Archiv der Kategorie ‘Chemikaliensensitivität, Chemikalienunverträglichkeit‘

Kirsten verträgt kein Parfüm

Sie muss der Schule fernbleiben, denn sie wird von Parfüm krank.

Die 14-jährige Kirsten Hegge Hansen kann nicht zur Schule gehen, sie muss zu Hause alleine lernen. Sie wird von Parfüm krank.

„Das macht nicht so viel Spaß, denn wenn ich Hilfe brauche, hilft mir kein Lehrer und das Zusammensein mit anderen ist mir auch verwehrt.“

[Ihr Wohl ist] von den Konsumgewohnheiten anderer abhängig

Schon wenn andere parfümierte Produkte verwenden, wird sie krank, deshalb reicht es nicht, dass sie selbst solche Produkte vermeidet.

Sie ist darauf angewiesen, dass auch andere den Gebrauch von Parfüm und parfümierten Produkten einschränken.

Solche Produkte können zum Beispiel Weichspüler, Waschmittel, Shampoo, Deodorants, Haarspray, Seife und Feuchtigkeitscreme sein. Produkte, bei denen die meisten nicht daran denken, dass sie bei anderen Unbehagen verursachen können.

Das kann [in Norwegen] gesetzwidrig sein

Ihre Schule sagt, sie schaffen es nicht, die Schule ganz von Parfüm frei zu halten.

Das kann ein Verstoß gegen das Diskriminierungs- und Barrierefreiheitsgesetz sein.

Voriges Jahr wurde dazu ein neues Gesetz erlassen, nach welchem öffentliche Räume für alle zugänglich sein sollen, und der Gleichbehandlungs- und Diskrim- inierungs-Ombudsmann muss möglicherweise prüfen, ob der Fall in Vadsø eine gesetzwidrige Ungleichbehandlung ist.

„Es geht um Vorsorge. Denn worauf es uns ankommt ist, dass es nicht die Aufgabe dieser Schülerin und dieser Familie ist, Lösungen zu finden. Dafür sind die Schule und das Gemeinwesens verantwortlich“, sagt Sunnivy Ørstavik, Gleichstellungs- und Diskriminierungs-Ombudsfrau.

Das kann eine „Raucherangelegenheit“ werden

Der Norwegische Asthma- und Allergieverband NAAF setzt sich für einen parfümfreien Alltag ein. Dort erlebt man, dass immer mehr Menschen auf übertriebenen Parfümgebrauch mit Krankheit reagieren.

„Das ist so Besorgnis erregend, dass wir glauben, die Behörden müssen sich an die Aussicht gewöhnen, dass dies zu einem ähnlichen Thema wie der Nichtraucher- schutz wird. Deshalb werden wir Parfüm schlechterdings aus dem öffentlichen Raum entfernen müssen,“ sagt NAAF-Generalsekretär Geir Endregard.

Autoren: Trine Hamran und Fredrik Norum für NRK, 20.01.2010

Übersetzung: Bernhard Höpfner für CSN-Deutschland

Originalartikel: Kirsten (14) tåler ikke parfyme mit Video

Wir danken den Norwegischen Rundfunk und Bernhard, diesen Artikel übernehmen zu dürfen. – Die Grundlage dieser Gesetze, die UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen, gilt seit März 2009 übrigens auch in Deutschland.

Weitere CSN Artikel zum Thema Einschränkungen durch Duftstoffe und Parfüm:

Berufsverband für Naturheilkunde verlieh MCS-Aktivistin Ehrentitel

Eva Caballé wurde für ihre Arbeit, Mut und Hingabe den Weg für Multiple Chemical Sensitivity zu ebnen geehrt

Wegen meiner Multiple Chemical Sensitivity bin ich gezwungen in Isolation zu leben. Mein Kontakt mit der Außenwelt wurde dadurch ausschließlich virtuell, und die Zeit vergeht in einer anderen Weise.

Fünf Jahre krank, drei Jahre ist es her seit man bei mir „Multiple Chemical Sensitivity“ diagnostizierte, zweieinhalb Jahre seit mein No Fun blog geboren wurde, seit eineinhalb Jahren bin ich Mitwirkende bei der Kunstzeitschrift Delirio, etwas mehr als ein Jahr ist es her, seit mein Buch „Desaparecida“ (Vermisst) erschien und seit fast einem Jahr trage ich regelmäßig zum „Canary Report Blog“ bei und liefere sporadisch Beiträge im Blog des deutschen Verbandes für MCS, dem CSN-Chemical Sensitivity Network.

Derzeit hat der „No Fun Blog“ mehr als 400 Mitglieder, mindestens 600 Besucher pro Tag (in den letzten Tagen verdreifachten sich die Besucherzahlen, dank eines MCS-Berichts im Fernsehen). Der „No Fun Blog“ hat mehr als 280 Beiträge und fast 2.500 Kommentare, die dem Blog einen unschätzbaren Wert geben. „Desaparecida“ (Vermisst) wird in sechs spanisch-sprachigen Ländern verkauft und man kann das Buch in siebzehn öffentlichen spanischen Bibliotheken und Universitäts-Bibliotheken finden.

Aber paradoxerweise, wirkt all das unwirklich auf mich; etwas mehr so, als seien es Zahlen oder Statistiken. Nur ab und an passiert etwas, das mich realisieren lässt, dass das, was ich tue, reale Auswirkungen auf die Außenwelt hat und auch die Menschen über den MCS Kreis hinaus erreicht.

Vor ein paar Monaten kontaktierte mich Marcos Ve’lez, der Präsident des APENB (der spanische Berufsverband für Naturheilkunde) und seine Worte überraschten und berührten mich tief. Man hatte meine Arbeit über eine lange Zeit hinweg verfolgt, hatte auch mein Buch gelesen und wollte mir Unterstützung zuteilwerden lassen, denn als Mediziner für Naturheilkunde setzen sie sich auch für mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen mit weniger Fokus auf Pharmainteressen ein und messen den Menschen, die ihre Gesundheit verloren haben, einen höheren Wert bei. Marcos Ve’lez, teilte mir mit, dass der APENB Vorstand sich einstimmig auf nachfolgende Punkte geeinigt habe, um mich zu unterstützen:

  • Sie verleihen mir einen Ehrentitel für „meine Arbeit, den Mut und die Hingabe den Weg für Multiple Chemical Sensitivity zu ebnen“. Die Verleihung des Diploms (im Bild) war ein öffentliches Ereignis, das im Dezember letzten Jahres stattfand, aber wie ihr euch vorstellen könnt, war ich nicht in der Lage, selbst zu der Verleihung zu gehen.
  • Auf der Webseite des Verbandes wird unter „Ursachen“ eine Rubrik mit einem Abschnitt über das Buch „Vermisst“ eingerichtet. Einsehbar unter folgendem Link: Causas Desaparcida
  • Der Verein unterstützt alle meine Arbeiten und Initiativen, und sie haben eine eigene Sektion für meine MCS Artikel eingerichtet. Dies ist der erste Artikel: La condena de la Sensibilidad Químicia Múltiple
  • Sie verlinken den No Fun Blog in der Rubrik „Friends“ auf ihrer Website.
  • „Vermisst“ wird in der Sektion „EMPFOHLENE BÜCHER“ auf ihrer Website aufgeführt.

Natürlich ist all diese Anerkennung eine Ehre für mich, und ich schätze die Unterstützung des Berufsverbandes für Naturheilkunde sehr, vor allem, weil wir alle den gleichen Kampf kämpfen, MCS sichtbar zu machen, ist aus zwei Gründen sehr positiv: Um das Bewusstsein für MCS zu gewinnen und um die Message zu verbreiten, die durch MCS impliziert wird: Wir müssen weltweit die Richtung ändern, weil es schon zu spät ist; deshalb ist es notwendig, so laut und so deutlich wie möglich zu sagen, dass unsere moderne Lebensweise ein Akt des Selbstmords ist, dass wir bereits bezahlen und dass kommende Generationen dafür zahlen werden.

Danke APENB und Danke an Marcos, uns zu helfen diese Nachricht zu verbreiten.

Autor: Eva Caballé, No Fun Blog, Januar 2011

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Original Beitrag auf „No Fun“:

Weitere Artikel von Eva Caballé:

Duftmarketing – Wem gehört die Luft zum Atmen?

Arzt und Experte für Umweltmedizin mahnt zur Verantwortung

Allergiker, Asthmatiker und all jene, die unter Chemikaliensensitivität (MCS) leiden, dürfte im wahrsten Sinne des Wortes der Atem gestockt habe, als sie in der „Südwestpresse“ den Artikel „Ein Mann mit Näschen“ lasen. Ein Stuttgarter Unternehmer setze „Duftmarken“ war im Nachrichtenteil der Zeitung zu lesen. Er wittere gute Geschäfte mit „wohlriechenden Müllbeuteln und Damenschlüpfern mit Zitrus-Note“ und nicht nur das, der Dufthersteller mit Firmenlabor in Leinfelden-Echterdingen versuchte im Artikel mit dem Statement „Wenn die Nase keinen Duft wahrnimmt, fehlt dem Gehirn etwas“ gegenüber dem Leser zu punkten.

Überlistung von Verbrauchern durch Chemikalien und Allergene?

Viele der rund 800 Gerüche, die der Firmeninhaber sein Eigen nennt, werden zu Beduftung in Supermärkten zum Ankurbeln des Konsums angepriesen. Wie subtil der Konsument oder Besucher eines Hotels überlistet werden soll, konnte man der Veröffentlichung ebenfalls entnehmen. Gerade über der Wahrnehmungsgrenze läge die richtige Dosis. Nun, wer sich mit wissenschaftlichen Fachpublikationen im Medizin- bereich beschäftigt, der dürfte genau an dieser Stelle „die Öhrchen spitzen“, denn zu riechen braucht ein Allergiker, Asthmatiker oder chemikaliensensibler Mensch ein Allergen oder eine Chemikalie nicht, um eine Reaktion zu erleiden. Auch ist mittlerweile bekannt, dass ätherische Öle, die Kontaktallergien auslösen, selbst dann Reaktionen hervorzurufen vermögen, wenn eine allergische Person „nur“ über die Luft getragen damit in Kontakt gerät.

Arzt und Umweltmediziner steht Duftmarketing kritisch gegenüber

Das gesundheitsgefährdende Potential dieses Feldversuchs an Konsumenten veranlas- ste den Göppinger HNO-Arzt und Umweltmediziner Dr. Michael Jaumann nachfolgenden Leserbrief zu verfassen, der am 17. Januar 2011 in der Printausgabe der „Südpresse“ erschien.

Dr. Michael Jaumann:

Stoffe auch auf Giftigkeit untersucht?

Der Stuttgarter Unternehmer wittert gute Geschäfte und die Menschen bezahlen mit ihrer Gesundheit und die Krankenkassen müssen dann die Beiträge noch weiter erhöhen.

Das kann doch nicht wahr sein.

Mir als Arzt und Umweltmediziner stellt sich die Frage, ob seine Stoffe, die er in die Atemluft der Bürger in den Geschäften bläst, auch bezüglich ihrer Giftigkeit und Allergisierung* untersucht sind?

Die SPD-Vorsitzende Gabriel hat dieser Tage zu Recht reklamiert, dass die Vergifter von Nahrungsmitteln oftmals ungeschoren davon kommen und wer Nahrungsmittel stiehlt vor Gericht landet.

Hierzu erinnere ich: im Mittelalter wurden die Brunnenvergifter drakonisch bestraft.

Was passiert mit den „Vergiftern“ unserer Atemluft? Die Krankenkassen werden die Behandlungen der zusätzlichen Asthmaanfälle, Lungenerkrank- ungen und Allergien bezahlen müssen. Dann steigen für alle Mitglieder die Beiträge.

Unternehmer ärgert sich über Vorbehalte gegenüber Manipulation durch Düfte

Der Stuttgarter Unternehmer hingegen, steht den gesundheitlichen Aspekten offenbar nicht so kritisch gegenüber. Er lässt im Artikel in der „Südpresse“ vielmehr seinem Unmut freien Lauf und lässt wissen, dass er sich darüber ärgere, dass künstliche Düfte noch viel zu oft auf Vorbehalte träfen. Der Unternehmer, der gegenüber der Zeitung die Meinung vertritt, der Riechsinn würde wie ein „lästiges Stiefkind“ behandelt, ist dennoch voller Tatendrang und möchte den Markt mit „Innovationen“ wie duftenden Müllbeuteln, Windeln mit Duft, Damenunterhosen mit Zitrusduft überzeugen. Kritik an seinen duftenden Innovationen hält er für völlig unberechtigt.

Gesundheit hat Vorrang vor Profit ohne Grenzen

Sollte der Wunsch des Stuttgarter Duftunternehmers nach landesweitem Erfolg Realität werden, muss der es Verbraucher, wo es ihm noch möglich ist, in die Hand nehmen zu entscheiden, ob er sich durch Düfte bei jeder Gelegenheit und in nahezu jedem Produkt manipulieren lässt. Oder, ob er „Nein“ sagt, zu bedufteten Unterhosen, Windeln und Mülleimern; und vor Buchung eines Hotels nachfragt, ob man sich „individuelles Image“ durch Ausbringen von Chemikalien und Allergenen in die Atemluft verschafft.

Falls die breite Masse der Konsumenten allerdings erst dann wach wird, wenn sich massive Gesundheitsbeschwerden eingestellt haben, und wie im Fall von Asthmatikern und Chemikaliensensiblen kaum noch Lebensraum übrig bleibt, weil der Beduftungs- wahnsinn sich durchgesetzt hat, dann werden sich vielleicht auch Krankenkassen und Verbraucherinitiativen an Politiker und andere Entscheidungsträger wenden und wie der zur Vernunft appellierende HNO-und Umweltarzt nachfragen, was denn nun passiert mit jenen, die unsere Atemluft vergiften.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Januar 2011

* Allergisierung: Erzeugung einer Allergie, meist durch wiederholten Allergenkontakt

Literatur:

  • Südwestpresse, Ein Mann mit Näschen, Rubrik Nachrichten, 12. Januar, 2011
  • Südwestpresse Printausgabe, Leserbrief Dr. Michael Jaumann, Stoffe auch auf Giftigkeit untersucht? 17. Januar 2011

Weitere CSN Artikel zum Thema Gesundheitgefahren durch Duftstoffe:

Umweltmedizin: Sieg für Prof. Dr. Rea

Epochaler Sieg: Angriff der Ärztekammer von Texas auf führenden Arzt der Integrativen Medizin abgewehrt

Wenn, wie wir neulich berichtet haben, integrative Mediziner Patienten ganzheitlich behandeln, stellt das oft die traditionellen Vorstellungen der Medizin in Frage. Die US- Ärztekammern orientieren sich an der Ameri- can Medical Association und deren Auffass- ung von Homöopathischer Medizin. Deshalb waren sie schon immer gegen komplement- äre und alternative Medizin – das gipfelt darin, dass sie nicht selten Ärzte angreifen, insbe- sondere wenn sich diese mehr um ihre Patienten kümmern.

Doch die Verhältnisse ändern sich, wie RA Jacques Simon erzählt. Simon vertrat Dr. Bill J. Rea, bei einem erstaunlichen Sieg in einem Prozess gegen die Ärztekammer von Texas. Dieses Verfahren hat geholfen, die üble Praxis der Kammer in Texas zu kippen.

Jacques Simon weist eine herausragende Erfolgsrate auf, integrative Mediziner bei solchen Verhandlungen zu verteidigen. Er ist einer von vier US-Anwälten, die auf diesem Gebiet zusammen arbeiten und sich darauf spezialisiert haben. (Die anderen sind Alan Dumoff, Algis Augustine und Richard Jaffe.)

Dr. Rea ist ein führender Wissenschaftler und Kliniker auf dem Gebiet der Umwelt- medizin und der Chemikaliensensitivität. Während den letzten dreißig Jahren hat er durch Lebensmittel und vielfältige Umweltfaktoren, wie Luft- und Wasserver- schmutzung verursachte Erkrankungen, behandelt. 2005 erhob die Ärztekammer von Texas eine Reihe von Klagen gegen Dr. Rea, in denen sie seine Untersuchungen, Diagnosen und Behandlungen – alles was er so macht – angriffen. Sie behaupteten sogar, Dr. Rea würde seinen Patienten Diesel und schädliche Chemikalien injizieren, ein Vorwurf, der eindeutig falsch war.

Nach drei langen Jahren vor Gericht konnte Simon nachweisen, dass die Vorwürfe der Kammer unbegründet waren. Anstatt ihm die Lizenz zu entziehen, verlangte die Kammer von Dr. Rea nur noch schwächlich, seinen Patienten eine geänderte Einverständniserklärung vorzulegen, nach der seine Behandlung von der amerikanischen Aufsichtsbehörde für Lebensmittel und Medikamente (FDA) nicht zugelassen wäre.

Wenn man ein Arzt ist, gegen denen ermittelt wird, ist es wichtig, gegenüber den Ermittlern oder den Behörden keine Äußerung oder was auch immer ohne Anwesenheit und Zustimmung eines Anwaltes zu machen. Wie Simon uns erläuterte, ist es für den Arzt wichtig, wenn eine Untersuchung eingeleitet wird, nicht den Fehler macht zu denken, die Ermittler würden von dem Fachgebiet etwas verstehen. „Nehmen Sie das Telefon und rufen Sie einen Anwalt an, der sich auf solche Verfahren spezialisiert hat.“ (Sie können sich an ANH-USA wenden wenn Sie Empfehl- ungen benötigen.)

Simon wies darauf hin, dass die Ärztekammer von Texas in der Vergangenheit integrative Mediziner angegriffen hat, aber in den letzten drei Jahren hat sich dies geändert und anscheinend ermitteln sie nun gegen genau so viele traditionelle Ärzte. Das ist zum Teil auf das zurück zu führen, was Dr. Rea im Verlauf seines Martyriums juristisch unternommen hat, dazu gehörte, gegen die Ärztekammer selbst zu klagen.

In Texas gibt es einen starken fairen Rechtsschutz für Ärzte, doch diese Regeln werden nicht immer befolgt. ANH-USA setzt sich dafür ein, einen Entwurf in die Gesetzgebung von Texas einzubringen, der Ärzten Wiedergutmachung gewährt, wenn die Kammer den eigenen Regeln nicht folgt. Jacques Simon weist darauf hin, dass je mehr Ärzte sich wehren (und je mehr die Kammern dadurch lernen), desto besser wird es in Ärztekammer-Verfahren für alle werden. Mittlerweile sind Gesetze und Vorschriften einem ständigen Wandel unterworfen und es ist wichtig, auf der Hut zu bleiben.

ANH-USA hat kürzlich einen 80-seitigen Bericht veröffentlicht, „Über die eigene Ärztekammer Bescheid wissen: Ein Handbuch für Ärzte der integrativen Medizin zum Verständnis der rechtlichen und juristischen Gegebenheiten in 50 Bundesstaaten“. Ärzte werden aufgrund der rechtlichen Vorschriften für Disziplinarverfahren vor Ärztekammern nicht überall in Amerika durch die staatlichen Gesetze und Vorschriften adäquat geschützt, deshalb haben wir ein Handbuch und eine Checkliste gemacht, um Ihnen einen Überblick zum Rechtsschutz oder über dessen Mängel in jedem Staat unseres Landes zu verschaffen. Der Bericht ist als PDF-Dokument erhältlich und kann hier (PDF) herunter geladen werden.

Autor: ANH-USA, 21. Dezember 2010

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Der Originalartikel „Milestone Victory: Texas State Medical Board’s Attack on Leading Integrative Doctor Beaten Back“ steht unter einer Creative Commons Lizenz. Für diese Übersetzung, ausschließlich der Bildrechte, gilt CC:by-nc-sa.

Zur weiteren Lektüre:

Artikel (engl.) von Mike Adams zur Einschätzung der American Medical Association

Weitere Artikel über Rechtsstreit von Prof.Dr.William Rea:

Vorsätze der „Wutbürger“ für das Neue Jahr

Während das Jahr sich seinem Ende zuneigt, versuchen chemikaliensensible Mitmenschen sich bestmöglich zu verkriechen.

Menschen- oder kommunikationsscheu? Nein, eher „Wutbürger“

Es reicht ihnen ganz einfach, wie man mit ihnen umspringt. Chemikalien-Sensitivität ist in Deutschland als Krankheit und Behinderung eingestuft, womit den Erkrankten Rechte und Hilfe zustehen. Im Alltag und von Behörden werden die MCS-Kranken dennoch eiskalt ausgegrenzt und „ausgehungert“. Sie stellen durch ihre Existenz vieles Selbstverständliche in Frage, was nicht an die Oberfläche dringen soll. Also würgt man ab, wo man nur kann. Ganz subtil wird dabei vorgegangen, man diagnostiziert Chemikalien-Sensitivität nicht, und damit ist die Krankheit nicht existent. Verständlich, dass die Wut im Bauch derer wächst, denen jegliches Leben und Arbeiten in der Mitte unserer Gesellschaft verwehrt ist.

