Archiv der Kategorie ‘Krank durch den Beruf‘

Eine häufige Ursache für Depressionen und Angstzustände: Pestizide

Deprimiert durch Pestizide

In einer Langzeitstudie untersuchten amerikanische Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Pestiziden und Depressionen. Sie stellten fest, dass bestimmte Pestizide und Herbizide zu Depressionen, Angstzuständen, Neurosen und anderen psychiatrischen Störungen führen können.

Zusammenhang zwischen Pestizidkontakt und Depressionen erkannt
Eine Literaturrecherche in der Anfangsphase ihrer Studie offenbarte dem amerikanischen Wissenschaftlerteam, dass im letzten Jahrzehnt bereits starke Zusammenhänge zwischen hoher arbeitsbedingter Pestizidexposition und verstärktem Depressionsrisiko aufgedeckt wurden (Amr et al. 1997, Farahat et al. 2003, Stephens et al. 1995). In einer Studie über eine ägyptische Bevölkerungsgruppe wurde festgestellt, dass die Häufigkeit depressiver Neurosen bei Männern, die Pestizide über einen längeren Zeitraum herstellten, größer war, als bei einer Kontrollgruppe (Amr et al. 1997). Bei den Pestiziden, die Studienteilnehmer dieser Studien ausgesetzt waren, handelte es sich vornehmlich um Carbamate, Pyrethroide und Organophosphate. Diese Pestizide befinden sich auch in Deutschland im häuslichen wie im Agrarbereich im Großeinsatz.

Die Autoren der aktuellen, im Dezember 2008 in der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives erschienenen Studie hoben noch zwei weitere Studien besonders hervor, bei denen man Zusammenhänge aufgedeckt hatte. So gab es eine ägyptische Studie, die belegte, dass Männer, die beruflichen Umgang mit Pestiziden hatten, im Vergleich zu Verkäufern oder Büroangestellten höhere Punktzahlen bei der Erfassung neurotischer Depressionen aufwiesen (Farahat et al. 2003). Auch in England fanden Wissenschaftler Zusammenhänge. Hier fiel auf, dass die Anfälligkeit für psychiatrische Erkrankungen bei 146 Schäfern, die Organophosphatpestiziden ausgesetzt waren, um 50% höher lag als bei Steinbrucharbeitern, die man als Kontrollgruppe herangezogen hatte (Stephens et al. 1995).

Depressionen – Folgekrankheit akuter Pestizidexposition
Bei ihrer Recherche in der wissenschaftlichen Fachliteratur suchten die Wissenschaftler ergänzend nach Zusammenhang zwischen akuter Pestizidvergiftung und Depressionen als Spätfolge der Vergiftung. Auch bei dieser Recherche wurden sie fündig und teilten mit, dass bereits aussagekräftige Studien Langzeitdepressionen als Spätfolge akuter Pestizidintoxikation aufgedeckt hatten (Beseler et al. 2006; Reidy et al. 1992; Rosenstock et al. 1991; Savage et al. 1988; Stallones and Beseler 2002). Stallones und Besele fanden ergänzend heraus, dass eine durch Pestizide verursachte Erkrankung bei 761 Bewohnern von Farmen in Zusammenhang mit Depressionen stand. In einer brasilianischen Studie stellte man bei 52 Tabakfarmern, die mit Organophosphaten in Kontakt gewesen waren, fest, dass die Anzahl derer, die unter Depressionen und Angststörungen litten, signifikant höher als erwartet war und dass die Beschwerden nach dreimonatiger Karenz gegenüber Organophosphaten abklangen (Salvi et al. 2003).

Auch Pestizidkontakt im Niedrigdosisbereich hat Folgen
Eine weitere Studie, die das Wissenschaftlerteam fand, hatte sogar herausgefunden, dass, obwohl die oben genannten Studien hohe Konzentrationen von Pestiziden voraussetzen, sogar bereits Mechanismen von Forschern vorgeschlagen wurden, die die einen Zusammenhang schon bei chronischer Toxizität im Niedrigdosisbereich erklären (Brown and Brix 1998; Browne et al. 2006; Ray and Richards 2001).

Ausgeklügeltes Studiendesign
In der aktuellen Studie untersuchte die Gruppe von Wissenschaftlern verschiedener amerikanischer Universitäten und Institute ebenfalls den Zusammenhang zwischen Depressionen und Kontakt mit Pestiziden. Hierzu benutzten sie Informationen aus einer Langzeitstudie, der Agricultural Health Study (AHS), die zwischen 1993 und 1997 in Iowa und North Carolina durchgeführt wurde, um einen Überblick zu erlangen. In der AHS-Studie waren Informationen von über 89 658 Personen, die Pestizide ausbrachten, bzw. mit Personen zusammen lebten, die Pestizide ausbrachten, gesammelt worden.

Das Studiendesign war sehr umfangreich und umfasste viele Faktoren, um letztendlich zu einem repräsentativen Ergebnis zu gelangen. So wurden u.a. nur Teilnehmer zugelassen, die selbst nicht kommerziell Pestizide ausbrachten. Die meisten Teilnehmer waren Farmer und deren Lebenspartner. Es wurde unterschieden zwischen Personen, bei denen Depressionen ärztlich festgestellt und Medikamentierung oder Elektroschocktherapie eingesetzt wurden und Personen, die sich selbst als depressiv bezeichneten. Ausgeschlossen von der Studie wurden Personen, bei denen eine Blei- oder Lösungsmittelvergiftung bekannt war, da beides im starken Zusammenhang mit neurologischen Beschwerden steht. Der Zeitraum, in dem die Teilnehmer Pestiziden ausgesetzt waren, wurde in vier Kategorien eingeteilt, um festzustellen, in welchem Zeitrahmen welcher Effekt eintritt. Weiteren Aufschluss erwarteten sich die Wissenschaftler durch das Abfragen von 50 verschiedenen Pestiziden, die sie in drei Hauptgruppen – Organochlorverbindungen, Organophosphate, Carbamate –  aufteilten.

Wissenschaftler stellen fest: Pestizide lösen Depressionen aus
Als Ergebnis ihrer Studie gaben die Wissenschaftler bekannt, dass Depressionen sowohl mit einer Pestizidvergiftung als auch mit einer Pestizidexposition im Hochdosisbereich (HPEE) in Zusammenhang stehen. Auch hohe kumulative Pestizidexposition stand in signifikantem Zusammenhang mit diagnostizierten Depressionen. Diese Feststellungen werden durch Studien manifestiert, die bereits im Vorfeld stattgefunden hatten und bei denen Forscher festgestellt hatten, dass Personen, die mit Pestiziden in Kontakt waren, mit Angstsymptomen und Depressionen reagierten (Reidy et al. 1992; Savage et al. 1988; Stokes et al. 1995).

Akut Pestiziden ausgesetzte Wanderarbeiter auf Farmen mit dokumentierter Hemmung der Acetylcholinesterase, einem Marker für Organophosphatintoxikation, berichteten signifikant häufiger darüber, dass sie sich deprimiert fühlten und unter Angst litten, als Personen aus der Kontrollgruppe, die keinen Kontakt zu Pestiziden hatten (Reidy et al. 1992, Savage et al. 1988).

Bemerkenswert sind auch die Erkenntnisse von Steenland et al. Sie fanden 1994 signifikante Veränderungen im Gefühlsleben von Personen heraus, bei denen eine Pestizidvergiftung zum Zeitpunkt der Untersuchung schon 3 bis > 10 Jahre zurücklag.

Die aktuelle Studie ist deshalb einzigartig, da sie in Bezug auf die Feststellung, dass Depressionen auch in Zusammenhang mit einer chronischen Pestizidintoxikation ohne ärztlich diagnostizierte Vergiftung auftreten.

Hilft Schutzausrüstung gegen Depressionen durch Pestizide?
Ein weiteres wichtiges Kriterium, das die amerikanische Wissenschaftlergruppe herausfinden wollte, war, ob Schutzausrüstung (Stoff- oder Lederhandschuhe, chemikalienresistente Handschuhe, Gasmaske, Gesichtsschutz und Wegwerfkleidung) davor bewahren können, dass exponierte Personen durch Pestizide depressiv werden. Es stellte sich heraus, dass einzig und allein das Tragen von chemikalienresistenten Handschuhen die Pestizidexponierten vor Depressionen schützen konnte.

Bestimmte Pestizide lösen häufiger Depressionen aus
Durch ihre Untersuchungen ermittelten die Wissenschaftler auch, dass es Pestizide gibt, die vorrangig Depressionen auslösen. Sie stellten fest, dass ständige Verwendung von Organophosphaten oder Pestiziden der Organochlorklasse im signifikanten Zusammenhang mit einer diagnostizierten Depression stand.

Gene können eine Rolle spielen
Genetische Prädisposition kann eine weitere Rolle dabei spielen, ob Depressionen durch Pestizidexposition eintreten. Diejenigen, bei denen affektive Erkrankungen in der Familie lagen, könnte dies zu erhöhtem Risiko führen, um Depressionen zu entwickeln, wenn sie ACHE-hemmenden Pestiziden ausgesetzt sind (Janowsky et al. 1994). Ein gesteigertes Risiko bei Personen, die Pestizide über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sind, kann weiterhin durch eine genetische Prädisposition gegenüber den Auswirkungen durch Pestizide eintreten, die aus einem Paraoxygenase Polymorphismus oder anderen Genvarianten resultieren (Browne et al. 2006; Cherry et al. 2002; Costa et al. 2003).

Langzeitexposition gegenüber DDT wurde hingegen eher mit einem Anstieg psychiatrischer Symptome in Verbindung gebracht (van Wendel de Joode et al. 2001). DDT alleine, löste Depressionen in keinem signifikanten Zusammenhang aus, genauso wenig Carbamate. Was im Fall von Carbamaten letztendlich für eine rasche Reaktivierung der Acetylcholinesterase (ACHE) spricht.

Reduzieren von Pestizideinsatz ist wichtig
Im Resümee ihrer Studie sprachen sich die Wissenschaftler dafür aus, dass Ärzte unbedingt nach Gefühlsschwankungen bei ihren Patienten Ausschau halten sollten, die mit Pestiziden in Kontakt sind. Sie begründen dies mit ihren eindeutigen Feststellungen und sprechen sich dafür aus, dass eine generelle Reduzierung von Pestizidexpositionen äußerst wichtig sei.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 8. Januar 2009

Literatur:

  1. Cheryl L. Beseler,1,2,3 Lorann Stallones,1 Jane A. Hoppin,4 Michael C.R. Alavanja,5 Aaron Blair,5 Thomas Keefe,6 and Freya Kamel 4, Depression and Pesticide Exposures among Private Pesticide Applicators Enrolled in the Agricultural Health Study, Environ Health Perspect. 2008 December; 116(12): 1713-1719.
  2. Colorado Injury Control Research Center, Department of Psychology, Colorado State University, Fort Collins, Colorado, USA
  3. Epidemiology Department, College of Public Health
  4. Department of Environmental, Agricultural and Occupational Health, University of Nebraska Medical Center, Omaha, Nebraska, USA
  5. Epidemiology Branch, National Institutes of Environmental Health Sciences, National Institutes of Health, Department of Health and Human Services, Research Triangle Park, North Carolina, USA
  6. Occupational and Environmental Epidemiology Branch, Division of Cancer Epidemiology and Genetics, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Department of Health and Human Services, Rockville, Maryland, USA
  7. Department of Environmental and Radiological Health Sciences, Colorado State University, Fort Collins, Colorado, USA

Die Psychiatrisierung von MCS-Kranken stellt in Deutschland den Tatbestand der Diskriminierung körperlich Behinderter dar

Menschen, die an Multiple Chemical Sensitivity (MCS) erkrankt sind, werden mit Faktoren konfrontiert, die bei kaum einer anderen Krankheit in vergleichbarem Maße in Erscheinung treten:

MCS Erkrankte leiden unter:

  • den Schmerzen durch ihre Krankheit
  • der Isolation, erzwungen durch ihre Reaktionen auf minimale Konzentrationen von Alltagschemikalien
  • mangelnder adäquater medizinischer Versorgung
  • dem Verlust von Beruf, Freunden, Vermögen,…
  • der Einbuße ihrer Freiheit und ihrer Lebensqualität
  • der Diskriminierung, der sie von vielen Seiten ausgesetzt sind

Der Faktor, den Chemikaliensensible als den Punkt anführen, unter dem sie am Allermeisten leiden, ist die Diskriminierung, der sie oft in unserer Gesellschaft und durch Behörden ausgesetzt sind.

MCS ist als körperliche Krankheit einklassifiziert
MCS ist im für Deutschland gültigen WHO Register der Krankheiten, dem ICD-10 GM, als körperliche Krankheit einklassifiziert. MCS trägt dort den Diagnoseschlüssel T.78.4 und ist dem Kapitel 19 unter „Verletzungen, Vergiftungen“ zugeordnet. In Deutschland sind Ärzte und Dokumentare in Krankenhäusern nach dem Sozialgesetzbuch V dieser rechtsverbindlichen Klassifizierung verpflichtet. (1,2,3)

MCS ist eine körperliche Behinderung, aber…
Multiple Chemical Sensitivity (MCS) ist in Deutschland seit 2005 als körperliche Behinderung anerkannt (Ziffer 26.18, Register Einschränkung des Bewegungsapparates). Der Behindertenstatus wird auf Antrag im Einzelfall zugebilligt. Behinderte dürfen laut geltendem Recht nicht diskriminiert werden und stehen unter besonderem Schutz. Chemikaliensensible spüren jedoch wenig von der Sicherheit, die ihnen von Rechts wegen gewährt wird, im Gegenteil. Sie werden aufgrund von (teils bewusster) Desinformation als psychisch Kranke abgestempelt, obwohl der internationale wissenschaftliche Sachstand klar darlegt, dass es sich um eine körperliche Krankheit handelt. Ein Kriterium dafür sind die Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht (AHP), wie man nachfolgend erkennen kann:

In Deutschland wurde MCS im Jahr 2004 erstmals als Behinderung eingegliedert, jedoch hatte man Chemikalien-Sensitivität (MCS) und Chronische Erschöpfung (CFS) sehr zum Leidwesen der Erkrankten und deren Ärzte in den Leitlinien unter Ziffer 26.3 „Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, psychische Traumen“ gelistet. Die Erkrankten und ihre Ärzte empfanden diese Einstufung zu Recht als Diskriminierung, was zu einer Neueingliederung im Jahr 2005 führte. (4) Seitdem werden MCS und CFS unter Ziffer 26.18 „Haltungs- und Bewegungsapparat, rheumatische Erkrankungen“ geführt. Zwar kann seither beim Vorliegen einer besonders schweren MCS ein GdB von mehr als 50 zuerkannt werden, aber in den Leitlinien befindet sich noch immer ein Punkt der Diskriminierung. MCS ist zwar körperlichen Einschränkungen zugeordnet, jedoch steht in der AHP Fassung 2008 zu lesen:

„Die Fibromyalgie und ähnliche Somatisierungssyndrome (z.B. CFS/MCS) sind jeweils im Einzelfall entsprechend der funktionellen Auswirkungen analog zu beurteilen.“

Diese Bewertung „ähnliche Somatisierungssyndrome“ verwundert, denn bereits 1998 hatte der ärztliche Sachverständigen Rat, Sektion Versorgungsmedizin, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, folgende Aussage getätigt:

„Gemäß Beschluss sind so genannte Umweltkrankheiten, wie das „MCS-Syndrom“,  die mit vegetativen Symptomen, gestörter Schmerzverarbeitung, Leistungseinbussen und Körperfunktionsstörungen, etc. einhergehen, grundsätzlich als Behinderung nach dem Schwerbehindertenrecht SGB IX anerkannt. Es wird darauf hingewiesen, dass psychische oder psychiatrische Krankheiten nicht mit dieser Einstufung verbunden sind.“ (5)

MCS Patienten-Initiative reklamiert Diskriminierung Behinderter
Die MCS Patienten-Initiative gegen Diskriminierung trat in Aktion und schrieb das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales an und erwirkte, dass der derzeitige Passus, in dem die Erkrankung MCS unangebrachter Weise als Somatisierungsstörung bezeichnet wurde, nun endgültig von diskriminierenden Bezeichnungen befreit und  geändert wird: (6)

Abschrift des Briefes vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Bezug auf MCSBundesministerium
für Arbeit und Soziales

MCS Patienten-Initiative
gegen Diskriminierung

Bonn, 21.November 2008

Feststellung nach dem Schwerbehindertenrecht

Sehr geehrte Frau xxx

Wie im Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Herr Thönnes angekündigt, erfolgt nun die Antwort auf Ihr Schreiben vom 29.09.2008, nachdem der Sachverständigenbeirat Versorg-ungsmedizin getagt hat.

Die Sachverständigen haben empfohlen, den Satz

„Die Fibromyalgie und ähnliche Somatisierungssyndrome (z.B. CFS/MCS) sind jeweils im Einzelfall entsprechen der funktionellen Auswirkungen analog zu beurteilen.“
durch
„Die Fibromyalgie, Chronisches Fatigue Syndrom (CFS), Multiple Chemical Sensitivity (MCS) und ähnliche Syndrome sind jeweils entsprechen der funktionellen Auswirkungen analog zu beurteilen.“
zu ersetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Dr. Christa Rieck
Bundesministerium
für Arbeit und Soziales


Diskriminierung in Gutachterleitlinien beendet
In den Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht (AHP) für das kommende Jahr 2009 wird, wie im Schreiben des Bundesministeriums angekündigt, der betreffende Passus, der die Krankheit MCS als „Somatisierungsstörung“ bezeichnete, abgeändert.

Bedeutung für Chemikaliensensible
Den AHP kommt zwar keine Rechtsnormqualität zu, sie sind aber auch nicht nur als unverbindliche Richtlinien für medizinische Sachverständige zur Bewertung von Sachverhalten aufzufassen. Vielmehr handelt es sich bei den AHP nach der ständigen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG), die vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde, um ein antizipiertes Sachverständigengutachten, das den aktuellen Wissens- und Erkenntnisstand der herrschenden medizinischen Lehrmeinung, d.h. der so genannten Schulmedizin, wiedergibt. Als einleuchtendes, abgewogenes und in sich geschlossenes Beurteilungsgefüge ermöglichen die AHP der Verwaltung und den Gerichten unter Wahrung des allgemeinen Gleichheitssatzes den zutreffenden MdE-Grad bzw. nunmehr GdS für eine Schädigungsfolge oder den GdB für eine Teilhabebeeinträchtigung zu bestimmen. (7)

Fazit für Chemikaliensensible
Durch die Eingliederung von MCS als körperliche Krankheit, der neuen Formulierung in den AHP und der Einklassifizierung von MCS als körperliche Krankheit im ICD-10 haben Chemikaliensensible endlich alles in der Hand, um ihre Krankheit auf Antrag als körperliche Behinderung anerkannt zu bekommen.

Wie aus den oben aufgeführten Tatsachen eindeutig ersichtlich, ist also die Klassifizierung von MCS als eine körperliche und nicht psychische Erkrankung in Deutschland allgemein rechtsverbindlich.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 24.12.2008

Literatur:

  1. DIMDI Schreiben an CSN, MCS ICD-10, 04.09.2008
  2. DIMDI Schreiben, 04.09.2008
  3. Bundesministerium für Gesundheit, Anwendung der ICD-10 in der vertragsärztlichen Versorgung nach § 295 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch, 18.12.1995
  4. BMGS Berlin, MCS Ziffer 26.18, Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit, Anhaltspunkte 2005
  5. Ärztlicher Sachverständigen Rat, Sektion Versorgungsmedizin, Bundesministerium für Arbeit, TOP 1.9, Nov. 1998.
  6. Dr. Christa Rieck, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Schreiben „Feststellung nach dem Schwerbehindertenrecht“ vom 21.11.2008
  7. Anhaltspunkte 2008, Rechtsnatur der Anhaltspunkte, Schillings/Wendler 08/2008

Interessante Artikel zum Thema:

MCS / CFS Tagung in Bern – Bericht eines Umweltkranken

MCS -Der Schlüssel zum besseren Verstehen

Erlebnisbericht von Jörg Müller zur umweltmedizinischen Tagung über MCS und CFS am 3.12.2008 in Bern:

Als ich hörte, dass Prof. Pall in die Schweiz kommt, dachte ich: Super! Das ist der Mann, der bei MCS den Durchblick hat –  ich hatte bereits von ihm gelesen.

So fuhr ich an diesem Mittwoch nach Bern, betrat den grossen Hörsaal des Inselspitals, traf einzelne Bekannte und lernte Heidi Streminger von MCS-SOS kennen. Diese motivierte mich, einige Zeilen zu diesem Anlass zu schreiben.

Interessante Vorträge
Den stärksten Eindruck an diesem Nachmittag hinterliess bei mir Dr. Binz aus Trier.
Sein Engagement für seine Patienten und die Wahrheit beeindruckten mich sehr. Es war erschreckend, wie viele Menschen bei der Arbeit durch Umweltschadstoffe ganz schlimm erkrankten. Wir bekamen zu sehen, wie ihre Hirne zerstört sind.

Silvia Müller bereitete mir Freude. Schön, dass sie sich so gut von ihrer Krankheit erholt hat, sie, die nahe am Tod war. Eine Ermutigung für alle.

Prof. Pall bewundere ich wegen seiner wissenschaftlichen Leistung. Er schaffte einen Durchbruch im Verständnis von MCS. Zum Glück hatte ich vorher schon in seinem Buch gelesen, sonst hätte ich kaum etwas verstanden. Sein Modell von MCS ist sorgfältig begründet und klar. Allerdings abstrakt, weil reine Biochemie, aber hilfreich, weil es zu einer Therapie führt, die an den Ursachen ansetzt.

Nach fast fünf Stunden ging ich nach Hause, zufrieden und gestärkt (aber wegen Belastung zitternd und frierend, was sich aber bald legte, zum Glück).

Was bleibt?
Vereinfacht: Die Krankheit MCS ist weitgehend geklärt. Es handelt sich um eine Entzündungsreaktion, die aus dem Ruder gelaufen ist. Und zwar, weil im Vergleich zur Belastung nicht genügend entzündungshemmende Stoffe und Antioxidantien im Körper waren und sind.
Es ist falsch zu sagen, diese Krankheit sei rein psychisch. MCS betrifft aber häufig Nervenzellen, dadurch können psychische Funktionen beeinträchtigt sein. Die Therapie besteht demnach vor allem in der Gabe von entzündungshemmenden und antioxidativ wirkenden Stoffen.
Sehr wichtig dabei: Nur eine Kombination von vielen Nährstoffen, zum Teil in hohen Dosen, ist wirksam.

Prof. Pall empfahl mehrere Maßnahmen

  1. Hohe Dosen Vitamin C als Infusion (12g und mehr, anfangs etwa zweimal wöchentlich)
  2. Hohe Dosen Vitamin B12 (5-10mg anfangs sehr häufig), nicht zum Ausgleich eines Mangels, sondern als Entzündungshemmer
  3. Dazu eine Vielzahl von Nährstoffen in Kapseln zur täglichen Einnahme

Ähnlich therapieren schon verschiedene Ärzte mit Erfolg. Die Wirksamkeit von Prof. Palls Nährstoffkombination wird derzeit noch geprüft. Von ersten klaren Erfolgen konnte er bereits berichten.

Diese Nährstoffe ersetzen aber nicht die bisher bekannten Massnahmen, diese bleiben unerlässlich:

  1. Belastungen minimieren, vor allem chemische
  2. Bewegen an frischer Luft
  3. Metalle aus dem Körper entfernen, vor allem Quecksilber
  4. Gesunde Ernährung inklusive Darmsanierung unter Beachtung von Allergien, z.B. eine Mittelmeerdiät, reich an Antioxidantien und gesunden Ölen
  5. Eventuell zusätzlich Schadstoffausleitung durch Niedertemperatursauna und Massagen
  6. Sauerstoffgaben und andere Massnahmen sind unter Umständen sehr hilfreich. Vermutlich wirken sie aber eher unterstützend und lindernd als heilend

Mir war und ist es auch nicht möglich, all dies durchzuführen. Aber ich bleibe dran durch alle Entmutigungen hindurch. Es geht mir auch viel besser und dafür bin ich sehr dankbar.

Dieser Nachmittag mit Prof. Pall hat mir gezeigt, dass MCS therapierbar, vielleicht sogar heilbar ist.

Autor: Jörg Müller für MCS-SOS, Dezember 2008

Weitere Artikel über die Arbeiten von Prof.Martin Pall:

MCS-SOS: Umweltmedizinische Tagung zu den Themen MCS und CFS in Bern

Ein kurzer Überblick zum Vortrag von Prof.Dr. Martin Pall

Ende einer Kontroverse Martin Pall’s MCS Theorie

MCS-SOS: Umweltmedizinische Tagung zu den Themen MCS und CFS in Bern

Prof.Dr. Martin Pall

Multiple Chemical Sensitivity – MCS, unter diesem Titel fand am 3. Dez. 2008 ein Nachmittag zu den Themen MCS und CFS am Inselspital in Bern statt.

Eröffnet wurde der Anlass mit einer Begrüßungsrede durch Nationalrätin Frau Dr. med. Yvonne Gilli.

Silvia K. Müller / BernAnschließend erzählte Silvia K. Müller, Leiterin des Chemical Sensitivity Network Deutschland, vom Beginn ihrer Krankheit (Vortrag) und deren Auswirkungen auf ihr Leben. (Powerpoint Präsentation zum Vortrag)

Dr. med. Peter Binz, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie aus Trier, schilderte Beispiele aus seiner langjährigen Praxiserfahrung mit Chemikaliengeschädigten, zeigte Diagnosemöglichkeiten und klärte über die wichtigsten gefährlichen Stoffe auf.Dr. Peter Binz / Bern

Während der Pause nutzten viele die Auslage des Informationstisches, naschten von den Backwaren, welche von Vereinsmitgliedern gespendet worden waren, und degustierten verschiedene PureNature-Produkte, welche uns von der Firmenleitung zur Verfügung gestellt worden waren. Bei der Gastronomie des Inselspitals gab es die Möglichkeit, diverse Getränke zu kaufen. Nach dieser Auflockerung hielt der Regionalleiter des CFS-Vereins, Patrick Caduff, seinen Vortrag, in dem er die alltäglichen Einschränkungen von CFS-Patienten sehr eindrucksvoll schilderte.

Und dies war dann eine ausgezeichnete Überleitung zu dem doch sehr wissenschaftlichen Vortrag von Dr. Martin L. Pall. Der bekannte Professor der Biochemie wurde von der Europäischen Akademie für Umweltmedizin e.V. nach Europa eingeladen, und davon konnten nun auch wir in Bern profitieren. Dr. Pall hielt sein Referat zum Thema „Der NO/ONOO Zyklus“ in englischer Sprache. Seine Präsentation und weiteres Informationsmaterial kann man bei Interesse über unsere Vereinsadresse anfordern.

Dr. Roman LiethaHervorragend moderiert wurde der gesamte Nachmittag mit anschließender Diskussionsrunde von Dr. med. Roman Lietha. Er ist Vorstandsmitglied der Fachgesellschaft Ernährung und Orthomolekularmedizin FEOS.

Unterstützt wurden wir zusätzlich durch Dr. med. Klaus Tereh, welcher im Hintergrund für uns wichtige organisatorische Punkte übernahm. Erwähnen möchten wir auch den hervorragenden Service des Inselspitals. Besonders die Technik des Hörsaals leistete sehr gute Arbeit und wir konnten uns vollumfänglich auf sie verlassen.

Nun gilt es, die letzten Rechnungen zu begleichen, und wir sind sehr dankbar, dass uns die MCS-Liga Schweiz, der CFS-Verein Schweiz und diverse Spender bei der Mitfinanzierung unterstützen.

Während des gesamten Nachmittages wurden professionelle Filmaufnahmen gemacht. Daraus wird nun eine Doppel-DVD produziert, welche nach Fertigstellung beim Veranstalter Verein MCS-Selbsthilfeorganisation Schweiz – ev. nach Absprache auch bei den beteiligten Institutionen – gegen einen angemessenen Betrag bezogen werden kann. Bestellungen können schon jetzt entgegen genommen werden. Auch ich freue mich auf diese Dokumentation mit deutscher Synchronisation des Referates von Dr. Pall, denn ich vertrug den Hörsaal überhaupt nicht und verbrachte den größten Teil der Zeit im Foyer. Aus diesem Grund habe ich Jörg Müller gebeten, einige Zeilen aus der Sicht eines Besuchers und Zuhörers zu schildern Vielen Dank an Jörg Müller für seinen nachfolgended im Blog erscheinenden Beitrag!

Zum Schluss möchte ich mich im Namen unseres Vereins noch einmal bei allen herzlich bedanken, die diesen Nachmittag überhaupt möglich gemacht und sich in irgendeiner Weise dafür eingesetzt haben.

Heidi Streminger Präsidentin der MCS-Selbsthilfeorganisation Schweiz: MCS-SOS

Weitere Artikel zu Prof. Dr. Martin Pall:

Pestizide als Ursache von Multiple Chemical Sensitivity / MCS seit Jahrzehnten bekannt

Ursachen für Chemical Sensitivity seit über 4o Jahren bekannt

Veröffentlichungen aus verschiedenen Ländern legen schlüssig dar, dass verschiedene Auslöser für Chemikaliensensitivität (WHO/ICD-10 T.78.4) seit Jahrzehnten bekannt sind.

Epidemiologische Studien führen immer wieder Pestizide als Hauptauslöser an, dass Menschen plötzlich beginnen, auf Alltagschemikalien in geringster Konzentration zu reagieren. Sie reagieren auf Ausdünstungen von Zeitungen, Parfums, Weichspüler, Benzin, Abgasen und vielem mehr mit vielfältigen Symptomen. Als häufigstes Symptom werden Kopfschmerzen genannt, aber die Bandbreite reicht von Atemwegsbeschwerden, Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit. Die Krankheit ist bis dato nicht heilbar, und die Vermeidung von Chemikalien gilt als wichtigste Therapiemethode, um den Verlauf mildern oder zu stoppen.

Die erste Veröffentlichung, dass Pestizide MCS auslösen können, ist schon über Vierzig Jahre alt. Im Jahr 1966 wurde in den USA in einer medizinischen Fachzeitung für Arbeitsmedizin bereits über Pestizide als Auslöser von MCS geschrieben. Tabershaw und Cooper hatten bei 19% von 111 Patienten aus Kaliforniern neben einer Berufserkrankung durch Organophosphatpestizide eine Chemikaliensensitivität diagnostiziert. Es folgten etliche weitere Veröffentlichungen und Studien von verschiedenen Wissenschaftlern und Medizinern, die Pestizide als Auslöser von Chemikaliensensitivität benennen. Wir werden nach und nach entsprechende Studien vorstellen.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 16.12.2008

Literatur:
Tabershaw IR, Cooper WC. Sequelae of acute organic phosphate poisoning. Journal of Occupational Medicine, 1966 Jan;8(1):5-20

CSN Blog Top 10 – die beliebtesten Artikel im Monat November

Nikolaus bei der Auswertung der CSN-Blog Top 10

CSN Blog Top 10 – die beliebtesten Artikel im Monat November

Die nachfolgenden Artikel wurden von den Lesern im CSN-Blog im Monat November am häufigsten gelesen:

  1. MCS – Multiple Chemical Sensitivity – Eine Krankheit, die in Deutschland nicht sein darf
  2. Multiple Chemical Sensitivity steht für ein Leben voller Verzicht. Was vermisst Ihr am Meisten?
  3. Fibromyalgie: SPECT Diagnostik findet Ursachen für chronische Schmerzen
  4. Kunststoffe, Plastik – ein Segen oder Albtraum für Mensch und Umwelt?
  5. Das Grauen hat einen Namen: CSN Halloween
  6. Golfkriegsveteranen leiden unter einer realen Krankheit, die durch toxische Chemikalien verursacht wurde
  7. Duftstoffe sind Teil unseres Alltags. Kann man sich davor schützen oder ist man ihnen hilflos ausgeliefert?
  8. Elektrosensibilität ist keine Schizophrenie – eine sozialpsychiatrische Replik
  9. Depressionen: Nicht immer ist die Psyche schuld
  10. Sick Bulding Syndrome: Wissenschaftlerin warnt vor Schimmelpilzen als Ursache

MCS Schutzengel Helene: Auch mit MCS kann man aktiv werden

Schutzengel sind immer da wenn man sie braucht

Ein Leben mit Chemikaliensensitivität zu meistern, verlangt einem so Einiges ab. Jeden Tag zeigt uns die Krankheit aufs Neue, wo´s langgeht, MCS  bestimmt den Tag. Das erleben wir MCS-Schutzengel am eigenen Leib, genauso wie Ihr. Durch die Gespräche mit Euch erfahren wir, dass wir eigentlich alle mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Schön ist es festzustellen, das wir uns oft gegenseitig helfen können, gegen die Grenzen der eigenen Möglichkeiten anzukämpfen. Sehr oft hilft es schon, wenn man jemanden hat, der einen ab und zu mal anspornt und Mut zuspricht. Ich versuche immer zu denken, wenn es mir gerade mal wieder besonders übel geht, dass es den anderen MCS Betroffenen und Schutzengeln ähnlich ergeht und es irgendwie weitergehen muss. Also Verkriechen und Aufgeben geht nicht, wir schaffen das!

Mit ein bisschen Glück lassen Erfolge nicht lange auf sich warten
Erfreulicherweise gibt es auch dieses Jahr viel Positives zu berichten, denn immerhin haben einige von uns die EU-Rente zugesprochen bekommen. Wir MCS-Schutzengel versuchen, Euch in Euren Renten- und Schwerbehindertenverfahren so gut zu unterstützen wie es geht, und Mut zu machen, die entsprechenden Anträge zu stellen.

Ich weiß, das ist nicht neu, aber viele vergessen, dass uns wichtig ist, Euch dabei zu helfen, dass Ihr nicht aufgebt. Es ist äußerst wichtig, dass Ihr alle selbst aktiv werdet und hartnäckig am Ball bleibt. Ihr werdet sehen, die Mühe und die Strapazen werden belohnt, da bin ich mir sicher. Mit ein bisschen Glück gehen solche Verfahren mitunter sogar äußerst schnell über die Bühne. Ich weiß von einer Mitbetroffenen, dass ihrem Rentenantrag innerhalb von 3 Monaten stattgegeben wurde. Das hat alle MCS-Schutzengel ganz besonders gefreut.

Aktiv helfen, dann tut sich was im Land
Wir  müssen versuchen, nicht an MCS zu verzweifeln, und dürfen nicht zulassen, dass wir durch die starken Beschwerden passiv werden. Wenn wir selbst aktiv werden, uns gegenseitig Mut machen, bringt das sehr viel, auch für unser seelisches Wohlbefinden. Z. B. haben mir einige am Telefon freudig von ihren Erfolgen beim Verteilen der MCS-Flyer berichtet. Eine Friseurin hätte den Flyer intensiv gelesen und daraufhin ihre Kosmetikprodukte umgestellt. Sie verwände keinen Schaumfestiger mehr, habe sich auch schon länger die Haare nicht mehr gefärbt, seitdem hätte sie keine Schuppen mehr und ihre Gesichtshaut sei nicht mehr so trocken und so gereizt. Auch ihre Nasenschleimhäute hätten sich seither beruhigt. Sie fragte sogar, ob sie für ihre Familie und Freunde ein paar Flyer bekommen könne.

Eine Arzthelferin, die interessiert nachhakte, wie sich MCS denn bemerkbar mache, berichtete, dass sie ihr Kind nur noch in parfümfreiem Babybad bade, und siehe da, die Gesichtshaut ihrer Kleinen sei seitdem nicht mehr gerötet. Sie regte sich auch auf, dass alles parfümiert sein müsse, sogar die Babywundcreme. Für was?!

Ein Physiotherapeut einer MCS Patientin, die die MCS-Flyer in seinem Therapiezentrum auslegen durfte, erzählte ihr, dass sein Vater so stark auf Düfte reagiere, er bekäme sogar starke Reizungen der Nasenschleimhäute davon. Beim weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sein Vater früher in einer Gärtnerei gearbeitet hätte und oft mit Pestiziden Kontakt hatte. Auch dieser Krankengymnast war ein dankbarer Abnehmer des MCS-Flyers.

So, das waren einige der vielen Beispiele, die uns angetragen wurden. Aber eines kann man positiv feststellen, die angesprochenen Menschen sind sehr am Thema MCS interessiert, die meisten von ihnen haben auch Flyer für ihren eigenen Bedarf mitgenommen. Auch durften die MCS-Flyer fast ausnahmslos ausgelegt werden, und es sind schon viele Tausend in Umlauf gekommen.

Die Lawine rollt bereits
Wenn man dann die Entwicklung im Fernsehen beobachtet, wie viele Umweltsendungen aktuell ausgestrahlt werden – ich kann Euch sagen, das, was Einige im Forum geschrieben haben, kann ich nur bestätigen, die Lawine der Aufklärung ist in vollem Gange, die Menschen sind interessiert, viele Arztpraxen und Apotheken haben unseren MCS-Flyer ausgelegt, und ich bin davon überzeugt, das ist erst der Anfang. Durch die Flyer-Aktion wird sich bestimmt noch das eine oder andere Positive entwickeln. Ein schöner Nebeneffekt der Flyer-Aktion, viele MCS Kranke haben eine sinnvolle Aufgabe, die Erfolge zeigt. Das ist wichtig für das eigene Wohlbefinden, denn wenn man Schönes erlebt oder Erfolge verzeichnen kann, geht es einem doch gleich viel besser.

Mit dem MCS-Kreativ-Team über seinen Schatten wachsen
Auch das „MCS-Kreativ-Team“, das sich gerade formiert, wird sicherlich ein Erfolg für uns alle. Unsere Köpfe werden mit absoluter Sicherheit wundervolle Ideen hervorzaubern, die es dann wiederum umzusetzen gilt. Und das Tolle ist, jeder kann dabei sein. Ganz ohne Zwang und ohne Stress, jeder kann sein Geschick einbringen, so wie er kann.

Toll finde ich z B. die Idee von Karlheinz, die ich beim Stöbern im Forum entdeckte. Karlheinz schlägt vor, einen Beitrag für seine ehemalige Schule, und somit für die Schülerzeitung zu schreiben, wie seine Träume zerplatzt sind und sich sein Leben  „dank“ MCS entwickelt hat, bzw. was dadurch alles nicht mehr machbar ist und war. Das ist die beste Art der Aufklärung, denn Tatsachenberichte bewirken Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die Chemikaliensensitivität auf alle Fälle verdient und die Krankheit vielleicht sogar bei Manchen verhindern kann, weil sie etwas ändern in ihrem Leben.

Also, Ihr merkt selbst, bereits im Vorfeld ist die Sache schon recht spannend, und wartet ab, auch bei Euch schlummern ungeahnte Fähigkeiten und Gedankengänge… Meldet Euch, wenn Ihr mitmachen möchtet.

Ich hoffe, Euch mit meinem heutigen Bericht ein wenig angespornt zu haben, dass jeder aktiv werden kann, und Ihr wisst doch auch, dass dies auch wichtig ist, für uns und für andere. Auch wir MCS Kranke haben Möglichkeiten, die wir allesamt ausschöpfen sollten.

Auf Eure Anregungen freue ich mich, und wenn Euch noch Ideen einfallen, schreibt sie mir.

In diesem Sinne, nur Mut und ran ans Werk,

Eure Helene

Weitere Artikel von MCS Schutzengel Helene:

Richter beschließt: Prozess wegen Multiple Chemical Sensitivity & Parfum kann weitergehen

Krank durch Parfum - Sick from Perfume

Angestellte der Stadt Detroit verklagt Arbeitgeber wegen Parfüm einer Mitarbeiterin

Eine Angestellte einer Planungsbehörde aus Detroit hatte im vergangenen Jahr die Stadt verklagt, weil das starke Parfüm einer Mitarbeiterin ihre Arbeitsfähigkeit verhinderte. Der Gerichtsprozess wurde 2007 vor dem US Bezirksgericht in Detroit erstmals verhandelt. Die Stadt plädierte auf Nichtzulassung der Klage, der Richter entschied am vergangenen Dienstag, dass die Klägerin einen berechtigten Grund hätte und der Prozess weiter fortgeführt würde. Aussicht auf Erfolg besteht, wie ein ähnlicher Fall beweist.

Durch Parfum arbeitsunfähig
Susan McBride behauptete, dass sie schwer sensibel auf Parfüm und andere Kosmetika reagiere. Die Klageschrift legt dar, dass die Mitarbeiterin einen starken Duft benutze und einen Raumduftvernebler im Arbeitsraum betrieb, der dafür sorgte, dass McBride krank nach Hause gehen musste. Die Dame willigte später zwar ein, damit aufzuhören, den Raumduftvernebler zu betreiben, benutzte aber weiterhin ihr Parfüm.

Die Anklageschrift McBrides besagte, dass ihre Arbeitsumgebung den Americans with Disabilities Act, die amerikanische Schwerbehindertengesetzgebung, verletze. McBride bat um ein Verbot solcher Duftstoffe auf ihrem Arbeitsplatz und führte Atemwegsbeschwerden und unspezifische Symptome an.

Folgen mangelnder Rücksichtnahme
In einem Medienbericht über den Rechtsstreit von Susan McBride wurden im vergangenen Jahr weitere Fakten offenkundig. McBride hatte ihre Arbeit bei der Planungsbehörde im Jahr 2000 angetreten. Die vorgebrachten Probleme begannen im Juli 2006, als eine neue Kollegin in die Abteilung kam. Sie wurde augenblicklich krank durch deren Parfum und persönlichen Raumduftvernebler.

McBride berichtete damals, dass sie seitdem signifikante Zeit von ihrer Arbeit fernbleiben musste. Sie hätte sogar eine Fertilitätsbehandlung abbrechen müssen, weil sie wegen der immer stärker werdenden Sensitivitäten andere Medikamente nehmen musste.

Richter erkennt Beschwerden an
Gegenüber der Tageszeitung Detroit News gab Richter Zatkoff zu verstehen, dass Susann McBride ausreichend Nachweis erbracht hätte, dass ihre Atmung signifikant eingeschränkt sei durch das Parfum einer Mitarbeiterin und dass es eine mögliche Beschwerde gemäß dem staatlichen Gesetz zum Schutz von Behinderten sei, das dazu diene, Behinderte vor Diskriminierung an öffentlichen Orten und Arbeitsplätzen zu schützen. Es sei jedoch nicht klar, ob die Stadt angemessene Schritte eingeleitet hätte, um McBrides Beschwerden entgegenzukommen. Über die Ausführungen der Klägerin, dass ihre Chemikaliensensitivität auch ihre Fähigkeiten, einkaufen zu gehen, zu sprechen, mit anderen in Kontakt zu treten und sich fortzupflanzen behindere, ging der Richter bisher hinweg.

Alison Johnson, Vorsitzende der Chemical Sensitivity Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Rechte Chemikaliensensibler einsetzt, sagte gegenüber der Zeitung Detroit News:

„Diese Sensitivitäten gegenüber Parfum sind sehr real, und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viele Leben sie ruinieren. Vielleicht ist dies ein Anfang, um anzuerkennen, dass diese Dinge sehr ernsthaft sind.“

McBride kämpfe in erster Linie nicht um Geld, sondern um die Menschen über diese Thematik aufzuklären und um freiwillige Kooperation zur Unterstützung der Betroffenen zu erwirken, dort wo es möglich ist, teilte ihr Anwalt mit.

Aussicht auf Erfolg

Der Fall von Susann McBride hat Aussicht auf Erfolg. Im Jahr 2005 gewann DJ Eric Weber 10.6 Millionen Dollar durch einen Urteilsspruch gegen ihren Arbeitgeber WYCD (99.5 FM), nachdem sie erklärt hatte, dass sie durch das Parfüm eines Radiokollegen krank gemacht wurde. Aber Bezirksrichter George Caram Steeh reduzierte die Urteilssumme auf 814.000 Dollar, weil für ihn der Beweis nicht klar war, dass Weber Parfümallergie habe.

Die Verhandlung des McBride Falles wird für nächstes Jahr erwartet. Der Anwalt von McBride und Alison Johnson, die Vorsitzende der Stiftung für Chemikaliensensible, sagten am Mittwoch einstimmig, dass Richter Zatkoff’s Entscheidung, den Fall weiter zu verhandeln, äußerst signifikant sei.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 27.11.2008

Situation der Umweltmedizin in Kanada & Studie über Multiple Chemical Sensitivity

Umweltmedizin in Nova Scotia

In dieser Woche wurde von kanadischen Umweltmedizinern eine neue MCS-Studie veröffentlicht, die auf Störungen des Autonomen Nervensystems bei Chemikaliensensiblen hindeutet. Chemical Sensitivity (MCS) ist eine weltweit verbreitete Erkrankung, über die bisher fast 1000 wissenschaftliche Studien (peer reviewed) veröffentlicht wurden. Mitautor der aktuellen Studie ist der kanadische Prof. Dr. Roy Fox, Leiter der ersten staatlich finanzierten Umweltklinik weltweit und Professor für Medizin an der Dalhousie University in Halifax. Eine weitere staatlich finanzierte Forschungseinrichtung, die im kommenden Frühjahr eröffnet werden wird, bestätigt Kanadas innovative Einstellung gegenüber der Umweltmedizin und Umweltkrankheiten.

Aus Schaden klug zu werden
In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Unglücksfälle oder Katastrophen zu mehr Verständnis für die Situation von Umweltkranken und Chemikaliensensiblen führten. In den USA leugnet man die Existenz von Sick Building Syndrome nicht mehr ab, seit Mitarbeiter der U.S. Umweltschutzbehörde EPA im neu bezogenen Headquater, der Waterview Mall, krank wurden. Einige der Mitarbeiter konnten fortan nur noch von Zuhause arbeiten, während andere überhaupt nicht mehr in der Lage waren zu arbeiten, und viele von ihnen wurden zusätzlich chemikaliensensibel.

In Kanada passierte Ähnliches. Dort wurden zwischen 1989 und 1993 mehr als 800 von über 1100 Mitarbeitern des Camp Hill Hospital in Halifax durch Chemikalien krank. Rund hundert dieser Hospitalmitarbeiter können bis heute nicht mehr arbeiten und kämpfen um ihr Recht. Ein Amin eines Rostschutzmittels (Diethylaminoethanol) war damals über ein defektes Lüftungssystem in die Innenraumluft des Hospitals gelangt. Man hatte einen Befeuchter an das defekte Lüftungssystem angeschlossen, der mit Wasser gespeist wurde, das aus dem Dampfheizungssystem stammte.

Dieser Unglücksfall führte zur Gründung des Nova Scotia Environmental Health Centre im Mai 1997, der ersten staatlich finanzierten Umweltklinik weltweit, die auch Chemikaliensensible erfolgreich behandelt. Mehr als 800 Patienten stehen derzeit auf der Warteliste der Umweltklinik, die mit schadstoffarmen Baumaterialien gebaut wurde und von Anfang an selbst für Chemikaliensensible zu betreten war.

MCS, eine Krankheit, die Gegner hat
Doch auch in Kanada gibt es wie überall auf der Welt neben Befürwortern auch notorische Gegner von Umweltkrankheiten und spezial bezüglich MCS. Ein interessanter Bericht über die Situation in Kanada wurde von einer Medizinerin dem Beratungsausschuss des Gesundheitsministeriums im Fall des Camp Hill Hospital unterbreitet. Er verdeutlicht die dortige Diskussion über Umweltkrankheiten (MCS, SBS, EHS) und die Kontroverse, die von manchen interessengebundenen Gegnern bewusst eingebracht wird, anschaulich.

Dr. Patricia Beresford, BA, MD:
„Report on Environmental Hypersensitivity in response to the Report of the Advisory Committee to the Minister of Health“, Province of Nova Scotia, January 5, 1998

Dr. Beresford legte in ihrem Bericht dem Ausschuss unter anderem dar, dass eine hohe Notwendigkeit bestünde, Behandlungseinrichtungen zu schaffen, da Tausende von Umweltpatienten aus Nova Scotia und den anderen kanadischen Provinzen auf angemessene Behandlung warteten. Selbst Notfallpatienten mit Anaphylaxie oder schweren neurologischen Symptomen müssten Monate auf adäquate umweltmedizinische Behandlung warten. Sie kritisierte in ihrer Antwort an den Untersuchungsausschuss auch dessen Konzept von beharrlichem „Aufrechterhalten der beruflichen Beschäftigung“, während sie die Auffassung vertrat, dass die Krankheit klinisch gesehen weiter fortschreitet, wenn ein Angestellter weiter in einer Umgebung mit toxischer Belastung arbeiten müsse.

Hinweis auf Fehlfunktion des autonomen Nervensystems
Während man sieht, dass auch in Kanada kontroverse Diskussionen stattfinden, gehen patientenorientierte Mediziner jedoch währenddessen kontinuierlich daran, Ursachen und Folgen von Umweltkrankheiten und insbesondere MCS zu erforschen.

Die Wissenschaftler der aktuell erschienenen MCS-Studie sind der Auffassung, dass klinische Beobachtungen darauf hindeuten, dass Frauen mit MCS möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Fehlfunktionen des vegetativen (autonomen) Nervensystems haben, wie sie sich in abnormen Werten für Herzfrequenz und Amplitude (Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck) nach Belastung ausdrücken.

Das Wissenschaftlerteam untersuchte 17 weibliche MCS-Erkrankte mittels Impedanz-Kardiographie und erhob hämodynamische Messwerte, im Sitzen und sofort nach dem Aufstehen.

Als Reaktion auf das Aufstehen sahen die hämodynamischen Messwerte folgendermaßen aus:

  • gesteigerte Herzfrequenz / Herzschlagfrequenz (p < 0,0001)
  • herabgesetztes Schlagvolumen (p = 0,002)
  • verkürzte linksventrikuläre Auswurfzeit (p < 0,0001)
  • erhöhter diastolischer Blutdruck (p = 0,01),
  • und erhöhter peripherer Gefäßwiderstand (p= 0,002)
    (Erklärung p: siehe Anhang)

Dieses Reaktionsmuster entspräche laut der Wissenschaftler zwar prinzipiell dem gesunder Menschen; die bei MCS-Erkrankten festgestellten Veränderungen fielen laut der Mediziner jedoch deutlich geringer aus als bei Gesunden. Dieses aktuelle Studienergebnis fordert weitere tiefer gehende Untersuchungen, die in der Lage sind, Veränderungen am autonomen Nervensystem bei Chemikaliensensiblen aufzudecken.

Forschung über Umweltkrankheiten geht weiter
Im nächsten Frühjahr wird in Kanada eine mit 2 Millionen Dollar budgetierte neue Einrichtung eröffnet, die sich mit der Erforschung von Umweltkrankheiten beschäftigt. Getragen wird das Projekt von der Regierung von Nova Scotia und der Dalhousie Medical School. Die Vollzeit arbeitende Einrichtung wird sich zwanzig Kilometer außerhalb von Halifax in Fall Rivers befinden.

Auch in Kanada gibt es Gegner von Umweltmedizin, die ihre Stimme erheben, wenn solche Projekte publik werden. So äußerte Dr. Kempton Hayes, ein Skeptiker in Sachen Umweltmedizin, das dieses Projekt Nova Scotia zum Gespött der medizinischen Fachwelt machen würde. Er hält MCS für „Geschwafel“.

Dr. Elaine Nepjuk, die vor Jahren selbst am Camp Hill Hospital krank wurde, unter schwerer MCS leidet und durch Behandlung am Nova Scotia Environmental Health Centre ihre Gesundheit wesentlich verbessern konnte, ist jedoch völlig anderer Auffassung, sie nannte das Vorhaben innovativ. Dass ihre Sichtweise realitätsorientiert ist, konnte uns eine vorherige Studie von Prof. Roy Fox bereits darlegen. Die Studie hatte belegt, dass die Behandlung von Chemikaliensensiblen in einer adäquaten Umweltklinik hilft, die Kosten im Gesundheitssystem zu senken.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical sensitivity Network, 22. November 2008

Übersetzung: Annamaria

Literatur:
McFetridge-Durdle J, Routledge F, Sampalli T, Fox R, Livingston H, Adams B, Hemodynamic Response to Postural Shift in Women with Multiple Chemical Sensitivities, Biol Res Nurs. 2008 Nov 17.

Erklärungen:
p = statistische Irrtumswahrscheinlichkeit / (Signifikanz)
(kleines p = kleine Irrtumswahrscheinlichkeit = das Ereignis tritt recht zuverlässig auf)

Weitere interessante Artikel über die Situation der Umweltkranken in Kanada: