Gourmets, Weinkenner und Restaurantkritiker einig: Parfum im Restaurant, bitte nicht

Gourmets, Weinkenner und Restaurantkritiker haben einige gemeinsame Vorlieben und gemeinsame Abneigungen. Erlesene frische Zutaten, gepflegtes Ambiente, ein guter Tropfen lassen sie in Verzückung geraten. Grauenvoll hingegen finden sie, wenn ihnen ein Parfum die Sinne raubt, mit denen sie genießen wollen, um Sterne zu vergeben oder Kritiken zu schreiben.
Michael Bauer vom San Francisco Chronicle schrieb im Juni zum zweiten Mal über das Thema Parfum im Restaurant, der Restaurantkritiker ließ seinem Frust freien Lauf und titelte:
Lasst uns Parfums aus Restaurants verbannen
Der Restaurantkritiker lässt wissen, warum er gerne so rigoros vorgehen möchte. Er sei in Restaurants oft mit Gästen konfrontiert, die nach Cologne oder Parfum stinken. Es müsse gesagt werden, dass sei widerlich, und in manchen Fällen würde einem schlecht davon, gelinde ausgedrückt.
Parfum schlimmer als Passivrauch
Duftstoffe seien für ihn nahezu schlimmer als Passivrauch, schreibt der Restaurantkritiker, weil er Schmerzen davon bekäme. Schwaden von stinkendem floralen Parfum umwaberten einen, während man sein Essen genieße. Das würde nicht nur dazu führen, dass alles wie eine LKW Ladung Gardenien schmecken würde, es würde bei ihm auch Kopfschmerzen verursachen.
Professionelle Weintester tragen nie Parfum
Michael Bauer erinnert in seinem Artikel die Leser daran, dass professionelle Weintester wissen, dass man kein Parfum trägt, weil es den Eindruck über den Wein verfälscht. Aus diesem Grund gäbe es in der Essen und Wein Abteilung des San Francisco Chronicle ein Duftstoff-Verbot, weil sie dort täglich Essen und Weine probieren müssten. Bedauerlicherweise könnten Restaurants nicht das gleiche Verbot aussprechen.
Dass Michael Bauer ein Thema angestochen hatte, über dass Interesse besteht, zeigen 450 Kommentare von Lesern, die er dafür bekam.
Kommt Parfum im Restaurant schlechten Manieren gleich?
Helena Echlin von Chow, einem Trendmagazin über Essen und Restaurants, erhielt eine Mailanfrage, die sie veröffentlichte und kommentierte. Der Schreiber beschwerte sich. Er habe am Abend vorher in einem Restaurant gesessen und jemand sei hereingekommen, der sich mit Drakkar Noir geradezu überschüttet hatte. Der Geruch hätte ihn nahezu hinausgeekelt. Er fragt deshalb, ob es schlechte Manieren seien, ein schweres Cologne oder schweres Parfum zu benutzen, wenn man essen geht.
Parfum – nicht geliebt von Restaurantkritikern und Weinexperten
Helena Echlin schrieb zurück, dass eine Menge Restaurantkritiker eine regelrechte Parfum-Phobie hätten. Das ginge Chowhounds so, und Michael Bauer vom SF Chronicle sei sogar soweit gegangen, dass er vorgeschlagen hätte, Parfums in Restaurants zu verbieten.
Geruch betäubt den Geschmackssinn
Geruch stünde in engem Zusammenhang mit schmecken. Der Weinkäufer Randi Leehan, Geschäftsführer der Weinbar Bottlerock in Los Angeles, hätte bspw. gesagt, dass selbst Seifen oder Waschmittel die Fähigkeit beeinträchtigen, einen Wein richtig genießen zu können. Ihm ginge es so, dass er seine Nase putzen müsse, um richtig zu schmecken. Er ginge, wenn er mit solchen Gerüchen konfrontiert würde, hinaus und würde frische Luft schnappen, bevor er den Wein richtig testen könne. Moschus sei am Schlimmsten, weil es so lange im Raum stünde und so stark sei, führt der Weinexperte aus.
Eigenes Parfum kann anderen das Essen verderben
Helena von Chow’s Table Manner erklärt ihren Lesern, dass selbst wenn man den Geruch des eigenen Parfums nicht mehr wahrnehmen könne, weil die Nase sich innerhalb ungefähr 15 Minuten anpassen würde und den Duft dann nicht mehr registriert, ein anderer ihn durchaus riechen würde. Wenn jemand eine empfindliche Nase hätte, schreibt sie, könne ein Parfum einem anderen das Essen verderben. In einem Restaurant, in dem der Weinkenner Leehan gearbeitet habe, hätten sich einige Gäste beispielsweise über das Haargel einer Bedienung beschwert. Sie nahmen den Geruch an seinen Händen wahr, wenn er ihre Teller wegnahm.
Wenn es sein „muss“, dann dezent bitte
Helena Echlin gibt ihren Lesern abschließend den Rat sich nicht mit Parfum zu übergießen, sondern einmal in die Luft zu sprühen und schnell darunter durchzugehen, wenn sie nicht ohne Duft aus dem Haus gehen wollten. Auf diese Weise sei das Parfum im Vergleich gesehen wie ein leichter Kashmirschal wahrzunehmen und nicht ein schwerer Wollmantel, Hut und dicke Winterhandschuhe.
Rausgeschmissen wegen Parfum
Allergiker und Chemikaliensensible kennen das Dilemma, im Restaurant zu sitzen, das Essen kommt gerade auf den Tisch und jemand kommt mit einem starken Parfum ins Lokal, zur Genüge. Das war’s dann, hektischer Aufbruch, rasches Suchen nach der Bedienung, um zu zahlen oder nachzufragen, ob man den Tisch wechseln könne oder das Menü in einem Nebenraum einnehmen dürfe. Was des einen Menschen Auffassung von Kultur – O-Ton mancher: „Parfums gehören doch zu unserer Kultur“ – ist für andere Menschen ein Ausschlusskriterium aus der Gesellschaft. Allergiker und Chemikaliensensible würde deshalb ein durchgestrichener Parfumflakon neben dem Rauchverbotsschild an der Restauranttür, sicher ein: „Oh wie phantastisch, endlich genießen dürfen“ entlocken.
Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 28. August 2009
Literatur:
Michael Bauer, Let’s ban perfume from restaurants, Etiquette, San Francisco Chronicle, 9. Juni 2009
Helena Echlin, Scent-free dining, CHOW’s Table Manners column, 25. August, 2009