Vorsätze für 2011

Silvester – Wenn draußen die Böller, Raketen und sonstige Feuerwerkskörper explodieren, kämpfen Chemikaliensensible mit gesundheitlichen Reaktionen auf die Chemikalien und den Feinstaub, der freigesetzt wird. Doch die letzte Nacht des Jahres wird irgendwie vorbeigehen und für 2011 ist ein fettes Paket mit Vorsätzen geschnürt.

Die chemikaliensensiblen „Wutbürger“ werden ihre Wut nicht länger herunterschl- ucken und sich verkriechen. Chemikaliensensible haben sich für das kommende Jahr vorgenommen, sicht- und hörbar zu werden. Sie werden dazu ihre vielseitigen Fähigkeiten einsetzen, denen man bislang von Seiten der Behörden und Politik keine Entfaltungsmöglichkeit zubilligte.

Die Zeit des (Ver)schweigens ist vorbei

Ökochonder, Umwelthysteriker? Na klar, das hätte man gerne;)

Die chemikaliensensiblen „Wutbürger“ werden 2011 nicht hysterisch schreiend durch die Straßen laufen, sie werden nachhaltiger agieren. Sie werden forcieren, dass es unmöglich wird, ihre Existenz zu verschweigen. 2010 hat exemplarisch gezeigt, dass nichts im Verborgenen bleiben muss und Möglichkeiten vorhanden sind, um sich Gehör zu verschaffen – einzeln und im Kollektiv. In wenigen Stunden ist es soweit…

Guten Rutsch und alles Gute für ein powervolles 2011,

Silvia K. Müller

CSN – Chemical Sensitivity Network

Weihnachtsgeschenk Quiz

Vielen Dank an alle, die bei unserem Weihnachtsgeschenk-Quiz mitgemacht haben. Es hat Spaß gemacht, und wir haben uns darüber gefreut, wieviel Fachwissen Ihr habt.

Update 5

Die richtigen Antworten auf Frage 7 waren:

Prof. William Rea und University of Surrey/UK

Das Geschenk auspacken darf „Baum“.  Er erhält vier Dosen GOX-Sauerstoff und eine schaltbare Steckdosenleiste zum Energiesparen.

Update 4

Runde VII

Wer war der/die erste Professor/in für Umweltmedizin weltweit und welche Universität verlieh die Professur?

  • Prof. Martin Pall
  • Prof. Doris Rapp
  • Prof. Theron Randolph
  • Prof. William Rea
  • Harvard University
  • University of Surrey/UK
  • Johns Hopkins University
  • Yale University
  • University of Washington

Das Geschenk für die richtigen beiden Antworten auf Frage 7:  Vier Dosen GOX- Sauerstoff und eine schaltbare Steckdose zum Energiesparen.

Antwort bitte als Kommentar eintragen. Die erste richtige Antwort erhält das Geschenk.

Geschenke auspacken für die richtige Antwort in der Runde VI

Clarissa gab als Erste die richtige Antwort:

Es gibt KEINE Umweltklinik mit MCS-Standard in Deutschland.

Weil Clarissa schon eine Runde gewonnen hat, bekommt Schnaufi die MCS-Maske.

Und wenn Ihr alle ein verstanden seid, würden wir gerne unserem jüngsten Teilnehmer der sehr schwere MCS hat und
der nur Steine in den Weg gelegt bekommt von den Behörden, auch eine MCS-Maske als Geschenk geben.
„All of Nothing“ darf sich die Farbe aussuchen die er gerne hätte. Ist das ok für alle?

@ All of Nothing
Wie wäre es mit einer Sonderanfertigung in Schwarz? Könnte mir vorstellen, dass das Deine Farbe ist.

Update 3

Runde VI

Weiter gehts bei unserem Weihnachtsgeschenk-Quiz

VI: Wieviele Kliniken gibt es in Deutschland, die über Umweltbedingungen verfügen, die es ermöglichen, auch Umweltkranke mit schwerer MCS aufzunehmen. Kliniken, die also über MCS-Standard verfügen?

MCS-Standard bedeutet:

Cleanroom- Zimmer für MCS-Patienten, konsequentes Duftstoffverbot und Rauch- verbot auch auf dem Gelände, geputzt wird mit duftfreien und chemiearmen Reinigungsmitteln, Ärzte kennen sich mit MCS aus und können auch bei Schockreaktionen helfen,…

  • Es gibt in jedem deutschen Bundesland eine Umweltklinik mit MCS-Standard
  • Es gibt vier Umweltkliniken mit MCS-Standard
  • Es gibt eine Umweltklinik mit MCS-Standard
  • Es gibt keine Umweltklinik mit MCS-Standard in Deutschland
  • MCS-Kranke können in jede Klinik in Deutschland

Das Geschenk für die richtige Antwort auf diese Frage ist eine weiße MCS-Maske.

Antwort bitte als Kommentar eintragen. Die erste richtige Antwort erhält das Geschenk.

Die richtige Antwort auf Quizfrage V war: Mark R. Cullen

„Bär“ hat diese Antwort gegeben, ABER vorher schon Pall als Antwort geschrieben.

Demnach wäre „PappaJo“ der Erste, der die richtige Antwort „Mark R. Cullen“ genannt hat.

Und Domiseda hat die beste Erklärung geliefert.

Vorschlag:
PappaJo bekommt den Glaswasserkessel.
Bär und Domiseda erhalten ein mystisches Buch und ein Salzlicht (kann auch mit LED-Teelicht betrieben werden)

Update 2

Runde V

Welcher Wissenschaftler hat den Begriff MCS – Multiple Chemical Sensitivity eingeführt?

  • William J. Rea
  • Theron Randolph
  • Martin Pall
  • Mark R. Cullen
  • William J. Meggs

Das Geschenk für die richtige Antwort auf Frage V ist ein Glaswasserkessel. Völlig metall und nickelfrei.

Antwort bitte als Kommentar eintragen. Die erste richtige Antwort erhält das Geschenk.

Die richtige Antwort auf Quizfrage IV war: „Das Schlafzimmer ist der wichtigste Raum“

Das Geschenk auspacken darf Clarissa (siehe u.)

UPDATE 1

Runde IV

Was ist der wichtigste Raum im Haus für eine chemikaliensensible Person?

  • Küche mit vollem Kühlschrank
  • Badezimmer, um schnell duschen zu können nach Schadstoffkontakt
  • Schlafzimmer, das völlig safe ist und als Cleanroom fungiert
  • Luftschutzkeller

Das Geschenk für die Beantwortung dieser Frage ist ein dicker Strang rote Öko-Wolle und ein Gedichtband mit MCS-Gedichten von Marlene.


Die richtige Antwort für Quizfrage III war: UMWELTKRANKE

Ein Geschenk auspacken darf Kira (siehe u.).

Runde III

Es geht in die nächste Runde bei unserem CSN Weihnachtsgeschenk-Quiz.

Wer die richtige Antwort auf die nachfolgende Frage als Erstes als Kommentar einträgt, bekommt als Geschenk ein Teeservice. Diese Quizfrage ist nicht nur an Chemikaliensensible und Umweltkranke gerichtet, jeder darf mitmachen. Deshalb haben wir ein Geschenk gewählt, das jeder gut gebrauchen kann. Einzige Ausnahme, diejenigen, die schon ein Geschenk bei unserem Weihnachtsgeschenk-Quiz gewonnen haben. (Rechtsweg ist ausgeschlossen)

Vorherige Quizfragen im Kommentarbereich der CSN-Christmas-Party

Quizfrage Nr. 3

Sind Menschen mit MCS:

  • Ökochonder
  • Umweltkranke
  • Psychisch Kranke
  • Rentenjäger
  • Allergiker

Geschenke auspacken dürfen:

Marina – Geschenk Nr. 1 – Ein Entsafter

Tohwanga – Geschenk Nr. 2 – Eine brombeerfarbene MCS-Maske von PureNature

Kira – Geschenk Nr. 3 – Ein Teeservice

Clarissa – Geschenk Nr. 4 – Rote Öko-Wolle und ein MCS Gedichtband

PappaJo, Bär und Domiseda – Geschenk Nr. 5 – Wasserkessel aus Glas

Schnaufti, All of Nothing – Geschenk Nr. 6 – MCS-Aktivkohlemaske von PureNature

Baum – Geschenk Nr. 7 – Vier Dosen GOX-Sauerstoff und eine schaltbare Steckdose

All of Nothing – Geschenk Nr. 7 – Schwarze MCS-Maske von PureNature

Die SPONSOREN für das Weihnachtsgeschenk-Quiz:

CSN, Clarissa und PureNature Products

CSN Christmas Party & CSN Christmas-Chat

Chemikaliensensible werden diese Weihnachten nicht alleine sein…

Weihnachten ist das Fest der Freude, und in diesem Jahr soll es das auch für Chemikaliensensible sein, die niemanden haben, um zu feiern. Wir laden alle ein, im CSN Blog das Weihnachtsfest gemeinsam zu feiern und sich gegenseitig eine Freude zu bereiten.

Wie, wo, wann findet die CSN-Christmas-Party und der CSN Christmas-Chat statt?

CSN Christmas-Party

Die Party findet im CSN Blog im Kommentarbereich ab Heiligabend statt und geht bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag.

Jeder, der Lust hat, kann selbst Beiträge als Kommentar einstellen, die andere dann lesen können. Die Party miterleben und sich mitfreuen können alle, die mitlesen.

Was muss man mitbringen? Einfach nur Eure Kreativität – lasst andere staunen, lachen, sich freuen, festliche Stimmung spüren,…

Lasst Euren Ideen freien Lauf. Schickt Geschichten, Gedichte, Weihnachtsepisoden, schreibt einfach drauflos oder stellt Links ein zu Eurem persönlichen Fotoalbum, zu Videos, Musik, Rezepten, Dekorationsideen, was auch immer Euch einfällt.

Denkt Euch einfach schnell etwas aus, seid mit dabei, um allen einsamen Chemikaliensensiblen da draußen Freude am Weihnachtsfest zu bereiten.

CSN Christmas-Chat

Wir haben für Euch einen Chatroom eröffnet, indem Ihr Euch mit anderen Chemikaliensensiblen und Freunden die Weihnachtsfeiertage über rund um die Uhr unterhalten könnt.

Wie kommt man zum Weihnachts-Chat?

Einfach diesen Link anklicken>>> CSN Christmas Chat

Passwort: CSN

Viel Spaß und schöne Unterhaltungen.

Frohe Weihnachten!

Muss man erst völlig zusammenbrechen, damit man Hilfe bekommt?

FORTSETZUNGSGESCHICHTE

Nicht verstehen können oder nicht verstehen wollen?

…Doch Joel hörte gar nicht die Worte seiner Mutter und tobte weiter. Dann warf er das Plüschtier in hohem Bogen in die Ecke der Stube, stand auf und trat gegen den Stuhl.

„Joel, Joel!“

„Carla, bleib ruhig. Der Schokoladenriegel ist schuld. Der Junge hat eine Reaktion. Dazu noch der Geruch von Omas Creme…“

„Was, jetzt bin ich schuld, wenn der Lausbub ausrastet? Das ist ja eine Unverschämtheit. Ihr solltet den Bengel mal richtig erziehen! Ich hätte ihn schon längst eine gefenstert.“

„Joel hat eine Reaktion, Oma! Er reagiert auf deinen Schokoriegel. Er verhält sich so nur, wenn er auf etwas reagiert, versteh doch das mal endlich“, wies Carla wütend die alte Frau zurecht.

Ihr gehört doch in die Klapse

Omas Augen funkelnden wütend und ratlos zugleich: „Ich habe Joel einen Schoko- riegel gegeben, kein Aufputschmittel oder Rauschgift! Ihr seid doch alle verrückt. Ihr gehört wirklich in die Klapse, aber alle.“

„Nur du nicht“, konterte Tim halbherzig. Es lohnte nicht, sich mit dieser verbitterten alten Frau anzulegen.

Dann glätteten sich die Wogen wieder. Der Tag verlief so, wie er wohl mehr oder weniger in allen Familien abzulaufen pflegt, mit Frühstück, Unterhaltung, Mittag, einem kleinen Spaziergang, Kaffeetrinken usw., wobei Carla und Joel jeweils ihre verträglichen Lebensmittel und Getränke zu sich nahmen. Gesättigt saßen sie auf den Polstermöbeln, eine gewisse Trägheit schlich sich ein, was die Oma veranlasste, langsam zum Fenster zu gehen, was die anderen nicht weiter beachteten.

Kompletter Zusammenbruch, Notfall

Carla spürte plötzlich einen Luftzug und gleichzeitig eine sehr unangenehme Misch- ung von Zigarettenrauch, Schornsteinrauch eines Kamins, Autoabgasen und Parfüm.

„Oma!“, schrie Carla, „…mach sofort…“

Weiter kam sie nicht mehr. Sie rutschte vom Sessel, röchelte, ihre Augen waren weit geöffnet.

Tim kniete sich neben ihr, schlug ihr leicht auf die Wange, aber Carla reagierte nicht. Sofort stülpte er ihr eine Keramikmaske über die Nase, die mit einer Sauerstoffflasche verbunden war und beatmete sie mit Sauerstoff. Mit Schrecken musste er feststellen, dass die Stahlflasche fast leer war. Er rief der Oma zu: „Ich muss Sauerstoff holen. Bin gleich wieder da. Bleib bei ihr und macht die Flasche leer.“

Als Tim zum Wohnhaus zurückkehrte, sah er einen Krankenwagen, dessen Türen gerade geschlossen wurden. Er hörte das laute Weinen seines Sohnes. Schlimmes schwante ihn. „Halt! Halt!“ schrie er aus Leibeskräften in Richtung des Krankenwagens, aber dieser setzte sich schon in Bewegung. Er eilte die Treppe auf, schloss und stieß die Tür auf: „Wo ist Carla?“

Benebelt, verwirrt

„Papa, Papa, sie haben Mutti weggeschafft“, schluchzte Joel. „Hab Oma gesagt, sie soll sie festhalten, aber sie sagte, dass es Mutti im Krankenhaus gut gehen wird…“

„Bist du vollends irre? Sie überlebt keine zwei Tage dort!“

„Unsinn, dort sind hochqualifizierte Ärzte, die endlich mal was unternehmen werden.“

„Unternehmen? Das Einzige, was ihr hilft, ist sofortige Gabe von medizinischem Sauerstoff. Jede Spritze, jedes Medikament, von den vielen Duftstoffen ganz zu schweigen, kann für sie tödlich sein. Die haben doch gar keine Ahnung.“

„Sie haben ja Carla gefragt, aber sie hat die Ärzte nur mit großen Augen angesehen und kein Wort gesagt. Nicht einmal ihren Namen wollte sie sagen.“

„Weil sie sich in solchen Momenten nicht ausdrücken kann. Sie ist dann wie benebelt oder verwirrt. Was hast du ihr nur angetan? Du hast nicht nur ohne Vorwarnung das Fenster geöffnet – womit alles begann – du hast auch noch den Arzt angerufen, der nur alles noch schlimmer macht und du hast zugelassen, dass man sie in das Krankenhaus voller Chemikalien brachte“, schrie er aufgebracht und schüttelte traurig mit den Kopf. „Lass uns allein. Ich kann dich nicht mehr ertragen“, sagt er noch leise und ging mit Joel in das Kinderzimmer, ohne der Oma noch eines Blickes zu würdigen.

Krankenhaus, Abteilung für Psychiatrien

Am nächsten Tag machte sich Tim früh auf den Weg zum Krankenhaus, um Carla zu besuchen. Er hatte Wegkleidung gleich mit eingepackt, denn er konnte sie keinen Tag länger im Krankenhaus lassen. Im Krankenhaus erfuhr er, dass auf richterlicher Anweisung Carla in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie gebracht wurde. „Warum? Warum?“, schrie er.

„Sie war völlig verwirrt, konnte uns nicht ihren Namen sagen, nicht ob sie Kinder hat oder verheiratet ist, einfach nichts, nur unverständliches Gestammel“, antwortete der diensthabende Arzt.

„Und sie haben ihr keinen medizinischen Sauerstoff gegeben?“

„Nein. Dafür bestand keine Notwendigkeit. Sie atmete selbstständig und war, von der Verwirrung abgesehen, bei Bewusstsein.“

Klappe zu – Gibt es keine Chance???

„Ich muss sie da rausholen!“

„Das geht nicht, nicht ohne, dass der richterliche Beschluss aufgehoben wird.“

Tim verließ fluchtartig das Krankenhaus. Noch im Krankenhaus fiel ihm Dr. Binz ein, von dem ihm eine Bekannte, die ebenfalls unter MCS litt, erzählte. Sofort nahm er mit ihm Verbindung auf und durch seine Hilfe gelang es tatsächlich, Carla nach wenigen Tagen wieder frei zu bekommen, wenn auch mit der richterlichen Auflage, dass sich Carla täglich in einer Tagesklinik zu melden habe. Dr. Binz setzte aber durch, dass Carla sich dort nur in einem Raum aufzuhalten brauchte, der für sie verträglich sein würde. Die Klinik stimmte zu, einen solchen Raum zu schaffen.

Ich habe Euch Unrecht getan, bitte verzeiht mir

Die Familie aß gerade Abendbrot, als es plötzlich klingelte. Es war Oma. Carla und Tim wollten gerade aufschreien, nur die rotgeweinten Augen der Oma hinderten sie daran. Schweigend setzte sich die Oma auf einen Stuhl, ohne ihren Mantel auszuziehen. Einige Minuten herrschte Schweigen, dann begann Oma mit zitternder Stimme zu reden: „Ich habe mich kundig gemacht. Fragt nicht bei wem. Ich habe euch, besonders dir Carla, Unrecht getan. Habe auch einen Film im Fernsehen über MCS gesehen. Mir wurde sogar von einer Psychologin berichtet, die an MCS erkrankte und am Ende die Schmerzen nicht mehr aushalten konnte und sich das Leben nahm. Ich erfuhr von einem jungen, MCS-kranken Mann, der gewaltsam in die Psychiatrie eingeliefert und mit Medikamenten vollgepumpt wurde. Nach seiner Entlassung brachte auch er sich um. Und das in unserem Rechtsstaat. Mir tut alles so leid. Bitte verzeiht mir. Wieder gut machen kann ich es nicht. Aber etwas helfen kann ich euch vielleicht doch“, schloss sie ihre Ansprache.

Was für eine Hilfe soll das werden?

Carla und Tim hörten wie versteinert die Worte der Oma. War das ihre Oma? Die gleiche Oma, der sie jahrelang MCS begreiflich zu machen versuchten und immer kalt abgefertigt wurden? Die sogar den Spruch fallen ließ, als das Paar um finanzielle Hilfe nachsuchte: „Weil du arm bist, musst du früher sterben, das ist jetzt wieder so.“ Diese Oma will jetzt helfen? Was soll das für eine Hilfe sein?

Als ahnte die Oma die Gedanken der beiden, fuhr sie fort: „Vor ein paar Tagen rief mich eine alte Freundin an. Alte Freundin, sage ich, sie ist aber bedeutend jünger wie ich. Jahrelang lebte sie zurückgezogen in einer – ich wollte es gar nicht glauben – Höhle, einer Wohnhöhle auf einer Insel. Die Höhle wäre sauber und trocken. Das Klima ganzjährig mild. Keine direkten Nachbarn und dennoch nicht so sehr weit bis in die Stadt. Nun, sie hat sich verliebt und will jetzt wieder zurück in die Zivilisation, wie sie sagte. Und stellt euch vor, sie will die Höhle verschenken, mit Mobiliar. Da habe ich an euch gedacht. Tim findet auf jeden Fall Arbeit dort und für das erste Jahr gebe ich euch was mit, womit ihr über die Runden kommt.“

Danke! ENDLICH

Ungläubig sahen sich Carla und Tim an. Träumten sie? Sie waren noch zu angespannt von den jüngsten Ereignissen, dass sich keine rechte Freude einstellen wollte. Doch dann huschte ein Lächeln über ihre Gesichter: „Danke Oma!“, sprachen sie wie im Chor.

„Aber nur, wenn du uns besuchst“, warf unerwartet plötzlich Joel ein. Tim wollte gerade die Augen verdrehen, aber ein sanfter Fußtritt Carlas besänftigten seine Augenmuskeln.

Sechs Monate später

… schaltete Tim am Morgen den Computer im Arbeitsraum ihrer Wohnhöhle ein. Carla und Joel schliefen noch. Ihnen ging es bedeutend besser. Freilich mussten sie sich weiterhin konsequent um ein cleanes Umfeld bemühen und aßen nur Bio-Kost. Aber hier ließ es sich aushalten. Wie würde es seiner Frau und den Jungen jetzt wohl gehen, wenn sie in Deutschland geblieben wären? Zudem hätte Carla sich weiterhin zwangsweise in eine Tagesklinik begeben müssen…

Schon lange hatte Tim sich vorgenommen, die Erlebnisse des letzten Jahres in Form einer Kurzgeschichte festzuhalten. Und so begann er zu schreiben: „Der vierjährige Joel lief schwermütig und keuchend an der Hand seiner Mutter. Das Atmen fiel den Kleinen schwer, weil er durch die Atemschutzmaske nur mühsam Luft bekam…“

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, Dezember 2010

FORTSETZUNGSGESCHICHTE:

Teil I: …und komme bitte nicht mit Parfüm

Teil II: MCS als Fiktion hinzustellen ist einfach, mit MCS zu leben ist schwer

Teil III: Die Problematik MCS ist der Regierung schon öfter unterbreitet worden

Teil IV: Umweltkrankheiten: Ich will mein altes Leben wieder

Teil V: Die Folgen sind bitter

Teil VI: Seit wann machen Krankheiten vor dem Alter halt?

Stadt schafft Barrierefreiheit

San Francisco bittet um Verständnis für Allergiker, Chemikaliensensible und Umweltkranke

San Francisco zählt zu der weltoffensten Städten und der US Bundesstaat Kalifornien ist dafür bekannt, sich mehr als jeder andere Bundesstaat in den USA für die Umwelt einzusetzen. Auch Menschen mit Allergien und Umwelterkrankungen können in der Stadt an der amerikanischen Westküste, selbst im öffentlichen Bereich, mehr Hilfe und Verständnis als anderswo erwarten. Die Vorgehensweise ist relativ einfach und wäre auch überall sonst leicht durchführbar. Durch entsprechende Anweisungen wird eine Atmosphäre in Innenräumen geschaffen, die es auch diesen Personen ermöglicht, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen und im behördlichen Bereich mit dazu beizutragen, Entscheidungen zu treffen.

Barrierefreiheit für Allergiker und Umweltkranke

Eine Mitte Dezember 2010 herausgegebene Leitlinie der Stadt San Francisco und der dazugehörigen Gemeinden legt fest, welche Reglements bei Sitzungen von Behörden, Komitees und öffentlichen Institutionen eingehalten werden müssen. Um Behinderten und Menschen mit Einschränkungen die Teilnahme an Veranstaltungen und Sitzungen zu ermöglichen, wurden ganz spezielle Anordnungen getroffen. Da Menschen mit Allergien und solche mit Umweltkrankheiten mit den Gegebenheiten in vielen Gebäuden gesundheitlich zu kämpfen haben, wurde auf diese beiden Personengruppen ganz besonders eingegangen. Entsprechende entgegenkom- mende Anweisungen für das Jahr 2011 stehen bereits auf der ersten Seite einer Agenda zu lesen.

Board of Supervisors, City and County of San Francisco:

„Um die Bemühungen der Stadt für Personen mit schweren Allergien, Umweltkrankheiten, Multiple Chemical Sensitivity oder verwandten Behinderungen zu unterstützen, sind die Teilnehmer in öffentlichen Versammlungen daran zu erinnern, dass andere Teilnehmer empfindlich auf Duftstoffe und verschiedene andere auf chemischer Basis duftenden Produkte reagieren können. Bitte helfen Sie der Stadt, es für diese Personen passend zu machen.“

Integration statt Isolation

Integration von Behinderten ist eine wichtige Aufgabe, der sich viele Länder gemäß einer vor fast zwei Jahren unterzeichneten UN-Behindertenkonvention verpflichtet haben. In einigen Bereichen gab es seitdem in vielen Unterzeichnerländern bereits sehr hilfreiche Verbesserungen. Solche relativ einfach zu realisierenden Maßnahmen wie in San Francisco, um auch Allergiker und Umweltkranke zu integrieren, werden jedoch in Deutschland, das ebenfalls ein Unterzeichnerland der UN-Behinderten- konvention ist, noch völlig vermisst.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Dezember 2010

Literatur:

Board of Supervisors, City and County of San Francisco, Agenda, 14. Dezember 2010.

Weitere CSN Artikel zum Thema:

Die Folgen sind bitter

Alltagschemikalien – Für Chemikaliensensible ein Dauerbrenner

FORTSETZUNGSGESCHICHTE

… „Was ist nun mit dem Zweiten Punkt?“, fragte Carla.

„Was? Was für einen, eh, Zweiten…“ stotterte irritiert Tim, der sich wunderte und freute, dass die Stimme seiner Frau fester klang.

„Na von „mobil“, der Zeitschrift von gestern, weißt du noch?“

„So wichtig war das auch nicht“, wehrte Tim ab, der seine Frau nicht noch mehr beunruhigen wollte.

„Nun komm schon!“

Tim holte die Zeitschrift, schlug sie auf und tippte auf den Artikel „Düfte als Dauerbrenner“.

Da musste Carlo zum Erstaunen von Tim lachen: „Ja, Düfte sind wirklich für uns Chemikaliensensible ein Dauerbrenner.

„Nur wenn der Firmeninhaber der Engels Kerzen GmbH sagte, dass Duftkerzen der Wachstumsmotor der Kerzenbranche sind, dann kannst du dir ausmalen, wie sehr die Belastung mit künstlichen, um nicht zu sagen chemischen Duftstoffen steigen wird. Weißt du noch, als wir unsere Schrankwand entsorgen mussten, weil der Duftkerzengeruch der Duftkerzen, die wir früher selbst verwendet haben, als du noch gesund warst, nicht mehr zu entfernen war? Wir waren ganz erstaunt darüber, wie viel Fächer nach Duftstoffen rochen. Das Zeug bekommst du ebenso wenig aus einer Wohnung raus wie den Zigarettengeruch aus einer Raucherwohnung. Auf keinen Fall jedenfalls mit dem Niveau, dass für MCS-Betroffene nötig ist.“

„Wie könnte ich das vergessen…“

„Engels sagte, dass sie jährlich neue Farben und Gerüche entwickeln. Ich fürchte, dann sind Düfte in Kerzen bald so selbstverständlich wie in Weichspüler, Wasch- mittel, Spülmittel und fast allen anderen Haushaltschemikalien.“

Wasser- und Luftverschmutzung

„Da brauchen wir uns wirklich zu wundern Tim, warum es in der Umgebung der Wohnhäuser so stinkt, warum selbst die Abwässer eher wie widerliche Duftkonzentrate, statt abwassertypisch riechen. Buchstäblich alles, was Menschen heute umgibt, ist in Duftstoffen eingehüllt. Das ist die reinste Geruchsstoff- verschmutzung. Natürliche frische Luft gibt es kaum noch. Auch die Flüsse stinken schon zeitweilig nach Duftstoffen und sogar Wälder werden von Duftstoffschwaden durchzogen. Das ist doch nicht normal.“

„Glaubst du, dass das die anderen Menschen überhaupt riechen, Carla?“

„Da habe ich teilweise meine Zweifel. So wie sich die Menschen an den hohen Salz- oder Zuckergehalt von Lebensmitteln, an künstliche Aromen und Geschmacks- verstärker gewöhnt haben, so haben sie sich an die Duftstoffe gewöhnt. Der Gewöhnungseffekt erfordert immer stärkere Geruchsstoffe. Man ist daher stolz darauf, Duftstoffe für Weichspüler entwickelt zu haben, die mehrere Waschmaschinen- waschgänge überstehen. Wenn dann die Duftrichtung gewechselt wird, weißt du, was dann für Mischungen entstehen?“

Denken Hersteller nicht an Allergiker?

„Carla, wir müssten einfach mal Herrn Engel und eigentlich alle Kerzenhersteller fragen, ob er auch an die Allergiker und MCS-Kranken denkt. Warum wird bei der Entwicklung von Duftstoffen nicht auch danach geforscht, dass sie keine große Reichweite haben? Eine Frau muss keine zwanzig Meter lange Duftfahne hinter sich her ziehen. Duftstoffe in Kerzen können nach dem Verbrennen der Kerze eine nur kurze Lebensdauer haben und müssen nicht noch wochenlang, Monate oder Jahre auf Gegenständen zu riechen sein. Das tun natürliche Duftstoffe auch nicht. Sie müssen auch nicht die Fähigkeit haben, während des Nichtbrennens der Kerze so intensiv, um nicht zu sagen aggressiv zu riechen und an Gegenständen so permanent zu haften.

Die Natur ist nicht so aufdringlich

Wenn sich die Duftstoffe der Pflanzen in der Natur auch so aggressiv verhalten würden, dann könnten wir keinen Spaziergang über eine blühende Wiese überstehen. Unsere Kleidung, Haut und Haare würden extrem nach Wiesenblütenduft riechen und der Geruch wäre nur durch mehrmaliges Waschen über einen längeren Zeitraum zu entfernen. Ständig würden massiv andere Gerüche auf uns einstürmen, so dass wir gar nicht mehr wüssten, was wie riecht. Wir könnten keine Fenster mehr öffnen, weil der Raum voll wäre von konzentriertem Duft, der durch einfaches Lüften nicht mehr zu entfernen wäre. Die Möbel würden jahrelang riechen…“.

Gerüche, Gerücht, Geh-Rüche

„Tim, früher habe ich einmal davon geträumt, dass das oft vorausgesagte Geruchskino bald Realität werden möge. Und jetzt? Jetzt sind Gerüche für uns zu „Geh-Rüche“ geworden, GEH-RÜCHE, vor denen man wegzugehen, zu fliehen hat, will man nicht noch kränker werden.“

„Da gibt es noch ein anderes, ähnliches Wort Carla: GERÜCHT, also eine unwahre oder zweifelhafte Behauptung, die in die Öffentlichkeit lanciert wurde. Wie ein Geruch durchdringt das Gerücht die Öffentlichkeit und bleibt am Bewusstsein der Menschen hartnäckig haften. Also ein GEH-RÜCHT, denn es geht zu den Menschen hin, um die Schadensbrut in den Gehirnen abzulegen. Geistige Schlupfwespen sozusagen. Selbst wenn das Gerücht widerlegt, also gereinigt wurde, hinterließ es oft fast unauslöschbare Spuren in den Hirnen der Menschen.“

Der Kreis schließt sich

„Wie Chemikalien und Duftstoffe in den Hirnen von MCS-Kranken auch“, stellte Carla eine Parallele her. „Womit sich der Kreis zwischen Gerüche und Gerücht wieder schließt. Moleküle von Duftstoffen, flüchtigen Substanzen, Schwermetalle und Gerüchen dringen über die defekte Bluthirnschranke von MCS-Kranken ein und lösen ein Chaos im Gehirn aus. Dabei reichen geringste Mengen aus, die dann zu massiven Symptomen führen.“

„Genau Carla. Diese wenigen Moleküle wirken bei MCS-Kranken wie ein materialisiertes Gerücht von einer augenblicklich großen körperlichen Gefahr, versetzen dadurch das Gehirn in eine Art Ausnahmezustand.“

Der Körper von Menschen mit MCS reagiert anders

„Und das, Tim, führt wieder dazu, dass diese MCS-Reaktionen so massiv und gewaltig sind, dass es für deren Auslösung unerheblich ist, ob die Schadstoffe in so großen Menge eingedrungen sind, dass sie einen erheblichen Schaden im klassischen Sinne einer Vergiftung direkt anrichten können oder nicht. Durch die defekte Bluthirnschranke und die mangelhafte Entgiftungsleistung der Entgiftungs- organe, wodurch die gespeicherte Schadstoffmenge grundsätzlich überdurch- schnittlich erhöht ist, ist das Gehirn und letztlich der Körper nicht in der Lage, so zu reagieren, wie es bei Menschen ohne MCS der Fall ist.“

„Also doch Psychopharmaka, die das Gehirn beruhigen?“, provozierte grinsend Tim.

Warnsignale beachten

„Blödmann. Eben nicht. Der Körper muss entgiftet werden, soweit das möglich ist. Ob sich die Bluthirnschranke wieder erholt? Schwer zu sagen. Jedenfalls bleibt ohne Entgiftung und das Leben in einem cleanen Umfeld der Körper in einem Zustand, wo er immer extrem auf geringste Chemikalien reagieren wird. Daran können Psychopharmaka gar nichts ändern. Und selbst wenn, was wäre denn die Folge?

Die Ansammlung der Schadstoffe geschieht mit einem noch größeren Tempo, weil der Körper durch fehlende Reaktionen keine Warnsignale mehr aussendet, und der totale Zusammenbruch kommt dann viel schneller als ohne Psychopharmaka. Sind schon MCS-Kranke generell vergleichsweise hoch selbstmordgefährdet, dann diejenigen, denen man Psychopharmaka gab, aus Erfahrung extrem. Es ist sicher nicht nur ein Gerücht, dass die meisten MCS-Kranken, die Suizid beginnen, Psychopharmaka einnahmen und dann dies taten, als diese Mittel abgesetzt wurden oder werden mussten.“

Fortsetzung folgt.

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, Dezember 2010

FORTSETZUNGSGESCHICHTE:

Teil I: …und komme bitte nicht mit Parfüm

Teil II: MCS als Fiktion hinzustellen ist einfach, mit MCS zu leben ist schwer

Teil III: Die Problematik MCS ist der Regierung schon öfter unterbreitet worden

Teil IV: Umweltkrankheiten: Ich will mein altes Leben wieder