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Umweltmediziner auf Kreuzfahrt

Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinien

Heute wird in Kiel die MS Color Magic ablegen. Mit an Bord werden Mediziner sein, die sich von Frau Dr. rer.nat. Anke Bauer von den Fachkliniken Nordfriesland gGmbH die neuen Praxisleitlinien für die  kurative Umweltmedizin vorstellen lassen wollen.

Es ist nicht der erste Auftritt der Referentin in Sachen neue Leitlinien:

Vor zwei Jahren im Februar 2010 versammelte sich im noch winterlichen Fulda eine kleine Gruppe von Medizinern im Hotel Wiesenmühle. Gekommen war auch Frau Dr. rer.nat. Anke Bauer von den Fachkliniken Nordfriesland gGmbH gerüstet mit einem Stapel von Papieren. Papiere mit vorbereiteten Passagen für neue, sogenannte handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinien.

Die Diskussion verlief zügig. Und schon im Sommer 2010 nach dem man im email-Austauschverfahren Übereinstimmung erzielt hatte mit den Medizinern Volker v. Baehr, Frank Bartram, Claus-Hermann Bückendorf, Hans-Peter Donate, Volker Engelhardt, Wolfgang Huber, Martin Klehmet, Kurt Müller, Peter Ohnsorge, konnte Frau Dr. Anke Bauer die Erstellung eines neuen Leitlinienpapiers vermelden.

Im Oktober 2011 wurde eine letzte Überarbeitung vorgenommen und am 7.11.2011 stellte der DBU das Papier online:

Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinien

Herausgegeben von dem Deutschen Berufsverband der Umweltmediziner e.V

Wenn heute aktive Leitlinienautoren und interessierte Mediziner auf der MS Color Magic Richtung Oslo schippern, so vermutlich, um sich gegenseitig zu versichern, dass man auf dem richtigen Kurs ist. Denn mit den neuen Leitlinien geht auch vieles über Bord, was schon mal zum Allgemeinwissen in Sachen Umweltmedizin gehörte. Wer das nicht für möglich hält, dem sei die Lektüre der Langfassung angeraten.

Nun, lassen wir einen Kaufmann sprechen, was mit den neuen Leitlinien angedacht ist. Ingo Tüchsen, Geschäftsführer der Firma Fachkliniken Nordfriesland gGmbH, kommt in der Hauspostille ganz ohne verschleierndes Gebrabbel zur Sache:

„Meilensteine in der Umsetzung…

Wechsel in der umweltmedizinischen Versorgung von einem somatischen in ein psychologisches Behandlungsangebot

Näheres kann man auch einem zeitgleich mit den neuen Leitlinien veröffentlichtes Papier mit dem Titel:

Therapeutisches Konzept für die Krankenhausbehandlung von Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen Schwerpunkt Umweltmedizin

entnehmen, für das auch – neben einer zwei weiteren Autoren aus der Klinik- die Leitlinienautoren Bauer und Mai als verantwortlich zeichnen.

Ein Blick in dieses Papier lässt tief blicken:

Zitat auf Seite 9

“Das Schließen eines therapeutischen Bündnisses ist besonders zeitaufwendig aufgrund von

  • Hohem Chronifizierungsgrad
  • Dysfunktionalen, aber stark verfestigten Krankheitsmodellen
  • Schwierigkeiten, die Patienten für psychotherapeutische Maßnahmen zu gewinnen
  • (die Patienten haben oft bereits negative Erfahrungen mit “rein”
  • Psychotherapeutischen Einrichtungen gemacht), eine Vertrauensbasis muss erst erarbeitet werden.
  • feindseligem Weltbild der Betroffenen bei gleichzeitigen Wiedergutmachungswünschen an die Gesellschaft
  • dadurch Schwierigkeiten, die Patienten für die unterstützenden psychotherapeutischen Maßnahmen zu gewinnen”

Was die Leitlinienmacher vorhaben, hat der Kaufmann Ingo Tüchsen auf den Punkt gebracht. Auffällig auch, dass das neue Leitlinienpapier Passagen enthält, die man auch in einem Papier für eine geplante AWMF Leitlinie Fibromyalgie Syndrom findet.

Na so was…

Auffällig auch, dass in Kürze noch eine Leitlinie angedacht ist, die inhaltlich jener der DBU Leitlinien doch sehr nahe steht:

S 3 Leitlinie

Umgang mit Patienten mit nichtspezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden

Beide Leitlinien, sowohl die des DBU, als auch die von Henningsen von der TU München an der auch GHUP und DGAUM beteiligt sind, haben vor allen Dingen ein Ziel:

Über das Instrument Ausschlussdiagnostik sollen MCS Patienten in die Psychoecke gestellt und dort auch behandelt werden. Das hat für den Arzt den Vorteil, dass man sich gar nicht erst mit dem ICD-10 Code T78.4 auseinandersetzen muss. Man findet halt, wie uns das die GHUP-Chefin, Caroline Herr, schon mal so blumig im Forum der Apotheken-Umschau berichtet hat, immer etwas Anderes.

Autor: Juliane für CSN – Chemical Sensitivity Network, 24. Februar 2012

CSN Artikel zum wissenschaftlichen Sachstand:

Unfruchtbare Paare sind stärker mit Phthalaten belastet

Forscher, die in Italien unfruchtbare Paare untersucht haben berichten, dass diese Paare mit Phthalaten, die sehr häufig in Kunststoffen und Kosmetika eingesetzt werden, stärker belastet sind, als fruchtbare Paare.

Unfruchtbare Paare sind drei- bis fünfmal höher mit Phthalaten belastet als fruchtbare Paare, die auf natürlichem Weg ein Kind gezeugt haben, stellt eine Studie aus Italien fest. Die [unfruchtbaren] Paare wiesen bei vier verschiedenen Phthalat-Klassen höhere Werte in ihrem Urin auf, dazu gehörte eine Phthalat-Verbindung, die sehr häufig in Kunststoffen eingesetzt wird und eine, die in Kosmetika zur Anwendung kommt.

Phthalate können als endokrin disruptive Chemikalien agieren, indem sie die Wirkung von natürlichen Hormonen wie Östrogen nachahmen oder diese beeinflussen. Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass Phthalate Probleme wie vorzeitiges Ende der Schwangerschaft und reduzierte Wurfgröße bei Nagern verursachen können, allerdings wurden die Tiere in diesen Studien einer Belastung ausgesetzt, die hundert Mal höher als die der Bevölkerung war.

Phthalate kommen zum Einsatz um Vinyl-Kunststoffe weicher und flexibler zu machen. Bis(2-ethylhexyl)phthalat [Diethylhexylphthalat] (DEHP) ist der am allerhäufigsten verwendete Weichmacher. Die Verbindung kann aus Kunststoff-Lebensmittelverpackungen auf die Lebensmittel übergehen. Erwachsene werden hauptsächlich über die Nahrung mit Phthalaten belastet.

Andere Phthalate findet man außerdem in bestimmten Körperpflege-Produkten wie z.B. Nagellack, Parfüm und Kosmetika. Diethylphthalat (DEP) – das am häufigsten in Kosmetika eingesetzte Phthalat – findet man in Hygieneartikel wie Seife, Shampoo und Haarspülungen. Sie können über die Haut aufgenommen werden.

Aufgrund des allgegenwärtigen Einsatzes ist eine Belastung mit Phthalaten in der gesamten Bevölkerung überall vorzufinden.

Verringerte Spermienzahl und reduziertere Spermienbeweglichkeit im männlichen Samen stehen in Zusammenhang mit Belastung durch Phthalate, aber auch verringerte Blutwerte wichtiger männlicher Hormone. Eine andere Studie ergab, dass eine Phthalat-Belastung von Frauen während des Empfängnismonates mit dem erhöhten Risiko einer vorzeitigen Fehlgeburt verbunden war.

In dieser Studie haben 56 Paare, welche die Hilfe einer Familienberatung gesucht hatten um eine Schwangerschaft zu erreichen und 56 Paare, die wenigstens ein Kind auf natürlichem Wege bekamen, Urinproben abgegeben, die auf Phthalat-Konzentrationen untersucht wurden. Paare die aufgrund körperlicher Anomalien oder infolge von Operationen unfruchtbar waren, wurden in dieser Studie nicht berücksichtigt.

Die Wissenschaftler bestimmten die Konzentrationen von vier verschiedenen Phthalaten und deren Abbauprodukte im Urin aller teilnehmenden Paare. Die Phthalatwerte der unfruchtbaren Paare wurden mit den Werten der fruchtbaren Paare verglichen.

Die Werte aller vier Phthalate und ihrer Abbauprodukte waren im Vergleich zu den fruchtbaren Männern und Frauen sowohl bei den unfruchtbaren Männern als auch bei den Frauen deutlich höher. Im Fall der Abbauprodukte von DEP waren die Werte bei unfruchtbaren Frauen ungefähr fünf Mal und bei unfruchtbaren Männern ungefähr drei Mal höher als im Vergleich zu ihrem fruchtbaren Gegenpart. Die Werte der Abbauprodukte von DEHP waren bei unfruchtbaren Paaren ein Drittel höher im Vergleich zu fruchtbaren Paaren.

Es sind weitere Forschungsarbeiten nötig um zu bestimmen, welche Phthalat-Belastung mit bestimmten Ursachen von Unfruchtbarkeit in Zusammenhang gebracht werden können. Der nächste Schritt der Autoren wird darin bestehen, diese Ergebnisse mit den Lebensgewohnheiten und Arbeitsbedingungen der Paare zu vergleichen, die über einen speziell dafür entworfenen Fragebogen erhoben werden sollen.

Autor dieser Synopse: Renee Gardner für Environmental Health News, 22. Februar 2012
Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Der Original-Artikel „Infertile couples have higher exposure to phthalates.“ wurde unter der Creative Commons Lizenz BY-NC-ND (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung und keine abgewandelten Werke) veröffentlicht. Abweichend von dieser Lizenz hat uns Environmental Health News diese Übersetzung gestattet, welche unter keiner Creative Commons Lizenz steht.

Literatur:

Tranfo, G, L Caporossi, E Paci, C Aragona, D Romanzi, C De Carolis, M De Rosa, S Capanna, B Papaleo and A Pera. 2012. Urinary phthalate monoesters concentration in couples with infertility problems. Toxicology Letters http://dx.doi.org/10.1016/j.toxlet.2011.11.033.

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Medizinstudenten krank durch Formaldehyd

Anatomie-Labors

Formaldehyd dient seit langem als Konservierungsmittel für Leichen in Anatomie-Labors. Die Chemikalie hat einen signifikanten Geruch, den viele Studenten unangenehm empfinden und sich noch nach Jahrzehnten daran erinnern. Dozenten und Studenten im Anatomiebereich, Einbalsamierer in Bestattungsunternehmen, Histopathologie- Laboranten und andere Forscher im Bereich Biologie sind ständig den giftigen Dämpfe von Formaldehyd in mehr oder weniger hoher Konzentration ausgesetzt. Formaldehyd ist krebserregend, neurotoxisch, genschädigend und darüber hinaus dafür bekannt, Chemikaliensensitivität / MCS auszulösen. Schutzmaßnahmen in den Anatomie-Labors sind oftmals nicht optimal und verbesserungswürdig. Studien aus verschiedenen Ländern belegten, dass die Problematik, dass Studenten und Dozenten im Anatomiebereich Formaldehyd ausgesetzt sind und dadurch gesundheitlich beeinträchtigt werden, weltweit besteht.

Formaldehyd, gesundheitsschädlich, krebserregend

Unmittelbare gesundheitliche Auswirkungen durch Formaldehyddämpfe sind u.a. Übelkeit, Atembeschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen und Augenreizungen, Schleimhautreizungen, Tränenfluss und ein brennendes Gefühl im Hals. Bei Formaldehydexpositionen im Niedrigdosisbereich scheinen Personen mit bereits bestehenden Allergien besonders anfällig zu sein. Eine Studie aus Thailand berichtete, dass ein Großteil der Studenten (82.7-87.8%) über extreme Erschöpfung klagte.

Langfristige Exposition gegenüber Formaldehyd kann zu Kontaktdermatitis, angeborenen Missbildungen und Krebs führen. Seit Jahren ist unstrittig, dass insbesondere die inhalative Aufnahme von Formaldehyd krebserregend ist. Wenn Studenten an Leichen arbeiten, die zuvor 12 Monate in Formalin eingelegt waren, ist das Gesicht ca. 20-30 cm dicht darüber. Eine japanische Studie bestätigte demzufolge, dass Medizinstudenten und Dozenten, wenn sie an Leichen arbeiten, in Anatomie-Labors häufig Formaldehydkonzentrationen ausgesetzt sind, die über den Grenzwerten für Innenräume liegen.

Wissenschaftler fanden zwar heraus, dass die Symptome bei den Studenten teils reversibel waren und verschwanden, nachdem sie ihre Anatomiestudien abgeschlossen hatten. Einzelfälle berichten jedoch, dass ein Teil der Beschwerden jahrelang anhielt, bzw. dass eine Sensitivität auf Formaldehyd bleibend war.

Ein Arzt über seine Erfahrungen während des Medizinstudiums:

Schon nach der ersten Stunde des Präparationskurses war mein Geruchs- und Geschmackssinn deutlich reduziert, nach der zweiten konnte ich definitiv gar nichts mehr riechen, und zwar anhaltend. Während des Kurses wurde einmal die Formaldehydkonzentration im Anatomiesaal gemessen. Die Messgeräte waren an langen Stangen befestigt, und mehrere Meter über den zu sezierenden Leichen wurden die Messungen vorgenommen. Mein Einwand, man solle doch bitte in Höhe unserer Gesichter messen, wurde so kommentiert, dass ich mich ja nicht so weit drüber beugen müsse, und außerdem könne ich den Kurs (also das Studium) ja abbrechen, wenn mir etwas nicht passen würde.

Nach Abschluss der Anatomiekurse regenerierte sich meine Geruchs- wahrnehmung erst Jahre später, allerdings habe ich nie wieder die feine Nase zurückerlangt, die ich vorher hatte. Außerdem habe ich seitdem chronische Probleme mit den Nasennebenhöhlen und MCS.

Mir ging’s allerdings auch nicht anders als allen meinen Kommilitonen.

Prävention als Maßnahme zur Qualitätssicherung in der Medizin

Medizin ist einer der anstrengendsten und kostspieligsten Studienbereiche. Vom fachlichen Können und der Leistungsfähigkeit hängen nach dem Studium Menschenleben ab. Die Formaldehyd-Exposition in Anatomie-Labors hat vermeidbare negative Auswirkungen auf die Gesundheit der angehenden Mediziner und teilweise auf deren gesamten beruflichen Werdegang. Konsequente Präventionsmaßnahmen, veranlasst durch Verantwortlichen in den Universitäten und Ministerien, könnten entscheidende Verbesserung der Situation erwirken. Schutzkleidung, adäquate Masken, Belüftung und gezielte Absaugung der Formaldehyddämpfe wären geeignet, die Gefahr für Studenten und Dozenten in makroskopischen Anatomie-Labors wesentlich zu mindern.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Februar 2012

Literatur:

  • Raja DS, Sultana B., Potential health hazards for students exposed to formaldehyde in the gross anatomy laboratory., J Environ Health. 2012 Jan-Feb;74(6):36-40.
  • Hisamitsu M, Okamoto Y, Chazono H, Yonekura S, Sakurai D, Horiguchi S, Hanazawa T, Terada N, Konno A, Matsuno Y, Todaka E, Mori C., The Influence of Environmental Exposure to Formaldehyde in Nasal Mucosa of Medical Students during Cadaver Dissection, Allergol Int. 2011 May 25.
  • Lakchayapakorn K, Watchalayarn P., Formaldehyde exposure of medical students and instructors and clinical symptoms during gross anatomy laboratory in Thammasat University, J Med Assoc Thai. 2010 Dec;93 Suppl 7:S92-8.
  • Takayanagi M, Sakai M, Ishikawa Y, Murakami K, Kimura A, Kakuta S, Sato F., Formaldehyde concentrations in the breathing zone of medical students during gross anatomy laboratory in Toho University, Kaibogaku Zasshi. 2007 Jun;82(2):45-51.
  • BfR, Krebserregende Wirkung von eingeatmetem Formaldehyd hinreichend belegt, 14/2006, 29.05.2006

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Neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern: Ursache Pestizide

Pyrethroide während der Schwangerschaft wirken sich nachteilig auf die neurologische Entwicklung von Kindern aus

Pyrethroide gehören einer neueren Gruppe von Pestiziden an, die in der Landwirtschaft, zum Vorratsschutz und zur Schädlingsbekämpfung in sehr vielen Alltagsbereichen eingesetzt werden. Konventionelle Nahrungsmittel, insbesondere Obst und Gemüse, weisen häufig noch Spuren dieser Pestizide auf, wenn sie verspeist werden. Chinesische Wissenschaftler von der Fudan University untersuchten Schwangere auf diese neurotoxischen Pestizide und deren gesundheitliche Folgen bei den Babys. Sie stellten fest, dass die Kinder von Müttern, die Pyrethroiden während der Schwangerschaft ausgesetzt waren, Einbußen in ihrer neurologischen Entwicklung aufwiesen.(1)

Pyrethroide, Ursache für Gesundheitsschäden

Pyrethroide werden seit einigen Jahrzehnten in vielen Bereichen vermehrt eingesetzt. Sie sollten Organophosphat-Pestizide ersetzen, weil diese eine hohe Toxizität für den Menschen besitzen. Anfangs als harmlos dargestellt, ist zwischenzeitlich durch internationale, wissenschaftliche Forschung bekannt, dass diese Gruppe von Pestiziden ebenfalls Gesundheitsschäden verursachen. Pyrethoide wirken immunsuppressiv, sie lösen Allergien und Chemikaliensensitivität (MCS) aus und schädigen das Nervensystem. Sie sind auch für Tiere nicht ungefährlich. Katzen, können diese Art von Pestiziden, die u.a. in Flohhalsbändern und Flohsprays als Wirkstoff enthalten sind, wegen ihrer verminderter Glucuronyltransferaseaktivität nicht verstoffwechseln. Für sie besteht akute Lebensgefahr.

Beeinträchtigung der neurologischen Entwicklung durch Pestizide?

Die Wissenschaftler der Fudan University hatten sich für ihre Studie das Ziel gesetzt, die Auswirkungen der pränatalen Exposition (vor der Geburt) gegenüber Pyrethroid-Pestiziden, hinsichtlich der Entwicklung des Nervensystems und des Verhaltens von einjährigen Kindern zu untersuchen. Eine amerikanische Studie von 2011 hatte im Vorfeld einen reduzierten IQ und psychomotorische Entwicklungsstörungen bei 36 Monate alten Kindern festgestellt, deren Mütter während der Schwangerschaft dem Pyrethroid – Wirkverstärker Piperonylbutoxid ausgesetzt waren.(2)

Schwangere wurden auf Pyrethroide hin untersucht

Um festzustellen, ob Pyrethroide in unserer Nahrung und Umwelt einen Einfluss auf die Entwicklung von Kleinkindern haben, wurde das Urin eines Kollektivs von 301 schwangeren Frauen aus der chinesischen Provinz Jiangsu auf drei Pyrethriod-Metaboliten (cis-Cl2CA, trans-Cl2CA und 3-PBA) hin untersucht. Ihre Babys unterzogen die Wissenschaftler im Alter von einem Jahr einer körperlichen und neurologischen Untersuchung.

Wissenschaftler stellten bei fast allen Schwangeren Pyrethroide fest

Das Ergebnis dürfte die Mediziner nachdenklich gestimmt haben. Die drei untersuchten Pyrethriod-Metaboliten wurden in 95% der Urinproben nachgewiesen. Die Wissenschaftler teilten die Kinder in drei Gruppen auf, einer hoch, mittel oder niedrig exponierten Gruppe, die sich aus der Höhe der Pyrethroide ergab, die bei ihren Mütter während der Schwangerschaft im Urin nachgewiesen wurde. Der Unterschied der neurophysiologischen Index (DQ) zwischen den drei Gruppen von einjährigen Kindern war signifikant (P <0,05). Die chinesischen Wissenschaftler schlossen aus ihren eindeutigen Ergebnissen, dass ein Kontakt mit Pyrethroiden im Mutterleib anschließend zu einer verminderten neurologischen Entwicklung bei den Säuglingen führt.

Deutsche Bundesbehörden warnen vor Pyrethroiden

In Deutschland ist man sich der Gefahren durch Pyrethroide für die Gesundheit durchaus bewusst. Das RKI – Robert Koch Institut und die BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnen Schwangere, Stillende und Personen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) seit Jahren davor, Läusebekämpfungsmittel mit Pyrethrum oder Pyrethroiden zu verwenden. Die beiden Bundesbehörden und weitere verantwortliche Institutionen erstellten eigens Informationsseiten und Aufklärungsbroschüren, die sich an Behörden, Gesundheitsämter, Schulen und Mediziner richteten. (3-12)

“…Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit, bei MCS-Syndrom (multiple Überempfindlichkeit gegen chemische Substanzen) und Chrysanthemenallergie wird empfohlen, Kopfläuse rein mechanisch durch nasses Auskämmen mit dem Läusekamm zu entfernen.”

Umfassender Schutz vor Pyrethroiden ist nicht durchführbar

Schwangere vor dem Kontakt mit Pyrethroiden weitgehend zu schützen, ist weder in Deutschland, noch in den meisten anderen Ländern praktikabel, weil diese neurotoxischen Pestizide in zu vielen Bereichen des Alltags und unserer Nahrung anzutreffen sind. Nur ein generelles Verbot von Pyrethroiden könnte eine umfassende Sicherheit für Schwangere und ihre Kinder gewährleisten. Ein solches umfangreiches Verbot wird jedoch noch lange auf sich warten lassen, denn erfahrungsgemäß wird die Herstellerindustrie ein derartiges Ansinnen so lange wie nur irgend möglich hinauszuzögern oder versuchen, es im Keim zu ersticken.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 29.01.2012

Literatur:

  1. Qi X, Zheng M, Wu C, Chang X, Wang G, Lu D, Zhou Z.Wei Sheng Yan Jiu., Impact of prenatal pyrethroid exposure on neurodevelopment of one-year old infants, 2011 Nov;40(6):693-7.
  2. Megan K. Horton, PhD, Andrew Rundle, DrPH, David E. Camann, MS, Dana Boyd Barr, PhD, Virginia A. Rauh, ScD, Robin M. Whyatt, DrPH, Impact of Prenatal Exposure to Piperonyl Butoxide and Permethrin on 36-Month Neurodevelopment, 7. Februar 2011, Pediatrics (doi: 10.1542/peds.2010-0133)
  3. RKI – Ratgeber Infektionskrankheiten – Ratgeber für Ärzte, Kopflausbefall (Pediculosis capitis), Aktualisierte Fassung vom Mai 2007 Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 47/2003, Aktualisiert 17.11.2008
  4. BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Das Aus für die Laus: So werden Sie die Blutsauger schnell wieder los, 2011
  5. BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln, im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung, Broschüre Kopfläuse was tun? Mai 2004
  6. BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Kindergesundheit – Schaden Läusemittel meinem Kind, Download 2011
  7. Stadtgesundheitsamt Frankfurt, Der Magistrat, Sind Läusemittel giftig oder schädlich? Downloads 2009
  8. Stadtgesundheitsamt Frankfurt, Der Magistrat, Umgang mit Kopfläusen, 2005
  9. Gesundheitsamt des Schwarzwald-Baar Kreises, Merkblatt Kopfläuse, Downloads 2009
  10. Medical Tribune, Zweimal Chemie plus Kamm – So haben Kopfläuse keine Chance, Epidemiologisches Bulletin 2007; 20: 169- 173
  11. Verwaltung Berlin Wilmersdorf, Merkblatt und zu unterschreibende Erklärung für Eltern, Download 2009
  12. Gesundheitsamt Freising, Infektionsschutz, März 2009

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Über 10 Prozent aller Amerikaner tragen Autoantikörper in sich

32 Millionen Amerikaner weisen Autoantikörper auf, welche ihr eigenes Gewebe angreifen

Newswise, 13.01.2012 – Wie eine Studie zeigt, tragen mehr als 32 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten Autoantikörper in sich, das sind vom Immunsystem hergestellte Eiweiße, welche das Körpergewebe angreifen und was als Definition für eine Krankheit gilt, die man als Autoimmun-Erkrankung bezeichnet. Die erste für die USA repräsentative Erhebung untersuchte das Vorkommen des geläufigsten Antikörper-Typs, den man als antinukleäre Antikörper (ANA) kennt und stellte fest, dass ANA bei Frauen, älteren Personen und Afro-Amerikanern am häufigsten vorkommt. Die Studie wurde vom National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) durchgeführt, einer Abteilung des National Institutes of Health, der obersten amerikanischen Gesundheitsbehörde. Forscher in Gainesville an der University of Florida waren ebenfalls beteiligt.

Frühere Studien haben gezeigt, dass ANA tatsächlich sehr viele Jahre vor dem klinischen Auftreten von Autoimmun-Erkrankungen entstehen können, etwa bei Diabetes Typ 1, Lupus und rheumatischer Arthritis. ANA werden häufig als Biomarker gemessen, um Autoimmun-Erkrankungen festzustellen, aber das Vorhandensein von Autoantikörpern muss nicht unbedingt heißen, dass diese Person eine Autoimmun-Erkrankung entwickeln wird. Andere Faktoren wie Drogen, Krebs und Infektionen sind ebenfalls dafür bekannt, bei manchen Menschen Autoantikörper hervor zu rufen.

„Ältere Schätzungen über das Vorkommen von ANA hatten sehr unterschiedliche Ergebnisse und wurden nur im Rahmen kleiner, für die Gesamtbevölkerung nicht repräsentativer Studien angestellt“, sagte Frederick Miller, M.D, Ph.D, (Arzt und med. Lehrberechtigter), einer der Autoren der Studie und geschäftsführender Direktor am NIEHS. „Indem wir über diesen großen Datensatz verfügen, der für die gesamte amerikanische Bevölkerung repräsentativ ist und fast 5.000 Personen umfasst, ist es uns möglich, ANA realistisch abzuschätzen und das könnte neue Einblicke in die Entstehung von Autoimmun-Erkrankungen zulassen.“ Die Ergebnisse sind in der Ausgabe des Journals „Arthritis und Rheumatismus“ vom 11. Januar online erschienen.

Miller, der die Ursachen von Autoimmun-Erkrankungen erforscht erklärt, dass das Immunsystem des Körpers zahlreiche Proteine, sogenannte Antikörper erzeugt, die dem Körper helfen, Infektionen abzuwehren. In manchen Fällen werden jedoch Antikörper hergestellt, die sich gegen das eigene Gewebe richten. Diese bezeichnet man als Autoantikörper.

Ein interdisziplinäres Forschungsteam untersuchte Blutserum-Proben mit einer Technik namens Immunofloureszenz, um 4.754 Personen auf ANA zu testen, welche am National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES / Erhebung zu Gesundheit und Ernährung) von 1994 bis 2004 teilgenommen hatten. Das Gesamtvorkommen von ANA in der Bevölkerung lag bei 13,8 Prozent und war bei Afro-Amerikanern im Vergleich zu Weißen geringfügig höher. ANA nahm generell mit dem Alter zu und war bei Frauen höher als bei Männern, wobei der Unterschied zwischen Männern und Frauen im Alter von 40 bis 49 Jahren am größten war und in älteren Altersgruppen wieder abnahm.

„Für die größte Differenz an Autoimmunität zwischen Frauen und Männern aus der Altersgruppe von 40 bis 49 Jahren ist der Einfluss naheliegend, den die Hormone Östrogen und Progesteron auf das Immunsystem haben könnten“, sagte Linda Birnbaum, Ph.D., Direktorin von NIEHS und Mitautorin der Studie.

Die Studie fand zusätzlich heraus, dass das Vorkommen von ANA bei übergewichtigen und fettsüchtigen Personen geringer als bei Normalgewichtigen war. „Dieses Ergebnis ist interessant und irgendwie unerwartet“, sagte Edward Chan, Ph.D., ebenfalls Autor und Professor an der Abteilung für Oralbiologie an der University of Florida.

„Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Fettgewebe Proteine abgeben kann, die Teile des Immunsystems lahmlegen und die Entwicklung von Autoantikörpern hemmen, aber dazu müssen wir noch weiter forschen, um zu verstehen, welche Rolle Adipositas bei der Entwicklung von Autoimmun-Erkrankungen spielt“, sagt Minoru Satoh, M.D., Ph.D., weiterer Autor der Studie und außerordentlicher Professor für Rheumatologie und Immunologie an der University of Florida.

Die Forscher sagen, diese Arbeit sollte als nützliches Fundament für zukünftige Studien dienen, die sich mit Veränderungen des Vorkommens von ANA im zeitlichen Verlauf und mit den Faktoren befassen, die für die Produktion von ANA verantwortlich sind. Diese Arbeit ist die erste in einer Serie, welche Daten aus dem NHANES-Bestand auswertet und mögliche Umweltzusammenhänge zu ANA untersucht.

Referenz:
Prevalence and sociodemographic correlates of antinuclear antibodies in the United States
Satoh M, Chan EKL, Ho LA, Rose KM, Parks CG, Cohn RD, Jusko TA, Walker NJ, Germolec DR, Whitt IZ, Crockett PW, Pauley BA, Chan JYF, Ross SJ, Birnbaum LS, Zeldin DC, Miller, FW. 2012.
doi: 10.1002/art.34380
Am 11.01.2012 online erschienen in Arthritis and Rheumatism

Quelle:
Pressemeldung von Newswise 32 Million Americans Have Autoantibodies That Target Their Own Tissues, eingereicht vom National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS)

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network


Anmerkung: Schade, dass nicht verraten wird, welche Stoffe oder welche gesundheitlichen Auswirkungen den Anlass gaben, einen eventuellen Zusammenhang zwischen Umwelt (Lebensbedingungen) und ANA zu erkunden.

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Luftverschmutzung kann Depressionen auslösen

Schadstoffe verursachen Schäden im Gehirn

Luftverschmutzung kann bei länger andauernder Belastung zu physischen Veränderungen im Gehirn, sowie Lern-und Gedächtnisproblemen und sogar zu Depressionen führen, das erbrachten Forschungsergebnisse bei Mäusen.

Während andere Studien die schädlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung auf das Herz und die Lungen gezeigt haben, ist diese eine der ersten Langzeitstudien, um die negativen Auswirkungen auf das Gehirn aufzuzeigen, sagte Laura Fonken, Hauptautor der Studie und Doktorand für Neurowissenschaften an der Ohio State University.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass längerer Kontakt mit schadstoffbelasteter Luft zu sichtbaren, negativen Auswirkungen auf das Gehirn führt, was zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen kann“, sagte Fonken.

„Dies könnte wichtige und beunruhigende Konsequenzen für Menschen auf der ganzen Welt haben, die in belasteten städtischen Gebieten wohnen und arbeiten.“

Die Studie erschien Mitte 2011 in der medizinischen Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“. Für die Studie arbeiteten Fonken und Kollegen vom Ohio State Department für Neurowissenschaften mit Forschern der Universität Davis, vom Herz- und Lungen-Institut zusammen.

Bei früheren Studien an Mäusen stellte die Davis Research Group, der Qinghua Sun, assistierender Professor für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, sowie Sanjay Rajagopalan, Professor für Herz-Kreislauf-Medizin angehörten, fest, dass Feinstaub Entzündungen im ganzen Körper verursacht und zu Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit führen kann. Diese neue Studie zielte darauf ab, ihre Forschung hinsichtlich der Auswirkungen von Luftverschmutzung auf das Gehirn auszudehnen.

„Je mehr wir über die gesundheitlichen Auswirkungen von lang anhaltenden Luftverschmutzung herausfinden, desto mehr Gründe zur Sorge gibt es“, sagte Randy Nelson, Co-Autor der Studie und Professor für Neurowissenschaften und Psychologie an der Ohio State.

In der neuen Studie wurden Mäuse entweder gefilterter Luft oder schadstoffbelasteter Luft für sechs Stunden am Tag ausgesetzt, und das an fünf Tagen in der Woche für 10 Monate – somit fast die Hälfte der Lebensspanne der Mäuse.

Die verschmutzte Luft enthielt Feinstaub, die Art von Verschmutzung, die durch Autos, Fabriken und natürlichen Staub verursacht wird. Die feinen Partikel sind winzig – etwa 2,5 Mikrometer im Durchmesser, oder etwa ein Dreißigstel des durchschnittlichen Durchmessers eines menschlichen Haares. Diese Partikel können bis in tiefe Bereiche der Lunge und anderer Organe des Körpers vordringen.

„Je mehr wir über die gesundheitlichen Auswirkungen von anhaltender Luftverschmutzung herausfinden, desto mehr Gründe zur Sorge gibt es. Diese Studie ist ein weiterer Beweis für die negativen Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Gesundheit.“

Die Feinstaubkonzentration, der die Mäuse ausgesetzt waren, war gleichbedeutend mit dem, was die Menschen in einigen belasteten städtischen Gebieten ausgesetzt werden, so die Forscher.

Nach 10 Monaten Exposition gegenüber der schadstoffbelasteten oder gefilterten Luft führten die Wissenschaftler eine Reihe von Verhaltenstests bei den Versuchstieren durch.

Bei einem Lern- und Gedächtnis-Test wurden die Mäuse in der Mitte einer hell erleuchteten Bühne platziert und bekamen eine Frist von zwei Minuten, um ein Fluchtloch zu finden, das in einen dunklen Kasten führte, wo sie sich wohler fühlen. Dann erhielten sie fünf Tage Training, um das Fluchtloch zu finden. Die Mäuse, die verschmutzte Luft geatmet hatten, brauchten jedoch länger, um zu erlernen, wo sich das Fluchtloch befand. Die Mäuse, die schadstoffbelasteter Luft ausgesetzt waren, erinnerten sich auch bei späteren Prüfungen schlechter daran, wo sich das Fluchtloch befand.

In einem weiteren Experiment wiesen die Mäuse, die schadstoffbelasteter Luft ausgesetzt waren, depressivere Verhaltensweisen auf als die Mäuse, die gefilterte Luft geatmet hatten. Die Mäuse, die schadstoffhaltige Luft eingeatmet hatten, wiesen zusätzlich Anzeichen von verstärkten angstähnlichen Verhaltensweisen in einem der Tests auf, in einem anderen Test jedoch nicht.

Aber wie führt die Luftverschmutzung zu Veränderungen in Lernen, Gedächtnisleistung und Stimmung?

Die Forscher führten Tests durch, die auf den Hippocampus im Gehirn der Mäuse abzielten, um die Antworten zu finden.

„Wir wollten deshalb so genau auf den Hippocampus achten, weil dieses Gehirnareal mit Lernen, Gedächtnis und Depression assoziiert ist“, sagte Fonken, der gemeinsam mit Nelson, Mitglied des Ohio State Institute für Verhaltensmedizin ist.

Die Ergebnisse zeigten deutliche, körperliche Unterschiede im Hippocampus jener Mäuse, die schadstoffbelasteter Luft ausgesetzt waren, im Vergleich zu denen, die ihr nicht ausgesetzt waren.

Die Wissenschaftler untersuchten speziell die Verästelungen, die aus Nervenzellen (oder Neuronen) wachsen und als Dendriten bezeichnet werden. Die Dendriten haben kleine Ansätze, sogenannte Stacheln, die aus ihnen herauswachsen und die Signale von einem Neuron zum anderen übermitteln.

Die Mäuse, die verschmutzter Luft ausgesetzt waren, hatten weniger Stacheln in Teilen des Hippocampus, kürzere Dendriten und eine insgesamt reduziertere Zellekomplexität.

„Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Arten von Veränderungen mit einer verminderten Lern-und Gedächtnisleistung verbunden sind“, sagte Nelson.

In anderen Studien fanden einige der Co-Autoren dieser Studie aus dem Davis-Forschungszentrum, dass chronische Exposition gegenüber Luftverschmutzung ausgedehnte Entzündungen im Körper hervorruft, was mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen beim Menschen verbunden ist, einschließlich Depression. Diese neue Studie gab Hinweise darauf, dass diese Low-grade-Entzündung offensichtlich im Hippocampus vorhanden ist.

Bei Mäusen, die schadstoffbelastete Luft geatmet hatten, waren chemische Botenstoffe, die Entzündungen verursachen – sogenannte pro-inflammatorische Zytokine – im Hippocampus aktiver, als bei Mäusen, die gefilterte Luft atmeten.

„Der Hippokampus ist besonders empfindlich gegenüber Schäden, die durch Entzündungen verursacht werden“, sagte Fonken.

„Wir vermuten, dass die systemische Entzündung, die durch das Einatmen von verschmutzter Luft verursacht wird, an das zentrale Nervensystem übermittelt wird.“

Die Studie wurde von den National Institutes of Health unterstützt.

Autor:

Jeff Grabmeier, Ohio State University, Air Pollution linked to Learning and Memory Problems, Depression, Columbus, Ohio, 5. Juli 2011

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

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Bisphenol-A, Übergewicht und Diabetes

Das allgegenwärtige Bisphenol-A wurde mit Übergewicht bei Erwachsenen und Insulin-Resistenz in Zusammenhang gebracht.

Erhöhte Bisphenol-A Werte im Urin von älteren Erwachsenen stehen mit einer Zunahme von Gewicht und des Taillenumfang in Zusammenhang, beides sind Indikatoren für Adipositas und können zu ernsthaften Erkrankungen und Leiden führen.

Chinesische Forscher fanden heraus, dass Erwachsene über 40 Jahre mit erhöhten Bisphenol-A (BPA) Werten in ihrem Urin zu Adipositas, mehr Bauchfett und zu Insulin-Resistenz neigen. Diese Stoffwechselstörungen können zu weiteren, gefährlicheren Gesundheitsproblemen führen, u.a. zu Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen.

Da BPA-Belastungen weit verbreitet sind – die meisten Menschen in den Vereinigten Staaten haben BPA in ihrem Körper – weist diese Studie auf ein möglicherweise nicht unerhebliches Gesundheitsrisiko hin, dass von diesem Schadstoff ausgeht.

BPA ist eine in großen Mengen produzierte Chemikalie, die zur Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen, Epoxidharz-Beschichtungen von Konservendosen und für manche Thermodrucker-Papiersorten verwendet wird [z.B. Kassenzettel]. Die Chemikalie kann Lebensmittel und Getränke kontaminieren und über die Nahrung in den Körper gelangen. BPA kann auch über die Haut aufgenommen oder eingeatmet werden.

Frühere epidemiologische Studien, die im Journal of the American Medical Association und von der Zeitschrift PLoS One veröffentlicht wurden, haben Zusammenhänge zwischen BPA und Stoffwechselstörungen aufgedeckt, welche mit dieser Studie übereinstimmen.

Vorausgegangene Laboruntersuchungen bringen BPA mit einer Zunahme von Fettzellen und höheren Insulin-Werten in Zusammenhang. Diese wiederum können zu Hyperinsulinämie und Insulin-Resistenz und – vielleicht – Fettsucht führen. Pränatale Belastungen von Nagern mit dieser Chemikalie können auch die Entwicklung von Hirnregionen verändern, die für Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel zuständig sind. Deshalb erhöhen diese Tierstudien die Plausibilität der neuen Ergebnisse aus China.

In dieser Studie wurden die BPA-Werte von 3.390 Erwachsenen über 40 aus der Songnan Gemeinde in Shanghai gemessen. Für jede Person wurden soziodemographische und medizinische Daten sowie Angaben zum Lebensstil erhoben. Blutzucker und Insulin wurden ebenfalls gemessen.

Für jede Person wurde der Body Mass Index (BMI, Körpergewicht durch Größe) errechnet. Als „Übergewicht“ wurde ein BMI von 24 bis 28 angesehen, über 28 galt als fettsüchtig. Ein dicker Bauch wurde bei Männern mit einem Taillenumfang von über 35 Inch (88.9 cm) und bei Frauen mit 33,5 Inch (85.09 cm) definiert.

BPA wurde in einer morgendlichen Urinprobe gemessen. Die Werte wurden in Gruppen unterschiedlicher Konzentration (von niedrig bis hoch) unterteilt und [anhand des BMI] miteinander verglichen. Sie bewegten sich in einem Bereich, den man typischerweise in den Vereinigten Staaten findet.

Bei den höchsten Werten ergab sich sowohl zu adipösem BMI und Taillenumfang als auch zu erhöhter Insulin-Konzentration im Blut ein Zusammenhang. Insgesamt tendierten die jüngeren Männer (Durchschnittsalter 59) in dieser Studie zu den höchsten Werten dieser Chemikalie in ihrem Urin.

Bei Teilnehmern mit einem BMI von unter 24, aus den Gruppen mit den höchsten BPA-Werten, war das Vorkommen von Insulin-Resistenz um 94 Prozent erhöht – eine auffälligere Zunahme als in den entsprechenden Adipositas-Gruppen.

Die Aussagekraft dieser Studie ist dadurch begrenzt, dass der Zusammenhang nur an einem einzigen BPA-Erhebungsort festgestellt wurde und dass das Design dieser Studie diesen nicht beweisen kann – die Forscher benutzen die Methode der Querschnittstudie.

Diese Studie legt nahe, dass die BPA-Werte bei Erwachsenen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellen, da sie mit Adipositas und verwandten Gesundheitsprobleme im Zusammenhang stehen.

Autor dieser Studienzusammenfassung: Steven Neese, 4. Januar 2012 für EHN

Übersetzung: Brun0 für CSN – Chemical Sensitivity Network

Quelle der Studie:

Wang, T, M Li, B Chen, M Xu, Y Xu, Y Huang, J Lu, Y Chen, W Wang, X Li, Y Liu, Y Bi, S Lai and G Ning. 2011. Urinary Bisphenol A (BPA) concentration associates with obesity and insulin resistance. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism http://dx.doi.org/10.1210/jc.2011-1989

Der Original-Artikel „Ubiquitous bisphenol A linked to adult obesity, insulin resistance“ steht unter der Creative Commons Lizenz: by-nc-nd. Diese Übersetzung wurde abweichend von dieser Lizenz von Environmental Health News genehmigt. Sie steht unter keiner CC-Lizenz.

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Einige vermeintliche genetische MCS-Faktoren spielen bei Japanern mit MCS keine Rolle

Genotypen von geringer Bedeutung

Genetisch bedingte Beeinträchtigung des Fremdstoffmetabolismus ist ein postulierter Mechanismus bei Umwelterkrankungen wie Multiple Chemical Sensitivity (MCS). Während Wissenschaftler aus Deutschland, Kanada und den USA feststellten, dass bestimmte genetische Varianten das Risiko erhöhen, an MCS zu erkranken, stellten japanische Forscher nun das Gegenteil fest. Sie konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen Probanden mit MCS und Kontrollpersonen feststellen.

QEESI als Tool zur Diagnostik von MCS

Die japanische Wissenschaftlergruppe definierte Personen, die eine starke Reaktion auf chemische Substanzen aufweisen, mittels des von Claudia Miller entwickelten Fragebogens „Quick Environmental Exposure und Sensitivität Inventory“ (QEESI), als „auf Chemikalien empfindlich reagierende Bevölkerungsgruppe“.

Sind bestimmte Gentypen anfälliger für MCS?

Das Ziel der im Dezember in der medizinischen Fachzeitschrift „Environmental Health Prevention Medicine“ Studie war, den Zustand der Patienten, die empfindlich auf Chemikalien reagieren, zu ermitteln und deren Genotypen zu analysieren. Die Wissenschaftler wollten so die Faktoren für eine Anfälligkeit für MCS in der japanischen Bevölkerung herausfinden.

Untersuchung gemeinsamer Genotypen

Die Mediziner befragten insgesamt 1.084 Mitarbeiter aus japanischen Unternehmen mittels des QEESI Diagnosetools, um so bei diesen Personen MCS und Sick Building Syndrom festzustellen. Als gemeinsame Genotypen wurde bei den Teilnehmern die Glutathion-S-Transferase (GST) M1, GSTT1, Aldehyddehydrogenase2 (ALDH2) und Paraoxonase1 (PON1) analysiert, um Faktoren für die Anfälligkeit einer Sensitivität gegenüber Chemikalien zu identifizieren.

Doppelte Absicherung der Diagnose

Vier der Probanden hatten die Diagnose MCS im Vorfeld, keiner der Probanden hatte die Diagnose Sick Building Syndrom. Die Probanden wurden in vier Stufen nach Punktzahlen von 0, 1-19, 20-39 und 40 oder mehr, auf jeweils drei der QEESI Subskalen eingeteilt. Darüber hinaus nutzten die Wissenschaftler die MCS Diagnosekriterien von Hojo, um sicherzugehen und die MCS Fälle von Kontrollpersonen zu unterscheiden. Es wurden keine signifikanten Unterschiede in der Allelverteilung der genetischen Polymorphismen der GSTM1, GSTT1, ALDH2 oder PON1 Gene in den vier Ebenen der einzelnen Subskalen, oder zwischen MCS-Fällen und Kontrollpersonen gefunden.

Gemeinsame Genotypen von geringer Bedeutung

Die Wissenschaftler der Kumamoto University schlossen aus ihren Forschungsergebnissen, dass die häufig verbreiteten Genotypen GSTM1, GSTT1, ALDH2 und PON1 in der japanischen Bevölkerung von geringer Bedeutung für MCS sind.

Ob es daran liegt, dass die Japaner einem anderen Genpool entspringen, oder ob genetische Faktoren generell als Mechanismus bei der Entstehung von MCS letztendlich eine untergeordnete Rolle spielen, werden zukünftige Studien zeigen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 02. Januar, 2012

Literatur:

Fujimori S, Hiura M, Yi CX, Xi L, Katoh T., Department of Public Health, Faculty of Life Sciences, Kumamoto University, Factors in genetic susceptibility in a chemical sensitive population using QEESI, Environ Health Prev Med. 2011 Dec 29.

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Alzheimer und Diabetes: Ein tödliche Duo

Neuere Forschung zeigt, dass die beiden tödlichsten Krankheiten in Amerika etwas miteinander zu tun haben könnten

„Wir wissen, dass es einen Zusammenhang gibt“, sagt Heather Snyder, zweite Chefin für medizinische und wissenschaftliche Zusammenarbeit der Alzheimer’s Association.
„Was wir herauszubekommen versuchen, ist warum das so ist.“

Snyder spricht von zwei der schlimmsten Plagen: Alzheimer und Diabetes. Beide gehören zu den tödlichsten Erkrankungen. Nach Auskunft von Centers for Disease Control and Prevention [Zentren für Hygiene und Vorsorge] sind sie jeweils die sechst- und siebt-häufigste Todesursache in den Vereinigten Staaten.

Neuerdings legt die Forschung nahe, dass sie neben ihrer Tödlichkeit noch etwas anderes sind – nämlich eine allgegenwärtige biologische Gefahr. Aus diesem Grunde könnte die Forschung zu einer der beiden Erkrankungen auch zu erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten der anderen führen.

Als erstes muss erwähnt werden, dass in den USA 26 Millionen Menschen Diabetes haben, davon wissen 7 Millionen nicht einmal, dass sie erkrankt sind, wie das National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Disease [staatliche Institut für Diabetes, Verdauungs- und Nierenerkrankungen] bekannt gibt. Trotz aller Aufklärungs-Kampagnen bleibt Diabetes eine Erkrankung, bei welcher der Blutzuckerspiegel zu hoch ansteigt, weil der Körper Insulin nicht wirksam genug nutzen kann. Das heißt, der Körper hört auf, genug Insulin zu produzieren, das den Zellen dazu dient, Zucker zu absorbieren und in Energie umzuwandeln.

Bestimmte Teile der Bevölkerung haben eine unverhältnismäßig hohe Diabetes-Rate, dazu gehören Latinos, Afrikaner, Asiaten und amerikanische Ureinwohner. Nach dem National Institutes of Health [oberste amerikanische Gesundheitsbehörde] haben 8,3 Prozent der US-Bevölkerung Diabetes, doch mehr als 16,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung amerikanischer Indianer und der Urbevölkerung Alaskas wurden damit diagnostiziert. Die Diabetes-Raten sind je nach Region unterschiedlich, wobei amerikanische Indianer im südlichen Arizona mit 33,5 Prozent von den höchsten Leidensraten betroffen sind.

Zwischen Diabetes und Alzheimer bestehen mehrere Zusammenhänge. Zum Beispiel die Insulin-Resistenz, und Diabetes 2 erhöht das Risiko für Herzerkrankungen als auch für Schlaganfälle. Beides kann eine Schädigung der Blutgefäße zur Folge haben und Forscher glauben, dass geschädigte Blutgefäße im Gehirn gut zu Alzheimer beitragen könnten.

Außerdem benötigen unsere Hirnzellen sehr viel Energie, was durch Diabetes beeinträchtigt werden kann, da die Erkrankung die Fähigkeit des Körpers bremst, Zucker aufzunehmen, um die nötige Energie zu erzeugen. Die Gesundheit des Gehirns ist darüber hinaus vom harmonischen Zusammenspiel vieler verschiedener Chemikalien abhängig. Zu viel Insulin kann das Gleichgewicht dieser Chemikalien durcheinander bringen und unter Umständen Alzheimer auslösen. [Anmerkung: Bei Diabetes 2 reagiert der Körper anfänglich mit überhöhter Insulinproduktion auf die zunehmende Insulin-Resistenz.] Und zuletzt kann hoher Blutzucker Entzündungen hervorrufen, welche Hirnzellen zerstören und zum Entstehen von Alzheimer beitragen können.

Den Verbindungen zwischen Diabetes und Alzheimer nachzugehen, könnte letztendlich auch ein besseres Verständnis der vaskulären Demenz mit sich bringen, eine Erkrankung mit den gleichen Symptomen wie Alzheimer. Doch wie Snyder es sagt, „ist Alzheimer als eine der zehn häufigsten Todesursachen in den USA die einzige, der man nicht vorbeugen kann, die sich weder heilen noch verzögern lässt“. Im Gegensatz dazu kann man vaskulärer Demenz vorbeugen oder mit Hilfe derselben Gesundheitsregeln in den Griff bekommen, die auch das Risiko für Diabetes reduzieren können.

„Ursachen [Vaskulärer Demenz] sind Bluthochdruck, eine Diät mit hohem Fettanteil, Rauchen und nicht behandelte Diabetes“, sagt Carson Henderson, stellvertretender Leider des Two Hawk Institute, einer Gesellschaft, die Indianern gehört und von diesen betrieben wird, zu deren Aufgaben Gesundheitserziehung, Schulung und Forschung in Indian Country gehören. „Wer Sport treibt, sich richtig ernährt, nicht raucht, kann vaskulärer Demenz im Alter vorbeugen.

Vaskuläre Demenz wird von einer schlechten Durchblutung des Gehirns verursacht, oft in Folge eines oder mehrere Infarkte. „Wenn Sie vaskuläre Demenz haben, sterben ihre Hirnzellen ab, weil kleine, sehr feine Blutgefäße im Gehirn blockiert werden und die Zellen darunter weder Blut noch Sauerstoff bekommen“, erklärt Carsons Ehemann Neil Henderson aus Choctaw in Oklahoma, der das American Indian Diabetes Prevention Center [Vorsorgezentrum] am Health Sciences Center’s College of Public Health [Schule für öffentliche Gesundheit am Zentrum für Gesundheitswissenschaften] an der University of Oklahoma leitet. „Vaskuläre Demenz ähnelt Alzheimer sehr stark, doch die Ursachen sind andere. Man leidet trotzdem an Gedächtnisverlust und Verwirrung.“

Der neuste Zusammenhang zwischen Diabetes und Demenz ergab eine aktuelle Studie, die an der Kyushu University in Japan durchgeführt wurde. Forscher untersuchten über 15 Jahre lang „1.017 in der gleichen Gemeinde lebende demenzfreie Personen“ und stellten fest, dass Alzheimer und vaskuläre Demenz „bei Menschen mit Diabetes signifikant höher waren als bei jenen mit einer normalen Glukose-Toleranz“.

Snyder erklärt die Bedeutung dieser Entdeckung folgendermaßen: „Diabetes schädigt Ihr Herz und es bestehen Zusammenhänge zwischen der kardiovaskularen Gesundheit und der Gesundheit des Gehirnes. Das Gehirn verbraucht 25 Prozent des Sauerstoffs im Blut, um zu funktionieren, wenn das Herz nicht gesund ist, wird es das Gehirn genau so wenig sein.“

Nach und nach werden nun die Verbindungen zwischen Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfall aufgedeckt. Nachdem nun nicht auszuschließen ist, dass Diabetes zu den Ursachen einer der lethalsten Erkrankungen in Amerika gehört, unternehmen Organisationen wie die Alzheimer’s Association alles, was sie können, um für flächendeckende Aufklärung und Vorsorge zu sorgen.

Autor: ICTMN Team, 14. Dezember 2011

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Wir danken Indian Country Today Media Network für die Genehmigung, den Artikel übersetzen zu dürfen.
Original-Artikel: „A Deadly Duo: New Research Shows Two of the Leading Killers in America Might be Linked“
Twitter: Indian Country

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Brominierte Schlacht: Eine Limonaden-Chemikalie mit zweifelhafter Unbedenklichkeit

Eine als Flammschutzmittel für Kunststoffe patentierte und in Lebensmitteln in ganz Europa und Japan verbotene brominierte Chemikalie namens BVO [brominated vegetable oil] wird in Nordamerika seit Jahrzehnten Limonaden zugefügt. Nun interessieren sich manche Wissenschaftler erneut für diese wenig bekannte Zutat, die man in den USA in 10 Prozent aller Limonaden findet. Untersuchungen über ihre Toxizität gab es zuletzt in den 70’er Jahren und manche Fachleute drängen nun auf eine Neubewertung. Nach ein paar extremen Limonade-Trinkgelagen – nicht weit von dem entfernt, was viele Computer-Spieler regelmäßig konsumieren – mussten ein paar Patienten wegen Hautschädigungen, Gedächtnisverlust und Nervenerkrankungen medizinisch behandelt werden, alles Symptome einer Brom-Überdosis. Andere Studien legen nahe, dass BVO in menschlichem Gewebe akkumuliert. In Versuchen mit Mäusen haben hohe Dosen Fortpflanzungs- und Verhaltensprobleme verursacht.

Marietta, Georgia, 12.12.2011 – Es ist Montagabend im „Battle & Brew“, einem Gamertreff in diesem Vorort von Atlanta. Die Leute machen es sich in Sesseln gemütlich, ihre Ohren verschwinden unter Kopfhörern, ihre Augen sind starr auf Flachmonitore fixiert und ihr Bewusstsein hat sich im Spiel des Tages aufgelöst: „The Elder Scrolls V: Skyrim“.

Um die ganze Nacht voll wach zu bleiben, hat jeder eine offene Dose „Spieler-Sprit“ in nächster Nähe der Tastatur stehen. „Ich habe manche dieser Typen gesehen, wie sie sechs Limonaden in sechs Stunden verarbeitet haben“, sagt Brian Smawley, ein regelmäßiger Gast der Spieler-Bar.

Die Gamer sagen, sie saufen ihren Treibstoff wegen dem Zucker und dem Koffein, doch die Trinker von Mountain Dew und einigen anderen Getränken mit Zitronengeschmack bekommen eine Portion sogenanntes brominiertes Pflanzenöl, oder BVO [s.o.].

BVO, von Chemiefirmen als Flammschutzmittel patentiert und in ganz Europa und in Japan für Lebensmittel verboten, wird seit Jahrzehnten in Nordamerika Limonaden zugesetzt. Nun interessieren sich manche Wissenschaftler erneut für diese wenig bekannte Zutat, die man in den USA in 10 Prozent aller Limonaden findet.

Nach ein paar extremen Limonade-Trinkgelagen – nicht weit von dem entfernt, was viele Computer-Spieler regelmäßig konsumieren – mussten ein paar Patienten wegen Hautschädigungen, Gedächtnisverlust und Nervenerkrankungen medizinisch behandelt werden, alles Symptome einer Brom-Überdosis. Andere Studien legen nahe, dass BVO in menschlichem Gewebe akkumuliert, so wie es weitere brominierte Verbindungen wie z.B. Flammschutzmittel tun. In Versuchen mit Mäusen haben hohe Dosen Fortpflanzungs- und Verhaltensprobleme verursacht.

Gutachten eines Industrieverbandes waren 1977 für die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel [FDA] die Grundlage, um den nach ihrer Auffassung sicheren Höchstwert für BVO in Limonaden festzulegen. Doch manche Wissenschaftler sagen, dass sich dieser Grenzwert auf unzulängliche, veraltete Daten stützt, darum bestehen sie darauf, dass man diese Chemikalie einer neuen Prüfung unterziehen muss.

„Von diesem Gutachten abgesehen ist die wissenschaftliche Datenlage spärlich“, sagte Walter Vetter, Lebensmittelchemiker an der Universität Hohenheim in Stuttgart und Autor einer neueren, aber unveröffentlichten Studie über BVO in europäischen Limonaden-Importen.

Flammschutzmittel in Limonade?

Wenn Sie das nächste Mal nach Mountain Dew, Squirt, Fanta Orange, Sunkist Pineapple, Gatorade Thirst Quencher Orange, Powerade Strawberry Lemonade oder Fresca Original Citrus greifen, sehen Sie sich die Inhaltsstoffe an. Mountain Dew führt brominiertes Pflanzenöl an vorletzter Stelle auf, neben Disodium EDTA [Ethylendiamintetraessigsäure-Natriumsalz (PDF)] und Yellow 5 [Tartrazin oder E102]. Bei diesen Getränken handelt es sich um eine Stichprobe jener, die BVO als Inhaltsstoff entsprechend den Anforderungen der FDA angeben. Die aller beliebtesten Limonaden – Coca-Cola und Pepsi – enthalten kein BVO.

Niemand muss ein Gamer sein, um diese Limonaden mit Fruchtgeschmack zu trinken. In den USA trinken 85 Prozent der Kinder mindestens einmal pro Woche ein Getränk, das Zucker oder künstliche Süßstoffe enthält, wie aus einer Studie vom November hervorgeht. Limonaden sind nach einer Studie des nationalen Krebs-Institutes (PDF) die größte Kalorienquelle für Teenager zwischen 14 und 18 Jahren. Für Erwachsene sind Limonaden, Energy- und Sport-Drinks die viert größte Quelle (PDF) für Kalorien, wie eine staatliche Studie heraus fand.

Halten Sie eine Flasche Mountain Dew gegen das Licht. Es sieht trüb aus. Brominiertes Pflanzenöl ist für das trübe Aussehen verantwortlich, weil es die fruchtigen Geschmacksstoffe in ihrer Mischung im Getränk fixiert. Ohne einen solchen Emulgator wie BVO würden die Geschmacksstoffe an die Oberfläche steigen. Die FDA begrenzt den Einsatz von BVO auf 15 ppm [15 mg pro kg] in Getränken mit Fruchtgeschmack.

Brominiertes Pflanzenöl, das aus Sojabohnen oder Mais gewonnen wird, enthält Brom-Atome, welche den Zitrus-Geschmacksstoff schwerer machen (PDF), so dass er sich mit Wasser mischt oder als Flammschutzmittel chemische Reaktionen verlangsamt, die zu einem Feuer führen.

Brominierte Flammschutzmittel werden neuerdings besonders genau unter die Lupe genommen, da Untersuchungen gezeigt haben, dass sie sich im Körper der Menschen ansammeln und weltweit auch in der Muttermilch. Um die Ausbreitung von Flammen zu verlangsamen, werden sie der Polystyrolschaum-Füllung für Polstermöbel und Kinderprodukte, wie auch den Kunststoffen für Elektronik-Artikel beigemischt. Tierstudien wie auch ein paar Humanstudien stellten einen Zusammenhang mit eingeschränkter neurologischer Entwicklung, verminderter Fruchtbarkeit, dem frühen Eintritt der Pubertät und veränderten Schilddrüsen-Hormonen her.

BVO müsste heutzutage nicht als Flammschutzmittel in Möbelpolsterungen verwendet werden, doch Patente in Europa, die Anfang 2011 Dow Global Technologies und in den Vereinigten Staaten Koppers Inc. erteilt wurden, sorgen dafür, dass dem so ist.

„Es gibt einige Bedenken [wegen BVO], da die Leute befürchten, es könnte sich ähnlich wie Flammschutzmittel verhalten und mit ähnlichen Gesundheitsrisiken verbunden sein“, sagte Heather Stapleton, eine Umwelt-Chemikerin an der Duke University, die sich auf die Erforschung von brominierte Verbindungen spezialisiert hat.

Die Limonaden-Hersteller und Branchenverbände sagen, sie machen sich wegen der Sicherheit von brominiertem Pflanzenöl keine Sorgen, sie sagen, ihre Produkte entsprechen den Richtlinien der Regierung.

„Es handelt sich um eine sichere, von der FDA zugelassene Zutat, die für manche Citrus-basierten Getränke verwendet wird“, sagte Christopher Gindlesperger vom amerikanischen Getränkeverband, der PepsiCo, den Hersteller von Mountain Dew vertritt. „Es ist wichtig, dass die Verbraucher darauf vertrauen können, dass unsere Produkte sicher sind und dass sich unsere Industrie an alle Vorgaben der Regierung hält“.

Chris Barnes von der Dr. Pepper Snapple Group, die Hersteller von Squirt und anderen Getränken die BVO enthalten, wiederholte diese Antwort.

„Alle Inhaltsstoffe in Produkten der Dr. Pepper Snapple Group entsprechen den Anforderungen der FDA und anderen Regulierungen“, sagte Barnes. Alte Daten

Einige Fachleute sind überzeugt, dass sich die Richtlinien der FDA auf Jahrzehnte alte Daten stützen.

„Solche Verbindungen, die derart verbreitet sind, sollten regelmäßig und mit neuerer Technik neu untersucht werden, um sicher zu stellen, dass es keine Wirkungen gibt, die von den früheren Untersuchungsmethoden nicht erfasst wurden“, sagte Charles Vorhees, ein Toxikologe am Cincinnati Children’s Hospital Medical Center, der die neurologische Wirkung von BVO in den frühen 80’er Jahren untersucht hat. „Nach meiner Ansicht gehört BVO zu jenen Verbindungen, die eine Neuuntersuchung rechtfertigen.“

Das Testen der Toxizität hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert. Inzwischen können Versuchstiere über mehrere Generationen auf Veränderungen in ihrer neurologischen Entwicklung, in ihrem Hormonhaushalt und in ihrer Reproduktion untersucht werden, was man sich in den 70’er und 80’er Jahren nicht vorstellen konnte.

„Ich bin kein Toxikologe, doch nach meiner Ansicht hat sich die toxikologische Untersuchung von Chemikalien seit damals verbessert“, fügte Vetter hinzu.

1970 stellten Wissenschaftler in England fest, dass Ratten nach einer sechswöchigen Diät die 0,8 Prozent brominiertes Maisöl enthielt, beachtliche Mengen an Brom in ihrem Fettgewebe hatten. Die Brom-Werte veränderten sich nicht, selbst nachdem die Ratten zwei Wochen lang eine Kontroll-Diät bekamen.

Etwa zur selben Zeit bestätigte eine Studie, dass sich Brom in Menschen ansammelt. Forscher untersuchten die Serum-Werte von Menschen in Großbritannien – wo BVO verwendet wurde – und von Kontrollgruppen in den Niederlanden und in Deutschland, wo BVO nicht verwendet wurde.

„Damals hatten britische Bürger im Vergleich zu den Bewohnern von Deutschland und den Niederlanden höhere Brom-Werte“, sagte Vetter. Nach diesen Studien wurden die höchsten Fett gebundenen Brom-Werte im Gewebe von britischen Kindern gefunden.

Die Autoren der Studie schrieben: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Brom-Rückstände in den Kindern auf die Aufnahme von brominiertem Pflanzenöl zurückzuführen ist.“

Daten aus Versuchen mit Ratten zeigen, dass BVO toxisch sein kann. Eine Studie aus dem Jahre 1971 von kanadischen Forschern stellte fest, dass Ratten die mit einer Diät gefüttert wurden, welche 0,5 Prozent brominiertes Öl enthielt, Schädigungen des Herzmuskels entwickelten. In einer späteren Studie von 1983 bekamen mit denselben Ölen gefütterte Ratten Verhaltensstörungen und solche, die mit 1 Prozent BVO gefüttert wurden, hatten Wahrnehmungsprobleme. Bei 2 Prozent waren sie nicht mehr fortpflanzungsfähig.

Die Diäten in jener Studie enthielten „kolossale Dosen“ BVO, ungefähr hundert mal mehr als die heutigen zulässigen Höchstwerte, sagte Vorhees, Hauptautor der Studie von 1983.

Doch zwei Fallstudien aus den letzten 15 Jahren zeigen, dass kolossale Dosen auch bei Menschen vorkommen können – mit gesundheitlichen Folgen.

Epische Gelage

In MMO-Nächten [s.u.] im Battle & Brew spielen manche Gamer 12 Stunden am Stück. in diesen Multiplayer Online games spielen tausende weltweit gegeneinander. Während diesen epischen Schlachten ist eine Limonade pro Stunde nicht ungewöhnlich. Ein Gamer, der jede Stunde eine 20 Flüssigunzen Flasche Limonade trinkt, bringt es in sechs Stunden auf 3,5 Liter.

„Sie sitzen 12 Stunden da und hauen sich nur Limonade rein“, sagte Smawley.

Nahezu jeder amerikanische Teen spielt Computerspiele, berichtet das Pew Research Center. Die 110 Milliarden Dollar Softdrink Industrie und die 74 Milliarden Computerspiele Industrie wissen das. Activision, der Hersteller von „Call of Duty: Modern Warfare 3“, der neusten Ausgabe dieses populären Computerspieles, hat sich mit Mountain Dew für eine Werbekampagne zusammen geschlossen und belohnt Spieler mit Bonuspunkten, wenn sie mehr Mountain Dew trinken.

1997 berichteten Ärzte aus der Notaufnahme an der University of California in Davis von einem Patienten mit einer schweren Brom-Vergiftung durch den täglichen Genuss von vier Litern Orangenlimonade. Er litt unter Kopfschmerzen, Müdigkeit, Ataxie (Verlust der Muskel-Koordination) und Gedächtnisverlust.

In einem Fall, der 2003 aus Ohio berichtet wurde, bekam ein 63-jährigen Mann an seinen geschwollenen Händen Geschwüre, nachdem er mehrere Monate täglich 8 Liter Red Rudy Squirt getrunken hatte. Bei dem Mann wurde Bromoderma diagnostiziert, eine seltene Überempfindlichkeit der Haut gegenüber Brombelastungen. Der Patient hörte mit dem Trinken des brominierten Softdrinks auf und erholte sich nach Monaten.

Reaktionen dieser Schwere stellen für die normale Bevölkerung kein Problem dar, sagte einer der an der Studie beteiligten Ärzte.

„Ein Konsum von BVO in normalem Umfang hat keine Gesundheitsprobleme zur Folge – außer dem Risiko, durch das Trinken von derart viel Zuckerwasser Diabetes zu entwickeln“. sagte Zane Horowitz, medizinischer Leiter des Oregon Poison Centers und Autor der Fallstudie von 1997.

Doch in der Spielerszene ist ein normaler Verbrauch nicht normal. Es sieht so aus, als ob jeder jemanden kennt, der oder die gewohnheitsmäßig diese „Brennstoff-Hilfe“ benötigt und genug konsumiert, um sich zu gefährden.

„Ich habe Hardcore-Typen gesehen, die sich nach jedem Spiel eine neue Ladung genehmigen“, Sean Hyatt, zweiter Chef im Battle & Brew.

„Und es sind nicht nur die „Stinker“ – Smawleys abschätze Bezeichnung für den stereotypisch verwahrlosten Spieler – die sich Gamer-Sprit rein donnern. Vorhees vom Cincinnati Children’s Hospital berichtet, dass sein Sohn die ganze Nacht auf bleibt, wenn er mit seinen Freunden ein neues Spiel antestet.

„Sie benutzen Mountain Dew nicht zufällig als Getränk, das sie wach hält – und sie essen so gut wie gar nichts“, sagte Vorhees.

Wenn jemand während solchen Gelagen nichts isst, nimmt dessen Körper das Getränk vollständig auf. Das ist für Kinder umso schlimmer, sagt Vorhees, weil sie weniger Körpermasse haben.

„Bei Kindern ist die Wirkung der Dosis meistens größer“, sagte Vorhees, „Ich glaube in der Tat, dass es Menschen gibt, welche diese hohen Dosen erreichen“.

Das verbotene Brom kommt zurück

Auf Daten aus früheren Studien gestützt, entfernte die FDA 1970 brominiertes Pflanzenöl aus seiner Positivliste GRAS (Generally Recognized as Safe/allgemein als sicher anerkannt) für Geschmacksstoff-Zusätze, sagte Douglas Karas, ein Sprecher der FDA. BVO kam wieder dazu, nachdem Studien eines Industrieverbandes von 1971 bis 1974 einen sicheren Grenzwert nachwiesen.

Der Verband der Hersteller von Geschmacksstoff-Extrakten bat die FDA, BVO wieder in Getränken mit Fruchtgeschmack zu erlauben, diesmal als Stabilisator, wozu es bis heute eingesetzt wird. Nach Prüfung der Eingabe und anderer Daten erlaubte die FDA den vorübergehenden Einsatz von BVO mit 15 ppm in Getränken mit Fruchtgeschmack, bis die Ergebnisse weiterer Studien vorliegen.

„Diese Entscheidung stützte sich auf die höchsten Werte aus vorliegenden Sicherheits-Studien, bei denen man keine schädliche Wirkung festgestellt hatte und auf die geschätzte tägliche Aufnahmemenge“, schrieb Karas in einer Email. „Obwohl es Dosen gab, die im Tierversuch Nebenwirkungen zur Folge hatten, gab es auch niedrigere [Höchst-]Dosen, bei denen man keine Nebenwirkungen beobachtete.“

Als Bedingung für die vorläufige Zulassung, lieferte der Herstellerverband zusätzliche Sicherheits-Studien an die FDA.

Die FDA legte fest, dass eine zweijährige Fütterungs-Studie mit Schweinen 1200 ppm als Wert, bei dem keine schädliche Wirkung auftritt, rechtfertigt. Eine zweijährige Fütterungs-Studie mit Beagle Hunden wurde ebenfalls durchgeführt. Obwohl es gerade zu dieser Studie qualitative Bedenken gab, sagte Karas, wurden bei den zwei Jahre lang mit bis zu 3600 ppm gefütterten Hunden keine Herzkreislauf-Erkrankungen festgestellt. Nach einer öffentlichen Prüfung der Daten, bei der es um die Qualitätsbedenken ging, beschloss die FDA, BVO in Getränken mit Fruchtgeschmack zu erlauben.

„Die Ergebnisse dieser Studien unterstützen einen sicheren BVO-Wert für Getränke von 15 ppm in Getränken mit Fruchtgeschmack“ sagte Karas. „Sein Gebrauch als Flammschutzmittel schließt seinen Gebrauch als Lebensmittel-Bestandteil nicht aus, solange der Gebrauch des Lebensmittels sicher ist.“

Über 30 Jahre später ist der Genehmigungs-Status von brominiertem Pflanzenöl immer noch vorläufig. Diesen Status zu ändern wäre kostenaufwendig und „stellt aktuell keine Priorität für die öffentliche Gesundheit dar“, sagte Karas.

Michael Jacobson, Geschäftsführer des Center for Science in the Public Interest [Zentrum für Wissenschaft im öffentlichen Interesse] war 1970 der der Petition beteiligt, BVO aus der Positivliste zu entfernen. Er sagte, es wäre für die FDA an der Zeit, eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung zu treffen.

„Ist es in den aufgenommenen Mengen schädlich? Vermutlich nicht“, sagte Jacobson. „Doch es wäre nicht schlecht, wenn sich die FDA gründlich mit der Literatur befassen würde, um zu einer Zulassung oder zu einem Verbot zu kommen“.

Auf mehr Sicherheit umstellen?

Wie aus einer auf einem Symposium über halogenisierte beständige organische Schadstoffe präsentierten Analyse (PDF) von importierten Limonaden hervorgeht, ist BVO nach Europa gesickert, ein Gebiet, in dem dieser Zusatzstoff überwiegend verboten ist.

„Wir fanden Produkte ohne Angabe der Inhaltsstoffe, obwohl BVO in den Limonaden vorhanden war“, sagte Vetter, Hauptautor der Studie.

Er sagte, Limonaden-Hersteller in Nordamerika könnten BVO problemlos durch Alternativen wie etwa Hydrokolloide ersetzen – Chemikalien, die in vielen Limonaden in Europa eingesetzt werden. Natürliche Hydrokolloide bilden auf dem Wasser kleine Tröpfchen, in denen Wasser unlösliche Verbindungen so lange, wie dies erforderlich ist, gelagert und stabilisiert werden können. Es handelt sich überwiegend um reine Naturprodukte, sagte Vetter.

Barnes von der Dr. Pepper Snapple Group sagte, dass BVO und Hydrokolloide „nicht die gleiche Funktionalität bieten und nicht untereinander ausgetauscht werden könnten“.

Vetter widersprach, wies darauf hin, dass Länder in Europa und anderswo seit Jahrzehnten natürliche Hydrokolloide für jene Limonaden-Marken verwendet haben, die in Nord-Amerika nicht ohne BVO auskommen.

Es gibt etliche Optionen, BVO durch sichere Chemikalien zu ersetzen“, sagte Vetter. „Ich kenne keine entscheidenden Nachteile von BVO gegenüber Hydrokolloiden oder umgekehrt.“

Warum wird in Amerika nicht auch umgestellt, wenn natürlich Alternativen in anderen Ländern längst in Gebrauch sind?

Wim Thielemans, ein Chemie-Ingenieur an der University of Nottingham in Großbritannien sagte, wenn die Alternativen in Europa längst in Gebrauch sind, „müsste ihre Leistung akzeptabel, wenn nicht sogar mit in den USA verwendeten brominierten Systemen vergleichbar sein“. Das bedeutet, „das Hauptmotiv, sie nicht zu verwenden, könnten die Kosten sein“, sagte er.

„Es ist ein nordamerikanisches Problem“, fügte Vetter hinzu. „In der EU würde BVO niemals erlaubt werden.“

Autor: Brett Israel für Environmental Health News, 12. Dezember 2011

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Bitte beachten: Der Original-Artikel „Brominated battle: Soda chemical has cloudy health history“ steht unter der Creative Commons Lizenz: by-nc-nd. Diese Übersetzung wurde abweichend von dieser Lizenz von Environmental Health News genehmigt. Sie steht unter keiner CC-Lizenz.

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