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Umweltmedizin: Internationaler Appell von Würzburg

Auf Einladung der „European Academy for Environmental Medicine – EUROPAEM“ trafen sich vom 23.04. – 25.04.2010 in Würzburg namhafte nationale und internationale Wissenschaftler der Gebiete Umweltmedizin, Toxikologie, Immunologie, Neurologie und Humangenetik, praktizierende Ärzte und Zahnärzte, Angehörige anderer Heilberufe sowie Vertreter von Patienteninitiativen unter dem Motto „Wissenschaft trifft Praxis“ zu einem internationalen Ärztekongress. Dieser beschäftigte sich speziell mit dem Thema der Neuro-Endokrino-Immunologie und ihrer Bedeutung für die Umweltmedizin.

Die Teilnehmer stellten mit großer Sorge die Zunahme chronischer Multi-System-Erkrankungen (CMI) fest, zu denen neben den Krankheitsbildern Multiple Chemikalien Sensitivität (MCS), Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) und Fibromyalgie-syndrom (FMS) auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, metabolisches Syndrom, neurodegenerative Krankheiten, die Gruppe der Autoimmunopathien und Krebs, zählen.

Auf dem Kongress konnte in eindrucksvoller Weise unter Beweis gestellt werden, dass diesen chronischen Krankheiten ähnliche Pathomechanismen zu Grunde liegen. Ihnen gemeinsam sind chronische Entzündungsprozesse, die von Umwelteinflüssen chemischer (Schadstoffe), biologischer (z.B. Infektionserreger) und physikalischer (z.B. elektromagnetische Felder EMF) Art ausgelöst werden.

Chronische Erkrankungen bedingen Langzeitpatienten, deren medizinische Betreuung immer höhere Kosten verursacht. Dies führt häufig dazu, dass Betroffene sozial ausgegrenzt werden.

Vor dem erschreckenden Hintergrund der aus allen Ländern Europas gemeldeten wachsenden finanziellen Engpässe, insbesondere im öffentlichen Gesundheits-wesen, muss eine weitere Zunahme der chronischen Erkrankungen den bereits im Gang befindlichen Kollaps der nationalen Gesundheitsdienste und der Krankenversicherungen in Europa beschleunigen. Abhilfe verspricht hier nur ein Wechsel der Prioritäten von einer heute zu einseitig symptomatisch ausgerichteten Medizin hin zur kausal ausgerichteten kostensparenden Primärprävention.

Die Kongressteilnehmer richten einen dringlichen Appell an die Europäischen Umwelt- und Gesundheitsminister, an die Europäische Kommission, an die Europäischen Parlamentarier, an die nationalen Regierungen sowie an die Vorstände der Sozial- und Privatversicherungen, diesen Erkenntnissen und Entwicklungen die unverzichtbare Beachtung zu schenken. Dies bedeutet mehr Gewichtung und finanzielle Investitionen in Primärprävention, Vorsorge und möglichst frühzeitige Erkennung und Diagnostik dieser chronischen, letztlich Umwelt assoziierten Krankheiten zu tätigen.

Dies bedeutet generell auch auf europäischer Ebene eine uneingeschränkte Wahrnehmung der Forschungsergebnisse der praktizierenden Umweltmedizin und ihre Integration in die universitäre Forschung und Lehre. Die Europäischen Regierungen werden aufgefordert, die ratifizierten Beschlüsse der 4. Ministeriellen Konferenz der Umwelt- und Gesundheitsminister in Budapest, 2004, endlich in die Tat umzusetzen.

Dieser Appell wurde einstimmig vom Plenum des Kongresses angenommen.

Würzburg, den 25.April 2010

Für den Vorstand von EUROPAEM

Jean Huss, Vice-Chairman

Dr. Kurt E. Müller, Chairman

Dr. Peter Ohnsorge,  Managing Chairman

Dr. Hans-Peter Donate, Pressesprecher, ViSdP

In Spanien geht es mit Siebenmeilenstiefeln voran – MCS-Kranke sollen rasch Hilfe erhalten

Eine weitere gute Meldung aus Spanien traf ein. Das Meeting des Spanischen Ministerium für Gesundheit, Ärzten und Vertretern von MCS-Organisationen verlief sehr gut. Nachfolgend Informationen darüber, die Eva Caballé in ihrem No Fun Blog über das aktuelle Treffen bereitstellte.

Kranke werden auf die lange Bank geschoben

Wie in Deutschland, wurden auch in Spanien MCS-Kranke immer wieder vertröstet und so behandelt, als seien sie nicht existent. Die Wende trat im vergangenen Oktober auf ungewöhnliche Weise ein. Seit dem erfahren wir ständig neue Erfolge, bis hin zum jüngsten Treffen der MCS-Selbsthilfegruppen mit Repräsentanten des Gesundheitsministeriums.

Ein Radiosender brachte die positive Wende

Ein spanisches Radioprogramm namens „Carne Cruda“, zu Deutsch „Rohes Fleisch“, publizierte am 22. Oktober vergangenen Jahres einen Artikel in seinem Blog, der den Titel „Ich bin Dein Fan“ trug. Die Leser wurden im Artikel gefragt, was ihr Lieblingssong sei.

José Luís Aparicio schrieb einen Kommentar mit seinen 10 Lieblingssongs, und als letztes Lied, das er aufzählte, wählte er “No Fun”. Er erklärte, warum er gerade dieses Lied gewählt habe, nämlich weil Eva Caballé’s Blog „No Fun“ nach diesem Lied benannt sei und dann erklärte er, was MCS ist und dass er selbst auch von dieser Krankheit betroffen sei. Abschließend fragte er, ob Carne Cruda über MCS berichten könne und erwähnte das Interview, das Salvador L. Arnal mit Eva für Rebelión durchgeführt hatte. Carne Cruda fand das Thema wichtig und schon vier Tage später erhielt Eva eine Einladung für ein Interview.

Am 4. November war es dann soweit und Eva wurde vom Radiosender Carne Cruda interviewed und traf José Luís Aparicio. Man konnte es nicht fassen und war schockiert über MCS. So geschockt, dass der Direktor dieser Radiosendung am nächsten Tag während der Sendung sagte, dass man den Gesundheitsminister kontaktieren wolle. Eva glaubte damals selbst kaum daran, dass dies Realität würde. Doch man hielt Wort und wollte ein Interview mit dem Gesundheitsminister arrangieren und mit ihm über MCS sprechen und vor allem erklären, wie furchtbar die Situation der MCS Kranken ist.

Und dann fing die Geschichte an, richtig interessant zu werden. Der Radiosender tätigte eine ganze Reihe von Anrufen beim Gesundheitsministerium. Man erhielt keinerlei Resonanz. Der Radiosender ließ aber nicht locker und rief während einer Live Sendung beim Gesundheitsministerium an und hatte endlich Erfolg. Das Interview kam für den 15. Januar 2010 zustande. Es gab eine Sondersendung von Carne Cruda, die das Thema MCS behandelte. Eingeladen waren der Generalsekretär des Gesundheitsministeriums José Martínez Olmos und Miguel Jara, Dr. Pablo Arnold, José Luís Aparicio. David Palma vertrat seine Frau Eva Caballé, die zu krank ist, um außer Haus zu gehen. Dann geschah etwas, womit keiner gerechnet hatte. Der Generalsekretär des Gesundheitsministeriums versprach in der Sendung, die viele Menschen mithörten, dass ein Treffen mit den MCS Selbsthilfegruppen des Landes innerhalb der nächsten 10-20 Tage nach der Radioshow stattfinden solle.

Erstes Treffen des Gesundheitsministeriums mit MCS-Organisationen

Am 4. Februar war es dann soweit, das Treffen des Gesundheitsministeriums mit den spanischen MCS-Selbsthilfegruppen fand statt. Die Situation der MCS-Kranken wurde erörtert. Die Organisationen hatten unter David Palmer’s Koordination eine Petition erstellt, die überbracht wurde. Neben einem Repräsentanten von jeder Selbsthilfegruppe nahmen auch ein Rechtsanwalt und ein Arzt an diesem Meeting teil. Es wurde eine Kopie von Eva’s Buch übergeben, als Beispiel dessen, was MCS-Kranke in Spanien durchmachen. Die Repräsentanten des Gesundheitsministeriums versprachen, die MCS-Organisationen zu kontaktieren, um mit ihnen ein wissenschaftliches Komitee abzustimmen, das ein Konsens-Dokument hinsichtlich MCS erstellen soll.

Gründung eines MCS-Komitees

Dann gründeten die 13 MCS Organisationen ein Komitee zur Anerkennung von MCS in Spanien, um eine einheitliche Stimme zu bilden, Dieses Komitee erstellte eine Liste von Ärzten und das Gesundheitsministerium lud alle elf Ärzte ein, die vom MCS-Komitee benannt worden waren. Am Meeting das am 21. April 2010 stattfand, nahmen neben 16 Personen des Gesundheitsministeriums, diese 11 Ärzte und Vertreter der Organisationen teil.

Zweites positives Treffen im Gesundheitsministerium

Der erste Eindruck zum Treffen ist positiv. Die Arbeitsgruppe erstellte einen Zeitplan und zeigte sich einverstanden, einen Entwurf für ein MCS-Konsens-Dokument zu erarbeiten. Dieser Entwurf wird von allen MCS-Organisationen im September/Oktober 2010 geprüft. Das Überprüfte wird vom Gesundheitsministerium im Dezember 2010 veröffentlicht. Das Ministerium bestätigte, dass dies der erste Schritt ist, der es möglich macht, dass MCS in den ICD-10 aufgenommen wird, etc – eine offizielle Anerkennung von MCS in Spanien.

Dank der MCS-Kranken an den Radiosender Carne Cruda

Eva Caballé ließ wissen, dass es noch eine offizielle Pressemitteilung geben wird, doch man gab bereits eine Meldung durch Carne Cruda einen Tag nach dem Meeting. Weil dem Radiosender der Dank für all das gehört, was in Spanien seit der Radiosendung im vergangenen Jahr passierte, gab man ihm den Vorzug. Der Direktor des Senders war sehr bewegt, als er die Nachricht über das Ergebnis des Meetings am 21. April erfuhr und den Dank aller MCS-Kranken in Spanien, den Eva und ihr Mann David Palma überbrachten.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25. April 2010

Literatur: Meldung von Eva Caballé, No Fun Blog, 24. April 2010

Weitere Artikel von Eva Caballé:

Es wird immer schwerer die Krankheit MCS zu verschweigen

Überall werden Umwelterkrankte aktiv

Als Auftakt in Blick auf den MCS – Aufklärungsmonat Mai 2010 möchten wir verschiedene Projekte von Umweltkranken vorstellen. Wir werden von Menschen berichten, die so krank sind, dass sie nicht mehr arbeiten können und in ihrem Wohnumfeld völlig isoliert leben müssen, weil sie so extrem chemikaliensensibel sind. Von Menschen, die täglich mit Schmerzen und teils nur schwer vorstellbaren Restriktionen leben müssen, aber dennoch bestrebt sind, ein Zeichen zu setzen und auf ihre Art die Mitmenschen darüber aufzuklären, was sich hinter den drei Buchstaben MCS verbirgt.

Der erste Bericht, den wir präsentieren, ist von Marlene Winands, eine ehemalige Zahnarzthelferin, die täglich auf Hilfe anderer angewiesen ist, um ihren Alltag leben zu können. Marlene hat trotz ihrer schwierigen Lebensumstände durch ihre schwere Chemikalien-Sensitivität nie aufgegeben, ihr Zeichen zu setzen, damit Mitmenschen wachwerden. Ganz gemäß ihrem Leitspruch:

„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Bild der Welt verändern“ (Spruch aus Afrika).

Marlene Winands: Eine Betroffene für Betroffene

Ich hatte mich entschlossen, meine Gedanken zu veröffentlichen, die ich aufgrund der MCS–Erkrankung niedergeschrieben hatte. Zeitgleich musste ich das Problem mit meiner Papierunverträglichkeit lösen. Ich tröstete mich, weil ich ohnehin zum Thema passend auf MCS–gerechtem Papier drucken lassen wollte. Eine schwierige Hürde – aber noch lange nicht die letzte!

Im Jahr 2004 ließ ich die erste Broschüre mit dem Titel „MCS – Eine Betroffene für Betroffene“ auf BIO–TOP–Papier drucken. Silvia Müller war mir behilflich bei der Publikation, indem sie im CSN–Forum und in der Pure Nature INFOBOX meine Broschüre kommentierte.

Ich zitiere einen Auszug von ihrem Eintrag am 14.05.2004 im Allergieforum:

…Die Gedichte von Marlene sind kritisch, klären auf und regen zum Nach– und Umdenken an. Betroffene werden sich oft selbst erkennen mit ihren Gedanken, Wünschen, …Ideal zum Weiterreichen an Ärzte, Verwandte, Familienangehörige, Freunde und Arbeitskollegen, die nicht verstehen wollen oder aber gerne mehr wissen möchten.

Bald darauf bekam ich Post von Mitbetroffenen. Ich freute mich über jede Bestellung. Die Rückmeldungen waren alle positiv. So wusste ich, dass ich genau das Richtige getan hatte.

Im Jahr 2005 gab ich die zweite Broschüre „MCS – Eine Betroffene von Betroffenen“ bekannt. Rückmeldungen vermehrten sich. Zu meiner eigenen Erfahrung und meinen Gefühlen als Schwerstbetroffene hörte ich immer mehr von den ungeheuerlichen Unrechtsbehandlungen, menschenunwürdigen Diskriminierungen, Psychiatri-sierungen und den zahlreichen Problemen meiner Leidensgenossen. All das ermutigte mich weiterzumachen. Ich trotzte den Ganzkörperschmerzen und nutzte meine schweren Leiden, um in kleinsten Schritten die ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen. Ein starkes Verantwortungsgefühl „für uns alle“ baute sich in mir auf.

Ich muss bemerken, dass ich Computer und Internet nicht nutzen kann. Das lässt die Elektrosensibilität nicht zu. Wenigstens habe ich Naturpapier und Telefon (Piezzo). Es geht mühsam und im Schneckentempo, aber es geht vorwärts!

Ich feilte lange an einem Artikel mit der Überschrift: „UMWELT – Erkrankungen ein Thema, das es offiziell nicht geben soll. Darüber kann ich als Schwerstbetroffene nicht schweigen.“

Mein Vorhaben war, diesen z.B. bei FOCUS anzubieten. Trotz großer Bemühungen ist es mir nicht gelungen, diesen brisanten Artikel bei FOCUS, Stern, Süddeutsche Zeitung, Schwäbische Zeitung unterzubringen. In der Zeitschrift „Umwelt–Medizin–Gesellschaft“ 1/2008 wurde er in der Originalfassung veröffentlicht.

Meine innere Kraft, mein Wunsch und meine Bemühungen, in der Öffentlichkeit etwas zu bewirken, blieben nicht erfolglos. Es öffneten sich Türen. Ich konnte Redaktionen finden, die bereit waren, eine Anzeige mit dem Hinweis auf die MCS-Broschüren zu veröffentlichen:

  • Schrot & Korn Nov. 2006
  • Kraut & Rüben Dez. 2006
  • BIO 1/2008.
  • Im Fliege–Magazin Sept. 2009
  • In der Reformrundschau Sept. und Dez. 2009 war eine Anzeige mit dem Hinweis auf mein neues Büchlein „Krank durch die Umwelt“ zu lesen.
  • Eine Rezension erschien 04/2009 in der Zeitschrift Umwelt–Medizin–Gesellschaft.
  • In der VdK–Zeitung ist eine Veröffentlichung vorgesehen.
  • Im Spätfrühjahr soll eine Lesung des Büchleins in meinem Wohnort stattfinden.

Obwohl ich mir mit meiner kleinen Lebensflamme jeden Tag neu erkämpfen muss, kann ich nicht schweigen. Die Freude über jeden Schritt der gelingt, ist groß.

Mit meinen Ausführungen möchte ich jedem von Euch Mut machen, aktiv zu werden! Ich möchte ein Zeichen setzen, dass man als Umweltkranker bis hin zum Behinderten nicht verstummen sollte. Nur wir können (mit Hilfe von anderen, die gibt es auch) dafür sorgen, dass Umwelterkrankungen in der Gesellschaft publik werden, damit Bewusstsein entsteht!

Autor: Marlene Winands für CSN – Chemical Sensitivity Network, 21. April 2010

Das Büchlein von Marlene Winands

ist zum Preis von 5 € unter folgender Anschrift erhältlich:

Marlene Winands, Baumannstr. 76/22, 88239 Wangen im Allgäu

Weitere Artikel über den MCS-Aufklärungsmonat Mai

Dritte erweiterte Neuauflage des MCS-Buches von Dr. Hans-Ulrich Hill

In den nächsten Tagen erscheint die nunmehr dritte Neuauflage des Buches über MCS – Multiple Chemical Sensitivity von Dr. Hans – Ulrich Hill. Die Auflage wurde um rund 80 Seiten ergänzt, um dem wichtigen Wissen, das in den letzten beiden Jahren publik wurde, Genüge zu tragen.

Hans-Ulrich Hill lässt uns vorab einen Blick auf das Vorwort werfen:

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu MCS und den chronisch entzündlichen Multisystem-Erkrankungen schreiten rasant voran, nicht zuletzt durch die wichtigen Publikationen von Prof. Martin L. Pall von der Washington State University, der Ende 2009 einen zusammen-fassenden Grundsatzartikel zum Patho-mechanismus der Krankheit MCS veröffentlicht hat (siehe Pall, 2009). Hinzu kommen eine Reihe weiterer Publikationen (beispielsweise zusammengefasst in Lajtha et al., 2007; und Veasey et al., 2009), die einen prinzipiellen Zusammenhang der biochemischen und pathophysiologischen Mechanismen von chronisch-entzündlichen Multisystemerkrankungen wie MCS und neurodegenerativen (Demenz-) Erkrankungen wie die Alzheimer- und Parkinson- Krankheit nahe legen. Weitere Befunde aus der epidemiologischen und pathophysiologischen Forschung belegen, dass Schad- und Fremdstoffe nicht nur MCS, sondern auch die genannten neurodegenerativen Krankheiten langfristig auslösen können. Umweltbelastungen durch Chemikalien, insbesondere durch verschiedene Pestizide, geraten somit in den Verdacht, für die rasante Zunahme der Demenzerkrankungen in der Bevölkerung der Industrieländer beizutragen.

Damit erhebt sich die grundsätzliche Frage, ob MCS sowie weitere chronisch entzündliche Multisystemkrankheiten nicht Vorstufen oder Frühstadien chronisch neurodegenerativer Krankheiten darstellen. Die Zusammenstellung der vielen wissenschaftlichen Befunde im vorliegenden Buch ist geeignet, diese Vermutung in wesentlichen Punkten zu begründen. Einige betroffene Patienten haben sich über den Inhalt von Kapitel 7.4 (S. 286 f.): „Rückschritt ins Mittelalter: der Einfluss komplementärer und Esoterik-Ideologien“ beschwert und mit Nachdruck die Streichung des Kapitels gefordert. Stattdessen sollten die kritisierten komplementären Diagnose- und Therapieverfahren der Homöopathie, der Kinesiologie, der Bioresonanz und anderer aufgenommen und ausführlich dargestellt werden. Das Kapitel enthielte außerdem eine „Verhöhnung der Patienten, die von der Schulmedizin im Stich gelassen“ würden. Leider kann dieser Wunsch aus grundsätzlichen Erwägungen nicht erfüllt werden:

Das Buch wurde hauptsächlich zu dem Zweck geschrieben, den Tausenden von Hausärzten, Fachmedizinern und Angehörigen anderer medizinischer Berufe sowie den Gesundheitspolitikern und Vertretern von Krankenkassen, Berufsgenossen-schaften und Fachjuristen wissenschaftlich fundierte und belegte Argumente für die Existenz der Krankheit MCS im Rahmen chronisch-entzündlicher Multisystemkrankheiten zu liefern und sie davon zu überzeugen, dass sie die Aufgabe haben, den Betroffenen fachlich qualifiziert zu helfen. Argumente, die aus wissenschaftlich nicht abgesicherten Glaubenssystemen stammen, würden dieses Anliegen zunichtemachen und die Autoren sowie alle Patienten, die unter MCS und verwandten Krankheiten zu leiden haben, mit ihren Anliegen in der Fachwelt unglaubwürdig machen.

Hans-Ulrich Hill, Wiesbaden, März 2010

Buchtitel und Bestellinformationen:

Hans-Ulrich Hill, Wolfgang Huber, Kurt E. Müller

Multiple-Chemikalien-Sensitivität (MCS)

Ein Krankheitsbild der chronischen Multisystemerkrankungen

Umweltmedizinische, toxikologische und sozialpolitische Aspekte

3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2010

Shaker-Verlag, Aachen 2010,

ISBN: 978-3-8322-9046-7,

486 S., Preis ca. 25€

Eva Caballé: Träume die töten

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Die Spanierin Eva Caballé wurde erneut gebeten, einen Artikel über MCS für das Kunst- und Kulturmagazin Deliro zuschreiben. Das Thema für die Ausgabe war „Träume“. Eva beschreibt in ihrem Beitrag, wie MCS einen lehrt, unsere Träume und die Träume unserer Gesellschaft realistisch zu betrachten.

Eva Caballé:

Es ist uns nicht gestattet, mit dem Träumen aufzuhören. Träume, die wir nicht selbst ausgewählt haben. Träume, die uns als unverzichtbar für unser Glücklichsein verkauft werden. Und wir schlafen sorglos und träumen. Wir träumen und wir kaufen, um fähig zu sein zu schlafen und weiterzuträumen von mehr Kram. Wir schlafen, tief eingelullt durch den Glanz der roboterhaften Massen, die Köpfe voll mit Träumen, die verhindern, zur Ruhe zu kommen.

Wage nicht einmal aufzuhören, diese süßen, leeren Träume zu haben. Wage es nicht einmal, tief durchzuatmen und Dich selbst verloren in diesem Alptraum der Träume anderer wieder zu finden, ohne dabei in der Lage zu sein aufzuwachen; in einer Welt, die Dich verbrennt und Dich in eine Krankheit einsperrt, die Dir nur erlaubt davon zu träumen, dass deine Alpträume verschwinden.

Heute Nacht wirst Du zufrieden schlafen gehen, eingekuschelt in Dein weichhäutiges, verführerisch parfümiertes Leben, wo alles harmlos und perfekt ist. Deine Träume werden mich, wieder einmal, auf die verborgene Seite des Lebens verbannen, dort wo das Licht und die Geräusche, die Nerven versengen, wo Träume grausames Gift werden, das mich langsam tötet und mich von Alptraum zu Alptraum befördert – ohne einen Ausweg.

Deine toxischen Träume begraben meine Existenz unter einen Grabstein, der aus drei Worten besteht: Multiple Chemical Sensitivity. Deine Welt aus idealen Träumen sorgt dafür, dass ich wie gefangen leben muss.

Wache auf aus Deinem schweren Traum, in den Du uns versenkst, damit Du und ich von einem tatsächlichen Leben träumen können, einen realen Traum; sodass niemals wieder jemand seine Träume in die Folter einer gnadenlosen Krankheit verwandeln sieht.

Autor: Eva Caballé für Deliro, April 2010

Bildmaterial: Aida/Deliro

Übersetzung: Silvia K. Müller CSN – Chemical Sensitiivity Network, 19. April 2010

Weitere Artikel von Eva Caballé, die in der Kulturzeitung Deliro erschienen:

Erstes Treffen der Spanischen Arbeitsgruppe für die Erstellung eines Konsenspapiers zu Multiple Chemical Sensitivity

Am 21. April 2010 wird das erste Treffen der Arbeitsgruppe abgehalten, um ein Konsenspapier zu Multiple Chemical Sensitivity in Spanien zu erarbeiten.

Wie Ihr sicher wisst, fand am 4. Februar 2010 das Treffen zwischen Vertretern des Gesundheitsministeriums und Selbsthilfe-gruppen, die sich mit Multiple Chemical Sensitivity befassen, zur Bestandsaufnahme der Situation von MCS in Spanien statt. Bei diesem Treffen legten sich die Vertreter des Gesundheitsministeriums darauf fest, mit MCS-Selbsthilfgruppen in Kontakt zu treten, um sich gemeinsam auf Experten zur Bildung eines wissenschaftlichen Gremiums zu einigen, das ein Konsenspapier zu MCS erstellen soll. Sie erklärten, dies wäre der erste Schritt, um die Aufnahme von MCS in den ICD-10 bzw. die offizielle Anerkennung als Erkrankung in Spanien zu ermöglichen.

Die letzten Monate haben die Selbsthilfegruppen die Liste von Ärzten zusammengestellt, die zu der Arbeitsgruppe gehören sollten. Diese Liste wurde vor ein paar Wochen an das Gesundheitsministerium übermittelt.

Das Ministerium hat bereits einen Termin für das Treffen festgelegt: Der 21. April 2010, und es sind vier Stunden dafür vorgesehen. 11 (*) von den Gruppen benannte Ärzte und 16 Angehörige des Gesundheitsministeriums, von Ärzten bis zu Beratern, werden an diesem Treffen teilnehmen.

Ich möchte allen MCS-Gruppen für ihre Arbeit danken, die Ärzte auszuwählen und ich möchte ihnen auch zur Gründung des „Comité para el Reconocimiento del Síndrome de Sensibilidad Química Múltiple“, des Komitees zur Anerkennung von MCS in Spanien gratulieren, das alles auf den Weg bringen wird. Und ganz besonders möchte ich allen Ärzten, die zur Arbeitsgruppe gehören werden, für ihr Engagement danken, das sie bereits seit Jahren überdeutlich mit ihrer Arbeit beweisen, MCS-Kranken zu helfen. Ich möchte sie mit all unserer Kraft bei dieser Entwicklung, die nun eingesetzt hat, unterstützen, da alle MCS-Kranke und Angehörige ihre Hoffnungen darauf richten.

Englische Fassung: Eva Caballé, No Fun, April 2010

Übersetzung: BrunO für CSN

(*) Update, 13. April: Es werden endgültig 11 von den Gruppen benannte Ärzte am Treffen teilnehmen, da das Gesundheitsministerium der Teilnahme zweier Ärzte zustimmte, die zuvor abgelehnt worden waren.

Weitere Artikel über MCS in Spanien:

Frische Luft durch Düfte?

Sind „Lufterfrischer“ gesundheitlich unbedenklich?

Das HR-Fernsehen sendete gestern Abend in seinem Wissensmagazin „Alles Wissen“ einen interessanten Beitrag über Duftstoffe, mit dem Titel  „Lufterfrischer – Gift im Duft?“. Man ging der Frage nach, ob die täglich in Kaufhäusern, Arztpraxen und im privaten Bereich auf uns einwirkende Flut der Düfte ungefährlich für unsere Gesundheit ist.

Duftstoffe fördern nicht „nur“ Hautreaktionen, sondern verschlimmern auch Allergien

Die Anwendung von Duftstoffen nimmt rapide zu, über 3000 verschiedene Duftstoffe kommen in den unterschiedlichsten Produkten zum Einsatz. Ein Ausweichen ist für Asthmatiker und Menschen, die an einer Duftstoffallergie oder an MCS erkrankt sind, schier unmöglich, da heutzutage fast überall künstlich beduftet wird. Diese Ansicht vertritt auch Prof. Claudia Traidl-Hoffmann vom Münchner Zentrum für Allergien und Umwelt. Sie führt an, dass die Aromastoffe nach dem Einatmen durch die Nase in die Lunge gelangen und sich von dort aus im ganzen Körper ausbreiten.

Wissenschaftlern ist bereits länger bekannt, dass das Einatmen von Duftstoffen bei Allergikern häufig zu Hautreaktionen führen kann. Doch Prof. Claudia Traidl-Hoffmann berichtet von weiteren durch Duftstoffe ausgelösten Gesundheitsstörungen. Man nahm Proben der Innenraumluft von zwei PKW, der man menschliche Blutgefäßzellen zufügte. Der Versuch mit der PKW-Innenraumluft wurde deshalb durchgeführt, da die in Autos verarbeiteten Materialien flüchtige organische Verbindungen freisetzen, sog. VOC, zu denen auch viele Duftstoffe zählen. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass durch die VOCs an den menschlichen Zellen Entzündungsprozesse gefördert werden. Lt. Prof. Traidl-Hoffmann können diese verursachten Entzündungen, die Entstehung von Allergien fördern bzw. Allergien verschlimmern.

„Lufterfrischer“ beinhalten hochkonzentriert Allergie auslösende Chemikalien

Der Umweltanalytiker Andreas Winkens aus Mönchengladbach hat im Auftrag des Deutschen Allergie- und Asthmabundes sechzehn verschiedene „Lufterfrischer „aus Naturwarenläden- und Reformhäusern wie auch aus Drogerien, auf Formaldehyd und Aromastoffe, sog. Aromate untersucht. Krebserregendes Formaldehyd konnte in den aufwändig untersuchten Proben zwar nicht hochkonzentriert nachgewiesen werden, aber dennoch besteht keine Entwarnung.

Das uns von Duftstoffen und Parfum in Hochglanzjournalen, Werbespots und in groß angelegten Kampagnen suggerierte Image von Wellness und positivem Effekt auf die Gesundheit bröckelt entschieden. Dies verdeutlichen die aktuellen Untersuchungsergebnisse von Andreas Winkens, wie auch die zunehmend zu verzeichnenden kritischen Meldungen aus wissenschaftlichen Fachkreisen und den Medien.

Krebserregendes Benzol, das beispielsweise in Autoabgasen vorkommt, wurde in einer der Proben festgestellt. Als besonders problematisch beurteilt Andreas Winkens die extrem hohen Werte der stark Allergie auslösenden und zu Sensibilisierungen führenden Limonen-Konzentrationen. Die Laborauswertung erbrachte den Nachweis, dass 80 Prozent der untersuchten „Lufterfrischer“ stark erhöhte Belastungen dieser Limonen-Aromastoffe vorweisen, der höchste Wert überschreitet die Empfehlungen für gesunde Innenraumluft um mehr als das Zehnfache. Der Umweltanalytiker gibt zu bedenken, dass gerade in Raumluftsprays vielzählige Duftstoffe enthalten sind, deren mögliche schädliche Wechselwirkungen bisher völlig unzureichend geklärt sind.

Auch das UBA beurteilt die Verwendung von „Lufterfrischern“ kritisch

Wolfgang Straff, der Leiter des Fachgebietes Umweltmedizin des Umweltbundesamtes in Berlin, beantwortet die durch „Alles Wissen“ gestellte Frage, Lufterfrischer, Duftöle und Raumduftsprays auf Grund ihrer gesundheitlichen Bedenklichkeit besser ganz vom Markt zu nehmen, eher ausweichend. Er führt an, dass es derzeit in der wissenschaftlichen Fachliteratur keinen Anlass für eine solche Maßnahme gäbe. Dennoch rät er vom Gebrauch von „Raumerfrischern“ ab, da diese eine unnötige und zusätzliche Belastung der Innenraumluft darstellen.

Lüften statt chemischem Beduften!

Unangenehme Gerüche werden durch Raumluftsprays, Duftöle und „Lufterfrischer“ lediglich überdeckt und belasten die Gesundheit der oft ahnungslosen Verbraucher. Insbesondere der ungebremste Einsatz unfreiwilliger Raumbeduftung in der Öffentlichkeit ist als äußerst kritisch anzusehen, gerade auch unter dem Aspekt der rapiden Zunahme von Atemwegserkrankungen, Allergien und umweltbedingten Erkrankungen, wie bspw. von MCS – Multipler Chemikalien Sensitivität. Das Beduften von Arztpraxen sollte demnach ausnahmslos unterbunden werden, damit Patienten in Lebensbereichen, die eigentlich zu einer Verbesserung ihrer Gesundheit beitragen sollen, nicht mit synthetischen Substanzen / Chemikalien konfrontiert werden, die stattdessen ihrer Gesundheit erheblich schaden können.

Resümee

Es führt kein Weg an ausgiebigem Lüften vorbei, denn „Lufterfrischer“ belasten die Innenraumluft, anstatt die Luftqualität zu verbessern. Somit ist die Bezeichnung „Lufterfrischer“ eine Irreführung der Verbraucher. Die im Filmbeitrag dargestellten möglichen Gesundheitsschäden durch „Raumerfrischer“ sollten die Konsumenten nicht unterschätzen, denn nach wie vor lässt die mögliche Wirkung der einzelnen Inhaltstoffe derartiger Produkte untereinander viele wissenschaftliche Fragen offen, grünes Licht für gesundheitliche Unbedenklichkeit kann nicht gegeben werden, ganz im Gegenteil.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity Network, 15.04.2010

Weitere interessante CSN-Artikel zum Thema:

Künstlich gegen MCS-Patienten errichtete Blockaden

Die MAK-Kommission hat für sensibilisierende Stoffe MCS präzise beschrieben: es sei zwischen initialisierender und auslösender Dosis zu unterscheiden, letztere sei kleiner als erstere, für beide sei derzeit keine Wirkschwelle angehbar. Dennoch gibt es in Deutschland immer noch Blockaden gegenüber MCS.

