Archiv der Kategorie ‘Umweltkrankheiten‘

MCS-Kranke in Italien sollen Hilfe erhalten

In den vergangenen Monaten wurde in einigen Ländern das Thema MCS-Multiple Chemical Sensitivity von Politikern und Ministerien aufgegriffen und bearbeitet. Ziel ist, dass Chemikaliensensible zu behördlicher Anerkennung ihrer Krankheit, medizinischer Behandlung und etwas mehr Lebensqualität verholfen wird.

Die italienische MCS-Organisation AMICA gibt einen kurzen Zwischenbericht:

Der italienische Senat hat begonnen, die vier eingereichten Gesetzes-vorlagen zur Anerkennung von MCS zu diskutieren. Einige Senatoren, wie Sen. Gustavio, erklärten die Charakteristika der Krankheit, die in einigen Ländern im ICD-10 als unspezifische Allergie gelistet ist. Der nationale Gesundheitsausschuss, ein wissenschaftlicher Arm des italienischen Gesundheitsministeriums, hat bereits festgelegt, dass MCS nicht als seltene Erkrankung eingestuft werden kann, weil die Beschwerden bei rund 12% der Bevölkerung auftreten.

Die weitere Diskussion wird sich u.a. auf die Notwendigkeit von adäquaten Gesundheitszentren und spezielle Leitlinien für Krankenhausaufenthalte fokussieren. Es ist auch eine Anhörung von Sachverständigen geplant, deren Aufgabe es sein wird, die sozialen Auswirkungen der Krankheit zu bewerten. Es sollen angemessene Strategien entwickelt werden, um den MCS-Erkrankten zu helfen, mit ihrer Krankheit im Alltag besser zurechtzukommen.

Autor: CSN – Chemical Sensitivity Network, Juli 2010

Weitere CSN Artikel zum Thema:

ACTION !!! Weltweit schreiben MCS-Kranke an Oprah Winfrey

Menschen mit MCS-Multiple Chemical Sensitivity von überall auf der Welt haben beschlossen, nicht mehr länger zu schweigen und sich zu verstecken. Aktivisten aus allen Ländern treten nacheinander hervor und rufen zu Aktionen auf. Für den Monat Juli hat eine niederländische Aktivistin eine Kampagne ins Leben gerufen und bittet alle, die chemikaliensensibel sind, sich daran zu beteiligen.

JULI 2010 – Monique van den Broek’s Appell:

AN ALLE MCS-Patienten weltweit!

Es ist an der Zeit, die Welt wissen zu lassen, wie viele Menschen gesundheitliche Probleme haben, die von Chemikalien herrühren.

Wenn es ein Fernsehprogramm gibt, das weltweit angeschaut wird und wirklich Einfluss hat, dann ist es die OPRAH WINFREY SHOW

Diese Dame zeigt Respekt für Natur, Umwelt und Gesundheit.

Ich möchte Euch alle um etwas bitten, nur eine Bitte. Nehmt Euch eine Stunde Zeit.

Geht am 3. oder 4 Juli auf folgenden Link und schreibt an Oprah Winfrey:

Kontaktformular Oprah Winfrey Show

Schreibt auf Englisch oder in Eurer Sprache. Wer es nicht aus dem Stehgreif kann, kann schon jetzt seinen Beitrag (bis zu 2000 Zeichen sind möglich) schreiben und ihn am 3. oder 4. Juli in das Formular einsetzen.

Geht folgendermaßen vor:

  1. Schreibt Euren Namen und Euer Land
  2. Schreibt, wie lange Ihr bereits unter MCS leidet
  3. Was MCS für Euer tägliches Leben bedeutet, wie Euch die Krankheit einschränkt
  4. Durch was die MCS eingetreten ist
  5. Für den Fall, dass Ihr eine Kontaktperson für Oprah Winfrey sein möchtet, schreibt zum Schluss noch Eure Telefonnummer, E-Mail Adresse oder Skype Adresse

GANZ WICHTIG: Wir alle werden unsere Geschichte AM GLEICHEN TAG an Oprah senden. Nur wenn wir alle unsere Botschaft am 3. und 4. Juli senden, bekommen wir die Aufmerksamkeit die wir benötigen.

Denkt bitte nicht „ich mache das vergeblich, das nutzt nichts“, wenn wir so denken, können wir nie etwas erreichen. Lasst uns unkonventionelle Wege gehen. MACHT MIT!!!

Noch eine kleine Bitte am Rande:

Sendet diese Nachricht an alle MCS Leute, die Ihr kennt. Lasst es uns probieren und ein Bombardement von Tausenden von E-Mails an Oprah Winfrey Show am 3. und 4. Juli senden, denn TAUSENDE MACHEN EINEN UNTERSCHIED.

Viele Grüße,

Monique van den Broek (MCS Betroffene),

Naarden, Niederlande

Duftfreie Schule? – Einen Versuch ist es wert

MCS Kreativteam setzt sich für duftfreie Schulen ein

Ich lebe mit meinem 6-jährigen Sohn im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Wir sind u.a. an MCS erkrankt. Die Schulpflicht steht an und die Suche nach einer geeigneten Schule begann. So habe ich erst im Kreis alle Grundschulen angeschrieben, um deren Gesamtplätze und die Klassenstärken der zukünftigen 1. Klassen gebeten und angefragt, ob sie sich vorstellen könnten mein MCS-krankes Kind unter den und den Bedingungen aufzunehmen. Nach diesen Anfragen hat sich ein Schulleiter zu einem Schnuppertag bereit erklärt, und im persönlichen Gespräch kamen sofort Sympathie, Verständnis und Entgegenkommen zu Tage.

Ein Schulelternabend wurde vom Schulleiter angeregt, auch der TV-Beitrag „Ich kann dich nicht riechen“ wurde von ihm selbstständig gefunden, angesehen und vorgeschlagen, diesen einführend auf dem Elternabend zu zeigen. Der Elternabend sollte zum einen für allgemeine Aufklärung über das Krankheitsbild MCS und die Wirkungen von Duftstoffen bzw. Chemikalien – insbesondere auf Kinder – gelten.

Zum anderen war damit verbunden meine Bitte an die Eltern um Verzicht auf Parfüms/ Weichspüler und andere duftstoffhaltige Produkte, um meinem Kind eine Integration in diesen Klassenverband zu ermöglichen.

Darauf habe ich im Netz um Hilfe gebeten und bin bei CSN bei Silvia Müller auf Mithilfe gestoßen. CSN hat mich in meinem Vorhaben mit Rat und Tat sowie auch finanziell unterstützt. Zudem hatte sich noch eine weitere MCS-Erkrankte zur Mithilfe bereiterklärt und so haben wir zu Dritt als MCS- Kreativteam eine Info-Mappe für den Schulleiter und die Eltern erstellt.

Bei der dritten Mithelferin handelte es sich um eine Lehrerin, die nach Bezug des gleichen Schulneubaus, in dem Lia aus dem Filmbeitrag: „Ich kann dich nicht riechen“ krank wurde, ebenfalls an MCS erkrankte.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich diese Unterstützung bekommen habe. Mein ausdrücklicher Dank geht vor allem an Silvia K. Müller, die sich aufopfernd unserer annahm. Und ich bin stolz, dass ein Konzept und eine Info-Mappe entstanden sind, welche nun für Jeden zugänglich gemacht werden können.

Aber nun möchte ich Euch von dem Schulelternabend, der am 06.05.2010 stattfand, berichten:

Es wurde also einführend der TV-Betrag aus der ZDF Dokureihe 37° „ Ich kann dich nicht riechen“ mit den drei MCS – Fallbeispielen Christian Schifferle, Lia und Heike – der am 12.02.2008 ausgestrahlt wurde – abgespielt.

Anschließend informierte die Lehrerin aus dem MCS – Kreativteam, die zu meiner Unterstützung extra zu diesem Elternabend weit angereist war, über das Krankheitsbild MCS und dann habe ich frei vortragend aber im Sinne meines Elternbriefes gesprochen und den Eltern meine Bitte vorgetragen, ihre Kinder „duftstofffrei“ zur Schule zu schicken.

15 Eltern von 16 Kindern waren anwesend. Es hatten sich alle Eingeladenen an die Bitte des Schulleiters „parfümfrei zu erscheinen“ gehalten, bis auf zwei Personen (meinte meine Nase).

Definitiv war unsere Aufklärung ein voller Erfolg, bei 3 Personen sah ich Ablehnung in den Augen, aber es kam trotzdem kein kritisches Wort. ALLE haben versucht mitzumachen und wollen versuchen Wasch – und Kosmetikprodukte auf „duftstofffreie“ Produkte umzustellen.

Zudem kam noch die Überlegung auf, alle Klassen, bzw. Eltern anzusprechen und die Schule komplett duftstofffrei zu gestalten. Ein Vater hat sich für dieses Thema sofort engagiert.

Erschreckend war gleichzeitig, dass schon bei 3 Kindern ähnliche Gesundheitsbeschwerden thematisiert wurden. Eine Allergie auf Weichspüler und bestimmte Waschmittelinhaltsstoffe, Asthma und andere vielfältige Allergien wurden genannt. Der direkte Bezug zu MCS war sofort da. Eine Mutter kannte MCS über TV-Medien.

Ein türkischer Vater teilte mit, dass sein Vater dieses Krankheitsbild schon vor 40 Jahren gehabt habe. Die meisten sagten, sie würden keinen Weichspüler benutzen, ja sie würden sogar darauf reagieren.

Die Resonanz vom Schulleiter am Tag danach war sehr positiv. Die Vorträge wären sehr gut und verständlich gewesen, die anschließende Diskussion (an der wir nicht mehr teilnahmen) wäre sehr positiv verlaufen und das ausgelegte Infomaterial, insbesondere unsere Info-Mappe, wäre dankend und wissbegierig mitgenommen worden. Es war also forderndes Interesse da. Die Info-Mappen sind alle weg.

Mein Fazit:

Die Bevölkerung will aufgeklärt werden. Es erscheint, als würden die Menschen geradezu danach lechzen endlich einmal Fakten zu haben, weil doch im Familien- und Bekanntenkreis auffällig viele Allergien und Krankheiten auftreten. Alles in allem war es ein Riesenerfolg. Ich bin jetzt noch freudig erstaunt über die wirklich positive Resonanz.

Zuvor hatte ich große Ängste, auf Gegenwehr und eventuell sogar Psychiatrisierung zu stoßen, aber das war überhaupt nicht so. Im Gegenteil, die Gespräche verliefen positiv, konstruktiv und die Eltern bekundeten sofortige Bereitschaft.

Mein abschließender ganz großer Dank geht an den Schulleiter, der sich 100% für meinen Sohn eingesetzt hat. Ich habe nicht nur für mein Kind eine geeignete Schule, sondern auch engagierte Lehrer sowie verständnisvolle und tolerante Eltern gefunden. Wir freuen uns auf den Tag der Einschulung.

Gern möchte ich weiteren Eltern von MCS -erkrankten Kindern behilflich sein, um ebenfalls eine Integration ihrer Kinder zu ermöglichen.

Autor: Tohwanga für CSN – Chemical Sensitivity Network, 29. Juni 2010

Infomaterial und weitere CSN-Artikel zum Thema:

Weiterführende Informationen und kostenlose Informationskarte über Duftstoffe und deren Gefahren, erhalten Sie bei CSN >>>  Infomaterial


Urlaubziele für Allergiker und Chemikaliensensible

Endlich Urlaubszeit, die Temperaturen sind täglich geklettert und Fernweh stellt sich zunehmend ein. Das Aussuchen eines Hotels, einer Pension oder Ferienwohnung ist für Menschen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) oder schweren Allergien ein schwieriges Unterfangen. Das Angebot ist sehr gering, und wenn es dann doch vor Ort nicht passend ist, steht die umgehende Heimreise wieder an. Die Anreise für sich ist schon schwierig, mancher muss nachts reisen, damit er nicht viel an Abgasen abbekommt und Staus möglichst vermeiden kann.

Das Zimmer am Urlaubsort muss für Allergiker und Chemikaliensensible auf ihre Krankheit abgestimmte Gegebenheiten aufweisen und darf beispielweise nicht beduftet sein. Oft gibt es nur die Alternative, das eigene Bettzeug und Handtücher mitzubringen, um vor Ort auf Nummer Sicher zu sein und nicht doch mit beschwerdenauslösenden Waschmitteln konfrontiert zu werden.

Viele Allergiker und Chemikaliensensible haben, was Nahrung angeht, sehr spezielle Vorgaben. Auch im Urlaub können sie nicht patzen, da sonst der Gesundheitszustand schnell im Keller ist. Kontrolliert biologisch muss die Nahrung sein, oft ist eine spezielle Diät erforderlich und Wasser aus Glasflaschen ist ein Muss.

Thommy’s MCS Frage der Woche:

  • Habt Ihr ein Urlaubsziel mit Hotel, Pension oder Ferienwohnung gefunden, das für Menschen mit MCS geeignet ist?
  • Wie geht/ging man in Eurer Unterkunft auf die Chemikalien-Sensitivität ein? Ist sie speziell für Chemikaliensensible ausgerichtet?
  • Wie seid Ihr angereist (Auto, Bahn, Flugzeug)? Welche speziellen Vorkehrungen musstet Ihr für die Reise treffen?
  • Was müsst Ihr alles mitnehmen, um im Urlaub trotz MCS klarzukommen?
  • Habt Ihr schon schöne Urlaube trotz MCS verbracht?
  • Kennt Ihr Geheimziele für Allergiker und Chemikaliensensible?
  • Oder seid Ihr zu krank und müsst schon seit Jahren auf Urlaub verzichten?

Umweltmedizinische Fachverbände erklären ihre Solidarität zu Dr. Peter Binz

Der Deutsche Berufsverband der Umweltmediziner- dbu und Europäische Akademie für Umweltmedizin-EUROPAEM stehen zu ihrem Kollegen

Den im CSN Blog erschienen Bericht von Waltraud Binz „Mein Mann hat nicht betrogen!“ ,in dem sie zu den Vorwürfen gegen ihren Mann Stellung nimmt, hat Dr. Donate im Namen der umweltmedizinischen Fachverbände mit der nachfolgenden Solidaritätserklärung kommentiert:

Dr. Binz befindet sich in der gleichen Situation wie vor 150 Jahren Ignaz Semmelweis. Hatte der sich damals noch gegen die vergleichsweise “kleinen Windmühlen” der bornierten Kollegenschaft zur Wehr zu setzen, sieht sich Kollege Binz einer ganzen Phalanx von Gegnern gegenüber: Lobbyisten der Industrie, die von ihr abhängigen Berufsgenossenschaften, gekaufte Wissenschaftler und Kollegen in KVen und Ärztekammern, die gegen die Vorschriften des § 29 der (Muster-) Berufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte verstoßen.

Nach dem § 16e des deutschen Chemikaliengesetz ist jeder Arzt verpflichtet, Vergiftungsfälle mit Chemikalien -auch bei Verdacht- dem Bundesinstitut für Risikobewertung zu melden.

Leider ist dieser Paragraph nicht strafbewehrt, so dass Zuwiderhandlungen strafrechtlich auch nicht justitiabel sind. Dr. Binz hat dieser Pflicht genügt und wurde somit unbequem. Er ging noch einen Schritt weiter und hat auch die Staatsanwaltschaft informiert, weil er in einer Vergiftung eine “chemische Verletzung” sieht, die den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt und somit u.U. eine strafbare Handlung darstellt. Einer solchen Anzeige nicht nachzukommen setzt die Staatsanwaltschaft dem Verdacht der Strafvereitelung im Amt aus.

Allen Anfeindungen zum Trotz ist Kollege Binz standhaft geblieben und hat weiter für die Rechte seiner Patienten gekämpft. Ihm gebührt dafür der Dank und der Respekt nicht nur seiner Patienten, sondern auch aller Umweltmediziner, die den Hippokratischen Eid höher stellen als das Wohl der Industrie.

Nach dem der Versuch, Dr. Binz berufsrechtlich unter ihre Knute zu zwingen, von Seiten der KV Trier und der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz kläglich gescheitert ist, versucht man es nun mit fadenscheinigen strafrechtlichen Mitteln.

Die Versuche, unbequeme Umweltmediziner mundtot zu machen, ist nicht neu. Neben Dr. Binz zählen zu diesem “Fähnlein der sieben Aufrechten” auch Frau Prof. Gerhard, Prof. Ottmar Wassermann, Prof. Wolfgang Huber, Prof. Müller-Mohnsen, Dr. Remmers, Karl-Reiner Fabig und viele andere.

Der Deutsche Berufsverband der Umweltmediziner dbu und die Europäische Akademie für Umweltmedizin EUROPAEM stehen zu Ihrem Kollegen Binz und bieten ihm alle Hilfe in dem anstehenden Verfahren an.

Dr.med. Hans-Peter Donate

Stellvertretender Vorsitzender DBU

Weitere Artikel zum Fall Binz:

Auch in Deutschland sollen innovative Wohnprojekte entstehen

Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS plant Wohnprojekte für Chemikaliensensible in Deutschland

Neben fehlender adäquater medizinischer Versorgung ist die Wohnraumsituation für Menschen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) das schwierigste Problem, das es zu lösen gilt. Es vergeht keine Woche, in der nicht verzweifelte Menschen sich melden und nach einer Notunterkunft oder einer für Chemikaliensensible geeigneten Wohnung fragen. Das Angebot ist geringer anzusehen als ein Tropfen auf einen heißen Stein. Diese Misere führte in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Suizid bei MCS-Kranken. Trotz dieser unhaltbaren Situation blieben Behörden bislang untätig. Nun möchte eine Schweizer Organisation, die von Christian Schifferle gegründet wurde, auch in Deutschland aktiv werden und MCS-gerechten Wohnraum schaffen. Nachfolgend ein Brief der Organisation „Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS“:

Liebe MCS-Betroffene und Interessierte,

Hier eine Info über unsere Wohnbaugenossenschaft für umweltkranke Menschen. Wir suchen Neumitglieder und Unterstützung für MCS-Wohnprojekte in der Schweiz, in Deutschland, EU und global. In unserem Team sind auch MitarbeiterInnen und MCS-Fachleute aus Deutschland. Wir wollen neben dem Zürcher MCS-Wohnprojekt auch geeignete bestehende Liegenschaften kaufen, um MCS-Kranken in Wohnungsnot schon jetzt günstigen Wohnraum anzubieten, denn wegen den in der Stadt Zürich üblichen Verfahren wird das MCS-Wohnhaus erst in drei Jahren fertig sein wird. Wir klären nun eine Liegenschaft im Südschwarzwald ab, die mehrere Wohnungen umfassen würde, so wie Liegenschaften im Raum Zürich. Wir wollen überall tätig werden und haben insgesamt schon über 50 Mitglieder im In- und Ausland.

Ein Anteilschein (Mitgliedschaft) kostet einmalig ca. 350 Euro oder 500 Dollar. Anmeldung via Internet und Telefon. Wir wollen MCS-Kranken helfen regional guten Wohnraum anzubieten. Es geht aber nicht nur darum gleich selber Wohnraum zu finden, sondern mit der Unterstützung und Stärkung unserer Organisation die Anerkennung von MCS zu fördern. Wir möchten über 300 Mitglieder aus ganz Europa, erst so bekommen wir von außen die Anerkennung die wir brauchen um breite Unterstützung und Spenden zu bekommen. So können wir MCS-Kranken besser helfen. Zusammen sind wir stark und können global ein Zeichen setzen für die Anerkennung von MCS und wie man günstigen MCS-gerechten Wohnraum für alle schaffen kann. Dr. Peter Ohnsorge ist Experte in der Architekturwettbewerbs-Jury in Zürich, sowie Peter Bachmann von Sentinelhaus.

Wir suchen also Neumitglieder und Sympathisanten die unsere Projekte für Umwelterkrankte durch Anteilscheine und auch durch zinslose Darlehen unterstützen, rückzahlbar nach ca. 3 Jahren. Mit diesem Eigenkapital können wir endlich auch MCS-Kranken mit wenig Einkommen zu gutem Wohnraum verhelfen, das ist praktisch nur in Form einer gemeinnützigen Genossenschaft möglich, die sich solidarisch und ohne Gewinnabsichten für das Wohl von MCS-Betroffenen einsetzt. Mehr am Schluss dieses Briefes.

Am 16. April war unsere Generalversammlung im Gemeinschafts-Zentrum Fronwald in Zürich-Affoltern. Folgende Vorstands- und GLK-Mitglieder waren anwesend: Dr. Roman Lietha (Vizepräsident), Renate Kurze, Christian Schifferle (Präsident), Matthias Zeller. Entschuldigt waren die Vorstandsmitglieder Dr. Klaus Tereh und Sandra Juon. Die Fortführung des Zürcher MCS-Wohnprojekts wurde einstimmig bestätigt. Die Revision unserer Buchhaltung war auch in Ordnung, durchgeführt von unserem Dachverband dem SVW Zürich. Im Nachhinein gab es noch Zeit zusammen etwas Kuchen zu essen und sich zu unterhalten.

Jury-Architekturwettbewerb: l.n.r. Michael Pöll, Dr. Peter Ohnsorge, Christian Schifferle, Peter Bachmann

Am 7. und 12. Mai hatten wir die abschließenden Jurierungstage des Architektenwettbewerbs unseres MCS-Wohnprojekts in Zürich-Leimbach und der Sieger wurde einstimmig gewählt. Ein vielversprechendes Projekt, das im Juli in einer Pressekonferenz mit der Stadt Zürich bekannt gemacht wird, welche dann das Projekt öffentlich ausstellt. Wir werden alsdann informieren. Im Moment stellen wir eine Baukommission zusammen, unter dem Vorsitz von Peter Schmid und der Stadt Zürich, auch mit MCS-Fachleuten.

Am 22. April gab es in Zürich einen interessanten Vortrag zum Thema MCS von Dr.med. Roman Lietha, begleitet von Christian Schifferle, durchgeführt durch die Fachgruppe Hausuntersuchungen (HSGU)

Am 14. Mai wurde ein TV-Beitrag von RTL gesendet mit Ch. Schifferle. Darin wurde das Zürcher Wohnprojekt erwähnt. Arno Roggo (Direktor Liegenschaften Zürich) der das Zürcher Wohnprojekt mit organisiert, sagte im Bericht, dass er zugeben muss, dass man das Thema MCS in Vergangenheit nicht richtig ernst genommen hat.

Wir suchen für den Kauf von bestehenden Liegenschaften für MCS-Kranke zinslose Darlehen in der Höhe ab 20 000.- Fr. (15 000 Euro) für etwa 3 Jahre, bis dann wird unser Fundraising Erfolg haben und eine Rückzahlung möchlich sein. So möchten wir ein Eigenkapital aufbauen von ca. 300 000.- Fr. (200 000 Euro) Zusagen von etwa 100 000.- Fr. haben wir schon. Eine Zusage ist unverbindlich. Wir haben schon Kauf-Objekte im Auge. Für den Kauf eines geeigneten Hauses braucht es etwa 20% Eigenkapital. Bei Interesse bitte melden. Wir möchten etwas bewirken für umwelterkrankte Menschen, denn viele schaffen es nie und nimmer aus eigener Kraft zu menschenwürdigem MCS-gerechtem Wohnraum zu kommen. Auch eine Stiftung möchten wir gründen, denn MCS-Betroffene brauchen solidarische Hilfe auf allen Ebenen. www.gesundes-wohnen-mcs.ch

Gerne senden wir Ihnen noch den neuen Prospekt der Baugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS, erstens zu Ansicht und zweitens um den Flyer vielleicht an Interessenten weiter zu geben. Herzlichen Dank.

Mit freundliche Grüssen

Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS

Christian Schifferle, Präsident             Dr. med Roman Lietha, Vizepräsident

Weitere Informationen über das Thema MCS-Wohnraum:

Waltraud Binz: Mein Mann hat nicht betrogen!

Ich schreibe dies zur Rechtfertigung vor unseren Kindern, vor unseren Patienten und auch vor meinen ehemaligen Schülern, die vielleicht an mir zweifeln. Besonders unsere Patienten mussten schon viele Demütigungen ertragen. Mein Mann hat nicht betrogen!

1. Warum ist die KV Trier gegen ihn?

Hier Auszüge aus 3 Briefen eines umfangreichen Schriftverkehrs:

“Es hat in diesen Tagen bei der Kassenärztlichen Vereinigung Trier ein Gespräch stattgefunden, an dem Vertreter der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, der Textil- und Bekleidungs-Berufsgenossenschaft und der Holz-Berufsgenossenschaft teilnahmen. Der Krankenkassenverband für den Regierungsbezirk Trier war ebenfalls vertreten. Das Ergebnis der Besprechung kann so zusammengefasst werden, dass nach Auffassung aller Beteiligten es nicht Ihre Aufgabe ist, im Rahmen der ambulanten kassenärztlichen Versorgung bei bestimmten Verdachtsdiagnosen diese durch teilweise sehr teure diagnostische Maßnahmen beweismäßig abzusichern.”

“Die Kassenärztliche Vereinigung wie auch andere ärztliche Organisationen, vornehmlich die Bezirksärztekammer, führen mit Herrn Dr. Binz seit längerer Zeit eine sehr umfängliche Korrespondenz, die im wesentlichen ihre Ursache darin hat, dass Herr Dr. Binz sich im Rahömen seiner ärztlichen Tätigkeit dazu berufen fühlt, umfängliche Ursachenforschung für bestimmte Krankheitsbilder zu arbeitsmedizinischen Fragen, wobei in besonderer Weise bekannt geworden ist seine Untersuchungen hinsichtlich sogenannter Lösungsmittelschäden”.

“Wir bedauern zutiefst, dass wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Sie selbst nicht erkennen können, dass Ihnen keinerlei Akzeptanz mehr entgegengebracht wird und Sie sich mit derartigem Gebaren selbst großen Schaden zufügen. Eigentlich müsste es doch ernüchternd für Sie sein, zur Kenntnis zu nehmen, dass Ihre Schreiben jegliche Wirkung verfehlen, vielmehr als ‘ideologisches Gequassel’ abgetan werden”.

Mein Mann hat keinen Grund zu “ideologischem Gequassel” er hat im Gymnasium eine Klasse übersprungen und das “Medizinische Staatsexamen” sowie die Doktorarbeit mit “sehr gut” abgeschlossen. Hier müssen keine Wissenslücken mit Phantasie ausgefüllt werden.

2. Staatsanwaltschaft

Das Justizministerium verlangt von den Kirchen, jeden “Verdacht” auf Missbrauch der Staatsanwaltschaft zu melden. Seit 1998 hat mein Mann wie verlangt – (5 dicke Leitzordner von Meldungen an die Staatsanwaltschaft) Arbeitsschäden und Todesfälle gemeldet, er bekam nicht einmal eine Empfangsbestätigung. Dabei ging es nicht darum die Industrie anzuzeigen sondern nur um die Verbesserung des Arbeitsschutzes. Wir brauchen eine erstklassige Industrie.

3. Wo bleibt der Aufschrei?

Patienten erleiden Demütigungen von vielen Organisationen.

Die Krankheiten, Leidenswege, Demenzen und Todesfälle (wir haben einige Listen, Arbeiter haben eine viel kürzere Lebenserwartung) nehmen zu, chemische Vergiftungen sind nicht rückgängig zu machen und auch die nächste Generation wird durch Veränderung der Ei- und Samenzellen geschädigt. Prof. Haley untersuchte die Gehirne von Golfkrieg-Veteranen nach 20 Jahren: “and the soldiers haven’t gotten better with time”.

Einige französische Zeitungen problematisierten dieses Wochenende den Einsatz von Chlor – nicht als Kampfmittel wie im 1. Weltkrieg – sondern im Schwimmbad und die Folgen besonders für die Kinder.

4. Warum gibt mein Mann nicht auf?

Wir beide haben eine sehr strenge Erziehung in katholischen Internaten erhalten. Bei uns gab es keine sexuellen Belästigungen, aber das Leben war geprägt von Religiosität und Armut, aber vielleicht haben wir hier ein Gespür für Ethik und Moral mitbekommen?

Waltraud Binz, Trier, 17. Juni 2010

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Weitere Artikel zum Fall Binz:

EPA Konferenz plädiert zur Rücksichtnahme auf Asthmatiker

US Bundesbehörde bittet darum auf Parfüm und Duftstoffe zu verzichten

Die Amerikanische Umweltschutzbehörde EPA hält vom 17-19. Juni 2010 in Washington DC. eine große Asthma Konferenz ab. Das Besondere in diesem Jahr: Erstmalig bittet die EPA, auf Duftstoffe und Parfüms gänzlich zu verzichten. Damit will die EPA ein Zeichen setzen um auf die Duftstoffproblematik hinzuweisen und um Asthmatikern unter den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, beschwerdefrei am „2010 National Asthma Forum“ teilzunehmen. Duftstoffe zählen zu den Hauptauslösefaktor für Asthmaattacken.

Fast 300 Experten und Vorreiter, die ihre Arbeit der Verbesserung der Lebenssituation von Asthmatikern verschrieben haben, nehmen an der Veranstaltung teil. Zu den  Teilnehmern zählen in erster Linie Entscheidungsträger in Bundes- und Landesbehörden, sowie Zuständige für Leitlinien, Leiter von Gesundheitsbehörden, Wissenschaftler, Mediziner und Leiter von Selbsthilfeorganisationen. Ihr Ziel ist es, Umgebungen und das Leben von Asthmatiker so sicher wie möglich zu gestalten.

Damit die Teilnehmer wirklich daran denken, kein Parfüm, Aftershave, Haarspray, Bodylotion, Weichspüler oder duftende Deos zu benutzen, stellte die Bundesbehörde eine Woche vor der Konferenz nochmals eine Erinnerung online und verschickte E-Mails mit dem Hinweis:

„Asthma-freundliche Umgebungen sind unsere Aufgabe – Bitte helfen Sie uns, eine duftstofffreie Veranstaltung zu ermöglichen, indem Sie duftfreie Körperpflegemittel verwenden und auf Parfüms und andere Reizstoffe verzichten.“

Ein sehr positiver Schritt, mit dem die EPA für das diesjährige „2010 National Asthma Forum“ die größte bekannte Barriere für Asthmatiker und Chemikaliensensible beseitigt hat. Eine menschliche Entscheidung gegenüber Behinderten, an der sich Behörden weltweit ein Beispiel nehmen sollten.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Juni 2010

Weitere CSN-Artikel zur Thematik:

Allergien können Depressionen auslösen

Die Allergiesaison erreicht für Pollenallergiker gerade ihren Höhepunkt. Husten, nießen, tränende und juckende Augen zählen zu den häufigsten Symptomen. Was selten im Zusammenhang mit Pollenallergie und Heuschnupfen genannt wird, aber bei fast jedem zweiten Betroffenen auftritt, sind Depressionen. Das haben Wissenschaftler der University of Maryland herausgefunden und bei ihrem Jahreskongress der Psychiater als neue Erkenntnis dargelegt. (1)

Umweltmediziner verblüfft diese Erkenntnis hingegen nicht, für sie ist es nichts Neues, denn Pioniere ihrer Fachrichtung beobachteten dies bereits vor sechs Jahrzehnten. Allergien auf Pollen, Nahrungsmittel, Schimmelpilze oder Sensitivitäten auf Chemikalien können durchaus auch psychische Reaktionen, einschließlich Depressionen auslösen.

Seit 6 Jahrzehnten bekannt – Allergien können Depressionen auslösen

Den ersten Artikel über Depressionen, die durch Allergien hervorgerufen wurden, konnte man 1950 in einer der größten medizinischen Zeitschriften lesen. (2) Im Jahr 1951 stellte der Allergologe Theron Randolph – beim 7. Jahreskongress des American College of Allergists in Chicago – seinen Kollegen ein Fallbeispiel vor, bei dem ein Provokationstest mit Nahrungsmitteln bei einem Patienten eine akute psychotische Episode hervorgerufen hatte. (3) Das erste Fachbuch, das über solche Zusammenhänge anschaulich berichtet, stammt ebenfalls von Randolph und wurde in der Erstauflage 1962 publiziert.(4)

Allergien legen den Körper lahm und schlagen auf das Gemüt

Beim Jahrestreffen 2010 der Amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie referierte Dr. Partam Manalai darüber, dass Allergien, wie auch Depressionen weitverbreitete Krankheiten darstellen. Es sei nicht verwunderlich, dass Allergien auf das Gemüt schlagen und die Wahrnehmungsfähigkeit, als auch die Lebensqualität der Betroffenen einschränken.

Führt Pollenallergie zu Suizid? Offensichtlich ja.

Der Wissenschaftler berichtete über ein auffälliges Phänomen auf das er gestoßen sei. Wenn im Frühjahr viele Pollen in der Luft sind, steigt gleichzeitig die Suizidrate an. Das Gleiche, jedoch in geringerer Ausprägung, ist im Herbst zu beobachten, wenn einige Pflanzen und Bäume nochmals blühen.

Um den Dingen auf den Grund zu gehen, untersuchten der Wissenschaftler und sein Team einhundert Personen aus der gleichen Region, die unter starken Depressionen litten. Etwa die Hälfte diese Menschen hatte Allergien auf Bäume und Unkräuter. Im Frühjahr wie auch im Herbst zeigte sich bei ihnen ein erhöhtes IgE (der Marker für klassische Allergien).

Höhepunkt der Pollensaison – Höhepunkt von Depressivität

Manalai legte auf dem Kongress dar, dass Patienten, die allergisch auf luftgetragene Allergene reagierten, während der Pollensaison eine Verschlechterung des Gemüts erfuhren. Patienten, die unter beiden Erkrankungen litten, seien während der Hauptpollensaison noch empfänglicher für Depressionen. Deshalb sei es seiner Auffassung nach sehr wichtig, diese Erkrankungen zu behandeln, um zu vermeiden, dass Patienten in der Hauptpollensaison in eine Depression abgleiten.

Schwere Allergien, eine schwere Bürde

Dass Depressionen eintreten, wenn jemand allergisch reagiert, ist für den Wissenschaftler aus Maryland nicht verwunderlich. Er veranschaulichte dies für die Zuhörer indem er sie aufforderte einfach einmal darüber nachdenken, wie es ist, wenn Allergien so schwerwiegend sind, dass man nicht atmen kann, nachts nicht richtig schläft, man sich so richtig fertig und scheußlich fühlt, weil es sich anfühlt, als hätte man einen Zentner Kartoffeln auf der Brust, dann sei es wohl recht normal, dass man anfängt depressiv zu werden. Bei Allergien sei es eben nicht wie bei einer Erkältung, zwei Tage und alles ist vorbei, erklärte der Mediziner. Man hänge für Monate fest und diejenigen, die das ganze Jahr über Allergien haben, die würden das ganze Jahr über festhängen.

Depressionen als Reaktion auf Allergene und Chemikalien

Solche „Ganzjahresallergien“ auf klassische Allergene und auch Sensitivitäten auf Chemikalien haben die ersten Pioniere der Umweltmedizin schon vor rund sechs Jahrzehnten als mögliche Auslöser für Depressionen bei ihren Patienten erkannt. (5,6) Für sie war schon damals aufgrund ihrer Beobachtungen und Diagnostik schlüssig, dass nicht Depressionen Allergien oder Sensitivitäten auf Chemikalien auslösen, sondern umgekehrt, denn war der Auslöser weg, traten schlicht und einfach auch keine Depressionen bei diesen Patienten auf. Setze man hingegen den Patienten bei Provokationstests dem Allergen aus, war die Depression da und zwar so, als hätte man einen Lichtschalter umgelegt. Diese Pioniere belegten damals schon mit ihren Tests, dass es keinen chronischen Krankheitsverlauf oder Leiden braucht, damit jemand depressiv reagiert, sondern, dass ein Allergen, bei einer Person die darauf reagiert, diesen Zustand durchaus auch in Sekunden hervorrufen kann.

Winzige Spuren eines Auslösers und schon ist die Depression da

Der amerikanische Allergologe Theron Randolph, der als Begründer der Umweltmedizin gilt, beschrieb in seinem Buch von 1962, zur Veranschaulichung die Frau eines Arztes, die auf Kosmetika, Medikamente und Parfüms mit Depressionen reagierte. War sie damit nicht in Kontakt, ging es ihr gut – kam sie damit in Kontakt, ging es los. Winzige Spuren von Parfüm reichten aus. Auch auf konventionelle Nahrungsmittel, die Pestizidrückstände aufwiesen und Nahrung aus Konservendosen die innen beschichtet waren, traten bei dieser Patientin Depressionen, Atembeschwerden und starke Kopfschmerzen auf. Randolph gründete in dieser Zeit die erste schadstoffkontrollierte Umweltklinik weltweit und Fälle dieser Art sollte er noch zuhauf diagnostizieren und behandeln. Nicht anders erging es Prof. William J. Rea und Prof. Doris Rapp, zwei weitere Pioniere der Umweltmedizin, die Zehntausende von Patienten in ihren umweltkontrollierten Kliniken diagnostizierten und mit großem Erfolg behandelten.

Wie findet man heraus ob Pollen die Ursache für eine Depression sind?

Welche einfachen Möglichkeiten man hat um herauszufinden, ob Pollen die Ursache für Depressionen oder andere psychische Symptome sind, schildert Prof. Dr. Doris Rapp. Die heute über 80-jährige amerikanische Medizinerin gilt als absolute Pionierin im Bereich Kinder-Umweltmedizin. Sie besitzt drei Videoarchive mit Dokumentationen, die Kinder bei Allergietests zeigen. Videos über spontane Depressionen auf Pollen, Schimmelpilze, Nahrungsmittel oder Chemikalien kann die Medizinerin hundertfach vorzeigen. Einige davon wurden immer wieder auf Medizinkongressen oder in TV-Berichten gezeigt und man kann sie auch im Internet anschauen.

In einem ihrer Bücher (7) gibt Prof. Dr. Rapp folgende einfache Anleitung, die gleichermaßen auf Erwachsene anwendbar ist:

  • Werden Sie zum Beobachter. Finden Sie durch genaues Beobachten heraus, ob die Depressionen oder Verhaltensauffälligkeiten dann auftreten, wenn starker Pollenflug herrscht. Schauen Sie hierzu in die Zeitung (Anm.: heute kann man im Internet oder auf dem Handy Pollenwarndienste anklicken und den genauen Pollenflug am Wohnort ermitteln) und führen Sie eine Weile Buch. Es wird schnell erkennbar, ob Pollen mit der Depression in Zusammenhang stehen.
  • Lassen Sie zur Absicherung Allergietests durchführen, ob und welche Pollenallergien vorliegen. (Achtung IgE reicht nicht aus (8)
  • Wer allergisch reagiert, hat während der Reaktion meistens eine völlig veränderte Handschrift. Das Schreiben des Namens bietet sich an. Überprüfen Sie dies bei ihrem Kind oder sich selbst an einem pollenfreien Tag, während des Pollenfluges und wenn er abklingt. Lassen Sie auch ein kleines Bild malen. Ein Strichmännchen reicht. Sie werden staunen was dabei herauskommt wenn jemand allergisch reagiert, ziehen Sie Vergleiche wenn die Person allergiefrei ist.

Antidepressiva Behandlung der Wahl für Allergiker? Mitnichten

Allergiker, die auf bestimmte Allergene oder chemische Auslöser Depressionen oder psychische Symptome entwickeln, sind demnach was die Pioniere der Umweltmedizin herausfanden, keine zwangsläufigen Kandidaten für Antidepressiva oder Psychotherapie.

Bei der Erörterung, welche Therapie sinnvoll ist, lohnt es sich zum Wohle der Erkrankten nochmals in der Zeitgeschichte der Medizin auf Randolph zurückzuschauen. Der Allergologe Randolph erkannte durch reines Beobachten und dokumentieren, dass es oft genug völlig ausreicht, wenn sich der Patient von den Auslösern fernhält, bzw. ein bestimmtes Nahrungsmittel auf das er reagiert, nicht mehr zu sich nimmt, damit die Depressionen oder andere Symptome fast wie von „Geisterhand“ verschwinden.

Karenz, Desensibilisierung der Allergien, Luftfilter, Atemmasken, Umstellung der Ernährung und ggf. Anpassungen im Wohn-und Arbeitsumfeld, Ausgleich von Nährstoffdefiziten, etc. wurden von Randolph schon in den Sechzigern als Grundpfeiler einer erfolgreichen Therapie beschrieben. Heute gibt es weltweit Mediziner, die diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und durch Behandlungserfolge bei ihren Patienten in deren Richtigkeit bestätigt werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 15. Juni 2010

Literatur:

  1. Amanda Gardener, Allergies might trigger Depressions, Health Day Reporter, 15. June 2010
  2. Theron Randolph, Allergic Factors in the Etiology of Certain Mental Symptoms, Journal of Laboratory & Clinical Medicine 36 (1950):977.
  3. Theron Randolph, An experimentally induced acute psychotic episode following the Intubation of an allergic food, 7th Annual Congress, American College of Allergists, Chicago, 3. February 1951.
  4. Theron Randolph, Human Ecology and Susceptibility to the Chemical Environment, Charles Thomas Publisher, 1962.
  5. Theron Randolph, Depression caused by Home Exposures to Gas and Combustion Products of Gas, oil and Coal, Journal of Laboratory & Clinical Medicine 46(1955):942.
  6. Theron Randolph, Ecologic Mental Illness – Psychiatry Exteriorized, Journal of Laboratory & Clinical Medicine, 54(1959):936.
  7. Doris Rapp, Is this your Child’s World? Bantam Books, 1996.
  8. William J. Rea, Chemical Sensitivity Vol. II/S.1039, Lewis Publisher, 1992.

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Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Dr. Peter Binz erhoben

Gestern konnten die Hörer in den Abendnachrichten des SWR erfahren, dass die Staatsanwaltschaft Trier Anklage gegen den Neurologen und Umweltmediziner Dr. Peter Binz erhoben hat. Der Vorwurf lautet Abrechnungsbetrug. Der SWR teilte mit, dass der Trierer Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer dies gegenüber dem Sender bestätigt habe.

Die Anzeige gegen den Neurologen hatte die Kassenärztliche Vereinigung Trier eingereicht. Fünf Jahre ermittelten die Staatsanwälte seither gegen den Arzt, hierbei wurden über 600 seiner Patienten vernommen.

In den SWR Nachrichten wurde mitgeteilt, dass Dr. Binz die Vorwürfe gegen ihn immer bestritten habe. Die Meldung des Radiosenders endete mit der Mitteilung: „Der Experte für Gesundheitsschäden durch Chemikalien ist bundesweit bekannt, weil er immer wieder schwere Vorwürfe gegen Firmen erhebt, die angeblich Arbeitsschutzrichtlinien missachten.“

Autor: CSN – Chemical Sensitivity Network, 15. Juni 2010

Weitere Informationen zum Fall Binz: