Auch in Deutschland sollen innovative Wohnprojekte entstehen

Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS plant Wohnprojekte für Chemikaliensensible in Deutschland

Neben fehlender adäquater medizinischer Versorgung ist die Wohnraumsituation für Menschen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) das schwierigste Problem, das es zu lösen gilt. Es vergeht keine Woche, in der nicht verzweifelte Menschen sich melden und nach einer Notunterkunft oder einer für Chemikaliensensible geeigneten Wohnung fragen. Das Angebot ist geringer anzusehen als ein Tropfen auf einen heißen Stein. Diese Misere führte in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Suizid bei MCS-Kranken. Trotz dieser unhaltbaren Situation blieben Behörden bislang untätig. Nun möchte eine Schweizer Organisation, die von Christian Schifferle gegründet wurde, auch in Deutschland aktiv werden und MCS-gerechten Wohnraum schaffen. Nachfolgend ein Brief der Organisation „Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS“:

Liebe MCS-Betroffene und Interessierte,

Hier eine Info über unsere Wohnbaugenossenschaft für umweltkranke Menschen. Wir suchen Neumitglieder und Unterstützung für MCS-Wohnprojekte in der Schweiz, in Deutschland, EU und global. In unserem Team sind auch MitarbeiterInnen und MCS-Fachleute aus Deutschland. Wir wollen neben dem Zürcher MCS-Wohnprojekt auch geeignete bestehende Liegenschaften kaufen, um MCS-Kranken in Wohnungsnot schon jetzt günstigen Wohnraum anzubieten, denn wegen den in der Stadt Zürich üblichen Verfahren wird das MCS-Wohnhaus erst in drei Jahren fertig sein wird. Wir klären nun eine Liegenschaft im Südschwarzwald ab, die mehrere Wohnungen umfassen würde, so wie Liegenschaften im Raum Zürich. Wir wollen überall tätig werden und haben insgesamt schon über 50 Mitglieder im In- und Ausland.

Ein Anteilschein (Mitgliedschaft) kostet einmalig ca. 350 Euro oder 500 Dollar. Anmeldung via Internet und Telefon. Wir wollen MCS-Kranken helfen regional guten Wohnraum anzubieten. Es geht aber nicht nur darum gleich selber Wohnraum zu finden, sondern mit der Unterstützung und Stärkung unserer Organisation die Anerkennung von MCS zu fördern. Wir möchten über 300 Mitglieder aus ganz Europa, erst so bekommen wir von außen die Anerkennung die wir brauchen um breite Unterstützung und Spenden zu bekommen. So können wir MCS-Kranken besser helfen. Zusammen sind wir stark und können global ein Zeichen setzen für die Anerkennung von MCS und wie man günstigen MCS-gerechten Wohnraum für alle schaffen kann. Dr. Peter Ohnsorge ist Experte in der Architekturwettbewerbs-Jury in Zürich, sowie Peter Bachmann von Sentinelhaus.

Wir suchen also Neumitglieder und Sympathisanten die unsere Projekte für Umwelterkrankte durch Anteilscheine und auch durch zinslose Darlehen unterstützen, rückzahlbar nach ca. 3 Jahren. Mit diesem Eigenkapital können wir endlich auch MCS-Kranken mit wenig Einkommen zu gutem Wohnraum verhelfen, das ist praktisch nur in Form einer gemeinnützigen Genossenschaft möglich, die sich solidarisch und ohne Gewinnabsichten für das Wohl von MCS-Betroffenen einsetzt. Mehr am Schluss dieses Briefes.

Am 16. April war unsere Generalversammlung im Gemeinschafts-Zentrum Fronwald in Zürich-Affoltern. Folgende Vorstands- und GLK-Mitglieder waren anwesend: Dr. Roman Lietha (Vizepräsident), Renate Kurze, Christian Schifferle (Präsident), Matthias Zeller. Entschuldigt waren die Vorstandsmitglieder Dr. Klaus Tereh und Sandra Juon. Die Fortführung des Zürcher MCS-Wohnprojekts wurde einstimmig bestätigt. Die Revision unserer Buchhaltung war auch in Ordnung, durchgeführt von unserem Dachverband dem SVW Zürich. Im Nachhinein gab es noch Zeit zusammen etwas Kuchen zu essen und sich zu unterhalten.

Jury-Architekturwettbewerb: l.n.r. Michael Pöll, Dr. Peter Ohnsorge, Christian Schifferle, Peter Bachmann

Am 7. und 12. Mai hatten wir die abschließenden Jurierungstage des Architektenwettbewerbs unseres MCS-Wohnprojekts in Zürich-Leimbach und der Sieger wurde einstimmig gewählt. Ein vielversprechendes Projekt, das im Juli in einer Pressekonferenz mit der Stadt Zürich bekannt gemacht wird, welche dann das Projekt öffentlich ausstellt. Wir werden alsdann informieren. Im Moment stellen wir eine Baukommission zusammen, unter dem Vorsitz von Peter Schmid und der Stadt Zürich, auch mit MCS-Fachleuten.

Am 22. April gab es in Zürich einen interessanten Vortrag zum Thema MCS von Dr.med. Roman Lietha, begleitet von Christian Schifferle, durchgeführt durch die Fachgruppe Hausuntersuchungen (HSGU)

Am 14. Mai wurde ein TV-Beitrag von RTL gesendet mit Ch. Schifferle. Darin wurde das Zürcher Wohnprojekt erwähnt. Arno Roggo (Direktor Liegenschaften Zürich) der das Zürcher Wohnprojekt mit organisiert, sagte im Bericht, dass er zugeben muss, dass man das Thema MCS in Vergangenheit nicht richtig ernst genommen hat.

Wir suchen für den Kauf von bestehenden Liegenschaften für MCS-Kranke zinslose Darlehen in der Höhe ab 20 000.- Fr. (15 000 Euro) für etwa 3 Jahre, bis dann wird unser Fundraising Erfolg haben und eine Rückzahlung möchlich sein. So möchten wir ein Eigenkapital aufbauen von ca. 300 000.- Fr. (200 000 Euro) Zusagen von etwa 100 000.- Fr. haben wir schon. Eine Zusage ist unverbindlich. Wir haben schon Kauf-Objekte im Auge. Für den Kauf eines geeigneten Hauses braucht es etwa 20% Eigenkapital. Bei Interesse bitte melden. Wir möchten etwas bewirken für umwelterkrankte Menschen, denn viele schaffen es nie und nimmer aus eigener Kraft zu menschenwürdigem MCS-gerechtem Wohnraum zu kommen. Auch eine Stiftung möchten wir gründen, denn MCS-Betroffene brauchen solidarische Hilfe auf allen Ebenen. www.gesundes-wohnen-mcs.ch

Gerne senden wir Ihnen noch den neuen Prospekt der Baugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS, erstens zu Ansicht und zweitens um den Flyer vielleicht an Interessenten weiter zu geben. Herzlichen Dank.

Mit freundliche Grüssen

Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS

Christian Schifferle, Präsident             Dr. med Roman Lietha, Vizepräsident

Weitere Informationen über das Thema MCS-Wohnraum:

11 Kommentare zu “Auch in Deutschland sollen innovative Wohnprojekte entstehen”

  1. Marcel 21. Juni 2010 um 20:25

    Dieses Vorhaben ist sehr wichtig für alle MCS Betroffenen und es macht gleichzeitig Mut, dass etwas passiert und endlich Verbesserungen für uns alle eintreffen werden. MCS-geeignete Wohnungen zu finden, ist eines der größten MCS-Probleme überhaupt.

    Gruß Marcel

  2. Energiefox 21. Juni 2010 um 21:05

    Es fast nicht glauben wir bauen eine Raumstation die unsere Erde umkreist, aber immer noch Häuser die krank machen.
    Humaner Städtebau ist lieder noch ein Fremdwort und Zersiedlung der Landschaft die Regel.
    Nicht nur das viele neue Häuser krank machen, (durch Baustoffe die krank machen) nein die ruinieren uns oft auch noch finanziell, weil die Finanzierung sogar ein Abenteuer ist, dank unseres verkommenen Bankwesens. Ich begrüße das Projekt, es ist auch für Gesunde erstrebenswert Häuser zu bauen in denen man nicht krank wird.
    Danke für den Bericht.

    Gruß Fox

  3. Desert Rose 22. Juni 2010 um 07:42

    Gerne möchte ich mich meinen Vorrednern anschließen, MCS-gerechtes Wohnen ist mit das Wichtigste, was wir zum Leben mit unserer schweren Krankheit benötigen. Viele von uns leben in völlig ungeeigneten Wohnungen, was ihrem Krankheitsbild weiterhin schadet. Auch müssen viele im Wald ausharren, weil es in ihrem Wohnumfeld unerträglich für sie ist. Mir sind Fälle bekannt, bei denen Mitbewohner im Haus extra Duftkerzen anzünden und Düfte im Treppenhaus versprühen.

    Umso besser, dass endlich MCS-geeignete Wohnungen für Umweltkranke umgesetzt werden sollen.

    Grüsse, Rose

  4. Silvia 22. Juni 2010 um 15:21

    CSN hat soeben die Mitgliedschaft bei der Schweizer Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS mit einem Anteilserwerb bestätigt.

    Wir halten dieses Projekt für dringend notwendig und unterstützenswürdig.

    Mein persönlicher, innerer Wunsch ist es, dass sobald als möglich ein, zwei Notfallapartments bereitgestellt werden können, mit denen wir schwere MCS-Fälle rasch auffangen können.

  5. Christian Schifferle 22. Juni 2010 um 19:30

    Liebe Silvia

    das finde ich ganz toll und vorbildlich, dass du mit CSN-Deutschland bei uns Mitglied wirst. Im Namen unserer Wohnbaugenossenschaft GESUNDES WOHNEN MCS möchte ich mich herzlich bei Dir bedanken. Gerade heute hat sich bei mir eine schwer kranke MCS-Betroffene gemeldet, die dringend Hilfe braucht, auch sie möchte Mitglied werden.

    Gemeinsam können wir so verstärkt MCS-Wohnprojekte ermöglichen aus bestehendem Wohnraum und auch Neubauten. Durch mehr Mitglieder werden wir immer ernster genommen, so haben wir gestern wieder die Spenden-Zusage von 7000 Euro bekommen von einer andern Wohnbaugenossenschaft. Und viel mehr wird es noch werden.
    Lieber Gruss Christian Schifferle (Präsident Wohnbaugenossenschaft GESUNDES WOHNEN MCS)

  6. Christine Domay 23. Juni 2010 um 17:02

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich interessiere mich für das MCS-Wohnbauprojekt im Südschwarzwald. In welchem Ort soll dieses Projekt entstehen? Wird dort auch Rücksicht genommen auf elektrosensible Menschen? Ich bin nämlich stark elektrosensibel und suche eine Wohnung in einem Wohnhaus, wo keine DECT-Telefone, W-LAN-Verbindungen und UMTS-Laptops installiert sind.
    Wie kann ich Sie telefonisch erreichen?
    Mit freundlichen Grüßen
    Christine Domay

  7. no doubt 24. Juni 2010 um 21:59

    Dass das MCS-Wohnprojekt nun auch auf Deutschland ausgeweitet werden, ist eine tolle Sache. Ich hoffe sehr, dass viele Menschen das äußerst wichtige Vorhaben unterstützen werden. Denn wer in das MCS-Wohnprojekt investiert, kann damit Leben retten.

  8. Galaxie 9. Juli 2010 um 18:19

    Hallo Christian,

    prima, wenn ich zu etwas mehr Geld komme, da bei mir jeder Cent zählt, wie bei anderen auch, dann bin ich auch dabei für den Norden in Deutschland. Hier muß sich auch was tun.

    Gibt es bei Euch auch schon eine Satzung und wenn ja kann man die bekommen, oder einsehen?

    LG
    Galaxie!

  9. Engel 15. Juli 2010 um 13:02

    Hallo zusammen,

    ich interessiere mich sehr für Wohnungen/Wohnsiedlungen in Deutschland für mich selbst als Elektrosensible (Hochfrequenzstrahlensensible). Infos/Kontaktadressen bitte unter Einfachwohnen@t-online.de

    Danke!

    Freundliche Grüße

    Engel

  10. Carla Riemer 1. Februar 2014 um 21:11

    Gibt es dieses MCS-Wohnprojekt jetzt auch in Deutschland? Wie kann ich Kontakt aufnehmen?

  11. Silvia 1. Februar 2014 um 21:18

    Leider noch nicht Carla.
    Du kannst Dich im CSN Forum auf dem Laufenden halten.
    Wir gehen davon aus dass es nicht Deutschland noch eine Weile dauern wird bis ein MCS-geeignetes Wohnprojekt realisiert wird.

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