Arbeitsplätze für Menschen mit Chemikaliensensitivität (MCS)

Frau mit MCS - Multiple=

Wer unter Chemikaliensensitivität oder Multiple Chemical Sensitivity (MCS) in schwerer Ausprägung leidet, hat auf dem normalen Arbeitsmarkt kaum eine Chance. Schon Alltagschemikalien aus Parfüms, After Shave oder normalen Reinigungsmitteln reichen in geringer Dosierung aus, um diese Menschen außer Funktion zu setzen. Auf normalen Arbeitsplätzen begegnet man zusätzlich regelmäßig noch vielen weiteren Chemikalien wie beispielsweise Lösemittel aus Inventar und Produktionsvorgängen, neuer Teppichboden oder belastete Drucker- und Kopiererstäube, die dieser Personengruppe bereits den Aufenthalt in den Räumlichkeiten unmöglich gestalten, geschweige denn kontinuierliche Leistung zulassen. Unsichtbare Barrieren nennt man diese Problematik im Fachjargon, weil man die Chemikalienbelastung nicht sehen kann. Anstatt Verständnis erhalten Erkrankte am Arbeitsplatz oft Gespött oder werden sogar von Kollegen bewusst Chemikalien ausgesetzt. Es gibt jedoch auch positive Projekte.

Treffender, als es Marlene Catterall aus Ottawa bei einer Debatte des kanadischen Unterhauses sagte, kann man die Situation der Umweltsensiblen kaum beschreiben:

„Es gibt da beim Management und der Regierung einige Tendenzen, die diese Probleme (Umweltsensibilitäten) nicht ernst nehmen und die glauben lassen, dass sie es mit einer Gruppe von Hypochondern zu tun haben. Ich denke, kein verantwortungsbewusster Arbeitgeber kann wirklich glauben, dass eine Gruppe von Angestellten plötzlich über Nacht zu Hypochondern wird. Dies sind sehr reale Probleme, sie sind nicht unbekannt in der internationalen Wissenschaft und verdienen sehr ernsthafte Aufmerksamkeit von der Regierung.“ (1)

Rehabilitierungsprogramm für Rehabilitierungsprogramm
Ein aktuell erschienener Bericht in der amerikanischen Fachzeitung Work setzt sich mit den Einschränkungen und Barrieren auseinander, die Chemikaliensensible (MCS) im Arbeitsleben betreffen. Wegen der Schwere der Symptome, der oft anzutreffenden Stigmatisierung und der unerfüllten krankheitsbedingten Bedürfnisse am Arbeitsplatz, müssen diese Menschen ihr Arbeitsleben sehr häufig frühzeitig beenden. Damit Chemikaliensensiblen geholfen wird, weiter arbeiten zu können oder eine neue Beschäftigung zu finden, müssen Rehabilitationsexperten die Barrieren genau verstehen, die sich für diese behinderten Menschen an einem Arbeitsplatz ergeben. Ihre Aufgabe besteht dann darin, diese Barrieren zu reduzieren oder zu beseitigen. Im Bericht in der Fachzeitschrift Work wird von Wissenschaftlern der University of Arkansas als Lösung eine „umweltmäßige Karriereentwicklung“ präsentiert, um weitere Beschäftigung von Chemikaliensensiblen durch Rehabilitationsinterventionen in Gang zu setzen und Barrieren zu beseitigen. (2) Dies ist dringend erforderlich, denn wie kürzlich in einem anderen Bericht in der gleichen Fachzeitschrift dargelegt wurde, werden Chemikaliensensible häufiger als Personen mit AIDS, Allergien, Asthma, Magenbeschwerden, Trauma oder Tuberkulose in ihrem Berufsleben diskriminiert. (3)

Arbeitsplätze, die besser für alle sind
Es gibt in den USA und Kanada seit vielen Jahren von staatlichen Behörden und Gewerkschaften geführte Programme, die für eine effektive Integration von Chemikaliensensiblen sorgen, statt sie völlig aus der Gesellschaft auszustoßen. Das erste großangelegte Programm startete 1993. Es gab dazu sogar Arbeitsbücher und ein Video für Mitarbeiter und Vorgesetzte zur besseren Veranschaulichung. (4,5,6) Besonders im Bildungsbereich gibt es zahlreiche Integrationsprogramme mit großem Erfolg. So haben beispielsweise über 30 Universitäten seit Jahren Statuten, die Duftstoffe und Einsatz von Chemikalien auf dem Campus verbieten. (7) Diese Maßnahme sorgt dafür, dass erkranktes Lehrpersonal oder Studenten mit MCS arbeiten können. (8) Professoren und gesunde Studenten haben längst den Vorteil dieser speziellen Anpassungen bemerkt und bekunden erhöhte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, seit z.B. Duftstoffe verboten sind. Auch auf privater Ebene haben Firmen unterschiedlicher Größe Arbeitsplätze geschaffen, die Chemikaliensensiblen ermöglichen, ihre Qualifikation einzubringen.

Menschenrechte gelten auch am Arbeitsplatz
Die kanadische Menschrechtskommission tritt nicht nur bei Diskriminierung von Umweltsensiblen in jedem einzelnen Fall ein, sie hat auch bereits einen Leitfaden zur Gestaltung MCS gerechter Arbeitsplätze herausgegeben. (9) Hierdurch können Betriebe ein Umfeld schaffen, dass es Umweltsensiblen ermöglicht zu arbeiten und Kollegen den Umgang mit ihnen erleichtert.

Maxwell Yalden, ehemals Vorsitzender der Kanadischen Menschenrechts-kommission, äußerste sich zur bestehenden Problematik bereits 1990 in unmissverständlicher Form: „Ich und meine Kollegen empfinden alles, was Umweltsensibilität betrifft und alle damit verbundenen Angelegenheiten als sehr bedauerlich. Es gibt eine Tendenz in vielen Kreisen, diese Erkrankung tot zu reden oder so zu behandeln, als gäbe es sie nicht. Sie schütteln ihre Köpfe; sie sagen, es gibt einfach keine Möglichkeit, mit manchen Menschen umzugehen. Unsere Einstellung jedoch ist, dass es ein Problem ist, ein echtes Problem. Es ist ein Problem, unter dem manche Menschen leiden, und sie leiden sehr schmerzhaft. Sie leiden noch mehr wegen des Demütigungsfaktors. Niemand nimmt sie ernst. Wir glauben, dass es ein großes Ausmaß öffentlicher Missverständnisse gibt, und wir möchten versuchen, sie zu beseitigen.

Wir werden jeder Beschwerde von jeglicher Person nachgehen, die glaubt, dass man sie diskriminiere, weil sie an Umweltsensibilitäten leidet. Es ist nicht an uns, über medizinische Sachverhalte ein Urteil zu sprechen – und es gibt medizinische Sachverhalte. In der Medizinwelt gibt es ein großes Ausmaß von Meinungsverschiedenheiten bzw. Fehlen von Einstimmigkeit betreffs dieses Syndroms. Wir denken, es ist klar, dass es eine Krankheit ist. Es ist ein Problem. Es ist keine Illusion. Ich denke, wir alle haben die Aufgabe, den Menschen zu helfen zu verstehen, was involviert ist und etwas dagegen zu tun.“ (10)

Chemialiensensitivität akzeptieren spart Milliarden
In Deutschland verwiesen Politiker schon 1998 darauf, dass Chemikaliensensitivität für die Betroffenen katastrophale persönliche, finanzielle und soziale Folgen hat. Insbesondere der Wirtschaft und in der Industrie entstünden jährlich Kosten in Milliardenhöhe aufgrund der nachlassenden Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. (11)

In Kanada wurden von der Environmental Illness Society of Canada noch genauere Zahlen ermittelt. Dort kostet Chemikaliensensibilität pro Jahr ca. 10 Milliarden Dollar an Produktivitätsverlust, 1 Milliarde Dollar an Steuerverlust und 1 Milliarde Dollar an vermeidbaren Kosten im Gesundheitssystem. (12)

Caress und Steinemann hatten in den USA im Jahr 2002 eine aufsehenerregende Studie mit Fakten und Zahlen über die Auswirkungen von MCS veröffentlicht. Rund 36,5 Millionen Amerikaner sind chemikaliensensibel. Bei rund 5,2 Millionen der Erkrankten kann Chemikaliensensitivität bis zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. (13)

Arbeitsplätze sichern
Viele Chemikaliensensible schleppen sich mit letzter Kraft zur Arbeit, um nicht aus dem sozialen Netz zu fallen. Sie haben Familien zu versorgen und Verpflichtungen, was ihnen keinen anderen Ausweg lässt. Doch wenn keine Änderungen durchgeführt werden, um den Arbeitsplatz chemikalienfrei zu gestalten, wird die Bandbreite der Substanzen, die Symptome auslösen, immer größer, und der Gesundheitszustand zwangsläufig immer schlechter. Das Resultat führt zu völliger Invalidität, häufig Überschuldung, Ende des Arbeitslebens und nicht selten schlußendlich zu auseinanderbrechenden Familien.

Nicht jeder Chemikaliensensible wird wieder arbeiten können, auch nicht unter schadstoffkontrollierten Bedingungen. Manche dieser Erkrankten sind auf Arbeitsplätzen tätig, die man auch mit großen Änderungen nicht umfassend schadstofffrei gestalten kann, wie z.B. Chemiker, Friseure, Laborangestellte, Anstreicher oder Schädlingsbekämpfer. Andere sind schlicht und einfach zu krank zum Arbeiten oder ihre Reaktionen zu schwerwiegend. Eine Erhebung geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Chemikaliensensiblen zu dieser Gruppe zählt. Dies trifft insbesondere für solche zu, die durch neurotoxische Chemikalien erkrankten. Die verbleibenden zwei Drittel hätten jedoch eine reelle Chance, wieder halbwegs funktionierende Teile der Gesellschaft zu werden, wenn man die entsprechenden Voraussetzungen schafft und für Akzeptanz, Verständnis und Kooperation bei den Mitarbeitern in einem Betrieb sorgt.

Wenn Chemikaliensensitivität nicht mehr länger ignoriert würde und Erkrankte dahingehend unterstützt würden, dass sie ihre Arbeit weiter verrichten können, würde dies, wie die oben genannten Studien und Aussagen belegen, Milliarden einsparen. Zusätzlich würde das unbeschreibliche menschliche Leid und finanzielle Verluste für Chemikaliensensible und deren Familien minimiert, und die Gesellschaft könnte weiterhin auf das Wissen und die Fähigkeiten vieler wertvoller Menschen zurückgreifen. Nicht zuletzt würden durch gesündere Arbeitsplätze alle profitieren.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN, Dezember 2007

Literatur:

1. Marlene Catterall, M.P. (Ottawa West), Hansard, House of Commons Debates, 5. Juni, 1990
2. Szirony GM, Kontosh LG, Koch L, Rumrill P, Hennessey M, Vierstra C, Roessler RT., An ecological approach to facilitate successful employment outcomes among people with multiple chemical sensitivity, Work. 2007;29(4):341-9
3. Vierstra CV, Rumrill PD, Koch LC, McMahon BT., Multiple chemical sensitivity and workplace discrimination: the national EEOC ADA research project, Work. 2007;28(4):391-402
4. Multiple Chemical Sensitivities at Work: A Training Workbook for Working People, New York: The Labor Institute, 1993
5. Videotape „MCS: An Emerging Occupational Hazard.“ New York: The Labor Institute, 1993
6. Job Accommodation Network, Tracie DeFreitas Saab, Accommodation and Compliance Series: Employees with Multiple Chemical Sensitivity and Environmental Illness, 01/02/06.
7. Silvia K. Müller, Duftverbot an über 30 Universitäten, CSN, Mai 2007
8. Thomas Kerns, When the day is particularly beautiful, Our Toxic Times, Dez. 2007
9. Debra Sine, Leslirae Rotor, Elizabeth Hare, Canadian Human Rights Commission, Acommodating Employees with Environmental Sensitivities, A Guide fort he Workplace, Nov. 2003
10. Maxwell Yalden, former CHair Canadian Human Rights Commission, Hansard, House of Commons Minutes of Proceedings and Evidence of the Standing Commitee on Human Rights and the Status of Disabled Persons, 10. Mai 1990
11. Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Michael Müller, Dr. A. Schwall-Düren, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/11125, 19.06.1998
12. Environmental Illness Society of Canada, Socio-Economic Study of MCS, 2001
13. Caress SM, Steinemann AC, Waddick C. 2002. Symptomatology and etiology of multiple chemical sensitivities in the southeastern United States. Arch Environ Health 57(5):429-436.

13 Kommentare zu “Arbeitsplätze für Menschen mit Chemikaliensensitivität (MCS)”

  1. Clarissa 12. Dezember 2007 um 15:58

    Das würde aber auch nur bei Jobs funtionieren, wo man im Büro oder vollkommen alleine arbeiten kann und keinen Publikumsverkehr stattfindet.

  2. Silvia 12. Dezember 2007 um 17:53

    Nicht unbedingt Clarissa. Um es zu ermöglichen sind zwar umfassende Maßnahmen erforderlich, aber es gibt Beispiele, wo dieser Weg erfolgreich gegangen wurde. In einigen Universitäten, Schulen, Kliniken oder Firmen sind Chemikaliensensible mit Publikumsverkehr, bzw. unter vielen Menschen tätig und es klappt. Man hat Duftverbot, verzichtet auf gefährliche Chemikalien, stellt Luftfilter auf, etc.

    Ich werde einen Teil II schreiben und berichten, wie man einen Arbeitsplatz für Chemikaliensensible einnrichten kann.

  3. Mary-Lou 13. Dezember 2007 um 08:41

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mir das Verständnis und Rücksichtnahme meiner Kolleginnen, wie z. B. durch Verzicht auf Parfüm, früher sicherlich sehr geholfen hätte. Wahrscheinlich hätte ich meinen Arbeitsplatz dadurch wesentlich länger halten können. Je nach Schwere des Krankheitsszustandes kann man mit „kleinen Maßnahmen“ noch Großes erreichen! Durch die Unwissenheit der deutschen Bevölkerung über Umwelterkrankungen (Ursachen und Existenz schlechthin), die mangels Aufklärung leider noch gefördert wird, bleiben wichtige und vor allen Dingen sich positiv auswirkende Maßnahmen leider außen vor. Dadurch wird das Schicksal des einzelnen Chemikaliensensiblen unaufhaltsam fortschreiten. Meiner Meinung nach könnte es anders laufen.

  4. Henriette 14. Dezember 2007 um 11:04

    Für MCS-geeignete Arbeitskräfte sollten wir gemeinsam kämpfen. Damit können wir der Öffentlichkeit auch vermitteln, dass wir nicht so sind, wie uns so mancher Mediziner gerne darstellen möchte. Denn gegen Sprüche wie „Rentenbegehren“ können am besten entgegentreten, wenn wir für Chemikaliensensible geeignete Arbeitsplätze kämpfen. Damit zeigen wir ja, dass wir wollen. Aber leider können wir nicht in normaler Umgebung, mit all ihren Hindernissen für uns, arbeiten. Hätten wir außer der Rente nichts im Sinn, wäre es leichter sie zu erhalten, wenn wir den Psychostempel, den man uns immer wieder aufzudrücken versucht, so hinnehmen würden und wegen psychischer Erkrankung in Rente gehen. Aber wir möchten Arbeitsplätze, die für MCS-Kranke geeignet sind, damit wir möglichst lange im Erwerbsleben bleiben können!

    Deshalb gilt auch hier, am Thema dran bleiben und weitermachen. Durch den Blog stehen wir in der Öffentlichkeit. Diese Möglichkeit sollten wir wahrnehmen. Leider musste ich meinen Arbeitsplatz vor einigen Jahren aufgeben. Die Arbeit fehlt mir sehr, aber das geht Euch sicherlich genauso.

    Henriette

  5. Henriette 14. Dezember 2007 um 11:32

    „Für MCS-geeignete Arbeitsplätze“ wollte ich natürlich schreiben!!!

  6. Mary-Lou 14. Dezember 2007 um 17:07

    Würden wir gemeinsam die behördliche Anerkennung von MCS erreichen, dann wäre es auch einfacher, MCS-gerechte Arbeitsplätze durchzusetzen. Da man uns die offizielle Anerkennung, außer bei wenigen Ausnahmen, immer wieder versagt, sind Arbeitsplätze für Chemikaliensensible leider in weiter Ferne. Deshalb sehe ich es als oberstes Ziel, dass wir uns weiter für die sozialrechtliche und behördliche Anerkennung von MCS einsetzen müssen. Alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sollten wir nutzen.

  7. Silvia 14. Dezember 2007 um 20:48

    Die behördliche Anerkennung existiert, sie wird jedoch aus niederen Interessengründen nicht umgesetzt. Es ist bisher eine verschwindend geringe Zahl Umwelterkrankter, die als behindert oder schwerbehindert anerkannt sind. Die Meisten haben keine Kraft zum Beantragen oder gar um eine Anerkennung zu kämpfen.

    Einen Gefallen gegenüber ihrem Land tun sich Behörden, Richter oder staatliche Gutachter nicht, die gegen Erkrankte entscheiden, denn die Allgemeinheit muß die Suppe letztendlich dennoch auslöffeln.

  8. Christobal 15. Dezember 2007 um 21:03

    Das was so manchem Chemikaliensensiblen am Arbeitsplatz widerfährt, ist als vorsätzliche Körperverletzung zu bezeichnen. Als meine Kollegen und mein Chef es raus hatten, was mit mir los ist, ging der Tanz los. Meine Kollegin im Büro legte zusätzlich auf. Mit ihrem Parfüm hat sich mit dann auch in die Knie gezwungen, ich habe aufgegeben nachdem mein Chef kein Verständnis zeigte. Es ging nicht mehr Die Kraft vor’s Gericht zu ziehen hatte ich zu dem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Jetzt habe ich Schwerbehinderung auf MCS und andere Diagnosen, leider zu spät.

  9. Mary-Lou 17. Dezember 2007 um 15:06

    Da hast Du Recht, Silvia, die behördliche Anerkennung von MCS existiert, aber eigentlich nur auf dem Papier. In Versicherungs-, Schwerbehinderten- und Rentenverfahren wird die Existenz geschickt umgangen, in dem man den MCS-Kranken somatoforme Störungen und Befindlichkeitsstörungen zugesteht, MCS jedoch in den meisten Fällen nicht.

    Man widersagt diesen Kranken praktisch ihre Rechte. Viele sind zu schwach um dagegen anzugehen oder ihnen fehlt ganz einfach die Kraft, ein solches Verfahren durchzustehen. Umweltkranke werden in Deutschland förmlich weich gekocht. Man läßt sie so langes schmoren, bis der größte Teil der Antragsteller aufgibt.

  10. yol 27. Dezember 2007 um 17:05

    Ein zentrales Problem ist wohl der Mangel an fundierten Informationen , eigentlich an alle Bürger, inklusive die, die schon an MCS erkrankt sind. Wie ist es sonst zu verstehen, dass ich immer noch Menschen treffen, die schwer an MCS erkrankt sind, aber noch Parfum tragen? Das medizinische und paramedizinische Personal müsste doch wenigstens soweit informiert sein, zu wissen, dass Parfüm Gift ist, und kranken Menschen (egal welche Krankheit) nicht zumutbar ist. Dem ist aber so nicht.
    Am Arbeitsplatz analoge Probleme.

    Was können wir selber tun, um eine breitere Schicht von Menschen zu erreichen, mit eben Informationen über die alltäglich gebrauchten Auslöser gesundheitlicher Schäden inklusiver der arbeitsspezifischen am Arbeitsplatz?

    Diese Informationen unter die Leute zu bringen, wäre natürlich Aufgabe und Pflicht der öffentlichen Hand, doch warum das nicht geschieht leuchtet uns jedenfalls ein. Zwischenzeitlich werden aber immer mehr Menschen an den chemischen Auslösern krank – und es muss auch gesagt werden – dass da einiges durch gezielte Information vermeidbar wäre. Was bedeutet eigentlich juristisch, bewusste Unterlassung eben dieser Informationen?

    Im Grunde genommen brächten wir „hochkarätige“ Hilfe…dann wird unser Wort anders „gewogen“.
    (Beispiel: bei uns klingelt die Kasse beim Televie (Forschungsgelder für seltene Krankheiten), wenn unsere Grossherzogin das Telefon bedient und was sie auch tut, womit ich hier nicht sie als Person meine.)

  11. Silvia 22. Januar 2008 um 11:36

    Hallo Yol,

    genau beim Informationsmangel liegt die Missere.

    Nicht jeder Chemikaliensensensible kann englische Literatur lesen und Ärzte können es zugegebenermaßen oft auch nicht. Wer sehr krank ist, hat meistens keine Kraft mehr zu lesen und in Deutsch ist ohnehin nicht viel verwertbares vorhanden.

    Als Patient vertraut man auf die behandelnden Ärzte, die leider meist kaum über wirklich umfassendes Hintergrundwissen zu MCS verfügen. Woher auch? Denn auch die Ärzte vertrauen meist blind, dass bei dieser „exotischen Krankheit“ nichts hilft, man sie sogar nicht einmal diagnostizieren kann. So wie es ihnen in lobbygesteuerten Zeitschriften vorgegaukelt wird.

    Idee:
    Für Umweltärzte könnte eine kleine Broschüre über MCS sehr zeitsparend sein. Sie könnte erste Schritte enthalten für den Patienten, z.B. Expositionsvermeidung, Chemikalien aus dem Haus raus, Bionahrung, Wasser aus Glasflaschen, etc. Ich kenne viele Neupatienten, die wären froh mit einer solchen Broschüre für „MCS Anfänger“ wären. Sollten wir mit einer Arbeitsgruppe da ansetzen? Wärst Du dabei?

    Eine amerikanische Umweltmedizinerin, mit der ich öfter korrespondiere, wurde beauftragt MCS Leitlinien zu verfassen. Diese dienen dazu, Rettungspersonal anzuweisen, wie mit MCS Patienten im Notfall zu verfahren ist. Die Leitlinie hängt nun in laminierter Form in jedem US Rettungswagen und jeder Notaufnahme. So kann es also auch laufen.

    Die Unterlassung zu informieren kann schwere Folgen haben, im kleinen wie im grossen Rahmen.

  12. Janik 11. Februar 2008 um 10:10

    Eine sehr ausführliche Abhandlung, wie man Menschen mit MCS am Arbeitsplatz unterstützen kann, hat die Kanadische Menschenrechtskommission herausgegeben. Ihr könnt die Vorschläge und Empfehlungen im Bericht „Accommodating Environmental Sensitivities: Best Practices“ einsehen.

    http://www.chrc-ccdp.ca/research_program_recherche/esensitivities_legal_hypersensibilitee/page6-en.asp#62

  13. Morningstar 12. März 2009 um 14:11

    Dass es sich lohnt, Menschen mit MCS im Erwerbsleben zu halten, liegt klar auf der Hand. Arbeitsplätze für Menschen mit Chemikaliensensitivität ( MCS ) kann man sicherlich nicht überall flächendeckend anbieten bzw. erhalten, jedoch sollte man zielstrebig daran arbeiten zu versuchen, MCS Kranken ihren Arbeitsplatz so lange wie möglich zu erhalten. Man erreicht damit auch bessere Arbeitsbedingungen für die Arbeitenden, die heute noch gesund sind und leistet einen entscheidenden Beitrag zu deren Gesundheitserhaltung. Auch würde man mit dieser Zielsetzung daran mitwirken, dass die z. Zt. massiv ansteigende Zahl von MCS Kranken, nicht ins Unermessliche ansteigt. Informationen über MCS kann es nicht genug geben, darum bin ich sehr erfreut, den CSN-Blog gefunden zu haben, den ich als überaus wichtiges Medium in dieser Angelegenheit einstufe.

    Auch ich würde gerne noch meine Arbeit verrichten, doch leider ist mir durch meine schwerwiegende MCS Erkrankung seit vielen Jahren nicht mehr möglich. MCS zu ignorieren wird die Volkswirtschaft noch in den Ruin treiben, denn hätte man in meinem Fall MCS frühzeitig erkannt und einige Faktoren in meinem privaten Umfeld sowie auch am Arbeitsplatz konsequent umgestellt, wäre meine Chemikaliensensitivität vermutlich nicht so weit fortgeschritten und ich könnte noch an meinem früheren Arbeitsplatz meinen Beitrag am Bruttosozialprodukt leisten. Da es jeden treffen kann und das plötzliche Ausbleiben von gedanklichem Wissen, wertvollen Erfahrungen von gut ausgebildeten Betroffenen, zu einem großen Loch in den Betrieben führen kann, erachte ich es als dringend notwendig alles daran zu setzen, dass man versucht, MCS Kranke im Arbeitsleben integriert zu lassen.

    Euer neuer Blog behandelt ja dieses Thema auch.

    http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/03/11/ministerium-fuer-arbeit-fordert-arbeitgeber-auf-angestellte-mit-mcs-zu-schuetzen/

    Es ist überaus wünschenswert, dass sich das Ministerium für Arbeit auch in Deutschland dem Thema, Angestellte und Arbeiter mit MCS zu schützen, annimmt.

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