Archiv der Kategorie ‘Gesundheit‘

Die Kehrseite der Medaille – oder mit welchen Mitteln in Deutschland Umweltkrankheiten vertuscht werden sollen

Zermürbungstaktik gegen Umweltmediziner – keine Lösung mit Erfolgsaussicht für ein wachsendes Problem

Weltweit boomt die Solidarität hinsichtlich schwer toxisch geschädigten Menschen dank Internet.

Deshalb möchte ich den MCS-Aufklärungsmonat Mai zum Anlass nehmen, mich bei all denen zu bedanken, die bisher ihre Solidarität zu uns Betroffenen immer wieder bekundet haben, uns mit Rat und Hilfe tatkräftig zur Seite stehen, uns Mut machen unsere Rechte durchzusetzen und für uns da sind, wenn wir Hilfe brauchen. Ohne ihr tatkräftiges Engagement wären wir hier in Deutschland mit Sicherheit nicht so weit gekommen, wie wir jetzt sind.

Dass aber diese Solidarität auch nach hinten los gehen kann, wird einfach verschwiegen, zumal wenn man in die Mühlen der deutschen Justiz gerät.

Einen guten Einblick lieferte ein Artikel in der Trierer Zeitung 16vor:

Die haben mein ganzes Vermögen vernichtet

21. April 2010

Im Dezember 2005 leitete die Staatsanwaltschaft Trier auf Betreiben der Kassenärztlichen Vereinigung ein Ermittlungsverfahren gegen den Neurologen Dr. Peter Binz ein. Die KV wirft dem bundesweit bekannten Mediziner Abrechnungsbetrug vor. Ob sich diese Vorwürfe inzwischen erhärten ließen, ist ungewiss und auch nicht zu erfahren. Denn bis dato wurde keine Anklage erhoben – und das, obwohl die Ermittler mehrere Hundert Patienten vernommen haben. Noch im ersten Halbjahr werde das Ermittlungsverfahren abgeschlossen, erwartet nun der Leitende

TRIER. Wer in die Mühlen der Justiz gerät, braucht in aller Regel starke Nerven und auch ein langer Atem wäre von Vorteil. Nerven sind gewissermaßen das Metier des Trierer Mediziners Dr. Peter Binz, für seinen langen Atem ist der Neurologe und Psychiater hinreichend bekannt – und bei manchen Behörden und auch einigen seiner Kollegen durchaus berüchtigt.

Vor fast viereinhalb Jahren leitete die Staatsanwaltschaft Trier gegen Dr. Binz ein Ermittlungsverfahren ein. Es bestand der Verdacht des Abrechnungsbetrugs, geäußert wurde er vom Trierer Regionalzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung und deren damaligem Chef Dr. Carl-Heinz Müller. Der stieg zwischenzeitlich zum Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) auf, derweil die Ermittlungen gegen Dr.Binz noch andauern. Immerhin geht der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Jürgen Brauer nun davon aus, “dass das Ermittlungsverfahren noch im 1. Halbjahr abgeschlossen werden kann”. Bis Ende Juni soll also feststehen, ob gegen den Arzt Anklage erhoben oder ob das Verfahren eingestellt wird.

Patientenakten lagern noch immer im alten Präsidium.

Die Ermittlungen gestalteten “sich äußerst schwierig und zeitaufwändig, weil umfangreiches Beweismaterial auszuwerten ist und 500 bis 600 Patienten vernommen werden mussten”, erklärte Brauer auf Anfrage gegenüber 16vor. Dr. Binz spricht sogar von 620 Patienten, die in allen Teilen der Republik vernommen worden seien. Dass dies nicht ohne Folgen für die tägliche Arbeit der Praxis bleibt, versteht sich von selbst. Zumal noch immer mehr als 600 bei einer Durchsuchungsaktion im Juni 2006 beschlagnahmte Patientenakten im ehemaligen Polizeipräsidium lagern. Meldet sich ein Patient zur Sprechstunde an, muss das Praxisteam die jeweils benötigte Akte eigens anfordern.

Dr. Binz hat sich in den vergangenen rund drei Jahrzehnten bundesweit einen Namen gemacht – und manchen Vertreter von Kassen, Kammern und Berufsgenossenschaften auch gegen sich aufgebracht. Früh widmete er sich dem Thema Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz. Hat er bei einem seiner Patienten den Verdacht, dass er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit durch giftige Substanzen gesundheitlich geschädigt wurde, meldet er dies der zuständigen Staatsanwaltschaft – was bislang jedoch in aller Regel folgenlos blieb. Rund 150 Mitarbeiter einer Schuhfabrik hat Dr. Binz behandelt – viele von ihnen seien frühzeitig verstorben, berichtet er. Mit der Zeit wandten sich immer mehr Patienten auch aus anderen Teilen der Republik an den Trierer Mediziner, dem 2007 der Zivilcouragepreis der Solbach-Freise-Stiftung verliehen wurde – für sein “langjähriges, herausragendes und tapferes Engagement für chemikaliengeschädigte Menschen aus allen Lebensbereichen”, wie es in der Begründung hieß. Im vergangenen Jahr war Dr. Binz für den “taz Panter Preis” der Berliner Tageszeitung nominiert.

Zwar hätten einige Patienten wohl auch aufgrund der Vernehmungen nicht mehr seine Praxis aufgesucht, berichtet der 69-Jährige, doch die meisten seien ihm treu geblieben. Den Vorwurf des Abrechnungsbetrugs weist der Mediziner weiterhin entschieden zurück. Der KV wirft Dr. Binz vor, diese habe “das ganze Vermögen meiner Familie vernichtet”. Tatsächlich musste er bei der Kassenärztlichen Vereinigung eine Bareinlage von 180.000 Euro leisten, um für mögliche Regressforderungen gewappnet zu sein. Um diese Summe aufzutreiben, habe er eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen, berichtet Dr. Binz. Neben Zinsen kamen zusätzliche Ausgaben für Anwälte und Gutachter hinzu. Inzwischen hat der Mediziner nach eigenen Angaben rund 400.000 Euro Schulden.

Auf die Frage, ob man die Vorwürfe gegen den Nervenarzt aufrecht erhalte und ob Dr. Binz mit der Rückzahlung seiner Bareinlage rechnen könne, erklärte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung am Dienstag gegenüber 16vor:

“Während laufender Ermittlungsverfahren geben wir grundsätzlich keine Stellungnahme ab”.

Ein Fels in der Brandung

Da kann ich nur sagen „Hut ab vor diesem Mann“. Als Patient habe ich bzw. wir ihn sehr schätzen gelernt und können nur bestätigen, dass ihm das Wohl seiner Patienten zu jeder Zeit sehr am Herzen liegt. Er ist für seine Patienten nach wie vor da – es ist und bleibt seine Lebensaufgabe den Patienten zu helfen, so lange wie er kann! „Ich habe nichts zu verbergen“ so seine eigenen Worte.

Auch seine Frau, seine Familie und seine Mitarbeiterinnen stehen hinter den Patienten – ungeachtet dieser angespannten Situation. Trotz dass die Patientenakten seit 4 ½ Jahren nicht griffbereit sind und ironischweise in einem chemikalienverseuchten ehemaligen Polizeirevier lagern, geht die Praxis weiter und das Telefon für Neuanmeldungen steht nicht still. Es gibt eben immer mehr, statt weniger Menschen, die durch Chemikalien auf ihrem Arbeitsplatz oder in ihrem Wohnumfeld erkrankten. Sie werden sich auch zukünftig nicht in Luft auflösen, ganz gleich wie das Verfahren für Dr. Binz ausgeht.

Die Taktik, Dr. Binz durch überlanges Verfahren zu entmutigen, wird schon deshalb nicht aufgehen, und weil wir ALLE weltweit unsere Solidarität für Dr. Binz kundtun und ihn tatkräftig unterstützen, so wie er es seit Jahren für jeden einzelnen seiner Patienten tut.

Solidarität erweisen dem kompetenden Umweltmediziner aus Trier auch namhafte Umweltmediziner und Organisationen aus anderen Ländern, u.a. den USA, Italien, der Schweiz, Korea und Frankreich. Ein Professor aus Korea schrieb sogar an die deutschen Ministerien. Sie alle bestärken Dr. Binz seit Jahren nicht aufzugeben und beobachten das laufende Verfahren mit wachsendem Argwohn.

Autor: Kira, CSN – Chemical Sensitivity, 06. Mai 2010

Vielen Dank an die Trierer Zeitung „16vor“ für die freundliche Genehmigung den Artikel „Die haben mein ganzes Vermögen vernichtet“ übernehmen zu dürfen.

Weitere Informationen zum Fall Binz:

Persistente Altlasten in Lebensmitteln

Emily Elert hat diesen Artikel anlässlich des Earth Day 2010 verfasst, der am 22.04. zum vierzigsten Mal begangen wurde. Der „Tag der Erde“ wurde von Senator Gaylord Nelson (Democrats) initiiert, um die Umwelt als Thema in die Politik zu bringen.

Damals engagierten sich politisch interessierte Menschen vor allem gegen den Vietnam-Krieg. Das erwachende politische Bewusstsein sollte für die Belange des Umweltschutzes genutzt werden. Wenig später entstanden auch bei uns die ersten Bürgerinitiativen. Selbst ohne Internet war es möglich mitzumischen, indem man Informationen verbreitete, möglichst viele Menschen für ein Thema interessierte und eine politische Debatte los trat. Von Umweltschutz müssen inzwischen selbst jene reden, die ihn missachten, und es wird immer leichter, ihnen auf die Finger zu schauen.

Der Artikel beschreibt ausführlich, wie Schadstoffe in der Umwelt akkumulieren und wie wenig historisch aus ihnen gelernt wurde. Es wird klar, warum eine vegetarische oder bei Beachtung der Nährstoffe vegane Ernährung trotz anders lautender Auskünfte von Medizinern die gesündere ist. Eine vertretbare Gewichtsreduktion kann ebenfalls einen Vorteil bringen.

Über eine Gruppe von Ersatzstoffen für das weltweit immer noch hergestellte DTT werden wir einen eigenen Artikel veröffentlichen. Die ebenfalls persistenten Pyrethroide werden genauso häufig und bedenkenlos wie einst DDT eingesetzt. Verschwiegen wird, dass es sich um ein nicht harmloses Nervengift handelt, das kleine Lebewesen tötet, das Nervensystem größerer massiv schädigt und bei MCS eine fatale Rolle spielt.

Persistente Altlasten zum Earth Day 2010:

US-Lebensmittel sind immer noch durch alte Chemikalien verunreinigt

Auf einem Foto in einer Zeitungswerbung von 1947 beugt sich eine strahlende Mutter über die Wiege ihres Babys. Die Wand hinter ihr ist mit Reihen von Blumen und Disney Figuren verziert. Über dem Foto verkündet eine Überschrift: „Schützen Sie Ihre Kinder vor Krankheiten übertragende Insekten.“

Diese Werbung für DDT imprägnierte Tapete ist die Momentaufnahme historischer Ignoranz, bevor das berüchtigte Insektizid viele Vögel fast ausrottete und im Körper von nahezu jedem Menschen auf der Welt auftauchte.

Die Geschichte von DDT lehrt uns eine Lektion über die Vergangenheit. Experten meinen jedoch, sie ermögliche auch einen Blick in die Zukunft.

Achtunddreißig Jahre nach dem Verbot nehmen Amerikaner immer noch täglich Spuren von DDT und seinen verstoffwechselten Formen auf, zusammen mit mehr als zwanzig anderen verbotenen Chemikalien. Reste dieser Altlast-Schadstoffe sind in Amerikanischen Lebensmitteln allgegenwärtig, besonders in Molkereiprodukten, Fleisch und Fisch.

Ihre jahrzehntelange Anwesenheit im Nahrungsangebot unterstreicht das Gefahrenpotential einer neuen Generation weitverbreiteter Chemikalien mit ähnlichen Eigenschaften und Gesundheitsrisiken.

Neuste Studien skizzieren ein komplexes Bild von Altlast-Schadstoffen in Amerikanischen Lebensmitteln – ein unüberschaubares Heer an Chemikalien in kleinsten Spuren, überall aber in unterschiedlichsten Konzentrationen im Nahrungsangebot vorhanden, manchmal allein, öfter jedoch in Kombination mit anderen. Dazu gehören DDT und einige weniger bekannte Organochlorpestizide, als auch Industriechemikalien wie Polychlorierte Biphenyle oder PCBs, welche bis in die späten 70’er Jahre in elektrischen Geräten eingesetzt wurden.

Dieses Bild wirft eine ganze Reihe von nicht weniger komplizierten Fragen auf: Sind kleine Mengen dieser Chemikalien für sich allein oder in Kombinationen gefährlich? Warum sind sie immer noch vorhanden und wie gelangen sie in unsere Nahrung?

Stellen Sie sich diese Chemikalien wie den Sand in ihren Schuhen nach einem Ausflug zum Strand vor. Trotz unserer Bemühungen, uns davon zu befreien, werden wir etwas später fündig – manchmal am gleichen Abend, manchmal nach Jahren – wenn wir das betreffende Paar Sommerschuhe anziehen und die Sandkörner zwischen unseren Zehen spüren.

„Sie sind menschengemacht und sie sind giftig, und sie reichern sich in der Biosphäre an. Deshalb überrascht es nicht, dass sie lange Zeit, nachdem sie verboten wurden, immer noch da sind“ – so Arnold Schecter, von der University of Texas School of Public Health, der seit mehr als 25 Jahren die Chemikalienbelastung des Menschen untersucht.

Viele Chemikalien sind genau so hartnäckig präsent wie jene Sandkörner. Sie gehören zur Klasse der sogenannten „persistenten organischen Pollutanten“ kurz POPs – die zum Abbau in Sedimenten und im Boden Jahrzehnte benötigen, die sich mit Wind und Wasser weltweit verbreiten können und bis in derart entfernte Gegenden wie die Arktis vordringen. Diese ortsbeweglichen POPs nehmen im Fettgewebe lebender Organismen einen halb-permanenten Aufenthalt an, wenn sie über Nahrung aufgenommen werden. Das geschieht in Tieren und manchmal in Menschen. Viele von ihnen können das Risiko für Krebs oder andere Erkrankungen erhöhen, den Hormonhaushalt verändern, die Fruchtbarkeit einschränken oder die Entwicklung des Gehirnes stören.

Die gute Nachricht ist, dass DDT und andere Organochlorpestizide, PCBs und als Dioxine bezeichnete industrielle Nebenprodukte in Lebensmitteln und in der Umwelt signifikant abgenommen haben, seitdem sie Jahrzehnte zuvor verboten worden sind. Einige sind unter messbare Werte abgefallen. „Wir erwarten nicht, dass sich die Werte in der Nahrung oder in den Menschen abrupt verringern, wir erwarten, dass sie langfristig kleiner werden. Und genau das beobachten wir“, sagte Schecter.

Exakte Tendenzen von Chemikalien in Lebensmitteln sind schwierig auszumachen, da sowohl die Regierung als auch unabhängige Studien verschiedene Lebensmittel an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten untersucht haben. Jedoch weisen die Werte der menschlichen Muttermilch darauf hin, dass bis zum Jahre 1990 DDT auf ein Zehntel des Wertes von 1970 abgefallen ist, wie aus einem Bericht im International Journal of Epidemiology von 1999 hervorgeht. Ähnliche Tendenzen gibt es für PCBs und Dioxine. An den meisten Orten sind POPs nur noch ein Bruchteil dessen, was sie waren.

Letztes Jahr, im Rahmen einer fortlaufenden Studie über POPs im Nahrungsangebot haben Schecter und seine Kollegen über 300 Proben aus Supermärkten um Dallas in Texas zusammengetragen und analysiert. Für 31 verschiedene Lebensmittel wie z.B. Joghurt, Hähnchen und Erdnussbutter wurden Mischproben hergestellt und auf alte wie auch neuere Schadstoffe untersucht.

„Jedes Nahrungsmittel aus dieser Studie enthielt mehrere Pestizide“, schrieben die Autoren in einem Artikel, der im Februar 2010 in der Zeitschrift Environmental Health Perspectives veröffentlicht wurde.

Das DDT-Abbauprodukt DDE war am häufigsten vorhanden, es kam in 23 der 31 beprobten Nahrungsmitteln vor.

Die Leute nehmen mehr DDT als jeden anderen persistenten Schadstoff auf, stellten die Forscher fest. Sein relativ übermäßiges Vorkommen ergibt sich aus dessen weitverbreiteter Anwendung in der Vergangenheit. Nach Auskunft der Environmental Protection Agency wurden allein in der Vereinigten Staaten in einem Zeitraum von etwa 30 Jahren schätzungsweise „1,35 billion pounds“, d.h. 612,3 Millionen Kilogramm versprüht, um Moskitos und landwirtschaftliche Schädlinge auszurotten.

Zu den anderen verbotenen Pestiziden, die sich für Jahrzehnte in Nahrungsmitteln gehalten haben, gehören Dieldrin, Toxaphen, Chlordan, Hexachlorocyclohexan und Hexachlorbenzol. Obwohl sie weniger bekannt sind, gehen von ihnen ähnliche Risiken wie von dem berüchtigten DDT und den PCBs aus.

Das am stärksten verseuchte Lebensmittel war Lachs, mit Spuren von sechs verschiedenen PCPs, zwei Flammschutzmitteln und 25 Pestiziden, einschließlich DDT, Dieldrin und Toxaphen. Proben von Sardinenkonserven und Wels enthielten ebenfalls zahlreiche verbotene Chemikalien.

Generell waren umso mehr Chemikalien enthalten, je höher der Fettgehalt der Nahrungsmittel war. Erdnussbutter, Eiscreme, Käse, Butter, Öl, Fisch und fettreiche Fleischsorten waren stärker kontaminiert als fettarme Milch und Gemüse.

Dieser Zusammenhang zwischen hohem Fettgehalt und hohen Chemikalienwerten ist kein Zufall. POPs sind lipophile oder „fettliebende“ Chemikalien – sie wählen das Fett von Tieren als ihren Aufenthaltsort und brauchen viele Jahre zum Abbau. Dieses Fett wandert durch die Nahrungskette und die Schadstoffe nehmen in einem Vorgang, den man Bioakkumulation nennt, stufenweise höhere Konzentrationen an.

Beispielsweise haften im Lake Michigan PCBs an anorganischen Sedimenten und werden von dann von mikroskopischem, frei schwebendem Plankton absorbiert. Ein Weichtier ernährt sich von dem Plankton, indem es durch seinen Verdauungstrakt Wasser filtert und während seines kurzen Lebens sammeln sich Schadstoffe im Fettgewebe des Molluskes an. Ein kleiner Barsch frisst hunderte Mollusken, bevor ein größerer Raubfisch, die Seeforelle, den Barsch frisst – und all die Chemikalien in ihm. Dann kommt ein Adler oder ein Fischer vorbei und verzehrt die Forelle.

Dieser Effekt ist gut dokumentiert und hilft zu erklären, warum abnehmende Populationen von Vögeln und Beutetieren oft die ersten Zeichen einer Umweltverschmutzung sind, welche die Gesundheit des Menschen bedrohen könnte. Vögel haben im Vergleich zu Menschen relativ kleine Körper und wenn sie sich ausschließlich von verseuchtem Fisch ernähren, kann ihre Körperbelastung schnell toxische Werte erreichen, die Küken töten können, Eier zerstören oder Missbildungen verursachen.

Zuchtfische sind sogar stärker belastet. Eine Studie von 2004 stellte fest, dass Zuchtlachs zehnmal höher mit POPs belastet war als wilder Lachs. Die Quelle der Schadstoffe, sagte Dr. David Carpenter, Leiter des Institute for Environmental Health an der University of Albany, New York und einer der Autoren der Abhandlung, ist die kontaminierte Mischung von Fischfetten und Proteinen im Fischfutter.

Dasselbe Problem stellt sich bei Fleisch- und Milchprodukten, sagte Dr. Carpenter. Ein von der National Academies Press 2003 veröffentlichter Bericht hob hervor, dass tierische Fette enthaltendes Futter eine Hauptquelle für die anhaltende Belastung der Menschen mit Dioxinen war, die Krebs hervorrufen.

„Wir recyceln tierische Abfallfette zurück in das Nahrungsangebot“, erklärt Capenter. „Wir verfüttern das Fett der Kuh an die Schweine und Hühner und wir füttern das Fett von Schweinen und Hühnern an die Kühe.“ Diese tierischen Abfallprodukte machen den größten Anteil am Tierfutter aus.

Wissenschaftler sind sich über die Gesundheitsrisiken für den Menschen unsicher, die von Spurenwerten der meisten POPs ausgehen. Manche, wie z.B. Dioxine, sind auch in sehr geringen Konzentrationen mit Risiken verbunden. Nach Tierstudien, aber auch nach einigen Studien mit Menschen, könnte eine Belastung mit diesen Chemikalien das Risiko für Krebs und andere Erkrankungen erhöhen, die Fruchtbarkeit verringern, den Hormonhaushalt verändert, die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und das Immunsystem ungünstig beeinflussen.

Für einige Chemikalien hat die EPA überwiegend auf Grundlage von Tierversuchen Referenz-Dosiswerte festgelegt, deren tägliche Aufnahme als sicher erachtet wird. Keines der Nahrungsmittel in Schecters Studie von 2009 enthielt Konzentrationen über diesen Richtwerten. Die tägliche nahrungsbedingte DDT-Aufnahme der Amerikaner ist z.B. etwa die Hälfte der Referenz-Dosis.

Aber die Beamten des Gesundheitswesens wissen über die Wirkung vieler Chemikalien nicht ausreichend Bescheid, um Referenz-Dosen festzulegen, sagte Schecter. Und sie wissen noch weniger darüber was passiert, wenn Menschen mehreren Schadstoffen ausgesetzt sind.

„Wo es Referenz-Werte gibt, sind diese für einzelne Chemikalien. Und wir haben keine Referenzwerte für eine Kombination mehrerer Chemikalien“, sagte er.

„Sichere“ Werte für Chemikalienkombinationen zu bestimmen dürfte schwierig und teuer sein und bisher wurden wenige Studien durchgeführt.

Dr. Alex Stewart, ein Arzt des Britischen Gesundheitssystems, der 2009 eine Arbeit über Mischungen von Chemikalien veröffentlichte sagte, Schadstoffe könnten, wenn sie in unserer Nahrung und in unseren Körpern in Kombinationen vorkommen, noch schädlicher sein als einzeln. Manche Chemikalien, wie z.B. Dioxine, addieren sich wahrscheinlich zu ihrer Wirkung, da sie dieselben Körpersysteme auf dieselbe Art beeinträchtigen, erklärte er.

Das kombinierte Potential mancher Substanzen hat man gut dokumentiert. „Jeder weiß, dass Rauchen Lungenkrebs hervorruft und wenn man Radon einatmet, erzeugt dies Lungenkrebs. Beides, Rauchen und Radon, verursachen Lungenkrebs, aber wenn man beidem ausgesetzt ist, ist das Risiko höher“, erklärte Carpenter.

Während vor langer Zeit verbotene Schadstoffe immer noch eine Belastung darstellen, gesellt sich eine neue Generation von Umweltschadstoffen zu ihnen.

Eine davon ist die Gruppe der Flammschutzmittel, die Polybromierte Diphenilether oder PBDEs heißen. PBDEs hat man in einer Reihe von Gebrauchsgütern seit den 70’er Jahren eingesetzt. In den Jahrzehnten danach nahm die Belastung des Menschen stark zu und die Werte der menschlichen Muttermilch und des Blutes sind in Nordamerika um Größenordnungen höher als in anderen Teilen der Welt.

PBDEs in Nahrungsmitteln variieren sehr. Z.B. kann eine Probe Rind doppelt so hoch belastet sein wie eine andere. Doch trotz dieser uneinheitlichen Werte enthält die durchschnittliche Amerikanische Diät die tägliche Aufnahme von ein paar PBDEs, hauptsächlich durch den Verzehr von Milchprodukten und Fleisch, wie aus der Studie von Schecter hervorgeht.

Tierstudien haben PBDEs mit einer eingeschränkter Schilddrüsen- und Leberfunktion und mit einer gestörter Hirnentwicklung in Zusammenhang gebracht. Bedenken bezüglich ihrer gesundheitlichen Folgen führten 2004 zu einem US-Verbot mehrerer PBDEs. 2009 wurden sie in die Liste der Schadstoffe, die Gegenstand des Stockholmer Abkommens sind, aufgenommen.

Das Stockholmer Abkommen – eine internationale Anstrengung von fast 100 Ländern, den Gebrauch und die Herstellung von POPs zu beenden oder einzuschränken – wurde 1991 unterzeichnet. Die ursprüngliche, das „Dreckige Dutzend“ genannte Liste umfasste mehrere Pestizide und PCBs, die immer noch in Nahrungsmitteln vorhanden sind. Die Liste wurde 2009 um 9 neue Chemikalien erweitert, von denen viele in Schecters Nahrungsmittel-Studie auftauchten.

Die Studie wies auch Spurenwerte von Perfluoroctansäure oder PFOA nach, eine Chemikalie, die bisher im Nahrungsangebot noch nicht festgestellt worden war. Perfluorierte Substanzen werden üblicherweise zur Herstellung von fett- und wasserabweisenden Gebrauchsgegenständen eingesetzt, dazu zählt Teflon.

Manche dieser Stoffe sind verboten worden oder die Industrie hat ihren Gebrauch verringert. Da sie aber immer noch in Gebrauchsgegenständen vorkommen, werden die Menschen gleichermaßen durch Staub wie Ernährung belastet.

Man weiß nicht, wie perfluorierte Stoffe in die Nahrung gelangen, sagte Dr. Tom Webster, ein Epidemiologe an der Boston School of Public Health. Es ist möglich, dass sie wie andere Schadstoffe in der Biosphäre akkumulieren, aber sie könnten beim Vorgang des Verpackens auch direkt in Nahrungsmittel eindringen, sagte er.

Da Gebrauchsgegenstände diese Chemikalien enthalten, werden diese möglicherweise auf Abfall-Deponien gebracht. Sie stellen ein „Problem der Innenraum-Umgebung dar, das immer mehr zu einem Problem der äußeren Umgebung wird“, sagte Dr. Mike McClean, ebenfalls ein Epidemiologe der Boston’s School of Public Health. Mit dem Regen sickern die Schadstoffe aus den Deponien in das Grundwasser, von wo sie durch die Umwelt wandern und möglicherweise in die Nahrungskette gelangen.

Perfluorierte Stoffe bauen schneller als andere Schadstoffe ab, aber Flammschutzmittel verhalten sich mehr wie andere POPs, in dem sie sich in Fettgewebe ansammeln und viele Jahre zum Abbau benötigen.

„Wir erwarten, dass sie für viele weitere Jahrzehnte in der Umwelt präsent sein werden“, sagte Schecter.

Schecter meinte weiter, dass in Anbetracht der großen Zahl von Schadstoffen im US-Nahrungsangebot die Regierung viel mehr Schadstoffe überprüfen muss. „Das wäre die Hauptaufgabe, aber da sie immer noch vorhanden sind, scheint mehr Kontrolle angebracht“, sagte er.

Und die Leute sollten versuchen, weniger tierisches Fett zu sich zu nehmen, um die Aufnahme hoher POP-Werte zu vermeiden, sagte Schecter. Carpenter beschreibt die Situation unverblümter. Er sagte, „Wir müssen diese Chemikalien aus unserer Nahrung herausbekommen.“

Autorin: Emily Elert, 22.04.2010 für Environmental Health News

Literatur:

Environmental Health Perspectives, Schecter, et al. Lingering legacies for Earth Day 2010: U.S. food still tainted with old chemicals, Feb. 10, 2010 – doi:10.1289/ehp.0901347

Übersetzung und Antext: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. Mai 2010

Vielen Dank an EHN für die freundliche Genehmigung den Artikel übersetzen und im CSN Blog veröffentlichen zu dürfen.

(Zum Vergrößern das Diagramm bitte anklicken)

Diagramm zur täglichen Aufnahme von Schadstoffen durch Lebensmittel. Es sind die Werte von 32 Organochlorpestiziden, 7 PCBs und 11 PFCs (Perfluorierte Chemikalien) aus Mischproben von 31 verschiedenen Nahrungsmitteln, die 2009 in Supermärkten in Dallas, Texas erworben wurden. Die nahrungsbedingte Aufnahme dieser Chemikalien wurde für einen Durchschnittsamerikaner berechnet.

Weitere Beiträge von BrunO:

Monsanto: Patent auf Schnitzel?

Darf uns ein Konzern das echte Schnitzel vom Teller nehmen?

Auf der Beliebtheitsskala von Fleischgerichten ist das Schnitzel ganz weit vorne angesiedelt, wie man auch bei der Eingabe in Google an den knapp 2 Millionen angezeigten Seiten erkennen kann. Das Schnitzel zählt sozusagen zum Standard internationaler Küche, es gibt kaum eine Speisekarte, auf der es nicht vertreten ist und in vielfältigen Variationen angeboten wird. Auch Kinder können bei Schnitzel mit Pommes nicht Nein sagen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Konzern-Giganten wie Monsanto beim Thema Schnitzel profitable Geschäfte wittern, die ihren „Erfindungsgeist“ beflügeln.

„Ware Tier“ in neuer Dimension

Allen negativen Auswirkungen auf unser Klima zum Trotz, ist die Fleischproduktion weltweit beständig am wachsen. Der Vorliebe für ungebremsten Fleischkonsum sind nicht nur negative Folgen für das Weltklima zu zuschreiben, sondern neben großflächigem Verbrauch an Landflächen und immenser Wasservergeudung u. a. auch ein stets steigender Bedarf an Getreide und Sojabohnen. Dies ruft den US-Agrargiganten Monsanto auf den Plan, der nunmehr auch Patente auf Schinken und Schnitzel vom Schwein anstrebt. Meldungen von Greenpeace zu Folge, hat Monsanto bereits im vergangenen Jahr beim Weltpatentamt in Genf seinen Patentantrag (WO 2009097403) für Fleisch von Schweinen, die mit seinen gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden, gestellt. Greenpeace und 300 weitere Umweltverbände forderten vergangene Woche ein Verbot für Patente auf Tiere, Pflanzen und Lebensmittel. Monsanto begründet sein avisiertes Ziel damit, dass die Schweine durch die Fütterung mit genveränderten Soja-Bohnen und Gen-Getreide einen erhöhten Anteil an ungesättigten Fettsäuren im Fleisch vorweisen und somit eine Erfindung des Biotechnik-Konzerns seien.

Lebensmittelsektor wird zunehmend von Agrarkonzernen kontrolliert

Patentberater für Greenpeace Christoph Then, kritisiert die neuerliche Patentanmeldung von Monsanto als Missbrauch des Patentrechts, denn Schnitzel und Schinken seien keine neue Erfindung. Lt. Recherchen von Greenpeace hat sich die Zahl der Patentanmeldungen auf Saatgut und Pflanzen im Zeitraum 2007 bis 2009 mehr als verdoppelt. Greenpeace gibt zu bedenken, dass von den zunehmenden Patenten im Lebensmittelbereich, Konsumenten, Lebensmittelproduzenten, Landwirte und Züchter gleichermaßen betroffen sein werden. Durch die Gewährung von Patenten auf Lebensmittel ist von höheren Preisen, Reduzierung der Auswahlmöglichkeiten, steigender Abhängigkeit sowie der Entstehung von Marktmonopolen auszugehen.

Greenpeace berichtet, dass sich Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner erst vor ein paar Tagen erneut für ein Verbot von Patenten auf Nutzpflanzen und –tiere ausgesprochen hat. Nun muss sie als weiteren Schritt in der EU die Neuverhandlung der EU-Patentgesetze einfordern.

Die Kasse klingelt – die Marktbeherrschung wächst

Greenpeace berichtet bereits 2005, dass sich Gen-Konzerne wie z. B. Monsanto, Bayer, DuPont und Syngenta durch die Patentierung von Pflanzen, deren Aufbau und Weiterzüchtung, wie auch auf die Ernte und deren Verwendung in der Herstellung von Nahrungsmittel, systematisch Allgemeingut aneignen. Mit jedem neu erworbenen Patent ebnen sie sich die Konzernmultis den Weg, um die nach wie vor umstrittene Gentechnik weltweit geschickt weiter zu etablieren. Durch diese Vorgehensweise wird herkömmliches Saatgut immer mehr vom Markt verdrängt, die Marktbeherrschung der Saatgutriesen kontinuierlich ausgebaut. Die Machtposition einiger weniger Gen-Konzerne wird somit weltweit aufhaltlos gefestigt. In den USA ist die Situation bereits dort angekommen, dass Landwirte Knebelverträge bei Monsanto unterzeichnen, die dem Konzern das Recht erteilen, bei den Landwirten jederzeit durch Inspekteure Kontrollen durchführen zu lassen. Neben dem genveränderten Saatgut müssen die Landwirte auch die Pestizide des Agrargiganten ordern.

Schnitzel, eine Erfindung des Agrar-Giganten Monsanto?

Aus den bisherigen Entwicklungen in den USA zu Gunsten der Agrarriesen kann man schließen, dass sich Patente auf Schnitzel und Schinken vermutlich nicht positiv für Landwirte, Züchter, Nahrungsmittelkonzerne und Verbraucher auswirken werden. Es ist davon auszugehen, dass die Gewinner von Patenten auf Leben, lediglich einige wenige Multikonzerne sein werden, deren Marktposition sich immer weiter zur Monopolstellung entwickelt und dies nichts Gutes erahnen lässt.

Umweltverbände setzten sich bereits seit vielen Jahren gegen die Vergabe von Patenten auf Leben, Saatgut und Pflanzen ein. Die Auswirkungen genveränderter Pflanzen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sind mangels Langzeitstudien wissenschaftlich derzeit völlig unzureichend untersucht. Verbraucher sind Gen-Nahrungsmittel gegenüber ebenfalls skeptisch eingestellt. Deutsche essen leidenschaftlich gerne Schnitzel und das nicht erst seit heute. Monsantos Vorhaben, den Deutschen ihr altbewährtes Schnitzel nunmehr als neuerliche Erfindung auftischen zu wollen, ist aus Sicht des Konzerns sicherlich ein strategischer Schachzug, doch neu erfunden hat der Multikonzern das Schnitzel bei weitem nicht.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity, 5. Mai 2010

Weitere CSN Artikel zum Thema Nahrung und Nahrungsmittelsicherheit:

MCS in den Nachrichten, zur besten Sendezeit, bei einem der wichtigsten TV-Sender

Erneut gibt es eine sensationelle Meldung aus Spanien über Chemikalien-Sensitivität (MCS). Seit Monaten erhalten die Menschen dort, die an MCS erkrankt sind, Hilfe durch die objektive Berichterstattung in den Medien. Eva Caballé berichtete in einer kurzen Meldung über das jüngste Ereignis:

Am 28. April 2010 startete Telecino, einer der wichtigsten Fernsehsender in Spanien, seine Nachrichten mit einem Bericht über MCS.

Dieser Bericht war in Zusammenarbeit mit David, meinem Mann, mir und Dr. Orriols, dem Autor der Studie „Fehlfunktionen des Gehirns bei Multiple Chemical Sensitivity“ erstellt worden. Im Video verlangen wir die Anerkennung von MCS in Spanien.

Der Bericht und ein live Interview von David wurden dann nochmals in den Nachrichten um 21 Uhr und am nächsten Tag in den 8 Uhr Nachrichten wiederholt. Der TV-Sender hatte nach dem Interview gefragt, weil jeder dort geschockt war über MCS und man vorher noch nichts davon gehört hatte. Ein weiterer, längerer Bericht wird in dieser Woche folgen.

Dies ist der Link, über den das Video angeschaut werden kann: MCS in den Hauptnachrichten (oder oben rechts im Videoscreen anschauen)

David hat die Aufnahmen in unserem Haus gedreht, weil niemand aufgrund meines kritischen Gesundheitszustandes zu uns herein kann.

Der Bericht ist zwar auf Spanisch, aber die Bilder sagen mehr aus als tausend Worte.

Alles Gute für Euch,

Eva

Gastautorin: Eva Caballé, No Fun, 4. Mai 2010

Weitere Berichte über MCS in Spanien:

Mossville, Rücksichtslosigkeit oder Menschenversuch?

Der Ort liegt in Louisiana, etwa 300 km westlich von New Orleans und 30 km landeinwärts am Golf von Mexiko. Hier wohnten einst an die 2.000 Menschen in einer sehr ländlichen Gegend, die selbst armen Leuten ein gutes Auskommen bot, da die Natur sie großzügig mit Essbarem versorgte.

Heute lässt der Niederschlag von Chemikalien aus den 14 umliegenden chemischen Produktionsanlagen (PDF/Karte S. 5 – Sec2:ii) Büsche und Bäume in den Vorgärten eingehen, frisst den Bewohnern den Lack von den Autodächern und verseucht die zahlreichen umliegenden Gewässer. Aus einem Naturparadies wurde eine Hölle. Die Einwohnerzahl ist während den letzten 30 Jahren auf unter 400 gesunken. Living on Earth hat zu Mossville 2005 ein Feature (Audio/mp3) produziert.

Die Menschen leiden an zahlreichen Erkrankungen, die Krebsraten sind gestiegen, viele sterben jung. Nach einer Untersuchung der ATSDR (Agency for Toxic Substances and Disease Registry) von 1998, weisen manche Bewohner dreimal so hohe Dioxinwerte wie die US-Durchschnittsbürger in ihrem Blut auf. Dioxine werden bei der PVC-Herstellung unvermeidlich freigesetzt und waren auch in Agent Orange als unbeabsichtigte Kontamination (PDF/S. 2) enthalten. Dieses im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel hatte nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Anwender fatale Folgen.

Beschwerden der Bewohner bei Behörden oder bei den die Anlagen betreibenden Firmen wurden stets ignoriert. Die Untersuchung der ATSDR, einer Abteilung des Gesundheitsministeriums, kam erst zustande, nachdem die Bewohner mit finanzieller Unterstützung einer Anwaltskanzlei Blutproben an ein Labor in Deutschland schickten und die Ergebnisse der ATSDR vorlegten. Das Gesundheitsministerium von Louisiana sah keinen Grund zu handeln (Kap. 2.1).

Das Interesse, den Zusammenhang zwischen den Emissionen der Anlagen und den Blutwerten aufzuklären war seitens der Behörden nicht sehr groß. Eine Untersuchung im Jahre 2001 bestätige die Ergebnisse von 1998. Diese wurde erst 2006 veröffentlicht und man riet vom Verzehr von Fisch aus der Gegend ab, hielt aber die Dioxinbelastung der Bewohner für gesundheitlich unbedenklich. Daß nach Auskunft der Betreiber von den chemischen Anlagen keine Gesundheitsgefahr ausgeht, versteht sich. Diese Firmen waren Anfang 2010 nicht bereit, gegenüber CNN Stellung zu nehmen, sondern schickten einen Sprecher vor, der fragwürdige Statistiken zitierte. Für die Berechnung der Durchschnittsbelastung wurden 180.000 Stichproben herangezogen. Die tatsächliche Belastung der Bewohner von Mossville kann diesen Wert niemals signifikant beeinflussen und soll dennoch für sie relevant sein. Holy Strohsack!

Eine Befragung (PDF/S. 6 – Sec1:1) fast aller Einwohner von Mossville unter Dr. Marvin Legator von der University of Texas von August 1998 ergab, dass über 90% von ihnen an Krankheiten leiden, die von der ATSDR normalerweise als Folgen einer Dioxinbelastung angesehen werden.

99% klagten über Ohren- Nasen- und Halsbeschwerden. 84% nannten Symptome des zentralen Nervensystems wie Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern und Krämpfe. 77% hatten Kreislaufprobleme, z.B. Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle, Herzerkrankungen und Brustschmerzen. 46% der Nichtraucher berichteten über Atemwegserkrankungen wie chronische Bronchitis, Atemnot, Keuchen und Bluthusten. Über 50% hatten Hautprobleme, Verdauungsbeschwerden und ein geschwächtes Immunsystem. 25% berichten von hormonellen Störungen inklusive Diabetes.

Was Mossville zu einen besonderen Politikum macht, ist nicht nur die ungeheuerliche Ansammlung von chemischen Anlagen an einem Ort, sondern dass in Mossville fast ausschließlich schwarze US-Bürger leben. Dies erinnert an Indigene wie z.B. Indianer, die den Preis der Zivilisation ungefragt mit Ihrer Gesundheit und der Zerstörung ihres Lebensraumes zu bezahlen haben. Nachrichten dazu gibt es regelmäßig auf Intercontinental Cry.

Es ist nicht möglich, hier über alles zu berichten, was die Bewohner von Mossville in ihrer bedrängten Situation unternahmen. Erwähnt werden muss die Gründung von MEAN, der „Mossville Environmental Action Now“ am 19. April 1999 (engl. mean heißt auch „gemein“). Neben mehr Transparenz der ATSDR im Umgang mit ihnen fordern sie von Regierung und Industrie jene umzusiedeln, die Mossville verlassen wollen, kostenlose medizinische Versorgung und eine Reduzierung der Emissionen aus den Anlagen.

MEAN war 2008 durch Earthjustice vertreten an einer Klage gegen die EPA (PDF) (Environmental Protection Agency) beteiligt. Nach einer im Jahre 1990 durch den Kongress vorgenommenen Änderung des Clean Air Act (Luftreinhaltegesetz) sollte die EPA bis zum 15.11.2000 schädliche Emissionen regulieren. Stattdessen wurde erst im Jahre 2002 unter Bush auf eine unzureichende Regelung aus den 70’er Jahren zurückgegriffen. Im November 2009 stimmte die EPA einen Vergleich zu, bis zum 29.07.2011 für eine Reihe von Schadstoffen aus der PVC-Produktion Regelungen einzuführen.

Im Januar 2009 hielt die EPA eine Informationsveranstaltung für die Bewohner von Mossville ab und setzte ein Prüfverfahren in Gang, ob Mossville Fördermittel aus dem „Superfund“ für Sanierungsmaßnahmen erhalten kann.

Im März 2005 reichten Anwälte von Advocates for Environmental Human Rights eine Petition der Bewohner von Mossville bei der Inter-American Commission on Human Rights (IACHR), der Kommission für Menschenrechte der OAS (Organisation of American States) ein. Im Kern werfen sie der US-Regierung Versagen vor, ihnen das Menschenrecht auf Leben und Gesundheit zu gewähren. Des Weiteren fühlen sie sich ungleich behandelt und erheben den Vorwurf von Umwelt-Rassismus.

Am 30. März 2010 hat die nicht an Weisungen der Mitgliedstaaten gebundene Kommission die Petition überraschenderweise angenommen. Was für sich genommen schon einen Erfolg für Mossville darstellt. Zu dieser Petition gibt es mittlerweile eine offizielle Stellungnahme (PDF) die in Onlinemedien auf folgende Aussage reduziert wurde:

Nach der American Convention on Human Rights (einem grundlegenden Dokument der OAS) gäbe es kein Recht auf eine gesunde Umwelt, weder direkt noch durch das Recht auf Leben, Gesundheit, Privatsphäre und Unverletzlichkeit der Wohnung impliziert. Auch aus dem Schutz vor Diskriminierung ließe sich dies nicht ableiten.

Die Regierung nimmt hier Zuflucht zu einem Dokument von 1969, das sie am 01.06.1977 zwar unterzeichnet aber nie ratifiziert hat, während die Kommission zu dem Schluss kam, dass die Petition nach der American Declaration of the Rights and Duties of Man, der Amerikanischen Deklaration der Rechte und Pflichten des Menschen von 1948, zulässig ist.

Auf den Disput, welches Dokument für die amerikanische Regierung bindend ist oder nicht, muß man sich nicht einlassen. Fairness halber sollte man sagen, dass ihre Stellungnahme sehr detailliert ist und die US-Regierung rein formal vielleicht sogar Recht hat. Selbst wenn das so wäre, steht es aber einem Staat, der immer die große Freiheit auf sein Sternenbanner schreibt, mehr als schlecht zu Gesicht, das Recht auf eine gesunde Umwelt zu verneinen.

Die USA sind Mitglied der OAS, wollen dort wichtig sein und weigern sich gleichzeitig ein Dokument der OAS in Kraft zu setzen, dass die Einhaltung grundlegender Menschenrecht für alle Mitglieder dieser Staatengemeinschaft verbindlich machen soll. Dieses Dokument ist der amerikanischen Regierung aber immerhin so wichtig, damit die Unzulässigkeit der Petition zu begründen.

Darüber hinaus hat die USA den Gerichtshof für Menschenrecht der OAS, den Inter-American Court of Human Rights und die Zuständigkeit der Kommission nie anerkannt, deren Aufgabe es ist, sich mit Menschenrechtsverletzung in den Mitgliedstaaten zu befassen und diese Fälle gegebenenfalls an den Gerichtshof zu übergeben.

Die Frage, welchen Sinn Menschenrechte ohne gesunde Lebensbedingungen machen, darf man ebenfalls stellen.

Diese Stellungnahme der amerikanischen Regierung hätte es nie geben dürfen. Sie beschädigt das Ansehen des Landes und ihres Präsidenten. Man kann nur hoffen, dass die EPA unter Präsident Obama weiterhin gute Arbeit leistet und ein blamables Verfahren vor dem Inter-American Court of Human Rights hinfällig macht.

Autor: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network, 3. Mai 2010

US Gouverneure setzen sich für Menschen ein, die durch Chemikalien krank wurden

 

Seit 12 Jahren setzen sich US Gouverneure in jedem Jahr im Mai ganz besonders für Umweltkranke ein. Sie unterschreiben Proklamationen, die in ihrem Bundessstaat einen Aufklärungstag, eine Aufklärungswoche und in vielen Staaten sogar einen ganzen Aufklärungsmonat ausrufen.

Die Gouverneure bekunden in ihren Proklamationen die Notwendigkeit besonderer Rücksichtnahme auf Menschen mit toxisch bedingten Gesundheitsschäden und Chemikalien-Sensitivität / Multiple Chemical Sensitivity (MCS) und sie weisen mit Nachdruck darauf hin, wie wichtig Prävention ist. Ihr besonderes Anliegen liegt darin, dass solche Krankheiten vermieden werden, indem man mit mehr Bedacht mit Chemikalien im Alltag umgeht und Hersteller von Produkten darauf achten, dass keine Gefahr von ihren Erzeugnissen ausgeht.

Weltweiter Tag für Menschen mit MCS

Der 12. Mai ist mittlerweile nicht mehr nur in einigen US Bundesstaaten MCS Aufklärungstag, es haben sich weltweit Organisationen angeschlossen und weisen auf die Umstände hin, unter denen Chemikaliensensible in ihrem Land leben müssen und wie man ihnen helfen kann. Es gibt in diesem Jahr Aktionen von Organisationen für Chemikaliensensible in Italien, Spanien, Frankreich, Japan, Australien, Schweiz, USA, Deutschland,…

Einige der Organisationen haben spezielles Aufklärungsmaterial erstellt: Pins, Plakate, Flyer, Webseiten, etc. Es wird Kundgebungen geben, Zeitungs-, Radio- und Fernsehberichte. Manche der Organisationen haben Politiker und Behörden in ihrem Land angeschrieben und werden die Resonanz im Mai veröffentlichen.

18 Gouverneure bitten um Rücksichtnahme für Umweltkranke

In den USA haben in diesem Jahr haben bisher 18 Gouverneure eine Proklamation mit ihrem Staatssiegel bekundet. Weitere sind auf dem Postweg und werden in den nächsten Tagen veröffentlicht. Einige der Gouverneure unterzeichneten für 2010 sogar mehrere Proklamationen. Ihnen ist daran gelegen, dass, neben toxisch bedingten Gesundheitsschäden, Menschen mit MCS und Elektrosensibilität ganz besondere Beachtung und Hilfe zuteil wird.

Vier US Gouverneure unterzeichneten eine zusätzliche Proklamation, um auf die schwierigen Lebensbedingungen von Menschen mit Elektrosensibilität (EMS) hinzuweisen und baten um ganz besondere Rücksichtnahme für diese Personengruppe, die unter immer widrigeren Bedingungen ihr Dasein fristen muss.

Tendenz bringt Hoffnung zum Ausdruck

Seit 1998, als die erste Proklamation in den USA mit dem Staatssiegel beurkundet wurde, hat sich einiges bewegt und so viele Aktionen in so vielen Ländern wie in diesem Jahr gab es noch nie. Diese Tendenz bringt Hoffnung zum Ausdruck, dass immer mehr Bewusstsein eintritt und sich die Situation der Menschen, die durch Chemikalien in unserer Umwelt, in Alltagsprodukten und Nahrungsmitteln krank werden, mittelfristig Zug um Zug verbessert.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 27. April 2010.

Krank durch Aspartam?

Die Zahl übergewichtiger Menschen nimmt in Deutschland tendenziell zu, mit vielfältigen negativen Folgen für die Gesundheit der Betroffenen. Ein Zuviel an Gewicht in Kombination mit Bewegungsmangel kann u. a. Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Arthrose, Fettleber, Schäden am Bewegungsapparat, Krebsleiden und Stoffwechselerkrankungen fördern. Um bestehendem Übergewicht entgegenzuwirken bzw. es erst gar nicht aufkommen zu lassen, ist es empfehlenswert, neben ausreichender Bewegung, bei der Ernährung auf Ausgewogenheit und verminderte Kalorienzufuhr zu achten.

Aspartam – dickes Geschäft für die Lebensmittelindustrie

Genau das ist die Sternstunde für die Nahrungsmittelindustrie, denn das Geschäft mit kalorienreduzierten und mit Zuckeraustauschstoffen angereicherten Lebensmitteln boomt, die Produktvielfalt von Light-Produkten nimmt rapide zu. Gerade im Frühjahr sind sie Verkaufsschlager schlechthin, da es nach dem langen Winter darum geht, schnellstmöglich zur Strand-tauglichen Figur zurückzufinden. Doch man sollte ruhig auch hinter die Kulissen der Lebensmittelindustrie schauen und kritisch hinterfragen, wie diese Kalorienreduktion tatsächlich zu Stande kommt, zu welchen Mitteln die Hersteller greifen, um uns den Konsum „ohne Reue“ schmackhaft zu machen.

Das Zugpferd unter den kalorienarmen Zuckeraustauschstoffen ist Aspartam, das wegen seines neutralen zuckerähnlichen Geschmacks weltweit am meisten zum Einsatz kommt. Dieser synthetische Zuckerersatz (E-951) ist unter den Markennamen Nutrasweet, Assugrin und Canderel bekannt und kann lt. Informationen von TransGen genetisch veränderte Mikroorganismen enthalten, was keiner Deklarationspflicht unterliegt. Aspartam kann mit einer um das zweihundertfach höheren Süßungskraft als herkömmlicher Zucker aufwarten und ist u. a. zuckerfreien Süßigkeiten und Süßspeisen, Gebäck, Joghurts, Diätprodukten, Kaugummis, Erfrischungsgetränken, Tees wie auch Medikamenten zugesetzt.

Süßes genießen ohne Reue – der Schein trügt

Aspartam gerät auf Grund vielfach zugeschriebener möglicher Gesundheitsrisiken verstärkt in Misskredit. Im vergangenen Jahr wurde Coca Cola Zero auf Anordnung des Gesundheitsministers von Venezuela, Jesús Mantilla, sogar komplett vom Markt genommen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Folge soll Aspartam Störungen am Hormonsystem, neurologische Schäden am Gehirn, Allergien, Krebs und Adipositas fördern. Das Internet-Gesundheitsportal Zentrum der Gesundheit berichtet in einem ausführlichen Artikel über den beliebten Süßstoff von einer Vielzahl von Nebenwirkungen, die durch die amerikanische Zulassungsbehörde für Lebensmittel und Medikamente dokumentiert wurden. Demnach sind Aspartam u. a. folgende Gesundheitsstörungen anzulasten: Angstzustände, Arthrose, Atemwegsreaktionen, Sehstörungen, chronische Müdigkeit, Impotenz, Migräne, Tinnitus, Krebs und viele mehr.

Ebenfalls ist in der Medizin bekannt, dass Aspartam im menschlichen Organismus zu Methanol und Formaldehyd verstoffwechselt wird, mit weiteren möglichen gravierenden Folgen für die Gesundheit der Verbraucher. Forscher sehen in dieser toxischen Metabolisierung die karzinogene Wirkung von Aspartam als begründet. Lt. einem Bericht im Ärzteblatt wurden in medizinischen Studien in Bologna erhöhte Tumorraten im Bereich des Lymphsystems und Leukämie im Tierversuch mit Ratten nachgewiesen und dies bereits in Dosen, die unter den Grenzwerten für den menschlichen Verzehr von Aspartam lagen. Dieses Studienergebnis lässt auf ein erhöhtes Krebsrisiko beim Menschen schließen. Auffallend ist zu bewerten, dass die Ramazzini-Studie zu erheblich anderen Ergebnissen führte, als die von der Industrie in Auftrag gegebenen Untersuchungen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vertritt trotz dieser Studie weiterhin die Auffassung, dass Aspartam als unbedenklich einzustufen ist.

Menschen, die an der Krankheit Phenylketonurie leiden, dürfen keine Produkte konsumieren, die Aspartam enthalten. Deshalb müssen Lebensmittel, denen der chemischen Süßstoff zugesetzt ist, mit dem Warnhinweis enthält „eine Phenylalaninquelle“ versehen sein. Desweiteren steht Aspartam in Verdacht, das Gewicht der Verbraucher sogar zu erhöhen, weil nach dem Konsum aspartamhaltiger Nahrungsmittel Heißhungerattacken entstehen, die Adipoditas hervorrufen würden.

Maßvoller Genuss contra maßlosen Konsum

Es liegt im Ermessen eines jedes Einzelnen, zu welchen Lebensmittel man greift. Mit Zuckerersatz versehene Nahrung wird vermutlich nicht als alleinige Maßnahme zum Wunschgewicht führen, da der Trend eher dahingehend ist, dass man sich zusätzlich dann weitere Leckereien gönnt, schließlich war der vorherige Snack ja kalorienarm. Das lässt sich auch an der Tatsache ableiten, dass, trotz des ungebremsten Einsatzes von kalorienarmen Süßstoffen, die Zahl fettleibiger Menschen bei den Industrienationen auf globaler Ebene kontinuierlich massiv ansteigend ist.

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass es sich bei Aspartam und anderen synthetischen Süßungsmitteln um Chemikalien handelt, deren Wirkung auf den Organismus schwerwiegende gesundheitliche Nebenwirkungen zur Folge haben können. Somit ist es ratsam, lieber in Maßen zu genießen und naturbelassene Lebensmittel zu schlemmen und sich zusätzlich viel zu bewegen, um Fettpolstern keine Chance zu geben, uns den Alltag zu vermiesen, statt uns mit Chemikalien angereicherten Produkten möglichen Gesundheitsgefahren auszusetzen, die überflüssig sind und absolut vermeidbar wären.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity, 28. April 2010

Weitere interessante CSN Artikel zum Thema:

Umweltmedizin: Internationaler Appell von Würzburg

Auf Einladung der „European Academy for Environmental Medicine – EUROPAEM“ trafen sich vom 23.04. – 25.04.2010 in Würzburg namhafte nationale und internationale Wissenschaftler der Gebiete Umweltmedizin, Toxikologie, Immunologie, Neurologie und Humangenetik, praktizierende Ärzte und Zahnärzte, Angehörige anderer Heilberufe sowie Vertreter von Patienteninitiativen unter dem Motto „Wissenschaft trifft Praxis“ zu einem internationalen Ärztekongress. Dieser beschäftigte sich speziell mit dem Thema der Neuro-Endokrino-Immunologie und ihrer Bedeutung für die Umweltmedizin.

Die Teilnehmer stellten mit großer Sorge die Zunahme chronischer Multi-System-Erkrankungen (CMI) fest, zu denen neben den Krankheitsbildern Multiple Chemikalien Sensitivität (MCS), Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) und Fibromyalgie-syndrom (FMS) auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, metabolisches Syndrom, neurodegenerative Krankheiten, die Gruppe der Autoimmunopathien und Krebs, zählen.

Auf dem Kongress konnte in eindrucksvoller Weise unter Beweis gestellt werden, dass diesen chronischen Krankheiten ähnliche Pathomechanismen zu Grunde liegen. Ihnen gemeinsam sind chronische Entzündungsprozesse, die von Umwelteinflüssen chemischer (Schadstoffe), biologischer (z.B. Infektionserreger) und physikalischer (z.B. elektromagnetische Felder EMF) Art ausgelöst werden.

Chronische Erkrankungen bedingen Langzeitpatienten, deren medizinische Betreuung immer höhere Kosten verursacht. Dies führt häufig dazu, dass Betroffene sozial ausgegrenzt werden.

Vor dem erschreckenden Hintergrund der aus allen Ländern Europas gemeldeten wachsenden finanziellen Engpässe, insbesondere im öffentlichen Gesundheits-wesen, muss eine weitere Zunahme der chronischen Erkrankungen den bereits im Gang befindlichen Kollaps der nationalen Gesundheitsdienste und der Krankenversicherungen in Europa beschleunigen. Abhilfe verspricht hier nur ein Wechsel der Prioritäten von einer heute zu einseitig symptomatisch ausgerichteten Medizin hin zur kausal ausgerichteten kostensparenden Primärprävention.

Die Kongressteilnehmer richten einen dringlichen Appell an die Europäischen Umwelt- und Gesundheitsminister, an die Europäische Kommission, an die Europäischen Parlamentarier, an die nationalen Regierungen sowie an die Vorstände der Sozial- und Privatversicherungen, diesen Erkenntnissen und Entwicklungen die unverzichtbare Beachtung zu schenken. Dies bedeutet mehr Gewichtung und finanzielle Investitionen in Primärprävention, Vorsorge und möglichst frühzeitige Erkennung und Diagnostik dieser chronischen, letztlich Umwelt assoziierten Krankheiten zu tätigen.

Dies bedeutet generell auch auf europäischer Ebene eine uneingeschränkte Wahrnehmung der Forschungsergebnisse der praktizierenden Umweltmedizin und ihre Integration in die universitäre Forschung und Lehre. Die Europäischen Regierungen werden aufgefordert, die ratifizierten Beschlüsse der 4. Ministeriellen Konferenz der Umwelt- und Gesundheitsminister in Budapest, 2004, endlich in die Tat umzusetzen.

Dieser Appell wurde einstimmig vom Plenum des Kongresses angenommen.

Würzburg, den 25.April 2010

Für den Vorstand von EUROPAEM

Jean Huss, Vice-Chairman

Dr. Kurt E. Müller, Chairman

Dr. Peter Ohnsorge,  Managing Chairman

Dr. Hans-Peter Donate, Pressesprecher, ViSdP

In Spanien geht es mit Siebenmeilenstiefeln voran – MCS-Kranke sollen rasch Hilfe erhalten

Eine weitere gute Meldung aus Spanien traf ein. Das Meeting des Spanischen Ministerium für Gesundheit, Ärzten und Vertretern von MCS-Organisationen verlief sehr gut. Nachfolgend Informationen darüber, die Eva Caballé in ihrem No Fun Blog über das aktuelle Treffen bereitstellte.

Kranke werden auf die lange Bank geschoben

Wie in Deutschland, wurden auch in Spanien MCS-Kranke immer wieder vertröstet und so behandelt, als seien sie nicht existent. Die Wende trat im vergangenen Oktober auf ungewöhnliche Weise ein. Seit dem erfahren wir ständig neue Erfolge, bis hin zum jüngsten Treffen der MCS-Selbsthilfegruppen mit Repräsentanten des Gesundheitsministeriums.

Ein Radiosender brachte die positive Wende

Ein spanisches Radioprogramm namens „Carne Cruda“, zu Deutsch „Rohes Fleisch“, publizierte am 22. Oktober vergangenen Jahres einen Artikel in seinem Blog, der den Titel „Ich bin Dein Fan“ trug. Die Leser wurden im Artikel gefragt, was ihr Lieblingssong sei.

José Luís Aparicio schrieb einen Kommentar mit seinen 10 Lieblingssongs, und als letztes Lied, das er aufzählte, wählte er “No Fun”. Er erklärte, warum er gerade dieses Lied gewählt habe, nämlich weil Eva Caballé’s Blog „No Fun“ nach diesem Lied benannt sei und dann erklärte er, was MCS ist und dass er selbst auch von dieser Krankheit betroffen sei. Abschließend fragte er, ob Carne Cruda über MCS berichten könne und erwähnte das Interview, das Salvador L. Arnal mit Eva für Rebelión durchgeführt hatte. Carne Cruda fand das Thema wichtig und schon vier Tage später erhielt Eva eine Einladung für ein Interview.

Am 4. November war es dann soweit und Eva wurde vom Radiosender Carne Cruda interviewed und traf José Luís Aparicio. Man konnte es nicht fassen und war schockiert über MCS. So geschockt, dass der Direktor dieser Radiosendung am nächsten Tag während der Sendung sagte, dass man den Gesundheitsminister kontaktieren wolle. Eva glaubte damals selbst kaum daran, dass dies Realität würde. Doch man hielt Wort und wollte ein Interview mit dem Gesundheitsminister arrangieren und mit ihm über MCS sprechen und vor allem erklären, wie furchtbar die Situation der MCS Kranken ist.

Und dann fing die Geschichte an, richtig interessant zu werden. Der Radiosender tätigte eine ganze Reihe von Anrufen beim Gesundheitsministerium. Man erhielt keinerlei Resonanz. Der Radiosender ließ aber nicht locker und rief während einer Live Sendung beim Gesundheitsministerium an und hatte endlich Erfolg. Das Interview kam für den 15. Januar 2010 zustande. Es gab eine Sondersendung von Carne Cruda, die das Thema MCS behandelte. Eingeladen waren der Generalsekretär des Gesundheitsministeriums José Martínez Olmos und Miguel Jara, Dr. Pablo Arnold, José Luís Aparicio. David Palma vertrat seine Frau Eva Caballé, die zu krank ist, um außer Haus zu gehen. Dann geschah etwas, womit keiner gerechnet hatte. Der Generalsekretär des Gesundheitsministeriums versprach in der Sendung, die viele Menschen mithörten, dass ein Treffen mit den MCS Selbsthilfegruppen des Landes innerhalb der nächsten 10-20 Tage nach der Radioshow stattfinden solle.

Erstes Treffen des Gesundheitsministeriums mit MCS-Organisationen

Am 4. Februar war es dann soweit, das Treffen des Gesundheitsministeriums mit den spanischen MCS-Selbsthilfegruppen fand statt. Die Situation der MCS-Kranken wurde erörtert. Die Organisationen hatten unter David Palmer’s Koordination eine Petition erstellt, die überbracht wurde. Neben einem Repräsentanten von jeder Selbsthilfegruppe nahmen auch ein Rechtsanwalt und ein Arzt an diesem Meeting teil. Es wurde eine Kopie von Eva’s Buch übergeben, als Beispiel dessen, was MCS-Kranke in Spanien durchmachen. Die Repräsentanten des Gesundheitsministeriums versprachen, die MCS-Organisationen zu kontaktieren, um mit ihnen ein wissenschaftliches Komitee abzustimmen, das ein Konsens-Dokument hinsichtlich MCS erstellen soll.

Gründung eines MCS-Komitees

Dann gründeten die 13 MCS Organisationen ein Komitee zur Anerkennung von MCS in Spanien, um eine einheitliche Stimme zu bilden, Dieses Komitee erstellte eine Liste von Ärzten und das Gesundheitsministerium lud alle elf Ärzte ein, die vom MCS-Komitee benannt worden waren. Am Meeting das am 21. April 2010 stattfand, nahmen neben 16 Personen des Gesundheitsministeriums, diese 11 Ärzte und Vertreter der Organisationen teil.

Zweites positives Treffen im Gesundheitsministerium

Der erste Eindruck zum Treffen ist positiv. Die Arbeitsgruppe erstellte einen Zeitplan und zeigte sich einverstanden, einen Entwurf für ein MCS-Konsens-Dokument zu erarbeiten. Dieser Entwurf wird von allen MCS-Organisationen im September/Oktober 2010 geprüft. Das Überprüfte wird vom Gesundheitsministerium im Dezember 2010 veröffentlicht. Das Ministerium bestätigte, dass dies der erste Schritt ist, der es möglich macht, dass MCS in den ICD-10 aufgenommen wird, etc – eine offizielle Anerkennung von MCS in Spanien.

Dank der MCS-Kranken an den Radiosender Carne Cruda

Eva Caballé ließ wissen, dass es noch eine offizielle Pressemitteilung geben wird, doch man gab bereits eine Meldung durch Carne Cruda einen Tag nach dem Meeting. Weil dem Radiosender der Dank für all das gehört, was in Spanien seit der Radiosendung im vergangenen Jahr passierte, gab man ihm den Vorzug. Der Direktor des Senders war sehr bewegt, als er die Nachricht über das Ergebnis des Meetings am 21. April erfuhr und den Dank aller MCS-Kranken in Spanien, den Eva und ihr Mann David Palma überbrachten.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25. April 2010

Literatur: Meldung von Eva Caballé, No Fun Blog, 24. April 2010

Weitere Artikel von Eva Caballé:

Es wird immer schwerer die Krankheit MCS zu verschweigen

Überall werden Umwelterkrankte aktiv

Als Auftakt in Blick auf den MCS – Aufklärungsmonat Mai 2010 möchten wir verschiedene Projekte von Umweltkranken vorstellen. Wir werden von Menschen berichten, die so krank sind, dass sie nicht mehr arbeiten können und in ihrem Wohnumfeld völlig isoliert leben müssen, weil sie so extrem chemikaliensensibel sind. Von Menschen, die täglich mit Schmerzen und teils nur schwer vorstellbaren Restriktionen leben müssen, aber dennoch bestrebt sind, ein Zeichen zu setzen und auf ihre Art die Mitmenschen darüber aufzuklären, was sich hinter den drei Buchstaben MCS verbirgt.

Der erste Bericht, den wir präsentieren, ist von Marlene Winands, eine ehemalige Zahnarzthelferin, die täglich auf Hilfe anderer angewiesen ist, um ihren Alltag leben zu können. Marlene hat trotz ihrer schwierigen Lebensumstände durch ihre schwere Chemikalien-Sensitivität nie aufgegeben, ihr Zeichen zu setzen, damit Mitmenschen wachwerden. Ganz gemäß ihrem Leitspruch:

„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Bild der Welt verändern“ (Spruch aus Afrika).

Marlene Winands: Eine Betroffene für Betroffene

Ich hatte mich entschlossen, meine Gedanken zu veröffentlichen, die ich aufgrund der MCS–Erkrankung niedergeschrieben hatte. Zeitgleich musste ich das Problem mit meiner Papierunverträglichkeit lösen. Ich tröstete mich, weil ich ohnehin zum Thema passend auf MCS–gerechtem Papier drucken lassen wollte. Eine schwierige Hürde – aber noch lange nicht die letzte!

Im Jahr 2004 ließ ich die erste Broschüre mit dem Titel „MCS – Eine Betroffene für Betroffene“ auf BIO–TOP–Papier drucken. Silvia Müller war mir behilflich bei der Publikation, indem sie im CSN–Forum und in der Pure Nature INFOBOX meine Broschüre kommentierte.

Ich zitiere einen Auszug von ihrem Eintrag am 14.05.2004 im Allergieforum:

…Die Gedichte von Marlene sind kritisch, klären auf und regen zum Nach– und Umdenken an. Betroffene werden sich oft selbst erkennen mit ihren Gedanken, Wünschen, …Ideal zum Weiterreichen an Ärzte, Verwandte, Familienangehörige, Freunde und Arbeitskollegen, die nicht verstehen wollen oder aber gerne mehr wissen möchten.

Bald darauf bekam ich Post von Mitbetroffenen. Ich freute mich über jede Bestellung. Die Rückmeldungen waren alle positiv. So wusste ich, dass ich genau das Richtige getan hatte.

Im Jahr 2005 gab ich die zweite Broschüre „MCS – Eine Betroffene von Betroffenen“ bekannt. Rückmeldungen vermehrten sich. Zu meiner eigenen Erfahrung und meinen Gefühlen als Schwerstbetroffene hörte ich immer mehr von den ungeheuerlichen Unrechtsbehandlungen, menschenunwürdigen Diskriminierungen, Psychiatri-sierungen und den zahlreichen Problemen meiner Leidensgenossen. All das ermutigte mich weiterzumachen. Ich trotzte den Ganzkörperschmerzen und nutzte meine schweren Leiden, um in kleinsten Schritten die ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen. Ein starkes Verantwortungsgefühl „für uns alle“ baute sich in mir auf.

Ich muss bemerken, dass ich Computer und Internet nicht nutzen kann. Das lässt die Elektrosensibilität nicht zu. Wenigstens habe ich Naturpapier und Telefon (Piezzo). Es geht mühsam und im Schneckentempo, aber es geht vorwärts!

Ich feilte lange an einem Artikel mit der Überschrift: „UMWELT – Erkrankungen ein Thema, das es offiziell nicht geben soll. Darüber kann ich als Schwerstbetroffene nicht schweigen.“

Mein Vorhaben war, diesen z.B. bei FOCUS anzubieten. Trotz großer Bemühungen ist es mir nicht gelungen, diesen brisanten Artikel bei FOCUS, Stern, Süddeutsche Zeitung, Schwäbische Zeitung unterzubringen. In der Zeitschrift „Umwelt–Medizin–Gesellschaft“ 1/2008 wurde er in der Originalfassung veröffentlicht.

Meine innere Kraft, mein Wunsch und meine Bemühungen, in der Öffentlichkeit etwas zu bewirken, blieben nicht erfolglos. Es öffneten sich Türen. Ich konnte Redaktionen finden, die bereit waren, eine Anzeige mit dem Hinweis auf die MCS-Broschüren zu veröffentlichen:

  • Schrot & Korn Nov. 2006
  • Kraut & Rüben Dez. 2006
  • BIO 1/2008.
  • Im Fliege–Magazin Sept. 2009
  • In der Reformrundschau Sept. und Dez. 2009 war eine Anzeige mit dem Hinweis auf mein neues Büchlein „Krank durch die Umwelt“ zu lesen.
  • Eine Rezension erschien 04/2009 in der Zeitschrift Umwelt–Medizin–Gesellschaft.
  • In der VdK–Zeitung ist eine Veröffentlichung vorgesehen.
  • Im Spätfrühjahr soll eine Lesung des Büchleins in meinem Wohnort stattfinden.

Obwohl ich mir mit meiner kleinen Lebensflamme jeden Tag neu erkämpfen muss, kann ich nicht schweigen. Die Freude über jeden Schritt der gelingt, ist groß.

Mit meinen Ausführungen möchte ich jedem von Euch Mut machen, aktiv zu werden! Ich möchte ein Zeichen setzen, dass man als Umweltkranker bis hin zum Behinderten nicht verstummen sollte. Nur wir können (mit Hilfe von anderen, die gibt es auch) dafür sorgen, dass Umwelterkrankungen in der Gesellschaft publik werden, damit Bewusstsein entsteht!

Autor: Marlene Winands für CSN – Chemical Sensitivity Network, 21. April 2010

Das Büchlein von Marlene Winands

ist zum Preis von 5 € unter folgender Anschrift erhältlich:

Marlene Winands, Baumannstr. 76/22, 88239 Wangen im Allgäu

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