Archiv der Kategorie ‘Chemikaliensensitivität, Chemikalienunverträglichkeit‘

Haben Schüler mit Chemikalien-Sensitivität an deutschen Schulen eine Chance?

Die möglichst breite Integration Behinderter ist Ziel aller Länder, die zu den Unterzeichnern der UN-Behindertenkonvention gehören. In Deutschland besitzt dieses völkerrechtlich verbindliche Dokument seit März 2009 Gültigkeit. Spätestens seitdem sollten Bestre- bungen laufen, dass behinderte Kinder eine Schulbildung erhalten, die möglichst keine Benachteiligung gegenüber Nichtbehinderten aufweist. Keine Behinderung soll und darf gemäß der UN-Konvention einer anderen Behinderung gegenüber bevorzugt oder bena- chteiligt werden. MCS – Multiple Chemical Sensitivity ist in Deutschland eine anerkannte körperlich bedingte Behinderung.

In den USA und Canada gibt es eine stetig wachsende Zahl von Schulen und Univers- itäten, die Chemikaliensensible integrieren und die ihre Gegebenheiten für diese Behindertengruppe anpassen. Eine Umstellung wurde meist freiwillig, oft schon vor Jahren vollzogen. Dort kommt man mit Duftstoffverboten und durch Verwendung duft- und chemiefreier Reinigungsmittel und Vermeidung von Chemikalien den Betroffenen entgegen. Dass es Integrationsprojekte an Universitäten oder spezielle Schulen für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gibt, die unter MCS leiden, ist bislang nicht bekannt geworden.

Schüler mit MCS

CSN sind mehrere Fälle von Kindern und Jugendlichen bekannt, deren Zukunft durch ihre MCS (ICD-10 T78.4) am sogenannten seidenen Faden hängt, oder denen dadurch eine erfolgreiche Zukunft verwehrt scheint. Der Grund ist der, dass sie wegen ihrer Krankheit und Behinderung keine Schule besuchen können.

Ein weiterer, kleiner Prozentsatz chemikaliensensibler Schüler in Deutschland beißt sich von einem körperlichen Zusammenbruch bis zum Nächsten durch. Deren Eltern berichten, dass ihr Kind je nach Reaktionsschwere Stunden, Tage bis Monate in der Schule fehlt. Den Lernstoff versuchen sie Zuhause nachzuholen, was natürlich nur bedingt durchführbar ist. Oft gibt es Ärger mit der Schule oder Schulbehörde. Ob das „Durchhalten“ dieser Schüler bis zum Schulabschluss im Einzelnen möglich sein wird, hängt von der Rücksichtnahme der Schule, den Mitschülern und Faktoren ab, ob eine Schule weitgehend schadstofffrei ist oder nicht. Die Intelligenz völlig zu entfalten zu können, ist realistisch betrachtet, für keinen dieser Schüler möglich.

Thommy’s MCS Blogfrage der Woche:

  • Wie steht es um die schulische Integration von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die chemikaliensensibel sind?
  • Wird Kindern mit MCS in Deutschland eine Chance in Punkto Schulbildung eingeräumt?
  • Gibt es Leitlinien für den Umgang mit chemikaliensensiblen Schülern an einer normalen Schule oder die Integration von Kindern mit MCS?
  • Gibt es Schulen in Deutschland, die auf Kinder mit MCS eingehen?
  • Haben deutsche Behörden in irgendeiner Form Ansätze gezeigt, Schülern mit MCS eine Schulausbildung zu ermöglichen?
  • Wird für Schüler, die unter MCS leiden, z.B. kostenlose Beschulung per Internet bereitgestellt?
  • Was müsste sich an Schulen ändern, damit chemikaliensensible Schüler und Lehrer erfolgreich an normalen Schulen integriert werden können?

Die paradoxe dänische MCS-Hilfe

Fortsetzungsserie: „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“

Teil III: Paradoxon – Dänischen MCS-Kranken wird mangels wissenschaftlicher Dokumentation, an der niemand Interesse hat, Hilfe verweigert!

Bis 2008 war es in Dänemark für lokale Behörden üblich, schwer an MCS Erkrankten entsprechend Paragraph 122 des Sozialrechts kostenlos Hilfsmittel zu gewähren, indem sie diesen Halbgesichts-Atemmasken mit Aktivkohlefilter zugestanden. 2008 wurde der Antrag einer schwer MCS Erkrankten für eine Atemmaske von den Behörden ihres Wohnortes abgelehnt. Dieser Fall endete vor der Dänischen Beschwerdeinstanz, welche die Ablehnung mit folgender Begründung aufrecht erhielt:

„… die chronische Manifestation der Erkrankung (MCS) und ihre Ursachen sind medizinisch nicht dokumentiert, es mangelt an Diagnosekriterien und Behandlungsmethoden, gleichermaßen gibt es keine medizinische Belege, dass eine Maske für das Funktionieren in ihrem täglichen Leben ein wirksames Hilfsmittel darstellt.“

Nach diesem Vorfall wurden zahlreichen MCS-Betroffenen von den lokalen Behörden ebenfalls die Bewilligungen der mit Filtern versehenen Atemmasken mit Verweis auf die obige Entscheidung gestrichen. Zugleich gibt es in Dänemark keine einzige Krankenhausabteilung, die dafür da ist, diese Gruppe schwer an MCS Erkrankter zu untersuchen, zu diagnostizieren, zu behandeln und/oder zu beraten. Alle Gerichts- instanzen verweisen auf das Forschungszentrum für Chemikalienempfindlichkeiten in Kopenhagen, das 2006 mit minimaler Mittelausstattung eingerichtet wurde, das sich aber selber nicht mit MCS-Patienten befasst, außer sie als Versuchs-Kandidaten im Promotionsstudium und in Projekten einzusetzen.

Das Forschungszentrum verweigert die Erforschung der Auswirkung von Atemschutzmasken auf die von MCS betroffene Bevölkerung

Nach dem Rechtsspruch der dänischen Beschwerdeinstanz wandte sich eine große Zahl MCS-Erkrankter an das Forschungszentrum, damit dieses die Auswirkung von Atemschutz- masken auf die von MCS betroffene Bevölkerung dokumentiert. Diese Masken sind derzeit neben der sogenannten Vermeidungsstrategie die einzige wirksame zur Verfügung stehende Behandlungsmaßnahme für MCS- Kranke. Diese Vermeidungsstrategie führt zu sozialer Isolation und damit zum potentiellen Risiko subsequenter psychischen Beeinträchtigungen, welche sich im Leben der MCS-Betroffenen aus der Isolation von der Außenwelt ergeben. Durch das Tragen einer Atemmaske kann diese Isolation jedoch verringert werden.

Doch zum großen Erstaunen und zur Verzweiflung der MCS-Kranken erklärte das Forschungszentrum auf seiner Homepage, dass es die Wirkung von Atemschutz- masken mit Aktivkohle auf die von MCS betroffene Bevölkerung nicht untersuchen wird. Seine Argumente waren unter anderem, dass für eine Untersuchung der Wirkung von Atemschutzmasken bei MCS-Erkrankten eine klinisch kontrollierte Studie nötig wäre, und eine solche Studie müsste sowohl Placebo kontrolliert als auch doppelblind sein, damit die Ergebnisse zuverlässig und nützlich werden. Deshalb hat es für das Forschungszentrum keinen Vorrang, Forschungsmittel für die Untersuch- ung von Atemmasken auszugeben, sondern man konzentriere sich stattdessen auf mögliche Mechanismen der Erkrankung und auf anderen Behandlungsstrategien. (1)

So besteht für dänische MCS-Kranke keine Aussicht, dass jemand die für das Dänische Sozialsystem erforderliche Dokumentation in Angriff nimmt. Darum besteht keine Aussicht, Atemmasken bewilligt zu bekommen, ein Hilfsmittel, das für Erkrankte extrem lebenswichtig ist – ein verrücktes Paradoxon, dass einer modernen Wohlfahrtsgesellschaft unwürdig ist.

Stattdessen sieht das Forschungszentrum Elektroschock für MCS als interessant an

Zeitgleich zum oben Geschilderten beschäftigte sich das Forschungszentrum mit einem MCS-Kranken der zustimmte, über sechs Monate einer elektrokonvulsiven Therapie unterzogen zu werden, (zuerst acht Elektroschock-Behandlungen über drei Wochen und danach alle zwei Wochen). Auf Grundlage dieser subjektiven Evaluation mit einem MCS-„Patienten“ zur Wirkung dieser elektrokonvulsiven Therapie – eine weder Placebo kontrollierte noch doppelblinde „Studie“ – veröffentlichte das Forschungszentrum einen wissenschaftlichen Artikel:

„Elektrokonvulsive Therapie reduziert Symptomschwere und Soziale Behinderung bei Multiple Chemical Sensitivity: Ein Fallbericht“ Elberling et al. (2)

Dieser kommt zu folgendem Ergebnis: „Für diesen Fall wurde durch eine initiale ECT Abfolge und durch eine Aufrechterhaltungsbehandlung auf die Schwere der Sympt- ome und die soziale Behinderung eine positive Wirkung erzielt. Elektro- konvulsive Therapie sollte für schwere und sozial behindernde MCS als Möglichkeit in Betracht gezogen werden, es sind jedoch weitere Studien notwendig, um zu evaluieren, ob ECT zur Behandlung von MCS empfohlen werden kann.“

Die begrenzten Forschungsmittel werden großzügig für Achtsamkeit-Therapie ausgegeben

Das Forschungszentrum plant seine sehr begrenzten Mittel auch für die Erforschung der Wirkung von Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie [MBCT] auf MCS auszu- geben.

2008 führte das Forschungszentrum gemeinsam mit dem Zentrum für Psychiatrie der Kopenhagener Uniklinik eine Pilotprojekt-Studie durch. Der Titel dieser Projektstudie lautete auf der Homepage der Universitätsklinik Kopenhagen: „Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie somatisierender Patienten, vor allem MCS-Patienten.“ Dieser Titel wurde jedoch hastig zu „Die Wirkung von Achtsamkeitsbasierter Kognitiver Therapie auf Menschen mit Parfüm- und Chemikalien-Überempfindlichkeit“ geändert, nachdem MCS-Kranke heraus fanden, dass das Forschungszentrum sie in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Psychiatrie für geisteskrank hält. Jesper Elberling, der damalige wissenschaftliche Leiter des Forschungszentrums wollte dies alles mittlerweile als ein „Versehen“ verstanden wissen.

Zurzeit ist zur Fortsetzung des obigen Pilotprojektes ein Promotionsstudium geplant, um die Wirkung von Achtsamkeit auf die MCS-Bevölkerung zu erforschen. Dies ist offenbar eine jener Behandlungsstrategien, für welche das Forschungszentrum seine begrenzten Forschungsmittel großzügigerweise bevorzugt ausgibt, ungeachtet dessen, dass dänische MCS-Kranke dem Forschungszentrum immer wieder berichteten, dass Atemmasken eine wirkungsvolle Therapie-Strategie darstellen, während niemand jemals von MCS-Kranken gehört hat, die durch Achsamkeit-Therapie irgend eine Wirkung auf ihre MCS erfahren haben.

Wird das Forschungszentrum seiner Hartnäckigkeit treu bleiben und für diese anstehenden Forschungsarbeiten Placebo kontrollierte Doppelblind-Studien fordern?

In naher Zukunft wird das Forschungszentrum seine neue Studie über die Wirkung von der Achtsamkeit-Therapie auf MCS beginnen, und dann werden wir sehen, ob das Forschungszentrum tatsächlich seinen eigenen Anforderungen und Argumente gerecht wird, nach denen für die Beurteilung von Therapiewirkung eine klinisch kontrollierte Studie erforderlich ist, die sowohl Placebo kontrolliert als auch doppelblind sein muss, damit die Resultate verlässlich und nützlich werden.

Hoffentlich gelten diese Anforderungen nicht nur für solche Therapieformen, (Wirkungen, welche das Forschungszentrum nicht dokumentieren möchte), wie z.B. Halbgesichts -Atemschutzmasken mit Aktivkohle-Filter, die in der Tat für die meisten schwer MCS-Kranken von vitaler Bedeutung sind, und welche momentan die einzige Therapie-Strategie darstellen, Menschen die an MCS leiden, eine zeitweilige Möglichkeit zu bieten, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, und welche schwer an MCS Erkrankte als hoch wirksame Therapie-Strategie erfahren. Dieser hoch wirksamen Therapie-Strategie ermangelt es jedoch – gemäß dem Forschungs- zentrum – einer „wissenschaftlichen Dokumentation“, die offenbar niemand in Dänemark erstellen möchte.

Autor: Bodil Nielsen, Denmark

Englische Übersetzung: Dorte Pugliese für CSN – Chemical Sensitivity Network

Deutsche Übersetzung: 87.187.139.145@Fr 20. Aug 18:50:59 CEST 2010

Anmerkung des Übersetzers:

Den Gebrauch einer Atemschutzmaske als Therapie-Strategie zu bezeichnen mag dem Wortlaut der dänischen Gesetze geschuldet sein. Von einer Atemmaske geht aber keine therapeutische, sprich heilende Wirkung aus. Dies wäre all zu leicht in einer Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie zu „beweisen“, wobei der Nutzen, die Schutzwirkung vor schädlichen Expositionen, eben so leicht unterschlagen werden könnte. – Es ist noch verrückter und unwürdiger: Die Kranken müssen sich Mittel zum Schutz als Therapie erbetteln, während man ihnen adäquate Therapie verweigert, bzw. sie mit falschen bedroht. MBCT ist für Menschen, die es nicht brauchen, Psychoterror und ECT ist Körperverletzung. Zu ECT ist ein Artikel von CSN in Vorbereitung.

Fortsetzungsserie: „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“

Teil I: Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?

Teil II: MCS – Multiple Chemical Sensitivity: Ein Bericht aus Dänemark

Sonntagsgedicht: Vergessen und verworfen

Vergessen und verworfen

Es ist unglaublich

wie man

mit einer Krankheit

die für

Andere

unerklärlich ist

ins Abseits gerät.

Man wird vergessen

obwohl man noch

da ist

man muss es

alleine tragen

und überhaupt

entstammt es

nur

dem Kopf.

Vergessen wird man

weil man

nicht mehr

dabei ist

Verworfen wird man

weil man

seine Denkweise

in bezug

auf MCS

nicht ändert.

Man ist selbst schuld.

Autor: Mona die Glasprinzessin für CSN – Chemical Sensitivity Network, 22.August 2010

Mona’s Geschichte: Mona die “Glasprinzessin” ein einsames Leben mit Wind und Wetter

Weitere Gedichte und Geschichten zu den Themen: MCS, Umweltkrankheiten, Umwelt

Qualitätsmanagement bei der Diagnostik von Fibromyalgie und MCS erforderlich

Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und MCS durch Studien bestätigt

Patienten, die unter Fibromyalgie (FM) leiden, berichten häufig auch über Beschwerden, die außerhalb ihres Problembereichs Muskel-Skelett-System liegen. Andererseits beklagen Patienten mit Chemikalien-Sensitivität (MCS), neben ihren Reaktionen auf Chemikalien in Niedrigdosisbereich, immer wieder beeinträchtigende Schmerzen in verschiedenen Körperregionen. Fibromyalgie wird herkömmlich als ein atypisches Weichteilrheuma angesehen. Die Diagnostik erfolgt in erster Linie durch Überprüfung von 18 druckempfindlichen Körperstellen, den sogenannten Tender-points. Wissenschaftler aus Skandinavien stellten bereits vor über 10 Jahren fest, dass es eine Überschneidung zwischen MCS und Fibromyalgie gibt, die für die medizinische Diagnostik von erheblicher Relevanz ist. Eine neuere kanadische Studie von Februar 2010 bestätigte dieses Ergebnis. Die Studienautoren appellierten in einer medizinischen Fachzeitschrift für die Einführung einer adäquaten Ausbildung und Bereitstellung spezieller Informationsressourcen für Angestellte in den Gesundheits- berufen und der Öffentlichkeit, um die Prognose der Patienten zu verbessern.

Schmerzen über Schmerzen

Patienten mit Fibromyalgie oder Chemikalien-Sensitivität führen oft Schmerzen an, die sie als vergleichbar mit „Zahnweh am ganzen Körper“ beschreiben. Wissenschaftler aus Skandinavien stellten sich Ende der neunziger Jahre die Aufgabe herausfinden, ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Krankheitsbildern besteht.

Liegt bei Fibromyalgie-Patienten auch MCS vor?

Das Ziel einer Pilotstudie bestand darin zu ermitteln, wie häufig MCS bei Fibro-myalgie-Patienten in einer universitären rheumatologischen Praxis auftritt. Hierzu setzte das Wissenschaftlerteam Fragebögen ein, mittels denen MCS festgestellt werden sollte. Ergänzend wendeten die Mediziner Kriterien aus einer damals aktuellen Studie an, durch die das immunologische Profil der Patienten mit dieser Erkrankung festgestellt werden konnte. Patienten mussten außerdem mit „Ja“ oder „Nein“, das Vorhandensein von 48 FM-bezogenen Symptomen bestätigen. (1)

Studie stellt Zusammenhang zwischen FMS und MCS fest

Das Ergebnis der Studie wurde im ersten Halbjahr 1997 in der medizinischen Fachzeitschrift „Scandinavian Journal of Rheumatology veröffentlicht. Dreiunddreißig von 60 Patienten mit Fibromyalgie erfüllten die Kriterien für MCS. Elf dieser Patienten erfüllten weitere, restriktivere Kriterien, die das Vorliegen eines „höheren Schweregrades“ einer Chemikalien-Sensitivität nachwiesen.

Bestätigung fanden die Wissenschaftler zusätzlich darin, dass die Symptome und die Auslösesubstanzen von Reaktionen, die am häufigsten von den Fibromyalgie-Patienten zitiert wurden, ähnlich denen waren, die von MCS-Patienten in anderen Studien berichtet wurden.

Ansonsten unterschieden sich Fibromyalgie-Patienten mit und ohne MCS- Symptomatik nicht von anderen FM-Patienten. Da analog der Studie bei über der Hälfte der Patienten mit Fibromyalgie ebenso eine Chemikalien-Sensitivität vorlag, schlossen die skandinavischen Wissenschaftler daraus, dass MCS durchaus ein zusätzlicher Symptomkomplex im Spektrum von Fibromyalgie darstellen kann.

Kanadische Studie bestätigt gleichzeitiges Vorliegen von MCS und FMS

Dass beide Erkrankungen gleichzeitig vorliegen können, bejahten einige wissen- schaftliche Studien in den vergangenen Jahren. Wie hoch jedoch die Wertigkeit rascher, zielgerichteter Diagnostik aufgrund der möglicherweise einschneidenden Auswirkungen von MCS und FMS auf das Leben der Erkrankten anzusehen ist, wurde durch eine Studie der Umweltklinik EHC in Toronto offenkundig.

Die kanadischen Wissenschaftler untersuchten ein Patientenkollektiv von 128 Patienten auf das Vorliegen von MCS, CFS und FMS und ermittelten die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf deren Alltagsleben. Von 70 Patienten hatten acht jeweils eine der Diagnosen MCS, CFS oder FM erhalten, während die restlichen Patienten zwei oder drei überlappende Diagnosen hatten. Wie groß die Auswirkungen der Umweltkrankheiten für die Patienten waren, konnten die Leser der kanadischen Fachzeitschrift für Allgemeinmediziner in der Ausgabe Februar 2010 erfahren. Die meisten der Studienteilnehmer (68,8%) hatten ihre Arbeit durchschnittlich 3 Jahren nach Einsetzen der Symptome wegen ihrer Krankheit aufgeben müssen. (2)

Relevanz für die Diagnostik in der Umweltmedizin und Mainstream- Medizin

Aus der Studie aus dem Jahr 1997 und der Studie von Anfang 2010 ergibt sich für die medizinische Praxis der dringliche Hinweis, dass beim Vorliegen von einem der beiden Krankheitsbilder MCS oder FM das jeweils andere durch entsprechende Diagnostik und gründliche Anamnesestellung unbedingt abzuklären ist.

Bei der Befunderhebung von MCS-Patienten sollte somit grundsätzlich eine Abklärung erfolgen, ob gleichzeitig eine Fibromyalgie vorliegt. Dies kann von jedem Arzt ohne großen Aufwand durch Überprüfung der 18 Tenderpoints festgestellt werden.

Der Aspekt, dass bei Fibromyalgie-Patienten gleichzeitig eine Überempfindlichkeit auf Chemikalien vorliegt, dürfte trotz positiver Studien in der Mainstream-Medizin in den letzten zehn Jahren immer noch nicht angekommen sein. Für die FM-Patienten wäre es jedoch von nicht abzuschätzender Wichtigkeit, dass Rheumatologen mit der Diagnostik von MCS vertraut gemacht würden. Die Prognose der Fibromyalgie-Patienten könnte sich durch entsprechend ausgerichtete Behandlung und Aneignen von Vermeidungsstrategien, was den Umgang mit den jeweils Beschwerden auslös- enden Chemikalien betrifft, erheblich verbessern.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 16. August 2010

Literatur:

  1. A. T. Slotkoff; D. A. Radulovic; D. J. Clauw, The Relationship between Fibro-myalgia and the Multiple Chemical Sensitivity Syndrome, Scandinavian Journal of Rheumatology, Volume 26, Issue 5 1997
  2. Lavergne MR, Cole DC, Kerr K, Marshall LM., Functional impairment in chronic fatigue syndrome, fibromyalgia, and multiple chemical sensitivity, Can Fam Physician. 2010 Feb; 56 (2):e57-65.

Weitere CSN Artikel über  MCS und Fibromyalgie:

MCS – Multiple Chemical Sensitivity: Ein Bericht aus Dänemark

Dänemark nimmt international eine Vorreiterstellung ein, was Chemikalien-Sensitivität (MCS) betrifft. Man hat dort im Jahr 2006 ein staatliches Forschungscenter für Chemikalien-Sensitivität und Duftstoffempfindlichkeiten geschaffen. Damit gehört das kleine skandinavische Land neben Kanada zu den Ländern, in denen von staatlicher Seite Center für Umweltkrankheiten geschaffen wurden. Weil das Forschungscenter offensichtlich versucht, nachhaltigen Einfluß auf die internationale Wissenschaft zu nehmen, berichten wir in einer Fortsetzungsserie darüber.

Der erste Artikel der Serie „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“ wurde von Bodil Nielsen, einer Krankenschwester geschrieben, die selbst an MCS erkrankt ist. Für alle die Teil I nicht gelesen haben:

Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?

„Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld “ Teil II

Im nachfolgenden Artikel berichtet Mette Toft, die, bevor sie chemikaliensensibel wurde, an Universitäten unterrichtete, über die Situation der MCS-Kranken in Dänemark und über das MCS-Forschungscenter in Gentofte, dass Elektroschocktherapie als erfolgsversprechende Behandlungsmethode für MCS-Kranke ansieht.

Mette Toft berichtet:

Hallo, ich heiße Mette Toft. Ich bin 53 Jahre alt, verheiratet und mit zwei erwachsenen Kindern gesegnet. Ich habe einen Universitäts-abschluss (Magister Artium) für Japanisch und Dänisch und habe diese Sprachen viele Jahre an Universitäten und Sprachschulen unterrichtet. Durch fleißige Schüler angeregt entwickelte ich sogar eine neue, einfache Methode, die dänische Aussprache zu lehren, und ich habe Unterrichtsmaterialien für Lehrer und Studenten veröffentlicht. Ich dachte immer, ich hasse Lautlehre, aber dieses Projekt bereitete mir viel Vergnügen.

Allerdings hatte ich immer mehr Gesundheitsprobleme, die kein Arzt erklären konnte: Kopfschmerzen, Ausschläge, Müdigkeit und Unwohlsein.

Duftstoffallergie, MCS und Lupus

1999 ergab ein Patchtest, dass ich hochgradig allergisch auf Parfüm reagierte. Meine Hautärztin riet mir, dies äußerst ernst zu nehmen. Wenn nicht, erklärte sie, könnte es mit mir so weit kommen, dass ich mich nicht mit jemand, der ein Parfüm aufgetragen hat, im gleichen Raum aufhalten könne. Von diesem Tag an wurde unsere Wohnung vollständig duftstofffrei. Auf der Arbeit jedoch, und überall wo ich mich hin begab, war ich weiterhin von Parfüm und parfümierten Produkten aller Art umgeben. So hat sich die Prophezeiung der Hautärztin leider voll erfüllt.

2005 erkrankte ich sehr schwer an etwas, dass sich gleichzeitig als MCS und Lupus (eine wirklich unangenehme und unheilvolle Autoimmunerkrankung) herausstellte. Schnell wurde klar, dass ich meine Arbeit aufgeben werden muss. Trotzdem habe ich vier Jahre lang keinerlei Sozialhilfe erhalten. Dies ist, wie ich leider sagen muss, in Dänemark eine sehr weit verbreitete Praxis.

Eine fröhliche Veranstaltung unter unglücklichen Umständen

Nun möchte ich von unserer MCS-Veranstaltung am 12. Mai im Zentrum von Kopenhagen erzählen, dem Internationalen MCS Tag und nicht zuletzt auch von den unglücklichen Umständen dieses lebensfrohen Ereignisses.

In Dänemark ist MCS wie in vielen anderen Ländern noch nicht als echte körperliche durch Chemikalien verursachte Erkrankung anerkannt. Das Dänische Gesundheits-ministerium rückt von der Auffassung nicht ab, dass MCS keine Erkrankung sondern ein „Zustand“ sei, in dem die Menschen „glauben“ oder „fühlen“, dass verschiedene Chemikalien aus der Luft sie krank machen. Dementsprechend werden MCS-„Patienten“ manchmal an Psychiater überwiesen, wo sie mit einem psychiatrischen Befund falsch diagnostiziert werden, typischerweise „somatoforme Störung“, was bedeutet „alles sei mental“.

Das Dänische Forschungszentrum für Chemikalien-Sensitivität hält Ausschau nach „psychologischen Faktoren“ bei MCS-Betroffenen

2006 wurde auf Initiative des Dänischen Umweltministeriums das Dänische Forschungszentrum für Chemikalien-Sensitivität eingerichtet. Es wurde schnell klar, dass der Zweck dieses Forschungszentrums darin bestand, die Umwelt vom Vorwurf MCS zu verursachen, wie man so sagt, frei zu sprechen. Immer wieder hörten die Betroffenen den Leiter der Forschung MD, PhD Jesper Elberling verkünden, dass die Umwelt für die Probleme nicht verantwortlich gemacht werden sollte.

Unter den Mitarbeitern des Forschungszentrums gibt es keine Fachleute für Toxikologie oder Umweltmedizin. Stattdessen konzentrieren sich die neue Forschungsleiterin PhD Sine Skovbjerg, eine ehemalige Krankenschwester und ihre Mannschaft darauf, unzählige „psychologische Faktoren“ bei den Betroffenen zu zählen und zu dokumentieren. Ihre Ansicht ist, dass MCS als somatoforme Störung erforscht werden sollte und dass MCS durch eine sogenannte aufmerksamkeitsbasierte kognitive Therapie geheilt werden kann.

Welche psychologischen Faktoren haben Sie? – Keine. Ich habe MCS.

Bestürzende Nachrichten über Elektroschocktherapie, ECT (electroconvulsive therapy) als MCS-Behandlung

Ich denke, es ist gerechtfertigt zu sagen, dass die internationale MCS-Community schockiert war, als der zuvor erwähnte Jesper Elberling einen Artikel veröffentlichte, in dem er erklärte, das „Elektroschocktherapie“ bei schwerer und sozial behindernder MCS als Möglichkeit in Betracht gezogen werden sollte…“. An anderer Stelle meinte Elberling, „Wenn die Beobachtungen zu ECT korrekt sind, dann bedeutet dies, dass wir, was eine zukünftige Behandlung von MCS angeht, SEHR (na super!) optimistisch sein können.“ Offenbar stimmen nicht viele dänische MCS-Betroffene dieser Ansicht zu.

Eine Kurzfassung des Artikels sowie internationale Reaktionen darauf gibt es auf Canary Report:

Psychiater versprechen induzierte Convulsionen als Behandlung für Multiple Chemical Sensitivity

Gegenaktionen

Als Versuch, uns inmitten dieser deprimierenden Idiotie ein wenig aufzu-muntern, beschlossen wir, den Internationalen MCS-Tag am 12 Mai mit einem bunten und festlichen Ereignis im Zentrum von Kopenhagen zu feiern.

Unglücklicherweise regnete es den ganzen Tag in Strömen und ein paar unserer Attraktionen – darunter einige spektakuläre Kanarien-Kostüme – mussten aus dem Programm genommen und für einen hoffentlich sonnigeren MCS-Tag im nächsten Jahr aufgehoben werden. Unsere MCS- Lotterie und kostenlose Proben duftstofffreier Hautcremes sprachen trotzdem sehr viele Leute an, und ein jeder von ihnen nahm sich ein Exemplar unseres MCS-Informations- und Faltblattes zum Lesen mit nach Hause.

Ein Schüler, der beschlossen hatte, eine Arbeit über MCS zu schreiben, erschien früh, um Fragen zu stellen. Und ein (!) besorgter Politiker (einer von ca. 60 die eingeladen wurden) kam auf ein ernsthaftes Gespräch vorbei.

Autor: Mette Toft, Dänemark

© Fotos: Torben Bøjstrup

Fortsetzungsserie: „Dänisches MCS-Forschungscenter im internationalen Blickfeld“

Teil I: Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?


Weitere Berichte über die Situation und Aktivitäten von MCS-Betroffenen in verschiedenen Ländern:

Verändert ein dänisches MCS –Wissenscenter die internationalen Erkenntnisse über Chemikalien-Sensitivität?

In Dänemark wurde im Januar 2006 auf Initiative des Umweltministeriums ein MCS-Wissenscenter gegründet. Das Center sollte dazu dienen, MCS und Sensitivitäten auf Duftstoffe näher zu erforschen und den Betroffenen Behandlungsangebote zu offerieren. Die anfängliche Hoffnung, dass durch dieses vom Ministerium finanzierte Center konstruktive Erkenntnisse in die medizinische Wissenschaft und zum Wohle der MCS-Erkrankten einfließen, wurde durch deren neuere Veröffentlichungen zerschlagen.

In mehreren Artikeln wird darüber und über die sich daraus ergebenden Konsequenzen für MCS-Erkrankte im CSN Blog berichtet werden. Dass auch Umweltmediziner und Organisationen in anderen Ländern umfassend informiert werden über die Vorgänge in Gentofte, ist von erheblicher Wichtigkeit, denn das dänische Wissenscenter-Team strebt offensichtlich an, die internationale Wissen-schaft zu MCS beeinflussen zu wollen.

Der erste Artikel der Serie „Dänisches MCS-Wissenscenter im internationalen Blickfeld “ wurde von einer Krankenschwester geschrieben, die selbst an MCS erkrankt ist:

Welche Interessen verfolgen einzelne Wissenschaftlergruppen bei der Erforschung von MCS?

Bodil Nielsen – Im April 2010 hat eine unabhängige Gruppe von italienischen Wissenschaftlern (De Luca et al.) ihre Forschungsresultate veröffentlicht ”Biological definition of multiple chemical sensitivity from redox state and cytokine profiling and not from polymorphisms of xenobiotic-metabolizing enzymes”. (1) Die Ergebnisse der Studie haben u.a. gezeigt, dass bei MCS-Betroffenen die Aktivität der erythrozytären Katalase und GST niedriger waren, während Gpx höher war, als normalerweise. Sowohl reduziertes als auch oxidiertes Glutathion war niedriger, während Stickoxid (NO)/Peroxynitrit (ONOO-) in der MCS-Gruppe erhöht waren. Das Fettsäureprofil der MCS-Patienten war gegen den gesättigten Teil verschoben, und das IFN-Gamma, IL-8, IL-10, MCP-1, PDGFbb und VEGF waren erhöht.

Dänisches MCS Wissenscenter stellt Arbeit von Kollegen in Frage

Im Juli 2010 vermeldete das Wissenscenter für Duft- und Chemikalienüber-empfindlichkeit in Dänemark (das nach der Auffassung vieler dänischer MCS-Betroffenen mittlerweile eine sehr tendenziöse Forschung betreibt, mit Hauptgewichtung auf den psychischen Bereich) auf seiner Webseite: (2)

”Da es sich vorläufig um eine einzelne Studie handelt (De Luca et al.), ist es notwendig, die Resultate durch neue Studien zu überprüfen, bevor eine Schlussfolgerung hinsichtlich der Bedeutung der immunologischen Faktoren bei Duft- und Chemikalienüberempfindlichkeit gezogen werden kann“ …

„Deshalb plant das Wissenscenter zu untersuchen, ob bei Duft- und Chemikalienüberempfindlichen erhöhte Zytokinwerte nachgewiesen werden können – UNABHÄNGIG VON KONTAKTALLERGIEN“.

Selektive Kontrolle?

Die Resultate der Italiener haben jedoch nicht nur eine Erhöhung des Botenstoffs Interferon-(IFN)-Gamma gezeigt, sondern auch dass mehrere metabolische Parameter auf beschleunigte Lipidoxidation hinweisen, wie auch vermehrte Stickoxid-Produktion und eine Reduzierung des Glutathion in Kombination mit erhöhten inflammatorischen Zytokinen, was bei einer biologischen Definition und der Diagnose von MCS berücksichtigt werden muss.

Kontaktallergie eine Ausschlussdiagnose bei MCS?

Der ehemalige Leiter des dänischen MCS- Wissenscenters, nun Seniorforscher Jesper Elberling, weiß als früher angestellter Arzt bei der dermatologischen Abteilung des Gentofte Hospitals, dass der Botenstoff Interferon-(IFN)-Gamma eine Rolle bei der Entwicklung von Kontaktallergien spielt, ein Zytokin-Botenstoff, den die Italiener in ihrer Forschung bei den MCS-Patienten gefunden haben. Dem Wissenscenter ist aus seiner eigenen Fragenbogen-Studie zudem bekannt, dass viele MCS-Betroffene u.a. auch unter Kontaktallergien leiden. Aus diesem Umstand stellen sich einige Fragen:

  • Wählt das Wissenscenter somit, bewusst und gezielt, ausschließlich DIESEN kleinen Teil des Forschungsresultats der Italiener um nachzuprüfen; obwohl – wie man selber mitteilt – alle Forschungsergebnisse überprüft werden müssen, bevor eine Schlussfolgerung hinsichtlich deren Gültigkeit gezogen werden kann?
  • Bezweckt diese angedachte Forschungsstudie, diejenigen MCS-Betroffenen auszusortieren, die gleichzeitig eine Kontaktallergie haben, um zu sehen, ob dies das Resultat ändert?
  • Ist das Wissenscenter imstande zu beweisen, dass dieses EINE Resultat dem De Luca et al. Forschungsresultat zugeschrieben werden kann, demzufolge ein großer Teil der MCS-Betroffenen, die an der Studie der Italiener teilnahmen, auch unter Kontaktallergien gelitten haben müssen, und dass dieses Forschungsresultat deshalb eventuell tatsächlich nur diesem Umstand zugeschrieben werden kann?

Soll das Studienergebnis aus Italien diskreditiert werden?

Denn nur dann könnte das Wissenscenter dadurch das vorliegende Forschungsresultat in Misskredit bringen, was leicht dazu führen kann, das vollständige Forschungsresultat der Italiener in ein schlechtes Licht zu stellen.

Wenn schon Kontrolle, warum dann nicht umfassende Kontrolle?

Es stellt sich auch die Frage, warum das Wissenscenter sich nicht dazu entschlossen hat, auch die anderen Forschungsresultate der italienischen Wissenschaftler nachzuprüfen, die ja auch überprüft werden müssen, bevor das Wissenscenter sie für valid halten kann.

Nach Martin Palls Theorie (dem fatalen NO/ONOO Zyklus) heißt es, dass u.a. bei MCS-Betroffenen eine erhöhte Stickoxid -Produktion stattfindet, was ja auch die Forscher aus Italien nachgewiesen haben. Rechnet das dänische Wissenscenter also vielleicht damit, dieses Forschungsresultat nicht zu widerlegen oder in Misskredit bringen zu können?

Die italienischen Wissenschaftler haben nämlich nachgewiesen, dass in Übereinstimmung mit Martin Palls These vom unheilvollen biochemischen NO/ONOO Zyklus drei Faktoren im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe erniedrigt/abweichend sind, im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe, aber dies wünscht man im einzigen MCS-Wissenscenter der Welt merkwürdigerweise nicht nachweisen zu müssen.

Da die italienischen Mediziner – soweit ich erkennen kann – in ihren Überlegungen keine Kontaktallergie mit einbezogen hatten, aber die meisten biochemischen Stoffe im Körper natürlich mit vielen Faktoren/Krankheiten in funktioneller Verbindung stehen, weshalb dieser Versuch, gerade diesen einen Faktor (den Botenstoff Interferon-(IFN)-Gamma) mit etwas zu vergleichen, das sich – wie man weiß – auch auf Kontaktallergien auswirkt, drängt sich einem fast unweigerlich eine weitere Frage auf:

Ob diese Vorgehensweise dahingehend zu deuten ist, dass das dänische Wissenscenter bezwecken will, einen Unsicherheitsfaktor im Forschungsresultat der Italiener konstruieren zu wollen, um die ganze Studie der italienischen Wissenschaftler – mit diesen für die MCS-Betroffenen so wichtigen Resultaten – in ein schlechtes Licht zu bringen?

Wir hoffen jedenfalls, dass weitere, unabhängige Wissenschaftler damit anfangen werden, die Richtigkeit all der anderen Resultate zu überprüfen, und nicht ebenfalls hingehen und nur ein einzelnes Resultat auswählen, in der Hoffnung, die Validität widerlegen zu können.

Autor: Bodil Nielsen aus Dänemark, Krankenschwester, MCS- und EHS-Betroffene

Übersetzung: Dorte Pugliese, Silvia K. Müller, CSN.

  1. Chiara De Lucaa, Maria G. Scordob, Eleonora Cesareoa, Saveria Pastorea, Serena Mariania, Gianluca Maiania, Andrea Stancatoa, Beatrice Loretic, Giuseppe Valacchid, e, Carla Lubranoc, Desanka Raskovicf, Luigia De Padovac, Giuseppe Genovesic and Liudmila G. Korkinaa, Biological definition of multiple chemical sensitivity from redox state and cytokine profiling and not from polymorphisms of xenobiotic-metabolizing enzymes, doi:10.1016/j.taap. 2010.04.017, Toxicol Appl Pharmacol. 2010 Apr 27
  2. MCS-Wissenscenter, Italiensk studie sætter fokus på signalstoffer, 18.07,2010

Weitere Artikel zum Thema:

Hilfe im Krankenhaus trotz MCS- Multiple Chemical Sensitivity möglich?

Deutsche Krankenhäuser haben im internationalen Durchschnitt gesehen einem hohen Standard und unser Land verfügt über hervorragende Spezialkliniken. Dennoch gibt es für eine zahlenmäßig erhebliche Bevölkerungsgruppe kein Krankenhaus, das für sie im akuten Fall geeignet wäre, oder das den krankheitsbedingten Erfordernissen auch nur ansatzweise gerecht werden könnte. Die Rede ist von Menschen, die unter Multiple Chemical Sensitivity (MCS) leiden.

An MCS Erkrankte reagieren auf geringe Spuren von Alltagschemikalien mit leicht bis schwer behindernden Symptomen. Bei hypersensibilisierten Personen sind auch Bewusstlosigkeit und Schockreaktionen möglich. Obwohl die Krankheit in Deutschland über einen Diagnoseschlüssel verfügt (ICD-10 T78.4) und im Einzelfall als Behinderung anerkannt werden kann, ist MCS vielen in medizinischen Berufen arbeitenden Menschen nicht bekannt und es gibt weder Maßnahmenkataloge, noch Leitlinien, die Ärzten, Sanitätern, Rettungskräften und Pflegepersonal vorgeben, wie man mit dieser besonderen Gruppe von Erkranken umgehen muss, um weiteren körperlichen Schaden abzuwenden.

Ein Krankenhausaufenthalt kann unverhofft erforderlich sein, für Menschen, die unter Chemikalien-Sensitivität (MCS) leiden eine Vorstellung, die viele schnell wieder verdrängen, weil ihnen bekannt ist, dass sie im Krankenhaus eine Umgebung erwartet, die umgehend zu Reaktionen führt. Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel, Duftstoffe und eine erhebliche Zahl von Krankenhauschemikalien errichten unsichtbare Barrieren, die bislang in jedem Krankenhaus anzutreffen sind.

Thommy’s Blogfrage der Woche:

  • Welche Erfahrung habt Ihr in deutschen Krankenhäusern gemacht als MCS-Kranker? Kannte man dort MCS?
  • Habt Ihr ein Krankenhaus gefunden, das für Chemikaliensensible tolerierbar ist?
  • Ging man auf Eure besonderen, krankheitsbedingten Bedürfnisse ein? Oder hat man Eure MCS nicht ernst genommen?
  • Was habt Ihr erlebt während eines Krankenhausaufenthaltes? Berichtet bitte über positive, wie auch negative Erfahrungen.
  • Oder schiebt Ihr eine erforderliche Operation oder Behandlungsaufenthalt im Krankenhaus bereits seit längerer Zeit vor Euch her, wegen der bekannten Problematik für Euch?
  • Haltet Ihr es für möglich, MCS-gerechte Abteilungen in Schwerpunktkrankenhäusern, bzw. wenigstens in einigen deutschen Großstädten bereitzustellen?

Nachwort zum Freitod von Heide N.

Erneuter Suizidfall wegen fehlender Umweltklinik und fehlendem MCS-gerechtem Wohnraum

Heide N. hat unter großem Leiden fast ein Jahr in der Umweltabteilung des Fachkrankenhauses Nordfriesland gelebt. Sie litt unter einer schweren MCS. Sie hatte ihren Besitz und ihre Unterkunft als Folge der durch Vergiftungen entstandenen MCS aufgeben müssen. Ihre Tochter zahlte für die Unterkunft in der Umweltklinik in Riddorf bei Bredstedt, ca. 70€ pro Tag, so Heide. Eigentlich hätte sie nur Kost aus biologischem Anbau bekommen müssen. Für einen nicht MCS-Patienten wäre die Unterkunft wohl gut gewesen, aber Heide vertrug es nirgends mehr.

Heide kam aus Österreich, ein Land, in dem MCS wie in Deutschland mit einen ICD-10 Code (T78.4) als körperlich bedingte Krankheit gelistet ist. Es gibt dort keine Umweltklinik, so wie es in den anderen europäischen Ländern ebenfalls keine geeignete Klinik für schwer an MCS Erkrankte gibt. Schließlich musste Heide auch aus der Umweltabteilung weichen, da dort aus Kostengründen verkleinert wurde, so dass für hypersensible MCS-Kranke überhaupt kein Platz mehr verfügbar ist. Um die Klinik aufrecht zu erhalten, wurden dort Spielsüchtige untergebracht. Die Umweltklinik konnte nie richtig verwirklicht werden, da es für Umweltkranke keine Unterstützung wie bei anderen Krankheiten gibt. Erschwerend gibt es auch kaum genügend qualifizierte Ärzte auf diesem Gebiet und die Krankenkassen können wegen kassenrechtlicher Bestimmungen nur selten die richtige Behandlung übernehmen. Heide bekam schwere Medikamente, die eigentlich bei MCS nicht helfen können. Sie wusste nicht mehr weiter, es gab für sie keinen Ausweg, obwohl sie selbst klinische Psychologin war, sie war einfach zu krank.

Schließlich bekam sie eine Wohnung neben dem Haus von Dr. Eberhard Schwarz, dem ehemaligen Leiter der Umweltklinik, ein Psychiater und Umweltmediziner. Er schaute ab und an nach ihr und sah nach dem Rechten. Aber Heide vertrug die Gegend nicht, es wird dort viel Gülle ausgebracht. Mitpatienten wollten ihr helfen, eine neue Wohnung zu finden. Eigentlich konnte man Heide unmöglich in ihrem Zustand alleine in ihrer Wohnung lassen. Da ihr Zustand immer unerträglicher wurde und sie keine geeignete Hilfe bekommen konnte, wählte sie den Freitod. Am 3. August 2010 war in einer kleinen Kirche in Bredstedt die Beerdigung von Heide N.

Es ist traurig, dass es immer wieder so kommen muss, da seit Jahren in unserem hochentwickelten Land unzumutbare Zustände für Umweltkranke herrschen. Nichts wird unternommen, obwohl öffentlich bekannt ist, dass schon mehreren MCS-Kranken nur noch der Suizid als Ausweg blieb. Umweltkranke und Umweltärzte sprachen immer wieder bei Behörden und Politikern vor, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Nichts wurde unternommen, die Betroffenen werden zwangsläufig ausgegrenzt und haben nur geringe oder keine Lebensqualität mehr.

Ich habe Heide N. gekannt und bin selbst von schwerer MCS betroffen,

Eleonore Heilmann

Weitere CSN-Artikel über die quälende Situation Umweltkranker

Spanischer Professor beendet Hungerstreik, aber der Kampf um Behandlung geht weiter

Spanien, 1. August 2010 –  Prof. Servando Pérez, Chef von Mercuriados und Vizepräsident der World Alliance for Mercury- Free Dentistry [Welt-Allianz für quecksilberfreie Zahnheilkunde] hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Hunger-streik abgebrochen, in den er in der Universitätsklinik von Santiago de Compostela getreten war, um seiner Forderung nach einer Behandlung wegen chronischer Quecksilbervergiftung Nachdruck zu verleihen.

Spanien, weltweit eines der Länder mit der größten Quecksilberausbeute, verfügt in seinem Gesundheitssystem weder über Ärzte noch über Einrichtungen, um eine Chelat-Therapie (Behandlung zur Entfernung giftiger Metalle aus dem Körper) bei chronischer Quecksilbervergiftungen durchzuführen (man kann akute Queck-silbervergiftung behandeln, aber diese Behandlung ist sehr viel einfacher durchzuführen). Dieser Mangel an geeignetem Behandlungsangebot betrifft in Spanien mehrere tausend Menschen und deshalb hat Servando als selbst Betroffener die Tapferkeit aufgebracht, die ganze Welt durch seine Klugheit und soziale Kompetenz auf die Situation aufmerksam zu machen.

Nachdem sich Professor Pérez einen Monat lang geweigert hatte, die Klinik zu verlassen und sich eine Woche im Hungerstreik befand, um eine Behandlung zu erzwingen (wie von einem Urteil entsprechend seiner Diagnose angeordnet), hat das Hospital schließlich zugestimmt, ihn an einen Toxikologen in Valencia zu überweisen. Aber auch dieser Toxikologe hat mittlerweile erklärt, dass es in Spanien keine einzige Klinik gibt, die eine chronische Quecksilbervergiftung behandeln kann. Deshalb lässt eine Lösung für die Lage von Servando und tausender anderer Menschen weiterhin auf sich warten und wir treten nun in die zweite Phase dieses Kampfes ein. In dieser zweiten Phase geht es um ein Treffen mit dem Spanischen Gesundheitsministerium.

Wir, die spanischen Selbsthilfegruppen für Menschen mit Umwelterkrankungen (Multiple Chemical Sensitivities, Chronic Fatigue Syndrome/Myalgische Enzephalitis, Fibromyalgie, chronische Vergiftung durch toxische Metalle), setzen unseren Kampf fort, um vom öffentlichen Gesundheitssystem eine Behandlung zu erhalten. Wir möchten Servando Pérez für seinen Mut und sein Durchhaltevermögen und dafür danken, für uns alle ein Vorbild zu sein. Wir wissen, dass die Ärzte während seines Klinikaufenthaltes Druck auf ihn ausübten und ihn schikanierten, dazu gehört auch das äußerst aggressive Verhalten der Psychiater, die vorhatten, bei ihm eine psychische Störung zu diagnostizieren.

Wir möchten außerdem allen Wissenschaftlern, Ärzten, Verbänden und Individuen danken, die während Servandos Isolation und Hungerstreik von der ganzen Welt aus spanische und galizische Behörden kontaktierten, um gegen Servandos Situation zu protestieren und die gezeigt haben, dass sie unseren Kampf unterstützen. Wir hoffen, wir können uns weiter auf Ihre Unterstützung verlassen.

Wir alle sind Servando!

Viva Servando!

Clara Valverde

Leiterin der Liga SFC

(Im Namen von Servando, der zum selber schreiben zu krank ist)

Übersetzung: BrunO für CSN

Englische Übersetzung:

SERVANDO PEREZ ENDS HIS HUNGER STRIKE, BUT THE BATTLE FOR TREATMENTS CONTINUES

Weitere CSN-Artikel zum Thema:

Hilferuf: Spanischer Professor mit chronischer Quecksilbervergiftung und MCS trat in Hungerstreik

Gestern am 26. Juli 2010, hat Professor Servando Perez, der Kopf von Mercuriados Spain (Menschen die an chronischer Quecksilbervergiftung leiden) mit einem Hungerstreik begonnen. Bei Prof. Perez wurde vor zwei Jahren eine schwere Quecksilbervergiftung und Multiple Chemical Sensitivity (MCS) diagnostiziert. Sein Fall kam vor das höchste spanische Gericht und dieses stellte fest, daß Prof. Perez infolge von Zahnfüllungen an einer chronischen Quecksilbervergiftung leidet und verfügte, daß das spanische Gesundheitssystem (die Sozialversicherung) seine Erkrankung mittels Chelattherapie [Entgiftungstherapie mit Ethylendiamin-Tetraessigsäure] behandeln oder ihn an eine private Klinik überweisen und die Kosten dafür übernehmen soll. Das war ein außergewöhnlicher Präzedenzfall.

Wie zu erwarten war, wurde Prof. Perez bis dato noch nicht behandelt und die Sozialversicherung unternahm, was sie konnte, um klar zu stellen, daß er wie auch andere spanische Erkrankte mit MCS, CFS/ME und Fibromyalgie keine angemesse medizinische Versorgung durch das Gesundheitssystem erhalten. Darum haben wir, Mercuriados Spain und viele andere Gruppen, Kampagnen, Volksbegehren, Interessenvertretungen, Klagen und viele andere Vorhaben gestartet, um diese Situation zu ändern. Bisher aber ohne Erfolg.

Prof. Perez Gesundheit hat sich verschlechtert und vor einem Monat begab er sich in die Notaufnahme der Universitätsklinik von Santiago de Compostela. Sie weigerten sich, ihn zu behandeln und er erklärte, er würde die Klinik nicht verlassen, bis die gerichtliche Anweisung zur Chelattherapie durchgeführt würde. Während des vergangenen Monats hat Prof. Perez in der Klinik alle möglichen Schikanen und Druck ertragen, mit dem man ihn zum Verlassen der Klinik zwingen wollte. Man hat bei ihm sogar trotz seiner organischen Erkrankung eine psychiatrische diagnostiziert.

Wir, die spanischen MCS, CFS/ME und FMS Gruppen haben eine Kampagne ins Leben gerufen, um Prof. Perez mit Emails, Anrufen bei der Klinik, Pressearbeit usw. zu unterstützen. Nun besteht die neueste Schikaniermethode der Klinik darin, ihm Nahrung ohne Zusatzstoffe zu verweigern. In Anbetracht all dessen hat Servando Perez einen Hungerstreik begonnen. Natürlich könnte er versuchen, einen Bankkredit zu bekommen, um eine Chelattherapie als Privatpatient bezahlen zu können, doch diese würde uns, den anderen in Spanien auf eine Behandlung durch das Gesundheitssystem wartenden Erkrankten nicht helfen. Die Klinik ließ wissen, sie wolle ihn nicht an eine private Klinik überweisen, da dies ein Präzendenzfall bedeuten würde, und dann müßten demnächst alle Menschen mit einer chronischen Metallvergiftung in Spanien behandelt werden. Dies jedoch wollen sie mit unserem Steuergeld nicht tun.

Servando Perez hat sich für den tapferen und schweren Weg entschieden, diese hoffnungslose Situation, in der wir uns mit dieser Art von Erkrankungen in Spanien befinden zu ändern. Darum sind wir auf Servandos Handeln stolz.

Wir lassen Ihnen diese Informationen zukommen und bitten Sie um Unterstüzung. Bitte schreiben Sie an den Vizedirektor der Klinik von Santiago de Compostela, an Dr. Jose-Ramón Gómez oder an jose.ramon.gomez.fernandez[at]sergas.es oder rufen sie ihn unter 0034 98 1950970 an.

Wir alle sind Servando Perez!

Herzlichen Dank!

Clara Valverde

Leiterin der Liga SFC

(CFS/ME League, Spain)

www.ligasfc.org

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Photo: Thank you to Mercuriados Netlog!

Der Artikel erschien auch in anderen Sprachen: