Archiv der Kategorie ‘Umweltkrankheiten‘

Betrug in der Umweltmedizin?

Das Forschungszentrum für Duftstoff- und Chemikaliensensitivität in Dänemark – ein Hoax

Die MCS-Kranken in Dänemark und auch in anderen Ländern sind über das Forschungszentrum für Parfüm- und Chemikalienempfindlichkeit, das 2006 von Dänischen Umweltministerium eingerichtet wurde, verärgert und entrüstet. Seine Hauptaufgabe bestand darin, Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen MCS und Chemikalien durchzuführen. Für diese Entrüstung gibt es einen guten Grund, seitdem offensichtlich ist, dass der Zweck des Forschungszentrums darin besteht, keine wirklichen Erkenntnisse über MCS zu Tage zu fördern, am allerwenigsten welche über den Zusammenhang zwischen Belastungen durch chemische Substanzen und MCS.

Im Gegenteil, der Zweck des Forschungszentrums besteht darin, falsche und arglistige Forschungsarbeiten über MCS anzufertigen.

Das Zentrum ist ein politisches Instrument nach dem Bauplan einer Dreistufenrakete:

A. Die Umwelt entlasten, d.h. „beweisen“, dass MCS nicht von Belastungen durch chemische Substanzen in der Umwelt verursacht wird.

B. „Beweisen“, dass MCS von psychologischen Faktoren abhängt, um die Psychiatrisierung von MCS hinzubekommen.

C. Erreichen, dass MCS-Kranke ein Fall für die Psychiatrie werden (une liaison psychiatrique – die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft), damit die Psychiatrie Behandlungen für MCS-Kranke entwickeln kann: „Mindfullness“ [(Achtsamkeit)], d.h. kognitive Psychotherapie, vielleicht in schweren Fällen auch Elektroschock (ECT) und die Pharmazeutische Industrie, die vermutlich schon in den Startlöchern hockt, kann bald psychoaktive Medikamente für MCS-Kranke entwickeln.

Und wie hat das Forschungszentrum für Duftstoff- und Chemikaliensensitivität dies erreicht?

Nun, dazu muss man dessen Studie und Publikation verstehen: „Körpergefühl und Symptomwahrnehmung von Individuen mit Umweltunverträglichkeit“ von Sine Skovbjerg, Robert Zachariae, Alice Rasmussen, Jeanne Duus Johansen, und Jesper Elberling, veröffentlicht in Environmental Health and Preventive Medicine, DOI: 10.1007/s12199-009-0120-y – sie liefert den Kern des Betrugs.

1. DIE CHEMIKALIEN LOSWERDEN

Teil 1: „Lasst uns den Namen ändern“

Um damit anzufangen, stimmte das Forschungszentrum zu, die Bezeichnung „IEI“ anstatt „MCS“ zu verwenden. Das war nicht schlecht gedacht. Auf dem Treffen mit dem Vorstand von MCS-Dänemark, am 18. Mai 2010, erklärten sie, sie hätten diese Bezeichnung verwendet, weil sie umfassender ist als der Terminus MCS. Anders wären sie auch nicht in der Lage gewesen, den Artikel in einem internationalen Journal veröffentlicht zu bekommen. Das ist natürlich Bullshit. Der wahre Grund ist auf Seite 2 von Sine Skovbjergs Doktorarbeit „Multiple Chemical Sensitivity – psychologische Faktoren, Patienten-Strategien und Praktiken der medizinischen Versorgung“ zu finden: „Die Bezeichnung ‚MCS‘ hat man dafür kritisiert, sich auf unbewiesene Annahmen über die Kausalität zu stützen und die Bezeichnung ‚Idiopathische Umweltintoleranz‘ IEI wurde stattdessen als Ersatz empfohlen.“

Das Forschungszentrum wollte offenbar die Vorstellung eines kausalen Zusammenhanges zwischen MCS und Belastungen durch Chemikalien ausklam- mern. Um dieses Ziel zu erreichen, gingen die Forscher so weit, die Fehlinformation zu liefern, bei ihren MCS-Fällen wäre von einem Arzt „IEI“ diagnostiziert worden. Das war selbstredend eine Lüge – alle Fälle hatten die ärztliche Diagnose „MCS“.

Als der Vorstand von MCS-Dänemark sie mit Fragen konfrontierte, weshalb sie geschrieben hätten, die Kranken wären ärztlich mit „IEI“ diagnostiziert worden, obgleich sie alle tatsächlich mit MCS diagnostiziert wurden, übergaben sie als Antwort einen Artikel: „International Programme on Chemical Safety / World Health Organization (IPCS/WHO), Conclusions and Recommendations of a Workshop on Multiple Chemical Sensitivities (MCS)“, Geneva, Switzerland. Regul Toxicol Pharmacol 1996; 188-189. (Internationales Programm zur chemischen Sicherheit / Weltgesund- heitsorganisation (IPCS/WHO), Ergebnisse und Empfehlungen eines Workshops zu Multiple Chemical Sensitivity (MCS)). Nach Auskunft des Forschungszentrums beschreibt dieser Artikel die Gründe für die Verwendung der Bezeichnung ‚IEI‘. Nun verweist das Forschungszentrum auch auf seiner Homepage auf diesen Artikel.

Der Artikel hatte jedoch einen Haken, den das Forschungszentrum auf seiner Homepage zu erwähnen „vergaß“. MCS-Dänemark fand heraus, dass dieser Artikel überhaupt nicht von der WHO ist, obwohl es auf dem ersten Blick so erscheinen mag. Genauso wenig wird verraten, wer die Bezeichnung MCS kritisierte und stattdessen IEI empfohlen hat. Dies erschließt sich jedoch alles, wenn man den IPCS/WHO Artikel so unter die Lupe nimmt, wie es Ann McCambell tat. Die hinter dem Artikel verborgene Wahrheit ist, dass die „WHO“ einer der Sponsoren des Workshops „International Programme on Chemical Safety (IPCS)“ zu MCS war, der im Februar 1996 in Deutschland abgehalten wurde. In diesem Workshop überwogen Teilnehmer mit Verbindungen zur Industrie und es gab keine Vertreter aus Umwelt-, Gewerkschafts- oder Verbrauchergruppen. Anstelle von Nichtregierungs-Teilnehmern gab es Einzelpersonen, die bei BASF, Bayer, Monsanto und Coca Cola angestellt waren. „Vertreten“ waren Einzelpersonen aus der chemischen und der pharmazeutischen Industrie, was oft dasselbe ist. Zu Beispiel: „Monsanto, bekannt als Hersteller von Roundup und anderen Herbiziden, ist Tochtergesellschaft und in Vollbesitz eines pharmazeutischen Unternehmens namens Pharmacia. BASF stellt pharmazeutische Produkte und Pestizide her und Bayer, berühmt als Hersteller von Aspirin, stellt das populäre neurotoxische Pyrethroid-Insektizid Tempo (mit dem aktiven Bestandteil Cyfluthrin) her.“

Auf dieser Veranstaltung beschloss man zu versuchen, MCS durch IEI zu ersetzen.

„Neben der Entfernung des Wortes ‚chemisch‘ aus dem Namen entschieden sich die Workshop-Teilnehmer für den Ausdruck ‚idiopathisch‘ als Ergänzung, weil sie offenbar der Ansicht waren, er bedeute eher, die Erkrankung existiere „ausschließlich im Kopf der Betroffenen“, als dass die Ätiologie (Ursache) unbekannt wäre. Aber viele ‚reale‘ Erkrankungen werden ebenfalls als ‚idiopathisch‘ angesehen, wie etwa idiopathische Epilepsie (Epilepsie die nicht Trauma, Operation, Infektion oder andere eindeutige Ursachen hat). Doch selbst zu unterstellen, MCS habe keine bekannte Ursache, hilft der Industrie allemal. Sie möchte nicht für ihre Produkte, die MCS verursachen, verantwortlich gemacht werden oder dafür, dass sie bei jenen Menschen Symptome hervorrufen, die durch sie sensibilisiert sind.“

Was das Forschungszentrum für Duftstoff- und Chemikaliensensitivität auf seiner Homepage ‚zufällig‘ zu erwähnen ‚vergaß‘ und was MCS-Dänemark durch das Treffen am 18. Mai 2010 über den nicht von der WHO stammenden Artikel heraus bekam, läuft jedoch genau auf das Gegenteil hinaus. „Die WHO ließ den Workshop-Teilnehmern nach der Veranstaltung [1996] eine Stellungnahme zukommen, die versuchte, die Behauptungen zu unterbinden, die WHO würde den Namenswechsel von MCS zu IEI unterstützen. Darin hieß es: „Ein Workshop-Bericht mit Ergebnissen und Empfehlungen an die WHO spiegelt die Meinungen der eingeladenen Experten wieder und ist nicht notwendigerweise eine Entscheidung oder Grundsatzerklärung der WHO“. Weiter wird festgestellt: „Was ‚MCS‘ betrifft, hat die WHO weder eine Richtlinie oder wissenschaftliche Meinung angenommen, noch ihr zugestimmt.“(World Health Organization. Note to invited participants in the MCS Workshop, February 21-23, 1996, Berlin, Germany 6/7/96.)“ (1) (2) Wie Ann McCampbell feststellt: „wird trotz dieser expliziten Widerspruchserklärung weiterhin behauptet, die Weltgesundheitsorganisation würde die Bezeichnung IEI unterstützen“. (1)

So steht außer Zweifel, dass die Begründung des Forschungszentrums zum Gebrauch der Bezeichnung ‚IEI‘ nichts mit der WHO zu tun hat, sondern der chemische Industrie geschuldet ist. Das Forschungszentrum ‚vergaß‘ jedoch, sowohl auf seine Homepage, als auch gegenüber MCS-Dänemark, die Öffentlichkeit über die Erklärung der WHO zu informieren. Folglich ist die Bezeichnung IEI der Manipula- tionstrick der chemischen Industrie – eine verlogene Bezeichnung, welche die Tatsache unterschlägt, dass MCS von chemischen Substanzen hervorgerufen wird. Kein seriöser MCS-Forscher benutzt diese betrügerische Bezeichnung für MCS. Der Begriff ‚IEI‘ wird nur von Wissenschaftlern, die unter dem Einfluss der chemischen und pharmazeutischen Industrien stehen, teilweise von der Psychiatrie und vom Forschungszentrum für Duftstoff- und Chemikaliensensitivität benutzt, da sie damit „vorführen“ wollen, dass MCS nichts mit Chemikalien zu tun hat und dass psychologische Faktoren und individuelle Hirnfunktionsstörungen bei der Ätiologie von MCS einen Rolle spielen.

2. DIE CHEMIKALIEN LOSWERDEN

Teil 2: „Wir wissen nicht, was eine Vergiftung ist“

Zeitgleich mit diesen Augenwischereien fügte das Forschungszentrum seine wissenschaftlichen Vorurteile und erkenntnistheoretischen Gründe für seine Forsch- ung zu MCS auf seiner Homepage ein. Dort wird beschrieben, dass MCS keine Vergiftungserkrankung sein kann. Damit wird die Lüge, dass MCS nichts mit Chemikalien zu tun hätte, zum zweiten Mal gelogen.

Sie erklären: „Manche Erkrankte, die an Duftstoff- und Chemikaliensensitivität leiden, erfahren ihre Erkrankung als eine Art Vergiftung. Duftstoff- und Chemikaliensensitivität kann nicht mit toxikologischen Mechanismen erklärt werden. Ein toxikologischer Mechanismus ist durch eine sogenannte Expositions-Wirkungs-Beziehung gekenn- zeichnet (d.h. mit steigender Belastung steigt die Wirkung und das Risiko), es deutet jedoch nichts darauf hin, dass Duftstoff- und Chemikaliensensitivität häufiger bei Personen auftritt, die z.B. beruflich höheren chemischen Belastungen ausgesetzt sind.“ (mcsvidencenter.dk)

Diese fundamental vorgefasste wissenschaftliche Meinung bzw. dieser erkenntnis- theoretische Textabschnitt aus dem Ansatz des Forschungszentrums zu MCS, geht von einem falschen Verständnis von Vergiftung aus, da diese Definition von Vergiftung nur akute Vergiftung bedeutet.

Folglich ignoriert das Forschungszentrum die Tatsache, dass in vielen neueren Forschungsarbeiten diese Definition von Vergiftung zugunsten eines neuen Paradigmas aufgegeben worden ist, insbesondere wenn es um Umwelter- krankungen geht, d.h. um medizinische Krankheitsbilder, die von Umweltfaktoren ausgelöst werden. Nach diesem neuen Paradigma muss Vergiftung nicht zwingend von einer auslösenden Dosis abhängen, bei deren Erhöhung Wirkung und Risiko zunehmen, sondern niedrige Dosen können bei andauernder Belastung genau so giftig sein.

Ein Vertreter des letztgenannten Ansatzes ist der anerkannte Französische Krebsspezialist Professor Belpomme, Präsident des renommierten Französischen Krebs-Forschungsinstitutes ARTAC in Paris (Association pour la Recherche Thérapeutique Anti-Cancéreuse/Forschungsgesellschaft für Krebs-Behandlung). Neben der Erforschung von Krebs, befasst sich ARTAC nun auch mit Elektro-Hyper-Sensitivität (EHS), woran viele MCS-Kranke ebenfalls leiden. 2009 hat ARTAC mit Hilfe von Hirnscans bei EHS-Kranken Hypoperfusion (verminderte Durchblutung) im Gehirn nachgewiesen, wenn diese elektromagnetischen Feldern/Strahlungen (EMF/EMR) ausgesetzt waren.

Belpomme erläutert in seinem Buch „Avant qu’il ne soit trop tard“ (Bevor es zu spät ist), dass nun eindeutig gezeigt wurde, dass niedrige Dosen toxischer Substanzen chronische Erkrankungen verursachen können. Darum, so sagt er, irren diese Ärzte und Wissenschaftler, wie z.B. jene am Forschungszentrum nicht nur, indem sie behaupten, MCS-Kranke werden von niedrigen Dosen chemischer Substanzen krank, die völlig ungiftig seien, sondern sie machen einen doppelten Fehler. Zuerst machen sie einen wissenschaftlichen Fehler, da wir heute wissen, dass niedrige Dosen physikalisch/chemischer Belastung/Strahlung chronischen Erkrankungen (wie z.B. Krebs) auslösen können und zum zweiten begehen sie aus epidemologischer Sicht einen Fehler mit fatalen Folgen für die öffentliche Gesundheit. Denn das Warten auf den endgültigen Beweis für einen Vergiftungsmechanismus (z.B. für MCS und EHS) bedeutet dasselbe wie sich auf etwas vorzubereiten, das noch schlimmer als der aktuelle Zustand ist. Das gilt sowohl für die menschlichen, als auch für die ökonomischen Folgen.

So gesehen sind die Manipulationen des Forschungszentrums nicht weniger als ein Skandal. Mit vollkommen unqualifizierten Begründungen glauben sie zu wissen, dass MCS nichts mit Vergiftung zu tun hat. Beispielsweise sagte Jesper Elberling einer MCS-Kranken, ihre Symptome würden damit zusammenhängen, „dass ihr Hirnsensor kaputt wäre, was zu Überreaktionen und dazu führe, dass sie glaube, die Gerüche wären giftig, obwohl sie es nicht seien.“

Doch Elberling und Skovbjerg machen fatale wie auch wissenschaftliche Fehler, da die Regel der dosisabhängigen Expositions-Wirkungs-Beziehung nur für akute, nicht aber für chronische Vergiftung zutrifft. Genau so wenig befassen sie sich weder mit den in Fragen kommenden chemischen Substanzen, noch mit den fortgesetzten Belastungen, die nach Auskunft von MCS-Kranken überaus typisch für ihre (von niedrigen Dosen verursachte) Erkrankung sind.

Wie man sieht, interessieren sich Elberling und Skovbjerg weder für die Dauer der Belastung durch chemische Substanzen (Zeitfaktor) noch für den Zustand des Organismus (chronische Erkrankung).

Belpomme schreibt: „Es ist offensichtlich, dass in Zeiten von Umweltverschmutzung durch chemische Substanzen die Mehrzahl der durch diese hervorgerufenen Erkrankungen nicht auf eine akute Vergiftung zurück gehen. In diesem Fall macht nicht die Dosis das Gift, sondern die Fortdauer [der Belastung]. Dieses Konzept ist relativ neu und trifft nicht nur auf chemische Substanzen, sondern auch auf Strahlung zu. Unsere gesetzlichen (auf der dosisabhängigen Expositions-Wirkung basierenden) Regelungen schützen uns in der Tat vor akuten Vergiftungen, aber sie schützen uns nicht vor chronischen Erkrankungen, die durch Dauerbelastungen mit niedrigen Dosen verursacht werden. Bei anhaltender Belastung muss man deshalb den Zeitfaktor stärker als die aktuelle Dosis in Betracht ziehen. Je länger eine Exposition dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine chronische Erkrankung zu entwickeln, das trifft insbesondere auf Krebs zu.“ (S.73) (3)

Nahezu alle MCS-Erkrankten erklären ganz eindeutig, dass sich ihre MCS mit der Zeit aufgrund wiederholter niedriger Belastungen durch unterschiedliche chemische Substanzen verschlimmert hat. Viele Forscher (wie z.B. Martin Pall) betonen, dass eine große Zahl dieser chemischen Substanzen extrem neurotoxisch sind (giftig für das Nervensystem) und eine Menge andere chemische Substanzen sind dafür bekannt, weitere toxische Wirkungen auf den Organismus zu haben. Aus diesen Gründen ist es unglaublich unqualifiziert und amateurhaft, wenn das Forschungs- zentrum von der Grundannahme ausgeht, die Ursache für MCS könne kein toxikologischer Mechanismus sein.

Mit Hilfe dieser zwei arglistigen Methoden [Namensänderung und Toxizität leugnen] schließt das Forschungszentrum den Umweltfaktor – das chemische Indiz – von vornerein aus. Doch das genügt offenbar nicht. Nun muss bewiesen werden, dass MCS etwas mit psychologischen Faktoren zu tun hat.

Und wie wurde das bewerkstelligt?

3. DIE CHEMIKALIEN LOS WERDEN

Teil 3: „Einfach falsch übersetzen“

Nun, um damit anzufangen, haben sie die Forschungsarbeit und den Fragebogentest von Eva Millqvist manipuliert: „A Short Chemical Sensitivity Scale for Assessment of Airway Sensory Hyper Reactivity“ (Kurzskala für Chemikaliensensitivität zur Bewertung sensorischer Atemweghyperreaktivität), von Steven Nordin, Eva Millqvist, Olle Löwhagen und Mats Bende, International Archives of Occupational and Environmental Health (2004) 77: 249-254, DOI: 10.1007/s00420-004-0504-7. Diese Arbeit enthält einen validierten Fragebogen um SHR (sensorische Hyperreaktivität, eine Begleiterkrankung von MCS) zu quantifizieren. Wer unter SHR leidet, zeigt bei Belastung durch chemische Substanzen in erster Linie Symptome der Atemwege.

Das Forschungszentrum wählte diesen Fragebogen und verschickte ihn an viele MCS-Kranke und an nicht von MCS betroffene Personen. Es gab jedoch eine kleine Ungereimtheit darin, da sie sieben der elf Fragen absichtlich falsch ins Dänische übersetzten. Während die ursprünglichen Fragen des validitierten CSS-SHR Tests (Chemical Sensitivity Scale for Sensory Hyperreactivity), der in Kombination mit dem Capsaicin-Test (Chilitest) SHR diagnostizieren kann, die Verhaltens- und gefühlsmäßigen Reaktionen von Menschen auf Belastungen mit chemischen Substanzen abfragen („riechende/stechende Substanzen“), verbog sie das Forsch- ungs zentrum in der dänischen Übersetzung zu Fragen nach den Verhaltens- und gefühlsmäßigen Reaktionen auf Gerüche („Düfte und chemische Gerüche“). Schlau!

