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Allergien können Depressionen auslösen

Die Allergiesaison erreicht für Pollenallergiker gerade ihren Höhepunkt. Husten, nießen, tränende und juckende Augen zählen zu den häufigsten Symptomen. Was selten im Zusammenhang mit Pollenallergie und Heuschnupfen genannt wird, aber bei fast jedem zweiten Betroffenen auftritt, sind Depressionen. Das haben Wissenschaftler der University of Maryland herausgefunden und bei ihrem Jahreskongress der Psychiater als neue Erkenntnis dargelegt. (1)

Umweltmediziner verblüfft diese Erkenntnis hingegen nicht, für sie ist es nichts Neues, denn Pioniere ihrer Fachrichtung beobachteten dies bereits vor sechs Jahrzehnten. Allergien auf Pollen, Nahrungsmittel, Schimmelpilze oder Sensitivitäten auf Chemikalien können durchaus auch psychische Reaktionen, einschließlich Depressionen auslösen.

Seit 6 Jahrzehnten bekannt – Allergien können Depressionen auslösen

Den ersten Artikel über Depressionen, die durch Allergien hervorgerufen wurden, konnte man 1950 in einer der größten medizinischen Zeitschriften lesen. (2) Im Jahr 1951 stellte der Allergologe Theron Randolph – beim 7. Jahreskongress des American College of Allergists in Chicago – seinen Kollegen ein Fallbeispiel vor, bei dem ein Provokationstest mit Nahrungsmitteln bei einem Patienten eine akute psychotische Episode hervorgerufen hatte. (3) Das erste Fachbuch, das über solche Zusammenhänge anschaulich berichtet, stammt ebenfalls von Randolph und wurde in der Erstauflage 1962 publiziert.(4)

Allergien legen den Körper lahm und schlagen auf das Gemüt

Beim Jahrestreffen 2010 der Amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie referierte Dr. Partam Manalai darüber, dass Allergien, wie auch Depressionen weitverbreitete Krankheiten darstellen. Es sei nicht verwunderlich, dass Allergien auf das Gemüt schlagen und die Wahrnehmungsfähigkeit, als auch die Lebensqualität der Betroffenen einschränken.

Führt Pollenallergie zu Suizid? Offensichtlich ja.

Der Wissenschaftler berichtete über ein auffälliges Phänomen auf das er gestoßen sei. Wenn im Frühjahr viele Pollen in der Luft sind, steigt gleichzeitig die Suizidrate an. Das Gleiche, jedoch in geringerer Ausprägung, ist im Herbst zu beobachten, wenn einige Pflanzen und Bäume nochmals blühen.

Um den Dingen auf den Grund zu gehen, untersuchten der Wissenschaftler und sein Team einhundert Personen aus der gleichen Region, die unter starken Depressionen litten. Etwa die Hälfte diese Menschen hatte Allergien auf Bäume und Unkräuter. Im Frühjahr wie auch im Herbst zeigte sich bei ihnen ein erhöhtes IgE (der Marker für klassische Allergien).

Höhepunkt der Pollensaison – Höhepunkt von Depressivität

Manalai legte auf dem Kongress dar, dass Patienten, die allergisch auf luftgetragene Allergene reagierten, während der Pollensaison eine Verschlechterung des Gemüts erfuhren. Patienten, die unter beiden Erkrankungen litten, seien während der Hauptpollensaison noch empfänglicher für Depressionen. Deshalb sei es seiner Auffassung nach sehr wichtig, diese Erkrankungen zu behandeln, um zu vermeiden, dass Patienten in der Hauptpollensaison in eine Depression abgleiten.

Schwere Allergien, eine schwere Bürde

Dass Depressionen eintreten, wenn jemand allergisch reagiert, ist für den Wissenschaftler aus Maryland nicht verwunderlich. Er veranschaulichte dies für die Zuhörer indem er sie aufforderte einfach einmal darüber nachdenken, wie es ist, wenn Allergien so schwerwiegend sind, dass man nicht atmen kann, nachts nicht richtig schläft, man sich so richtig fertig und scheußlich fühlt, weil es sich anfühlt, als hätte man einen Zentner Kartoffeln auf der Brust, dann sei es wohl recht normal, dass man anfängt depressiv zu werden. Bei Allergien sei es eben nicht wie bei einer Erkältung, zwei Tage und alles ist vorbei, erklärte der Mediziner. Man hänge für Monate fest und diejenigen, die das ganze Jahr über Allergien haben, die würden das ganze Jahr über festhängen.

Depressionen als Reaktion auf Allergene und Chemikalien

Solche „Ganzjahresallergien“ auf klassische Allergene und auch Sensitivitäten auf Chemikalien haben die ersten Pioniere der Umweltmedizin schon vor rund sechs Jahrzehnten als mögliche Auslöser für Depressionen bei ihren Patienten erkannt. (5,6) Für sie war schon damals aufgrund ihrer Beobachtungen und Diagnostik schlüssig, dass nicht Depressionen Allergien oder Sensitivitäten auf Chemikalien auslösen, sondern umgekehrt, denn war der Auslöser weg, traten schlicht und einfach auch keine Depressionen bei diesen Patienten auf. Setze man hingegen den Patienten bei Provokationstests dem Allergen aus, war die Depression da und zwar so, als hätte man einen Lichtschalter umgelegt. Diese Pioniere belegten damals schon mit ihren Tests, dass es keinen chronischen Krankheitsverlauf oder Leiden braucht, damit jemand depressiv reagiert, sondern, dass ein Allergen, bei einer Person die darauf reagiert, diesen Zustand durchaus auch in Sekunden hervorrufen kann.

Winzige Spuren eines Auslösers und schon ist die Depression da

Der amerikanische Allergologe Theron Randolph, der als Begründer der Umweltmedizin gilt, beschrieb in seinem Buch von 1962, zur Veranschaulichung die Frau eines Arztes, die auf Kosmetika, Medikamente und Parfüms mit Depressionen reagierte. War sie damit nicht in Kontakt, ging es ihr gut – kam sie damit in Kontakt, ging es los. Winzige Spuren von Parfüm reichten aus. Auch auf konventionelle Nahrungsmittel, die Pestizidrückstände aufwiesen und Nahrung aus Konservendosen die innen beschichtet waren, traten bei dieser Patientin Depressionen, Atembeschwerden und starke Kopfschmerzen auf. Randolph gründete in dieser Zeit die erste schadstoffkontrollierte Umweltklinik weltweit und Fälle dieser Art sollte er noch zuhauf diagnostizieren und behandeln. Nicht anders erging es Prof. William J. Rea und Prof. Doris Rapp, zwei weitere Pioniere der Umweltmedizin, die Zehntausende von Patienten in ihren umweltkontrollierten Kliniken diagnostizierten und mit großem Erfolg behandelten.

Wie findet man heraus ob Pollen die Ursache für eine Depression sind?

Welche einfachen Möglichkeiten man hat um herauszufinden, ob Pollen die Ursache für Depressionen oder andere psychische Symptome sind, schildert Prof. Dr. Doris Rapp. Die heute über 80-jährige amerikanische Medizinerin gilt als absolute Pionierin im Bereich Kinder-Umweltmedizin. Sie besitzt drei Videoarchive mit Dokumentationen, die Kinder bei Allergietests zeigen. Videos über spontane Depressionen auf Pollen, Schimmelpilze, Nahrungsmittel oder Chemikalien kann die Medizinerin hundertfach vorzeigen. Einige davon wurden immer wieder auf Medizinkongressen oder in TV-Berichten gezeigt und man kann sie auch im Internet anschauen.

In einem ihrer Bücher (7) gibt Prof. Dr. Rapp folgende einfache Anleitung, die gleichermaßen auf Erwachsene anwendbar ist:

  • Werden Sie zum Beobachter. Finden Sie durch genaues Beobachten heraus, ob die Depressionen oder Verhaltensauffälligkeiten dann auftreten, wenn starker Pollenflug herrscht. Schauen Sie hierzu in die Zeitung (Anm.: heute kann man im Internet oder auf dem Handy Pollenwarndienste anklicken und den genauen Pollenflug am Wohnort ermitteln) und führen Sie eine Weile Buch. Es wird schnell erkennbar, ob Pollen mit der Depression in Zusammenhang stehen.
  • Lassen Sie zur Absicherung Allergietests durchführen, ob und welche Pollenallergien vorliegen. (Achtung IgE reicht nicht aus (8)
  • Wer allergisch reagiert, hat während der Reaktion meistens eine völlig veränderte Handschrift. Das Schreiben des Namens bietet sich an. Überprüfen Sie dies bei ihrem Kind oder sich selbst an einem pollenfreien Tag, während des Pollenfluges und wenn er abklingt. Lassen Sie auch ein kleines Bild malen. Ein Strichmännchen reicht. Sie werden staunen was dabei herauskommt wenn jemand allergisch reagiert, ziehen Sie Vergleiche wenn die Person allergiefrei ist.

Antidepressiva Behandlung der Wahl für Allergiker? Mitnichten

Allergiker, die auf bestimmte Allergene oder chemische Auslöser Depressionen oder psychische Symptome entwickeln, sind demnach was die Pioniere der Umweltmedizin herausfanden, keine zwangsläufigen Kandidaten für Antidepressiva oder Psychotherapie.

Bei der Erörterung, welche Therapie sinnvoll ist, lohnt es sich zum Wohle der Erkrankten nochmals in der Zeitgeschichte der Medizin auf Randolph zurückzuschauen. Der Allergologe Randolph erkannte durch reines Beobachten und dokumentieren, dass es oft genug völlig ausreicht, wenn sich der Patient von den Auslösern fernhält, bzw. ein bestimmtes Nahrungsmittel auf das er reagiert, nicht mehr zu sich nimmt, damit die Depressionen oder andere Symptome fast wie von „Geisterhand“ verschwinden.

Karenz, Desensibilisierung der Allergien, Luftfilter, Atemmasken, Umstellung der Ernährung und ggf. Anpassungen im Wohn-und Arbeitsumfeld, Ausgleich von Nährstoffdefiziten, etc. wurden von Randolph schon in den Sechzigern als Grundpfeiler einer erfolgreichen Therapie beschrieben. Heute gibt es weltweit Mediziner, die diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und durch Behandlungserfolge bei ihren Patienten in deren Richtigkeit bestätigt werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 15. Juni 2010

Literatur:

  1. Amanda Gardener, Allergies might trigger Depressions, Health Day Reporter, 15. June 2010
  2. Theron Randolph, Allergic Factors in the Etiology of Certain Mental Symptoms, Journal of Laboratory & Clinical Medicine 36 (1950):977.
  3. Theron Randolph, An experimentally induced acute psychotic episode following the Intubation of an allergic food, 7th Annual Congress, American College of Allergists, Chicago, 3. February 1951.
  4. Theron Randolph, Human Ecology and Susceptibility to the Chemical Environment, Charles Thomas Publisher, 1962.
  5. Theron Randolph, Depression caused by Home Exposures to Gas and Combustion Products of Gas, oil and Coal, Journal of Laboratory & Clinical Medicine 46(1955):942.
  6. Theron Randolph, Ecologic Mental Illness – Psychiatry Exteriorized, Journal of Laboratory & Clinical Medicine, 54(1959):936.
  7. Doris Rapp, Is this your Child’s World? Bantam Books, 1996.
  8. William J. Rea, Chemical Sensitivity Vol. II/S.1039, Lewis Publisher, 1992.

Weitere CSN Artikel zum Thema Depressionen:

Film über Gifte in Containern erhielt Auszeichnung

Der Film „Das Gift kommt zurück“ glich eher einem Krimi als einer Dokumentation, nur dass er nicht auf einer Fiktion beruhte, sondern die Realität wiederspiegelt. Jeder fünfte Container, der im Hamburger Hafen geöffnet wird, ist laut Aussage von Experten, mit giftigen Substanzen belastet.

Die Regisseurin Inge Altemeier und ein Filmteam hatten den Weg von Containern, die Textilen, Spielzeug und andere Konsumgüter enthielten, bis nach China und Indien verfolgt. Der für den NDR produzierte Beitrag wurde wegen der hohen Zuschauerzahlen mehrfach im Fernsehen wiederholt.

Bei der Ökofilmtour, dem „längsten Filmfestival Deutschlands“, wurde die Dokumentation an 50 Festival-Orten gezeigt und fesselte überall die Zuschauer. Das „Gift kommt zurück“ wurde aus über hundert Einreichungen aus Deutschland, England, Frankreich, USA und Italien ausgewählt und erhielt den diesjährigen Zuschauerpreis.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. Juni 2010

Weiterer CSN Beitrag zum Thema:

Ölpest: Die Kinder am Golf von Mexiko

Der folgende Artikel von Alice Shabecoff beschreibt nicht nur, welcher bedrückenden Gefahr nun die Allerschwächsten in der Golfregion ausgesetzt sind. Er zeigt auch, was wir anderen Völkern angetan haben, in denen solche Unfälle zur Tagesordnung gehören, während wir gedankenlos ihr Öl verbraucht haben, das auch uns enorme Umweltbelastungen beschert hat. Und letztlich wird alles, was giftig ist und MCS hervorruft, überwiegend aus Erdöl hergestellt.

Ölpest: Die Kinder am Golf von Mexiko

Während sich der gigantische Ölteppich der BP-Ölkatastrophe den Küsten und Gemeinden nähert, ist jeder über die Folgen für die Tiere und die natürliche Umwelt besorgt, schweigt seltsamerweise jedoch zu einer anderen unausweichlichen Gefahr. Eine massive Schädigung der Kinder am Golf von Mexiko ist nun nicht mehr zu vermeiden.

Wenn man das Öl in der Luft riechen kann, wie jetzt berichtet wird, bedeutet dies, dass die Chemikalien in der Luft sind und eingeatmet werden können. Eltern, die helfen, das Öl zu beseitigen, (die oft dazu nicht mal Handschuhe bekommen, wie wir gehört haben), werden diese Chemikalien auf ihrer Haut und mit der Kleidung in ihre Wohnungen tragen. Wenn das Öl an der Küste angekommen ist, gelangt es in die Wasserversorgung.

Rohöl ist eine komplexe Mischung aus hunderten hochgiftiger Chemikalien, einschließlich Benzol und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die sowohl dafür berüchtigt sind, Krebs zu verursachen, als auch das Nervensystem zu schädigen. Genaugenommen können die Bestandteile des Rohöls jedes der Körpersysteme schädigen, vom Fortpflanzungs- und Atemsystem bis zum Immunsystem, Nieren, Leber und das Magen-Darm-System. Sie stören die Organe des Hormonsystems, welches das geistige und körperliche Wachstum genau so regelt, wie die Fruchtbarkeit. Sie durchdringen mühelos Zellwände, zerstören Zellstrukturen, mitsamt der DNA.

Allerdings ist die Gefahr für Kinder wegen ihrem noch nicht voll entwickelten Körper am größten. Mit einen noch nicht voll ausgebildeten Immun- und Entgiftungssystem sind sie grundsätzlich stärker gefährdet als Erwachsene. Das Kind im Mutterleib ist am meisten gefährdet. Der erst kürzlich erschienene Bericht des „Cancer Panel“ (pdf), der Krebskommission des Amerikanischen Präsidenten, warnt vor Chemikalienbelastung während der Schwangerschaft. Längst sind Schäden eingetreten: Krebs bei Kindern, einst eine Seltenheit, ist während er letzten 20 Jahre, als die chemische Produktion rasant zunahm, auf 67% emporgeschnellt. Wir werden in den noch kommenden Jahren einen Gipfelwert in ähnlich entsetzlichen Statistiken aus der Golfregion zu Gesicht bekommen.

Wieso sprechen die Bundesbehörden nicht von diesem drohenden Unheil? Sie sollten die lokalen Behörden auf Möglichkeiten hinweisen, die Belastungen zu minimieren. Leuten die mit Rohöl arbeiten, sollten eine Schutzausrüstung bekommen. Es müssen besondere Maßnahmen ergriffen werden, um kleine Kinder und schwangere Frauen zu schützen.

Die Körper unserer Kinder sind längst mit toxischen Substanzen in gefährlichem Maße überbelastet und viel zu viele, eins von dreien, leiden in Folge dessen an chronischen, manchmal tödlichen Krankheiten.

Was werden wir aus der Katastrophe lernen? Werden die Kosten für Krebs bei Kindern, Geburtsfehler, Asthma, und das Zurückgehen männlicher Geburten in die zukünftigen Energie-Pläne unserer Nation eingerechnet? Diese neuste Attacke aus dem Meer ist ein weiterer Grund, weshalb wir aktiv werden müssen, um das Öl allmählich aus unserer Ökonomie und unserer Umwelt heraus zu bekommen.

Autor: Alice Shabecoff für CSN – Chemical Sensitivity Network, 25. Mai 2010

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Zur weiteren Information:

Crude Oil Health Hazards Fact Sheet, von Dr. Michael Harbut (Kamanos Cancer Institute) und Dr. Kathleen Burns von Sciencecorps

Informationsseite von Riki Ott, Aktivist und Überlebender der Exxon Valdez Katastrophe

Alice Shabecoff war in ihrem Berufsleben als Journalistin für die New York Times, die Washington Post und die International Herald Tribune tätig. Zusammen mit ihrem Mann Philip, hat sie das Buch „Poisoned for Profit: How Toxins Are Making Our Children Chronically Ill“ (Für den Profit vergiftet: Wie Giftstoffe unsere Kinder chronisch krank machen) geschrieben.

Weitere Artikel von Alice Shabecoff:

Pestizid Chlorpyrifos: Verbot in Südafrika

Das PAN – Pesticide Action Network berichtet, dass der Südafrikanische Minister für Landwirtschaft, Forst und Fischerei am 14. Mai 2010 angekündigt hat, dass das Land die Verwendung des Organophosphat-Pestizids Chlorpyrifos für Haus und im Garten verbieten will.

Während es in den USA bereits seit langem Anwendungsbeschränkungen gibt, ist Chlorpyrifos in Deutschland noch in vielen leicht erhältlichen Schädlings-bekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln, auch für den häuslichen Bedarf, enthalten.

Chlorpyrifos ist als sensibilisierende Chemikalie bekannt. Das Pestizid war die erste Chemikalie, die in einem EPA Memorandum als Auslöser für MCS-Multiple Chemical Sensitivity benannt wurde.

Auslöser für schwere Gesundheitsschäden

Das von PAN als “Bad Actor Pestizid” eingestufte Chlorpyrifos ist ein akuttoxisches Nervengift, es wird vermutet, dass es sich auf das Hormonsystem störend auswirkt und steht mit zahlreichen anderen Gesundheitsschäden in Verbindung.

In jüngster Zeit wurden Organophosphat-Pestizide durch eine in den USA vielbeachtete Studie mit einem erhöhten Risiko für das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) bei Kindern in Verbindung gebracht.

Die Ankündigung eines Verbots ist ein bedeutender Schlag gegen Dow Chemical, der wichtigste Hersteller von Chlorpyrifos weltweit.

Kinder besonders stark gefährdet

Chlorpyrifos wurde bei Kindern in besonders hoher Konzentration nachgewiesen. Daten des „Center for Disease Control and Prevention“ (CDC) zeigten, dass 93% der Einwohner der USA in den Jahren zwischen 1999 und 2000 bei einer Stichprobe Chlorpyrifos in ihren Körpern aufwiesen. Bei Kindern im Alter von 6-11 Jahren wurden dabei fast doppelt so hohe Werte nachgewiesen wie bei den Erwachsenen.

In den Jahren von 2001-2005 stellte die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA die Nutzung von Chlorpyrifos in den USA in Wohnräumen ein. Hierzu führte die Behörde insbesondere Bedenken für die Gesundheit von Kindern an.

Die in den USA unter dem Namen Dursban oder Lorsban verkaufte Chemikalie wird jedoch in der Landwirtschaft noch weitflächig verwendet. Das bedeutet, dass die Gefährdung durch erhöhte Exposition bei Kindern in ländlichen Gebieten und für Landarbeiterkinder weiterhin auftritt.

Situation USA

PAN Nordamerika arbeitet derzeit mit Partnern, darunter das „Farm Worker Pesticide Project“, daran, die EPA zu drängen, ein Verbot für Chlorpyrifos zu beschließen. „Es ist einfach unerhört, weiterhin die Exposition gegenüber Chlorpyrifos bei Kindern in landwirtschaftlichen Gebieten zu erlauben, nachdem festgelegt wurde, dass es zu gefährlich für Kinder im städtischen Umfeld ist“, sagte die wissenschaftliche Leiterin des Pestizid Aktions-Networks, Dr. Margaret Reeves, „es ist Zeit, es loszuwerden, ein für allemal.“

Situation Deutschland

In Deutschland ist das Pestizid Chlorpyrifos in zahlreichen Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln für Haus und Garten enthalten. Sie sind in Form von Sprays, Köderdosen, Mottenstrips, Flohhalsbändern, etc. im Handel. Sowohl in der Land- und Forstwirtschaft, als auch im Weinbau wird das Organophosphat-Pestizid verwendet.

Situation Österreich

Es gab eine Anfrage (1632/AB (XXII. GP) ) der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend der Gesundheitsbedrohung durch Organophosphat-Pestizide und deren Einsatz in Österreich. Anfrage an Parlament Österreich

In der Anfragebeantwortung durch den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll zu der schriftlichen Anfrage (1648/J) wurden wichtige Fragen, auch zur rechtlichen Situation in Österreich, weitgehend erläutert. Antwort Parlament Österreich

Autor: Silva K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. Juni 2010.

Literatur: PAN, May 2010

Weiterführende Literatur:

CSN Artikel zum Thema Pestzide:

Klimaanlagen im Auto – demnächst nur noch mit toxischen Chemikalien erhältlich

Deutsche Autohersteller vollziehen bei Autoklimaanlagen 180-Grad-Kehrtwende

Deutsche Automobilindustrie bricht erneut ihr Wort beim Klimaschutz – Fahrzeugklimaanlagen in neuen Pkw-Modellen sollen ab 2011 nicht mit einem natürlichen Kältemittel, sondern mit dem gefährlichen Chemikaliencocktail 1234yf befüllt werden – Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) fordert Rücktritt von VDA-Präsident Wissmann

Berlin, 27. Mai 2010: Die deutsche Autoindustrie bestätigt beim Umweltschutz einmal mehr ihr „taktisches Verhältnis zur Wahrheit“. Nun ist es amtlich, dass die im Verband der Automobilindustrie (VDA) zusammengeschlossenen Hersteller erneut die Öffentlichkeit und Politik getäuscht haben. So lautet der Kernvorwurf der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH), nachdem der Verband der Automobilindustrie (VDA) Ende vergangener Woche erklärt hat, in Zukunft flächendeckend die giftige und brennbare Chemikalie 1234yf der Chemieriesen Honeywell und Dupont in Fahrzeugklimaanlagen einsetzen zu wollen. Im Jahr 2007 hatte sich VDA-Präsident Matthias Wissmann unmittelbar vor der so genannten „grünen IAA“ in Frankfurt/M. damit gebrüstet, dass die deutsche Autoindustrie als Reaktion auf eine entsprechende EU-Richtlinie zeitnah auf das natürliche und umweltfreundliche Kältemittel R744 (CO2) umsteigen und die Arbeit an chemischen Alternativen einstellen werde.

Die deutschen Fahrzeughersteller hätten seit ihrem damals als wegweisend bewerteten Beschluss jedoch nicht das Geringste unternommen, um ihn umzusetzen, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Obwohl CO2-Klimaanlagen von Zulieferbetrieben seit Jahren zur Serienreife entwickelt sind und beispielsweise zukünftig Berliner Stadtbusse kühlen sollen, haben die deutschen Autobauer seit dem Beschluss von 2007 nie einen entsprechenden Auftrag für Klimaanlagen auf CO2-Basis erteilt. Seit zwei Jahren weist die DUH auf das Fehlen jeglicher Aufträge für CO2-Klimaanlagen hin und warf dem VDA als Propagandaorganisation der deutschen Autobauer Wortbruch vor. Jedes Mal wies der VDA die Enthüllungen der DUH mit dem Gestus der Empörung zurück und versprach, sein durch den VDA-Präsidenten gegebenes Wort einzuhalten.

„Entweder hat sich Matthias Wissmann als Verbandspräsident von seinen Mitgliedsunternehmen vorführen lassen oder aber er war von Anfang an Teil dieses Komplotts zur Täuschung der Öffentlichkeit. Beides ist ein unabweisbarer Grund zum Rücktritt“, erklärte Resch. Der DUH-Geschäftsführer erinnerte daran, dass die Autoindustrie die exakt gleiche Taktik zuvor schon einmal angewandt habe. Ende der 1990er Jahre hatte sie sich verpflichtet bis 2008 beim Klimaschutz einen Flotten-Emissionswert von 140 Gramm CO2 pro Kilometer einzuhalten. Obwohl bereits seit 2005 absehbar war, dass dieses Ziel verfehlt werde, brachten die Autobauer immer neue Spritfresser auf den Markt und erklärten gleichzeitig, dennoch die EU-weit verbindlichen Klimazielwerte für 2008 zu erreichen. Tatsächlich wurden sie grandios verfehlt, seitdem kämpft der VDA mit seinem Mitgliedsunternehmen in Brüssel für eine Aufweichung auch der nächsten Klimaschutzziele.

Die nun verkündete, offizielle 180-Grad-Kehrtwende und damit Aufhebung des VDA-Vorstandsbeschlusses aus dem Jahr 2007 für die zukünftige Verwendung natürlicher Kältemittel in Fahrzeugklimaanlagen wurde nach Informationen der DUH mit Absicht erst nach dem Kanzler-Gipfel zur Elektromobilität veröffentlicht. Nun soll also der von Honeywell und DuPont entwickelte Chemiecocktail 1234yf in Autoklimaanlagen zum Einsatz kommen. Die DUH hatte die brennbare Chemikalie in zwei simulierten Fahrzeugbränden untersucht und dabei festgestellt, dass dabei hochgiftige Flusssäure entweicht.

Als Grund für 1234yf verweist der VDA darauf, dass Hersteller in anderen Ländern sich ebenfalls so entschieden hätten. „Der Hinweis auf das Ausland ist durchsichtig. Gerade die deutschen Autobauer haben bisher stolz neue Innovationen eingeführt. Nur wenn es um den Klimaschutz geht, versteckt man sich hinter der Masse. Daraus wird deutlich, wie wenig glaubwürdig die Bekenntnisse der deutschen Autobauer zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind“, sagte Resch.

„Nach Informationen der DUH ist die Entscheidung für 1234yf und gegen das umweltverträgliche Kältemittel CO2 auch in deutschen Autokonzernen selbst hoch umstritten“, sagte Eva Lauer, die Projektleiterin der DUH. „Wir wissen von Technikern, die diese Entscheidung für unverantwortlich halten“, erklärte Lauer auch unter Hinweis auf das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium, die sich beide seit Jahren für das natürliche Kältemittel stark gemacht hätten und vor den Gefahren von 1234yf warnen.

Vermutlich sei es kein Zufall, dass die Chemiegiganten Honeywell und DuPont exakt zum Zeitpunkt der deutschen Entscheidung die Bildung eines Joint Venture zur Konstruktion, zum Bau und zum Betrieb einer „Produktionsstätte von Weltmaßstab“ für das neue Kältemittel ankündigten. Es gehe um ein gigantisches Geschäft, weil auf der Welt nach Angaben der Unternehmen 400 Millionen Fahrzeuge mit Klimaanlagen auf den Straßen seien. Wegen der Monopolstellung der beiden US-Firmen werden die deutschen Autohersteller die Preisvorgaben von Honeywell und DuPont für das Kältemittel 1234yf akzeptieren müssen.

Resch: „Wir werden diesen erneuten Wortbruch der deutschen Automobilindustrie nicht tatenlos hinnehmen. Wir werden die Öffentlichkeit über die mit dem brennbaren Chemiecocktail verbundenen Gefahren in geeigneter Weise aufklären. Außerdem halten wir eine Neubewertung der für viele Aktienfonds wichtigen Nachhaltigkeitsrankings nun zwingend erforderlich. Es kann nicht sein, dass Unternehmen als vermeintlich nachhaltig gelten, die beim Klimaschutz konsequent gegen Recht und Gesetz verstoßen und seit drei Jahren die Öffentlichkeit beim Thema Autoklimaanlagen belogen haben.“

In Europa ist ab Januar 2011 die Verwendung des bisherigen Kältemittels R134a in Autoklimaanlagen neuer Fahrzeugtypen verboten. Das Kältemittel R134a zählt zu den im Kyoto-Potokoll aufgeführten Treibhausgasen, die reduziert werden müssen. Das Europäische Parlament hat einen Ausstiegsplan dafür festgelegt, wörtlich heißt es: „Nach dem 01. Januar 2011 dürfen keine neuen EG-Typgenehmigungen für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge erteilt werden, wenn die im Fahrzeug enthaltene Klimaanlage darauf ausgelegt ist, fluorierte Treibhausgase mit einem GWP-Wert über 150 zu enthalten.“

Unter DHU Film Klimaanlagen dokumentieren zwei Brandtests, dass das chemische Kältemittel 1234yf eine leicht entzündliche und im Brandfall toxisch wirkende Chemikalie ist. Untersuchungen der DUH und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) sowie des Umweltbundesamtes hatten die negativen Folgen bei einem Autounfall für Fahrer und Rettungspersonal aufgezeigt.

Literatur: Pressemitteilung, DUH, Berlin, 27. Mai 2010

Photo: DHU

Zusätzliche Informationen finden Sie auf der DHU Webseite: Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)

CSN Artikel zum Thema Schadstoffe im Auto:

Giftiges Kinderspielzeug – Ist keiner ist zuständig?!

Eine „Chemische Keule“ zum Spielen für Kinder geeignet?

Mit meiner Schwester und meinem Neffen war ich vor kurzem auf der Maikirmes in Lingen (Ems). Mein Neffe hat bei einer Losbude gewonnen und konnte sich etwas aussuchen, es war kein Hauptgewinn, aber immerhin. Er wählte eine Plastikkeule und war mächtig stolz darauf.

Ich habe die Spielzeug-Keule fotografiert, sie stinkt unglaublich stark ätzend nach flüchtigem Benzin, Kerosin oder Diesel – nicht zu fassen. Im Auto kam der Gestank so richtig zur Geltung, es war kaum zum aushalten. Zuerst habe ich meinem Neffen gesagt, er solle die Keule draußen lagern, wegen der gefährlichen Dämpfe. Leider lag sie nicht lange dort, sondern musste unbedingt wieder ins Haus. Doch das konnte ich nicht verantworten, ich habe die Keule dann mit einem Trick sichergestellt. Ich habe sie meinem Neffen abgekauft, in eine Plastiktüte mehrfach umwickelt und vor einem offenen Kellerfenster gelagert.

Dass mein Neffe in einem Zimmer mit diesem in der Tat nur als „chemische Keule“ zu bezeichnenden Spielzeug schläft und sich aufhält, konnte ich nicht verantworten. Man muss sich auch vor Augen halten, dass diese „chemische Keule“ in den Mund genommen wird, um sie aufzupusten. Das machen die Kinder selbst, stolz wie sie auf so ein Spielzeug sind, da darf kein Erwachsener ran. Beim Aufpusten kann es nicht ausbleiben, dass giftige Chemikalien zwangsläufig auch eingeatmet werden. Wenn einem Kind plötzlich übel oder schwindlig wird, oder Kopfschmerzen beklagt werden, ein Asthmaanfall eintritt – welche Eltern kommen dann auf die Losbudengewinn als Ursache?

Welche Behörde ist zuständig für toxisches Spielzeug?

Ich bekam den Tipp, das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) zu verständigen. Eine Mail habe ich dann zum BfR, mitsamt Foto von der ätzend stinkenden Spielzeug-Keule, abgeschickt.

Jetzt wollte ich zusätzlich telefonisch etwas erreichen. Das Gesundheitsamt in Lingen (Ems) erklärte sich nicht zuständig und hat mich an Meppen verwiesen. In Meppen sagte man mir, das Gewerbeaufsichtsamt Emden sei zuständig. Das übliche Spielchen, fast immer bekommt man keinen direkten Ansprechpartner in Niedersachsen. Als ich endlich die richtige Adresse erreicht hatte, war dort natürlich der zuständige Herr ist in einer Besprechung. „Na prima“, wenn es mal wirklich ernst ist und schnell gehen muss, was dann? Also von Bürgerferne kann hier im wirklichsten Sinne gesprochen werden.

Übrigens, ich wollte das Objekt erst in einem gelben Sack (Müllsack) packen, die stinken aber auch erbärmlich, die könnte ich gleich mitschicken zur Untersuchung. Die gelben Säcke habe ich auch schon an das leicht offene Kellerfenster zum „Entmüffeln“ verbannt.

Der Herr aus Emden rief mich zurück und was schätzt Ihr, was dabei rauskam? Das Gewerbeaufsichtsamt Osnabrück sei zuständig. Also habe ich dann eine Mail mit Foto zum Gewerbeaufsichtsamt Osnabrück geschickt. Es entwickelte sich so langsam zu einer Posse, nur leider war es überhaupt nicht zum Lachen.

Hier die Antwortmail aus Osnabrück, ich musste es erst schlucken, konnte es einfach nicht glauben.

E-Mail Antwort von Osnabrück…Gewerbeaufsichtsamt

Sehr geehrter Herr …

Ihre u.a. Beschwerde habe ich an den Landkreis Meppen weitergeleitet, an das dortige Veterinäramt.

Die Zuständigkeitsregelungen im Bereich des Spielzeugs sind geteilt und führen damit unglücklicherweise häufig zu Verwirrungen. Zuständig für die Eigenschaften, die nach dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz beurteilt werden, ist das Gewerbeaufsichtsamt Osnabrück. Für Inhaltsstoffe von Spielzeug ist der Landkreis Meppen zuständig in seinem Aufsichtsbereich.

Für ggf. weitere Fragen bin ich unter der u.a. Telefonnummer zu erreichen.

Mit freundlichem Gruß

Im Auftrag

xxx

Hier das Antwortschreiben von der BfR, das auch zwischenzeitlich per E-Mail ankam:

Sehr geehrter Herr xx

vielen Dank für Ihre Anfrage an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Das BfR bewertet auf der Grundlage international anerkannter Kriterien gesundheitliche Risiken, die von Stoffen oder Mikroorganismen in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten (z.B. in kosmetischen Mitteln, Textilien, Lebensmittelverpackungen, Spielzeug) ausgehen können.

Für die Kontrolle von Spielzeug und ähnlichen Produkten sind jedoch die Überwachungsbehörden der Bundesländer die richtigen Ansprechpartner.

Anbei die Kontaktdaten der zuständigen Landesministerien:

http://www.bfr.bund.de/cd/5561

Zuständigkeit geklärt – es soll gehandelt werden

Also gut, dass es noch das Telefon gibt, ich habe es nun telefonisch klären können. Natürlich auch über zwei Behörden. So wie es aussieht, ist das Veterinäramt Meppen (Landkreis Meppen) zuständig. Die kümmern sich auch, müssen aber abwarten, bis die Kirmes in Nordhorn (Nachbarstadt von Lingen) ist. Dort werden Proben geholt und untersucht. Der Herr sagte auch, wenn es schneller gegangen wäre, hätten sie noch in Lingen (Ems) Proben nehmen können.

Ich habe gemeckert über solch schlechten Service der Behörden. Er will es bei der nächsten Besprechung anbringen.

Ich hoffe, dass nur noch wenige Kinder (Erwachsene) diese Plastikkeule gewonnen haben, denn der Behördenwirrwarr hier in Niedersachsen verhindert leider, das schnell reagiert werden konnte.

Autor: Energiefox für CSN – Chemical Sensitivity Network, Mai 2010

Weitere Artikel von Energiefox:

Gefahr Weichmacher – Unfruchtbarkeit durch die Umwelt

Umweltkrankheiten werden in der Öffentlichkeit gerne unter dem Schleier des Schweigens verhüllt und als nicht existent abgetan. Vielen Interessengruppen kommt diese Vernachlässigung umweltrelevanter Aspekte mehr als gelegen. Zunehmend stehen Ärzte vielen Beschwerden ihrer Patienten ratlos gegenüber, denn der Bereich Umweltmedizin fristet nach wie vor ein Schattendasein im Deutschen Gesundheitssystem. Dass Umwelteinflüsse einen immensen Einfluss auf unsere Gesundheit haben, lässt sich jedoch immer schwieriger unter den Teppich kehren.

Ungewollt kinderlos durch Umweltgifte?

Dies wird besonders durch die besorg-niserregende Zunahme an ungewollt kinderlosen Paaren verdeutlicht, die in den Industriestaaten rund um den Globus immer öfter zu verzeichnen sind. Wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Weichmacher als Wurzel des Übels einzustufen sind. Inge Altmeier hat für die Reportage der Doku-Reihe 45 Min des NDR-Fernsehens, nach denen in unserem Leben faktisch all gegenwärtigen Weichmachern intensiv recherchiert, mit erschreckenden Ergebnissen. Die mit am häufigsten in unseren Alltagsprodukten zum Einsatz kommenden Weichmacher sind Phthalate, die zur Gruppe der schwer flüchtigen, organischen Verbindungen zählen. Diese hormonell wirksamen Chemikalien können u. a. die Spermaqualität des Mannes negativ beeinflussen, da sie wie Östrogene in den Hormonhaushalt eingreifen. Forscher führen an, dass durch Phthalate die Anzahl der Spermien stark reduziert und deren Aktivität enorm verringert wird, was den drastischen Anstieg unfruchtbarer Männer wissenschaftlich erklärt.

Unfruchtbarkeit in die Wiege gelegt?

Doch nicht nur das männliche Geschlecht ist von der Negativwirkung der krankmachenden Chemikalien betroffen. Da Weichmacher in unseren Alltagsgegenständen dominierend vorkommen, sind auch werdende Mütter mit ihrem ungeborenen Leben vor möglichen Gesundheitsschäden durch diese Schadstoffe nicht gefeit. Die in den Organismus der Schwangeren gelangenden Weichmacher können bereits den Fötus schädigen und bewirken, dass sich die Hoden der Jungen nicht richtig entwickeln und sie sozusagen eine spätere gestörte Fortpflanzungsfähigkeit mit in die Wiege gelegt bekommen.

Doch all dem nicht genug, Spielwaren für Babys und Kleinkinder sind oft stark mit krankmachenden Weichmachern belastet, zum Teil auch mit in der EU längst verbotenen Substanzen, die zumeist aus chinesischen Produktionsstätten in unsere Verkaufsregale gelangen. Somit nimmt das Übel weiter seinen Lauf und die Gesundheit vieler ahnungsloser Konsumenten wird schleichend durch Chemikalien im Alltag geschädigt. Immerhin sind einige Weichmacher als erbgutschädigend und krebserregend eingestuft.

Künstliche Befruchtungen nehmen zu

Inge Altmeisers Recherchen ergeben, dass Mediziner wie auch Wissenschaftler Alarm schlagen, denn die gefährlichen Phthalate gelten in Fachkreisen als mögliche Ursache für die sinkende Geburtenrate Deutschlands. Demnach wird bereits die Hälfte der deutschen jungen Männer als eingeschränkt zeugungsfähig eingestuft, Tendenz steigend. Der Mehrheit der Betroffenen ist völlig unklar, dass der ungewollte Kinderwunsch ein Umweltproblem darstellt und in Zusammenhang mit den fast überall vorkommenden Weichmachern einhergeht. Die gesundheitsschädigenden Chemikalien gelangen über Kosmetikprodukte, Hausstaub und über die Nahrungskette in unseren Organismus, wo sie ungehindert ihr Unwesen treiben – die möglichen gesundheitlichen Folgen können gravierend sein. Als letzter Hoffnungsschimmer bleibt vielen Paaren nur die künstliche Befruchtung, die für sie nicht nur eine finanzielle, sondern zudem eine enorme psychische Belastung bedeutet. Bei nur 30 Prozent aller künstlich vorgenommenen Befruchtungen kommt es letztendlich zu einer Schwangerschaft, viele Partnerschaften zerbrechen an diesem leidvollen Schicksal.

Kritische Worte vom UBA – ist das ausreichend?

Kritische Stimmen zur Alltagsbelastung der Bevölkerung durch toxische Chemikalien werden auch in Deutschland lauter. In der Doku des NDR 45 Min gibt die Toxikologin des Umweltbundesamtes in Berlin, Dr. Mareike Kolossa-Gehring zu bedenken, dass uns Weichmacher in unserem Leben quasi überall begegnen. Bei einem Besuch eines ungewollt kinderlosen Paares im Filmbeitrag erteilt sie Anregungen, um die Weichmacher in deren Wohnumfeld zu minimieren. Vom Badezimmer über Gebrauchsgegenstände bis hin zu Nahrungsmittel wird keine Quelle ausgelassen. Die beim UBA anschließend vorgenommene Hausstaubuntersuchung ergab den Nachweis von 12 verschiedenen Phthalaten, 6 Flammschutzmittel, 2 Adipate (Ersatzstoffe für Phthalate) sowie Dinch, einem neuen Weichmacherprodukt aus dem Hause der BASF. Die Belastung von Dinch im Hausstaub ist lt. Aussage des UBA allgemein deutlich ansteigend, über mögliche Gesundheitsgefahren ist derzeit offenbar nichts bekannt, auch gibt es momentan noch keine Nachweismethode der neuen Chemikalie im Blut oder Urin. Trotz nicht ausgeräumter eventueller Gesundheitsrisiken erhielt der Chemiegigant BASF die Zulassung für diese neue Substanz. Grundlage für die Gewährung der Zulassung waren, den Recherchen des Filmteams zu Folge, lediglich eigene von der EU vorgegebene Auftragsstudien des Chemiekonzerns, die selbstverständlich keine Bedenken hervorbrachten.

Aussagekräftige Forschungsergebnisse werden zurückbehalten – Handeln Fehlanzeige

Auch die Resultate der großflächig angelegten deutschen „Rekrutenstudie“, bei der die Spermaqualität von rund 800 Bundeswehrsoldaten untersucht wurde, ließ man in Deutschlands altbewährter Schublade schlummern. Auf Anfrage von Inge Altmeier wollte sich keiner der damals verantwortlichen Wissenschaftler zu den Studienergebnissen äußern. In Großbritannien wurden diese Forschungen jedoch veröffentlicht. Sie liegen dem Leiter der toxikologischen Abteilung an der renommierten Universität der London School of Pharmacy, Prof. Andreas Kortenkamp, vor. Deutsche Männer leiden demnach an Hodenhochstand, besorgniserregend schlechter Samenqualität und verstärkt an Hodenkrebs. Prof. Kortenkamp räumt ein, dass für diese schwerwiegenden Gesundheitsschäden auch Umweltschadstoffe verantwortlich zu machen sind.

Eine weitere umfangreiche Untersuchungsreihe des Urins von Tausenden von Kindern auf Weichmacher durch das Umweltbundesamt bestätigt die allgemein missliche Lage. Ausnahmslos alle Proben enthielten die gefährlichen Stoffe und zum Teil wurden die Höchstmengen der täglichen tolerierbaren Aufnahmewerte deutlich überschritten. Dr. Mareike Kolossa-Gehring bewertet diese Studienergebnisse als dramatisch.

Andere Länder, andere Sitten – Dänemark macht vor, wie´s geht

Während man sich hierzulande weiterhin nur verhalten für einen „effizienten“ Gesundheitsschutz vor krankmachenden Weichmachern und anderen Alltags-chemikalien berufen fühlt und zumeist nur bedeckt Warnungen ausspricht, ist man bei unseren dänischen Nachbarn hingegen wesentlich aktiver und konsequenter in Sachen Gefahrenbegrenzung. Inge Altmeier erfährt in der Kopenhagener Universitätsklinik, dass auch in Dänemark die Zahl der Hodenkrebspatienten ständig ansteigend ist, bei gleichzeitig schlechter Samenqualität der Männer, wie der Androloge Dr. Niels Jörgensen von seinen Studienergebnissen berichtet. Der Spezialist benennt Weichmacher als eindeutige Ursache für die häufig vorkommenden gravierenden Gesundheitsstörungen.

Dänemark spricht bereits seit längerem Warnungen aus, sich während der Schwangerschaft nicht mit Produkten zu umgeben, die Weichmacher enthalten. Der ehemalige Minister Troels Lund Poulsen setzte sich zu seiner Amtszeit für ein EU-weites Verbot der krankmachenden toxisch wirkenden Weichmachern ein, scheiterte jedoch. Allerdings habe er sein Volk über die gesundheitlich bedenklichen Auswirkungen dieser Alltagschemikalien konsequent informiert, um dazu beizutragen, den möglichen Giftcocktail im persönlichen Umfeld jedes Einzelnen bereits durch vorausschauendes Einkaufen und angemessenem Verhalten zu minimieren.

Auch ein Bericht in der Ärztezeitung über die Stellungnahme der Umweltministerin Karin Ellemann vor dem Parlament verdeutlicht, dass es die Dänen ernst meinen mit ihrer Aufklärungskampagne. Demzufolge hat die Regierung Dänemarks im März dieses Jahres sogar eine Warnung vor den möglichen Gesundheitsrisiken von mit Weichmachern und krebserregenden Chemikalien belastetem Sexspielzeug ausgesprochen. Man plane notfalls im europäischen Alleingang eine Vielzahl von Verkaufsverboten von schadstoffenbelasteten Produkten zu erlassen, falls sich Brüssel gegen diese Maßnahme ausspricht. Denn die Behörden Dänemarks bereiten eine Verschärfung des EU-Chemikaliengesetzes vor, das von Dänemark als völlig unzureichend eingestuft wird, da die mögliche Wechselwirkung der vielzähligen Schadstoffe untereinander, der die Bevölkerung permanent ausgesetzt ist, kaum berücksichtigt wird.

Die Hoffnung stirbt zuletzt – von nichts kommt nichts

Es bleibt zu hoffen, dass die Politik, die Behörden und alle anderen Verantwortlichen auch in Deutschland die Brisanz der aktuellen Lage um schädliche Weichmacher und weitere toxische Chemikalien im Alltag angemessen einstufen, endlich notwendige Entscheidungen treffen und rasch handeln. In Anbetracht dessen, dass der demografische Wandel in unserem Land einschneidende Auswirkungen für uns alle mit sich bringt, die Geburtenrate weiterhin sinkend ist, Männer zunehmend an Unfruchtbarkeit leiden und unser Gesundheitswesen schier zum Dauerpatient unserer Zeit mutiert, ist es mehr als dringlich, fachkundige Aufklärung voranzutreiben und andere greifende Maßnahmen einzuleiten, um den sich anbahnenden „Supergau“ in Bezug auf die stets ansteigende Zahl von Umweltkranken abzuwenden.

Als logische Konsequenz der bereits stattfindenden und weiter absehbaren Entwicklungen ist es unverzichtbar, mit vereinten Kräften daran zu arbeiten, alles Erdenkliche zu unternehmen, um krankmachende Umwelteinflüsse zu reduzieren. Es darf nicht angehen, dass man den kontinuierlichen Zuwachs an Umwelterkrankten tatenlos toleriert und sich der Kinderwunsch vieler deutscher Paare, nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch aus dem Gesundheitsaspekt heraus, zum praktisch unerreichbaren Luxus unserer modernen Konsumgesellschaft entwickelt. Es müssen Taten walten, damit die deutsche Bevölkerung nicht durch Umweltfaktoren zu einer aussterbenden Art „heranwächst“.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity

Weitere CSN Artikel zum Thema Chemikalien im Alltag:

Studie findet Zusammenhang zwischen Pestiziden und Hyperaktivität

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Pestizide, die häufig bei der Erzeugung kinderfreundlicher Lebensmitteln verwendet werden – hierzu zählen gefrorene Heidelbeeren, frische Erdbeeren und Sellerie – die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Kinder die Diagnose Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität oder ADHS erhalten.

Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten und Kanada fanden heraus, dass Jugendliche mit hohen Pestizidrückständen im Urin, vor allem solche von weit verbreiteten Insektiziden wie Malathion, eine höhere Wahrscheinlichkeit für ADHS aufwiesen – die Verhaltensstörung, die sich in der Schule und im sozialem Leben oft störend auswirkt.

Kinder mit einer über dem Durchschnitt liegenden Pestizidbelastung für den Marker eines einzigen Schädlingsbekämpfungsmittels , hatten fast doppelt so häufig die Diagnose ADHS erhalten, wie Kinder, die keine Spuren des Giftes in ihrem Körper zeigten.

“Ich denke, dass ist recht signifikant. Eine Verdoppelung ist eine starke Auswirkung,“ sagte Maryse F. Bouchard, eine Wissenschaftlerin der University of Montreal in Quebec und Leiterin der Studie, die am 17. Mai 2010 im medizinischen Fachjournal Pediatrics veröffentlicht wurde.

Die Nachricht, die Prof. Bouchard Eltern mit auf den Weg gibt, ist Folgende: „Ich würde sagen, kaufen Sie so viel biologisch wie es nur geht. Ich würde auch empfehlen, das Obst und Gemüse so gründlich wie möglich zu waschen.“

Ernährung ist eine wichtige Quelle für die Pestizidbelastung bei Kindern, und viel von der Exposition stammt aus bevorzugten Früchten und Gemüse, gemäß den Aussagen der National Academie of Sciences (Nationale Akademie der Wissenschaften). Im Jahr 2008 wurden in 28 Prozent der Proben gefrorener Heidelbeeren, in 25 Prozent der Proben frischer Erdbeeren und in 19 Prozent der Proben von Sellerie, laut eines Regierungsberichts, Konzentrationen von Malathion nachgewiesen.

ADHS betrifft in den USA rund 4,5 Millionen Kinder. Bouchards Studie ist die bisher größte, um die Wirkung von Pestiziden auf die kindliche Entwicklung und das Verhalten, einschließlich ADHS, zu beurteilen. Rund 2,5 Millionen Kinder nehmen, nach Aussage des Centers for Disease Control and Prevention, Medikamente gegen die Erkrankung,

Bouchard und ihre Kollegen untersuchten für ihre Studie die Konzentrationen der Metabolite von sechs Pestiziden im Urin bei 1139 Kindern im Alter von 8 bis 15 Jahren. Die Kinder waren aus dem National Health and Nutrition Examination Survey (Fragebogen zu Gesundheit und Ernährungsstatus) zwischen 2000 und 2004 ausgewählt worden. Die Studie umfasste insgesamt 119 Kinder, die mit ADHS diagnostiziert wurden.

Im Gegensatz zu anderen Studien über Auswirkungen von Pestiziden gab Bouchards Auswahl einen kleinen Einblick in die durchschnittliche Insektizid-Exposition von Kindern in der Allgemeinbevölkerung, nicht in die einer speziellen Gruppe, wie Kinder von Landwirten. Da bestimmte Pestizide den Körper nach drei bis sechs Tagen verlassen, zeigt das Vorhandensein von Rückständen, dass die Belastung wahrscheinlich relativ konstant ist, sagte Prof. Bouchard.

Die Wissenschaftlerin fand heraus, dass Kinder mit einem 10-fachen Anstieg der Pestizidmetaboliten, die nach Malathion Exposition im Körper verblieben waren, eine 55 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für die Diagnose ADHS aufwiesen. Da die Wissenschaftler die Ernährung der Kinder nicht kontrollierten, konnten sie nicht sagen, warum manche Kinder so hohe Pestizidrückstände aufwiesen. Kinder unterliegen einem höheren Risiko durch Pestizide, weil ihr junger Körper noch in der Entwicklung ist und Chemikalien nicht so gut verstoffwechseln kann wie Erwachsene.

Die am meisten alarmierende Feststellung war eine Beinahe-Verdoppelung der Quote von ADHS-Diagnosen bei Kindern, die bei den häufigsten der sechs gemessenen Metaboliten über dem Durchschnitt lagen. Kinder mit hohem Dimethylthiophosphat waren 93 Prozent häufiger erkrankt, als Kinder mit keiner Belastung des Markers.

Die Forschungsergebnisse können die Besorgnis über ADHS, für das bislang keine Ursache bekannt war, verstärken, sagte Dr. Andrew Adesman, Chef der Abteilung für Entwicklungs-und Verhaltensstörungen bei Kindern am Steven Cohen und Alexandra Children’s Medical Center in New York.

„Es deutet darauf hin, dass bei nicht stark ausgeprägtem oder mehr typischem Grad der Erkrankung ein um einiges erhöhtes Risiko besteht“, sagte Adesman, die dem Fachbeirat einer Interessengruppe für Kinder und Erwachsene mit ADHS angehört.

Pestizide wirken auf das Nervensystem ein, erläuterte Bouchard, die Organophosphatpestizide studierte, welche etwa 70 Prozent des Einsatzes von Pestiziden in den USA ausmachen. Sie wirken durch den Eingriff in das Nervensystem von Insekten, aber eine ähnliche Wirkung haben sie auch bei Säugetieren, einschließlich des Menschen. Die meisten Menschen in den USA haben Rückstände der Produkte in ihrem Urin.

Cheminova, die dänische Firma, die führender Hersteller von Malathion in der Welt ist, ging auf die Schlussfolgerungen der neuen Forschung mit keinem Kommentar ein. Diane Allemang, Vice President für Global Regulatory Affairs, sagte, sie habe die Studie nicht gesehen.

Für Eltern von Kindern mit ADHS, sagte Bouchard, wird die Studie jedoch ein weiterer Grund zur Sorge sein.

„Wir alle sind komplett auf Lebensmittel angewiesen“, sagte Jamie Norman, 32, aus Freiburg, Illinois, deren 6-jähriger Sohn Aidan vor sechs Monaten mit ADHS diagnostiziert wurde.

Das stimulierende Medikament, das Aidan nimmt, Adderall XR, unterdrückt seinen Appetit, deshalb, so erklärt Norman, versuche sie ständig gute Lebensmittel zu finden, die er auch essen mag. Andere Eltern von Kindern mit ADHS bevorzugen eine spezielle Diät, keine Medikamente, um die Erkrankung zu steuern, zu kontrollieren und sie überwachen zusätzlich ebenfalls die Nahrung.

Die Neuigkeit, dass einige der besten Lebensmittel für Kinder in Verbindung mit ADHS stehen könnten, ist besorgniserregend, sagte Norman.

„Ich weiß seit einiger Zeit, dass insbesondere Erdbeeren hohe Mengen an Pestiziden enthalten, aber dass gefrorenes Obst betroffen ist, daran habe ich bisher keinen zweiten Gedanken verschwendet“, sagte sie.

Kaufen Sie biologisch, achten Sie darauf, es gründlich zu waschen. Der beste Rat für Eltern – und für jeden, der Pestizide vermeiden will – ist, Lebensmittel zu wählen, in denen sie am unwahrscheinlichsten enthalten sind. Die Environmental Working Group, eine interessenvertretende Verbraucherorganisation, rät Käufern bei einem Dutzend von Obst- und Gemüsesorten ökologisch zu kaufen, weil die Sorten, die im Boden wachsen oder allgemein mit der Schale gegessen werden, am ehesten kontaminiert sein können.

Vergewissern Sie sich, alle Früchte und Gemüse unter fließendem, kaltem Leitungswasser zu waschen und Gemüse mit Schale mit einer Bürste richtig zu schrubben. Achten Sie darauf, auch tiefgefrorenes Obst und Gemüse gründlich abzuwaschen.

Aber waschen Sie die Erzeugnisse nicht mit Seife. Die Food and Drug Administration sagt, dass dies Rückstände von Reinigungsmitteln hinterlässt, also noch mehr Chemikalien, die jeder am besten vermeiden sollte.

Literatur: Pediatrics, Press Release, Chicago, 17. Mai 2010

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Weiterführende Links zum Thema Pestizide:

ANTI-BAKTERIELL = ANTI-GESUND

Triclosan kann die Gesundheit ruinieren

Wenn wir unserem natürlichen Instinkt folgen und unsere Kinder schützen, lauern uns manchmal (oder öfter?) Produkte auf, die im Endeffekt mehr schaden als nützen, dem Hersteller aber einen schönen Profit bescheren. Bei einer Chemikalie namens Triclosan ist dies der Fall.

Sie soll „Krankheitserreger“ bekämpfen, insbesondere Bakterien und Mikroben. Sie werden Triclosan in Flüssigseifen, Zahnpasten, Aknecremes, Deos und Einwegtüchern genauso finden wie überraschenderweise auch in Schneidebrettern, Badetüchern, Plastiksandalen und Kinderspielsachen. Ihr chemisches Derivat Triclocarban wird hauptsächlich in Deo-Seifen und in vielen kosmetischen Produkten eingesetzt. Wir geben (in den USA) für solche Produkte annähernd eine Milliarde Dollar pro Jahr aus. Dabei ist einfaches Händewaschen, nur mit Seife und Wasser, genauso gut geeignet, um Erreger abzutöten und Krankheiten zu verhindern.

Wir vergeuden nicht nur einen großen Batzen Geld, es stellt sich heraus, dass wir uns selber und der Welt um uns Schaden zufügen. Da die Hersteller derart viele Produkte mit Triclosan versetzt haben, ist es nach und nach in unsere Körper vorgedrungen: Untersuchungen fanden es in immerhin 75% aller Amerikaner. Das ist keine gute Nachricht, da diese Chemikalie die Hormone der Schilddrüse beeinflusst, was das normale Wachstum und die Entwicklung des Gehirnes stören kann. Triclosan und Triclocarban beeinflussen außerdem beide die männlichen und weiblichen Geschlechtshormone, dies schädigt das Fortpflanzungssystem und kann potentiell zu Brustkrebs führen. Beide reichern sich im menschlichen Blut, in der Muttermilch und in der Nabelschnur von Babies im Mutterleib an. Beide Chemikalien bauen sich zu Dioxinen ab – ein hochgradiges Karzinogen, — dabei spielt es weder eine Rolle, wo sie freigesetzt werden und sich in Dioxin verwandeln, noch wo sie hergestellt werden.

Eine andere beängstigende Tatsache ist, dass diese Chemikalien wahrscheinlich zur Antibiotika-Resistenz von Bakterien und Mikroben beitragen, die beim Menschen Infektionskrankheiten verursachen. Das ist ein Grund, warum die American Medical Association (Amerikanische Medizinische Gesellschaft) bekannt gab, dass wir diese Chemikalien meiden sollten.

Man muss diese Chemikalien-beladenen Produkte nicht mal benutzen, damit Spuren davon in unserem Körper auftauchen. Sie werden mit dem Abwasser in die Kanalisation gespült, wo manche die Abwasserbehandlung überstehen. Sie landen im Klärschlamm, der oft auf den Feldern in der Landwirtschaft als Dünger zum Einsatz kommt. Sie sammeln sich in derart verschiedenen Lebewesen wie Würmer, Bottleneck-Delphine und Algen an (für welche sie giftig sind).

Die gesetzlichen Regelungen dieser Chemikalien ist ein Alptraum, da sie für sehr viele unterschiedliche Produkte verwendet worden sind und an derart vielen anderen Stellen wie z.B. im Trinkwasser wieder auftauchen. Wenn Triclosan beispielsweise in Zahncreme eingesetzt wird, ist die FDA zuständig (Food and Drug Administration/Behörde für Lebensmittel und Arzneien), dies muss aber auch vom EPA Büro für Pestizid-Programme genehmigt werden (Environmental Protection Agency/Umweltbehörde), da es als antimikrobischer Stoff als Pestizid gilt. Wenn es in der Wasserversorgung vorkommt, fällt Triclosan sowohl unter den Clean Water Act (Wasserreinhaltungsgesetz) als auch unter den Safe Drinking Water Act (Trinkwassersicherheitsgesetz). Die Consumer Product Safety Commission (CPSC/Kommission für Gebrauchsgütersicherheit) überwacht Triclosan in Gebrauchsgütern. Wie der Environmental Defense Fund (Umweltschutzorganisation) feststellt, „verhindert so ein komplexes Regulierungssystem jeden Ansatz, Triclosan umfassend zu regulieren und hat dessen nachlässige Anwendung gefördert“.

Wie können Sie als [bewusster] Verbraucher handeln?

Sparen Sie Geld und schützen sie die Gesundheit Ihrer Familie: Vermeiden Sie es, „antibakterielle“ Produkte zu kaufen. Diese Chemikalien tauchen auf den Etiketten unter verschiedenen Bezeichnungen auf — als Triclosan, Triclocarban, Microban, Irgasan, Biofresh, Lexol-300, Ster-Zac oder Cloxifenolum. Zu den Firmen, welche diese Chemikalien einsetzen, gehören Rubbermaid, Colgate-Palmolive, Procter and Gamble und Unilever.

Benutzen Sie stattdessen Seife und Wasser. Falls Sie besonders vorsichtig sein wollen, können Sie ihre Hände mit Isopropyl-Alkohol anfeuchten, jene Flüssigkeit, mit der Ärzte unsere Haut betupfen, bevor sie uns eine Spritze verpassen. Wenn Sie unterwegs sind, benutzen Sie ein Reinigungstuch mit Alkohol, wenn auf der Packung aber ‚antibakteriell‘ steht, enthält es eine der schädlichen Chemikalien. ‚Wasser und Seife‘ ist die richtige Methode um Handtücher und Spielsachen zu reinigen.

Engagieren Sie sich als Bürger: Unterstützen Sie die bereits aktive Bewegung, diese Chemikalien zu verbieten. Aktuell hat ein Bündnis von Umweltgruppen eine Kampagne zum Verbot von Triclosan auf den Weg gebracht, um auf FDA und EPA Druck auszuüben, diese antibakteriellen Stoffe zu reglementieren. Auf Beyond Pesticides können Sie sich der Bewegung anschließen.

Situation in Deutschland:

Autor: Alice Shabecoff für CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Mai 2010

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Alice Shabecoff hat mir ihrem Mann Philip das Buch „Poisoned for Profit: How Toxins Are Making Our Children Chronically Ill“ (Für den Profit vergiftet: Wie Giftstoffe unsere Kinder chronisch krank machen) geschrieben, das jüngst als Paperback erschien.

Weitere Artikel von Alice Shabecoff im CSN Blog:

Das Geheimnis von Parfüms – Studie findet Chemikalien

Wissenschaftliche Studie bringt es ans Licht – Verborgene Chemikalien in Parfüms von Stars und Bodydeos für Jugendliche

Präsident Obamas Cancer Panel (Krebs-Ausschuss/Bericht vom 06.05.2010) weist auf die Gefährdung durch hormonwirksame Chemikalien hin, viele davon wurden in einer neuen Duftstoffstudie nachgewiesen.

San Francisco – Eine neue Untersuchung deckt auf, dass vielverkaufte Parfümerie-Produkte – von „Britney Spear‘s Parfum Curious“ und „Hannah Montana Secret Celebrity“ bis zu „Calvin Klein Eternity“ und „Abercrombie & Fitch Fierce“ – ein gutes Dutzend unbekannter auf den Etiketten nicht genannter Chemikalien enthalten. Zahlreiche Chemikalien, die allergische Reaktionen auslösen oder den Hormonhaushalt stören können und viele Substanzen, die von den Selbstkontrollgremien der kosmetischen Industrie nicht auf ihre Sicherheit überprüft worden sind.

Die Studie zu versteckten giftigen Chemikalien in Parfums folgt dem Cancer Panel Bericht des Präsidenten auf dem Fuß, der wegen den zu wenig erforschten und weitgehend von Gesetzen nicht erfassten Chemikalien, die von Millionen Amerikanern in ihrem täglichen Leben benutzt werden, Alarm schlug. Der Cancer Panel Bericht des Präsidenten empfiehlt, dass schwangere Frauen und Paare, die eine Schwangerschaft planen, eine Belastung mit hormonwirksamen Substanzen mit Rücksicht auf mögliche Krebsgefahren vermeiden. Einige für diese Studie analysierte Duftstoffe enthalten mehrere Chemikalien, die in der Lage sind, die Wirkung von Hormonen zu stören.

„Diese beeindruckende Studie deckt die versteckten Gefahren von Duftstoffen auf“, sagte Anne C. Steinemann, Ph.D., Professor für Bau- und Umwelttechnik und Professor für öffentliche Angelegenheiten an der University of Washington. „Düfte aus zweiter Hand bereiten ebenfalls große Sorgen. Eine Person, die ein duftstoffhaltiges Produkt benutzt, kann bei vielen anderen Personen Gesundheitsprobleme verursachen.“

Die Campaign for Safe Cosmetics (Kampagne für sichere Kosmetik), ein nationaler Zusammenschluss von Gesundheits- und Umweltgruppen, gab für diese Studie den Test von 17 duftstoffhaltigen Produkten bei einem unabhängigen Labor in Auftrag. Der Kampagnenpartner Environmental Working Group (Arbeitsgruppe Umwelt) wertete die Daten der Tests und der Produktetiketten aus. Die Analyse ergibt für die 17 Produkte durchschnittlich folgende Bestandteile:

Vierzehn geheime, dank eines Schlupfloches in den amerikanischen Bundesgesetzen nicht auf den Etiketten angegebene Chemikalien, das es den Firmen erlaubt, für Duftstoffe einen Schutz als Handelsgeheimnis zu beanspruchen. „American Eagle Seventy Seven“ enthielt 24 versteckte Chemikalien, die höchste Anzahl von allen Produkten in der Studie.

Zehn sensibilisierende Chemikalien, die mit allergischen Reaktionen wie Asthma, keuchende Atmung, Kopfschmerzen und Kontakt-Dermatitis in Zusammenhang stehen. „Giorgio Armani Acqua Di Gio“ enthielt 19 verschiedene sensibilisierende Chemikalien, mehr als jedes andere Produkt in der Studie.

Vier den Hormonhaushalt störende Chemikalien, die mit einer Reihe von gesundheitlichen Auswirkungen, wie Schädigung der Spermien, Störung der Schilddrüsenfunktion und Krebs in Zusammenhang stehen. „Halle“ von Halle Berry, „Quicksilver“ und „Glow“ von JLO enthielten jeweils 7 verschiedene Chemikalien, die das Hormonsystem schädigen können.

Die Mehrzahl der Chemikalien, die bei den Tests gefunden wurden, hat man nie einer Sicherheitsprüfung, durch eine öffentlich verantwortliche Behörde oder durch die Selbstkontrollgremien der Kosmetikindustrie, unterzogen. Von den 91 Inhaltsstoffen, die in dieser Studie festgestellt wurden, sind nur 19 von der Cosmetic Ingredient Review (CIR) – (Kosmetik-Inhaltsstoff-Prüfung), und 27 von der International Fragrance Association (IFRA) – (Internationaler Duftstoff Verein) und vom Research Institute for Fragrance Materials (RIFM) – (Forschungsinstitut für Duftstoffe) überprüft worden, die freiwillige Richtlinien für in Parfüm eingesetzte Chemikalien entwickeln.

„Da riecht etwas merkwürdig – das System hat eindeutig einen Fehler“, sagte Lisa Archer, die Koordinatorin von Campaign for Safe Cosmetics beim Breast Cancer Fund (Aufklärungsorganisation zu umweltbedingtem Brustkrebs). „Wir benötigen dringend auf den neusten Stand gebrachte Gesetze, die eine vollständige Angabe der Inhaltsstoffe von Kosmetika vorsehen, damit die Verbraucher anhand der Informationen eine Wahl treffen können, welchen Stoffen sie sich aussetzen.“

„Duftstoff-Chemikalien werden eingeatmet und durch die Haut aufgenommen und viele verbleiben in den Körpern der Menschen, einschließlich schwangerer Frauen und neugeborener Babys“, sagte Jane Houlihan, Vize-Forschungspräsidentin der Environmental Working Group (EWG).

Eine aktuelle Studie der EWG wies die synthetischen Moschus-Chemikalien Galaxolid und Tonalid im Nabelschnurblut neugeborener Kinder nach. Die Moschus-Chemikalien wurden fast in jedem der für diese Studie analysierten Parfums gefunden. Zwölf der 17 Produkte enthielten zusätzlich Diethylphthalat (DEP), eine Chemikalie [Weichmacher], die mit Spermienschäden und Verhaltensstörungen in Zusammenhang steht und in den Körpern von fast allen untersuchten Amerikanern nachgewiesen wurde.

Kongressmitglieder, die an der Ausarbeitung von Gesetzen für sichere Kosmetika arbeiten, äußerten sich zum Studienbericht:

Repräsentantin Jan Schakowsky, D-Ill. (Demokratin aus Illinois): „Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum Menschen potentiell gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sein sollten, weil sie Parfüm, Eau de Cologne oder Bodydeo benutzen. Aber dieser Bericht legt nahe, dass genau dies passiert. Die in populären Parfümen festgestellten Chemikalien, die oft von Berühmtheiten marketingmäßig unterstützt werden, können eine ganze Reihe von Nebenwirkungen haben und die Amerikaner sind ihnen ausgesetzt, ohne es zu wissen. Ich denke, dies ist ein klarer Beleg, wie erbärmlich veraltet unsere Gesetze für Kosmetika sind und wie dringend die Gesetzgebung zur Sicherheit von Kosmetik benötigt wird, die wir erarbeiten. Die in diesen Produkten eingesetzten Inhaltsstoffe müssen auf ihre Sicherheit geprüft werden und die FDA (Food and Drug Administration) muss mit der Macht ausgestattet werden, die Gesundheit der Amerikaner umfassend zu schützen, indem sie Chemikalien nicht zulässt, die als unsicher erachtet werden. Die Amerikaner brauchen die Gewissheit, dass die Kosmetikprodukte, die sie kaufen, keine Chemikalien enthalten, die ihnen Schaden zufügen können.“

Repräsentant Ed Markey, D-Mass. (Demokrat aus Massachusetts): „Eine Rose beliebigen Namens mag lieblich riechen, aber in einigen Fällen mag ein lieblich riechendes Parfüm in Wirklichkeit gefährlich sein. Ich bin froh, mich mit meinen Kollegen zusammen gefunden zu haben, um bald ein Gesetzwerk einzuführen, das die Offenlegung der im Kosmetika und Parfüm verwendeten Inhaltsstoffe zur Pflicht macht und sicherstellt, dass giftige Chemikalien von Kosmetika, Parfums und Duftstoffen fern gehalten werden. Die Verbraucher haben ein Recht zu wissen, was genau in den Produkten drin ist, die sie jeden Tag auf ihren Körper sprühen oder reiben.“

Repräsentantin Tammy Baldwin, D-Wis. (Demokratin aus Wisconsin): Es ist beunruhigend, dassKosmetika, die wir jeden Tag benutzen, versteckte giftige Chemikalien enthalten. Darum arbeite ich mit Kollegen im Kongress an einer Gesetzgebung, die unsere veraltete Kosmetikaufsicht und die Bestimmungen gründlich überholt. Wir alle verdienen es zu wissen, dass unsere Produkte so sicher wie möglich sind.“

Autor: Campain for Safe Cosmetics, Release: May 12th, 2010.

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Kompletter Forschungsbericht: Not so sexy – Report

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Duftstoffe und Parfums haben Konsequenzen: