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Mossville, Rücksichtslosigkeit oder Menschenversuch?

Der Ort liegt in Louisiana, etwa 300 km westlich von New Orleans und 30 km landeinwärts am Golf von Mexiko. Hier wohnten einst an die 2.000 Menschen in einer sehr ländlichen Gegend, die selbst armen Leuten ein gutes Auskommen bot, da die Natur sie großzügig mit Essbarem versorgte.

Heute lässt der Niederschlag von Chemikalien aus den 14 umliegenden chemischen Produktionsanlagen (PDF/Karte S. 5 – Sec2:ii) Büsche und Bäume in den Vorgärten eingehen, frisst den Bewohnern den Lack von den Autodächern und verseucht die zahlreichen umliegenden Gewässer. Aus einem Naturparadies wurde eine Hölle. Die Einwohnerzahl ist während den letzten 30 Jahren auf unter 400 gesunken. Living on Earth hat zu Mossville 2005 ein Feature (Audio/mp3) produziert.

Die Menschen leiden an zahlreichen Erkrankungen, die Krebsraten sind gestiegen, viele sterben jung. Nach einer Untersuchung der ATSDR (Agency for Toxic Substances and Disease Registry) von 1998, weisen manche Bewohner dreimal so hohe Dioxinwerte wie die US-Durchschnittsbürger in ihrem Blut auf. Dioxine werden bei der PVC-Herstellung unvermeidlich freigesetzt und waren auch in Agent Orange als unbeabsichtigte Kontamination (PDF/S. 2) enthalten. Dieses im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel hatte nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Anwender fatale Folgen.

Beschwerden der Bewohner bei Behörden oder bei den die Anlagen betreibenden Firmen wurden stets ignoriert. Die Untersuchung der ATSDR, einer Abteilung des Gesundheitsministeriums, kam erst zustande, nachdem die Bewohner mit finanzieller Unterstützung einer Anwaltskanzlei Blutproben an ein Labor in Deutschland schickten und die Ergebnisse der ATSDR vorlegten. Das Gesundheitsministerium von Louisiana sah keinen Grund zu handeln (Kap. 2.1).

Das Interesse, den Zusammenhang zwischen den Emissionen der Anlagen und den Blutwerten aufzuklären war seitens der Behörden nicht sehr groß. Eine Untersuchung im Jahre 2001 bestätige die Ergebnisse von 1998. Diese wurde erst 2006 veröffentlicht und man riet vom Verzehr von Fisch aus der Gegend ab, hielt aber die Dioxinbelastung der Bewohner für gesundheitlich unbedenklich. Daß nach Auskunft der Betreiber von den chemischen Anlagen keine Gesundheitsgefahr ausgeht, versteht sich. Diese Firmen waren Anfang 2010 nicht bereit, gegenüber CNN Stellung zu nehmen, sondern schickten einen Sprecher vor, der fragwürdige Statistiken zitierte. Für die Berechnung der Durchschnittsbelastung wurden 180.000 Stichproben herangezogen. Die tatsächliche Belastung der Bewohner von Mossville kann diesen Wert niemals signifikant beeinflussen und soll dennoch für sie relevant sein. Holy Strohsack!

Eine Befragung (PDF/S. 6 – Sec1:1) fast aller Einwohner von Mossville unter Dr. Marvin Legator von der University of Texas von August 1998 ergab, dass über 90% von ihnen an Krankheiten leiden, die von der ATSDR normalerweise als Folgen einer Dioxinbelastung angesehen werden.

99% klagten über Ohren- Nasen- und Halsbeschwerden. 84% nannten Symptome des zentralen Nervensystems wie Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern und Krämpfe. 77% hatten Kreislaufprobleme, z.B. Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle, Herzerkrankungen und Brustschmerzen. 46% der Nichtraucher berichteten über Atemwegserkrankungen wie chronische Bronchitis, Atemnot, Keuchen und Bluthusten. Über 50% hatten Hautprobleme, Verdauungsbeschwerden und ein geschwächtes Immunsystem. 25% berichten von hormonellen Störungen inklusive Diabetes.

Was Mossville zu einen besonderen Politikum macht, ist nicht nur die ungeheuerliche Ansammlung von chemischen Anlagen an einem Ort, sondern dass in Mossville fast ausschließlich schwarze US-Bürger leben. Dies erinnert an Indigene wie z.B. Indianer, die den Preis der Zivilisation ungefragt mit Ihrer Gesundheit und der Zerstörung ihres Lebensraumes zu bezahlen haben. Nachrichten dazu gibt es regelmäßig auf Intercontinental Cry.

Es ist nicht möglich, hier über alles zu berichten, was die Bewohner von Mossville in ihrer bedrängten Situation unternahmen. Erwähnt werden muss die Gründung von MEAN, der „Mossville Environmental Action Now“ am 19. April 1999 (engl. mean heißt auch „gemein“). Neben mehr Transparenz der ATSDR im Umgang mit ihnen fordern sie von Regierung und Industrie jene umzusiedeln, die Mossville verlassen wollen, kostenlose medizinische Versorgung und eine Reduzierung der Emissionen aus den Anlagen.

MEAN war 2008 durch Earthjustice vertreten an einer Klage gegen die EPA (PDF) (Environmental Protection Agency) beteiligt. Nach einer im Jahre 1990 durch den Kongress vorgenommenen Änderung des Clean Air Act (Luftreinhaltegesetz) sollte die EPA bis zum 15.11.2000 schädliche Emissionen regulieren. Stattdessen wurde erst im Jahre 2002 unter Bush auf eine unzureichende Regelung aus den 70’er Jahren zurückgegriffen. Im November 2009 stimmte die EPA einen Vergleich zu, bis zum 29.07.2011 für eine Reihe von Schadstoffen aus der PVC-Produktion Regelungen einzuführen.

Im Januar 2009 hielt die EPA eine Informationsveranstaltung für die Bewohner von Mossville ab und setzte ein Prüfverfahren in Gang, ob Mossville Fördermittel aus dem „Superfund“ für Sanierungsmaßnahmen erhalten kann.

Im März 2005 reichten Anwälte von Advocates for Environmental Human Rights eine Petition der Bewohner von Mossville bei der Inter-American Commission on Human Rights (IACHR), der Kommission für Menschenrechte der OAS (Organisation of American States) ein. Im Kern werfen sie der US-Regierung Versagen vor, ihnen das Menschenrecht auf Leben und Gesundheit zu gewähren. Des Weiteren fühlen sie sich ungleich behandelt und erheben den Vorwurf von Umwelt-Rassismus.

Am 30. März 2010 hat die nicht an Weisungen der Mitgliedstaaten gebundene Kommission die Petition überraschenderweise angenommen. Was für sich genommen schon einen Erfolg für Mossville darstellt. Zu dieser Petition gibt es mittlerweile eine offizielle Stellungnahme (PDF) die in Onlinemedien auf folgende Aussage reduziert wurde:

Nach der American Convention on Human Rights (einem grundlegenden Dokument der OAS) gäbe es kein Recht auf eine gesunde Umwelt, weder direkt noch durch das Recht auf Leben, Gesundheit, Privatsphäre und Unverletzlichkeit der Wohnung impliziert. Auch aus dem Schutz vor Diskriminierung ließe sich dies nicht ableiten.

Die Regierung nimmt hier Zuflucht zu einem Dokument von 1969, das sie am 01.06.1977 zwar unterzeichnet aber nie ratifiziert hat, während die Kommission zu dem Schluss kam, dass die Petition nach der American Declaration of the Rights and Duties of Man, der Amerikanischen Deklaration der Rechte und Pflichten des Menschen von 1948, zulässig ist.

Auf den Disput, welches Dokument für die amerikanische Regierung bindend ist oder nicht, muß man sich nicht einlassen. Fairness halber sollte man sagen, dass ihre Stellungnahme sehr detailliert ist und die US-Regierung rein formal vielleicht sogar Recht hat. Selbst wenn das so wäre, steht es aber einem Staat, der immer die große Freiheit auf sein Sternenbanner schreibt, mehr als schlecht zu Gesicht, das Recht auf eine gesunde Umwelt zu verneinen.

Die USA sind Mitglied der OAS, wollen dort wichtig sein und weigern sich gleichzeitig ein Dokument der OAS in Kraft zu setzen, dass die Einhaltung grundlegender Menschenrecht für alle Mitglieder dieser Staatengemeinschaft verbindlich machen soll. Dieses Dokument ist der amerikanischen Regierung aber immerhin so wichtig, damit die Unzulässigkeit der Petition zu begründen.