Nahezu nicht wahrnehmbar wurden die Fragen zu den Reaktionen der Menschen auf Gerüche umgemodelt, doch Gerüche und Chemikalien sind keine gleichbedeutenden Begriffe. Und wenn die Leute nur die vorgelegten Fragen beantworten können, werden die Antworten natürlich nur die Reaktionen der Leute auf Gerüche zurückliefern.

4. NUN IST SO GUT WIE ALLES GEBACKEN

MCS wird individualisiert und psychiatrisiert

Endlich wurde alles passend gedeichselt, um diese Ergebnisse mit einer Reihe psychiatrischer Tests verknüpften zu können, damit man ein Forschungsergebnis bekommt, nach dem MCS-Kranke eine idiosynkratische Wahrnehmung von Gerüchen haben und deshalb ein erhöhtes, ungesundes Maß an Aufmerksamkeit auf körperliche Symptome richten, und außerdem sind sie oft traurig. Hokuspokus, MCS ist nun eine Angelegenheit des Individuums. Es liegt am MCS-Kranken selbst, dem unterstellt wird, dass er ungiftigen Gerüchen ein erhöhtes, ungesundes Maß an Aufmerksamkeit (‚enhanced internal information’/gesteigerte innere Information) schenkt und unter Einbeziehung psychiatrischer Tests deutet das Ergebnis darauf hin, dass die Symptomatik der MCS-Kranken von psycho-pathologischer Natur ist, aber es sei nicht bekannt, inwieweit Psychopathologie und individuelle Anfälligkeit für Unverträglichkeitsreaktionen an der Entstehung von MCS beteiligt oder nur verstärkende Faktoren sind. „Wahrscheinlich ist die Ätiologie von IEI multifaktoriell, und wie bei somatoformen Erkrankungen spricht vieles dafür, dass man die Komplexität von IEI am besten unter bio-psycho-sozialen Gesichtspunkten beleuchtet. (S.38)

Somit ist entschieden, dass es sich bei MCS und eine somatoforme Erkrankung handelt und – Hokuspokus – jetzt ist MCS psychiatrisiert.

Somit sieht das Rezept für diese unverdauliche Speise im Kochbuch folgendermaßen aus:

„Lügen und Manipulationen als Vorbereitung für betrügerische Forschung und für Scheinforschung“

Die Zutaten:

  • Fehlerhafte und veraltete Definition von Vergiftung
  • Neuer (alter) von der chemischen Industrie erfundener Name (IEI)
  • Gefälschte medizinische Diagnosen (IEI) (und Toxikologie und Umweltmedizin fallen unter den Tisch)

Zusätzlich hinzufügen:

  • Durch Falschübersetzung gefälschte Fragebögen, damit chemische Substanzen zu Gerüchen werden, sowie ‚Somatisierung‘. Ooops! Es sollte heißen: die Diagnose ‚körperliches Schmerzsyndrom‘.

Endlich ist die Speise serviert: Wir haben nun eine psychiatrische Erkrankung auf dem Tisch, d.h. eine Mischung aus körperlicher Erkrankung (Fehler im Gehirn: ‚der Hirnsensor ist kaputt‘) und vielleicht etwas genetisches (individuelle Anfälligkeit) und psychiatrische Krankheit (Depression, Angst).

Und wohin führt dieses große Zauberkunststück?

5. DER ZAUBER IST GEGLÜCKT

MCS fällt in die Zuständigkeit der Psychiatrie und muss psychiatrisch behandelt werden

Nun, es führt uns zu der mächtigen psychiatrischen Bewegung, die bereit steht, Patienten und insbesondere Geld zu empfangen. MCS heißt nun in der Sonderausgabe zu funktionellen Störungen des Dänischen Ärztewochenblattes ‚bedeutungsvoll‘ Geruchssensitivität (Ugeskrift for Læger no. 24, 14 June 2010). Lassen Sie sich das nicht entgehen. Nun ist MCS eine funktionelle Störung. Die Falschheit ist fertig, denn das war es, worum es immer ging, nicht wahr?

Nun stellen MCS-Kranke für die Gesellschaft, die chemische Industrie und die Versicherungsgesellschaften keine Gefahr mehr dar. Aber natürlich ist es selbstverständlich, dass sie behandelt werden müssen, da sie uns leidtun, weil einige Leute denken, sie würden nur simulieren. Deshalb brauchen sie wie es aussieht eine psychiatrische Behandlung: Kognitive Psychotherapie und vielleicht in schweren Fällen Elektroschock. Und passen Sie auf, als nächstes kommt natürlich, dass die nette Pharmaindustrie ein paar psychoaktive Medikamente fertig hat, damit die armen MCS-Kranken neben ihren Depressionen und ihrer Angst ihren „kaputten Hirnsensor“ repariert bekommen.

Daraus kann man folgern, dass das Forschungszentrum für Duftstoff- und Chemikaliensensitivität zur mächtigen Psychiatrisierungskampagne gehört, die gerade weltweit stattfindet.

In den USA war schon seit längerer Zeit eine Überprüfung des DSM Diagnose-Systems auf dem Weg (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen)). Das DSM ist das [von der American Psychiatric Association herausgegebene] Gegenstück zum internationalen ICD-10. Darin hat man verstanden, dass jene, die an den ’neuen‘ Erkrankungen leiden, nicht damit einverstanden sind, wenn ihre Krankheiten als „somatoforme Erkrankungen“ d.h. als Geisteskrankheiten klassifiziert werden. Dazu gehören: Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS), Fibromyalgia (FMS) und nun MCS (und bald EHS/Elektrosensibilität – die man nur noch nicht entdeckt hat). Was soll man also stattdessen tun? Nun, natürlich haben sie neue ‚würdige‘ Namen wie das „körperliche Schmerzsyndrom“ erfunden (Bodily Distress Syndrome), da Psychiater phantasievolle Namen mögen, für welche sie nicht die Spur einer Begründung haben. Es ist reine Wortmagie. (4) Für wie dumm halten die uns? Es geht natürlich immer um das gleiche.

Wie Evelyn Pringle schreibt, ist es immer dasselbe, wenn die Psychiatrie versucht, Diagnosenamen und medikamentöse Behandlung für neue Zielgruppen zu erweitern. Sie zitiert den Toxikologie-Experten Prof. Dr. Lawrence Plumlee, Präsident der Chemical Sensitivities Disorders Association (Gesellschaft für Chemikalien- sensitivität- Erkrankungen) und Herausgeber von „The Environmental Physician“ der American Academy of Environmental Medicine:

„Es handelt sich um das Bestreben der Psychiatrie, körperliche Erkrankungen zu psychiatrisieren und zu versuchen, die Beschwerden der Patienten durch verschreiben psychiatrischer Medikamente zu unterdrücken. Doch die Erfahrung lehrt, dass psychiatrische Verfahren und Medikamente den Zustand der Patienten verschlechtern. Psychiatrische Diagnosen und Medikamente auf neurotoxische Erkrankungen anzuwenden hilft den Chemiefirmen in zweifacher Hinsicht. Es täuscht manche Leute, damit sie denken, vergiftete Menschen wären verrückt, wodurch die Vergifter jeglicher Verantwortung entkommen und zweitens kann man so mehr Chemikalien (psychiatrische Medikamente) verkaufen, mit denen jene behandelt werden, die nicht mehr Chemie in ihrem Körper, sondern Entgiftung dringend nötig hätten.“ (5)

Behalten Sie es im Gedächtnis: Das ist es, wogegen wir sind.

Autor: Eva Theilgaard Jacobsen, MSc (Master of Science) für Psychologie, Fachärztin für Psychotherapie, Oktober 2010

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivty Network

EMM Blog: The Research Center for Fragrance and Chemical Sensitivity in Denmark – A Hoax

Referenzen:

  1. Ann McCambell: „Multiple Chemical Sensitivity Under Siege“ Chair Multiple Chemical Sensitivities Task Force of New Mexico
  2. World Health Organization: „Note to invited participants in the MCS workshop „21-23 February 1996, Berlin, Germany 6/7/96.
  3. Dominique Belpomme: „Avant qu’il ne soit trop tard“. Fayard 2007.
  4. Kroenke, Sharpe, Sykes: „Revising the Classification of Somatoform Disorders: Key Questions and Preliminary Recommendations“, Psychosomatics 48:4, July-August 2007.
  5. Evelyn Pringle: „Tracking the American Epidemic of Mental Illness“, June, 22, 2010

Über das Forschungszentrum:

Es gehört zur Vorgehensweise und Methodik des Forschungszentrums, dass seine Öffentlichkeitsarbeit mehrdeutig ist. Schließlich ist eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen eine Journalistin. International heißt das Forschungszentrum „Dänisches Forschungszentrum für chemische Sensitivität“, doch für das heimische Publikum heißt das Zentrum „Dänisches Forschungszentrum für Duftstoff- und Chemikaliensensitivität „. Dafür gibt es einen Grund. MCS-Betroffene haben dem Dänischen Forschungsministerium mittlerweile Hinweise zum richtigen Verständnis des arglistigen Aufsatzes „Körpergefühl und Symptomwahrnehmung von IEI-Erkrankten im Blickpunkt“ geliefert und diesen als betrügerische Forschung reklamiert. In erster Linie weil das Forschungszentrum Eva Millqvists Forschung verfälscht, indem „riechende/stechende Substanzen“, z.B. Chemikalien absichtlich mit „Düfte und chemische Gerüche“ ins Dänische übersetzt wurden. Diese Übersetzung des validierten CSS-SHR Tests (Chemical Sensitivity Scale for Sensory Hyperreactivity/Chemische Sensitivitätsskala für sensorische Hyperreaktivität) von Millqvist wurde als Fragebogen an viele Menschen, darunter MCS-Kranke, verschickt. Dadurch hat das Forschungszentrum betrügerische Daten produziert, indem Reaktionen von Menschen auf chemische Substanzen zu Reaktionen auf Düfte/Gerüche gemacht wurden. Auf diese Art und Weise versuchten sie, den ursächlichen Zusammenhang von chemischen Substanzen in der Umwelt und MCS aufzulösen. Dies bereitete den Weg, MCS zu individualisieren und zu psychiatrisieren. Deshalb können dänische Psychiater MCS nun als „funktionale Störung“ (mit unbekannter Ursache) diagnostizieren, Ärzte können MCS-Kranke zur psychiatrischen Behandlung und Diagnose überweisen und den MCS-Kranken werden Behindertenrente und Entschädigungszahlungen von Versicherungen verweigert. Auf internationaler Ebene jedoch versucht das Forschungszentrum als Einrichtung seriöser Forscher zu erscheinen. Doch fragen sie diese mal nach dem Artikel von Martin Pall in [Ballantyne, Maars & Syvertsen’s „General and Applied Toxicology“] und sie werden die Antwort erhalten, dass dieser nach ihrer Ansicht zu schwer zu verstehen wäre. Wäre alles nicht so tragisch, wäre das Ganze ziemlich unterhaltsam. Sie sind ein Haufen von Amateuren mit einer Krankenschwester als Chefin. So weit ist es mit Dänemark nach 10 Jahren unter einer rechtslastigen Regierung gekommen. (Das Forschungszentrum wurde von der Regierung gegründet und wird von ihr finanziert.)

Fortsetzungsserie: „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“

Chemikalien, eine verschwiegene Ursache für Brustkrebs

Wenn Umwelt krank macht – Umweltbelastung und Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Wenn es um die Krankheit geht, dann meist um ihr medizinisches Management. Die öffentliche Darstellung von Brustkrebs ist geprägt vom Appell zur Früherkennung und von Erfolgsmeldungen zu neuen Behandlungsmöglichkeiten und pharmazeutischen Errungenschaften. Während der Fokus der Ursachenforschung auf genetischen und biochemischen Aspekten liegt, werden giftige Stoffe und hormonell wirksame Substanzen weitgehend vernachlässigt.

Diese Lücke füllt nun die längst fällige Broschüre „Die verkannte Gefahr: Umweltbelastungen und Brustkrebs“ (pdf), die die beiden großen Frauenorgani- sationen WECF (Women in Europe for a Common Future) und Arbeitskreis Frauenge- sundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) am vergangenen Wochenende in Berlin vorgestellt haben.

Die Broschüre, die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und Ursachen von Brustkrebs thematisiert und sich direkt an die Frauen, Politik und Medizin richtet, ist die erste Veröffentlichung dieser Art in deutscher Sprache.

„Es gibt längst Studien, die die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und Brustkrebs untersuchen“, so Alexandra Caterbow, Chemikalienexpertin von WECF. „Und es gibt Hinweise, dass verschiedene Chemikalien, mit denen wir alltäglich in Berührung kommen, die Entstehung von Brustkrebs begünstigen. Zur Verbreitung solcher Informationen wollen wir mit vorliegender Broschüre beitragen. Wir wollen eine Diskussion anstoßen, in der umfassender nach den Ursachen von Brustkrebs gefragt wird. Und wir wollen Angst abbauen und dazu ermutigen, sich in Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltpolitik einzumischen. Denn nicht nur im Zusammenhang mit Brustkrebs gilt: Heilen ist gut, doch vermeiden ist besser.“

Vermeidbare Risiken gehen beispielsweise von Umweltöstrogenen (endokrinen Disruptoren) aus, die unter anderem die Entstehung von Brustkrebs begünstigen können. Ob Bisphenol A (BPA), Phthalate, Parabene oder Pestizide in Insektenschutzmitteln und Herbizide in Pflanzenschutzmitteln, Dioxine, Flammschutzmittel, DDT-Rückstände, bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetika, Hormone in der Nahrung, industrielle Karzinogene oder organische Lösungsmittel: Frauen sind heute zahlreichen vermeidbaren Gefährdungen ausgesetzt. Weniger schädliche Chemikalien bedeuten auch weniger Brustkrebs. Die Broschüre bietet Frauen Informationen zum Selbstschutz und bindet die Politik mit zentralen Forderungen ein.

Die Broschüre, die von WECF bereits in englischer, französischer und holländischer Sprache veröffentlicht wurde, wurde nun gemeinsam mit dem AKF überarbeitet und ins Deutsche übertragen. Die Broschüre ist erhältlich als Download oder gegen eine Schutzgebühr von 5,- Euro unter buchbestellung@wecf.eu

Literatur:

WECF, Wenn Umwelt krank macht – Umweltbelastung und Brustkrebs, München, 9.11.2010

Weitere Artikel zum Thema Brustkrebs:

Neuer Trailer zum kommenden Film über Multiple Chemical Sensitivity wurde in Spanien auf einer MCS-Konferenz gezeigt

Vor zwei Wochen stellte ich Euch den ersten Trailer zum Kurzfilm „los pajaros de la Mina“ („Die Vögel aus der Kohlenmine“) vor. Es ist der erste Film, der in Spanien über Multiple Chemical Sensitivity gedreht wurde. Von MCS-Kranken rund um die Welt wurde der Film sehr gut angenommen.

Heute möchte ich Euch den neuen, ausdrucksstarken Trailer für den kommenden Film vorstellen. Dieser neue Trailer hatte sein Debüt vergangene Woche auf der MCS Konferenz, die von ASQUIFYDE organisiert wurde und an der Universität Alicante in Spanien stattfand. Während der dreitägigen Konferenz waren viele Ärzte, Juristen und andere Experten anwesend und sprachen über MCS, Gifte, die Situation in Spanien usw. Es war wirklich toll und wir konnten die Vorträge und Diskussionen über Internet verfolgen.

Auf der Konferenz wurde auch ein „Leitfaden für Umweltkontrolle“ (No Fun Blog ist ein Teil davon) zusammen mit meinem Video „MCS: Die Bedeutung von Reduzierung toxischer Belastung“ präsentiert. Laut Francisca Gutierrez, Präsidentin von ASQUIFYDE, machte das Video großen Eindruck auf die Konferenzteilnehmer (Medizinstudenten, Presse und andere Personen aus dem Umwelt- und Gesundheitsbereich).

Als Abschluss der Konferenz wurde der neue Trailer gezeigt. Der Drehbuchautor und die Hauptdarstellerin des Film, Mariam Felipe, waren zugegen, um das Projekt zu erklären und darüber zu berichten, wie die Idee für den Film durch mein Interview auf Carne Cruda (rohes Fleisch) vor einem Jahr zustande kam. Und dann zeigten sie diesen unglaublichen neuen Trailer.

Trailer II – Film „Die Vögel aus der Kohlenmine“

Die Premiere des Films wird am 10. Dezember im Kino “Teatro Principal de Pontevedra” stattfinden.

Der Filmproduzent, Victor Moreno, lässt Euch wissen, dass sie eine Version mit englischen Untertiteln fertigen werden, und dank Silvia K. Müller, Präsidentin des CSN, noch eine weitere Version mit deutschen Untertiteln.

Ich bin sicher, dass dieser Film eine Menge Preise gewinnen wird!!

Autor: Eva Caballé, No Fun Blog, 10. November 2010

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Weitere Artikel von Eva Caballé:

Wird die Bevölkerung straflos vergiftet?

„Unkenntnis schützt vor Strafe nicht“, sagt nicht nur ein Sprichwort, sondern ist ein Prinzip unserer Rechtsprechung, wenn die Schuldfrage eines Vergehens untersucht wird. Das verpflichtet potentielle Schuldige oder Rechtsverletzer schon vor einem evtl. Schaden, sich darüber zu informieren, ob Bestandteile ihres Hab und Gutes (Elektroanlagen, Heimelektronik, Pkw usw.) oder ihr Verhalten gegen Gesetze verstoßen. Eine Ausrede: “ Das habe ich nicht gewusst“ hat vor einem Gericht keinen Bestand.

Die Frage ist nur: Gilt dieses Prinzip für alle natürlichen und juristischen Personen gleichermaßen?

Wenn sie für ALLE gilt, warum darf dann mit Produkten gehandelt und diese hergestellt werden, die nachweislich die Umwelt und Menschen schädigen?

Warum kommen Produkte auf den Markt, wo es noch keine Gewissheit darüber gibt, ob sie kurz-, mittel- oder langfristig zu Schäden führen oder ob sie in Verbindung mit anderen Stoffen Schaden verursachen? Warum werden erst nach Bekanntwerden von Schäden Grenzwerte festgelegt und wenn, dann nur pauschale Grenzwerte, die Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und Vorbelastungen der Menschen unberücksichtigt lassen?

Warum werden im Schadensfall oft die Hersteller und Anwender nicht in die Pflicht genommen?

Kurz gesagt: Der Bereich der Wirtschaft wird im erheblichen Maße von der gesetzlichen Pflicht, keinen Schaden für die Menschen zu verursachen, ausgenommen. Wer zahlt denn für radioaktive Belastungen, Belastungen durch Flug- und Verkehrslärm, Feinstaub, Allergien, Umweltkrankheiten, Verseuchung der Weltmeere, Gewässer, Böden, der Ausbreitung von Wüsten, Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten, Nebenwirkungen von Medikamenten, Chemikalienverseuchung von Wohnungen und öffentlichen Gebäuden usw.?

Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen?

Die Großen lässt man nicht nur laufen, sie werden beschützt, damit sie auf Kosten der Volksgesundheit weiter Profit machen können, wie z.B. die Hersteller von Diabetikerlebensmitteln, die nicht nur überteuert, sondern schädlich sind. Hersteller von konventionellen Lebensmitteln werden gegenwärtig verstärkt mit dem Argument in den Medien verteidigt, dass z.B. die Verwendung von Konservierungsmitteln das kleinere Übel im Vergleich zu Keiminfektionen seien. Doch auch hier werden mögliche Langzeitschäden durch die tägliche Aufnahme außer Acht gelassen und verschwiegen, warum Lebensmittel überhaupt konserviert werden sollen: Damit sie über weite Strecken transportiert und massenhaft über längere Zeit in den Supermärkten angeboten werden können. Eine regionale Produktion mit täglichen frischen Angeboten macht aber Konservierungsstoffe unnötig. Ebenso überflüssig, die vielen Geschmacksverstärker und künstlichen zugesetzten Aromen und Farbstoffe. Und warum werden die Menschen regelrecht manipuliert, dass ihre Wäsche, ihr Körper, die Wohnraumluft, die Spülmaschinen, der Staubsauger, der Pkw usw. ständig nach irgendwelchen künstlichen Duftstoffen riechen müssen?

Schaden vom Volk abzuwenden, wann wird das wirklich Wirklichkeit und das Unterlassen desselben tatsächlich juristisch verfolgt?

Autor:

Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. November 2010

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ES GIBT KEINEN ORT – Eine Sekundengeschichte

Das Paar freut sich über die neue Wohnung im Dachgeschoß des mehrstöckigen Hause. Sie wirkt hell, die Lage verspricht immer einen angenehmen Luftzug, so dass die Luft sauber bleiben dürfte. Ein Fahrstuhl erspart das Treppensteigen, das mit vollen Einkaufsbeuteln sicher beschwerlich sein würde. Der alte textile Fußboden- belag riecht nicht mehr nach Chemie und die Wände wirken trotz des alten Farbanstriches sauber. Vor allem aber ist die Wohnung trocken. Die jetzige Wohnung des Paares hat hingegen stets über 55 Prozent Luftfeuchtigkeit, oft nahe achtzig. Selbst nach fast einem Jahr riecht deshalb das Parkett noch dem Versieglungslack, weshalb die chemikaliensensible Frau nur das geflieste Bad für längere Aufenthalte nutzen kann. In der Küche – ebenfalls gefliest – kann sie sich nur kurz zum Kochen aufhalten, weil Spanplattenmöbel, der Lack der Küchentür und die Gummidichtungen der Fenster und Türen ihr fast den Atem rauben und sie am Rande der Ohnmacht bringen.

Nun diese neue Wohnung, die endlich Ruhe verspricht…

… aber ihr Versprechen nicht hält. Nach kurzer Zeit des Einzuges stinkt es wiederum nach Chemikalien, Zigarettenrauch, Teppichkleber, Duftstoffen aus den Wanddurch- brüchen für Rohrleitungen und aus den Entlüftungsschächten. Die extreme Hypersensibilität der MCS-Kranken lässt sie jedes Duftmolekül eines Schadstoffes wie einen Nadelstich spüren.

Auch dieser Umzug war wiederum umsonst und das Paar kommt sich wie Flüchtlinge vor, die niemand aufnehmen will… Für diese Kranken gibt es keinen Ort.

Die Leprakranken wurden früher zwangskolonisiert, damit sie niemanden anstecken konnten. Die MCS-Kranken würden sich am liebsten selbst kolonisieren, damit sie von Niemand durch Duftstoffe und Chemikalien noch kränker gemacht werden.

Es gibt Naturschutzgebiete, denkt die Frau, aber für uns Umweltkranke keine Menschenschutzgebiete…

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, Nov. 2010

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Umweltkrankheiten: Ein Leben auf der Flucht

MDR berichtet über MCS und Elektrosensibilität

Jede Woche treten chemikaliensensible Menschen mit CSN in Kontakt und hoffen auf Hilfe bei der Suche nach verträglichem Wohnraum. Den meisten dieser verzweifelten Personen ist es ganz gleich, wo sie hinziehen müssten, Hauptsache ein, zwei Zimmer ohne Schadstoffbelastung. Wohnraum für Menschen mit MCS (Multipler Chemikalien Sensitivität) wird von staatlicher Seite bislang nicht gefördert, obwohl Deutschland die UN Behindertenkonvention unterzeichnet hat und damit auch für die Behinderten Hilfe zusagen müsste. Der MDR berichtet in einem Beitrag über zwei Personen, die auf Chemikalien und Mobilfunkstrahlung reagieren. Es ist ein Leben auf der Flucht, denn die Areale, in denen keine Strahlung eintrifft, werden täglich weniger.

Wo sollen Chemikalien- und Elektrosensible hin?

Noch problematischer als für Chemikaliensensible ist die Wohnraumsuche für Menschen, die zusätzlich elektrosensibel, bzw. solche, die auf Mikrowellenstrahlung reagieren. Rocco ist einer von ihnen. Er stammt aus Italien und ist seit Jahren auf der Suche nach einem Ort, an dem er leben kann. Mit einem speziell umgebauten Wohnmobil fuhr er vor einigen Jahren bei CSN vor, seitdem besteht regelmäßiger Kontakt.

Aufgeben? NIE

Rocco leitet eine Organisation, die für die Rechte Chemikaliensensibler eintritt und eine Webseite betreibt. Nicht einfach, denn WLAN verträgt er nicht. 30m Internetkabel hat er immer dabei, um sein Laptop irgendwo an einen Internetzugang hängen zu können. Auf diese Weise hält er Kontakt zu seinen Leuten und anderen Aktivisten. Dafür kommt er heraus aus einem Funkloch und nimmt Schmerzen in Kauf. Bei letzten Mal, als er uns bei CSN aufsuchte, traf er klitschnass und ausgehungert ein. Er hatte sein Wohnmobil an einem sicheren Ort geparkt und war im strömenden Regen mit dem Mountainbike durch den Wald gefahren. Die Krankheit hat ihre Spuren bei Rocco hinterlassen, er ist im Vergleich zu vor ein paar Jahren extrem dünn geworden. Sein Gesundheitszustand ist als bedenklich anzusehen. Seine Aufrufe im CSN Forum und im Internet nach Hilfe wurden zwar oft gelesen, aber konkrete Hilfe kam eher selten zustande, weil Mitbetroffene kaum Energie übrig haben, um einen anderen Kranken zu pflegen. Einige Kontakte gibt es zwar, aber Rocco läuft stetig in Gefahr, dass sie nicht ausreichen, um ihn über Wasser zu halten.

„Andenken“ an den Arbeitsplatz in der Chemieindustrie

Seit letzten Februar lebt er in seinem Camper in Bozen auf einem Parkplatz, ohne jegliche Hilfe, ohne Sozialhilfe, ohne Wasser und Strom, ohne ärztliche Versorgung. Die finanziellen Reserven sind kurz davor, aufgebraucht zu sein. Es gibt Zeiten, da hat Rocco zuwenig Kraft, um sich Nahrung zu besorgen, dann hungert er zwangsläufig über Tage. Wenn ein winziger Funken Kraft zurückkommt, schleppt er sich in den Ort. Danach ist er wieder für Tage erschöpft und erträgt schwere Schmerzen, für die er keine Medikamente nehmen kann – doch wenigstens hat er dann wieder etwas Nahrung.

Ausgestoßen, verhöhnt, belächelt – Ist das fair?

  • Nach außen mag Rocco wie ein fancy Ökofreak wirken, doch welche Chance hat er?
  • Wer fühlt sich zuständig für Menschen wie Rocco, die wegen des Schweregrades ihrer Umwelterkrankung in keinem normalen Haus in einem Ort oder einer Stadt leben können?
  • Wo soll er hin? Wo gibt es überhaupt noch Funklöcher, wo er sich ohne Schmerzen aufhalten könnte?
  • Wer gibt Menschen wie Rocco wieder ein normales Leben zurück?
  • Ist es korrekt, dass eine Gesellschaft diejenigen verstößt und verhöhnt, die sie krank gemacht hat?

MCS und EMS im TV

Am Sonntag 7.11.2010 zeigt der MDR im Rahmen der Auslandssendung Windrose den Beitrag „Strahlenfreiheit“. Der Beitrag berichtet auch von Rocco, der zur Zeit in den Bergen Südtirols in einem Wohnwagen lebt, um Strahlung und Umweltgiften zu entkommen und von Marcello, der in den Hügeln der Emilia-Romagna einen kleinen Fleck gefunden hat, der noch strahlungsfrei ist.

Alles Weitere unter www.mdr.de/windrose und am 7.11 um 16.05 – 16.30 in der Windrose des MDR (LIVESTREAM und SATELLITE)

Wiederholung: Dienstag, 10:53 Uhr – Kurz darauf STREAMING unter www.mdr.de/windrose

Öffentlichkeitsarbeit trotz Kampf ums Überleben

Für Menschen wie Rocco ist ein Beitrag im Fernsehen sehr wichtig, denn wenn der Bericht gut recherchiert ist und sachlich dargestellt wird, was es bedeutet mit MCS und EMS leben zu müssen, trägt es zu weiterer Akzeptanz in der Allgemeinbevölkerung bei. Auf diese Akzeptanz sind Umweltkranke stark angewiesen, vor allem weil es keine staatliche Hilfe gibt und Umwelterkrankungen in der Regel verschwiegen werden.

Mit Rocco kann man via Facebook in Kontakt treten: Facebook – SOS Rocco

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 6. November 2010

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Von der Werbeagentur zum Biobauern

Ausstieg unter Zwang – Das Leben danach

Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie ein Leben ohne Chemie wäre? Ein Leben ohne Kunststoff-Autoverkleidungen, Kunststoff-Kleidung, -Spielsachen, -Küchengefäße, ohne Haarspray, Deodorant, Fleckenspray, ohne künstliche Farbstoffe, Geschmacksverstärker, ohne gedruckte Zeitschriften und Bücher, ohne Schaumstoff-Couch und lackierte Oberflächen, das geliebte Sport-Trikot?

Stefan Fenzel hat sich das auch nicht vorgestellt. Und als er es sich dann vorstellen musste, war es eine kaum vorstellbare Vision von seinem zukünftigen Leben. Leben mit MCS.

Eigentlich, erzählt Fenzel, bestand sein Leben immer aus Sport. Ob Skifahren oder Triathlon, Karate oder Laufen, Sport hat ihn seit seiner Kindheit begleitet. Daher war er auch immer der Überzeugung, dass er gesund lebte.

Doch mit knapp 40 Jahren konnte er sich oft kaum mehr konzentrieren, musste nach dem Treppensteigen kleine Pausen einlegen, hatte permanent Verdauungsprobleme und oft ein „glühendes“ Gesicht, vertrug helles Licht extrem schlecht („Wie erklärt man seinen Mitmenschen eine Sonnenbrille bei bewölktem Himmel?“), vergaß Dinge, die er 10 Minuten vorher mit seinen Mitarbeitern besprochen hatte, benötigte bis zu 12 Stunden Schlaf, und fühlte sich morgens, als hätte er die Nacht durchzecht. Und das Tag für Tag, Monat für Monat.

Was war geschehen? Die Schwermetall-Vergiftung durch 13 Amalgam-Füllungen in seiner Jugend wurde nicht erkannt, obwohl einige Erkrankungen auf Gift schließen hätten lassen können: so wurden ihm bereits in jungen Jahren die Mandeln, Polypen und der Blinddarm entfernt, er erkrankte permanent an Infektionen, an Gürtelrose und Pfeifferschen Drüsenfieber.

Die Füllungen ließ er später aufgrund allgemeinen Unbehagens gegenüber Amalgam entfernen und es wurde ein wenig besser. Fenzel: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht zu ändern ist. Was soll man machen?“

Ausgerechnet sein Traumhaus mit einem freien Blick über 200 km bis in die Alpen sollte ihn an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit bringen. Dort eingezogen, ereilte ihn wenige Wochen danach eine Grippe. Zwar im Sommer, aber das kann schon einmal vorkommen. Doch die Infekte häuften sich und reihten sich schließlich nahtlos.

Nach dem Besuch von Hausarzt, Internist, HNO-Arzt, dem örtlichen Umweltmediziner, Homöopath und Neurologe gab er auf. Aus seiner Sicht funktionierte seine Psyche hervorragend und auch die Belastung als Unternehmer überforderte ihn nicht, sondern machte ihm Spaß.

Viele Jahre beließ er es dabei, nahm Antihistaminika zur Reduktion der allergischen Reaktion, bis ihn sein Körper zur Aufgabe zwang: bereits geringste Mengen an Duftstoffen aus Parfüms, Deodorants oder mit Weichspüler gewaschener Kleidung brachten seinen Kopf zum Glühen und sein Immunsystem zum Erliegen. An Sport war schon seit Jahren nicht mehr zu denken, denn unweigerlich wäre eine Grippe gefolgt. Und die permanente Müdigkeit war kaum mehr zu kontrollieren. Der neue Firmenwagen legte ihn dann endgültig für Wochen ins Bett.

Der absolute Tiefpunkt war erreicht und Fenzel bereit, sich erneut auf die Suche zu machen. Die Interaktion Betroffener im Internet war bereits deutlich vorangeschritten im Vergleich zur Erstkonfrontation mit der Krankheit acht Jahre zuvor und er wurde schnell fündig, was die Krankheitserscheinungen angeht. Nur die Ursache blieb im Dunkeln.

Heute weiß Fenzel, was er hat: MCS (multiple chemical sensitivity, Multiple Chemikalienunverträglichkeit). Neben der Tatsache, dass er genetisch bedingt ein schlechter Entgifter ist, brachten die Schwermetallvergiftung und eine Lösemittelvergiftung aus Lacken und Klebern in seinem Traumhäuschen sein Immunsystem völlig aus den Fugen, teilweise irreversibel.

Doch wie lebt man damit? Fenzel hatte die letzten 10 Jahre eine Werbeagentur mit knapp 20 Mitarbeitern aufgebaut, die er nun verkaufte. Doch was nun machen und von was leben? Seine Frau besaß eine Landwirtschaft, die weitgehend von den Schwiegereltern im Rentenalter betrieben wurde und die eigentlich für die Zukunft ausgerichtet werden musste, doch dazu war nie Zeit. Fenzel besichtigte 20 landwirtschaftliche Betriebe, las sich ein und stellte als Quereinsteiger den ehemaligen Milchbetrieb auf eine ökologische Rinderhaltung um. Darüber hinaus betreibt er nun Photovoltaikanlagen, Forstwirtschaft, unterstützt seine Frau bei deren Gastronomie und stellt seine Kommunikations-Expertise von zuhause aus zur Verfügung.

Seine Wohnung baute er komplett ökologisch um und verbannte sämtliche Kunststoffe daraus. In der Regel isst er nur selbst zubereitete Speisen, mit einem sehr hohen Rohkost-Anteil, ohne Farbstoffe und Geschmacksverstärker, aus ökologischem Anbau. Fenzel: „Früher hätte ich solche Personen wohl für Öko-Spinner gehalten, heute freue ich mich über die neue Lebensqualität und Feinkost-Lebensmittel, denn das sind ökologische Lebensmittel eigentlich.“

Zudem hat er auch Duftstoffe konsequent aus seinem Leben verbannt. Das ist zwar im Leben mit den Mitmenschen oft nicht leicht und schafft oft Gesprächsbedarf mit anderen, wo man lieber über etwas anderes reden würde, aber dafür hat er wieder Lebensqualität und nur noch wenige „kranke“ Tage.

Nachdem er nicht mehr ein noch aus wusste, wie er überhaupt noch ein Leben führen können soll, ist das für ihn ein riesiger Schritt. „Heute brauche ich nur noch zum Traktorfahren eine Gasmaske. Das sieht zwar doof aus und grenzt aus, aber vermeidet, dass ich am nächsten Tag im Bett liege.“

Wie schätzt er seine Zukunft ein? „Mein Ziel ist es, dass mein Körper wieder so weit genest, dass ich geringe Mengen an Giftstoffen wieder vertrage, damit ich mit meiner Frau und Familie auch einmal wieder ganz normal in ein Restaurant gehen oder Freunde besuchen kann. Ob das möglich ist, weiß ich nicht, aber versuchen werde ich es.“

Und ganz nebenbei bemerkt er, dass einfach in jedem Bruch eine Chance liege, und die kann man nutzen oder verstreichen lassen. Er freue sich, dass er nun etwas mehr Zeit habe, seine Familie täglich sehe und auch noch andere Dinge erleben kann als nur seine Firma.

Video zum Biohof >> Hafning im Bayrischen Fernsehen

Autor: Stefan Fenzel für CSN, Passau, 1.11.10.2010

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Chemikaliensensitivität – Folge des modernen Lebensstils der Spezies Mensch

Nebenwirkungen des modernen Lebens

Aktuell zirkulieren etwa 100.000 verschiedene Chemikalien fortwährend in der Umwelt und die Wirkung der überwiegenden Mehrheit dieser Chemikalien auf den menschlichen Organismus ist unbekannt.

Stephen Hawking [pop. Prof. mit ALS] ist der Ansicht, dass der Erde eine verheerende Katastrophe droht und das Leben kann nur weiterbestehen, wenn man im Weltraum Kolonien errichtet.

Was Hawking am meisten Sorgen macht ist ein möglicher Zusammenstoß der Erde mit einem Asteroiden, der das Leben auslöschen würde. Ich denke jedoch, auf dieses Desaster brauchen wir nicht zu warten. Die Menschheit ist bereits erfolgreich dabei, den Auftrag auszuführen, das Leben auf der Erde auszurotten.

Auf der Erde, unserem Planeten, gab es seit mehr als 3½ Milliarden Jahre Leben. Menschen tauchten ungefähr 50.000 Jahre vor unsere Zeitrechnung auf. Bis vor etwa 100 bis 150 Jahren vertrug sich die Menschheit bestens mit der Natur und hatte bis dahin eine Lebensweise, die nur in geringem Umfang in die empfindlichen Ökosysteme der Natur eingriff.

Vor ungefähr 150 Jahren kam es jedoch zu einer drastischen Veränderung. Die Industrialisierung begann, Herstellungs- und Aufbereitungsprozesse konnten durch den Einsatz von Dampf, Gas, Öl und Elektrizität als Energiequelle verbessert werden.

In den 50’er Jahren stieg der Verbrauch von Chemikalien explosionsartig an. Es entsprach den Zeitgeist, Lebensmittelzusätze, Chemikalien, Detergenzien zur Erleichterung der täglichen Mühen der Hausfrau und von Chemikalien triefende Körperpflegeprodukte usw. herzustellen.

Herstellung und Verbrauch von Chemikalien ohne jegliches Hinterfragen

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass heute über 100.000 verschiedene Chemikalien ständig in der Umwelt zirkulieren, und dass wir die Wirkung der überwiegenden Mehrheit dieser Chemikalien auf den menschlichen Organismus immer noch nicht kennen. Doch mittlerweile wird die Cocktail-Wirkung dieser Chemikalien allmählich diskutiert. Viele unterschiedliche Chemikalien sind zusammen sehr viel schädlicher als einzelne Chemikalien. Die Motivation, sich mit diesen Problem kritisch zu befassen, ist jedoch nicht besonders hoch. Einige Chemikalien haben hormonähnliche Wirkung, dies verursacht sexuelle Frühreife, Kinderlosigkeit usw. Und es ist eine bekannte Tatsache, dass manche Chemikalien krebserzeugend sind. Doch selbst dies wurde in großen Umfang ignoriert.

Ertragsgierige Landwirte versprühen Pestizide

Landwirte sprühen immer aggressiver eine große Anzahl verschiedener Pestizide – Stoffe, die dafür gemacht sind, lebende Organismen abzutöten: Insekten, Unkraut und Pilzbefall. Es ist bekannt, dass diese Pestizide ausnahmslos bis in das Grundwasser durchsickern. Doch was wurde deswegen unternommen? Ach ja, es wurden Grenzwerte vorgegeben, wie viel Verunreinigung in unserem Trinkwasser erlaubt ist. Es wurden Grenzwerte gesetzt, wie viel toxischen Abfall unsere Nahrungsmittel enthalten dürfen. Das ist doch purer Wahnsinn! Ohne zu protestieren stimmen wir zu, giftigen Abfall zu essen, zu trinken und einzuatmen. Was lässt uns glauben, diese schädlichen Chemikalien wären für den Menschen unschädlich, wenngleich die Pestizide entwickelt wurden, um lebende Organismen zu töten?

Chemische Unfälle sind zu Alltagsvorkommnissen geworden

Nahezu jeden Tag werden wir im Fernsehen und in Zeitungen mit Berichten über diverse chemische Unfälle überschüttet. Ein ganzes Dorf in Ungarn versinkt in einer Flutwelle aus giftigem Schlamm. Man entdeckt verseuchte Gelände und in der freien Natur werden überall Chemikalien abgeladen. Die Industrie gibt große Mengen giftiger Abwässer und giftiger Abgase an die Umwelt ab und verursacht dadurch schwerwiegende Schäden bei Mensch und Tier. Manche Fische sind aufgrund der hohen Schwermetallbelastung nicht mehr essbar. Selbst Eisbären, die so fern der Zivilisation leben, sind über ihre Nahrung Chemikalien und Umweltverschmutzung ausgesetzt und bekommen missbildete Genitalien. Die Luft ist mit Schadstoffen angefüllt und wir verbrennen fossile Brennstoffe in immer größeren Mengen. Wir scheinen gegen all diese grausamen Nachrichten teilweise „immun“ geworden zu sein. Der Wahnsinn geht weiter, vom Hang des Menschen zur Habgier angetrieben.

Umwelterkrankungen wie MCS sind Folge all dieser chemischen Produktion und Umweltverschmutzung

Ungefähr im Zeitraum der letzten 50 Jahre hat sich die Anzahl der Menschen, die an solchen Umwelterkrankungen wie MCS erkranken, allmählich erhöht. Es wundert nicht, dass die Schwächsten von uns der verheerenden chemischen Belastung unterliegen, die dem menschliche Körper genau so fremd ist, wie die zunehmende Verbreitung von drahtlosen Geräten mit Funkverbindung, die ebenfalls eine verheerende und unnatürliche Strapaze für den menschlichen Organismus darstellen.

Der Mensch wurde geschaffen, um mit der Natur in Einklang zu leben, und selbst wenn es uns „natürlich“ vorkommt, so zu leben, wie die Gesellschaft dies heutzutage tut, wobei wir täglich hunderten von Chemikalien ausgesetzt sind oder diese verzehren, ist unser Körper natürlich nicht dafür ausgerüstet, sich gegen all diese Substanzen, die dem menschlichen Körper fremd sind, zu wehren. Einige Mitglieder der Gesellschaft werden von diesem überwältigenden Druck, der sich chemisch aufgebaut hat, krank und entwickeln Chemikaliensensitivität.

  • Weshalb leugnen Politiker, Wissenschaftler, Ärzte und andere die Existenz der Umwelterkrankung MCS?
  • Wenn Tiere von chemischen Verunreinigungen krank werden, fragt sich, warum eine Reihe von Menschen auf diesen, dem menschlichen Körper fremden verheerenden chemischen Druck nicht ähnlich reagieren soll, in dem sie krank werden?
  • Sollte es nicht naheliegen, Menschen mit Umwelterkrankungen ernst zu nehmen?
  • Sollte die Gesellschaft nicht so reagieren, dass sie Alarm schlägt und ernsthafte Forschung auf diesem Gebiet veranlasst?
  • Sollte die Zunft der Medizin diesen durch die Umwelt schwer erkrankten Menschen nicht sofort faire und sorgfältige medizinische Untersuchung, Rat und Behandlung für ihre behindernde Erkrankung MCS anbieten?
  • Warum gibt es stattdessen einen derart breiten und massiven Widerstand, MCS als das was es ist, als eine Umwelterkrankung zu akzeptieren? Wer hat ein besonderes Interesse daran, die Erkrankung Chemikalien-Sensitivität zu leugnen und stattdessen zu versuchen, sie weg zu diskutieren, indem sie zu einer mentalen Erkrankung erklärt wird?
  • Könnte es sein, dass die chemische Industrie, die Versicherungsbranche und gewisse Politiker ein großes Interesse daran haben, MCS wegen den Chemikalien nicht als eine Umwelterkrankung anzuerkennen?

Wenn MCS als eine von Chemikalien hervorgerufene Erkrankung anerkannt würde, bekämen die zuvor erwähnten Gruppen sehr große finanzielle Schwierigkeiten. Stattdessen werden bei diesen Erkrankten jedoch psychiatrische Störungen diagnostiziert, damit große Beträge an Gewinnverlust, Schadensersatz, Gewährung von Behindertenrente usw. eingespart werden. So macht es Sinn. Hier finden wird den Grund, weshalb weltweit derart verbiestert fairer und sorgfältiger Forschung zu MCS widersprochen und warum unablässig versucht wird, die wenigen Umweltärzte durch jedes erdenkliche Mittel in Verruf zu bringen.

Es gibt immer geldgierige Wissenschaftler in der Forschung und Ärzte, die gekauft werden können, um im Voraus festgelegte Forschungsergebnisse und auch Diagnosen zu produzieren. Im Falle der gesundheitlichen Wirkung von Tabak war dies offensichtlich und es ist genau so offensichtlich im Falle der gesundheitlichen Folgen von Chemikalien. Viele Ärzte diagnostizieren bei MCS-Kranken psychiatrische Störungen, doch solche Fehldiagnosen machen MCS-Kranke nicht, natürlich nicht, unempfindlicher gegenüber Chemikalien.

Im Gegenteil, immer mehr Menschen erkranken an MCS – und wenn das Problem mit den Chemikalien nicht bald ernst genommen wird, kann die Prophezeiung von Stephen Hawking ohne weiteres zutreffen. Der Mensch ist jene Katastrophe, die im Begriff ist, die Erde und das Leben auf der Erde zu zerstören.

MCS-Kranke sind nichts anderes als die ersten Opfer. – Sie sind die gelben Kanarienvögel in der Kohlemine.

Autor: Bodil Nielsen, Dänemark http://www.mcsfokus.dk/

Englische Übersetzung: Dorte Pugliese, Christi Howarth

Deutsche Übersetzung: BrunO für CSN-Deutschland

Photo: Torben Bøjstrup / Topperfoto.dk

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MCS auch 2011 im ICD-10 im Register für Verletzungen und Vergiftungen aufgeführt

Am 5. Oktober erschien der neue ICD-10 für das Jahr 2011. Die Umweltkrankheit MCS – Multiple Chemical Sensitivity wird folgendermaßen aufgeführt:

Chemical-Sensitivity [MCS]-Syndrom, Multiple- T78.4

Zu finden ist der ICD für MCS wie gehabt im Alphabetischen Verzeichnis zur ICD-10-GM (1) (vormals: ICD-10-Diagnosenthesaurus). Dieses Verzeichnis wird von DIMDI als zugehöriges Ergänzungswerk zum Systematischen Verzeichnis der ICD-10-GM herausgegeben. Das Alphabetische, wie auch das Systematische Verzeichnis, sind für Ärzte zur Kodierung von Krankheiten verpflichtend und im Sozialgesetzbuch V verankert.

Information, die für alle MCS-Kranken in Deutschland von zentraler Bedeutung ist:

ICD steht für International Classification of Diseases und ist ein von der WHO – Weltgesundheitsorganisation herausgegebenes Manual aller anerkannter Krank- heiten und Diagnosen. Ärzte tragen die Verantwortung für die korrekte Verschlüssel- ung.

Im aktuellen DIMDI 2011 ist MCS logischerweise wieder als durch Vergiftungen hervorgerufene Krankheit beschrieben, nämlich im T-Register S00-T98 (Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen), und nicht etwa als psychische Erkrankung. Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen werden nämlich im F-Register aufgeführt.

Fehlinformationen schaden und dienen nur der Verwirrung von Kranken

Gegenteilige, auch aktuelle Behauptungen gewisser Gruppierungen, u.a. „Safer World“ (Newsletter -125 – 20.10.2010), MCS sei im 2011er ICD 10 nicht mehr zu finden, sind also frei erfunden.

Manche Gruppierungen informieren nun schon über Jahre notorisch falsch über den ICD-10 Code für MCS T78.4, trotz wiederholter Richtigstellung durch Dritte. Sie stiften damit bei MCS-Kranken Verwirrung und sorgen grundlos für Angst. (2) Der Sachver- ständige Dr. Tino Merz hatte hierauf Anfang 2009 in zwei Artikeln im CSN Blog bereits deutlichst hingewiesen: (3,4)

Die Ausrede, dass es zu schwer sei, durchzusteigen im ICD-10, kann ebenfalls nicht mehr akzeptiert werden, seit es die kinderleicht zu bedienenden und sogar kostenlos verfügbaren Apps für iPhone und andere Smartphones gibt. (5)

Zum Weiterreichen bietet sich auch das CSN Merkblatt „MCS – Multiple Chemical Sensitivity ICD-10 T78.4“ an. Es erläutert wo MCS im ICD-2011 eingegliedert ist. (6)

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 30.10.2010

– –

Nachtrag: Wie finde ich den ICD-10 Code für MCS – Multiple Chemical Sensitivity?

Um den ICD-10 für MCS einzusehen auf diese Seite gehen >>>
DIMDI Downloadcenter Alphabetische Version 2011

Klicken >>> ICD-10-GM 2011 Alphabet Buchfassung PDF – kostenfreie Referenzfassung

  • nach unten auf akzeptieren gehen
  • die zip Datei öffnen
  • es öffnet sich ein Fenster. Dort die pdf ganz rechts öffnen.
  • Jetzt öffnet sich “ ICD-10-GM / Version 2011 / Alphabetisches Verzeichnis
  • Auf den Buchstaben C gehen, dort findet man „Chemical-Sensitivity [MCS]-Syndrom, Multiple- T78.4“

Das T steht für ein Kapitel im ICD-10.

Die Bedeutung der einzelnen Kapitel findet man hier >>

Klassifikation Diagnosen

T78.4 ist einsortiert unter:

S00-T98 Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen

Literatur:

  1. DIMDI, ICD-10 GM 2011, überarbeitete Neuaulage
  2. Safer World, Ingrid Scherrmann, Newsletter -125 – 20.10.2010
  3. Dr. Tino Merz, Künstlich erzeugte Verwirrung über den ICD-10 zu MCS, 29. Jan. 2009
  4. Dr, Tino Merz, Update – Emotionalität und Falschinformationen schaden allen MCS-Kranken, 5. Feb. 2009
  5. Silvia K. Müller, Kostenloses iPhone/Android App für Ärzte und Patienten – ICD-10 Auskunft, 3. Feb. 2009
  6. CSN, Merkblatt „MCS – Multiple Chemical Sensitivity ICD-10 T78.4, Stand 2011„, Oktober 2010

Weiterführende Informationen:

Bedenkliche Chemie in Duftstoffen

Es wurde nachgewiesen, dass parfümierte Produkte zahlreiche nicht deklarierte Chemikalien abgeben

Der angenehme Duft frischer Wäsche könnte einen unangenehmen Beigeschmack haben. Weit verbreitete Produkte, auch solche die behaupten, „grün“ zu sein, geben zahlreiche Chemikalien ab, die nicht auf den Etiketten stehen. Darunter sind einige, die als toxisch eingestuft werden.

Eine von der Universität Washington geleitete Studie ergab, dass 25 häufig genutzte parfümierte Produkte durchschnittlich jeweils 17 chemische Substanzen abgeben. Von den 133 nachgewiesenen Chemikalien ist fast ein Viertel nach mindestens einem Bundesgesetz als toxisch oder schädlich eingestuft. Nur eine der freigesetzten Substanzen war auf einem Warenetikett angegeben und nur zwei sind irgendwo veröffentlicht worden. Der Bericht erschien am 26. Oktober 2010 im Journal „Environmental Impact Assessment Review“ (etwa: Abschätzung von Umweltfolgen im Überblick).

„Wir haben Produkte analysiert, die am Häufigsten verkauft werden, und ungefähr die Hälfte davon sollte ökologisch, organisch oder natürlich sein“, sagte die leitende Autorin Anne Steinemann, eine Professorin für Bau- und Umweltingenieurwesen und Public Affairs (Öffentliche Angelegenheiten) an der University of Washington. „Überraschenderweise unterschieden sich die Emissionen schädlicher Chemikalien aus „grünen“ Erzeugnissen nicht wesentlich von denen anderer Produkte.“ Mehr als ein Drittel der Erzeugnisse gab mindestens eine Chemikalie ab, welche die amerikanische Umweltschutzbehörde (EPA) als möglicherweise krebserzeugend einstuft und für welche sie keinen sicheren Grenzwert festsetzt.

Die Hersteller sind nicht verpflichtet, bei Reinigungsartikeln, Lufterfrischern oder Wäschepflegeprodukten irgendwelche Inhaltsstoffe preiszugeben, allesamt Produkte, die von der Product Safety Commission (Verbraucherschutz Kommission) überwacht werden. Weder diese, noch Körperpflegemittel, die von der Food and Drug Administration (Behörde für Nahrungsmittel und Medikamente) überwacht werden, erfordern die Angabe der Inhaltsstoffe, welche in den Duftstoffen zur Anwendung kommen, obwohl ein einziger „Duftstoff“ in einem Produkt ein Gemisch aus bis zu mehreren Hundert Zutaten sein kann, sagte Steinemann.

Aus diesem Grunde haben Steinemann und ihre Kollegen wie Detektive nach Chemikalien gesucht um herauszufinden, welche Stoffe parfümierten Produkte abgeben, die üblicherweise in Wohnungen, öffentlichen Räumen und an Arbeitsstätten verwendet werden.

Die Studie untersuchte Lufterfrischer in Form von Sprays, Feststoffen und Ölen, Wäschepflegemittel wie Waschmittel, Weichspüler und Trockner-Tücher [gegen Knittern und mit Duft], Körperpflegemittel wie Seifen, Händedesinfektion, Lotionen, Deos und Shampoos, sowie Reinigungsmittel, zu denen Desinfektionsmittel, Allzweckreiniger-Sprays und Spülmittel gehörten. Es handelte sich stets um weit verbreitete Marken, von denen mehr als die Hälfte zu den am meisten verkauften in ihrer Warengruppe gehörten.

Die Forscher platzierten von jedem Produkt eine Probe bei Raumtemperatur in einem geschlossenen Glasbehälter und untersuchten danach die eingeschlossene Umgebungsluft auf flüchtige organische Substanzen, winzige Moleküle, die aus der Oberfläche eines Produktes verdampfen. Sie maßen chemische Konzentrationen von 100 Mikrogramm pro Kubikmeter (dem kleinsten gemessenen Wert) bis zu mehr als 1.6 Millionen Mikrogramm [0.0016 Milligramm] pro Kubikmeter [etwa 0,83ppb bis 1,3ppt].

Die am häufigsten abgegebenen Stoffe waren Limonen, eine nach Citrus riechende Substanz; Alpha-Pinen und Beta-Pinen, Substanzen mit Kiefernduft; Ethanol und Aceton, Lösungsmittel die in Nagellackentferner vorkommen.

Alle Produkte gaben mindestens einen chemischen Stoff ab, der als toxisch oder schädlich eingestuft ist. Elf Produkte gaben mindestens einen Stoff ab, der laut EPA im Verdacht steht, Krebs hervorzurufen. Dazu zählten Acetaldehyd, 1,4-Dioxan, Formaldehyd und Methylchlorid. Die einzige überhaupt auf einem Produktetikett angegebene Chemikalie war Ethanol und die einzige weitere Substanz, welche in einem chemischen Sicherheitsbericht bzw. in einem Sicherheitsdatenblatt vorkam, war 2-Butoxyethanol.

„Die Produkte gaben zusammen über 420 Chemikalien ab, aber nahezu keine wurde irgendwo den Verbraucher offen gelegt“, sagte Steinemann.

Da über die Zusammensetzung der Produkte Verschwiegenheit herrscht, war es unmöglich festzustellen, ob eine Chemikalie der Grundsubstanz eines Produktes oder dem ihm hinzugefügten Duftstoff oder beidem entstammt. [Dies dient vordergründig dem Wettbewerbsschutz und ist gesetzlich entsprechend geregelt.]

Die Ergebnistabellen enthielten neben den aufgelisteten Artikeln alle von jedem einzelnen Produkt abgegebenen Chemikalien, sowie deren Konzentrationen, führen jedoch keine Markennamen der Produkte auf.

„Wir möchten bei niemandem den Eindruck erwecken, man wäre vor Schaden sicher, indem man Produkt „B“ kauft, weil wir Produkt „A“ erwähnen“, sagte Steinemann. „Potentiell schädliche Chemikalien fanden wir in allen parfümierten Produkten, die wir getestet haben.“

Die Studie belegt die Anwesenheit verschiedener Chemikalien, maßt sich aber keine Aussagen über die möglichen Gesundheitsfolgen an. 2009 ergaben zwei in allen Bundesstaaten durchgeführte Erhebungen von Steinemann und einer Kollegin, dass ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Lufterfrischer berichteten und ungefähr 10 Prozent klagten über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Wäschepflegeprodukte, deren Abluft nach Draußen abgeführt wurde. Asthmatiker klagten ungefähr doppelt so häufig darüber, wie der Durchschnitt.

Nach dem Gesetz zur Auszeichnung von Haushaltsprodukten, welches derzeit einer Prüfung durch den US-Senat unterzogen wird, sollten die Hersteller die Inhaltsstoffe von Lufterfrischern, Seifen, Waschmitteln und anderen Verbrauchsgütern angeben. Steinemann sagt, ihr Augenmerk richtet sich auf Duftstoffmischungen, die im Entwurf des neuen Auszeichungsgesetzes aufgeführt sind.

Grund ist das Potential an unerwünschten Expositionen oder das, was sie „Düfte aus zweiter Hand“ nennt.

Als das, was Verbraucher die solche Chemikalien vermeiden wollen, in der Zwischenzeit tun sollten, schlägt Steinemann einfachere Möglichkeiten vor, z.B. mit Essig und Natron zu reinigen, zum Lüften Fenster zu öffnen [statt Air Freshener] und duftfreie Produkte benutzen.

„In den vergangenen zwei Jahren habe ich mehr als 1.000 Mails, SMS und Anrufe von Menschen bekommen, die etwa folgenden Inhalt hatten: ‚Ich danke Ihnen, dass Sie diese Untersuchungen durchführen, diese Produkte machen mich krank und nun beginne ich zu verstehen weshalb'“, sagte Steinemann.

Steinemann ist zurzeit Gastprofessor für Bau- und Umweltingenieurwesen an der Stanford University. Mitautoren sind Ian MacGregor und Sydney Gordon vom Battelle Memorial Institute in Columbus, Ohio, Lisa Gallagher, Amy Davis und Daniel Ribeiro von der University of Washington und Lance Wallace von der amerikanischen Umweltschutzbehörde im Ruhestand. Die Untersuchung wurde teilweise durch die Stadtwerke von Seattle finanziert.

Literatur:

Übersetzung: Vielen Dank an BrunO!

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