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Bericht verbreitet Panikmache – um Genfood einzuführen

Ein Bericht über die zukünftige globale Lebensmittelversorgung und Landwirtschaft erzeugt Panik, um genmanipulierte landwirtschaftliche Produkte durchzusetzen

Manchmal frage ich mich, warum man es zulässt, dass öffentliche Gelder zur Förderung privater Geschäftsinteressen eingesetzt werden. Warum sollen britische Steuerzahler für die Finanzierung eines künstlich gehypten Berichtes zur globalen Zukunft von Nahrung und Landwirtschaft des Foresight Projects aufkommen?… Man sagte mir, dieser Bericht fasse eine zweijährige Studie zusammen, an der 400 Experten aus 35 Ländern beteiligt waren.

In seinen Schlussfolgerungen sagt uns der Bericht auch nur das, was uns die Gentechnik-Mafia die ganze Zeit erzählt hat. Man beruft sich auf Prof. John Beddington, der wissenschaftliche Chefberater der Britischen Regierung, welcher betont, dass genmanipulierte Agrarerzeugnisse „extrem wichtig seien“, um der sich verschärfenden Nahrungsmittelkrise beizukommen. Natürlich ist er clever genug darauf hinzuweisen, dass Gentechnik eines jener Werkzeuge ist, für das man sich stark machen müsse.

Nun, es ist tatsächlich so, dass Prof. Beddington überhaupt nicht zum wissen- schaftlichen Chefberater gemacht worden wäre, hätte er sich nicht offen zur Unterstützung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen bekannt. Ich will zu Prof. Beddington nicht unhöflich sein, aber dies bleibt eine Tatsache, egal ob es ihm gefällt oder nicht. Man kann nicht hoffen, mit seiner Karriere voran zu kommen, wenn man kein Vertrauen in die riskante, schädliche und unbeabsichtigt an Boden verlierende Gentechnologie ausdrückt. Wenn man es wagt, diese Technologie in Frage zu stellen, wird man verjagt. Das ist die Macht und die Kontrolle, über welche die Gentechnik-Industrie verfügt.

Eine offizielle Presseerklärung zitierend behauptet der Report: „Während viele Berichte nur die Besorgnis zu Ausdruck brachten, ob die Nahrungsmittelproduktion mit der rasant zunehmenden Weltbevölkerung Schritt halten kann, ist der Foresight-Report die erste ausführliche interdisziplinäre Studie, welche solche Befürchtungen auf eine gesicherte analytische Grundlage stellt.“

Nach Aussagen des wissenschaftlichen Chefberaters der Regierung, Professor Sir John Beddington, liefert der Bericht überzeugende Hinweise für Regierungen, nun zu handeln.

„Wir wissen, dass die Weltbevölkerung in den nächsten zwanzig Jahren auf ungefähr 8,3 Milliarden Menschen ansteigen wird. Wir wissen, dass die Urbanisation dies immer stärker voran treibt und dass dann grob geschätzt etwa 65 bis 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben wird.“

Ich dachte, die Welt wüsste dies bereits. Wir sind uns der Krise, die uns bevorsteht, bewusst. Dies immer wieder und wieder zu wiederholen wird uns nicht helfen, solange wir nicht wirklich bereit sind, ein paar drastische Schritte zu unternehmen. Der Report sagt in der Tat, dass die Lebensmittelproduktion grundlegend verändert werden muss, nicht nur um mehr Lebensmittel zu erzeugen, sondern um sie nachhaltig herzustellen, doch wenn es darum geht, diese drastischen Veränderungen zu benennen, versagt der Report nicht nur, sondern scheitert kläglich, irgend einen Entwurf oder einen Ratschlag anzubieten, der nicht auf einen weiteren Aufbau jenes industriellen Landwirtschaftsmodelles hinaus läuft, welches in erster Linie zur Krise geführt hat.

Deshalb habe ich am 24.01.2011 im Radioprogramm des BBC World Service gesagt, dass dieser Bericht eine sehr clevere Verschleierung oder eine Irreführung ist, um für gentechnische Nutzpflanzen zu werben. Ich sagte, „dass die Welt Nahrung für 11.5 Milliarden Menschen herstellt… 40% wird verschwendet… wir haben es nicht nötig, solche Panik zu verbreiten, wie es der Britische Report tut.“

Dieser Report wurde derart aufgebauscht, dass den politischen Entscheid- ungsträgern nichts anderes übrig bleibt, als noch mehr öffentliche Mittel in Forschungsgebiete fließen zu lassen, auf denen privatwirtschaftliche Biotechnik-Firmen maximale Gewinne erzielen können. Öffentlich-private Partnerschaft (Public-Private Partnership) ist lediglich eine beschönigende Beschreibung für die Ausbeutung öffentlicher Ressourcen und ich bin mir sicher, die Britische Regierung fühlt sich nun gedrängt, die Gentechnik-Forschung unter dem Vorwand neu zu starten, den Armen und Hungernden in den Entwicklungsländern zu helfen.

Seien Sie bitte nicht derart nett zu uns. Als Sie das letzte Mal nach Indien gekommen sind, um den Armen und Hungrigen zu helfen, wurden wir für 200 Jahre zu einer Kolonie.

Sehen wir uns trotzdem den Bericht an. In der offiziellen Presseerklärung heißt es: „Die Autoren fordern, dass Nahrungsmittel und Landwirtschaft auf der politischen Agenda eine höhere Priorität bekommen und mit Bemühungen in Einklang gebracht werden, den Folgen des Klimawandels, Problemen der Wasser- und Energieversorgung und dem Verlust an landwirtschaftlichen Flächen zu begegnen.“ OK. Und an diesem Punkt hätte ich von dem Team angesehener Wissenschaftler ein paar brauchbare Lösungsvorschläge erwartet. Hier sollte die von den Menschen dringend benötigte Versorgungssicherheit mit Nahrung in die politische Agenda aufgenommen werden und genau hier versagt der Report.

Die weltweite Enteignung von Ackerland und der von der Weltbank geförderte Erwerb von Ackerland, um bäuerliche Bevölkerungen in industrielle Arbeit zu verschieben, bleiben die allergrößte Sorge im Kampf um Nahrung für alle Menschen. Auch das Foresight Project hüllt sich wie das Internationale Forschungsinstitut für Nahrungspolitik (IFPRI/International Food Policy Research Institute), das bekanntlich ein Lobbyorgan der Agrarindustrie ist, auffallend in Schweigen. Das IFPRI schlägt immerhin einen Verhaltenscodex für Firmen vor, die sich Land aneignen, doch der Bericht vermeidet es genau so, irgendetwas zu empfehlen, das die Mächtigen ärgern könnte.

Während der Bericht über die zukünftige globale Lebensmittelversorgung und Landwirtschaft von der Notwendigkeit radikaler Veränderungen gesprochen hat, fordert er „den Schutz der Ärmsten vor extremen Preissteigerungen durch Eingriffe der Regierungen, sowie eine größere Liberalisierung des Handels mit Lebensmitteln, um Marktschwankungen auszugleichen.“ Dieser Vorschlag ist für die Lösung des Problems der Preisschwankungen, um die es angeblich geht, kontraproduktiv. Preisschwankungen können nur dann wirksam kontrolliert werden, wenn jedes Land zur Lebensmittel-Autarkie zurück kehren würde, indem es in Selbstversorgung investiert. Mit aller Deutlichkeit gesagt, entkam Indien der globalen Lebensmittelkrise von 2008, weil seine Landwirtschaft noch nicht vollständig in die globale Ökonomie integriert war.

Jene Preisschwankungen, welche die Welt 2008 erlebte, die in 37 Ländern zu Lebensmittelaufständen führten, waren die Folge von Rohstoffhandel und Spekulation. Konzerne verdienten tonnenweise Geld, während 2008 immer mehr Menschen hungrig zu Bett gehen mussten. Ich hätte erwartet, die 400 renommierten Wissenschaftler, die den Bericht geschrieben haben, würden politischen Mut zeigen und wenigsten das Ende der Spekulation mit Nahrungsmittel fordern. Eine solche Empfehlung hätte man wirklich radikal nennen können.

Wenn es um die landwirtschaftliche Produktion geht, um Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Überlebensfähigkeit zu gewährleisten, vermittelt der Report den Eindruck, als ob 400 angesehene Wissenschaftler im Nebel stochern und von den Grundrealitäten des Lebens keine Ahnung haben würden. Wie ein Frosch im Brunnen können sie nur das sehen, was innerhalb der Brunnenwände liegt. Darum bin ich nicht überrascht, dass es dem Report nicht gelingt, irgendetwas bedeutungsvolles und herausforderndes anzubieten. Der einzige Zweck des Reports besteht somit offenbar nur darin, den Feststellungen der IAASTD* zu widersprechen.

(*International Assessment of Agricultural Knowledge, Scientific and Technology for Development/sog. Synthesebericht des Weltagrarrats von 2008: Internationale Bewertung von landwirtschaftlichem Knowhow, Wissenschaft und Technik für die Entwicklung [menschenwürdiger Lebensbedingungen])

Lassen Sie sich von den Warnungen, die der Report zu verbreiten versucht, nicht irritieren. In Wirklichkeit ruft der Report aus dem Vereinigten Königreich nur dazu auf, wie bisher weiter zu machen. „Wissenschaftsbasierte Lösungen“ sind nichts anderes, als die Verschreibungen der Industrie. Wenn diese Rezepte so gut wären, hätten wir nicht diese gigantische Ernährungs- und Nachhaltigkeitskrise, die der Welt nun droht. Erinnern Sie sich an meine Worte, falls die internationale Gemeinschaft diesen Zukunftsbericht akzeptiert: Der Hunger wird zunehmen, die Welt wird noch weniger nachhaltig werden und jene Krisen, die wir bereits haben, noch verschlimmern – Verfügbarkeit von Wasser, immer weniger landwirtschaftliche Flächen, Vergiftung der Böden und Temperaturanstieg.

Wir haben die Wahl.

Autor: Devinder Sharma, 25. Januar 2011

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Originalartikel: Global Food and Farming Futures report creates panic to push GM crops. Copyright: Devinder Sharma

Wir danken Devinder Sharma, seinen Artikel übersetzen und publizieren zu dürfen.
Devinder Sharma ist ein bekannter indischer Journalist, der sich gegen Gentechnik und Globalisierung und für Biolandwirtschaft engagiert. Er war Redakteur für Entwicklungspolitik einer großen indischen Zeitung, schreibt Bücher begibt sich auf Vortragsreisen. Mehr auf mindfully.org.

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Luftverschmutzung ist eine der Hauptursachen für Herzinfarkte

Ein wesentlicher Anteil der Herzinfarkte geht zu Lasten der Luftverschmutzung. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscher- team mit Beteiligung des mit der Universität Basel assoziierten Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts. Die Forschungs- ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachmagazins «The Lancet» veröffentlicht.

Herzinfarkte werden ausgelöst, indem sich in den Gefässen vorhandene atherosklerotische Verkalkungen ablösen und die Blutversorgung des Herzens teilweise verschliessen. Dieses potentiell lebensgefährliche Ereignis der koro- naren Herzerkrankung ist in vielen westlichen Ländern eine der häufigsten Todesursachen.

Forscherinnen und Forscher am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel (Departement Epidemiologie und Public Health) haben zusammen mit Kollegen in Belgien den Beitrag verschiedener bekannter Ursachen von Herzinfarktereignissen analysiert und miteinander verglichen – mit dem Resultat, dass der Beitrag des Strassenverkehrs und die Belastung durch Luftverschmutzung erheblich sind. Ihr Anteil ist vergleichbar mit anderen zentralen Ursachen koronarer Ereignisse wie akute körperliche Überanstrengung, üppige Mahlzeiten oder Ärger.

Die Studie unterstreicht den Willen bzw. die Wichtigkeit und den potentiellen Nutzen von politischen Maßnahmen, die Luftverschmutzung zu verringern, um Herzinfarkte zu verhindern. Die Forschenden weisen darauf hin, dass das Ausmaß der Folgen von Luftverschmutzung insbesondere in den sehr stark verschmutzten städtischen Regionen von Entwicklungs- und Schwellenländern von wachsender Bedeutung ist. Die Zunahme an koronaren Herzerkrankungen geht hier einher mit der starken Luftverschmutzung.

Literatur:

Universität Basel, Tim S. Nawrot, Laura Perez, Nino Künzli, Elke Munters, Benoit Nemer, Luftverschmutzung ist eine der Hauptursachen für Herzinfarkte, 24.02.2011

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Umweltklinik bestätigt starken Anstieg von Umweltkrankheiten

Die Umweltklinik in Fall River gilt als einzigartig. Umweltkontrollierte Räumlichkeiten und spezielle Behandlungen für Umweltkranke, Menschen, die auf Spuren von Chemikalien reagieren. Seit 15 Jahren existiert die Umweltklinik und beteiligt sich auch an der Erforschung von Umweltkrankheiten. Das Besondere an dieser Umweltklinik ist, dass sie die erste Klinik für Umweltkranke weltweit war, die durch staatliche Gelder finanziert wurde. Das Nova Scotia Environmental Health Center, unter Leitung des bekannten Umweltmediziners und Wissenschaftlers Roy Fox, konnte sich von Beginn an nicht über Patientenmangel beklagen. Die Zahl der Patienten, die die Umweltklinik konsultieren möchten, wächst stetig, war aus einem Interview in der Halifax News zu erfahren.(1) Die meisten der Patienten leiden unter Multiple Chemical Sensitivity (MCS), Fibromyalgie (FMS) oder Chronic Fatigue Syndrome (CFS)

Andrang sorgt für Wartezeiten in der Umweltklinik

Die Wartezeiten der kanadischen Umweltklinik sind lang. Rund 2000 Patienten jährlich hat man zu verzeichnen. Viele kommen ambulant, um schneller Hilfe zu erhalten. Stationär werden zwischen 400 und 450 Patienten im Jahr aufgenommen. Anfragen aus anderen Ländern können kaum angenommen werden, weil der Bedarf aus den verschiedenen kanadischen Regionen zu groß ist und stetig wächst.

Verschiedene Umweltkrankheiten auf dem Vormarsch

Patienten mit Multiple Chemical Sensitivity (MCS), Fibromyalgie (FMS) und Chronic Fatigue Syndrome (CFS) bilden das Hauptpatientenklientel.

Als die Umweltklinik 1996 eröffnete, seien fast ausschließlich Patienten zur Klinik gekom- men, die auf Stoffe in ihrer Umwelt reagierten und durch Expositionen extrem krank wurden, berichtete die Kliniksprecherin gegenüber der Zeitung. Diese Art Patienten käme noch immer, aber mittlerweile seien Patienten mit Fibromyalgie in der Überzahl.

Erfahrung, Know how, Wissenstransfer

Als die Umweltklinik in den neunziger Jahren eröffnete, waren es vornehmlich chemikaliensensible Patienten gewesen, die sie aufsuchten. Der Sohn des Klinikleiters hatte eine längere Zeit an der bekanntesten Umweltklinik, dem EHC-Dallas, assistiert. Dort war es ihm möglich gewesen, hautnah zu erleben, wie viel Aufwand notwendig ist, um Umweltbedingungen bereitzustellen, die hypersensibilisierten Menschen gerecht werden.

Dänisches MCS Forschungscenter besucht Umweltklinik in Kanada

Nova Scotia Environmental Health Center ist auch unter Wissenschaftlern bekannt. Ärzte und Umweltmediziner aus verschiedenen Ländern sind immer wieder zu Gast. Gerade seien Wissenschaftler aus Dänemark dagewesen, berichtete die Halifax News Anfang Januar 2011. Das Behandlungsmodell sei für die dänische Delegation von großem Interesse gewesen.

Von Arzt zu Arzt, keiner findet die Ursache

Viele Patienten kämen ohne konkrete Diagnose, berichtete die kanadische Kliniksprecherin. Ähnlich wie in Deutschland, existiert auch in Kanada umweltmedizinische Ausbildung an Universitäten noch nicht lange und ist nicht sehr umfassend. In der Umweltklinik in Nova Scotia vergeht in der Regel nicht viel Zeit bis eine Diagnose gestellt ist. Gezielte Untersuchungen, ausgiebige Anamnese und die Ursache ist gefunden. Erhebliche Summen könnten eingespart werden, wenn es genügend Umweltkliniken gäbe, die in der Lage sind, zeitnah qualifizierte Diagnosen zu stellen.

Strenge Umweltkontrolle in der Umweltklinik

Die Klinik ist der Dalhousie University angeschlossen. Kein Besucher darf die Klinik einfach so betreten. Große Plakate klären auf. Niemand darf Parfums, After Shaves oder andere parfümierte Produkte verwenden. Die Schuhe müssen ausgezogen und gegen Einwegüberzieher ausgetauscht werden. All das trägt zum Erfolg der Umweltklinik bei und dazu, dass Patienten in dieser schadstofffrei eingerichteten Umgebung ihre Symptome abbauen können.

Umfassende individuelle Behandlung, der Schlüssel zum Erfolg

Der Behandlungsansatz der Umweltklinik ist ganzheitlich. Verschiedene medizinische Fachrichtungen arbeiten zusammen und bieten für jeden Patienten ein ganz individuelles Therapieprogramm. Sauna, Infusionen, Allergiekontrolle gehören u.a. zu den Bausteinen. Ein großes Augenmerk liegt darauf, dass der Umweltkranke nach dem Klinikaufenthalt in seinem persönlichen Umfeld zurechtkommt. Dafür wird ein individuelles Konzept entwickelt, das dem jeweiligen Patienten ermöglicht, seine Wohnsituation schadstofffrei herzurichten. Steht die Familie und das soziale Umfeld der Umweltkrankheit konträr gegenüber, erhalten Patienten Anleitung, damit besser zurechtzukommen und die Gesamtsituation dergestalt positiv zu verändern, dass sie der weiteren Genesung nicht im Wege steht.

Umweltkrankheiten nehmen weltweit zu

Die Aussage der kanadischen Umweltklinik, dass Umweltkrankheiten zunehmend sind, entspricht Berichten aus den USA, Spanien, Italien, Frankreich, Norwegen, Dänemark, Schweiz, Australien, Neuseeland, Deutschland und einer Reihe weiterer Industrieländer. Die verhaltene Einstellung der Mainstream Medizin und ihr Mauern gegen die Umweltmedizin wird zwangläufig aufweichen (müssen).

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 16. Februar 2011

Literatur:

  • Halifax News, Fall River health clinic seeing more patients than ever, 18. Feb. 2011
  • Environmental Health Centre (NSEHC)

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Negative Auswirkungen auf den IQ von Kleinkindern

Studie untersuchte Auswirkungen des Pestizids Permethrin und des Wirkungsverstärkers Piperonylbutoxid

Bei der Verwendung von Pestiziden im Wohnbereich gab es in den vergangenen Jahren eine Verschiebung. Wo früher zumeist Organophosphat-Pestizide zum Einsatz kamen, ist heute die Verwendung von Pyrethroiden weiter verbreitet. Dies wurde durch aktuelle Ergebnisse beim Pestizid-Monitoring belegt. Pyrethroide sind potentiell dafür bekannt, dass Entwicklungsstörungen verursachen können, wurden jedoch bislang noch nicht hinsichtlich ihrer Entwicklungstoxizität ausgewertet. Das Ziel einer amerikanischen Multicenter-Studie war es, die Assoziation zwischen pränataler Exposition gegenüber Permethrin und Piperonylbutoxid, im Hinblick auf die 36-monatige Entwicklung des Nervensystems, zu erforschen. Permethrin ist ein häufig verwendetes Pestizid der Pyrethroid-Klasse und gilt als neurotoxisch. Bei der Chemikalie Piperonylbutoxid handelt es sich um einen Synergist, der die Wirkung von Pyrethroiden verstärkt und stabilisiert, ohne selbst eine insektizide Wirkung zu besitzen

Pestizide im Umfeld von werdenden Müttern

Teilnehmer dieser im Februar 2011 in der medizinischen Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlichten Studie waren Teil einer prospektiven Kohortenstudie, an der afroamerikanische und dominikanische Mütter, sowie deren Neugeborene, die in New York City in Gegenden mit niedrigem Einkommen wohnen. Das Wissenschaftlerteam untersuchte die 36-monatige kognitive und motorische Entwicklung mittels Bayley Scales, Second Edition, als weiterer Arbeitsschritt wurden Permethrinkonzentrationen im mütterlichen Plasma und der Nabelschnur bei der Geburt und Permethrin und Piperonylbutoxid Konzentrationen in der Luft des persönlichen Umfeldes während der Schwangerschaft gemessen.

Alle Bewertungsmodelle wurden hinsichtlich Geschlecht, Gestationsalter (Alter des ungeborenen Kindes bzw. Neugeborenen ab dem Zeitpunkt der Befruchtung), Ethnizität, Schulabschluss der Mutter, mütterliche Intelligenz, die Qualität der häuslichen Umgebung, pränataler Exposition gegenüber Tabakrauch in der Umwelt und in Bezug auf das Organophosphat-Pestizid Chlorpyrifos kontrolliert.

Piperonylbutoxid reduziert IQ von Kindern

Als Ergebnis ihrer Studie stellte das Wissenschaftlerteam fest, dass pränatale Exposition gegenüber Permethrin in der Luft des persönlichen Umfeldes und/oder im Plasma mit den Leistungsprofilen des Bayley Mental Developmental Index oder dem Index für psychomotorische Entwicklungsstörungen nicht in Zusammenhang standen. Nach Anpassung der Daten ermittelten sie jedoch, dass Kinder, die gemäß der Ergebnisse von Luftproben aus ihrer Umgebungsluft Piperonylbutoxid stärker ausgesetzt waren (Piperonyl (> 4,34 ng/m3)), beim Index für mentale Entwicklungs- störungen in der Bewertung 3,9 Punkte unter den Ergebnissen von Kindern mit niedrigeren Expositionen lagen (95% Konfidenzintervall: -0,25 bis -7,49).

Die Wissenschaftler schlussfolgerten, dass pränataler Kontakt mit Piperonylbutoxid sich negativ auf die 36-monatige Entwicklung des Nervensystems auswirkt. Der Synergist Piperonylbutoxid galt lange als unbedenklich und sollte im Hintergrund dieser Studie in seiner Bewertung neu überarbeitet werden.

Schädlingen ohne Gift zu Leibe rücken

Abschließend sollte angemerkt werden, dass insbesondere werdende Mütter die Verwendung und den Kontakt mit Pestiziden generell vermeiden sollten. Für den Fall, dass Schädlinge im Umfeld auftreten, sollten Experten konsultiert werden, die sich mit konsequent giftfreier Schädlingsbekämpfung auskennen. Produkte, die mit „naturidentisch“, „Bio-Insektizid“, etc. werben, müssen nicht gleichbedeutend mit harmlos sein, vielmehr verbergen sich bei solchen Produkten häufig Pyrethroide und Piperonylbutoxid als gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 13.02.2011

Literatur:

Megan K. Horton, PhD, Andrew Rundle, DrPH, David E. Camann, MS, Dana Boyd Barr, PhD, Virginia A. Rauh, ScD, Robin M. Whyatt, DrPH, Impact of Prenatal Exposure to Piperonyl Butoxide and Permethrin on 36-Month Neurodevelopment, 7. Februar 2011, Pediatrics (doi: 10.1542/peds.2010-0133)

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Wissenschaftler warnen vor den Gefahren der Feinstaubbelastung durch Kamine und Kaminöfen

Feuerrauch verursacht Genschäden

Während Millionen von Menschen die Winter- kälte mit lodernden Kaminen und Kaminöfen abwehren, warnen Wissenschaftler mit Besor- gnis über die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen durch den Rauch, der durch das brennende Holz freigesetzt wird. Neueste Erkenntnisse aus Dänemark belegen unter anderem Genschäden ausgelöst durch die Feinstäube des Kaminrauchs, als auch den Anstieg von Entzündungskrankheiten.

Gefahren durch winzige Rauchpartikel

In ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift der American Chemical Society (ACS) „Chemical Research in Toxicology“ veröffentlicht wurde, stellte ein Team von dänischen Wissenschaft- lern fest, dass die unsichtbaren Partikel des Rauchs, die von den Lungen eingeatmet werden, verschiedene negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

Auswirkungen von Feinstaub gut belegt

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die Auswirkungen von Feinstäuben auf die Gesundheit gut belegen. Auch Steffen Loft, Ph.D., und seine Kollegen verweisen auf die Fülle wissenschaft- licher Erkenntnisse, die das Einatmen feinster Luftverschmutzungspartikel – dem sogenannten „Feinstaub“ – der durch Kfz-Abgase, Kohlekraftwerke und einige andere Quellen freigesetzt wird, mit Herzkrankheiten, Asthma, Bronchitis und anderen gesundheitlichen Problemen in Zusammenhang bringen.

Ist Feinstaub aus Holzrauch gefährlich?

Nach Auskunft der Wissenschaftler existieren nur relativ wenige Informationen hinsichtlich der Auswirkungen des Feinstaubs, der durch Holzrauch (WSPM) freigesetzt wird, obwohl Millionen von Menschen auf der ganzen Welt Holz zum Heizen und Kochen zu Hause verwenden und dabei regelmäßig den Feinstaub aus dem Holzrauch (WSPM) inhalieren. Bislang hatten Wissenschaftler sich mit dieser Problematik nicht befasst.

Rauchvergleich

Um festzustellen, ob der Rauch aus Kaminen von Häusern, in denen mit Holz gefeuert wird, bedenklicher ist und wie der Feinstaub daraus einzuschätzen ist, analysierte das Wissenschaftlerteam den Feinstaub aus der Luft des Ortsmittelpunkts eines Dorfes in Dänemark, in dem die meisten Bewohner Holzöfen verwendeten, und verglichen diesen Ort anschließend mit einem benachbarten ländlichen Gebiet, in dem nur wenige Holzöfen in Betrieb sind. Ergänzend sammelte das Studienteam den reinen Feinstaub eines mit Holz befeuerten Herdes zur spezifischen Beurteilung ein.

Die Gefahr aus dem Kamin

Die Analysen der Wissenschaftler brachten zutage, dass die Feinstäube in der Gemeinde, in der viele Holzöfen betrieben wurden, wie auch der reine Feinstaub aus dem Holzrauch von dort die tendenziell und potenziell gefährlichste Größe aufwies, nämlich die jener Feinstaubpartikel, die klein genug sind, um in die tiefsten Regionen der Lunge eingeatmet zu werden.

Potentielle Gesundheitsgefahr durch Holzrauch

Die Besorgnis der Wissenschaftler über Holzrauch aus dem Kamin ist begründet, die Ergebnisse ihrer Studie legten unmissverständlich dar, dass der Feinstaub, der durch Holzrauch freigesetzt wird, höhere Konzentrationen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthält. PAKs gelten als „wahrscheinliche“ Karzinogene für den Menschen. Als die Forscher den Feinstaub aus dem Holzrauch (WSPM) an menschlichen Zellkulturen testeten, stellten sie fest, dass der aus Holzrauch resultierende Feinstaub umfassende Schäden an der Erbsubstanz, der DNA, verursacht, mehr Entzündungen auslöst und eine größere Aktivität aufweist, Gene auf Weisen zu beeinflussen, die mit verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang stehen.

Rasches Handeln durch Behörden erforderlich

Die Erkenntnisse, die durch die dänischen Wissenschaftler offenbar wurden, fordern ein rasches Einschreiten der Behörden und straffere Gesetze zum Schutz der Gesundheit der Menschen, die in Regionen wohnen, in denen stark mit Holz gefeuert wird. Innovative Filtertechniken und konsequentes Ausrangieren alter Öfen wären im ersten Schritt dazu in der Lage, die Feinstaubbelastung in diesen Regionen zu reduzieren. Mittelfristig ist der Ausstieg aus der Holzfeuerung die konsequenteste Lösung, die Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 6. Februar 2011

Literatur:

American Chemical Society, Air pollutants from fireplaces and wood-burning stoves raise health concerns, WASHINGTON, Feb. 5, 2011.

Volltext der Studie:Oxidative Stress, DNA Damage, and Inflammation Induced by Ambient Air and Wood Smoke Particulate Matter in Human A549 and THP-1 Cell Lines

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Berufsverband für Naturheilkunde verlieh MCS-Aktivistin Ehrentitel

Eva Caballé wurde für ihre Arbeit, Mut und Hingabe den Weg für Multiple Chemical Sensitivity zu ebnen geehrt

Wegen meiner Multiple Chemical Sensitivity bin ich gezwungen in Isolation zu leben. Mein Kontakt mit der Außenwelt wurde dadurch ausschließlich virtuell, und die Zeit vergeht in einer anderen Weise.

Fünf Jahre krank, drei Jahre ist es her seit man bei mir „Multiple Chemical Sensitivity“ diagnostizierte, zweieinhalb Jahre seit mein No Fun blog geboren wurde, seit eineinhalb Jahren bin ich Mitwirkende bei der Kunstzeitschrift Delirio, etwas mehr als ein Jahr ist es her, seit mein Buch „Desaparecida“ (Vermisst) erschien und seit fast einem Jahr trage ich regelmäßig zum „Canary Report Blog“ bei und liefere sporadisch Beiträge im Blog des deutschen Verbandes für MCS, dem CSN-Chemical Sensitivity Network.

Derzeit hat der „No Fun Blog“ mehr als 400 Mitglieder, mindestens 600 Besucher pro Tag (in den letzten Tagen verdreifachten sich die Besucherzahlen, dank eines MCS-Berichts im Fernsehen). Der „No Fun Blog“ hat mehr als 280 Beiträge und fast 2.500 Kommentare, die dem Blog einen unschätzbaren Wert geben. „Desaparecida“ (Vermisst) wird in sechs spanisch-sprachigen Ländern verkauft und man kann das Buch in siebzehn öffentlichen spanischen Bibliotheken und Universitäts-Bibliotheken finden.

Aber paradoxerweise, wirkt all das unwirklich auf mich; etwas mehr so, als seien es Zahlen oder Statistiken. Nur ab und an passiert etwas, das mich realisieren lässt, dass das, was ich tue, reale Auswirkungen auf die Außenwelt hat und auch die Menschen über den MCS Kreis hinaus erreicht.

Vor ein paar Monaten kontaktierte mich Marcos Ve’lez, der Präsident des APENB (der spanische Berufsverband für Naturheilkunde) und seine Worte überraschten und berührten mich tief. Man hatte meine Arbeit über eine lange Zeit hinweg verfolgt, hatte auch mein Buch gelesen und wollte mir Unterstützung zuteilwerden lassen, denn als Mediziner für Naturheilkunde setzen sie sich auch für mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen mit weniger Fokus auf Pharmainteressen ein und messen den Menschen, die ihre Gesundheit verloren haben, einen höheren Wert bei. Marcos Ve’lez, teilte mir mit, dass der APENB Vorstand sich einstimmig auf nachfolgende Punkte geeinigt habe, um mich zu unterstützen:

  • Sie verleihen mir einen Ehrentitel für „meine Arbeit, den Mut und die Hingabe den Weg für Multiple Chemical Sensitivity zu ebnen“. Die Verleihung des Diploms (im Bild) war ein öffentliches Ereignis, das im Dezember letzten Jahres stattfand, aber wie ihr euch vorstellen könnt, war ich nicht in der Lage, selbst zu der Verleihung zu gehen.
  • Auf der Webseite des Verbandes wird unter „Ursachen“ eine Rubrik mit einem Abschnitt über das Buch „Vermisst“ eingerichtet. Einsehbar unter folgendem Link: Causas Desaparcida
  • Der Verein unterstützt alle meine Arbeiten und Initiativen, und sie haben eine eigene Sektion für meine MCS Artikel eingerichtet. Dies ist der erste Artikel: La condena de la Sensibilidad Químicia Múltiple
  • Sie verlinken den No Fun Blog in der Rubrik „Friends“ auf ihrer Website.
  • „Vermisst“ wird in der Sektion „EMPFOHLENE BÜCHER“ auf ihrer Website aufgeführt.

Natürlich ist all diese Anerkennung eine Ehre für mich, und ich schätze die Unterstützung des Berufsverbandes für Naturheilkunde sehr, vor allem, weil wir alle den gleichen Kampf kämpfen, MCS sichtbar zu machen, ist aus zwei Gründen sehr positiv: Um das Bewusstsein für MCS zu gewinnen und um die Message zu verbreiten, die durch MCS impliziert wird: Wir müssen weltweit die Richtung ändern, weil es schon zu spät ist; deshalb ist es notwendig, so laut und so deutlich wie möglich zu sagen, dass unsere moderne Lebensweise ein Akt des Selbstmords ist, dass wir bereits bezahlen und dass kommende Generationen dafür zahlen werden.

Danke APENB und Danke an Marcos, uns zu helfen diese Nachricht zu verbreiten.

Autor: Eva Caballé, No Fun Blog, Januar 2011

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Original Beitrag auf „No Fun“:

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Nahrungsmittelallergien können Migräne auslösen

Von Dr. Leo Galland

Migräne-Kopfschmerzen kommen schon seit Tausenden von Jahren vor, sie wurden bereits in Texten der antiken Medizin beschrieben. Jetzt hat die Wissenschaft Nahrungs- mittelallergien als eine der Ursachen entdeckt und in medizinischen Fachzeitschriften wie „The Lancet“ veröffentlicht.

Wenn Sie selbst oder jemand, den Sie mögen, an Migräne leidet, kennen Sie die Symptome: stechender Schmerz, so stark, dass er Übelkeit verursacht, manchmal mit Sehstörungen verbunden, mit gezackten, blinkenden Lichtblitzen, Benommenheit oder Kribbeln – stundenlang anhaltend.

Obwohl eine Gruppe von Medikamenten, die sogenannten Triptane, bei der Linderung der Migräne wirksam sein können, ist das Verhindern dieser Kopfschmerzen eine große Herausforderung.

Viele Faktoren können als Migräneauslöser fungieren, einschließlich Stress, Gerüche, Temperaturen und hormonelle Veränderungen. Der einzige Migräneauslöser, über den man jedoch die größte Kontrolle hat, ist die Nahrung.

Migräne-Kopfschmerzen und Ernährung

In den vergangenen 150 Jahren haben zahlreiche Wissenschaftler über einen Zusam- menhang berichtet zwischen Migräne und der Nahrung, die wir essen. Einige Wissenschaftler haben diesen Zusammenhang Allergien zugeschrieben, andere einer chemischen Wirkung der Nahrung auf das Gehirn.

Es wurden Migräne-Diäten entwickelt, aber sie sind für die meisten Menschen nur von begrenztem Wert. Sie basieren meist auf der Idee, dass bestimmte Nahrungsmittel wie Nüsse, Käse und Schokolade, Chemikalien enthalten, die Veränderungen im Blutfluss verursachen, die dann den Beginn von Kopfschmerzen auslösen.

Das Problem mit der Theorie einer chemischen Induktion von Migräne ist, dass niemals nachgewiesen wurde, dass sie tatsächlich eintritt.

Die einzigen Kopfschmerzen, von denen bewiesen wurde, dass sie chemisch ausgelöst werden, sind Rotwein-Kopfschmerzen, die sich jedoch sehr deutlich von einer herkömm- lichen Migräne unterscheiden.

Als in doppelblind angelegten Placebo-Kontrollstudien die Wirkung von Tyramin unter- sucht wurde, das in gereiftem Käse gefunden wird und von dem man annahm, dass es Migräne auslöst, stellte man fest, dass die Substanz nicht in der Lage ist, Migräne zu verursachen. (1,2)

Nahrungsmittelallergien lösen Migräne aus

Im Gegensatz dazu wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass das Immun- system bei Migräne beteiligt ist. Italienische Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen mit Nahrungsmittel-induzierter Migräne Komplexe in ihrem Blut entwickeln, bei denen Nahrungsmittelproteine mit Antikörpern verklumpen, die gegen diese Proteine gerichtet sind; diese werden als zirkulierende Immunkomplexe bezeichnet [3].

Ihr Auftreten steht in Zusammenhang mit einer komplizierten Reihe von Immunreak- tionen, die darauf hinweisen, dass irgendeine Art allergische Reaktion abläuft. [4,5]

Die Signifikanz der Erkenntnis, dass Nahrungsmittelallergien Migräne auslösen, besteht in der Schlussfolgerung, dass eine „Migräne-Diät“ für jeden anders sein muss; je nach- dem, auf welche Lebensmittel man allergisch ist.

Zahlreiche Wissenschaftler haben aufgezeigt, dass ein Allergie-Blocker „Natrium – Cromoglykat“ genannt, vor der Nahrungsaufnahme oral eingenommen, in der Lage ist, die Induktion von Migräne, die durch Nahrungsmittel ausgelöst wird, zu blockieren. (6-10) Dieser Allergie-Blocker scheint dergestalt zu wirken, dass er die Bildung von in Nahrungsmitteln enthaltenen, zirkulierenden Immunkomplexen verhindert. Diese Art allergische Reaktion kann nicht durch herkömmliche Allergie-Tests festgestellt werden, die darauf beruhen, das Vorhandensein einer Art von Antikörper zu entdecken, die IgE genannt werden. (11) IgE-Antikörper festzustellen ist bei Beschwerden wie Heu- schnupfen wichtig, spielt aber offenbar bei Migräne keine Rolle.

Nahrungsmittelallergie, IgG Antikörper und Migräne

Eine kürzlich durchgeführte Doppel-Blind-, Placebo-kontrollierte Studie zeigte, dass Veränderungen in der Ernährung, die auf das Vorhandensein einer anderen Art von Antikörpern gegen Nahrungsmittelproteine ausgerichtet ist – den IgG Antikörpern – eine wirksame Strategie zur Verringerung der Häufigkeit von Migräneattacken sind. (12) IgG-Antikörper sind die wichtigsten Arten von Antikörpern, die in zirkulierenden Immunkomplexen gefunden werden. In dieser Studie wurde das Blut von Patienten mit häufigen Migräne-Kopfschmerzen (mindestens 4 x pro Monat) auf IgG-Antikörper gegen- über 266 Lebensmitteln hin untersucht. Bei jeder teilnehmenden Person wurden Nahrungsmittel identifiziert, gegenüber die sie hohe IgG-Antikörper aufwies. Den Studienteilnehmern wurde dann eine Diät in einer Weise verabreicht, bei der sie Speisen erhielten, die jeweils mit oder ohne die auslösenden Nahrungsmittel zubereitet worden waren, und zwar so, dass weder sie noch die Wissenschaftler wussten, welche Lebensmittel es waren. Wenn die Personen eine Diät zu sich nahmen, aus der die Nahrungsmittel mit hohem IgG eliminiert waren, verringerte sich die Häufigkeit der Migräneanfälle signifikant. Die Migräne wurde jedoch nicht vollständig beseitigt, warum auch immer, der Schweregrad der Migräneanfälle wurde nicht reduziert. Die Kopfschmerzen, die noch auftraten, war die übliche Migräne, wie sie die Patienten für gewöhnlich erleben.

IgG Nahrungsmittel-Allergietests

Tests zur Feststellung von IgG Nahrungsmittelallergien werden durch viele verschiedene Labors in den USA (Anm.: und auch in Deutschland) angeboten. Es ist kein perfekter Test, aber er kann Menschen mit Migräne und ihren Ärzten dabei helfen, eine individuelle Diät zusammenzustellen, um die Häufigkeit der Migräne zu reduzieren.

Identifizierung von Nahrungsmitteln, die Migräne auslösen

Wenn IgG Tests auf Nahrungsmittel nicht zur Verfügung stehen oder nicht dabei helfen, eine wirksame Migräne-Diät zusammenzustellen, kann man die Nahrungsmittel, die eine Migräne auslösen, mit Hilfe einer Technik herausfinden, die „Elimination und Provokation“ genannt wird.

Details über diese Methode und Studien, die ihre Wirksamkeit belegen, vor allem bei Migräne, deren Beginn in der Kindheit liegt, finden sich in einem Artikel, den ich zusammen mit Dr. LM McEwen schrieb: „Eine Rolle von Nahrungsmittelunverträglich- keiten bei Migräne im Kindesalter“.

Nahrungsergänzungsmittel und Migräne

Zusätzlich zu einer Diät gibt es mehrere Nahrungsergänzungsmittel, die in kontrollierten Studien zeigten, dass sie die Häufigkeit des Auftretens von Migräne reduzieren.

Nahrungsergänzungsmittel, die bei Migräne helfen können

(Die nachfolgenden Dosierungen sind ungefähre Angaben auf der Grundlage der Forschung, natürlich ist die Menge, die eine einzelne Person nehmen sollte, individuell verschieden.)

  • Magnesium, in der Regel etwa 300 Milligramm pro Tag
  • Coenzym Q10, in der Regel etwa 300 Milligramm pro Tag
  • Alpha-Liponsäure, in der Regel etwa 600 Milligramm pro Tag
  • Riboflavin (Vitamin B2), in der Regel etwa 400 Milligramm pro Tag
  • Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Dosis Vorbereitung variiert von Produkt zu Produkt

Weitere Informationen über wissenschaftliche Forschungen, die zu diesen Nahrungser- gänzungsmitteln durchgeführt wurden, einschließlich der dazugehörigen Referenzen, können kostenlos über die Gesundheits- App, die ich „Pill Advisted“ genannt habe, eingesehen werden, indem man sich einloggt und sich nach den positiven Wechselwirkungen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und spezifischen Medikamen- ten für Migräne umschaut. Um die Referenzen zu finden, gibt man nach der Anmeldung den Namen eines jeweiligen Migräne-Medikaments ein oder „Sumatriptan“, die Substanz, die das erste spezifische Migräne-Medikament darstellte. Man kann die Anwendung auch dazu benutzen, mehr über Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und freiverkäufliche Arzneimittel zu erfahren, über die man vielleicht etwas wissen möchte.

Für weitere Informationen über diese Gesundheits-App schaut man sich am Besten den „Pill Advised Channel“ auf Youtube an.

Autor: Dr. Leo Galland, Januar 2011

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Vielen Dank an Dr. Garland, diesen Artikel übersetzen zu dürfen!

Anmerkung: Der Artikel ist als allgemeine Information gedacht, er ist keine Aufforderung zu Selbstbehandlung und ersetzt keinen Arztbesuch.

Literatur:

  1. Forsyth WI, Redmond A. , Two controlled trials of tyramine in children with migraine, Dev Med Child Neurol 1974; 16: 794-799
  2. Moffatt A. M., Swash M, Scott D. F., Effect of tyramine in migraine; a double-blind study, J Neurol Neurosurg Psychiatr 1972; 35: 496-499.
  3. Marteletti P, Sutherland J, Anastasi E et al. Evidence for immune-mediated mechanism in food-induced migraine from a study of activated T-cells, IgG4 subclass, anti-IgG antibodies and circulating immune complexes, Headache 1989; 29: 664-670
  4. Marteletti P. T cells expressing IL-2 receptor in migraine. Acta Neurol (Napoli) 1991; 13: 448-456
  5. Marteletti P, Stirparo G, Rinaldi C et al., Disruption of the immunopeptidergic network in dietary migraine, Headache 1993; 33: 524-527
  6. Marteletti P, Bussone G, Centoze V et al., Prophylaxis of food-induced migraine with cromolyn sodium: efficacy of short- and long-term use, Cephalalgia 1989 (suppl 10): 441-442
  7. Mansfield L.E., Vaughan T.R., Waller S.F. et al., Food allergy and adult migraine: double blind and mediator conformation of an allergic etiology, Ann Allergy 1985; 55: 126-129
  8. Monro J,BrostoffJ,Carini C. et al. ,Food allergy in migraine, Lancet 1980; 2: 1-4
  9. Monro J, Carini C, Brostoff J. Migraine is a food allergic disease, Lancet 1984; 2: 719-721
  10. Paganelli R, Levinsky R.J., Brostoff J. et al. Immune complexes containing food proteins in normal and atopic subjects after oral challenge and effect of sodium cromoglycate on antigen absorption. Lancet 1979; 1: 1270-1272
  11. Doering P. Drug therapy of food allergies, In: Perkins J. E. (ed) Food Allergies and Adverse Food Reactions. Aspen Publishers, Gaithersburg, Maryland. 1990. pp 69-79
  12. Alpay K, Ertas M, Orhan EK, et al. Diet restriction in migraine, based on IgG against foods: a clinical double-blind, randomized, cross-over trial. Cephalalgia. 2010; 30:829-37.

Weitere Artikel zum Thema Kopfschmerzen und Migräne:

Umweltmedizin: Sieg für Prof. Dr. Rea

Epochaler Sieg: Angriff der Ärztekammer von Texas auf führenden Arzt der Integrativen Medizin abgewehrt

Wenn, wie wir neulich berichtet haben, integrative Mediziner Patienten ganzheitlich behandeln, stellt das oft die traditionellen Vorstellungen der Medizin in Frage. Die US- Ärztekammern orientieren sich an der Ameri- can Medical Association und deren Auffass- ung von Homöopathischer Medizin. Deshalb waren sie schon immer gegen komplement- äre und alternative Medizin – das gipfelt darin, dass sie nicht selten Ärzte angreifen, insbe- sondere wenn sich diese mehr um ihre Patienten kümmern.

Doch die Verhältnisse ändern sich, wie RA Jacques Simon erzählt. Simon vertrat Dr. Bill J. Rea, bei einem erstaunlichen Sieg in einem Prozess gegen die Ärztekammer von Texas. Dieses Verfahren hat geholfen, die üble Praxis der Kammer in Texas zu kippen.

Jacques Simon weist eine herausragende Erfolgsrate auf, integrative Mediziner bei solchen Verhandlungen zu verteidigen. Er ist einer von vier US-Anwälten, die auf diesem Gebiet zusammen arbeiten und sich darauf spezialisiert haben. (Die anderen sind Alan Dumoff, Algis Augustine und Richard Jaffe.)

Dr. Rea ist ein führender Wissenschaftler und Kliniker auf dem Gebiet der Umwelt- medizin und der Chemikaliensensitivität. Während den letzten dreißig Jahren hat er durch Lebensmittel und vielfältige Umweltfaktoren, wie Luft- und Wasserver- schmutzung verursachte Erkrankungen, behandelt. 2005 erhob die Ärztekammer von Texas eine Reihe von Klagen gegen Dr. Rea, in denen sie seine Untersuchungen, Diagnosen und Behandlungen – alles was er so macht – angriffen. Sie behaupteten sogar, Dr. Rea würde seinen Patienten Diesel und schädliche Chemikalien injizieren, ein Vorwurf, der eindeutig falsch war.

Nach drei langen Jahren vor Gericht konnte Simon nachweisen, dass die Vorwürfe der Kammer unbegründet waren. Anstatt ihm die Lizenz zu entziehen, verlangte die Kammer von Dr. Rea nur noch schwächlich, seinen Patienten eine geänderte Einverständniserklärung vorzulegen, nach der seine Behandlung von der amerikanischen Aufsichtsbehörde für Lebensmittel und Medikamente (FDA) nicht zugelassen wäre.

Wenn man ein Arzt ist, gegen denen ermittelt wird, ist es wichtig, gegenüber den Ermittlern oder den Behörden keine Äußerung oder was auch immer ohne Anwesenheit und Zustimmung eines Anwaltes zu machen. Wie Simon uns erläuterte, ist es für den Arzt wichtig, wenn eine Untersuchung eingeleitet wird, nicht den Fehler macht zu denken, die Ermittler würden von dem Fachgebiet etwas verstehen. „Nehmen Sie das Telefon und rufen Sie einen Anwalt an, der sich auf solche Verfahren spezialisiert hat.“ (Sie können sich an ANH-USA wenden wenn Sie Empfehl- ungen benötigen.)

Simon wies darauf hin, dass die Ärztekammer von Texas in der Vergangenheit integrative Mediziner angegriffen hat, aber in den letzten drei Jahren hat sich dies geändert und anscheinend ermitteln sie nun gegen genau so viele traditionelle Ärzte. Das ist zum Teil auf das zurück zu führen, was Dr. Rea im Verlauf seines Martyriums juristisch unternommen hat, dazu gehörte, gegen die Ärztekammer selbst zu klagen.

In Texas gibt es einen starken fairen Rechtsschutz für Ärzte, doch diese Regeln werden nicht immer befolgt. ANH-USA setzt sich dafür ein, einen Entwurf in die Gesetzgebung von Texas einzubringen, der Ärzten Wiedergutmachung gewährt, wenn die Kammer den eigenen Regeln nicht folgt. Jacques Simon weist darauf hin, dass je mehr Ärzte sich wehren (und je mehr die Kammern dadurch lernen), desto besser wird es in Ärztekammer-Verfahren für alle werden. Mittlerweile sind Gesetze und Vorschriften einem ständigen Wandel unterworfen und es ist wichtig, auf der Hut zu bleiben.

ANH-USA hat kürzlich einen 80-seitigen Bericht veröffentlicht, „Über die eigene Ärztekammer Bescheid wissen: Ein Handbuch für Ärzte der integrativen Medizin zum Verständnis der rechtlichen und juristischen Gegebenheiten in 50 Bundesstaaten“. Ärzte werden aufgrund der rechtlichen Vorschriften für Disziplinarverfahren vor Ärztekammern nicht überall in Amerika durch die staatlichen Gesetze und Vorschriften adäquat geschützt, deshalb haben wir ein Handbuch und eine Checkliste gemacht, um Ihnen einen Überblick zum Rechtsschutz oder über dessen Mängel in jedem Staat unseres Landes zu verschaffen. Der Bericht ist als PDF-Dokument erhältlich und kann hier (PDF) herunter geladen werden.

Autor: ANH-USA, 21. Dezember 2010

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Der Originalartikel „Milestone Victory: Texas State Medical Board’s Attack on Leading Integrative Doctor Beaten Back“ steht unter einer Creative Commons Lizenz. Für diese Übersetzung, ausschließlich der Bildrechte, gilt CC:by-nc-sa.

Zur weiteren Lektüre:

Artikel (engl.) von Mike Adams zur Einschätzung der American Medical Association

Weitere Artikel über Rechtsstreit von Prof.Dr.William Rea:

Umweltmediziner zur gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Dioxine

Die Belastung der deutschen Bevölkerung mit Dioxinen und verwandten Stoffen ist hoch

Am 8. Januar 2011 erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Artikel mit dem Titel: „Dioxin – Gesundheit nicht beeinträchtigt“. Der Beitrag, beginnt mit folgender Aussage von Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin:

„Selbst wenn jemand mehrere mit Dioxin belastete Eier gegessen haben sollte, muss er nun nicht mit gesundheitlichen Folgen rechnen…“

Der Artikel veranlasste den erfahrenen HNO-und Umweltmediziner Dr. Michael Jaumann zu nachfolgendem Statement an den Herausgeber. Dr. Jaumann beschäftigt sich seit über zwei Jahrzehnten intensiv mit Umweltmedizin und ist u.a. Mitglied des Ausschusses „Umwelt und Prävention“ in der Ärztekammer Baden-Württemberg.

Sehr geehrte Frau Volz,

vielen Dank für Ihren Artikel zum Thema der möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Dioxine und verwandte Stoffe. Als Arzt und Umweltmediziner – der sich seit über zwanzig Jahren mit dem Thema Dioxin aus umweltmedizinischer Sicht befasst – kann ich dieser, die Situation „verharmlosenden“ Stellungnahme seitens des Herrn Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht zustimmen. Richtig und wichtig ist nur, dass wir unnötige und vermeidbare zusätzliche Belastungen vermeiden sollten (dies besonders deshalb, da wir in Deutschland weltweit die mit am höchsten belastete Bevölkerung haben). Diese äußerst wichtige Zusatzinformation seitens des BfR fehlt, warum auch immer.

Heutzutage werden von unseren Bauern die meisten Pflanzen mit Düngern und auch Pflanzenschutzmitteln (chlororganische Verbindungen) während dem Wachstum behandelt. Diese sind eine mögliche Quelle die in der weiteren Verarbeitung zu Dioxin etc. führen könnte. Ein weiterer Aspekt ist, dass unser gesamtes Ackerland in Deutschland mit Dioxinen belastet ist und diese Stoffe aus dem Boden aufsteigen und sich auf den dort wachsenden Pflanzen niederschlagen. Dies in einer Höhe von zehn bis fünfzehn Zentimetern über dem Boden. Dies wäre die zweite mögliche Quelle für entsprechende Vorläufermoleküle die dann zu Dioxinen führen. Diese Pflanzen werden von den Tieren gefressen und diese Stoffe reichern sich im Fettgewebe der Tiere (und später der Menschen) an und werden quasi nie mehr abgebaut. Eine sich lebenslang anhäufende Belastung im körpereigenen Fett ist die Folge. Aus diesen Gründen sind Vegetarier, die sich aus konventionell angebauten Pflanzen ernähren oftmals sogar höher belastet.

In Göppingen hatten wir vor Jahren heftige Diskussionen über die Auswirk- ungen der Müllverbrennungsanlage (MVA). Deren Abgase haben in der Umgebung zu einer erhöhten Belastung der Böden mit Dioxinen und verwandten Stoffen geführt. Es drohte eine Einschränkung für die Bauern seitens des Umweltministeriums. Untersuchungen bei dort aufgewachsenen Lämmern ergaben eine Belastung des Muskelfleisches mit 24,7 pg/gramm Gesamt-TEQ an Dioxinen und Verwandten. Eine einmalige Fleischportion von 200 Gramm würde fast der Gesamtjahresdosis für diese Stoffe entsprechen die man seitens der Behörden für „ungefährlich“ hält.

Für mich als Arzt, der für die Menschen in seinem Umfeld Verantwortung trägt, ist dies nicht akzeptabel. Niemand kennt die langfristigen Auswirkungen (z.B. rasant steigende Allergiker-Raten in Deutschland u.ä.?).

Deshalb halte ich die nachfolgende Einschätzung für enorm wichtig:

Zum Thema gesundheitlicher Auswirkungen und Risiken durch Dioxine wurde im Jahr 1994 eine Neu-Bewertung der Dioxine seitens der US-amerikan- ischen Umweltbehörde (US-EPA) veröffentlicht die auch heute noch im vollen Umfang gültig ist: der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die vorhandene Evidenz ausreicht, Dioxine und verwandte Verbindungen als höchstwahrscheinlich krebserregend für den Menschen einzustufen, und dass auch andere negative Auswirkungen schon bei sehr niedrigen Konzentrationen eine womöglich nach wichtigere Rolle spielen.

Von größerer Bedeutung könnten Entwicklungsstörungen, Effekte auf das Immunsystem und auf die Reproduktion sein. Speziell aufgeführt sind eine reduzierte Fähigkeit des Immunsystems auf Infektionen zu reagieren, eine Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit und ein Anstieg an Endometriose, einer zunehmenden Ursache für Unfruchtbarkeit junger Frauen.

Wichtig ist, dass die US-EPA in der Zusammenfassung darauf hinweist, dass solche Effekte im Tierversuch bei außerordentlich niedriger Belastung festgestellt wurden und zwar bei Konzentrationen die der durchschnittlichen Belastung der Bevölkerung entsprächen (hier ist auch zu bedenken, dass die Belastung der deutschen Bevölkerung mit Dioxinen und verwandten Stoffen deutlich höher liegt wie die der USA-Bevölkerung).

Sehr geehrte Frau Volz,

es würde mich freuen, wenn Sie Ihren Lesern diese ergänzenden Informationen zukommen lassen könnten.

Gerne stehe ich Ihnen für weitere Informationen zur Verfügung

mit freundlichen Grüssen und bestem Dank

Dr.med. Michael P. Jaumann

Marktstr.16

73033 GOEPPINGEN

Arzt für HNO, Stimm- und Sprachstörungen und Umweltmedizin

Mitglied im Ausschuss Umwelt und Prävention der Ärztekammer Baden-Württemberg

Landesvorsitzender Württemberg Berufsverband deutscher HNO-Ärzte

p.s.

TEQ sind Toxizitäts-Äquivalente. Mit diesen wird die Giftigkeit der einzelnen Stoffe (Dioxine, Furane und polychlorierte Biphenyle (PCBs) bewertet und es kann dann die Belastung von z.B Muskelfleisch in einem zusammenfas- senden Wert gemessen werden.

Weitere CSN Artikel zum Thema:

Toxikologe zu Dioxin-Belastungen in Eiern

Der „Dioxin-Skandal“ ist kein neues Thema

Dioxine sind giftiger, als die Behörden bei ihren Abwiegelungsmanövern weismachen

Dioxine und PCB in Futtermitteln sind Teil der Nahrungskette von chlorierten Dioxinen und polychlorierten Biphenylen, die den Menschen als Endstation belasten. Ursache sind letztlich Vermischungen von Herstellungs- und Warenströmen der Chemie- und Lebensmittelindustrie, die zu unglaublichen und unkontrollierten Schweinereien auf einzelnen Stationen dieser Ströme führen. Der jetzige erneute „Dioxin-Skandal“ ist also nichts Neues, er ist systembedingt und besteht schon länger!

Die industrielle Tierhaltung versucht, die Kosten für die Futtermittel zu drücken, indem sie das Futter mit technischen Fetten streckt. Dabei dient das Futter als Entsorgungs- weg für die Giftindustrie.

Im Folgenden eine meist stichwortartige Dokumentation dieser Verhältnisse:

Dokumentation von Dioxin-Skandalen im Nahrungsmittelbereich

Los geht’s hier 1999, wenn es auch schon viel früher anfing. Grenzwerte für Dioxin im Tierfutter gibt es in Deutschland nicht. Also wird auch nicht kontrolliert.

In Belgien hat die Fernseh-Reporterin Siel van der Donckt ein Dioxin-Dossier veröffentlicht, das die Behörden lange unter Verschluss hielten. Seit Mitte März war bei der Regierung bekannt, dass in flämischen Hühnerställen im belgischen Norden Dioxin-Vergiftungen auftraten. Das Dioxin soll aus verunreinigtem Fett stammen, das dem Tierfutter zugesetzt wurde. Ein Fettschmelzbetrieb hatte entsorgtes altes Frittieröl dem Fett zugesetzt.

Lukrative Entsorgung

Der Verdacht der Fahnder: In der Schmelzerei sollen Motorenöle billig entsorgt worden sein, darunter mit PCB verunreinigtes Hydrauliköl, das bekanntlich auch Dioxin enthält. Von da gelangte Dioxin über die Hühner und Rinder in Eier, Fleisch, Milch usw.

Als Täter kommt die Fettschmelze „Fogra“ im wallonischen Bertrix in Frage, deren Geschäftsführer am 21.6.99 verhaftet wurde (WK, 23.6.99, dpa). Die Firma bereitet in Containerparks gesammelte Altöle und Frittenfett sowie Schlachtabfälle auf und beliefert damit die Firma Verkest, die zuvor als Verursacher verdächtigt worden war. Fogra soll im Auftrag von Verkest vom 19. bis 26.1. 99 Fett an den Viehfutterhersteller De Brabander geliefert haben. Der für mehrere Transporte eingesetzte Tankwagen sei dabei nicht gereinigt worden. Verkest wiederum soll Rohwaren u.a. von 4 holländischen Firmen in Ermelo, Moerdijk, Alblasserdam und Rotterdam bezogen haben.

Altfette und Plastik – ab in die Schmelze

Bei der Firma in Ermelo wurden beispielsweise Altfette samt Plastikbehältern in die Schmelze geworfen, so Wilhelm Hartfiel, Professor vom Institut für Tierernährung der Uni Bonn als Augenzeuge. Die holländischen Firmen erhalten die Altfette meist aus deutschen Bäckereien und Frittenbuden. Diese Fette sind durch zu langes und häufiges Erhitzen mit schädlichen Spaltprodukten wie Aldehyde, Ketone und Epoxide angereichert.

Wo kommt das Gift überall her?

U. Pollmer nennt noch eine Reihe weiterer möglicher bzw. vermuteter Ursachen: Das Dioxin könne aus einem Brand in einem Hamburger Lagerhaus stammen, bei dem Paletten mit Butter betroffen waren. Eine belgische Firma habe Höchstpreise für die Überreste geboten, die vom Asphalt eingesammelt worden waren.

Es könne aber auch von verseuchtem Kalk aus der Rauchgasreinigung stammen, der nach Belgien als Beimengung zu Legemehl für Hühner verkauft worden sei. Ferner käme Fett von Fettabscheidern in der Kanalisation in Frage, das nach der TA Siedlungsabfall wiederverwertet werden soll. Pollmer hält die staatliche Vorgabe des Recyclings von Schlacht- und Lebensmittelabfällen für die eigentliche Ursache des Skandals, und ferner das Preisdiktat für Lebensmittelfirmen in Supermärkten, die zur Rationalisierung auf Kosten der Qualität zwingt.

Problem Dioxin in Futtermitteln besteht schon länger

Die Dioxin-Verseuchung breitet sich nun bis nach Spanien aus. Dioxin-verseuchtes Fett wurde Mitte April 1999 von Belgien nach Spanien exportiert (FR, 24.6.99, dpa).

Auch in Deutschland besteht eine Gefährdung, weil gebrauchte Fette aus Gaststätten, Großküchen, Imbissbuden mit Mastfutter fürs Vieh gemischt werden. Dioxin-haltige Getreiderückstände gelangen unbeanstandet ins Futter. Diese enthalten Pilzgifte, Schwermetalle und hohe Dioxinmengen.

Futter mit Getreiderückständen hatte laut Duisburger Institut für Energie- und Umwelttechnik eine 10-100-fache Dioxinbelastung als der Durchschnitt der Futtermittel. In Pflanzenöl eines hessischen Herstellers, das als Zusatz für Geflügelfutter verwendet wird, hat die Überwachungsbehörde im Juni 2004 mit 2,3 µg/kg überhöhte Dioxin-Werte festgestellt. Damit waren Grenzwerte mit einem Faktor 3 überschritten. (WK, 29.6.04, dpa).

Dioxin-Kontaminierung kein Einzelfall

Die Wahrscheinlichkeit, dass Hühner und Eier in Deutschland stark mit Dioxin belastet sind, wird als sehr groß eingeschätzt, da aktuell nicht 70 Betriebe, wie bisher angenommen, mit Dioxin verseuchtem Tierfutter beliefert wurden, sondern 1000! Und das Problem besteht schon länger:

2004 wurde Dioxin in Eiern gefunden

Im Januar 2004 wurde bekannt, dass Dioxin in Eiern von Freilandhühnern in mehreren Bundesländern, darunter Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg, den EU-Grenzwert von 3 Pikogramm (pg) pro Gramm Fett überschritten hatte. In Bayern waren Grenzwert-Überschreitungen in 3 von 47 untersuchten Proben festgestellt worden.

In Niedersachsen hatten 28 % der Proben von Freilandeiern den Grenzwert überschritten. Da die Freilandhühner das Dioxin durch ständiges Picken aus belasteten Böden aufnehmen, liegt der Schluss nahe, dass die Böden bundesweit mit Dioxin verseucht sind. Daher lagen die Dioxin-Werte bei Eiern von Käfig-Hühnern in allen Ländern deutlich niedriger (laut „Bild am Sonntag“ vom 16.2.05; WK, 17.1.05, dpa).

Dioxin in Eiern April 2010

Dioxin in Eiern wurde auch wieder im April 2010 gefunden, wie das BfR in einer Pressemitteilung veröffentlichte. Die Konzentrationen für Dioxine lagen zwischen 5,9 und 13,6 pg WHO-PCDD/F-TEQ/g Fett. Die Summe aus Dioxinen und dioxin-ähnlichen PCB (dl-PCB) lag zwischen 6,9 und 14,9 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ/g Fett. Der geringe Anteil der dl-PCB an den Summenwerten der Belastung deutet nach BfR darauf hin, dass die erhöhte Dioxinbelastung der Eier nicht auf eine Kontamination aus der Hintergrundbelastung, sondern auf eine besondere Schadstoffquelle zurückzuführen ist.

Der TDI-Wert der WHO liegt im Bereich von 1 bis 4 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ/kg Körpergewicht pro Tag, wobei die 4 pg als provisorischer Wert für den maximal tolerierbaren Wert der Dioxin-Aufnahme angesehen werden.

Dioxin in Eiern Mai 2010

Auch im Mai 2010, am 18.5.10, wurden in Eiern aus einem Legehennenbetrieb bei Bad Ems Dioxin gefunden. Der gesetzliche Grenzwert für Dioxine in Eiern war überschritten. Der Hof wurde gesperrt. Der Betrieb hatte Futter mit Dioxin-belastetem Mais aus der Ukraine bezogen. (dpa, 19.5.10, WT; Ordner Lebensmittel).

Dioxin-belastete Eier tauchten im Mai 2010 auch bei Bio-Bauern auf. Durch Versäumnisse bei der Prüfung durch den Verein für kontrollierte und alternative Tierhaltungsformen (KAT) waren sie längere Zeit auf dem Markt geblieben. Ursache war mit Dioxinen verunreinigtes Hühnerfutter, nämlich Mais aus der Ukraine. Ergebnisse über Dioxin-Kontaminationen lagen schon am 16.3.2010 bei einem Hof in Niedersachsen vor, KAT gab Informationen jedoch erst Ende April 2010 heraus. (Spiegel 19, 10.5.10, 64; Ordner Lebensmittel; Greenpeace-Magazin 6, 2010, 30).

Dioxin in Eiern 2011

Die Behörden sperrten am 3.1.11 in Niedersachsen 1000 Höfe, in Nordrhein-Westfalen wurden 8000 Legehennen eines Betriebes in Soest getötet. Von dort sollen ebenfalls Dioxin-belastete 120 000 Eier in den Handel gelangt sein (dpa, 4.1.11, WT; Ordner Lebensmittel).

Gesundheitsgefährdung durch Dioxin in Eiern ist relevant

Die Dioxinbelastung in Eiern wird bezüglich der Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung als relevant eingeschätzt, wie aus Stellungnahmen vom Umweltprogramm der UN, UNEP, hervorgeht. Demnach sind große Teile der Bevölkerung auch 2005 „immer noch so stark belastet, dass sie sich im Risikobereich befinden“. Schädliche Einflüsse auf das Immunsystem und die Fruchtbarkeit sowie eine schleichende lebenslange Vergiftung werden vermutet.

Jeder Deutsche nimmt nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) täglich fast 2 Pikogramm (pg) Dioxin und Dioxin-äquivalente (PCB) pro kg Körpergewicht auf. Das liegt doppelt so hoch wie der WHO-Vorsorgewert (1 pg/kg x d) und mehr als 100-fach über dem Richtwert der US-Umweltbehörde EPA (0,006 pg/kg x d).

Lebensmittelüberwachung schon mit Routineaufgaben überlastet

Zur Belastungssituation (WK, 12.6.99): Man nimmt an, dass man mit verseuchtem Hühnerfleisch aus Belgien das 40 bis 90-fache, nämlich 80-90 Pikogramm Dioxin pro kg Körpergewicht und bei Eiern 17-60 Pikogramm, aufnimmt, als der Grenzwert von 10 Pikogramm für die tägliche Aufnahme zulässt. Der Verzehr von 2 belasteten Eiern würde zu einer Verdopplung der Dioxin-Werte führen, die dem Grenzwert für die tägliche Dioxinaufnahme durch Lebensmittel entsprechen (WK, 14.6.99, s.u.).

Das Amt für staatliche Lebensmittelüberwachung in Hofheim weist darauf hin, dass es schon mit den Routineaufgaben überlastet ist, weil die Stellen der Lebensmittelkontrolleure weiter abgebaut würden.

Expositionsabschätzung Dioxin in Eiern

Nach Berechnungen des BfR würde eine Person, die am Tag 142 g Eier verzehrt, 3,95 pg Dioxinäquivalente pro Tag und kg Körpergewicht aufnehmen. Dieser Wert liegt über dem Grenzwert von 2 pg des SCF(Scientific Committee on Food der EU) und im oberen Bereich der TDI-Werte der WHO. Wenn man allerdings die tägliche Aufnahme von Dioxin-Äquivalenten aus der Hintergrundbelastung berücksichtigt, wird auch der WHO-Wert überschritten.

Wenn man aber einen durchschnittlichen Verzehranteil der Eier an der Nahrung von 8% zu Grunde legt, werden täglich nur 0,86 pg Dioxin-Äquivalente aufgenommen, was dennoch eine erhöhte Exposition darstellt.

(WHO-PCDD/F-TEQ gibt den Summenwert der gemessenen Dioxine und Furane (F) an, bezogen auf die toxischen Equivalenzfaktoren der einzelnen Dioxin-/Furan-Kongenere (TEQ), die wiederum als % bezogen auf das toxischste Dioxin TCDD berechnet sind). (Stellungnahme Nr. 020/2010 des BfR vom 5.5.10; siehe Giftstoffe/Lebensmittel…)

Kurze Zusammenfassung und Kommentar:

Lebensmittelbelastungen mit chlorierten Dioxinen, Furanen und polychlorierten Biphenylen sind systembedingt:

Die Chemieindustrie produziert ständig chlorierte Kohlenwasserstoff-Produkte, wie Flammschutzmittel, Pestizide, PVC-Bodenbeläge und Baustoffe, und „entsorgt“ damit das giftige Chlor, das bei der Herstellung von Seifen und Waschmitteln anfällt. Als Nebenprodukte entstehen zwangsläufig die hochgiftigen Dioxine. Diese gehören zum so genannten „Dreckigen Dutzend“ der giftigsten Stoffe, die seit den 1990-er Jahren in der EU verboten sind.

Gesetzeslücke erlaubt Entsorgung von Giftstoffen in Futtermitteln

Lücken im Futtermittelgesetz erlauben sogar die Entsorgung von Giftstoffen in Futtermitteln für die Nutztierhaltung, die damit in die Nahrungskette gelangen und in der Bevölkerung „verdünnt“ werden.

Dioxine entstehen außerdem im Abgas der Müllverbrennungsanlagen. Da diese Stoffe chemisch sehr stabil und gleichzeitig fettlöslich sind, reichern sie sich im Fettgewebe und besonders im Gehirn an. Dort stehen sie in Verdacht, chronisch degenerative Hirnkrankheiten, also die Demenz, zu verursachen. Die rasante Zunahme der Demenzkrankheiten in den letzten Jahren beruht nicht nur auf der Zunahme des Altenanteils der Bevölkerung, sondern auf der schleichenden chronischen Vergiftung durch langlebige neurotoxische Chemikalien.

Chlorierte Dioxine sind also viel giftiger, als die Behörden bei ihren Abwiegelungs- manövern weismachen wollen. Die Verdummungstaktik von Industrie und Behörden soll das Gefahrenpotential von Dioxin und die Verursacher der Schweinerei, darunter die profitorientierte Chemie-Industrie, verschleiern.

Autor: Dr. Hans-Ulrich Hill, Wiesbaden, Januar 2011

Literatur:

Die Angaben beziehen sich auf Presse-, Radio-, Fernseh-Meldungen vom 2.-6.Juni 1999 zum 11. Dioxin-Skandal in Belgien, Juni 99: Spiegel 23, 7.6.99, S. 68; dpa-Meldungen in WK, 7.6.99, und 9.6.99, 12.6.99, Spiegel 24, 14.6.99, Natur + Kosmos 8, 1999, 15, nach U. Pollmer, sowie vielfältige Pressemeldungen bis Anfang 2011.

Buch: Hill, H.U.: Umweltschadstoffe und Neurodegenerative Erkrankungen des Gehirns (Demenzkrankheiten). 2. Aufl. 2010, Shaker-Verlag Aachen, ISBN 978-3-8322-9503-5).

Informationen vom Bfr und Informationszentrum für die Landwirtschaft: