Rechtliche Anerkennung bei den Umweltkrankheiten MCS, CFS, TE und FMS

Die richtige Strategie bringt den Erfolg

Die ersten vier Blogs der Serie „MCS – Wissenschaft – Strategie“ sollten feststellen, dass die Erkrankungen MCS – Multiple Chemical Sensitivity, CFS – Chronic Fatique Syndrome, TE – Toxische Enzephalopathie und FMS – Fibromyalgie wissenschaftlich gut erforscht sind, u. a. auch weil sie schon lange bekannt sind. Wer Forschungsbedarf reklamiert, sagt entweder eine Trivialität (Bedarf besteht nämlich immer) oder die Unwahrheit. Denn, die Krankheiten sind diagnostisch definiert, die grundlegenden Pathomechanismen sind erforscht, viele Laborparameter sind bekannt, sowie auch viele therapeutische Ansätze in der Folge. Die Therapie ist allerdings eine Kunst wegen der hohen Komplexibilität und der großen Zahl der Möglichkeiten.

Nachgewiesen sind auch die Ursachen: Toxine (Durch eine große Anzahl epidemilogischer Studien hoher Qualität). Nur CFS kann auch ohne Toxine durch Infektionen oder Stress erzeugt werden.

Der Rechtsbegriff „Stand der Wissenschaft“

Die oben genannten Erkrankungen sind als organische Erkrankungen anerkannt, nämlich durch die höchste Autorität, die WHO. Die Diagnosekriterien und die ICD-10 Klassifizierung markieren den Stand der Wissenschaft, den anerkannten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis, wie er definiert ist. Dies ist ein Rechtsbegriff, reine Juristerei, nichts womit sich die Wissenschaft beschäftigt. Die genannten Krankheiten sind folglich rechtlich anerkannt. Nur, das weiß offensichtlich keiner und demzufolge sind die rechtlichen Prozessstrategien der Klägerseite stets kontraproduktiv, und deshalb braucht man sich über verlorene Prozesse nicht zu wundern.

Wegen der rechtlichen Wirksamkeit richten sich die erfolgreichen Täuschungsmanöver gegen den Stand der Wissenschaft. Das ist der Sinn all der Verwirrspiele mit unnötigen und untauglichen Studien, abwegigen Thesen wie der Psychothese (nur per Fake plausibel zu machen) und der zähen Blockade fortschrittlicher Testverfahren. Es ist offenbar recht einfach, den bereits erreichten Stand der Wissenschaft wieder zu demontieren. Wären diese Krankheiten wirklich neu und gäbe es nur ein bis zwei Studien, wäre es schwerer, denn das ist überschaubar. Die Entscheidungen zum Stand der Wissenschaft sind schon etwas her (80er Jahre) und die wissenschaftliche Literatur ist immens. Es ist die Erfahrung der letzten zwanzig Jahre Diskussion, dass viel Wissen leichter zu desavouieren ist, als wenn nur erste Erkenntnisse frisch aus den Labors und Studien auf dem Tisch liegen.

Die Entwicklung wurde verschlafen

Außerdem wurden die wichtigsten Entscheidungen in Deutschland verschlafen. In den 80er Jahren hat (noch) keiner über Umweltkrankheiten diskutiert. Die Grundlagen wurden verschlafen und dann das Problem falsch interpretiert. Nun, das kann ja nichts werden. Der zweite Fehler folgte auf dem Fuß: es ist kontraproduktiv, die Psychothese mit wissenschaftlichen Mitteln zu bekämpfen. Damit hat man sie erst aufgewertet. Und der dritte Fehler, der bis heute anhält, ist, die mangelnde Anerkennung in Seminaren und Kongressen als wissenschaftliches Problem zu behandeln.

Man kann nichts Falscheres machen, als den Stand der Wissenschaft hinter dem aktuellen wissenschaftlichen Diskurs verschwinden zu lassen. Das nutzt die Gegenseite, um notorisch Nachweise zu fordern, die längst geleistet wurden. Dann wird die Diskussion grotesk. Man fängt ad infinitum immer wieder von vorn an. Deshalb ist es so leicht, einen völlig falschen Eindruck vom Stand der Wissenschaft zu lancieren, da dieser falsche Eindruck auch von vielen Betroffenen, Patientenorganisationen und Umweltmedizinern teilweise geteilt wird.

