig hilfreich, wenn man als Laie lange versucht zu erklären. Wir Sachverständige werden Ihnen vor Ort die Fragen stellen, die auch wirklich relevant sind, bzw. erklären Sie vor Ort, wenn der Kollege dabei ist, das ist sinnvoller. Aber zurück zum Beispiel. Diese Hausbesitzerin erklärte mir, dass bereits ein Baubiologe vor Ort war und den optisch sichtbaren Schimmel auch messtechnisch festgestellt hat. Er hat also die schwarzen Flecken auf der Wand als Schimmel eingestuft und festgestellt, dass Schimmelsporen in der Luft sind. Nein, er hat keine labortechnische Untersuchung durchgeführt, mit der die Art des Pilzes hätte festgestellt werden können. Er hat lediglich das optisch bereits vorhandene noch mal mündlich bestätigt….. und eine Rechnung über 820 Euro geschrieben. Zusätzlich waren alle 4 Familienmitglieder in einer Privatpraxis eines Umweltarztes, der wohl feststellte, dass die Bewohner tatsächlich eine erhöhte Menge an Schimmelsporen im Körper hatten …. und auch er schrieb wohl eine Rechnung, dieses Mal irgendwas um die 1.800 Euro. Neben diesem hatte die Dame auch etliche weitere teils recht absurde Maßnahmen ergriffen, aber die will ich hier nicht wirklich aufzählen. Alleine der Baubiologe und der Umweltmediziner haben ihr also 2.620 Euro abgenommen, rein nur um das zu bestätigen, was ohnehin schon klar war. Nun das schwer Verdauliche. Auf meine Antwort, dass ich mir das ansehen müsste, um wirklich eine seriöse Aussage zu treffen, antwortete sie, dass Sie kein Geld hätte für eine Begutachtung, eigentlich, nur jemand wolle, der ihr kostengünstig den Schimmelschaden beseitigt. Nun ich gebe gerne Hinweise zu ausführenden Firmen, wenn ich sie kenne und weiß, dass ich das guten Gewissens machen kann, in aller Regel schreibe ich auch die Sanierungsvorschläge dafür, aber ich lege auch höchsten Wert darauf, tatsächlich unabhängig zu sein und mit meinem Beruf Menschen helfen zu können. Dabei irgendwelche Adressdateien nach günstigen Schimmelpilzsanierern zu durchsuchen, gehört hier nicht zu meinen Aufgaben. Die Schimmelpilzsanierung an sich orientiert sich, nicht am Preis sondern, rein nach dem Umfang der Arbeit.

Ferndiagnostik geht ins Geld und kostet Gesundheit

Das waren nun zwei Fälle, von etlichen mehr, die ich, und sehr wahrscheinlich auch viele andere Fachkollegen, fast schon wöchentlich in dieser Art im Büro erlebe. So zusammengefasst, erkennen Sie sicher auch wie absurd solche Vorgehensweisen sind. Sehr viele Menschen geben viel Geld für Sachen aus, die vollkommen sinnbefreit sind. Tun Sie das bitte nicht. Sollten Sie Schimmel anderorts als auf dem Käse haben, dann verinnerlichen Sie sich doch bitte, dass ein Schimmelbefall nicht durch eine Discountberatung zu bewältigen ist, die mal eben über eine Ferndiagnostik zu heilen ist. Auch aus der Ferne versprochene Pauschalangebote hierzu, ohne wirklich Kenntnis davon zu haben, um was es sich nun genau handelt, ergo tatsächlich gesehen zu haben, was los ist, sind äußerst unseriös. Gerade bei solchen Schadensfällen spielen dermaßen viele Komponenten eine Rolle, dass es einfach nicht anders geht, als vor Ort die Gegebenheiten zu untersuchen. Bevor Sie ihre vielleicht knapp bemessenen finanziellen Mittel zwecklos verteilen, rufen Sie sich gleich von Beginn an einen NEUTRALEN Bausachverständigen, dieser wird Ihnen zwar sicher keine Benefizveranstaltungen vorführen, aber er wird Ihnen sehr genau sagen können, welche Schritte zur Behebung Ihres Schadens von Nöten sind und er wird, falls es denn nötig ist, auch weitere kompetente Fachleute hinzuziehen, dies wiederum in einer für Ihren Fall sinnvollen Reihenfolge.

Autor: Gerhard Holzmann, Sachverständigenbüro Holzmann-Bauberatung, 9. Januar 2013

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Blog Sachverständigenbüro Holzmann Bauberatung

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REACH wirkt – Auf Anfrage Auskunftspflicht für über hundert Stoffe

Strengere Vorschriften auch für Umweltgifte in Outdoorkleidung

Für eine Vielzahl an Chemikalien gelten von nun an schärfere Vorschriften. Dies sieht die europäische Chemikalienverordnung REACH vor. Davon betroffen sind unter anderem wasser- und fettabweisende Stoffe wie vier perfluorierte Carbonsäuren (PFC). Wegen ihrer schädlichen Wirkung auf die Umwelt werden sie zu besonders besorgniserregenden Stoffen. Eingesetzt werden PFC auch in Outdoorkleidung. Verbraucherinnen und Verbraucher haben nun das Recht beim Händler über diese Stoffe Auskunft zu erlangen. Das trifft auch auf 50 weitere Chemikalien zu. Das Umweltbundesamt (UBA) ist maßgeblich an der Identifizierung solcher Stoffe beteiligt. Jochen Flasbarth: „Wenn die REACH-Verordnung konsequent angewendet wird, ist sie ein wirksames Instrument für den Umwelt- und Verbraucherschutz. Durch die bessere Regulierung der Chemikalien sparen wir eine Menge an Gesundheits- und Umweltkosten.“

Schärfere Bestimmungen gibt es für vier perfluorierte Chemikalien, die wegen ihrer wasserabweisenden Eigenschaften unter anderem für Outdoorkleidung verwendet werden. Wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften werden sie in einer Vielzahl von Verbraucherprodukten wie Textilien, Kochgeschirr oder Papier eingesetzt. PFC sind in der Umwelt sehr stabil, sodass sie weltweit in allen Umweltmedien gefunden werden, vor allem in Flüssen und Meeren. PFC können sich auch entlang der Nahrungskette anreichern und lassen sich in Blut und Muttermilch von Menschen und Tieren nachweisen. Daher wurden nun vier Vertreter als besonders besorgniserregende Stoffe eingestuft und als solche durch den Ausschuss der Mitgliedstaaten der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA in die REACH-Kandidatenliste aufgenommen.

Aktuell hat der Ausschuss der Mitgliedstaaten der ECHA über sechs Dossiers des UBA beraten. Neben der Aufnahme der vier PFC wurden auch Nonylphenol und die Gruppe der Oktylphenolethoxylate auf die Kandidatenliste gesetzt. Nonylphenol ist ein hormonell wirksamer Stoff, der u.a. als Hilfsmittel zum Herstellen von Textilien sowie in Harzen und Lacken eingesetzt wird. Oktylphenolethoxylate kommen in Farben, Lacken und Klebstoffen vor. Gelangen sie über das Abwasser in Kläranlagen und Gewässer, kann sich das hormonell wirksame Oktylphenol bilden. Insgesamt identifizierte der Ausschuss 54 weitere Stoffe als besonders besorgniserregend. Damit ist das von der EU Kommission gesetzte Ziel erreicht, bis Ende des Jahres 136 Stoffe auf der Liste zu haben.

Auf die REACH- Kandidatenliste gehören Stoffe mit krebserregenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften; Stoffe, die langlebig und giftig sind und sich in Organismen anreichern und – nach einer Einzelfallentscheidung – Stoffe, die auf das Hormonsystem wirken. Mit der Aufnahme in die Kandidatenliste erlangen Verbraucherinnen und Verbraucher ein Auskunftsrecht. Auf Nachfrage müssen Hersteller, Importeure oder der Handel darüber informieren, ob ein besonders besorgniserregender Stoff in einem Produkt enthalten ist. Am einfachsten geht das online mit einem Formular auf www.reach-info.de. Auf dieser Webseite lassen sich allein mit der Artikelnummer unter dem Strichcode des Produktes Anfragen an die Hersteller versenden. Weiterhin können gelistete Stoffe einer Zulassungspflicht unterworfen werden. Sie dürfen dann nur noch nach vorheriger behördlicher Genehmigung vermarktet und genutzt werden. Ziel der REACH-Verordnung ist es, dass diese Stoffe schrittweise durch geeignete Alternativstoffe oder -technologien ersetzt werden.

