Archiv der Kategorie ‘Menschenrechte‘

Chemical Sensitivity ab Oktober in Japan eine offiziell anerkannte Krankheit

Chemical Sensitivity in Japan anerkanntZum ersten Oktober soll Chemical Sensitivity – MCS in Japan in das medizinische Abrechnungsregister aufgenommen werden. MEDIS – DC, das Medical Information System Developement Center, eine Organisation, die dem Ministerium für Gesundheit und dem Wirtschaftsministerium direkt unterstellt ist, plant, die Krankheit in einer Revision seines Krankheitsregisters wirksam zum 1. Oktober aufzunehmen. MEDIC-DC ist vergleichbar dem deutschen DIMDI. In Deutschland ist MCS – Multiple Chemical Sensitivity bereits seit Jahren mit dem Code T.78.4 versehen und im Kapitel 19 für Verletzungen, Vergiftungen als körperliche Krankheit im ICD-10 gelistet.

In Japan wird Chemikalien-Sensitivität mit der Aufnahme in das Register für Krankheiten erstmalig von Regierungsseite als Krankheit anerkannt. Wenn die Krankheit im Register aufgenommen ist, wird dies große Erleichterung für Chemikaliensensible bringen, denn davon ist abhängig, ob eine Krankenkasse eine medizinische Behandlung bezahlt oder nicht. Derzeit zahlen die Erkrankten ihre Behandlungen selbst. Man geht in Japan von rund 700 000 Menschen aus, die chemikaliensensibel sind.

Im Mai hatte eine in Tokio ansässige Organisation, das Sick House Syndrome Liaison Committee, das Ministerium für Gesundheit dazu aufgefordert, Chemical Sensitivity offiziell als medizinische Krankheit anzuerkennen. Die Organisation wurde am 1. Juni vom Ministerium kontaktiert und bekam mitgeteilt, dass vorgesehen ist, Chemical Sensitivity zum 1. Oktober in die offizielle Liste für Krankheiten aufzunehmen.

Für die Menschen in Japan, die an Chemical Sensitivity erkrankt sind, bedeutet diese offizielle Anerkennung als Krankheit in erster Linie eine moralische Unterstützung, sagte Hinobu Hirota aus Yokohama, der Leiter der Patientenorganisation „Chemical Sensitivity Syndrome Support Center“, die in Yokohama ansässig ist, gegenüber den Medien.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 12. Juni 2009

Literatur:

Chemical sensitivity syndrome to make list of gov’t-insured medical conditions, Mainichi Daily News, 12. Juni 2009

Aufklärung über toxisch bedingte Krankheiten und Chemical-Sensitivity im Monat Mai

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MCS? Noch nie gehört? Das muss sich ändern!

Viele Mitmenschen und sogar die meisten Ärzte haben noch nie von MCS -Multiple Chemical Sensitivity, zu deutsch Chemikalien-Sensitivität, gehört, obwohl ein großer Teil der Bevölkerung auf Nachfrage bekundet, dass er auf geringe Konzentrationen von Alltagschemikalien wie beispielsweise Parfüm, Duftstoffe, Zigarettenrauch, Zeitungsgeruch, Abgase, frisch gestrichene Farbe oder neue Teppichböden mit Gesundheitsbeschwerden reagiert. Spuren von bestimmten Chemikalien reichen aus, das diese sensibilisierten Menschen z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Hör- und/ oder Sehstörungen, Atemwegsbeschwerden erleiden.

Hypersensibilisierten bleibt nur noch ein Leben in völliger Isolation. Sie benötigen absolut cleanen Wohnraum, Luft- und Wasserfilter, um einigermaßen existieren zu können.  Diese Menschen können, wenn überhaupt, dann nur noch mit Aktivkohlemaske oder Sauerstoff nach draußen gehen. Ein normales gesellschaftliches Leben ist für sie selbst ansatzweise unmöglich. Behördengänge, Arztbesuche, etc., die nicht vermeidbar sind, führen zu tage- bis wochenlangen gesundheitlichen Reaktionen. Manche an Chemikalien-Sensitivität erkrankten sind so schwer betroffen, dass eine Wohnraumsuche zu einem Desaster wird und sie aufgrund von Schadstoffen in Baumaterialien sich fast nur noch draußen in der Natur „leben“ können.

MCS? Ja, diese schwere Krankheit ist mir bekannt
Heute beginnt der weltweite Aufklärungsmonat über toxisch bedingte Krankheiten und MCS – Multiple Chemical Sensitivity.

Seit über einem Jahrzehnt unterstützen Ministerpräsidenten in den USA mit Staatssiegeln versehenen Proklamationen das Engagement von Patientenorganisationen und Umweltverbänden, um Wissen über Krankheiten, die durch Chemikalien verursacht wurden, in der Bevölkerung zu verbreiten.

Weltweit haben sich zahlreiche Organisationen dieser Zielsetzung angeschlossen und informieren in ihren Ländern im Mai gezielt sowohl über diese Krankheiten und ihre Ursachen als auch über Präventionsmöglichkeiten.

CSN im Mai
CSN wird im Monat Mai neben vielen Informationen auch einige Überraschungen bereithalten, die wir vorab noch nicht verraten, damit sie tatsächlich eine Überraschung bleiben. Außerdem wird natürlich auf dem CSN Blog täglich auf vielseitige Weise über die Themengebiete toxisch bedingte Krankheiten, deren Ursachen und über Chemikalien-Sensitivität informiert werden. So werden wir u. a. auch die Artikelserie „Die 10 größten Lügen über MCS“ weiterführen, über neueste Studien berichten und Fallbeispiele vorstellen.

MITMACHEN, auf geht…
Jeder von uns kann die MCS Aufklärungskampagne unterstützen, damit Betroffene von uns erfahren, wie ihre Krankheit heißt, die sie auf schon geringste Konzentrationen von Alltagschemikalien reagieren lässt, damit unsere Mitmenschen erfahren, welche Chemikalien und Situationen MCS auslösen können und selbstverständlich auch, wie man verhindert, überhaupt erst an Chemikalien-Sensitivität zu erkranken.

CSN bietet hierzu Informationsmaterial, das verteilt, gemailt oder verschickt werden kann. Gut zur Information von Mitmenschen geeignet sind auch Artikel und Dokumente, die im CSN Blog und auf der CSN Webseite zu finden sind.

Einige der an MCS Erkrankten haben sich für den Aufklärungsmonat Mai bereits ein kleines Infopaket zusammengestellt und verteilen es an ihre Ärzte, Krankenkassen, Behörden und Institutionen. Nachfolgend einige Tipps und Tools, falls Ihr ebenfalls tätig werden wollt.

MCS Infobroschüre
Die CSN Infobroschüre über MCS ist eine einfache Möglichkeit, um gezielt und fundiert über MCS zu informieren. Die Broschüre kann über Link als download ausgedruckt werden: MCS Infobroschüre

Wer größte Mengen der Infobroschüre verteilen möchte, kann sich die gedruckte Version von CSN gegen Unkostenbeitrag anfordern. Die Flyer wurden professionell auf hochwertigem Papier gedruckt.

Wichtige Dokumente über MCS
MCS ist als körperlich bedingte Krankheit und als körperliche Behinderung in Deutschland anerkannt. Vielen Behörden, Institutionen und Ärzten ist dies nicht bekannt. Teilweise liegt die Ursache hierfür in Fehlinformationen begründet, die durch industriegesteuerte Interessengruppen immer wieder gezielt gestreut werden. Das soll nicht zur Verzweifelung führen, denn jeder kann aktiv mithelfen, diesen Missstand nachhaltig zu ändern.

MCS als körperlich bedingte Krankheit klassifiziert
MCS ist als Krankheit mit dem ICD-10 Code T78.4 von DIMDI (stellvertretend für die WHO in Deutschland) einklassifiziert. Im Schreiben von DIMDI an CSN kann nachgelesen werden, dass MCS als körperlich bedingte Krankheit registriert ist und nicht, wie vielfach gerne hingestellt, als psychisch bedingte Krankheit. Die beiden nachfolgenden Schreiben stehen als download zum Ausdrucken bereit und sollten in keinem MCS-Informationspaket fehlen.

DIMDI – MCS, CFS, FMS nicht als psychisch bedingte Krankheiten einklassifiziert

DIMDI – MCS nicht als psychische Krankheit einklassifiziert

Was es mit dem ICD-10 auf sich hat und welchen Stellenwert dieser Krankheitscode hat, kann im Artikel MCS  – Multiple Chemical Sensitivity – WHO ICD 10 T78.4 nachgelesen werden.

MCS – Multiple Chemical Sensitivity – WHO ICD 10 T78.4

MCS ist keine „Somatisierungsstörung“
MCS ist eine körperliche Behinderung und kann im Einzelfall als Schwerbehinderung bis 90% anerkannt werden (Ziffer 26.18). Von Gutachtern, MDK’s und manchen Behörden wird behauptet, dass MCS eine „Somatisierungsstörung“ sei und als psychische Krankheit bewertet. Das ist vom Bundesministerium nicht gewollt und wurde Ende letzten Jahres schriftlich mitgeteilt.

Folgender Artikel gibt nähere Informationen und bietet das Originalschreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales als download bereit:

Die Psychiatrisierung von MCS-Kranken stellt in Deutschland den Tatbestand der Diskriminierung körperlich Behinderter dar

Informative Artikel über MCS zum Weiterreichen
In gewissen Situationen ist mancher Erkrankte überfordert, groß zu erklären, was MCS ist, warum, weshalb, woher, etc. Für solche Situationen kann man sich mit ein paar Kopien von wichtigen Fakten über die Krankheit  MCS vorbereiten. Im CSN Blog findet sich für jeden eine ganze Reihe von Artikeln, die auf verständliche Weise näher bringen, was MCS ist und was es bedeutet, an dieser Krankheit erkrankt zu sein. Nutzt die Suchfunktion, um Artikel für ein individuelles Infopaket zusammenzustellen.

Eine gute Idee zum Schluss
Clarissa, die im CSN Forum sehr aktiv ist, hatte eine gute, leicht zu realisierende Idee. Sie hat in Ihren E-Mails für den MCS Aufklärungsmonat eine Fußzeile (viele geben ihren Namen dort ein) mit entsprechenden Links zum Informieren über MCS eingerichtet. Diese Idee kann jeder leicht umsetzen. Stellt Euch vor jeder von uns schickt einen Monat alle seine Mails mit einer MCS Info Fusszeile, wieviele Menschen wir damit erreichen. Ein Beispiel wie es aussehen könnte:

Der Monat Mai ist als weltweiter Aufklärungsmonat für MCS- Multiple Chemical Sensitivity ausgerufen.
MCS ist eine real existierende Krankheit und schwere Behinderung. MCS trägt den Krankheitsdiagnosecode WHO – ICD 10/ T78.4. Dieser Code steht für eine körperlich bedingte Krankheit.

Bitte verfolgen Sie intensiv den Blog auf CSN: www.csn-deutschland.de/blog und helfen Sie mit im Mai über MCS zu informieren. Vielen Dank!

Demnächst, …noch effektiver informieren
Im Verlauf des Monats werden wir einige weitere Informationsmittel zur Verfügung stellen, die jedem, der über Chemikalien-Sensitivität und chemikalieninduzierte Krankheiten aufklären möchte, eine Hilfe sein werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. Mai 2009

CSN jetzt auch auf Twitter

csn-canary

Social Networking ist ein Trend, der viele Lebensbereiche erfasst hat und hilft Brücken zu schlagen. Twitter ist eine solche Plattform die dazu dient, Menschen zu verbinden und das Kommunizieren von Informationen vereinfacht. Mit maximal 140 Zeichen teilen Menschen sich gegenseitig wichtige, spannende, dramatische oder einfach nette Infos mit. Jeder wie er gerade in Stimmung ist.

Wen man auf Twitter trifft? Vom Bekannten bis zum hochrangigen Politiker oder berühmten Schauspieler, einfach jeden, der anderen gerne mitteilt. Große Firmen, Zeitungen oder Fernsehsender nutzen ebenfalls Twitter.

Auch CSN ist Teil der Twitter Community. Ihr noch nicht? Dann schaut schnell auf Twitter vorbei und werdet auch Teil der internationalen Gemeinschaft.

CSN – Chemical Sensitivity Network findet Ihr unter

Bis bald, wir sehn uns auf Twitter!

Weiterer U.S. Gouverneur setzt sich für Aufklärung über MCS und toxisch bedingte Schädigungen ein

Gouverneur von Maryland unterstützt UmweltkrankeAufklärung über toxisch bedingte Gesundheitsschäden und Chemikalien – Sensitivität kann eine Chance für die ganze Gesellschaft bedeuten. Das sehen in den USA immer weitere Gouverneure und sprechen sich dafür Kraft ihres Amtes aus.

Aktuell hat Martin O’Malley, Gouverneur des U.S. Bundesstaates Maryland, eine Proklamation für den MCS Aufklärungsmonat unterzeichnet. Gov. O’Malley ist damit der zwanzigste Gouverneur, der in diesem Jahr für gezielte Aufklärung hinsichtlich toxisch bedingter Gesundheitsschäden und Chemikalien – Sensitivität aufruft.

In seiner Proklamation schreibt Gouverneur O’Malley, dass er stolz sei, dass Maryland sich anschließt und so mithilft, für verstärkte Aufklärung und Forschung über die Ursachen, Diagnostik, Behandlung und Prävention toxisch bedingter Gesundheitsschäden einzutreten, denn „Wissen sei Macht“, und Macht sei Wissen, das kostbare Leben retten könne.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 21. April 2009

Motivationen, Menschen mit Multiple Chemical Sensitivity /MCS als psychisch krank zu erklären

Die Frage ist WARUM?

Menschen, die auf geringe Spuren von Alltagschemikalien reagieren und an Chemical Sensitivity /MCS erkrankt sind, berichten häufig, dass sie von Ärzten, Sachbearbeitern bei Behörden oder Krankenkassen, von Mitmenschen und sogar bei Gericht, ohne dass irgendein ein medizinischer Nachweis vorliegt, als psychisch krank abgestempelt werden. Erkrankte berichten auch, dass ihnen gegenüber oder sogar in Berichten und Befunden behauptet wird, die Krankheit MCS sei eine psychische Krankheit.

Dies geschieht, obwohl die Arbeitsgruppe Medizinische Klassifikation im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit DIMDI, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, die Krankheit Multiple Chemical Sensitivity (MCS) im ICD-10 folgendermaßen codiert hat:

MCS – Multiple Chemical Sensitivity T78.4

…Allergie, nicht näher bezeichnet; Kapitel 19 (Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen), Abschnitt T66-T78 (Sonstige und nicht näher bezeichnete Schäden durch äußere Ursachen).

Das DIMDI, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, teilt explizit mit: „Eine Zuordnung der o. g. Erkrankungen zum Kapitel 5 (Psychische und Verhaltensstörungen) ist seitens der ICD-10-GM nicht vorgesehen.“

Dies geschieht, obwohl Multiple Chemical Sensitivity / MCS in Deutschland als körperliche Behinderung (Ziffer 26.18) anerkannt ist.

Dies geschieht, obwohl MCS seit 1945 bekannt ist und über 400 Studien bzgl. Chemikaliensensitivität veröffentlicht wurden, die von einer körperlichen Ursache der Erkrankung MCS ausgehen.

Thommy’s Blogfrage der Woche:

  • Was glaubt Ihr, welche Motivation und Gründe stecken dahinter, wenn MCS Kranke von Medizinern ohne eingehende Fachkenntnisse in Psychologie und über Chemikalien-Sensitivität pauschal ohne gezielte Untersuchung als psychisch krank abgestempelt werden?
  • Was steckt dahinter, wenn Sachbearbeiter bei Behörden und Krankenkassen in Berichten schreiben, der an MCS Erkrankte leide nur unter einer psychischen oder psychiatrischen Krankheit?
  • Was motiviert diese Menschen ohne profundes Fachwissen, MCS Kranke als psychisch krank abzustempeln?

Ministerium bietet CFS Kranken besondere barrierefreie Teilnahmemöglichkeit bei Kongress für Forschungsvorhaben

Barriererfreie CFS Konferenz

Die amerikanische Bundesbehörde „Centers for Disease Control and Prevention“, veranstaltet am 27. April eine öffentliche, barrierefreie Konferenz zur Planung weiterer CFS Forschungsvorhaben. Das Besondere daran ist, dass CFS und MCS Kranke per Telefon an der ganzen Konferenz teilnehmen können.

Chronische Erschöpfung, CFS – Chronic Fatigue Syndrome gehört zu den Krankheiten, für die noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Wenn auch Studien der letzten Jahre zahlreiche Erkenntnisse erbrachten und darlegten, dass es sich bei CFS um eine körperlich bedingte Krankheit handelt, so sind doch noch zu viele Fragen offen, um Menschen, die unter chronischer Erschöpfung leiden, richtig gezielt helfen zu können.

Barrierefreie Konferenz für CFS Kranke
Die amerikanische Bundesbehörde „Centers for Disease Control and Prevention“, die dem US Ministerium für Gesundheit untersteht, veranstaltet am 27. April 2009 eine öffentliche Konferenz zur Planung weiterer CFS Forschungsvorhaben. Das Besondere daran ist, dass die Konferenz dahingehend barrierefrei ist, dass CFS Kranke, die in Atlanta nicht vor Ort sein können, die Möglichkeit gegeben wird, per Telefon an der ganzen Veranstaltung teilnehmen zu können. Für viele CFS Kranke bietet diese Modalität die einzige Möglichkeit zu partizipieren, denn ein Großteil der Betroffenen ist zu krank, zu erschöpft, um zu reisen oder auch nur einige Stunden an einer Konferenz teilzunehmen. Erschwerend leidet ein Teil der CFS Kranken gleichzeitig unter Chemikalien-Sensitivität / MCS, was es oft sehr schwierig oder unmöglich macht zu reisen und Konferenzgebäude aufzusuchen.

Gemeinsamer Entwurf für zukünftige Forschung
Auf der anberaumten CFS Konferenz soll gemeinsam der Entwurf einer Strategie für ein komplettes Forschungsprogramm, das über fünf Jahre laufen soll, erarbeitet werden. Ziel ist, Studien verschiedener Bereich zu definieren, um die CFS Forschung effektiver voranzutreiben. Folgende Bereiche sollen bei der Forschungsplanung abgedeckt werden:

* Studien genau definierter Bevölkerungsgruppen
* Patientenregister basierend auf Versorgungsbereiche
* Klinische Studien an Krankenhäusern
* Laborstudien
* Forschungsstudien zur Aufklärung der Versorgungsbereiche und der Öffentlichkeit

Durch Konferenzschaltung barrierefrei
Für Personen, die per Telefon teilnehmen möchten, wird eigens eine Konferenzschaltung bereitgestellt. Diese Teilnehmergruppe kann dadurch die volle Veranstaltung anhören und erhält zusätzliche Zeit, um per Telefon Kommentare einzugeben. Personen, die vorhaben Kommentare einzugeben, werden lediglich gebeten, vorab eine schriftliche Benachrichtigung mit ihren Kontaktdaten einzureichen und erhalten dann nähere Informationen über den Ablauf.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 18. April 2009

Literatur:
Centers for Disease Control and Prevention, CDC seeks input to shape a CFS strategic research plan, 16. April 2009

Erste Ansatzpunkte für Barrierefreiheit für MCS-Kranke

Chemikaliensensible Frau mit Schutzmaske

Wann kommt Barrierefreiheit für MCS-Kranke?

Die geltende UN-Behindertenkonvention legt fest, dass alle Menschen- und Bürgerrechte auch für Menschen mit Behinderungen uneingeschränkt gelten. Dies ist seit vergangenem Monat auch für Deutschland völkerrechtlich verbindlich. Als Vertragsstaat verpflichtet sich die Bundesrepublik, allen Behinderten eine gleichberechtigte Teilhabe an Arbeit, Beruf und Gesellschaft zu ermöglichen. MCS – Multiple Chemical Sensitivity (ICD-10, T78.4) ist in Deutschland als körperliche Behinderung (Ziffer 26.18) anerkannt, somit muss auch diese Behindertengruppe zukünftig integriert werden.

Thommy’s MCS-Blogfrage der Woche:
Wo müsste von Seiten der Behörden zuerst angesetzt werden, um Barrierefreiheit für Menschen mit der Behinderung MCS – Multiple Chemical Sensitivity umzusetzen und dieser Behindertengruppe, die sehr spezielle Bedürfnisse hat, wenigstens ein wenig Teilhabe im Alltag, Beruf und in der Gesellschaft zu ermöglichen?

Schadensersatz: Rekordsumme für Schädigung durch Passivrauch

Rauchen am Arbeitsplatz macht krankIm gestrigen Blog berichteten wir über einen Mann in Japan, der durch Passivrauch seiner Kollegen chemikalien-sensibel wurde und in einem Vergleich 7 Millionen Yen von seinem Arbeitgeber erhielt. Dieser Betrag ist die höchste Summe, die bisher wegen Gesundheitsschäden durch Passivrauch in Japan erzielt wurde. Jetzt standen weitere Details über den Fall in zwei weiteren japanischen Zeitungen.

Kopfschmerzen, Übelkeit durch Zigarettenrauch
Der 35 Jahre alte Mann war als Büroangestellter bei einer Firma für Baumaterialien angestellt gewesen. Im Januar 2007 hatte er seine Arbeit dort begonnen. Von Anfang an rauchten seine Kollegen den ganzen Tag lang sehr stark an ihrem Schreibtisch. Der Angestellte litt sehr schnell unter täglichen Kopfschmerzen und Übelkeit. Er fragte seinen Chef, ob man nicht eine Raucherzone einrichten könne und schilderte ihm, dass es ihm durch den Zigarettenrauch der Kollegen schlecht ginge. Der Chef lehnte dies nicht nur ab, er reagierte auch noch verärgert, trug der Anwalt des erkrankten Mannes vergangene Woche bei Gericht vor. Im November sei der erkrankte Mann dann aus ungerechtfertigten Gründen gefeuert worden.

Nichtraucher diskriminiert
Bei Gericht teilte der Mann mit, dass er von einem älteren Angestellten die Worte um die Ohren gehauen bekam: „Wenn es Dir hier nicht passt, suchst Du Dir besser anderswo einen Job. Wenn wir Rauchverbot im Büro verhängen, dann können auch unsere Kunden nicht rauchen, wenn sie das möchten, und das könnte unser Geschäft schädigen“.

Freiwillige Zahlung für Verursachung von MCS
Die Japan Times berichtet heute, dass der Präsident der Firma damals Reportern gegenüber gesagt hatte, dass der Mann aus gesundheitlichen Gründen gefeuert worden sei und dann man adäquate Schritte wegen es Rauchens eingeleitet hätte. Man hätte sogar einen Luftfilter im Büro aufgestellt.

Der gefeuerte Angestellte hatte daraufhin im Januar 2008 die Firma verklagt und das Gericht erklärte die Kündigung damals für nichtig. Die Firma für Bauteile erklärte sich daraufhin bereit, eine Raucherzone im Büro einzurichten. Als die Gesundheitsbeschwerden des Mannes jedoch anhielten und in eine Chemikalien-Sensitivität durch den Passivrauch mündeten, verklagte er die Firma. Er forderte 23 Millionen Yen Schadensersatz für seine ärztlich attestierte Chemikalien-Sensitivität. Am Sapporo Bezirksgericht in Takikawa erhielt er nun in einer freiwilligen Einigung von seinem ehemaligen Arbeitgeber die Rekordsumme von 7 Millionen Yen (ca. 53.340,000 Euro) zugesprochen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN- Chemical Sensitivity Network, 2. April 2009

Integration von Behinderten am Arbeitsplatz: Lehrer mit MCS – Multiple Chemical Sensitivity und Allergien

Lehrer mit MCS sollte eine Chance haben

Die Integration von Behinderten auf Arbeitsplätzen ist eine wichtige Aufgabe, der sich Behörden weltweit angenommen haben. Lehrer, die unter Chemikaliensensitivität / Multiple Chemical Sensitivity (MCS) leiden, haben es in Schulen nicht leicht. Baumaterialien, die Chemikalien ausdünsten, Parfüms und Duftstoffe von Schülern und Kollegen, chemikalien- und duftstoffhaltige Reinigungsmittel Renovierungsarbeiten, Einsatz von Pestiziden stellen nur einen kleinen Bruchteil der „Barrieren“ dar, mit denen chemikaliensensible Lehrer konfrontiert werden können.
 
Häufig wird eine Lehrkraft mit MCS frühzeitig in Pension geschickt. Ein Verlust, dem das Job Accommodation Network (JAN) entgegensteuert, indem diese, dem Ministerium für Arbeit unterstellte Abteilung, Empfehlungen und Unterstützung zur Integration behinderter Lehrkräfte gibt, auch und insbesondere solchen, die unter MCS und Allergien leiden.

Auf Behinderte und ihre Bedürfnisse eingehen
Das amerikanische Schwerbehindertengesetz sieht vor, Behinderte im Berufsleben besonders zu unterstützen. Eine Unterabteilung des Ministeriums für Arbeit, das Job Accommodation Network (JAN), hat sich dessen angenommen und sorgt dafür, dass Situationen im Berufsalltag erfasst und verbessert werden.

In einer Broschürenserie über Behinderungen in Beruf und Unternehmen geht JAN in einem Sonderheft insbesondere auf die Bedürfnisse von behindertem Lehrpersonal ein und wie man dieser Behindertengruppe helfen kann. Die Behörde motiviert, die aufgeführten Vorschläge nicht als einzige Möglichkeit anzusehen, sondern weitere Möglichkeiten zu schaffen, wenn es einer behinderten Person helfen könnte. JAN führt an, dass die Vorschläge nur eine kleine Auswahl darstellen sollen und das es zahllose weitere Möglichkeiten gäbe, um einem behinderten Angestellten gerecht zu werden. 

Lehrpersonal mit Behinderung – kein Problem
JAN geht von etwa 1,1 Millionen behinderter Lehrkräfte an amerikanischen Schulen, Bildungseinrichtungen und Universitäten aus. Da Lehrkräfte einem hohen Standard entsprechen müssen, um der Vielzahl von Anforderungen zu entsprechen, die sie während ihrer Arbeit gerecht werden müssen, ist es laut der Behörde erforderlich, dass angemessene Anpassungen vorgenommen werden, um es dieser Behindertengruppe zu ermöglichen, ihre Arbeit effektiv durchführen. 

Nicht alle Lehrkräfte, die unter einer Behinderung leiden, benötigen spezielle oder viele Anpassungen des Arbeitsumfeldes, um ihre Arbeit zu verrichten. Manche brauchen überhaupt keine Anpassungen, andere benötigen nur kleine Hilfestellungen, die schon mit einer Anordnung abgetan sind.

Viele Zugeständnisse für eine behinderte Lehrkraft kosten nicht einmal Geld, sie erfordern nur Willen und Kooperation der Menschen im Umfeld. So berichtet JAN von einer Lehrkraft, die unter einem Anfallsleiden litt. Die Lehrkraft hatte ein Haustier, das speziell auf die Erkennung der Anfälle abgerichtet war. An der Schule, an der sie unterrichtete, waren Tiere jedoch verboten. Die Schulleitung fällte eine Einzelerlaubnis und sorgte zusätzlich dafür, dass einige Personen mit dem Tier vertraut gemacht wurden und sich um es kümmerten, während die Lehrkraft einen Anfall hatte und in einem Krankenzimmer lag. Kosten der Maßnahme: 0

Auch Lehrpersonal mit MCS hat eine Chance
Während Lehrpersonal in Deutschland beim Auftreten einer Chemikaliensensitivität erfahrungsgemäß mit massiven Problemen rechnen muss und die Behinderung meist mit Frühpensionierung (oft wird die Erkrankung auf die Psyche abgeschoben) einhergeht, sieht JAN in den USA Unterstützung für Lehrpersonal mit MCS und Allergien vor. Sogar ein Maßnahmenkatalog mit Vorschlägen für Personen mit CFS – Chronic Fatigue Syndrom wurde von der Behörde eingebracht.

Folgende Vorschläge unterbreitet JAN, um chemikaliensensiblen Lehrkräften und solchen mit Allergien das Unterrichten zu erleichtern, bzw. weiterhin zu ermöglichen:

Bei Allergien auf Kreide:

  • Benutzung eines Overhead Projektors
  • Benutzung eines PC Projektors
  • Benutzung einer abwaschbaren Kunststofftafel, die mit ungiftigen Markern beschrieben werden kann
  •  Benutzung eines großen Papierblocks auf einer Staffelei (wie bei Konferenzen üblich)
  • Schaffen einer guten Ventilation, Luftfilter, Luftfilterungsanlage
     

Bei Sensitivitäten gegenüber Reinigungsmitteln, Zigarettenrauch, Pestiziden, Parfüms, Farbe, Teppichboden und anderer Gebäudeausstattung: 

  • Benutzung eines Luftfilters, Installierung einer Luftfilterungsanlage
  • Vermeidung der Reizstoffe, so weit wie möglich
  • Verwendung ungiftiger Anstreichfarbe und von speziellen Reinigungsprodukten, die weniger reizende Alternativen darstellen
  • Entfernung, Austausch oder Entgiftung von bestehendem Teppichboden und Auswahl weniger toxischer Gebäudeausstattung und Versorgungsmaterialien
  • Verbesserung der Ventilation innerhalb des Arbeitsplatzes
  • Benachrichtigung im Vorfeld über Malerarbeiten, dem Einsatz von Pestiziden, damit ein alternatives Arrangement für die Arbeit in dieser Zeit getroffen werden kann
  • Schulung des Umfeldes über Multiple Chemical Sensitivity und was die Erkrankung  bedeutet und wie Duftstoffe den Gesundheitszustand Betroffener beeinträchtigen können
  • Auslagern des Arbeitsplatzes aus Bereichen, in denen sich der Werkraum, das Chemielabor, die Cafeteria oder Parkplätze befinden
  • Ausführung von Reinigungs- und Gebäudeinstandsetzungsarbeiten und Renovierungsarbeiten, wenn das Gebäude leer steht
  • In Betracht ziehen der Einführung eines Duftstoffverbotes
  • Bereitstellung eines Luftentfeuchters, um Schimmelbildung zu verhindern
  • Bereitstellung einer Liste der Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln und anderen chemischen Substanzen, die auf dem Schulgelände zum Einsatz kommen

Integration statt Isolation
Diese Maßnahmen, die von JAN für chemikaliensensibles Lehrpersonal vorgeschlagen wurden, könnten mit ein wenig Willen und Akzeptanz an jeder Schule, jeder Universität durchgeführt werden. Sie käme auch anderen Allergikern sowie chemikaliensensiblen Kindern und Jugendlichen zugute.

Es liegt an den Behörden in den jeweiligen Ländern, sich auf humane Weise einzusetzen und mit dazu beizutragen, dass Barrieren auch für diese bisher nahezu ausnahmslos ausgegrenzte Behindertengruppe eliminiert werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17.03.2009

Literatur:
Job Accommodation Network, Occupation and Industry Series: Accommodating Educators with Disabilities, 18.02.2009

Weitere CSN Blogs zum Thema:

Ministerium für Arbeit fordert Arbeitgeber auf, Angestellte mit MCS zu schützen

Gesundheitsministerium handeltAngestellte, die unter Chemikaliensensitivität (MCS) leiden, benötigen besonderen Schutz am Arbeitsplatz, damit ihre Arbeitskraft erhalten bleibt und damit sie Leistung erbringen können. Das Ministerium für Arbeit in Neuseeland fordert von Arbeitgebern deren volle Kooperation für chemikaliensensible Angestellte.

Ministerium integriert MCS-Kranke am Arbeitsplatz
In seinem Programm für Gesundheit am Arbeitsplatz hat das Ministerium für Gesundheit in Neuseeland auch Angestellte mit MCS – Multiple Chemical Sensitivity berücksichtigt.

Das Ministerium erläutert in seinen Ausführungen über saubere Luft am Arbeitsplatz, dass für den Fall, dass MCS als realer medizinischer Gesundheitszustand bei einem Angestellten festgestellt wurde, bereits eine Exposition, die um ein vielfaches unter dem normalen Standard für Konzentrationen am Arbeitsplatz liegt, gesundheitliche Beschwerden bei diesem Betroffenen hervorrufen kann. Eine Diagnose der Erkrankung basiere im Wesentlichen auf den Angaben einer betroffenen Person und würde in einer Einzelfallentscheidung gefällt. Das Ministerium hebt hervor, dass es bisher keine Möglichkeit gibt, MCS zu beweisen oder die Krankheit bei einem Erkrankten in Abrede zu stellen.

Genereller Schutz auf Basis von MCS kaum möglich
Das Ministerium führt erklärend an, dass die Richtlinien für Konzentrationen von Chemikalien am Arbeitsplatz so ausgelegt sind, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer geschützt sei. Diese Richtlinien würden jedoch immer berücksichtigen, dass es eben, wenn auch sehr wenige, sensitive Menschen gibt, die unterhalb dieser Richtwerte krank machende Auswirkungen verspüren.

In seinen Ausführungen über saubere Luft am Arbeitsplatz gibt das Ministerium erläuternd zu bedenken, dass es finanziell unerschwinglich und wohl auch für Arbeitgeber undurchführbar sei, Arbeitsplätze gänzlich auf ein für MCS-Kranke tolerierbares Niveau auszurichten, da Chemikaliensensible bereits auf Konzentrationen weit unter dem normalen Schwellenwert reagieren.

Eliminieren, isolieren, minimieren
Das Ministerium für Arbeit motiviert daher Arbeitgeber das Möglichste zu unternehmen und wo immer es möglich sei Expositionsquellen an Arbeitsplätzen gänzlich zu eliminieren.

Arbeitgeber sollten hierbei, wie im Health and Safety in Employment (HSE) Act von 1992 vorgesehen, in folgender Reihenfolge vorgehen – Expositionsquellen eliminieren; isolieren; minimieren.

Das Ministerium regt weiterhin an, dass, wenn Expositionsquellen nicht eliminiert werden können, Arbeitgeber zumindest dafür Sorge tragen, dass Expositionen für Arbeitnehmer so gering wie nur möglich seien. Arbeitgeber seien dafür verantwortlich, praktikable Schritte einzuleiten, um Arbeitnehmer vor Expositionen weitgehend zu schützen. Was im Einzelfall als praktikabel anzusehen sei, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, führt das neuseeländische Ministerium an, denn die Anforderungen könnten in der Praxis nie absolut sein.

Verständnis wird auch von Angestellten mit MCS erwartet
Von Angestellten mit MCS erwartet das Ministerium, dass sie am Arbeitsplatz trotz Rücksichtnahme auf ihre Krankheit einsehen, dass es aufgrund ihrer Chemikaliensensitivität einige Arbeitsplätze und Arbeitsräume gibt, wo sie sich nicht aufhalten können.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 11. 03. 2009

Literatur:
Department of Labour, New Zeeland, Clean air – 1.5 Miscellaneous, Occupational Health Tools 2009