Der Rat der Sachverständigen für Umweltfragen hat bereits im Umweltgutachten von 1987 erklärt, dass bei der Risikoanalyse auf die Risikogruppen besonders zu achten ist. Im Umweltgutachten 2000 wird nochmals präzisiert, dass dies vor allem auf die kranken Menschen zugeschnitten sein sollte. In der Theorie ist man sich also einig. In der Praxis wird dies aber nicht umgesetzt. Die zur Bewertung herangezogenen Daten basieren entweder auf dem Versuch mit Ratten, die bessere Entgifter sind als der Mensch – der ADI-Wert – oder auf Durchschnittswerten von gesunden Erwachsenen. Hier gibt offensichtlich entscheidende Blockaden.

Statt jener Forderung des SRU von 1987 nachzukommen, auf jene Risikogruppen „das Hauptaugenmerk zu legen“ und unter dieser Prämisse eine wissenschaftliche Sachdebatte zu führen, werden Hypothesen über ganz neue psychische Krankheiten ausführlich diskutiert: etwa die These, immer mehr Menschen würden bei der Lektüre von Toxikologiebüchern, entsprechende Symptome entwickeln – Toxikopie oder Noceboeffekt. Gleichzeitig wird die Literatur, die geeignet ist, die Prämisse des SRU zu erfüllen als „unseriös“ abgelehnt und deren Lektüre von vorn herein verweigert.

Obwohl es in der Wissenschaft den Unterschied von „seriös“ und „unseriös“ nicht gibt, gilt diese Denkrichtung nicht nur als wissenschaftlich vertretbar, sondern ist – durch Einschüchterung – stark genug, jene Sachdebatte zu unterbinden. Deshalb musste einerseits diese These wissenschaftlich geprüft werden, indem nach ihren Grundlagen gefragt wurde. Nach langjähriger Diskussion besitzt sie weder wissenschaftliche – etwa Studien – noch andere materiellen Grundlagen – etwa eine Kasuistik mit eindeutiger Diagnose oder gar ein Beispiel einer erfolgreichen Psychotherapie. Zum anderen wäre es notwendig den Mechanismen der Zensur nachzugehen.

Wiederherstellung der medizinischen Versorgung für Umweltpatienten

Für die medizinische Versorgung von Umwelt-Patienten muss eine sachbezogene Atmosphäre geschaffen werden, die niemandem erlaubt per Vorzensur inhaltlich zu lenken. Geschieht dies weiterhin, werden die Kosten des Gesundheitssystems weiter explodieren.

Autor: Dr. Tino Merz, Sachverständiger für Umweltfragen

Weitere Artikel von Dr. Merz:

Weiterführende Informationen:

Heuschnupfen, Asthma – Natürliche Hilfe bei Allergien

Endlich Frühling. Einerseits. Für Allergiker aber beginnt um diese Jahreszeit auch wieder die Leidenszeit. Gerade in Jahren wie diesem, wenn nach einem langen kalten Winter alles quasi gleichzeitig aufblüht. Dann geht es wieder los mit Augenjucken, Schnupfen, Niesen, Husten oder Atemnot – Heuschnupfen.

Prävention

Bei Allergien bleibt meist nur, den Pollen möglichst aus dem Wege zu gehen. Wichtig ist es, sich vorm Schlafengehen umzuziehen und am besten Haare zu waschen. Außerdem kann es sinnvoll sein, das Bett morgens bei geschlossenem Fenster auszulüften und es während des Lüftens (und einige Zeit danach, bis sich die Pollen abgesetzt haben) mit einem Laken oder einer Tagesdecke abzudecken. Pollengitter am Fenster haben sich für einige Patienten bewährt, bringen aber auch Probleme mit sich, da man dadurch weniger gut lüften kann. Schlecht belüftete Räume tragen zur Schimmelbildung bei. Also bedenken Sie, dass die Wohnung trotzdem gut belüftet sein sollte.

Medikamente für Allergiker oft nicht unproblematisch

Bei der Behandlung von Allergien tut sich die konventionelle Medizin schwer. Hyposensibilisierung hilft manchmal im Voraus. Im Akutfall – und oft auch langfristig – kann der Arzt nur Medikamente verordnen. Und jedes Medikament, egal ob Tablette, Spray oder Inhalationslösung hat Nebenwirkungen. Dabei reagieren gerade Allergiker empfindlich auf Medikamente.

Allergien lindern mit natürlichen Alternativen

Deshalb suchen immer mehr Allergiker Hilfe in der Alternativmedizin. Bei ungefährlichem, aber lästigem Heuschnupfen kann man sich ruhig darauf verlassen. Bei schwereren Allergien und Asthma kann Alternativmedizin als sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Behandlung eingesetzt werden, Verschlimmerungen unwahrscheinlicher machen und Symptome lindern, sodass eventuell sogar weniger Medikamente benötigt werden.

Akupressur – einfach und kostenlos

Es gibt viele alternativmedizinische Methoden gegen Allergien. Eine der einfachsten und billigsten ist die Akupressur. Sie können überall loslegen und benötigen nur die eigenen Hände. Hier wurden drei Punkte für Sie ausgewählt, die Hilfe bei allergischen Atemwegserkrankungen bieten können.

1. Pressen Sie Daumen und Zeigefinger bei gestreckter Hand zusammen. Zwischen den Fingern bildet sich ein kleiner Hubbel. Auf diesem Hubbel und am Ende der Linie, die die zwei Finger in dieser Haltung bilden, liegt der Punkt. Drücken Sie ihn in Richtung Mittelhandknochen.

Gut gegen Naselaufen, Augenjucken, usw., aber allgemein sinnvoll bei Allergien.

2. Halten Sie Ihre Hände ineinander verschränkt (zw. Daumen und Zeigefinger) und zwar so, dass der Zeigefinger das obere Handgelenk berührt. Der Punkt ist etwa da, wo der Zeigefinger aufliegt, in einer kleinen Vertiefung in einer Linie mit dem Daumen. Merken Sie sich die Position und drücken Sie den Punkt.

Dieser Punkt wirkt sich positiv aufs Immunsystem aus, und auf die Lunge und die Atemwege – also bei Asthma sehr sinnvoll.

3. Dieser Punkt liegt in einer Vertiefung am inneren Handgelenk, in einer Linie mit dem Daumen.

Dieser Punkt wirkt stabilisierend, lindert Atemnot und Allergien.

Drücken Sie die Punkte in der angegebenen Reihenfolge oder so, wie Sie es vom Gefühl her für am besten halten. Man kann auch einzelne Punkte zwischendurch drücken. Sie können alle Punkte mit dem Daumen oder Zeigefinger drücken, oder mit dem stumpfen Ende eines Bleistifts (nicht mit der Spitze). Drücken Sie leicht kreisend und vibrierend, nach Gefühl, wobei der Finger aber immer fest auf dem Punkt bleibt. Ob sie sanfter oder sehr fest akupressieren, hängt davon ab, ob die Punkte sehr schmerzempfindlich sind. Punkte, an denen “etwas ist” pieken anfangs. Das ist völlig normal und kein Grund zu Besorgnis. Jeder Punkt sollte nacheinander auf beiden Seiten gedrückt werden, jeweils etwa eine Minute lang, nach Gefühl auch kürzer oder länger.

Akupressieren Sie nach Bedarf, mehrmals täglich, oder wenn Sie es gerade brauchen. Bei chronischen Allergien ist eine regelmäßige Anwendung, wie z.B. dreimal täglich, entscheidend für den Erfolg.

Autor: Amalie, CSN – Chemical Sensitivity Network, 13. April 2010

DRV Berlin – Tut sich da was? – Da tut sich was!

Ende März 2010 bekam ich von der Deutschen Rentenversicherung ein Schreiben zugesandt, in dem nicht nur namentlich MCS erwähnt wird, sondern mir auch meine MCS-Erkrankung indirekt anerkannt wurde. Indirekt, weil es hier nicht um mein laufendes Rentenverfahren ging, sondern um die zurück gezogenen Leistungen zur Rehabilitation.

…das eine Durchführung der mit Bescheid, vom 16.06.20089 bewilligten medizinischen Leistungen zur Rehabilitation, aufgrund der von Ihnen mit Schreiben vom 12.08.2008 geschilderten MCS Erkrankung nicht möglich ist.

Des Weiteren wird aus unserer Sicht auf eine Durchführung einer medizinischen Leistung nicht bestanden, sodass wir Ihnen auch keine Sorgfaltsverletzung vorwerfen. …

Wie viele von uns Umwelterkrankten habe auch ich das Prozedere Rente durchlaufen. Antrag stellen, Antrag wird postwendend abgelehnt, Widerspruch wird eingelegt, Reha-Leistungen werden angeboten. Eine MCS-geeignete Klinik gibt es nicht, Einweisungen im Eilverfahren müssen widersprochen werden, Jahre gehen ins Land und schlussendlich werden einem die angebotenen medizinischen Leistungen wieder entzogen, aber gleichzeitig wird einem Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen, da man ja jede vorgeschlagene Klinik wegen der ungeeigneten Umweltbedingungen ablehnen muss.

Auszug aus dem Brief der DRV:

…der Bescheid vom 16.06.2009, mit dem Ihnen im Zuge des Rentenverfahrens Leistungen zur medizinischen Rehabilitation gemäß § 15 des SGB VI in der AHG Klinik Berus in Überherrn für die Dauer von (voraussichtlich) vier Wochen bewilligt wurde, wird nach § 48 Abs. 1 des SGB X aufgehoben.

Nach § 48 Abs. 1 SGB X ist ein Verwaltungsakt mit Wirkung für die Zukunft aufzuheben, soweit in den tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnissen, die beim Erlass des Verwaltungsaktes vorgelegen haben, eine wesentliche Änderung eintritt.

Das ist bei Ihnen der Fall.

Die Rehabilitationsleistung wurde von Ihnen nicht angetreten, da es sich bei der ausgewählten AHG Klinik nicht um eine umweltbezogene Einrichtung handelt. Das Reha-Angebot unserer Rentenabteilung bezog sich jedoch nicht auf eine umweltmedizinische sondern psychosomatische Rehabilitation…

Natürlich habe ich gegen diese Unterstellung, dass ich meiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen wäre, widersprochen.

Aber wieder wurde mir im nächsten Schreiben Interesselosigkeit angedichtet.

…wie Ihrem Schreiben zu entnehmen ist, sind Sie an der Durchführung der Ihnen bewilligten Leistungen nicht mehr interessiert…

Diesmal konnte ich keinen Widerspruch einlegen, sondern musste eine Beschwerde und Bitte um Berichtigung der Falschaussage einreichen.

„Es kann nicht sein, das mir die DRV den Mangel an Umweltkliniken in Deutschland ankreiden will.“

„Ich habe in jedem meiner Schreiben ausdrücklich eine Reha-Maßnahme in einer geeigneten Klinik befürwortet. Ich habe IMMER mein Interesse bekundet.“

Meine Beharrlichkeit hatte Erfolg. Seht nur wie die DRV nun schreibt:

…aufgrund der von Ihnen mit Schreiben vom 12.08.2008 geschilderten MCS Erkrankung nicht möglich ist…

…sodass wir Ihnen auch keine Sorgfaltsverletzung vorwerfen…

Ein bekannter und von mir sehr geschätzter Umweltmediziner aus Trier, sagte mir mal: Die Masse an Umwelterkrankten wird die DRV in die Knie zwingen, die werden bald nicht mehr leugnen können.

Der ausdauernde Kampf um Recht und Würde lohnt,

Eure Tohwanga

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