Jochen Flasbarth:

„Auch künftig bleibt viel zu tun beim Schutz der Umwelt und des Menschen vor schädlichen Auswirkungen von Chemikalien. Die Mitgliedstaaten, die EU-Kommission und die ECHA arbeiten weiter intensiv daran, die Kandidatenliste zu ergänzen. Die Europäische Kommission hat sich das Ziel gesetzt bis 2020 alle relevanten besonders besorgniserregenden Stoffe auf die Kandidatenliste zu bringen. Derzeit wird auf EU-Ebene diskutiert, auf welchem Weg dieses Ziel am besten erreicht werden kann.“

Das UBA hat intensiv an der Identifizierung von besonders besorgniserregenden Stoffen mitgearbeitet. Seit Inkrafttreten von REACH Mitte 2006 erstellte es Dossiers für 18 Stoffe. Davon gelangten 13 auf die Kandidatenliste. Jochen Flasbarth: „Das UBA hat bei REACH Pionierarbeit geleistet. Mit Oktyl- und Nonylphenol hat es die ersten Stoffe auf die Kandidatenliste gebracht, die alleine wegen ihrer hormonähnlichen Wirkungen als besonders besorgniserregend gelten.“ Oktylphenolethoxylate sind die erste Stoffgruppe, die ausschließlich aufgrund ihres umweltrelevanten Abbauproduktes (Oktylphenol) als besonders besorgniserregend gilt.

Autor: UBA, Dessau, 01/2013

Weitere Informationen und Links

Anfragen zu besonders besorgniserregenden Stoffen in Alltagsprodukten kann man hier stellen:

REACH-Beratung und Information:

Frohes Neues Jahr, Happy New Year

Guten Rutsch,

alles Gute und viel Gesundheit im Neuen Jahr,

wünscht Euch das

CSN Team


Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsengel hat ein großes Herz

Sternenstaub überall

Die Katze des Nachbarn saß seit Stunden auf der Mauer des Hauses gegenüber. Fast regungslos schaute sie in ein und dieselbe Richtung, ganz als ob sie auf etwas warten würde. Aber auf was bloß? Na ja, vielleicht freute sie sich auch einfach über die warmen Sonnenstrahlen, die uns den ganzen Nachmittag schon verwöhnten. Ich machte mir einen Tee und schaute dem hübschen Tier als Entspannung zu.

Über Nacht war es frostig geworden und als ich an jenem Morgen aufwachte, lag draußen Schnee. Fast jeden Tag war es um 20°C gewesen und jetzt war es über Nacht Winter geworden. Plötzlich drehte die Katze den Kopf nach hinten und schaute wie gebannt auf etwas, was wohl herannahte. Das nächste, was ich erblickte, war silbrig glitzerndes Licht und ein Funkeln. „Ooh, wie schön, wie wunderschön“, murmelte ich vor mich hin und kaum zu Ende gesagt, stand eine helle Gestalt vor meinem Fenster. Ich kann nicht sagen, wer von uns beiden mehr lächelte. Es war mein Freund der Weihnachtsengel, der da draußen stand. Hastig öffnete ich das Fenster und schon umschlossen mich zwei zarte Flügel und Sternenstaub füllte das ganze Büro.

„Endlich wieder hier“, sagte der Weihnachtsengel mit leuchtenden Augen. „Was für eine Freude“, erwiderte ich und umarmte ihn nochmals. Wir ließen uns zusammen auf das Sofa plumpsen, was zur Folge hatte, dass wir mitten in einer Sternenstaubwolke saßen und gleichzeitig husten und kichern mussten. Magst Du einen heißen Adventstee, lieber Weihnachtsengel“, fragte ich ihn. Er konnte nur nicken, so war er noch am Lachen. Als ich aus der Küche kam und den dampfenden Tee vor ihm hinstellte, gab er mir etwas in die Hand. Es war ein gerollter Zettel. „Mach ihn erst auf, wenn ich weg bin, es soll eine Überraschung sein“, sagte der Weihnachtsengel, den Tee dabei schlürfend. „Erzähl, erzähl, erzähl,…wie war es bei Euch das ganze Jahr über, was machen die Leute mit Allergien und die mit Chemikaliensensitivität? Wie geht es ihnen, bekommen sie jetzt mehr Hilfe und Unterstützung?“, fragte er.

„Vielen geht es nicht so gut, besonders schwer haben es die Chemikaliensensiblen “, antwortete ich ehrlich. Der Weihnachtsengel stellte hastig die große Teetasse ab und schaut mich besorgt an. „Bekommen sie Hilfe?“; fragte er mit erschrockener Stimme. „Nein, zumindest nicht in dem Umfang, wie es nötig und angemessen wäre“, erwiderte ich ihm. Der Engel hauchte: „Ich hab es mir fast gedacht.“ Dann berichtete ich ihm von den vielen Bemühungen der umweltkranken Menschen seit seinem letzten Besuch. „Wir haben gemerkt, dass Ihr Euch bemüht bis ans Ende eurer Kräfte, und so kann es tatsächlich nicht weitergehen. Sag mal, wie ist es sonst wo, ich meine in anderen Ländern. Ist es da besser?“

„Ja, in einer ganzen Reihe von Ländern ist es besser. Australien zum Beispiel. Dort haben drei große Provinzen Leitlinien geschaffen, die Krankenhäuser in die Lage versetzen, chemikaliensensible Patienten aufzunehmen und medizinisch zu versorgen. Von etwas über 20 Millionen Australiern sind rund 8 Millionen durch diese MCS Leitlinien abgedeckt, “ berichtete ich.

„Na, das ist eine hervorragende Nachricht. Siehst Du, ein Wandel ist im Begriff sich zu entfalten, “ sagte der Weihnachtsengel. „So einfach ist das nicht, wir bekommen erwidert, das sei in anderen Ländern und damit habe es für Deutschland keine Gültigkeit, “ erläuterte ich. Wusch… machte es und der Engel schlug mit seiner Flügelspitze auf den Tisch. „Papperlapapp, was für ein Blödsinn ist das denn? Die Behörden sollten sich da lieber eine Scheibe vom anderen abschneiden und ihr Wissen bündeln, um den Umweltkranken zu helfen“, sagte der Weihnachtsengel mit scharfer Stimme.

„Das sollten sie“, entgegnete ich traurig, „denn das Elend ist schon zu groß und es macht auch keinen Sinn, die Chemikaliensensiblen zu ignorieren. Es werden dadurch nicht weniger.“ Der Engel blickte mir in die Augen und sagte mit fester, überzeugender Stimme: „Ihr werdet die Gewinner sein, glaub mir. Ihr müsst nur durchhalten und macht weiter mit Eurer Aufklärungsarbeit. Jeder Einzelne von Euch, ganz wie er kann und Kraft hat. Unterstützt Euch gegenseitig beim Verbreiten der Informationen und glaub mir, es gibt viele Menschen da draußen, die großes Verständnis für Euch haben. Eine ganze Menge von ihnen hat selbst auch Probleme mit Allergien oder reagiert auf Chemikalien im Alltag. Erzählt diesen Menschen ruhig, dass es in anderen Ländern Unterstützung gibt für Menschen wie Euch und dass man dort Regelungen, Leitlinien und Gesetze geschaffen hat. Und, vergesst den Unsinn, dass es nichts wert ist, was in anderen Ländern Gutes umgesetzt wird, damit Allergiker und Umweltkranke Teil der Gesellschaft sein können. Sagt denen einfach: „Ja, und die Erde ist eine Scheibe“, mehr nicht, belasst es dabei. Man wird zur Kenntnis nehmen, dass man Euch nicht ignorieren kann. Die Änderungen werden nicht in wenigen Wochen zu schaffen sein, aber in Monaten schon.“ Als der Weihnachtsengel seine Worte beendet hatte, stand er auf und zeigte dabei auf den gerollten Zettel, den er mir anfangs gegeben hatte. „Da steht alles drin, macht es so“, sagte der Engel mit zwinkernden Augen. „Zupf mal“, meinte er dann. „Wie zupf mal? “, fragte ich ihn. „Na, eine Feder aus meinem Flügel. Zupf eine raus.“ „Aber warum das denn?“, fragte ich ihn mit großen Augen. „Noch nie gehört dass die Federn eines Weihnachtsengels Stärke verleihen und alles gelingen lassen?“, entgegnete er und reichte mir eine große Feder aus seinem Flügel.

Noch einmal zeigte der Engel auf den gerollten Zettel, öffnete dabei das Fenster und sagte zum Abschied: „Ihr habt viel mehr Einfluss und Kraft als Ihr glaubt, jeder einzelne von Euch. Hab Selbstvertrauen, seid mutig, und Ihr seid viele. Verzagt nicht.“ Ein frostiger Windstoß kam durch das Fenster herein und löste Sternenstaub aus den Flügeln des Weihnachtsengels. Das ganze Zimmer glitzerte wie Tausende von Diamanten. Ich schaute zuerst auf die lange silberne Feder in meiner Hand und dann auf den gerollten Zettel auf dem Tisch und dachte dabei: „Was immer darin steht, es wird uns eine große Hilfe sein und wir werden es schaffen.”

Autor: Silvia K. Müller, Weihnachten 2012

Dramatischer Anstieg von umweltbedingt Erkrankten zwingt zur aktiven Hilfe und Unterstützung

Engagement für Umwelterkrankte kommt allen zugute

Derzeit findet eine unterstützungswürdige Petition bei AVAAZ statt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet über den Anstieg umweltbedingter Krankheiten und nennt als Ursache die weltweite Vergiftung unserer Umwelt.

Europäische und deutsche Amtsträger verhindern die Verschlechterung der Lage der Bevölkerung nicht. Die bisherigen Gesetzesregelungen sollten dafür ausreichen und hätten eigentlich den heutigen Missstand verhindern müssen.

Jedoch gibt es eine ungünstige Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft – dazu 3 Beispiele:

Auch in Bezug zur direkten Hilfe für Umwelterkrankte, z.B. beim Berufsstand der Umweltmediziner oder bei Leitern von Kliniken und Krankenhäusern stößt man auf ein fragwürdiges Wirken:

Was sind Umwelterkrankungen?

Umwelterkrankungen (siehe Ärzteinformation) sind unter anderem folgende Krankheiten:

  • Multiple Chemikalien Sensitivität (MCS), WHO-ICD-10: T78.4
  • vielfältige ALLERGIEN, Duftstoffallergie, siehe oben MCS
  • Chronic Fatigue Syndrom (CFS)(ME), CDC/WHO 1988 – ICD-10: G 93.3
  • Toxische Enzephalopathie (TE), WHO 1985 – ICD-10: G 92
  • Elektrosensibilität (EMS)(EHS), WHO 2006 – ICD-10 Z58
  • Fibromyalgie-Syndrom (FMS), WHO-ICD-10: M79.70
  • Sick-Building-Syndrom (SBS), WHO 1982 – ICD-T75.8
  • und-oder schwerwiegenden Atemwegerkrankungen

Häufig werden aber auch nur Depressionen, Burnout, Trauma, psychosomatische Störungen und Persönlichkeitsstörungen, Reizdarm, Augenreizung, Allergie, Müdigkeit, Reizhusten, Asthma, Bronchitis, Kopfschmerzen, Migräne, ADS, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit, und vielem mehr genannt – ABER NICHT EINDEUTIG ERKANNT, ERFASST und den oben aufgelisteten UMWELTKRANKHEITEN zugeordnet!

Ein menschenwürdiger Umgang mit jenen chronisch Erkrankten findet leider nicht statt.

Die Gifte befinden sich häufig in Wohnungen, Umgebungsluft, Trinkwasser, Lebensmitteln, Putzmitteln, Hygieneartikeln und vielem mehr. Wir haben es täglich mit einer Überdosis an Kunststoffen (Weichmacher, Bisphenol A / BPA usw.), Chemikalien (Dioxin, Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Pestiziden usw.) Schwermetallen (Quecksilber, Blei usw.) , und bei weitem mit viel mehr zu tun. Für Schwerstkranke ist die notwendige Ausweichung dieser Umweltgifte ohne professionelle sowie staatlich regulierte Hilfe unmöglich.

Umwelterkrankte sind häufig je nach Schädigungen schwerstbehindert. Eigentlich sollte hier die UN – Behindertenrechtskonvention Abhilfe schaffen!

Der Schweregrad der Behinderung und die übliche \\\“Nichtzuständigkeit\\\“ der Behörden sowie Ärzteschaften, verhindern systematisch eine gesundheitliche Regelversorgung für derartig Betroffene.

Dadurch kommt es zu einem immer schwerer werdenden progressiven Krankheitsverlauf – bis hin zu Todesfällen. Personen mit Grundsicherungseinkommen (auch Harz IV, Rente wegen völliger Erwerbsminderung usw.) sind besonders schwer betroffen.

Jeder Mensch ist hochgradig gefährdet durch seine Umwelt zu erkranken und benötigt dann eine Krankenversorgung und Beistand.

Nur ein zügiges politisches Handeln kann weitere Diskriminierungen und Körperverletzungen verhindern.

Deshalb kann jeder mit einem minimalem Aufwand ALLEN helfen.

Unterstützt bitte folgende PETITION bei AVAAZ >>>

Umweltkrankheiten: Beschleunigte Einführung einer \\\“Behindertengerechten Übergangsregelung für Umwelterkrankte\\\“ (BÜfU)

Vielen Dank!

Krank durch den Beruf, Versicherung zahlt

MCS-Patient erhält 150.000,00 € aus privater Berufsunfähigkeitsversicherung

Heute möchte ich von einem weiteren Fall berichten (vgl. auch Artikel „Jungem Mann mit MCS wurde Rente gewährt“), der zeigt, dass es zwar schwierig ist, Ansprüche gegenüber Berufsunfähigkeitsversicherungen aufgrund einer MCS-Erkrankung durchzusetzen, dass dies jedoch – je nach Fallgestaltung – durchaus nicht aussichtslos sein muss.

In dem von mir vertretenen Fall lag bereits außergerichtlich ein Gutachten vor, das dem Kläger bestätigte, dass er aufgrund seiner MCS-Erkrankung in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu mindestens 50 % berufsunfähig ist. Aus diesem Grund wurden von der beteiligten Berufsunfähigkeitsversicherung zunächst auch Rentenleistungen gewährt, jedoch nur bis zum 31.01.2007.

Die weitere Zahlung über dieses Datum hinaus wurde noch im Anerkennungsschreiben mit der Begründung abgelehnt, mein Mandant sei mittlerweile an einen anderen Arbeitsplatz im selben Unternehmen versetzt worden und in Bezug auf diese neue, tatsächlich ausgeübte Tätigkeit nicht im erforderlichen Umfang berufsunfähig. Zudem sei er auch zulässigerweise auf diese neue Tätigkeit verweisbar, weil er in dieser dieselbe Lebensstellung innehabe wie in seiner bisherigen. Dies begründete die Versicherung vor allem damit, dass mein Mandant in der neuen Tätigkeit dasselbe Einkommen erzielte, wie in der bisherigen.

Sowohl außergerichtlich als auch im erstinstanzlichen Verfahren vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth machte ich geltend, dass eine Verweisung meines Mandanten auf die neue Tätigkeit unzulässig sei, da diese gerade nicht seiner bisherigen Lebensstellung entspreche. Denn nach der Rechtsprechung des BGH komme es nicht allein darauf an, dass in der neuen Tätigkeit dasselbe Einkommen erzielt wird wie in der bisherigen, sondern entscheidend auch darauf, ob die neue Tätigkeit in Bezug auf die dafür erforderliche Ausbildung und die zur Ausübung erforderlichen Kenntnisse vergleichbar ist. Dies jedoch sei nicht der Fall.

Die zur Frage der Vergleichbarkeit der bisherigen Tätigkeit mit der neuen Tätigkeit durchgeführte Beweisaufnahme verlief zu Ungunsten des Klägers, gleich zwei Zeugen sagten aus, beide Tätigkeiten seien auch in Bezug auf die zur Ausübung erforderlichen Kenntnisse vergleichbar. Das Gericht gab daher mit deutlichen Worten zu erkennen, dass der Kläger das Klageverfahren nach dem bisherigen Verlauf der Beweisaufnahme wohl verlieren werde.

Ich bat daher um eine Unterbrechung der Verhandlung und riet meinem Mandanten, auf die Vernehmung des letzten Zeugen zu verzichten und sich auf einen Vergleich mit der Gegenseite einzulassen, sofern sich diese trotz des für sie positiven Verlaufs der Beweisaufnahme überhaupt noch vergleichsbereit zeige. Bereits zu Beginn des Termins hatte diese 130.000,00 € als Vergleichssumme angeboten, die der Kläger zunächst jedoch ablehnte. Trotz des für die Beklagte positiven Verlaufs der Beweisaufnahme konnte ich es schließlich erreichen, dass diese ihr Angebot sogar noch erhöht, so dass ein rechtswirksamer Vergleich über 150.000,00 € zu Stande kam.

Autor:

RA Dr. Burkhard Tamm, Fachanwalt für Medizinrech, Würzburg, www.tamm-law.de

Weitere Artikel von RA Dr. Burkhard Tamm:

Kranke helfen Kranken

Ohne Hilfe von Gesunden können Umweltkranke bei Hilfsaktionen selbst zum Notfall werden

Es ist hoch anzurechnen, wenn ein Kranker dem anderen Kranken hilft und ihn bei einem Notfall womöglich sogar rettet. Im Bereich Umweltmedizin gestaltet sich die Hilfe nicht ganz einfach. Es fehlt an Krankenhäusern, die Umweltkranke mit einer ausgeprägten Chemikaliensensitivität (MCS) aufnehmen können. Um Wohnraum, der für MCS Kranke geeignet wäre, ist es genauso schlecht bestellt. Weil sich die Versorgungssituation für Umweltkranke nicht verbessert hat in den vergangenen fünfzehn Jahren, kommt es in gewissen Abständen zu Notfällen. Plötzlich sind die eigenen vier Wände nicht mehr tolerierbar und der Umweltkranke bräuchte ein Notfallquartier, wenn die Familie oder Freunde nicht einspringen kann. Noch dramatischer wird es, wenn medizinische Versorgung notwendig, aber nicht verfügbar ist.

Helfen ja, aber nicht über die eigenen Möglichkeiten hinaus

In Vergangenheit halfen Mitglieder des CSN Forum, dem größten Forum für Umweltkranke mit MCS in Europa, immer einmal wieder anderen MCS Kranken. Sie boten Wohnraum an, halfen bei organisatorischen Belangen und sie gaben emotionalen Beistand. Manche unterstützten Notfälle sogar finanziell, obwohl sie selbst nichts übrig hatten. Es gab Fälle, bei denen der Helfer kränker war als der Notfall und dieser bei der Hilfsaktion Schaden nahm. Körperlich, Wohnraum-mäßig und finanziell. Das ist traurig und erinnert an das Sprichwort:

„Ein Blinder kann den anderen Blinden nicht über die Straße führen.“

Bei MCS ist es ähnlich, vielleicht sogar noch komplexer. Nicht jeder an MCS Erkrankte reagiert auf das Gleiche wie ein anderer. Schon aus dieser Tatsache heraus kann es sehr problematisch werden, wenn man jemanden im eigenen schadstoffkontrollierten Wohnraum aufnimmt. Sind die Habseligkeiten des Notfalls nämlich mit Schadstoffen, Duftstoffen, Schimmel kontaminiert oder einem für den anderen unverträglichen Waschmittel, kann ein Alptraum seinen Lauf nehmen. Jeder, der seit Jahren unter Hypersensitivitäten auf Chemikalien reagiert, weiß was gemeint ist. Eine kontaminierte Waschmaschine wieder clean zu bekommen kann Wochen dauern. Selbst über die eigenen Kräfte hinausgehen und keine Ruhe mehr finden, neben chemischen Belastungssituationen, führt zwangsläufig zu Verschlechterung des Gesundheitszustandes.

Ein Fallbeispiel:

Eine an MCS erkrankte Person musste innerhalb von Stunden aus der eigenen Wohnung. Ein Umweltkranker nahm sie auf und holte den Notfall sogar im eigenen Auto ab. Die Habseligkeiten des Notfalls waren kontaminiert. Die Person selbst benutzte herkömmliche Körperpflegemittel und selbst mit Duschen und Kleidung mehrmals waschen blieb die Situation problematisch. Zusätzlich übte die Familie des Notfalls Druck aus und die Person hatte finanziell nichts, um einen Beitrag zu den entstehenden Mehrkosten und Nahrung beizutragen. Weil die kranke Person kein Ausweichquartier fand, zog sich die Situation über Wochen hin. Andere Umweltkranke gaben emotionalen Beistand und schickten finanzielle Notpflaster. Zu guter Letzt ging es dem Helfer selbst so schlecht, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte und mühsam erarbeitete gesundheitliche Besserung war vernichtet. Am Ende stand der Mann mit deutlich reduziertem Gesundheitszustand, einer kontaminierten Wohnung und einem Verlust von mehreren Hundert Euro da. Der Fall mag sich krass anhören, es ist leider kein Einzelfall.

Thommy’s Blogfrage der Woche:

  • Kann ein Umweltkranker einen MCS-Kranken in Not aufnehmen?
  • Welche persönlichen Erfahrungen, Situationen, habt Ihr als Helfer erlebt?
  • Gab es heftige Probleme, auch mit Nachwirkungen für Euch?
  • Würdet Ihr nochmals Hilfe über ein gewisses Maß hinaus geben?
  • Kennt Ihr heute eine Ausweichstrategie?
  • Gibt es Institutionen, Räumlichkeiten, wohin man einen Notfall vermitteln könnte?
  • Wie beurteilt Ihr die Situation, kann ein selbst schwer an MCS Erkrankter eigentlich einem anderen schwer an MCS Erkrankten helfen?

 

Weitere Blogfragen zu umweltmedizinischen Themen: Thommy’s Blogfrage

Pestizide – Reduktion des Einsatzes unabdingbar

Bioland: Aktionsplan der Bundesregierung unzureichend

Bioland kritisiert den jetzt von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf des „Nationalen Aktionsplans zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“ (NAP). „Der Pestizid-Aktionsplan der Bundesregierung kann in der vorliegenden Form keinen Beitrag dazu leisten, die negativen Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf Menschen, Pflanzen, Tiere, Böden und Gewässer nachhaltig zu vermindern. Es bedarf erheblicher Nachbesserungen“, sagt Jan Plagge, Präsident von Bioland.

EU-Vorgaben verpflichten Deutschland zu diesem Aktionsplan, mit dem die Risiken der Verwendung von Pestiziden auf Mensch und Umwelt reduziert und die Abhängigkeit vom chemischen Pflanzenschutz verringert werden soll. Anfang 2013 soll der Aktionsplan in Kraft treten. Um diese Vorgaben umzusetzen, fordert Bioland von der Bundesregierung eine grundsätzlich andere Pestizid-Politik. Nur durch ehrgeizige Reduktionsziele zum Pestizideinsatz und eine Stärkung des ökologischen Landbaus kann der Aktionsplan seine Wirkung entfalten. Weitere Instrumente sieht Bioland in der Einführung einer Pestizidabgabe und dem Verbot besonders gefährlicher Pestizide für Bienen und Insekten, insbesondere der Wirkstoffgruppe der Neonikotinoide.

In einer heute veröffentlichten Stellungnahme zeigt Bioland die großen Defizite des Aktionsplans auf. Es fehlen wirksame Ziele und Maßnahmen, die tatsächliche Veränderungen im Pflanzenschutz bewirken. Gravierende Probleme wie der Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen, werden nicht ernsthaft angegangen. So gibt es in Deutschland nur noch halb so viele Vögel in der Agrarlandschaft wie vor 30 Jahren. Bioland macht die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und hochgiftigen Pestiziden, die viele Wildkräuter und Insekten vernichten, dafür verantwortlich.

Der Biolandbau wirkt sich dagegen positiv auf die Artenvielfalt und die Umwelt aus: „Ein Ziel des Biolandbaus ist der Erhalt und die Förderung einer hohen Biodiversität in der Agrarlandschaft. Unsere Bauern setzen keine chemisch-synthetischen Pestizide ein, pflanzen Hecken und säen Wildblumenstreifen, die zahlreichen Tierarten als Lebensraum dienen“, so Plagge. Das hohe Potential des ökologischen Landbaus zur Minderung der Pestizid-Risiken wird jedoch im NAP nur unzureichend genutzt. „Die Förderung des Biolandbaus muss zentraler Bestandteil des Pestizid-Aktionsplans werden“, fordert Plagge. So könnte er einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Ziel der Bundesregierung in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, 20 Prozent der Agrarfläche auf Biolandbau umzustellen, in den nächsten Jahren zu erreichen (Ist-Wert sind 6 Prozent).

Autor: Bioland, Mainz, 25. Oktober 2012.

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