Archiv der Kategorie ‘Gedichte, Geschichten‘

Sonntagsgedicht: Vergessen und verworfen

Vergessen und verworfen

-

Es ist unglaublich

wie man

mit einer Krankheit

die für

Andere

unerklärlich ist

ins Abseits gerät.

-

Man wird vergessen

obwohl man noch

da ist

man muss es

alleine tragen

und überhaupt

entstammt es

nur

dem Kopf.

-

Vergessen wird man

weil man

nicht mehr

dabei ist

Verworfen wird man

weil man

seine Denkweise

in bezug

auf MCS

nicht ändert.

-

Man ist selbst schuld.

-

Autor: Mona die Glasprinzessin für CSN – Chemical Sensitivity Network, 22.August 2010

Mona’s Geschichte: Mona die “Glasprinzessin” ein einsames Leben mit Wind und Wetter

Weitere Gedichte und Geschichten zu den Themen: MCS, Umweltkrankheiten, Umwelt

Sonntagsgedicht: Es geht weiter

WEITER

-

Es geht weiter

auch wenn

es manchmal

nicht

so scheint.

Das Leben findet

immer

einen Weg

und blüht

plötzlich

da wieder auf

wo man es

am Wenigsten

erwartet….

-

Es geht weiter

mit viel Mut

und Ansporn

mit Lebenskraft

und Vertrauen

und Hilfen

von lieben

Menschen

und vor allem

der Natur

mit all

ihren Facetten.

-

Autor: Mona die Glasprinzessin für CSN – Chemical Sensitivity Network, 1.August 2010

Photo: SKM

Mona’s Geschichte: Mona die “Glasprinzessin” ein einsames Leben mit Wind und Wetter

Weitere Gedichte und Geschichten zu den Themen: MCS, Umweltkrankheiten, Umwelt

Zeitkritisches Gedicht: Schneewittchens Apfel

selbstmord-programm?

oder

DIE hoffnung, die zählt

-

wann wird man je versteh’n,

dass gifte überall

-

zwar oft schön

wie schneewittchens apfel,

genauso tödlich,

nur schleichend

wie krokodile

im friedlich scheinenden fluss

-

millionen gnus setzen über

an’s andre ufer.

tausende von den ungetümen

unter wasser gezogen.

niemand stört

das plötzlich rote wasser -

naturprogramm!

-

millionen menschen

schaffen nicht mehr

das andre ufer

der schleichenden

gift-krokodile wegen.

niemand stört es

von den regierenden -

regierungsprogramm?

-

wann wird man je versteh’n,

dass gifte überall?

betroffen:

ALLE -

selbstmord-programm!

-

die mörder unter uns,

eines tages gerichtet

von dem,

der alle richtet

und vor allem

hoffnung gibt

-

es zählt nicht

die hoffnung,

die zuletzt stirbt,

es zählt DIE unsterbliche hoffnung

der unsterblichkeit.

-

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 27. Juni 2010

Weitere Gedichte von Gerhard:

So nicht! * Soll’n doch in die Klapse gehn * Muss fliehn * Du bist nicht allein * Lass uns lieber über Realitäten reden * Ein Lächeln * Deine Atemzüge * Und dann endlich * Immer noch nicht verstehen wollend * Nur weil ich hinabsteige * Selbstdiagnose * Verfluchtes Pack * Was bleibt von mir? * Niemand * Der Dolchstoß

Gedicht am Sonntag: Der Dolchstoß

Der Dolchstoß

-

Könntest stolz sein,

mit deinem Geruchssinn,

wie ein Spürhund,

wenn nicht die Peitschenhiebe wär’n,

die der Preis dafür.

-

Ständiges Bitten,

lautlos, leise gehofft

und auch gebrüllt:

“Verschont mich mit euren Gerüchen,

Giftgaswolken gleich,

jede Lebensregung durchdringend!”

-

Und dann dieses “Verständnis”,

-

diese/s Mitgefühl/s(-Losigkeit),

mit zärtlich ätzender Stimme:

“Meinst du wirklich nicht,

dass das psychisch ist?”

-

“Nein,

natürlich nicht.

Aber deine Frage

des Unverstandes,

baut mit am Turm,

auf denen DIE steh’n,

die schrein:

‘Seht doch, alles psychisch!’

-

Wie sich die Bilder gleichen:

Wie oft schon wurde die Wahrheit

weggesperrt,

geteert mit dem Vorwurf

der kranken Psyche,

gefedert mit Ignoranz.

-

Der Mensch glaubte das Wasser gebändigt,

Regentropfen sammelten sich zu Überschwemmungen,

-

schrien um so lauter die Wahrheit:

Wie rücksichtslos der Mensch!

-

Wir mögen noch Tropfen sein,

die Überschwemmung aber,

wird ein Dolchstoß sein!

-

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 20. Juni 2010

Weitere Gedichte von Gerhard:

So nicht! * Soll’n doch in die Klapse gehn * Muss fliehn * Du bist nicht allein * Lass uns lieber über Realitäten reden * Ein Lächeln * Deine Atemzüge * Und dann endlich * Immer noch nicht verstehen wollend * Nur weil ich hinabsteige * Selbstdiagnose * Verfluchtes Pack * Was bleibt von mir? * Niemand

Ölpest… und weiter spuckt das Ungeheuer

Ölpest… und weiter spuckt das Ungeheuer

Noch grün und frisch das Schilf am Meeresstrand,

Mangrovenwälder schützen manch Getier,

Fische tummeln sich im Wurzeldschungel -

ist nicht herrlich die Natur?

-

Da schwimmt leise ein Pelikan daher

mit unbekannten Federkleid.

Er putzt und putzt, was ihn einst schützte,

schon lähmt ihn DAS,

was des Menschen Wirtschaft schmiert.

-

Die Fischer fangen nicht mehr Fische,

sammeln ein den Tod vom Strand,

bevor das Gift kriecht auch in ihren Adern,

schleichend sterben sie auch dann.

-

Und weiter spuckt und kotzt das Ungeheuer,

das BP weckte am Meeresgrund.

Entsetzen, aufgeriss’ne Augen,

doch weiter geh’n Flüge und Verkehr.

Profit muss ständig sprudeln,

der Mensch nicht Willens zur Gegenwehr.

-

Wir haben nur diese eine Erde,

die Menschen eine blinde Herde,

folgend dem falschen Hirtenruf:

“Wollt ihr den totalen globalen Krieg

gegen Mutter Erde?”

Noch stürzend hinab, sterbend ihr Schrei:

“Jawohl, den wollen wir -

wenn wir auch krepieren dabei.”

Autor des Gedichtes: Gehard Becker, CSN-Chemical Sensitivity Network, 12. Juni 2010

Weitere Beiträge von Gerhard zum Thema Umwelt:

Weltumwelttag 2010 – Aus der Rede des/der Bundeskanzler/in im Jahre 20XX

“… und so fordern wir im Interesse der deutschen und europäischen Volkswirtschaft unsere lieben Bürgerinnen und Bürger auf, auch künftig nur an solchen Kranheiten zu erkranken, die unserer Volkswirtschaft durch die Erhöhung des Bruttosozialproduktes dienlich sind. Krankheiten oder Erkrankungen etwa, die einen hohen Verbrauch an pharmazeutischen Produkten, an medizinisch technischen Hilfsmittel, an orthopädischen Material, einschließlich von Prothesen und von Hygieneartikel nach sich ziehen, solche Krankheiten sind uns willkommen, vor allem wenn sie kurz vor und nach Erreichen des Rentenalters eintreten.

“Krankheiten” aber, die in erster Linie auf einem Konsumverzicht im Allgemeinen und auf den Verzicht von auf Erdöl oder Kohle basierenden Produkten, auf den Verzicht von konventionell hergestellten Lebensmitteln und deren industriellen Veredlung, auf den Verzicht von schulmedizinischen Behandlungsmethoden und von pharmazeutischen Produkten im Besonderen hinauslaufen, sowie auf einer dauerhaften “Schongang-Lebensweise” beruhen, solche “Krankheiten” sind für die Volkswirtschaft natürlich schädlich und müssen daher weiter ignoriert werden. Im Gesundheitswesen soll das weiterhin durch die bewährte Methode der Psychiatrisierung und Bagatellisierung geschehen, die Behörden wenden das Ignorieren und Einfordern von schulmedizinischen erstellten Gutachten an (die dabei ihrerseits natürlich die eben genannten Prinzipien im Gesundheitswesen anwenden) und die einfache Bevölkerung muss sich aus patriotischen Gründen motiviert fühlen, weiterhin solche “Krankheiten” als Macken und dergleichen anzusehen. Diese “Kranken” nerven ohnehin nur ihre eigene Familienangehörigen und die anderen Menschen. Es ist nicht hinnehmbar, dass ein etwaiges Umsichgreifen von solchen – nach meiner Einschätzung – psychischen Beschwerden, die westliche, freiheitliche, auf ständiges Wachstum und Konsum ausgerichtete Lebensweise gefährdet.”

Der/die Bundeskanzler/in wird gefragt, ob sie eine parlamentarische Zwischenfrage erlaube. Er/sie bejaht.

“Sehr geehrte/r Frau/Herr Bundeskanzler/rin, das Bienensterben und Sterben anderer, Blüten bestäubender Insekten, in Amerika und Europa haben verheerende Ausmaße angenommen. Weltweit sind Amphibien durch aggressive Pilze vom Aussterben bedroht. Kann es nicht sein, dass diese Insekten und Amphibien ebenfalls an Umweltkrankheiten leiden, wie die von ihnen angesprochene zweite Personen-gruppe?”

“Herr Abgeordneter! Ich habe keine zweite Patientengruppe angesprochen, sondern einen Unterschied gemacht, zwischen echten und vermeintlichen Krankheiten. Meinen sie im ernst,

Bienen und Amphibien können an vermeintlichen Krankheiten erkranken?” (Sowohl Gelächter als auch Buhrufe im Plenarsaal)

Zwischenruf: ” Aber sie sind doch krank!”

Empörte Reaktion der/des Kanzlerin/Kanzlers: “Das verbiete ich mir. Ich bin nicht krank!”

“Die Bienen und Frösche!” (Korrigierender Zwischenruf)

“Meine Damen und Herren, wir kommen vom Thema ab.”

Der/die Kanzler/in wird erneut gefragt, ob sie eine weitere Zwischenfrage gestattet, was er/sie – allerdings etwas gereizt – bejahte.

“Sehr geehrte Frau/Herr Bundeskanzler/in, als deutscher, europäischer Bürger, der abendländischen Kultur verpflichtet, möchte an den Aussagen des Buches der Bücher erinnern, wo es im Buch

Jesaja sinngemäß heißt, dass jeder sein eigenes Haus bauen und bewohnen, jeder unter seinem eigenen Weinstock sitzen würde usw.. Gäbe es insgesamt nicht bedeutend weniger Krankheiten -

vor allem umweltbedingte – wenn wir nach solchen Prinzipien leben würden, anstatt – wie es seit hunderten Jahren der Fall ist – dass man entweder vorwiegend für andere arbeitet oder überhaupt nicht, weil…”

“Genug”, unterbricht die/der Kanzler/in den Fragesteller sichtlich erregt. “Was soll dieses Steinzeit oder Aussteiger Gefasel?”

“Das ist kein Gefasel. Für die einen ist es eine biblische Hoffnung und für andere wenigstens eine ökologische Alternative.”

“Ach so. Dann können wir also die Hochhäuser, Banken, Industrieanlagen, die Großstädte plattmachen und die Autobahnen abschaffen? Auf was soll denn das bitte schön hinauslaufen?”

“Die Bienen könnten sich erholen!” (Zwischenruf)

“Ach hören sie mir mit den Bienen auf!”

“… und die Menschen wären gesund!” (Zwischenruf)

“Ach hören sie mir mit den Menschen auf!”

Die/der Bundeskanzler/in wacht schweißgebadet auf.

“Du Schatz, ich hatte einen furchtbaren Albtraum! Ich wollte vor dem Bundestag das mit den echten und vermeintlichen Krankheiten endlich klären und ehe ich mich versah, bin ich bei den Bienen und Umweltfragen gelandet. Sag mal, gibt es das Bienensterben wirklich?”

“Aber Schatz – dein Traum hinkt den Ereignissen hinterher. Die Bienen sind doch schon so gut wie ausgestorben!”

“Was?! Das ist ja furchtbar. Dann stimmt das also wirklich?”

“Aber warum denn? Es werden doch schon längst robuste Roboterbienen eingesetzt, unterstützt durch chemische Befruchtungsverstärker.”

“Chemische Befruchtungsverstärker? Chemische?”

” Na und? Hast du plötzlich was gegen die Chemie? Die Grenzwerte die ein Mensch im Verlaufe seines Lebens von diesen Stoffen abkriegen darf, liegen immerhin bei…”

“Ist ja gut, aber ist das denn gesund?”

“Was heißt gesund? Eine Minderheit von 20 bis 30 Prozent reagiert etwas, hat Atemnot, Herzrasen, Blutdruckanstieg, Verdauungsstörungen, Gedächtnisausfällle, Gliederschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Depressionen …”

“Ist ja gut, verstehe schon. Das sind ja doch wieder nur solche angeblich umwelt-bedingten Störungen. Dann sind diese Verstärker ja in Ordnung.”

Die/der Bundeskanzler/in beißt genussvoll in das Frühstücksbrötchen und verzieht angewidert das Gesicht:

“Was ist das denn für ein Zeug auf dem Brötchen?”

“Schmeckt dir das denn nicht? Das ist echter Roboterbienenhonig. Die Grenzwerte liegen bei …

“Hör auf!”

“Verstehe – dein Albtraum. Wie wäre es denn Schatz, wenn wir uns wirklich einen Traum erfüllen?

Wir bauen uns ein Haus, pflanzen einen Weinstock und in einigen Jahren können wir gemütlich unter einem Weinstock sitzen…”

“Neeeeiiiinnn!!! Merkst du denn nicht, dass ist eine Ökofalle. Ein ZURÜCK-IN-DIE-STEINZEITFALLE.

Eine fundamentalistisch -christliche Falle ? ”

“Bitte was Schatz? Ist schon gut, dein Albtraum…”

“Lass meinen Albtraum in Ruhe, vor allem aber tue nicht so, als wäre es keiner, als wären diese Visionen die Lösung.”

“Aber du wolltest doch die Umweltkrankheiten verschwinden lassen!”

“Ja doch, aber nicht so.”

“Schatz, du weißt aber schon, dass die Frösche auch…”

“Scheiß auf die Frösche. Dann werden gefälligst Roboterfrösche gebaut…”

Der/die Partner/in drückt blitzschnell auf die Austaste des/der Roboter-Kanzler/in.

Diesmal war sie/er zu weit gegangen. Er /sie muss neu programmiert werden, sonst durchschaut das Volk den Betrug. Es darf nicht erkennen, dass es ferngesteuert, durch künstliche Intelligenz regiert wird. Es muss von der Sache her genauso hart und unnachgiebig reagiert, aber emotional angenehmer verpackt werden, sonst werden die Umweltgeschädigten und unangepassten Ökofreaks zu stark…

Ende.

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. Juni 2010 – TAG DER UMWELT.

Weitere CSN-Artikel zum Thema Umwelt, Umweltpolitik:

Gedicht: PSYCHO

Psycho

-

Kennst du

den Slogan

von den

Psychologen

die eingebildete

MCS

sei sofort vorbei

wenn man von

seinen Problemen schrei –

-

Einmal nur zum

Psychologen

und dann hörst du

seinen Slogan

ja, dann kannst du

alles riechen

und musst

nicht mehr

länger kriechen –

-

Du wirfst

deine Maske weg

herzlich willkommen

ist der Dreck

den es in der

Umwelt gibt

vielerorts

ja so beliebt

spritzen, sprühen

kein Problem mehr –

-

Auch die Wäsche

darf nun duften

keiner braucht mehr

für uns schuften

alles ist geheilt

und klar

nun ist es doch

endlich wahr

und es wird dir

nicht mehr schlecht –

-

Alles kannst du

essen

und kannst auch

vermessen

durch die Abgasqualme

ziehn

Gesundheit ist dir

nun verliehn –

-

Kennst du

den Slogan

vom Psychologen

einmal hin und

schon geheilt

stiehlst den

Andern

ihre Zeit

mit dem

MCS-Geschwür

setz man dich

nur vor

die Tür –

-

Schicken dich

zum Psychologen

der erzählt dir

seinen Slogan

machen sie sich

frei

von der Tyrannei -

MCS ist nicht

vorhanden

und sie machen

sich zuschanden –

-

Denken einfach

nur umpolen

dann kann man

sich

Gesundheit holen.

Kennst du

den Slogan

von dem

Psychologen

der dich durch

seine Sprüche heilt

und seine Düfte

bei dir verteilt –

fällst du dann

um

dann bist du

dumm –

-

Die Umwelt

ist so klar und rein

da kann das nicht

mit Ihnen sein

ich fall doch

auch nicht um

und dufte

auch ein

Abgas

grad verpuffte –

-

Bohnerwachs und

Sagrotan

machen mich

doch auch

nicht an

ich weiß nicht

was Sie haben

das sind doch

alles Gaben

von unsrem guten

Staat –

-

Man kann es

nicht

mehr hören -

diesen

Psycho-Bandsalat -

-

Kennst du

den Slogan

von dem

Psychologen

Arbeit macht frei

weg von

Hartz 4

dann sind

Sie dabei

Sie werden uns

wieder

Leistung bringen

um

M C S

davon

zu springen.

- -

Dieses Gedicht wurde von Mona, der “Glasprinzessin”  geschrieben. Mona hat schwere Chemikalien-Sensitivität / MCS und muss fast die ganze Zeit draußen in der Natur verbringen.

Autor: Mona die Glasprinzessin für CSN – Chemical Sensitivity Network, 30. Mai 2010

Mona’s Geschichte: Mona die “Glasprinzessin” ein einsames Leben mit Wind und Wetter

Weitere Gedichte und Geschichten zu den Themen: MCS, Umweltkrankheiten, Umwelt

Sekundengeschichte: “Der Mensch funktioniert ganz normal weiter…”

“… und nach dem ich Parfüm gerochen hatte, wurde ich fast ohnmächtig, mein Herz begann zu rasen, ich bekam kaum noch Luft …”

“Ja das gibt es”, versuchte der Arzt die Patientin zu beruhigen. “Das hat jeder mal. Hatten sie in letzter Zeit viel Stress?”

“Natürlich. Ich weiß ja gar nicht mehr, wo ich mich aufhalten soll. Überall Gerüche, die mich extrem belasten. Laufend Durchfall, weil ich kaum noch ein Nahrungsmittel vertrage.”

” Wenn sie sich gestresst fühlen, haben sie schnell Durchfall, Frau Bertram. Dann denken sie automatisch, dass sie das Lebensmittel nicht vertragen…”

“Aber die Duftstoffe…”

” Sie haben ein Paar Probleme mit Duftstoffen, was durchaus möglich ist. Aber auf Grund dieser Erfahrung, denken sie, dass alle Duftstoffe unverträglich sind und so reagieren sie dann auch. Sie haben sich das quasi selbst antrainiert!”

“Und dass mein Körper oft reagiert, bevor ich den Duft überhaupt wahrnehme …”

“Ist doch klar Frau Bertram, ihre Nerven liegen blank, sie sind im Dauerstress und völlig überreizt. Von diesem Zustand muss ich sie erst mal runterholen und verschreibe ihnen ein Beruhigungsmittel”

“Sie sind schon der fünfte Arzt, der mir ein Beruhigungsmittel verschreiben will, aber die eigentliche Ursache meiner Erkrankung…”

“Die eigentliche Ursache sind ihre Nerven.”

“Sie nehmen mich überhaupt nicht ernst.”

“Doch das tue ich. Ich nehme sie sogar sehr ernst.”

“Dann würden sie meine Beschwerden nicht auf die Psyche schieben.”

Wütend stand Frau Bertram auf und verließ wortlos die Praxis. Warum will sie niemand verstehen? Ist sie wirklich verrückt?

Sie ging nach Hause, ließ sich erschöpft im Sessel nieder und schaltete den Fernseher an.

“Immer mehr Menschen haben Weichmacher im Blut. Sogar Kinder. Auch in der Muttermilch … und diese Substanzen führten zur Verschlechterung der Spermienqualität, vor allem bei jungen Männern…” sagte der Moderator der Sendung “Quarks und Co”.

“Ach was”, höhnte Frau Bertram, “alles Einbildung. Weichmacher im Blut, aber der Mensch funktioniert ganz normal weiter…”

-

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, Mai 2010

Weitere Sekundengeschichten und Artikel von Gerhard:

Hier riecht´s nach Zigarette!

Der Mann kam aus dem Postamt, wo er gerade für seine MCS-kranke Frau ein Paket abgegeben hatte und setze sich zu ihr ins Auto. Die Frau saß am Lenkrad und schnüffelte mit der Nase, wie ein Reh, das einen bedrohlichen Geruch wahrgenommen hatte.

„Hier riecht ´s nach Zigarette!“, stellte sie fest.

Der Mann wusste, dass seine Frau in solchen Dingen immer Recht hat, allein – er wusste nur nicht warum. Er roch auch nichts. Wieso kann es plötzlich im Auto nach Zigarette riechen?

„Vielleicht riecht es noch von der Werkstatt her, die Mechaniker rauchten in der Werkstatt?“, überlegte der Mann laut und blickte missmutig auf den Neuschnee, der in diesem März hartnäckig liegen blieb. In der Tat war das Auto erst wenige Tage von der Werkstatt zurück.

„Dann hätte ich es schon gestern und auf der Herfahrt gerochen“, entgegnete die Frau.

„Vielleicht hatte einer der Postkunden geraucht und ich habe diese Rauchfahne mit ins Auto geschleppt“, versuchte der Mann eine Erklärung zu finden. Aber die Frau schüttelte nur mit dem Kopf und startete das Auto, um zum Supermarkt zu fahren, wo der Mann ein duftfreies Waschmittel kaufen sollte.

Als der Mann sich mit der Einkaufstasche wieder ins Auto setzte, wunderte sich die Frau: „Komisch – kaum als du weg warst, war der Zigarettengeruch weg und jetzt ist er wieder da, als du hereinkamst.“

Der Mann konnte nur noch verwundert mit der Schulter zucken.

Die nächste Fahrt führte zu einem Büro der Abfallwirtschaft, wo der Mann gelbe Säcke holen wollte. Aber es hatte geschlossen. Der Mann stieg wieder ins Auto, klopfte seine Schuhe ab, damit der Schnee abfiel, der sich im Sohlenprofil festgesetzt hatte. Plötzlich entdeckte der Mann eine Zigarettenkippe vor seinen Füßen. Daher also der Zigarettengeruch! Der Zigarettenstummel musste sich schon eine Zeit lang mit dem Schnee im Profil seines Schuhs befinden.

„Siehste nun, dass ich nicht spinne?, rief die Frau erleichtert. Aber das wusste der Mann schon lange und streichelte ihre Wange.

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, Mai 2010

Weitere Sekundengeschichten und Artikel von Gerhard:

Gedicht: NIEMAND

Niemand

-

stell dir vor

ein neues parfüm wird erfunden

und niemand darf es riechen

-

stell dir vor

ein neues haus wird erbaut

und niemand darf es bewohnen

-

stell dir vor

eine neue süßigkeit wird kreiert

und niemand darf sie vernaschen

-

stell dir vor

ein neues auto kommt auf den markt

und niemand darf es fahren

-

stell dir vor

ein neues buch erscheint

und niemand darf es lesen

-

stell dir vor

ein neues cafe wird eröffnet

und niemand darf es betreten

-

stell dir vor:

all diese dinge

generell -

ob neu oder alt -

von niemanden

benutzbar

-

von NIEMANDEN?

-

natürlich nicht

-

nur niemand

von den Chemikaliensensiblen

-

atmest du erleichtert auf und denkst:

ach so – also dürfen es fast alle?

-

freu dich nicht zu früh,

die NIEMANDS

werden täglich mehr …

-

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 9. Mai 2010

Weitere Gedichte von Gerhard:

So nicht! * Soll’n doch in die Klapse gehn * Muss fliehn * Du bist nicht allein * Lass uns lieber über Realitäten reden * Ein Lächeln * Deine Atemzüge * Und dann endlich * Immer noch nicht verstehen wollend * Nur weil ich hinabsteige * Selbstdiagnose * Verfluchtes Pack * Was bleibt von mir? *