Archiv der Kategorie ‘Umweltkrankheiten‘

Paradigmenwechsel in der Medizin zu Gunsten der Umweltmedizin notwendig

Zeitung berichtet über Man mit Chemikalien-Sensitivität

Acht Jahre, bis ein Arzt in der Lage war, die richtige Diagnose zu stellen

In der Rheinischen Post (RP), eine der größten Zeitungen am Niederrhein, erschien Mitte Dezember ein Artikel über einen Mann, der acht Jahre von Arzt zu Arzt ging, bis er endlich die richtige Diagnose erhielt. Er reagiert auf nahezu alle Chemikalien, schon in geringster Konzentration, wie sie nahezu überall im Alltag auftreten. Das wurde jahrelang als psychisches Problem abgetan. Dann erhielt der Rheinländer durch einen Arzt aus Süddeutschland endlich die korrekte Diagnose: MCS – Multiple Chemical Sensitivity. Würde in Deutschland der Umweltmedizin mehr Stellenwert eingeräumt, wären Fälle wie der aktuell in der Rheinischen Post beschriebene vermeidbar.

Körperliche Beschwerden, Psyche sollte schuld sein

Ralf Tollkien war sportlich sehr aktiv, bis er immer mehr Allergien entwickelte. Zu den Allergien kamen immer weitere Gesundheitsbeschwerden, doch kein Arzt war in der Lage, eine korrekte Diagnose zu stellen und festzustellen, was die Ursache ist. Die RP zählt die Symptome auf: „Atembeklemmungen, chronische Müdigkeit, Erschöpfung, Übelkeit, Kopfschmerz und vieles mehr.“

Die Ursache der Erkrankung: Giftiger Kleber

Der studierte Sportwissenschaftler war Trainer in einem Fitnessstudio. Ein Kleber, mit dem der Fußbodenbelag in seiner Wohnung verklebt war, ruinierte seine Gesundheit. Er gaste über Jahre giftige Chemikalien aus, die, wie die Rheinische Post berichtet, zu einem Immunknacks führten.

Keine Hilfe durch die Krankenkasse

Jetzt muss Ralf Tollkien zurückgezogen leben und sich mit dem Geringsten behelfen, auch finanziell. Sein Wohnumfeld möchte er sich schadstoffkontrolliert herrichten, um seine Gesundheit zu verbessern. Doch dem steht das Verhalten der Krankenkasse entgegen. Die Rheinische Post teilt mit, dass dem 52-Jährigen nicht einmal notwendige Dinge wie ein spezielles Bett gewährt werden. Die Krankenkasse würde sich einfach hinter Vorschriften verschanzen, was lebensnotwendig für den umweltkranken Mann ist, stünde nicht zur Debatte. Um sich zu wehren, fehlt ihm jede Kraft.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 3. Januar 2010

Literatur: Rheinische Post: Artikel „Allergie raubt jede Energie“ vom 16. 12. 2009

Die beliebtesten Blogs des Jahres 2009

Top-10 des Jahres 2009 im ESN Blog

Wissenschaftliche Fakten über Umweltkrankheiten, deren Ursachen und Mechanismen werden immer stichhaltiger präsentiert. Im vergangenen Jahr zählten die Veröffentlichungen von Prof. Dr. Martin Pall zu den Highlights im Bereich Umweltmedizin. Ein Artikel über die neue Webseite des Wissenschaftlers belegte den Platz Eins der CSN Blog Top 10 des Jahres 2009.

Auf Platz Zwei landete ein Thema, dass die Menschen weltweit in Atem hielt, die Schweinegrippe. Der Berufsverband der deutschen Umweltmediziner hatte eine Pressemitteilung herausgegeben und auf die speziellen Gefahren eines Schweinegrippen-Impfstoffes für Umwelterkrankte hingewiesen. Der Artikel wurde von CSN ins Englische übersetzt, und in Windeseile transferierten ihn Umweltorganisationen in viele weitere Sprachen, einschließlich Japanisch.

Gefolgt wurde dieser Artikel von einem Bericht über ein Buch von Dr. H.-U. Hill, das die Ursachen von Umweltkrankheiten und vieler chronischer Krankheiten abhandelt, einschließlich Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose. Der Artikel erschien direkt im Anschluss an die Pressemitteilung der Umweltmediziner, was dann auch für dieses Thema zu einem Hype führte.

Zum Lesen der Top 10 des Jahres 2009 bitte anklicken >>>

  1. Wissenschaftler bringt Fakten über die Umweltkrankheiten MCS, CFS, FMS auf neuer Webseite
  2. Berufsverband der Umweltmediziner warnt vor Schweinegrippen-Impfstoff bei Patienten mit Umweltkrankheiten
  3. Neues Buch zeigt Ursachen von Umweltkrankheiten und vieler chronischer Krankheiten auf, einschließlich Alzheimer, Parkinson, MS
  4. Die CSN Silvesterparty ist eröffnet (2008-2009)
  5. Die letzten Monate im Leben der chemikaliensensiblen Angelika S.
  6. Schweinegrippe – Wie schützen wir uns
  7. Hoher Blutdruck, niedriger Blutdruck – Natürliche Hilfe bei Kreislaufproblemen
  8. Die Psychiatrisierung von MCS-Kranken stellt in Deutschland den Tatbestand der Diskriminierung körperlich Behinderter dar
  9. Akupressur – Wirksam, einfach, schnell
  10. Natürliche Hilfe gegen Nackenverspannung, Rückenschmerzen, Hohlkreuz & Co

Die beliebtesten Blogs im Dezember 2009

Top 10 im CSN Blog Dezember 2009

Im Dezember erfolgte im CSN Blog ein öffentlicher Hilferuf für eine MCS-Patientin, die unter völligen Toleranzverlust gegenüber Nahrungsmitteln und Chemikalien leidet. Erschüttert nahmen viele Mitmenschen zur Kenntnis, dass für Umweltkranke in Deutschland keine Klinik existiert, die in der Lage ist, Akutfälle krankheitsgerecht aufzunehmen. Durch den öffentlichen Hilferuf konnte letztendlich ein Platz in einer Umweltklinik für die Hilfe suchende Frau arrangiert werden. Der Hilferuf war der am Häufigsten gelesene Artikel im Dezember und belegte damit den ersten Platz der Top10.

Auf Platz Zwei und Drei gelangten Berichte von Coretta Danzer, einer chemikalien-sensiblen junge Frau, die in der Live Show SternTV mit Günther Jauch aus einem Glaskasten heraus Fragen zum Thema Chemikalien-Sensitivität beantwortete. In den beiden Artikeln berichtet die Tierärztin über ihre Erfahrungen während und nach der Show, als auch zu den Dreharbeiten zur Reportage, die in der Sendung eingeblendet wurde.

Zum Lesen der Top 10, einfach die Artikel anklicken >>>

  1. Öffentlicher Hilferuf für eine MCS-Patientin
  2. Chemikalien-Sensitivität „MCS in SternTV“ Bericht über den Drehtag zur Sendung
  3. SternTV Gast mit Chemikalien-Sensitivität berichtet über ihre Erfahrungen in und nach der Sendung
  4. MCS-Schutzengel Aktion: Weihnachten, es denkt wer an Dich
  5. Bundesministerium für Gesundheit zum aktuellen MCS-Notfall
  6. CSN Silvester-Party
  7. Weihnachtsbäckerei für Allergiker: Kokosmakronen glutenfrei
  8. Wenn die Galle überläuft: Natürliche Hilfe bei Gallensteinen, Gallenkolik & Co
  9. Berufsverband der Umweltmediziner warnt vor Schweinegrippen-Impfstoff bei Patienten mit Umweltkrankheiten
  10. Die letzten Monate im Leben der chemikaliensensiblen Angelika S.

Feuerwerk: Gesundheitsgefahr durch Feinstaubproblematik

Feuerwerk belastet Gesundheit und Umwelt - Feinstaubproblematik

Feuerwerk ist – neben allen anderen zur Genüge bekannten Problemen wie z.B. Explosionsschäden, Verbrennungen, Augen- und Ohrenschäden, Kinderarbeit etc. – in erster Linie ein Feinstaubproblem! Die Feinstaubwerte über den Nationalfeiertag der Schweiz sowie an Silvester belegen dies auf eindrucksvolle Weise.

Bei der Verbrennung von Feuerwerkskörpern (Kracher, Raketen, etc.) wird eine Mischung an chemischen Stoffen explosionsartig freigesetzt. Beim Abbrennen laufen zwischen den vermengten Stoffen chemische Reaktionen ab; dabei bilden sich eine Vielzahl neuer Substanzen unbekannter Zusammensetzung und Giftigkeit. Dadurch, dass die stark zerklüftete Oberfläche der feinen Staubteilchen eine Anlagerung von weiteren toxischen Substanzen ermöglicht, die so in den Körper getragen werden, verstärkt sich die gesundheitsschädigende Wirkung des Staubes. An Feiertagen, an denen viel Feuerwerk abgebrannt wird, sind es primär Schwermetallverbindungen, die sich an den Staubpartikeln festsetzen.

Fakt ist:

Es gibt grössere Feinstaubquellen als Feuerwerk; doch es gibt keine Feinstaubquelle, die wie Feuerwerk binnen kürzester Zeit eine Feinstaub-belastung erwirkt, welche den Feinstaubgrenzwert um das 30-fache  (z. B. Feinstaubwerte Nationalfeiertag Schweiz) und mehr überschreitet.

Feinstaub kann nicht nur bestehende Krankheiten verschlimmern, sondern auch neue hervorrufen, dadurch betrifft die Feinstaubproblematik uns alle und kann nicht als das Problem einiger weniger abgetan werden.

Ein Schwellenwert für Feinstaub, unter welchem keine schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit auftreten, wurde bis heute nicht gefunden.

Gesundheitliche Einbussen durch hohe Feinstaubbelastungen erleiden als Erste:

  • Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder
  • Personen mit Erkrankungen der Atemwege (Asthma, COPD/Chronic Obstructive Pulmonary Disease, Lungenemphysem, -krebs etc.) und des Herzkreislaufsystems
  • Personen mit Persistent Hyperreactivity (multiple chemical sensitivity, TILT/Toxicant-Induced Loss of Tolerance, CFS/Chronic Fatigue Syndrome, Fibromyalgie etc.) und Low-Dose RADS/Reactive Airways Disfunction Syndrome
  • über 65-Jährige

Eine akut erhöhte Partikelbelastung kann zu folgenden Gesundheitsauswirkungen führen:

  • entzündliche Prozesse
  • gravierende Intoleranz-Reaktionen der Lunge mit ebenfalls schwerwiegenden Folgereaktionen sämtlicher Körperorgane
  • negativen Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem (z.B. Herzinfarkt)
  • Zunahme des Medikamentengebrauchs
  • Zunahme der Krankenhauseinweisungen wegen Atemwegs- und Herzkreislaufproblemen
  • erhöhte Sterblichkeit

Eine grobe Fraktion von PM10, (die Masse aller im Gesamtstaub enthaltenen Partikel mit aerodynamischem Durchmesser kleiner als 10 µm) ist stärker mit Husten, Asthmaanfällen und respiratorischer Mortalität assoziiert (vor allem akute Wirkungen), dagegen sind die feinen Anteile stärker mit Herzrhythmusstörungen und kardiovaskulärer Mortalität korreliert.

Feuerwerk und die Tage danach

In Zeitreihenstudien treten Wirkungen auf die respiratorische Mortalität einen Tag nach der erhöhten Partikelbelastung auf. Wirkungen auf die kardiovaskuläre Mortalität sind nach etwa 4 Tagen am stärksten sichtbar.

Die Partikelgröße bestimmt ihre Verweildauer in der Atmosphäre. Während PM10 binnen Stunden durch Ablagerung und Niederschlag aus der Atmosphäre verschwinden, können PM2.5 Tage und Wochen in ihr schweben. Folglich können diese Partikel über weite Strecken transportiert werden.

Feinstaub kommt durch jede Ritze

So lange unsere Häuser nicht luftdicht sind, reicht für gesundheitlich Schwerstbetroffene der Aufenthalt hinter geschlossenen Türen und Fenstern als Schutz vor Feuerwerksemissionen meistens nicht aus.

Mediziner setzt Politik in Kenntnis

Dr. med. G. Schwinger aus Deutschland beschreibt diese Problematik in seinem Brief vom 22.12.2004 an die Bundesfraktion Bündnis 90/Die Grünen auf eindrucksvolle Weise:

„… Wir betreuen Patienten/innen, die (unabhängig von Allergien) bereits an einer erworbenen hochgradigen Intoleranz leiden, die dann zu einem spez. hyperreagiblen Bronchialsystem und Gefäßsystem führt mit der gravierenden Folge spez. undiff. systemischer Misch-Kollagenosen mit Overlap-Syndromen, verursacht insbesondere durch Pyrolyseprodukte und (hauptsächlich deren) Feinstäube. … Diese Patienten/innen müssen bereits am 30.12. d.J. sämtliche Türen und Fensterspalten (natürlich nur unzureichend) mit spez. Tapes zukleben, weil durch die o.g. extrem lebensgefährlichen Explosionen i.S. eines >>Over-Exposure<< (in den Aussenbereichen der Wohnungen) auch erhebliche Innenraumbelastungen auftreten, die dann zu neuerlichen schweren inhalativen Intoxikationen im Niedrig-dosis-bereich führen – mit generalisierten neuro-endokrinen und immun-vaskulären systemischen Folgereaktionen. Für diese Patienten/innen sind die Tage um Silvester insofern – nahezu regelmässig – eine einzige grosse gesundheitliche Katastrophe – für Tage und Wochen. …“

Anm: Der ganze Brief kann bei Stop Fireworks nachgelesen werden.

Gesundheitsschädliches Potential ist wissenschaftlich abgehandelt

Es gibt mittlerweile genügend neuere wissenschaftliche Arbeiten, die diese Feuerwerksproblematik belegen, wie z.B.:

„Ambient air quality of Lucknow City (India) during use of fireworks on Diwali festival“, 2008, by Barman SC et al.

„Emissions and accumulation of metals in the atmosphere due to crackers and sparkles during Diwali festival in India“, 2004, by Kulshrestha UC et al.

„Recreational atmospheric pollution episodes: Inhalable metalliferous particles from firework displays“, 2007, by Moreno T et al.

„Short-term variation in air quality associated with firework events: a case study“, 2003, by Ravindra K et al.

„The impact of fireworks on airborne particles“, 2008, by Vecchi R et al.

„Heavy metals from pyrotechnics in New Years Eve snow“ 2008, by Steinhauser G et al.

Mehr Informationen zu diesem Thema lassen sich unter „Wissenschaftliche Artikel“ auf Stop Fireworks finden.

Deutsche und Schweizer Behörden warnen vor Feuerwerk

U.a. empfehlen mittlerweile Schweizer Behörden, Menschen mit Erkrankungen der Atemwege und Kreislauferkrankungen sollten Feuerwerke meiden. Das Umweltbundesamt/Deutschland äusserte sich im November 2007 im Hintergrundpapier „Zum Jahreswechsel: Wenn die Luft „zum Schneiden“ ist“ zur Feuerwerks-Feinstaubproblematik und appellierte gleichzeitig an die Bürger/Innen, als Beitrag zur Verminderung der Feinstaubbelastung in der Silvesternacht das persönliche Feuerwerk einzuschränken oder sogar ganz darauf zu verzichten.

Auch die American Lung Association warnt vor Feuerwerk

Die American Lung Association of Hawaii rät Lungenkranken seit Jahren, während der schlimmsten Feuerwerkerei zuhause bei geschlossenen Türen und Fenstern und mit laufender Klimaanlage oder Luftreinigungsapparat zu bleiben und eine Gesichtsmaske zu tragen, um die Raucheinatmung zu verringern. Dieses Jahr verkündet das National Epidemiology Center/Philippinen dasselbe. etc.

Dem Schutz der Gesundheit und Umweltschutz Priorität einräumen

Das heisst, dass sich sowohl zumindest manche Behörden als auch zumindest Teile der Ärzteschaft absolut darüber im Klaren sind, wie schädlich Feuerwerksemissionen sind.

Ob Feuerwerk „richtig“ oder „falsch“ abgebrannt wird, von Laien im Hinterhof oder von speziell dazu Ausgebildeten als Grossfeuerwerk: die Emissionen bleiben letztendlich dieselben. Bereits ein kleines Feuerwerk (unter dem Jahr) kann in seiner näheren Umgebung zu einer erheblichen kurzzeitigen Erhöhung der Feinstaubwerte führen.

Die Begeisterung für Licht und Knall von Feuerwerk darf nicht dazu führen, das Umweltverschmutzungspotential von Feuerwerk zu ignorieren. Feinstaubempfindliche Menschen dürfen auf keinen Fall als „Kollateralschaden“ der Feuerwerkerei einiger weniger billigend in Kauf genommen werden.

Umweltschutz und Pläne zur Reduktion von Feinstaub ohne Einbezug von Feuerwerk werden zur Farce und unglaubwürdig.

Unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Problematik, die die „Feinstaubschleuder“ Feuerwerk mit sich bringt, muss Feuerwerk ganz klar verboten werden!

Autor: Susanne von Dach, www.stop-fireworks.org für CSN – Chemical Sensitivity Network, 29.12.2009

Konzept für einen MCS – Fond

Konzept für einen MCS-Fond

Es wurde die Frage gestellt, ob die Positionierung von MCS mit der Nothilfe für lebensbedrohliche Fälle unter ein Dach passe.

Antwort: es geht gar nicht anders.

Nothilfe ohne Konzept ist die MM-Methode: Moral und Mitleid. Diese Methode führt seit 15 Jahren nicht voran. Es ist ohne Weiteres möglich, für ein Kind mit einer besonderen Spastik, die nur auf eine Delphintherapie positiv reagiert, in einer TV-Gala reichlich Spenden zu sammeln. Bei einem Massenphänomen (MCS: schwere Fälle 3,5% der Allgemeinbevölkerung 12 – 25% moderate Erscheinungsformen,) ist das etwas ganz anderes. Ein ernstes gesellschaftliches Problem wird gern verdrängt: MCS? Das sind doch diese Spinner! Letztlich ist die Sache zu groß, um sie mit Spenden regeln zu können. Ohne Konzept wird „Nothilfe“ nur wenig Geld nur von Betroffenen und deren Anhang sammeln können. Also zu wenig für nichts.

Ein Konzept, dass auch Gesunde (oder eingebildete Gesunde) überzeugen kann, sollte in der Lage sein, Unterstützung durch verantwortlich denkende Menschen zu erlangen. Die starken Positionen für MCS sind:

  • der hohe Grad der wissenschaftlichen Erkenntnis
  • die Möglichkeit adäquater medizinischer Versorgung
  • die Rechtsrelevanz des Standes der Wissenschaft.

Das Notwendigste zum Stand der Wissenschaft findet sich in der Ärzteinformation.

Der Fond wird dann ernst genommen, wenn deutlich wird, dass er handfeste Rechte durchsetzen will (Versicherungen und Menschenwürde) und auch kann, weil er den Stand der Wissenschaft ins Feld führt, der bisher nicht einmal diskutiert wurde.

Ein gesellschaftlich relevantes Konzept und Erfolg des Fond entsprechen sich demzufolge gegenseitig.

Das Projekt steht und fällt mit der Frage der Aktivisten: es müssen einige Leute diese Konzept faktensicher propagieren können. Die Fakten sichern quasi nebenbei, dass Kleingezänk außen vor gehalten werden kann. Willkommen ist nur, wer das Konzept sachbezogen unterstützt. Ein „ich auch“ genügt dann nicht, denn die Gruppe muss die Spenden sammeln und muss dazu die entscheidenden Argumente auch auf kritische Nachfrage erläutern können.

Für die Sicherung des Konzepts braucht die Fondsatzung sicher eine Präambel, die das Konzept umreißt, etwa:

MCS wurde 1948 durch den Allergologen Theron Randolph entdeckt. Er registrierte, dass manche Allergiker dann nicht reagierten, wenn die Testsubstanzen aus wild gewachsenen Früchten gewonnen worden waren. 1962 hat Randolph dies ausführlich publiziert. 1966 hat eine Neurologin (E. Kailin) erstmals doppelblind, elektrophysikalisch nachgewiesen, dass es Patienten gibt, die auf Dosen unterhalb des amerikanischen Durchschnitts reagieren. In den 70er Jahren wurde ein neuer Allergietest zu diesem Problemkreis entwickelt (Miller 1977). In den 80er Jahren wurden die immunologischen und neurologischen Mechanismen weiter vertieft. 1987 definierte der amerikanische Arbeitsmediziner Cullen erstmals Diagnosekriterien für MCS. 1992 wurde MCS durch die WHO klassifiziert und zwar als erworbene organische Erkrankung (s. Ärzteinformation). 1992, 1994, 1996 und 1997 wurden die vier Bände des Standardwerks „Chemical Sensitivity“ von William Rea veröffentlicht (ca. 3 000 Seiten). 1998 publizierte Pall erstmals ein Modell, das eine pathologische Chronifizierung der Stoffwechselprozesse erklärt. Dies erklärt sowohl die Krankheitsbilder von CFS als auch MCS. In der Folgezeit konnte Pall auch zeigen, auf welche Weise  unterschiedliche Stoffklassen, die primär auch sehr unterschiedlich wirken, letztlich jene Sensitivität und chronische Erschöpfung erzeugen, die für diese Krankheitsbilder typisch sind.

Die Psychodebatte blockiert diese Diskussion und enthält so den Erkrankten eine adäquate medizinische Versorgung vor. Sie begann erst, als die abschließende wissenschaftliche Entscheidung schon gefallen war.  Gutachten, die MCS als Befindlichkeitsstörung, IEI oder dergl. bezeichnen sind falsch. Die Psychodiskussion hat weit reichende rechtliche Folgen. Letztendlich nimmt sie den Patienten die Menschenwürde und in der Folge ihre Rechte aus abgeschlossenen Versicherungen und ihre Rechte auf eine adäquate medizinische Versorgung.

Die therapeutischen Ansätze leiten sich aus diesem Erkenntnisbild ab. Sie sind noch komplexer als die Pathomechanismen. Es ist dringend geboten, dass sie vorrangig vertieft diskutiert werden.

Der Fond soll diese Schieflage korrigieren. Er muss es auch, wenn er pekuniär erfolgreich sein will.

Der  Zweck des Vereins muss deshalb in einem ersten Schritt folgende Ziele enthalten: rechtliche Umsetzung des Standes der Wissenschaft, Erstellung einer Dokumentation aller Todesfälle mit der Diagnose MCS, Planung und Errichtung von Gebäuden, die geeignet sind, Personen aufzunehmen, die in anderen Räumen nicht mehr leben können.

Der letztere Punkt – im Plural – dürfte den Fond überfordern, aber ein Beispiel (ein Gebäude) als Vorzeigeprojekt ist in Deutschland möglicherweise vonnöten und bei Entfaltung des Konzepts auch machbar, um den Schweizer Weg auch hierzulande einzuleiten. Offensichtlich hat Christian Schifferle es vermocht, den Verantwortlichen klar zu machen, dass man mit Menschen mit MCS nicht so umgehen kann, wie es bisher die Praxis ist. In Deutschland ist das eigentlich durch die Verfassung garantiert. Das heißt aber nicht, dass diese Garantie automatisch greift – ein Rechtsstaat lebt von der Auseinandersetzung und zwar professionell und auf höchster Ebene. Die Garantie gibt es also nicht umsonst.

Es folgt  ein 10. Blog zur Menschenwürde und der Konstruktion des Rechtsstaates. Danach brauche ich eine Auszeit, um mein Buch endlich in Form zu bringen.

Autor: Dr. Tino Merz, Sachverständiger Umweltfragen für CSN – Chemical Sensitivity Network, 28. Dezember 2009

Vorhergehende Blogs zur Serie und zum Thema:

Weiterführende Informationen:

„Maske auf“ – Eine Sekundengeschichte

„Maske auf!“, rief der Mann seiner Frau zu, die einige Meter hinter ihm lief.

„Immer noch?“, hörte er ihre ungeduldige, durch die Maske gedämpfte Stimme.

Der Mann zog intensiv die Luft durch seine Nase und analysierte sie genau, ob sie noch nach einem Parfüm oder Weichspülergeruch der Passanten roch. Er blickte aufmerksam nach vorn, ob nicht ein Passant entgegenkam oder eine Rauchwolke zu sehen war. Erst dann gab er Entwarnung.

Die Frau riss sich erleichtert die Maske vom Gesicht und sog die frische Luft genussvoll ein.

Die Augen des Mannes erspähten von weiten einen entgegenkommenden Passanten. Er wollte gerade „Maske auf!“ rufen, doch dann sah er, dass es ein alter Mann war. Die riechen fast nie…

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 26. Dezember 2009

Weitere Gedichte und Geschichten von Gerhard:

Zeitkritisches Gedicht: Verfluchtes Pack * Gedicht: Was bleibt von mir? * Gedicht: Selbstdiagnose * Gedicht: Nur weil ich hinabsteige * Gedicht: …und dann endlich * Ein Lächeln * Gedicht: Deine Atemzüge * Gedicht zum Blog Action Day: Habe Durst * Gedicht zum Blog Action Day: Immer noch nicht verstehen wollend * Lass uns über Realitäten reden

stern-TV Gast mit Chemikalien-Sensitivität berichtet über ihre Erfahrungen in und nach der Live Sendung

Studiogast - Die chemikaliensensible Tierärztin Coretta DanzerDie Tierärztin Coretta Danzer ist chemikaliensensibel, sie reagiert auf Chemikalien im Alltag mit vielfältigen körperlichen Beschwerden. Die Krankheit wird in der Medizin als MCS – Multiple Chemical Sensitivity bezeichnet. Sie tritt besonders in Industrieländern auf und betrifft laut wissenschaftlicher Studien zwischen ca. 15-30% der Gesamtbevölkerung in unterschiedlichem Schweregrad. Ungeachtet dessen wird die Krankheit in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Dies war für Coretta Danzer der ausschlaggebende Grund, sich bereit zu erklären, zusammen mit dem Umweltmediziner Klaus Runow in der beliebten TV-Sendung stern-TV über die Umweltkrankheit zu berichten. In der Live Sendung mit Günther Jauch wurde den Zuschauern zur Verdeutlichung eine Filmreportage gezeigt, die einen Einblick gab, was es bedeutet, mit MCS zu leben. Für Coretta Danzer war der Aufenthalt im Filmstudio erwartungsgemäß nicht einfach. Nachfolgend berichtet die Tierärztin, welche Strapazen sie bewältigen musste und wie es ihr jetzt geht.

Studiogast Coretta Danzer:

Es war soweit, am Mittwoch, den 09.12.2009, sollten wir gegen 21.00 Uhr in Hürth bei Köln sein. Mein Mann und ich reisten mit dem eigenen Auto an, da ich nicht mit dem Zug fahren kann. Angekommen riefen wir in der Redaktion an, damit wir vom Auto abgeholt werden konnten. Eine sehr nette junge Frau führte uns dann zu dem Hintereingang des Gebäudes, damit ich so wenig Reizstoffen wie möglich ausgesetzt sei. Doch da stand natürlich doch ein Raucher vor dem Hintereingang, und ich hatte die ersten Probleme.

Ein TV-Studio ist nicht gerade der richtige Ort für MCS-Kranke

Durch das Treppenhaus ging es in den 1. Stock in den Raum, der für mich hergerichtet wurde. Flur und Raum waren mit Nadelfilzteppichboden ausgelegt und nach meiner sofortigen Reaktion in dem Raum, war dieser vermutlich mit Pestiziden behandelt. Ich kam in den Raum und nahm meine Atemmaske von der Nase und beim 3. oder 4. Wort, das ich sagte, ging meine Stimme weg, ich krächzte nur noch heiser und bekam schreckliche Halsschmerzen. Das ist normalerweise meine Reaktion auf Pestizide. Wir öffneten sofort die Fenster und ich nahm meinen Sauerstoff, so dass meine Stimme nach einer Weile wieder kam und nur die Halsschmerzen blieben. Eine Toilette war nur für mich reserviert und wohl auch nur mit heißem Wasser gereinigt worden, roch aber leider dennoch nach „WC-Chemie“.

Netter Empfang

Nun kam auch die nette Reporterin, die bei uns zu Hause war, und begrüßte uns. Sie hatte sich und ihre Kleidung extra duftneutral gewaschen. Sie erklärte uns noch ein wenig den Ablauf und stellte uns Herrn Runow vor, den wir noch nicht kannten. Dann kam Herr Jauch zu uns und lud uns zu einem Essen nach der Sendung ein, welches ich aber gleich dankend ablehnte, da ich mir sicher war, dass ich das nicht mehr schaffen würde.

Was MCS tatsächlich ist, war nicht gefragt

Herr Runow teilte Herrn Jauch mit, was er dann den Zuschauern zu MCS erklären wollte, er wollte Duftbäume mitnehmen und einen aufgeschnittenen Schädel, an dem er zeigen wollte, was bei MCS im Gehirn passiert. Das wollte Herr Jauch aber gar nicht und sagte zu Herrn Runow, dass er das nicht dürfe. Wir waren alle etwas verdutzt.

Ein „Glaskasten“ sollte vor Chemikalien im Studio schützen

Mein Mann und ich wurden schon vor Sendungsbeginn in das Studio gebeten, damit ich einen eigens bereitgestellten Plexiglas-Kasten ausprobieren konnte. Im Studio angekommen, dachte ich, das schaff ich nie. So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt. Es stank schrecklich nach Kunststoffen und sonstigen Sachen, die ich nicht genau definieren konnte. Die Plexiglasbox hatte auch einen massiven Kunststoffgeruch, ich musste stark husten und bekam starke Kopfschmerzen, mir wurde richtig schwindelig und ich war wie benommen. Ich machte meine Sprechprobe in der Box und dann gingen wir sind schnell wieder in den Aufenthaltsraum. Ich war froh, dass ich meinen Sauerstoff hatte, denn ohne den hätte ich das nicht durchgestanden.

Thema MCS wurde trotz Versprechen nach hinten gerückt

Jetzt wurde uns gesagt, dass wir um 23.30 Uhr dran wären, ich war körperlich schon so fertig, dass ich noch nicht einmal protestieren konnte, denn man hatte mir versprochen, dass ich als erster oder spätestens als zweiter Beitrag kommen würde, damit ich nicht solange warten muss. Also saßen wir etwas über 2 Stunden in dem Raum bei offenen Fenstern und ohne Heizung, denn den Geruch der warmen Heizkörper konnte ich nicht tolerieren.

Kaum auszuhaltende körperliche Belastung

In der Werbepause vor dem Beitrag wurden wir dann ins das Studio geholt. Wie auch vorher schützte ich mich auf dem Weg über die Flure und Treppen mit meiner Aktivkohle-Atemmaske, und in dem Plexiglas-Kasten legte ich meinen Sauerstoff an, damit ich nicht husten musste. Der Gestank in der Box war schon schlimm, aber außerhalb war es noch viel schlimmer. Ich sammelte all meine Kräfte und versuchte, mich so gut es ging zu konzentrieren, damit ich die Fragen gut beantwortete. Es war sehr, sehr anstrengend. Mein Kopf war kurz vorm Zerplatzen, meine Augen brannten wie Feuer, genau wie mein Hals und meine Bronchien. Mir war schwindelig und schlecht. Ich wusste gar nicht, zu was ich fähig bin, ich war froh, als der Beitrag vorbei war. Ich musste aber noch in der Box warten, bis wir das Studio verlassen durften, bis der folgende Beitrag fertig war. Wir gingen noch mal in den Aufenthaltsraum, um unsere Sachen zu holen und uns zu verabschieden und fuhren sofort heim.

Der Abend im TV-Studio forderte seinen Tribut

Ab dem Donnerstag nach der Sendung wurden meine Symptome immer schlimmer. Ich hatte über eine Woche lang einen schrecklich ekeligen Plastikgeschmack im Mund, meine Augen brannten genauso lang, der Kopf und der ganze Körper schmerzten stark. Ich zitterte dauernd anfallsweise sehr stark. Bis zum Sonntag nach der Sendung verschlimmerten sich meine Probleme noch dahin, dass ich nichts mehr essen konnte, auch nichts Weiches, ohne Zahnfleischbluten zu bekommen und ein schreckliches, starkes Brennen in Mund, Speiseröhre, Magen und Darm zu verspüren. Meine Mundschleimhaut schwoll an. Ich habe dann vorsichtig Hirsebrei gegessen, den ich noch am Besten vertragen habe. Nach einer knappen Woche mit viel Sauerstoff und meinen mir verträglichen Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln habe ich wieder andere Nahrungsmittel vertragen, die ich vorsichtig ergänzt habe.

Ein harter Preis, um über MCS aufzuklären

Auch zwei Wochen nach der Sendung bin ich noch immer sehr mitgenommen. Ab und zu habe ich noch diesen ekeligen Plastikgeschmack, und ich bin auch noch empfindlicher, als ich es vor der Sendung war.

Ich habe viele E-Mails und Briefe bekommen, die ich noch immer nicht alle beantwortet habe, da mir noch die Kraft fehlt, mich so lange zu konzentrieren und die Antworten zu schreiben. Ich habe mir aber vorgenommen, alle zu beantworten.

Auch diesen Bericht zu schreiben, hat mich viel Kraft gekostet. Ich bin aber gerne bereit, noch spezielle Fragen zu der Sendung zu beantworten.


Autor: Coretta Danzer, CSN – Chemical Sensitivity Network, 22. Dezember 2009

Bericht über Drehtag zur Beitrag:

Chemikalien-Sensitivität – MCS in Stern-TV: Bericht über Drehtag zur Sendung

Bundesministerium für Gesundheit zum aktuellen MCS-Notfall

SOS für eine MCS-Patientin

Am 10. Dezember wurde im CSN Blog ein öffentlicher Hilferuf für eine Frau publiziert, die an schwerer MCS – Multiple Chemical Sensitivity erkrankt ist und unter völligem Toleranzverlust gegenüber Nahrungsmitteln und Wasser leidet. Die 44-jährige müsste dringend in einer Umweltklinik mit aufbauenden Infusionen behandelt werden. Der Versuch, in einer normalen Klinik Behandlung zu erhalten, scheiterte an den Chemikalien, mit denen man in einer Klinik unweigerlich konfrontiert wird. Eine Umweltklinik in Süddeutschland offerierte eine außerplanmäßige Aufnahme der Schwerstkranken am 4. Januar, bis dahin ist ihr Leben weiter in Gefahr. Diese untragbare Situation zum Anlass nehmend, schrieb Frau L. am 13. Dezember den Bundesgesundheitsminister an und bat um Unterstützung:

Sehr geehrter Herr Bundesgesundheitsminister Dr. Rösler,

SOS – ich spreche Sie direkt an, weil ich eine unglaubliche Geschichte vorbringen muss. Seit Wochen sucht Geli Hubernagel und ihr Mann verzweifelt nach medizinischer Hilfe. Die 44 jährige Frau hat eine sehr ausgeprägte MCS (multiple chemical sensitivity) und schwerste Reaktionen auf alle Nahrungsmittel. Ihr Zustand verschlechtert sich sehr stark. Selbst das Trinken von kleinen Schlucken Wasser sorgt ebenfalls für schwere Reaktionen.

Trotz großer Bemühungen blieb jeglicher Versuch, medizinische Hilfe zu bekommen, bisher erfolglos. Leider fehlt mir der Kontakt zu Frau Hubernagel, aber Frau Silvia K. Müller leitet das CNS Deutschland (Chemical Sensitivity Network). Sie hält den Internetkontakt mit der Patientin.

In den letzten Monaten haben 2 Frauen, die in ähnlich hoffnungsloser Situation waren, Selbstmord begangen.

Das Bundesgesundheitsministerium antwortete wie folgt:

Sehr geehrte Frau L,

vielen Dank für Ihre Zuschrift vom 13.12.2009, in der Sie die Situation von Frau Hubernagel schildern.

Bitte haben Sie Verständnis, dass der Minister nicht selbst antwortet. Angesichts der vielfältigen Aufgaben unseres Hauses und der damit verbundenen Verpflichtungen von Bundesminister Dr. Philipp Rösler wird er bei der Beantwortung der zahlreich eingehenden Bürgerbriefe durch ein engagiertes Team von Experten unterstützt. Dies kommt den Bürgern in den meisten Fällen in Form einer zügigen Antwort auf ihre Fragen zugute.

Den Erwartungen, die ich Ihrem Schreiben entnehme, kann das Bundesministerium für Gesundheit leider nicht entsprechen. Bedingt durch die Zuständigkeiten und Befugnisse gibt es hier keine Möglichkeit, den dargestellten Sachverhalt zu überprüfen bzw. eine wertende Stellungnahme abzugeben.

Für die Entscheidungen zur Behandlung einer Erkrankung kann man sich an einen Arzt des Vertrauens wenden. Das Bundesministerium für Gesundheit kann keine individuelle Patientenberatung durchführen, keine Auskunft über Verordnungsmöglichkeiten für den konkreten Einzelfall erteilen und auch keine Arztempfehlungen aussprechen.

Individuelle Fragen kann auch eine Krankenkasse beantworten. Allein sie ist rechtlich befugt und in der Lage, verbindlich zu informieren und konkrete Entscheidungen im Einzelfall zu treffen. Krankenkassen haben die Möglichkeit, das Verhalten eines Arztes von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung überprüfen zu lassen. Falls Sie eine solche aufsichtsrechtliche Überprüfung wünschen, erfahren Sie die Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde bei der Krankenkasse. Man kann sich gemeinsam mit der Krankenkasse oder auch direkt dorthin wenden.

Wenn jemand  mit der Entscheidung oder dem Verhalten einer Krankenkasse nicht einverstanden ist, steht es demjenigen offen, sich an die zuständige Aufsichtsbehörde zu wenden. Bei bundesunmittelbaren Krankenkassen ist dies das Bundesversicherungsamt, Friedrich-Ebert-Allee 38, 53113 Bonn; ansonsten das jeweilige Sozialministerium des Bundeslandes, das auch die Aufsicht über die Gesundheitsversorgung im jeweiligen Bundesland inne hat.

Dieses Schreiben ist im Auftrag und mit Genehmigung des Bundesministeriums für Gesundheit durch das Kommunikationscenter erstellt worden und dient Ihrer Information.

Mit freundlichem Gruß

Gerlind Nestler

Kommunikationscenter

Bundesministerium für Gesundheit

Aktuelle Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit finden Sie unter: www.bmg.bund.de

13-jähriger Junge klärt über die Umweltkrankheit MCS auf

Poster: Was ist MCS? 

Was ist MCS – Multiple Chemical Sensitivity?

 

Canary Report berichtet heute in ihrem Blog über einen pfiffigen 13-jährigen Jungen, der in seiner Schule für das Fach Gesundheit und Umwelt ein Poster über MCS gestaltet hat. Seine Mutti hat MCS und er sagte der Lehrerin, dass er sein Poster gerne über diese Krankheit  gestalten wolle. Die Lehrerin fragte ihn, was denn MCS sei, und er antwortete: „Meine Mutti hat das. MCS steht für Multiple Chemical Sensitivity“. Die Lehrerin schaute ihn mit großen Augen an. Sie willigte ein, und dann begann der Junge mit seinem Projekt. 

Um mit seinem Poster seinen Mitschülern zu vermitteln, was nun MCS ist, forschte er eine ganze Menge. Seine Mutter berichtet stolz, dass sie ihm nicht geholfen habe, weil er das Poster ganz alleine fertig stellen wollte, es sollte sein Projekt sein. Er bat seine Mutter nur zum Schluss um etwas konstruktive Kritik, damit er sicher sein konnte, dass auch Außenstehende die Krankheit verstehen, über die er vermitteln wollte. 

Das Poster ist richtig informativ und toll geworden. Es hing viele Wochen im Eingangsbereich der Schule. Lehrer und Schüler schauten es sich an und lernten, was MCS ist, wodurch man die Krankheit bekommt und auch wie man sie verhindert. Sogar die Auswirkungen auf das Gehirn, die man mittels SPECT Scan sichtbar machen kann, erklärte der Junge. Bei Anschauen des Posters stellte mancher der Betrachter fest, dass er auch schon eine ganze Menge der angeführten Symptome auf Alltagschemikalien hat. 

Susan, die Mutter des Jungen, kann richtig stolz auf ihren Sohn sein und CSN hier in Deutschland ist es auch: Vielen Dank nach USA an einen 13-jährigen Jungen, der einen besseren Job macht, um über MCS aufzuklären, als mancher Mediziner, dessen Job es eigentlich wäre. Bravo! 

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 19. Dezember 2009

Bau eines MCS-Hauses: Materialauswahl, Bauausführung

Bauplatz MCS-Haus

In Teil I der Serie „Planung und Ausführung eines MCS-verträglichen Wohnhauses“ stellte Baubiologe Volkmar Hintze dar, welche Überlegungen vor der konkreten Planung eines Wohnhauses für eine chemikaliensensible Person erforderlich sind. Die Auswahlkriterien für ein Grundstück wurden erläutert, damit es auf lange Sicht ein relatives Optimum darstellt. Im nachfolgenden Teil II werden Materialien beschrieben, die sich als besonders geeignet herausstellten. 

 Ein MCS-Wohnhaus entsteht

Das Objekt wurde als KfW-40 (heute Energieeffizienzhaus 55) Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung und Keller/Nutzungsräumen geplant. Der gesamte Wohnbereich im Erdgeschoß (ca. 130 m²) ist ebenerdig und (überwiegend) behindertengerecht. Das Kellergeschoß (ca. 180 m²) enthält eine Einliegerwohnung und die Kellerräume. 

Materialauswahl und Bauausführung:

Ziel war, ein möglichst schadstoffarmes, energieeffizientes Haus, angepasst an einen MCS-Bewohner, zu errichten. Dabei kamen neben speziellen baubiologischen Materialien auch konventionelle Baustoffe und Materialen zum Einsatz. Das ausschlaggebende Argument für den Einsatz der Materialien war die Schadstoffarmut und Verträglichkeit für einen MCS-Patienten. Es muss an dieser Stelle klar gesagt werden, dass die nachfolgend aufgeführten Materialien und Baustoffe für den individuellen Fall verträglich waren. Andere MCS-Patienten reagieren möglicherweise auf einzelne Baustoffe unterschiedlich. Es ist daher grundsätzlich eine individuelle Auswahl und Prüfung erforderlich. 

Die Auswahl und Prüfung der Materialien in Bezug auf Schadstoffhaltigkeit bzw. Schadstoffemission wurde im Vorfeld auf der Basis von Herstellerangaben, Datenblättern, Internetrecherchen, Zertifikaten (z.B. „NaturePlus“, „Blauer Engel“, „IBR“, „TÜV-Toxproof“, „FSC“, „AUB“), Infoaustausch und Testberichten (z.B. ÖKO-Test) durchgeführt. Von den in Frage kommenden Materialien wurde – soweit möglich- Proben vom Hersteller angefordert, die auch in vielen Fällen problemlos zur Verfügung gestellt wurden. 

Die persönliche Verträglichkeitsprüfung wurde dann von der Betroffenen an den Materialproben, mit denen die Betroffene in direkten oder indirekten Kontakt kommen kann, durchgeführt. Neben Kontaktprüfungen wurden die Materialien auch Alternativmedizinisch überprüft. 

Unter die stahlarmierte Beton-Bodenplatte wurde eine 30 cm dicke Isolierung aus druckfestem und drainagefähigem Schaumglas eingebracht. 

Der Keller wurde im Bereich der Erdberührung mit druckfesten Ziegel-Kellersteinen (36,5 cm) gemauert. Die Isolierung gegen das Erdreich wurde mit einer Bitumen Dickbeschichtung, EPS und einer Noppenfolie ausgeführt. Die Außenwände ohne Erdberührung wurden mit gedämmten Ziegelsteinen (Unipor Coriso W08 36,5 cm λ=0,08 W/mK) im Dünnbettmörtelverfahren ausgeführt. 

Die Innenwände wurden mit Hochlochziegeln (Erberdobler) ausgeführt. Die Kellerdecke wurde aus bewehrtem Beton gegossen. Der Estrich wurde als Zementestrich mit 14 cm EPS-Dämmung ausgeführt. Teilweise wurde Fußbodenheizung (ELW) eingebracht, in zwei Kellerräumen kam eine Wandheizung zum Einsatz. Sämtliche Innenwände wurden mit einem reinen Kalkputz versehen.

Autor: Dipl.-Ing (UHT) Volkmar Hintze Öko-logo Schadstoffanalytik und Baubiologie www.oeko-logo.eu   

 

Anmerkung: Der Artikel ist rein zu Informationszwecken gedacht. Es bestehen keine Abhängigkeiten, finanziellen oder werbemäßigen Zwecke. 

Teil I: Was ist MCS und welche Vorplanung braucht es für ein MCS Haus?

Im nächsten Blog der Fortsetzungsserie erfahren wir Näheres über den Bau des Kellers und Rohbaus des MCS Hauses.