MCS bei japanischen Arbeitern nachgewiesen

Umweltkrankheit MCS bei japanischen Arbeitern nachgewiesen.

Chemikaliensensitivität  bei Industriearbeitern

Wissenschafter aus Japan untersuchten Arbeiter aus zwei großen Industriebetrieben, um herauszufinden, ob sie unter Chemikaliensensitivität (MCS) leiden und ob die Anzahl der von MCS betroffenen Arbeiter Schwankungen unterlegen ist.

Die Studie zeigte eindeutig, dass MCS unter japanischen Industriearbeitern existiert. Die Studie wurde im Januar 2014 in der medizinischen Fachzeitschrift „Environmental Health and Preventive Medicine“ publiziert.

Validiertes QEESI Diagnosetool bringt Resultate

Für ihre Langzeitstudie untersuchten die Wissenschafter Arbeiter aus zwei herstellenden Industriebetrieben in Kyushu. Um MCS bei den Arbeitern zu diagnostizieren, setzten sie das QEESI Diagnosetool (Quick Environmental Exposure and Sensitivity Inventory) von C. Miller ein und die japanischen MCS Fallkriterien. Beides hat sich in der Vergangenheit bei wissenschaftlichen Studien als zuverlässig erwiesen.

MCS bei Arbeitern in Industriebetrieben festgestellt

Die Arbeiter im Industriebetrieb A wurden 2003, 2006 und 2011 einer Untersuchung und Befragung unterzogen. Die Industriearbeiter des Betriebs B untersuchte man 2003 und 2011. Die japanischen Wissenschafter wollten mit dieser Vorgehensweise feststellen, ob die Chemikaliensensitivität der Arbeiter, über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, Schwankungen unterlegen ist.

Das Wissenschaftlerteam fand heraus, dass MCS im Jahr 2011 etwas häufiger bei Arbeitern nachgewiesen wurde als 2003. Sie zogen hierfür das QEESI Diagnosetool heran. Die japanischen MCS Kriterien erbrachten, dass MCS im Jahr 2011 häufiger bei Arbeitern vorhanden war als im Jahr 2006. Im zweiten Industriebetrieb war Chemikaliensensitivität 2011 weniger häufig als 2003, laut den Ergebnissen, die sich aus den japanischen MCS Fallkriterien ergaben. Die Unterschiede waren jedoch geringfügig und statistisch gesehen von untergeordneter Relevanz.

Japanische Arbeiter leiden unter MCS

Eindeutig war für die japanischen Forscher, dass MCS bei den Arbeitern in beiden Industriebetrieben existiert. Die Schwankungen waren minimal und ließen erkennen, dass MCS in diesen beiden Kollektiven keine steigende Tendenz hat.

MCS bei Arbeitern in Deutschland

Studien zur Feststellung von Chemikaliensensitivität bei deutschen Industriearbeitern gab es bislang nicht, außer einer Erhebung mittels Fragebogen von Werner Maschwesky aus dem Jahr 1998. Dass Chemikaliensensitivität auch bei deutschen Arbeitern jedoch existiert, wird von MCS Selbsthilfegruppen seit Jahren berichtet.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 2. Februar 2014.

Literatur:

Cui X, Lu X, Hiura M, Oda M, Hisada A, Miyazaki W, Omori H, Katoh T., Prevalence and interannual changes in multiple chemical sensitivity in Japanese workers, Environ Health Prev Med. 2014 Jan 30.

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6 Kommentare zu “MCS bei japanischen Arbeitern nachgewiesen”

  1. Twei 2. Februar 2014 um 23:03

    MCS kennt keine Ländergrenzen!

    Was für japanische Arbeitnehmer gilt, läßt sich zweifellos auch auf die weltweite Arbeitnehmerschaft übertragen.

    Und was zeigt uns das?
    Dass es endlich Zeit wird, für die Masse an Betroffenen sowie „noch nicht“ Betroffenen etwas zu tun;
    damit meine ich MCS-gerechte Arztpraxen, Krankenhäuser, Pflegeheime und vor allen Dingen WOHNUNGEN für Betroffene zur Verfügung zu stellen bzw. einzurichten…!

    Stattdessen aber schweigen Politiker, Beamte und Ärzte lieber über eine „unangenehme Krankheit“, die eventuell den Chemiestandort Deutschland gefährden könnte … oder warum sollte wohl sonst das QEESI-Diagnoseverfahren nur bei uns keine Anerkennung finden?

    Dabei wäre es so einfach, preisgünstig und für die Bevölkerung gesundheitlich gesehen äußerst vorteilhaft, wenn mal endlich eine bundesweite MCS-Untersuchung statt fände.

    Aber ohne dem QEESI-Testverfahren läßt sich MCS schwerlich nachweisen! Fazit – es gibt offiziell so gut wie keine „MCS-Erkrankten“ … und demnach auch keine „Hilfebedürftigen“!

    Aber internationale Studien beweisen, dass Chemikaliensensitivitäten in der Bevölkerung von Industriestaaten äußerst stark vertreten sind – und dass diese für die Betroffenen leider „lebenslänglich“ bedeuten ohne jegliche Aussicht auf Heilung.

    Viele Chemikalien werden ja nicht nur von MCS-Erkrankten nicht vertragen, sondern stehen ebenfalls im Verdacht Krebs, Allergien und viele andere Krankheiten auszulösen, die man mittlerweile schon zu den „Volkskrankheiten“ zählt.

    Es wird Zeit der Wahrheit in die Augen zu sehen!

    Hilfe statt Wegsehen, denn das Wegsehen bedeutet für MCS-Betroffene und jenen, die aufgrund fehlender Früherkennung eine MCS-Erkrankung entwickeln, schwerste „Körperverletzung“!

    Darum fordere ich die sofortige bundesweite – besser noch EUROPAWEITE Zulassung und Anerkennung des QEESI-Testverfahrens!

  2. Friedrich 4. Februar 2014 um 11:27

    Ja – eine flächendeckende Untersuchung der Bevölkerung auf Chemikaliensensitivität / MCS wird durch die Ergebnisse solcher Studien eigentlich zur Pflicht!

    MCS-Erkrankungen sind nicht nur bei Arbeitern von Industriebetrieben vorzufinden, sondern auch bei Hausfrauen, welche sich vorwiegend in Wohnungen aufhalten, bei Beamten, welche sich täglich in Bürogebäuden befinden etc..

    Letztendlich werden es vornehmlich all‘ die Giftstoffe sein, die von der Industrie den Weg in unser Lebensumfeld wie Gebäude, Wohnung und Lebensmittel schaffen!

    Ich wünsche niemanden eine MCS – denn es ist eine tägliche Qual damit leben zu müssen!

  3. Kira 4. Februar 2014 um 19:35

    Weshalb das in Deutschland so ist ….

    schon am 08.02.2012 nannte, in einem Interview bei Planet Wissen, Dr. Kurt E. Müller
    Vorstandsmitglied des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmediziner den Grund.

    Planet Wissen fragte u.a.
    „Wie viele Menschen leiden unter dieser speziellen Form der Unverträglichkeit?“

    Hierauf antwortete Herr Dr. Kurt E. Müller

    „Es gibt Hinweise, dass die multiple Chemikalienunverträglichkeit genauso häufig ist wie die klassischen Volkskrankheiten, also wie Diabetes oder Bluthochdruck. Das heißt, in Deutschland leiden etwa vier bis sechs Millionen Menschen darunter. Wir schätzen, dass rund 500.000 Menschen die schwerste Form dieser Krankheit haben. Diese Patienten können kaum noch vor die Tür gehen. Aber das sind Zahlen, die errechnet sind aus ausländischen Zahlen. Amerikanische Wissenschaftler geben für die Krankheit eine Häufigkeit von 15 Prozent in der Bevölkerung an.

    Dass es bei uns keine gesicherten Zahlen gibt, liegt meiner Meinung nach daran, dass die Chemieindustrie diese Krankheit nicht will. Es gab in den 90er Jahren in Berlin eine Sitzung mit Vertretern der Industrie, auf der diese erzwingen wollten, dass die Krankheit umbenannt wird, um das Wort Chemie herauszuhalten. Das ist aber gescheitert.“

    http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/krankheiten/allergien/umweltgifte.jsp

    Und an dieser Tatsache hat sich m.E. bis heute nichts geändert, der Druck der Industrie und Chemie hält weiter an.

    Der Kampf ums Überleben bei einem MCS-Kranken ist nicht zu unterschätzen ….. unsere Gesellschaft muss endlich aufwachen! Was hier hinter vielen Einzelschicksalen steht und ist, ist nicht mehr „unmenschlich“ … das ist weit mehr und in Worten kaum auszudrücken.
    Jedoch nach wie vor kämpfen die Opfer alleine, die Gesellschaft selbst schaut lieber weg. Aber das hat Twei in seinem o.a. Kommentar ja schon sehr trefflich beschrieben.

    MCS ist eine sehr schwere organische Erkrankung und im ICD 10 unter T78.4 gelistet. Für MCS-Kranke gibt es keine barrierefrei Welt, jedenfalls solange nicht bis endlich viele unnötige toxische Substanzen aus dem „normalen Leben“ verbannt werden.

  4. PappaJo 5. Februar 2014 um 13:38

    Mal gut das die Japaner kein Blatt vor den Mund nehmen! So sieht das aus aber eben weltweit! Nur berichtet so kaum einer drüber!

    In BRD kann man auch den Trend gut beobachten, der in die MCS-Mühle trudelt. Es ist oft auffällig was da so in der Werbung läuft, z.B. ob es neue Schmerzmittel sind und nun auch für Kinder! gut verträglich oder das beliebte Baldrian-Präparat, das man sonst nur für die Nacht nahm und es nun auch für den Tag eines gibt. Damit man „ruhig“ und „ausgeglichen“ seinen Job machen kann.

    Unruhe und Schmerzen – kennt wohl jeder der an MCS erkrankt ist.

    Was gibt es noch um wieder runter zu kommen wenn man wie ein Varta-Häschen durch die Gegend vibriert? Ach ja, Tabak, Alkohol und der Trend zu allerlei weiteren Drogen hält an und nimt zu. Man will sich betäuben um mal „abzuschalten“, denn auf Dauer ist eine auch leichte „chronische“ MCS unerträglich. Abschalten aber mit fatalen Folgen!

    Wer kommt schon auf die Idee es mal und zumindest in den eigenen vier Wänden ohne Duft und Parfum zu versuchen, alles was irgendwie chemisch oder stark riecht zu entfernen, das billig Baumarkt Laminat mal mit Alufolie abzudecken (Formaldehyd-Schleuder), sich selbst nur mit Bio-Kernseife zu waschen und seine Kleidung ohne Duft und Chemie zu waschen usw. usw. – Das wäre eine Lösung ohne Nebenwirkungen.

    Ich bin mal gespannt wann sich hier in BRD was bewegt.

  5. Kira 12. Februar 2014 um 20:11

    Möchte das hier auch erwähnen,
    lest selbst in dem Thread:

    Korea: Erster Fall von MCS durch Umweltexposition
    http://forum.csn-deutschland.de/viewtopic.php?f=93&t=20263#p116846
    Diagnostiziert mit Hilfe der koreanischen Version des Quick Environment Exposure Sensitivity Inventory (QEESI).

  6. Clarissa 23. Februar 2014 um 20:21

    Es gibt da eine Sache die ich nicht verstehe, in vielen Industrieländern wird mit Hilfe des QEESI Fragebogens, MCS und weitere Umwelterkrankungen zweifelsfrei festgestellt, nur in Deutschland wehrt man sich mit Zähnen und Klauen dagegen. Warum gibt es in allen Industrieländern Umwelterkrankungen nur in D-Land nicht? Ist es die sehr gute Lobbypolitik, Politiker, Justiz, Gutachter(un)wesen die das verhindern? Haben nicht alle Politiker, Ärzte usw. geschworen Schaden abzuwenden und zum Wohle der Bürger/Patienten zu handeln?

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