Beispiel: MCS wurde 1948 entdeckt, erforscht, ein Standardwerk zu MCS wurde bandweise 1992, 1994, 1995 und 1997 herausgebracht, alle wurde unversitär auf höchstem wissenschaftlichen Niveau überprüft (MIT) und dann kommt die deutsche Wissenschaft und sagt, wir fangen ganz von vorn an. Wer das für Wissenschaft hält, übersieht das Wesentliche. Wer das wissenschaftlich diskutiert, der hat schon verloren.

Das ist kurz gesagt der Grund der völlig falschen Darstellung dieser Krankheiten in der Öffentlichkeit bis hin die Praxen der Ärzte. Das ist der Boden für weitere grundlegende Fehler. Näheres dazu in den nächsten Blogs.

Kleine Vorschau auf die Themen der nächsten Blogs: „zweierlei Wissenschaft“ – Anmaßung und Einschüchterung,  Objektivierung im Einzelfall.

Autor: Dr. Tino Merz, Sachverständiger für Umweltfragen, 21. Oktober 2009

Vorhergehende Blogs zur Serie und zum Thema:

Weiterführende Informationen:

17 Kommentare zu “Rechtliche Anerkennung bei den Umweltkrankheiten MCS, CFS, TE und FMS”

  1. BrunO 21. Oktober 2009 um 16:33

    Wenn die angeblich wissenschaftliche Definitionshoheit in den Händen staatlicher Institutionen liegt, ist es schwer dagegen anzukommen. Die Diskussion muß auf der politischen Ebene stattfinden. Gesundheitsfragen müssen auch als Kampf um Bürgerrecht begriffen werden. D.h. die Betroffenen und deren Unterstützer müssen ihr Anliegen in die allgmeine politische Diskussion einbringen, überall mitmischen. Das kann schwierig sein, wenn man mit der Krankheit schon genug zu tun hat.

    Gegeninformation zum wissenschaftlichen Stand und zu neusten Erkenntnissen sind trotzdem bitter notwendig. Aber ich finde auch richtig, die Diskussion nicht drauf zu beschränken, sich mit den Vorgabe der Gegenseite herumzuschlagen. Man braucht sich den Gegenstand der Diskussion nicht von denen diktieren zu lassen.

    Ich lese gerade eine Studie der Europäischen Umweltagentur, in der es um das Vorsorgeprinzip geht, also um die Frage, ob man auch dann vorsorglich Maßnahmen gegen eine drohende Umweltgefahr unternehmen soll, wenn noch keine gesicherten wissenschaftlichen Beweise vorliegen oder ob man erstmal warten soll. Diese Frage ist vor allem zwischen den USA und den EU strittig. In dieser Studie werden vierzehn Fälle geschildert, in denen es besser gewesen wäre, selbst bei unsicherer Beweislage zu handeln. Die Forderung nach gesicherten wissenschaftlichen Beweisen bedeutet meist nichts anderes, als daß man vorhandene deutliche Hinweise auf eine Gefährdung aus ökonomischem Kalkül heraus ignoriert. Die Folgeschäden, die man hätte verhindern können übersteigen oft die Gewinne die so eingefahren wurden um ein mehrfaches. Nur fließen die Gewinne in private Taschen und für die Schäden darf die Allgemeinheit aufkommen.

    Diese Studie bietet bestimmt genug Beispiele, auf die man in der Diskussion um MCS verweisen kann. Es muß versucht werden, Leute die sich politisch engagieren auch für Umwelterkrankungen zu interessieren. Immerhin bin ich einer davon und ich wünsche, daß es noch mehr werden.

    Danke an Dr. Rainer Bruns für den Tipp:
    http://info.diagnose-funk.org/downloads/eua_spaete-lehren.pdf

  2. Karlheinz 21. Oktober 2009 um 18:02

    Sehr geehrter Dr. Merz,

    erstmal vielen Dank für Ihr Engagement hier im Blog.

    Wenn es möglich wäre, würde ich mich noch über Präzise Informationen zu den folgenden zwei Fragen freuen:

    1. Wie und wodurch ist der Rechtsbegriff „Stand der Wissenschaft“ genau definiert? Wo kann man das nachlesen?

    2. Zu: „Die Diagnosekriterien und die ICD-10 Klassifizierung markieren den Stand der Wissenschaft, den anerkannten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis, wie er definiert ist.“ Auch hierzu würden mich die genauen Quellen interessieren. Bezieht sich das ggf. auf die originale WHO-Version oder auf die deutsche Anpassung durch das DIMDI?

    Viele Grüße

    Karlheinz

  3. Maria Magdalena 22. Oktober 2009 um 15:34

    Sehr geehrter Herr Dr. Merz,

    vielen Dank für Ihre ausgezeichnete Darstellung und Entlarvung der billigen Tricks, mit denen Umweltkranke von Lobbyisten aufs Glatteis geführt werden.

    Und weiterhin viel Power und Erfolg für Ihre Arbeit!

    Mit freundlichen Grüßen
    Maria Magdalena

  4. Dr. Tino Merz 23. Oktober 2009 um 14:51

    Die ersten drei Kommentare finde ich sehr positiv, denn es war und ist das Ziel dieser Blogserie, Diskussion zu erzeugen.

    Zwei Anmerkungen:
    Magdalena: die Tricks sind nicht billig, sondern teuer.

    Zur 2. Frage von Karlheinz:
    ich benutze nur die WHO-Originale. Die ICD-10 der wichtigsten Umweltkrankheiten (oder Chem. Injury) sind bei DIMDI korrekt – vgl. die Rechercheergebnisse von Silvia Müller.
    Aber in Wikipedia wird der ICD-10 für MCS in Abrede gestellt. Es ist also richtig, nachzuhaken.

    Mein Erkenntnishorizont ist im Wesentlichen durch nachhaken zustande gekommen.

    Zur 1. Frage von Karlheinz: folgt morgen ein Text und zu Brunos Thesen übermorgen.

  5. Eike 24. Oktober 2009 um 00:25

    hallo Herr Dr. Merz,

    auch ich möchte mich für Ihren weiteren informativen Blogbeitrag bedanken.

    Wenn es um die rechtliche Anerkennung von Umwelterkrankungen geht, gibt es ja leider mehrere Stolpersteine.
    Ein goßer Stolperstein ist das auffallend häufige mangelhafte Wissen von vielen „Ärzten“ über Umweltkrankheiten,
    der andere ebenso große Stolperstein ist meiner Meinung nach das mangelhafte Wissen von „Rechtsanwälten“ auf diesem Gebiet.
    Wenn Rechtsanwälte, die keine Ahnung von dieser speziellen Materie haben, ein Mandat übernehmen, kann man schon davon ausgehen, dass sie scheitern werden.
    Meiner Meinung nach können Rechtsanwälte beim Kampf um Anerkennung von Umwelterkrankungen nur erfolgreich sein, wenn sie bereit sind, einen Sachverständigen hinzuzuziehen.
    Ich habe den Eindruck, dass es schwierig ist, solche Anwälte zu finden.

  6. Dr. Tino Merz 24. Oktober 2009 um 09:19

    zur 1. Frage von Karlheinz und die „Stolpersteine“
    (Eike9.
    Die Definition lautet: anerkannter Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis; ein Gericht kann keine Fachfrage entscheiden, also benötigt es formale Kriterien der rechtlichen Bewertung. Was einen solchen konkret festlegt, kann unterschiedlich sein: ein Gutachten bis hin zu einem Symposium auf WHO-Ebene mit anschließendem Ergebnisdokument.
    Ein Paper von mir wurde einst vom VGH ernst genommen, das UBA hat grundsätzlich zugestimmt und anschließend hat dies der Sachverständigenbeirat vertieft – so kam die Anreichung von Dioxin in der Nahrungskette in die Risikoabschätzung für Müllverbrennungsanlagen.
    Der Hauptstolperstein für Anerkennungen ist, das die Prozessbeteiligten nicht wissen, dass der Stand der Wissenschaft ihnen hülfe, so sie denn überhaupt wissen, dass dies wichtig ist und wie der aussieht – das gilt für Mandanten, Gutachter und Anwälte. Die Diskussion ging bisher an der Sache vorbei.
    Vertiefende Literatur: Ehlers, Medizinisches Gutachten im Prozess, C. H. Beck, München 2000

  7. Denny 24. Oktober 2009 um 20:59

    Sehr geehrter Herr Dr. Merz,

    vielen Dank für diesen weiteren sehr aufschlußreichen Blogartikel. Ja, leider lassen sich einige Rechtsanwälte und Richter von der Gegenseite sehr oft in die falsche Richtung zerren. Die Gegenseite behauptet grundsätzlich, das es angeblich 2 verschiedene Anerkennungen über MCS gebe. Obwohl es im ICD-10 nur die Anerkennung von MCS als körperlich bedingte Erkrankung T78.4 gibt. Ein Arzt muss sich um Lohn beziehen zu dürfen ausschließlich an den ICD-10 halten (SGB V §295 Absatz 1, und §301 Absatz 2). Aber die Gegenseite behauptet weiterhin, es gebe angeblich zusätzlich die Anerkennung von MCS als psychische Erkrankung. Da ist dann nur die Frage wo es diese Psychoanerkennung bitteschön im ICD-10 gibt, denn eine Eintragung der MCS als psychische Erkrankung im ICD-10 gibt es nämlich nicht. Dennoch behauptet die Gegenseite das die WHO (an die sich das DIMDI mit dem ICD-10 hält) angeblich zwei Sorten habe. Das nennt man dann „wissenschaftlicher Diskurs“ und der wird ausschließlich von der Gegenseite erfunden und angekurbelt, er ergibt sich aus deren Prophaganda. Bei mir behauptet die Gegenseite zum Beispiel, das die Bezeichung „IEI“ offiziell von der WHO anerkannt wäre (ich weiss jedoch noch das die WHO sich davon distanzierte, leider ist das Schreiben der WHO dazu nicht mehr auffindbar, hat das jemand noch?) Ausserdem kommen dann noch immer die Argumenationen, dass die Studien der Gegenseite beweisen würden, dass es MCS nicht gebe. Ein Professor hat MCS an seiner Universität als psychische Erkrankung gelehrt, er redet sich jetzt so heraus: das sei ja alles nur seine eigene Meinung und deshalb sei das ok. Ich frage mich wieso man denn Studenten bitteschön nach eigener Meinung lehren dürfen soll, anstatt nach wissenschaftlich anerkanntem Wissenschaftsstand. Was sollen diese Studenten denn dann alles für Ärzte werden, wenn ihnen nicht mal der tatsächliche Wissenschaftsstand beigebracht wird. Also so unverschämt läuft das ab. Die Gegenseite versucht jedenfalls mit solchen und ähnlichen Taktiken das Gericht und die Anwälte zu verunsichern.

    Das man sich an den anerkannten Wissenschaftsstand und nicht den wissenschaftlichen Diskurs halten muss, legen Sie hier in Ihrem Blog wiedermal sehr gut zur öffentlichen Aufklärung dar und dafür Danke ich Ihnen sehr.

    Beste Grüße, Denny

  8. Denny 24. Oktober 2009 um 21:25

    Hierzu noch eine dringende wichtige Frage:

    Wer hat das Schreiben der WHO, indem sich die WHO offiziell von der Bezeichung „IEI“ distanziert?

    Bzw. wer kann mir sagen wo ich dieses Schreiben finden kann, Aktenzeichen, Nummer, Jahr, etc.?

    Danke sehr.

  9. Silvia 24. Oktober 2009 um 21:35

    Hallo Denny,

    es reicht eigentlich aus, dass IEI in keinem ICD-10 enthalten ist. IEI ist ein Begriff der von Interessengruppe der Industrie und IPCS geprägt wurde und der sich nie irgendwo durchsetzte. Es gibt auch keine IEI Falldefinition. In der ernstzunehmenden Wissenschaft spielt der Begriff keine Rolle, er ist vielmehr zum Kennzeichen für Studien geworden die einer näheren Überprüfung kaum Stand halten.

    Gruß,
    Silvia

  10. Denny 24. Oktober 2009 um 21:46

    Hallo Silvia,

    danke sehr, ja stimmt, eigentlich logisch, weil es nicht im ICD-10 drinsteht kann es keine offiziell anerkannte Bezeichung sein, weil der ICD-10 wird ja von der WHO rausgegeben und die hätte „IEI“ dann mit einem Eintrag in das ICD-10 anerkennen müssen :-)

    Viele Grüße,
    Denny

  11. Dr. Tino Merz 25. Oktober 2009 um 12:48

    Wunderbar, jetzt läuft die Diskussion in die richtige Richtung.
    Zu Bruno und Denny:
    Der Wunsch nach einer politischen Strategie ist berechtigt. Ich stimme auch zu, dass es die falsche Startegie ist, immer wieder die Äußerungen der Gegenseite noch dadurch zu puschen, weil man sich darüber aufregt.
    Die „Definitionshoheit“ liegt aber nicht „in den Händen staatlicher Institutionen“ sondern in den Händen der Gutachter, die, da sie unabhängig sind, sich so aufführen, wie es Denny beschreibt. Sie behaupten Dinge, die nicht existieren (wie IEI) oder dass psychische Ursache diskutabel sei. Das geschieht wieder besseres Wissen oder wird nachgeplappert, ist also die Unwahrheit oder inkompetent.
    Also muss man sie immer wieder mit der Wahrheit, nämlich dem Stand der Wissenschaft, konfrontieren. Man muss denen die Frage stellen, warum sie das tun und der Gesellschaft vermitteln, was hier geschieht.
    Die Umweltkranken (außer den Elektrosensiblen) haben keinen Grund, das Vorsorgeprinzip zu reklamieren, denn ihre Krankheiten sind anerkannt. Sie haben aber in den letzten Jahren um Ankennung gefleht, ihr Leiden dargestellt, als wäre es etwas Neues und Unerforschtes. Das ist extrem kontraproduktiv.

  12. Janik 25. Oktober 2009 um 15:48

    Aufregen nicht Herr Dr. Merz, aber outen muss man sie. Manches läuft nämlich immer weiter aus dem Ruder wenn keiner das Tarnmäntelchen lupft. In Folge dann natürlich auch mit der Realtität und dem Stand der Wissenschaft, bzw. dem tatsächlichen ICD-10 Code konfrontiert.

    Das gilt für abhängige Gutachter, industriekonforme Wissenschaftler, als auch für SHGs die plötzlich aus der Spur laufen und verbreiten MCS sei nicht anerkannt, den ICD-10 gäbe es nicht, was Pall sagt sei Unsinn, man müsse den Begriff MCS abschaffen, man müsse die Psyche akzeptieren, usw.

    Eigenes konnte so dank CSN und auch dank Amazone korrigiert werden und man ruderte zurück. Dieses Engagement halte ich für durchaus wichtig und produktiv bei der allgemeinen Etablierung des Kenntnisstandes von Umweltkrankheiten.

  13. BrunO 25. Oktober 2009 um 17:30

    Die Definitionshoheit liegt insofern bei staatlichen Stellen, als daß das RKI ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit ist.
    Das läßt eher auf Politiknähe als auf freie Forschung schließen. Dort wurden schon eigene Leute mundtot gemacht. Wenn man zufällig die richtige Krankheit hat, bei mir war’s ein Hundebiß, wird man aber sehr gut und nett beraten. Wenn das RKI eine noch so schlechte Studie veröffentlicht, wird sie halt ernst genommen. Das meinte ich.

  14. Denny 25. Oktober 2009 um 20:11

    Die ganze RKI-Studie war schon alleine vom Design völlig fehlerhaft und ist damit unnütz. Sie basiert auf Grundlagen von allen möglichen Patienten die sich zur Untersuchung in den jeweiligen Universitäten einfanden, darunter nicht nur MCS-Patienten. In den Fragbögen stand sowas drin wie: „Denken Sie von Chemikalien krank geworden zu sein?“. Diese Fragen haben aber noch lange nichts mit MCS zu tun, ein Mensch der sich in einem belastete Haus aufhält, kreutzt das genauso an und wurde dann sofort als MCS-Proband eingestuft. Obwohl das ja noch lange nicht heisst dass er MCS hat. Die ganze Studie ist einfach nur lächerlich, das war rausgeschmissenes Geld. Zitat der Studienleiter des Abschlußgespräches:

    „Die vorliegende Multi-Center-Studie ist als deskriptive Studie angelegt, und führt daher nicht zu wesentlichen neuen Erkenntnissen der Ätiopathogenese, was aufgrund des Studiendesigns auch nicht zu erwarten war. Sie weist eine Reihe methodischer Schwächen auf, die bei einer Fortführung oder bei weiteren Untersuchungen vermieden werden sollten…“

    http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/01/05/mcs-studie-des-rki-hatte-erhebliche-maengel-im-studiendesign-stellten-studienleiter-fest/

  15. Denny 25. Oktober 2009 um 20:22

    Vom RKI wird MCS übrigends auch nur als körperliche Erkrankung anerkannt und nicht als psychische Einbildung, auch wenn einige Professoren das abstreiten. Aber wenn dem nicht so wäre, würde das RKI zum Beispiel MCS Erkrankte nicht öffentlich vor chemischen Läusemittel warnen (ziemlich in der Mitte des Textes unter dem Abschnitt „2. Nasses Auskämmen“):

    http://209.85.135.132/search?q=cache:nowfn5r4Wz8J:www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__Kopflausbefall.html+insektizid+rki+mcs&cd=4&hl=de&ct=clnk&gl=de

  16. Denny 25. Oktober 2009 um 20:34

    Noch etwas zur RKI-Studie. Das RKI kann im Grunde nichts dafür wenn irgendwelche Studien nicht richtig laufen, es hat über die einzelnen Mitarbeiter womöglich keinen direkten Einfluß und muß sich so auf die Aufsichtsmitglieder dieser Studien verlassen. Somit schleicht sich halt der ein und andere Lobbyarbeiter mit rein.

    Zum Beispiel war an der Studie maßgeblich daran beteiligt der Prof. Eikmann und seine Uniklinik Gießen. Prof. Eikmann hat eine industrielle Firma, der Firmensitz ist unter seiner Privatadresse eingetragen. Jetzt ist seine Frau, Dr. Sabine Eikmann, Geschäftführerin dieser Firma, die für andere Firmen wie unter anderem Vattenfall, E.ON, Thyssen usw. in immissionsschutzrechtlichen Verfahren arbeitet. Diese Firma erstellt also Zulassungsgutachten für Chemikalien und Fabriken:

    http://www.gruene-mainz.de/index.php?id=4166no_cache=1&expand=88873&displayNon=1&cHash=63b9e0f99b&type=5

    Prof. Eikmann arbeitet zusätzlich unter anderem für das Projekt “Human Biomonitoring” der GSF, das aus Geldern des “Verein der Chemischen Industrie VCI” gesponsert wird. Humanbiomonitoring ist die Erforschung von menschlichem Gewebe auf Chemikalien und deren Grenzwertbedeutung. Diese Grenzwerte gelten aber nur für gesunde Menschen. Das die Chemische Industrie unter Garantie auf genetisch bedingte Chemikaliensensibilität nicht achten will, kann sich jeder selbst denken, eigentlich ein Unding das die Chemikalienindustrie über ihre eigenen Grenzwerte bestimmen lassen darf und Human-Biomonitoring selbst sponsern darf.

    http://www.helmholtz-muenchen.de/infostelle-humanbiomonitoring/profil/index.html

    Tja und so einer führt dass Studien durch, da braucht sich dann niemand wundern warum ausgerechnet Probanden ausgesucht wurden die nicht an genetischen Dispositionen litten. Damit dann gesagt werden kann dass kein MCS-Proband genetische Auffäööigkeiten hatte und somit anegblich alle MCS Kranken so wären wie die Probanden. Also wenn man mich fragt was ich von dem ganzen „Lobby-Knoten“ halte: Nichts.

  17. Rosewitha 17. November 2009 um 17:49

    Danke, für die vielen hilfreiche Informationen.
    Gibt es eine Sammlung von Informationen wie viele Betroffene eine anerkannte MCS- Schwerbehinderung haben ? LG Roswitha

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