Darüber hinaus hat die USA den Gerichtshof für Menschenrecht der OAS, den Inter-American Court of Human Rights und die Zuständigkeit der Kommission nie anerkannt, deren Aufgabe es ist, sich mit Menschenrechtsverletzung in den Mitgliedstaaten zu befassen und diese Fälle gegebenenfalls an den Gerichtshof zu übergeben.

Die Frage, welchen Sinn Menschenrechte ohne gesunde Lebensbedingungen machen, darf man ebenfalls stellen.

Diese Stellungnahme der amerikanischen Regierung hätte es nie geben dürfen. Sie beschädigt das Ansehen des Landes und ihres Präsidenten. Man kann nur hoffen, dass die EPA unter Präsident Obama weiterhin gute Arbeit leistet und ein blamables Verfahren vor dem Inter-American Court of Human Rights hinfällig macht.

Autor: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network, 3. Mai 2010

Sonntags-Gedicht: Leben erleben

Leben erleben

Noch nichts erlebt

an diesem Tag

ich will ihn nicht beenden

alles, was ich denk

rinnt aus meinen Händen.

Draußen tobt der Sturm

und ich sitz wie ein Wurm

am Fenster-schau hinaus

und kann nicht raus.

Leben muss pulsieren

was ist-wenn es stagniert

wenn schon sehr, sehr lange

nichts Lebendiges passiert.

Menschen fliehn

vor meinem Dasein

möchten es nicht sehn

wie es ist

allein im Wald zu stehen.

Man nennt es Depression

aber was ist das schon

immer weiter bis

das Segel bricht

was dann daliegt

kümmert viele nicht.

Nichts erlebt

an diesem Tag

was da wohl noch

kommen mag

keiner kann es sagen

ich mag nicht mehr fragen.

– –

Dieses Gedicht wurde von Mona, der “Glasprinzessin”  geschrieben. Mona hat schwere Chemikalien-Sensitivität / MCS und muss fast die ganze Zeit draußen in der Natur verbringen.

Autor: Mona die Glasprinzessin für CSN – Chemical Sensitivity Network, 2. Mai 2010

Mona’s GeschichteMona die “Glasprinzessin” ein einsames Leben mit Wind und Wetter

Krank durch Aspartam?

Die Zahl übergewichtiger Menschen nimmt in Deutschland tendenziell zu, mit vielfältigen negativen Folgen für die Gesundheit der Betroffenen. Ein Zuviel an Gewicht in Kombination mit Bewegungsmangel kann u. a. Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Arthrose, Fettleber, Schäden am Bewegungsapparat, Krebsleiden und Stoffwechselerkrankungen fördern. Um bestehendem Übergewicht entgegenzuwirken bzw. es erst gar nicht aufkommen zu lassen, ist es empfehlenswert, neben ausreichender Bewegung, bei der Ernährung auf Ausgewogenheit und verminderte Kalorienzufuhr zu achten.

Aspartam – dickes Geschäft für die Lebensmittelindustrie

Genau das ist die Sternstunde für die Nahrungsmittelindustrie, denn das Geschäft mit kalorienreduzierten und mit Zuckeraustauschstoffen angereicherten Lebensmitteln boomt, die Produktvielfalt von Light-Produkten nimmt rapide zu. Gerade im Frühjahr sind sie Verkaufsschlager schlechthin, da es nach dem langen Winter darum geht, schnellstmöglich zur Strand-tauglichen Figur zurückzufinden. Doch man sollte ruhig auch hinter die Kulissen der Lebensmittelindustrie schauen und kritisch hinterfragen, wie diese Kalorienreduktion tatsächlich zu Stande kommt, zu welchen Mitteln die Hersteller greifen, um uns den Konsum „ohne Reue“ schmackhaft zu machen.

Das Zugpferd unter den kalorienarmen Zuckeraustauschstoffen ist Aspartam, das wegen seines neutralen zuckerähnlichen Geschmacks weltweit am meisten zum Einsatz kommt. Dieser synthetische Zuckerersatz (E-951) ist unter den Markennamen Nutrasweet, Assugrin und Canderel bekannt und kann lt. Informationen von TransGen genetisch veränderte Mikroorganismen enthalten, was keiner Deklarationspflicht unterliegt. Aspartam kann mit einer um das zweihundertfach höheren Süßungskraft als herkömmlicher Zucker aufwarten und ist u. a. zuckerfreien Süßigkeiten und Süßspeisen, Gebäck, Joghurts, Diätprodukten, Kaugummis, Erfrischungsgetränken, Tees wie auch Medikamenten zugesetzt.

Süßes genießen ohne Reue – der Schein trügt

Aspartam gerät auf Grund vielfach zugeschriebener möglicher Gesundheitsrisiken verstärkt in Misskredit. Im vergangenen Jahr wurde Coca Cola Zero auf Anordnung des Gesundheitsministers von Venezuela, Jesús Mantilla, sogar komplett vom Markt genommen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Folge soll Aspartam Störungen am Hormonsystem, neurologische Schäden am Gehirn, Allergien, Krebs und Adipositas fördern. Das Internet-Gesundheitsportal Zentrum der Gesundheit berichtet in einem ausführlichen Artikel über den beliebten Süßstoff von einer Vielzahl von Nebenwirkungen, die durch die amerikanische Zulassungsbehörde für Lebensmittel und Medikamente dokumentiert wurden. Demnach sind Aspartam u. a. folgende Gesundheitsstörungen anzulasten: Angstzustände, Arthrose, Atemwegsreaktionen, Sehstörungen, chronische Müdigkeit, Impotenz, Migräne, Tinnitus, Krebs und viele mehr.

Ebenfalls ist in der Medizin bekannt, dass Aspartam im menschlichen Organismus zu Methanol und Formaldehyd verstoffwechselt wird, mit weiteren möglichen gravierenden Folgen für die Gesundheit der Verbraucher. Forscher sehen in dieser toxischen Metabolisierung die karzinogene Wirkung von Aspartam als begründet. Lt. einem Bericht im Ärzteblatt wurden in medizinischen Studien in Bologna erhöhte Tumorraten im Bereich des Lymphsystems und Leukämie im Tierversuch mit Ratten nachgewiesen und dies bereits in Dosen, die unter den Grenzwerten für den menschlichen Verzehr von Aspartam lagen. Dieses Studienergebnis lässt auf ein erhöhtes Krebsrisiko beim Menschen schließen. Auffallend ist zu bewerten, dass die Ramazzini-Studie zu erheblich anderen Ergebnissen führte, als die von der Industrie in Auftrag gegebenen Untersuchungen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vertritt trotz dieser Studie weiterhin die Auffassung, dass Aspartam als unbedenklich einzustufen ist.

Menschen, die an der Krankheit Phenylketonurie leiden, dürfen keine Produkte konsumieren, die Aspartam enthalten. Deshalb müssen Lebensmittel, denen der chemischen Süßstoff zugesetzt ist, mit dem Warnhinweis enthält „eine Phenylalaninquelle“ versehen sein. Desweiteren steht Aspartam in Verdacht, das Gewicht der Verbraucher sogar zu erhöhen, weil nach dem Konsum aspartamhaltiger Nahrungsmittel Heißhungerattacken entstehen, die Adipoditas hervorrufen würden.

Maßvoller Genuss contra maßlosen Konsum

Es liegt im Ermessen eines jedes Einzelnen, zu welchen Lebensmittel man greift. Mit Zuckerersatz versehene Nahrung wird vermutlich nicht als alleinige Maßnahme zum Wunschgewicht führen, da der Trend eher dahingehend ist, dass man sich zusätzlich dann weitere Leckereien gönnt, schließlich war der vorherige Snack ja kalorienarm. Das lässt sich auch an der Tatsache ableiten, dass, trotz des ungebremsten Einsatzes von kalorienarmen Süßstoffen, die Zahl fettleibiger Menschen bei den Industrienationen auf globaler Ebene kontinuierlich massiv ansteigend ist.

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass es sich bei Aspartam und anderen synthetischen Süßungsmitteln um Chemikalien handelt, deren Wirkung auf den Organismus schwerwiegende gesundheitliche Nebenwirkungen zur Folge haben können. Somit ist es ratsam, lieber in Maßen zu genießen und naturbelassene Lebensmittel zu schlemmen und sich zusätzlich viel zu bewegen, um Fettpolstern keine Chance zu geben, uns den Alltag zu vermiesen, statt uns mit Chemikalien angereicherten Produkten möglichen Gesundheitsgefahren auszusetzen, die überflüssig sind und absolut vermeidbar wären.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity, 28. April 2010

Weitere interessante CSN Artikel zum Thema:

Gedicht: So nicht!

So nicht!

Hochzeit:

Küssen,

Umarmen,

von Kindern träumen,

Lachen des ewigen Glücks

Die Sonne

verdrängt

der Geier der Finsternis,

Flügel voller Dufthagel-Wolken,

die überschwer

fallen wie Bomben

Gerüche mit Wolfsgebiß

zerfleischen

unbeschwertes Glücklichsein

Die Unschuld verloren,

die Schuld ist überall,

ob ich speise,

ob ich trinke,

ob ich wasche,

was immer ich tu

Zu spät erkannt

dass der normale Alltag

schuldbeladen

Das Lachen zerronnen!

Das Lachen zerronnen?

So nicht –

wir holen es uns zurück!

Da sieh:

Der Geier fällt brennend!

Und in deinen Tränen

spiegelt sich die Sonne…

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25. April 2010

Es wird immer schwerer die Krankheit MCS zu verschweigen

Überall werden Umwelterkrankte aktiv

Als Auftakt in Blick auf den MCS – Aufklärungsmonat Mai 2010 möchten wir verschiedene Projekte von Umweltkranken vorstellen. Wir werden von Menschen berichten, die so krank sind, dass sie nicht mehr arbeiten können und in ihrem Wohnumfeld völlig isoliert leben müssen, weil sie so extrem chemikaliensensibel sind. Von Menschen, die täglich mit Schmerzen und teils nur schwer vorstellbaren Restriktionen leben müssen, aber dennoch bestrebt sind, ein Zeichen zu setzen und auf ihre Art die Mitmenschen darüber aufzuklären, was sich hinter den drei Buchstaben MCS verbirgt.

Der erste Bericht, den wir präsentieren, ist von Marlene Winands, eine ehemalige Zahnarzthelferin, die täglich auf Hilfe anderer angewiesen ist, um ihren Alltag leben zu können. Marlene hat trotz ihrer schwierigen Lebensumstände durch ihre schwere Chemikalien-Sensitivität nie aufgegeben, ihr Zeichen zu setzen, damit Mitmenschen wachwerden. Ganz gemäß ihrem Leitspruch:

„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Bild der Welt verändern“ (Spruch aus Afrika).

Marlene Winands: Eine Betroffene für Betroffene

Ich hatte mich entschlossen, meine Gedanken zu veröffentlichen, die ich aufgrund der MCS–Erkrankung niedergeschrieben hatte. Zeitgleich musste ich das Problem mit meiner Papierunverträglichkeit lösen. Ich tröstete mich, weil ich ohnehin zum Thema passend auf MCS–gerechtem Papier drucken lassen wollte. Eine schwierige Hürde – aber noch lange nicht die letzte!

Im Jahr 2004 ließ ich die erste Broschüre mit dem Titel „MCS – Eine Betroffene für Betroffene“ auf BIO–TOP–Papier drucken. Silvia Müller war mir behilflich bei der Publikation, indem sie im CSN–Forum und in der Pure Nature INFOBOX meine Broschüre kommentierte.

Ich zitiere einen Auszug von ihrem Eintrag am 14.05.2004 im Allergieforum:

…Die Gedichte von Marlene sind kritisch, klären auf und regen zum Nach– und Umdenken an. Betroffene werden sich oft selbst erkennen mit ihren Gedanken, Wünschen, …Ideal zum Weiterreichen an Ärzte, Verwandte, Familienangehörige, Freunde und Arbeitskollegen, die nicht verstehen wollen oder aber gerne mehr wissen möchten.

Bald darauf bekam ich Post von Mitbetroffenen. Ich freute mich über jede Bestellung. Die Rückmeldungen waren alle positiv. So wusste ich, dass ich genau das Richtige getan hatte.

Im Jahr 2005 gab ich die zweite Broschüre „MCS – Eine Betroffene von Betroffenen“ bekannt. Rückmeldungen vermehrten sich. Zu meiner eigenen Erfahrung und meinen Gefühlen als Schwerstbetroffene hörte ich immer mehr von den ungeheuerlichen Unrechtsbehandlungen, menschenunwürdigen Diskriminierungen, Psychiatri-sierungen und den zahlreichen Problemen meiner Leidensgenossen. All das ermutigte mich weiterzumachen. Ich trotzte den Ganzkörperschmerzen und nutzte meine schweren Leiden, um in kleinsten Schritten die ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen. Ein starkes Verantwortungsgefühl „für uns alle“ baute sich in mir auf.

Ich muss bemerken, dass ich Computer und Internet nicht nutzen kann. Das lässt die Elektrosensibilität nicht zu. Wenigstens habe ich Naturpapier und Telefon (Piezzo). Es geht mühsam und im Schneckentempo, aber es geht vorwärts!

Ich feilte lange an einem Artikel mit der Überschrift: „UMWELT – Erkrankungen ein Thema, das es offiziell nicht geben soll. Darüber kann ich als Schwerstbetroffene nicht schweigen.“

Mein Vorhaben war, diesen z.B. bei FOCUS anzubieten. Trotz großer Bemühungen ist es mir nicht gelungen, diesen brisanten Artikel bei FOCUS, Stern, Süddeutsche Zeitung, Schwäbische Zeitung unterzubringen. In der Zeitschrift „Umwelt–Medizin–Gesellschaft“ 1/2008 wurde er in der Originalfassung veröffentlicht.

Meine innere Kraft, mein Wunsch und meine Bemühungen, in der Öffentlichkeit etwas zu bewirken, blieben nicht erfolglos. Es öffneten sich Türen. Ich konnte Redaktionen finden, die bereit waren, eine Anzeige mit dem Hinweis auf die MCS-Broschüren zu veröffentlichen:

  • Schrot & Korn Nov. 2006
  • Kraut & Rüben Dez. 2006
  • BIO 1/2008.
  • Im Fliege–Magazin Sept. 2009
  • In der Reformrundschau Sept. und Dez. 2009 war eine Anzeige mit dem Hinweis auf mein neues Büchlein „Krank durch die Umwelt“ zu lesen.
  • Eine Rezension erschien 04/2009 in der Zeitschrift Umwelt–Medizin–Gesellschaft.
  • In der VdK–Zeitung ist eine Veröffentlichung vorgesehen.
  • Im Spätfrühjahr soll eine Lesung des Büchleins in meinem Wohnort stattfinden.

Obwohl ich mir mit meiner kleinen Lebensflamme jeden Tag neu erkämpfen muss, kann ich nicht schweigen. Die Freude über jeden Schritt der gelingt, ist groß.

Mit meinen Ausführungen möchte ich jedem von Euch Mut machen, aktiv zu werden! Ich möchte ein Zeichen setzen, dass man als Umweltkranker bis hin zum Behinderten nicht verstummen sollte. Nur wir können (mit Hilfe von anderen, die gibt es auch) dafür sorgen, dass Umwelterkrankungen in der Gesellschaft publik werden, damit Bewusstsein entsteht!

Autor: Marlene Winands für CSN – Chemical Sensitivity Network, 21. April 2010

Das Büchlein von Marlene Winands

ist zum Preis von 5 € unter folgender Anschrift erhältlich:

Marlene Winands, Baumannstr. 76/22, 88239 Wangen im Allgäu

Weitere Artikel über den MCS-Aufklärungsmonat Mai

Eva Caballé: Träume die töten

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Die Spanierin Eva Caballé wurde erneut gebeten, einen Artikel über MCS für das Kunst- und Kulturmagazin Deliro zuschreiben. Das Thema für die Ausgabe war „Träume“. Eva beschreibt in ihrem Beitrag, wie MCS einen lehrt, unsere Träume und die Träume unserer Gesellschaft realistisch zu betrachten.

Eva Caballé:

Es ist uns nicht gestattet, mit dem Träumen aufzuhören. Träume, die wir nicht selbst ausgewählt haben. Träume, die uns als unverzichtbar für unser Glücklichsein verkauft werden. Und wir schlafen sorglos und träumen. Wir träumen und wir kaufen, um fähig zu sein zu schlafen und weiterzuträumen von mehr Kram. Wir schlafen, tief eingelullt durch den Glanz der roboterhaften Massen, die Köpfe voll mit Träumen, die verhindern, zur Ruhe zu kommen.

Wage nicht einmal aufzuhören, diese süßen, leeren Träume zu haben. Wage es nicht einmal, tief durchzuatmen und Dich selbst verloren in diesem Alptraum der Träume anderer wieder zu finden, ohne dabei in der Lage zu sein aufzuwachen; in einer Welt, die Dich verbrennt und Dich in eine Krankheit einsperrt, die Dir nur erlaubt davon zu träumen, dass deine Alpträume verschwinden.

Heute Nacht wirst Du zufrieden schlafen gehen, eingekuschelt in Dein weichhäutiges, verführerisch parfümiertes Leben, wo alles harmlos und perfekt ist. Deine Träume werden mich, wieder einmal, auf die verborgene Seite des Lebens verbannen, dort wo das Licht und die Geräusche, die Nerven versengen, wo Träume grausames Gift werden, das mich langsam tötet und mich von Alptraum zu Alptraum befördert – ohne einen Ausweg.

Deine toxischen Träume begraben meine Existenz unter einen Grabstein, der aus drei Worten besteht: Multiple Chemical Sensitivity. Deine Welt aus idealen Träumen sorgt dafür, dass ich wie gefangen leben muss.

Wache auf aus Deinem schweren Traum, in den Du uns versenkst, damit Du und ich von einem tatsächlichen Leben träumen können, einen realen Traum; sodass niemals wieder jemand seine Träume in die Folter einer gnadenlosen Krankheit verwandeln sieht.

Autor: Eva Caballé für Deliro, April 2010

Bildmaterial: Aida/Deliro

Übersetzung: Silvia K. Müller CSN – Chemical Sensitiivity Network, 19. April 2010

Weitere Artikel von Eva Caballé, die in der Kulturzeitung Deliro erschienen:

Den Frühling in vollen Zügen genießen

Der Frühling ist mit voller Kraft eingetroffen. Der Himmel ist dank des Flugverbotes stahlendblau, ohne Kratzer und Schlieren. Die Blüten duften nahezu berauschend und das frische Grün erfreut das Auge.

Thommy’s Blogfrage der Woche:

  • Wie geht es Euch in der schönen Frühlingszeit?
  • Könnt Ihr den Frühling in vollen Zügen genießen?
  • Habt Ihr ein Plätzchen, wo Ihr die Natur genießen könnt?
  • Habt Ihr Blütenpracht im Garten? Gibt es bei Euch Schmetterlinge?
  • Oder plagen Euch Allergien, Bauern, die Spritzmittel ausbringen, Nachbarn, die grillen oder Autos reparieren?

Frische Luft durch Düfte?

Sind „Lufterfrischer“ gesundheitlich unbedenklich?

Das HR-Fernsehen sendete gestern Abend in seinem Wissensmagazin „Alles Wissen“ einen interessanten Beitrag über Duftstoffe, mit dem Titel  „Lufterfrischer – Gift im Duft?“. Man ging der Frage nach, ob die täglich in Kaufhäusern, Arztpraxen und im privaten Bereich auf uns einwirkende Flut der Düfte ungefährlich für unsere Gesundheit ist.

Duftstoffe fördern nicht „nur“ Hautreaktionen, sondern verschlimmern auch Allergien

Die Anwendung von Duftstoffen nimmt rapide zu, über 3000 verschiedene Duftstoffe kommen in den unterschiedlichsten Produkten zum Einsatz. Ein Ausweichen ist für Asthmatiker und Menschen, die an einer Duftstoffallergie oder an MCS erkrankt sind, schier unmöglich, da heutzutage fast überall künstlich beduftet wird. Diese Ansicht vertritt auch Prof. Claudia Traidl-Hoffmann vom Münchner Zentrum für Allergien und Umwelt. Sie führt an, dass die Aromastoffe nach dem Einatmen durch die Nase in die Lunge gelangen und sich von dort aus im ganzen Körper ausbreiten.

Wissenschaftlern ist bereits länger bekannt, dass das Einatmen von Duftstoffen bei Allergikern häufig zu Hautreaktionen führen kann. Doch Prof. Claudia Traidl-Hoffmann berichtet von weiteren durch Duftstoffe ausgelösten Gesundheitsstörungen. Man nahm Proben der Innenraumluft von zwei PKW, der man menschliche Blutgefäßzellen zufügte. Der Versuch mit der PKW-Innenraumluft wurde deshalb durchgeführt, da die in Autos verarbeiteten Materialien flüchtige organische Verbindungen freisetzen, sog. VOC, zu denen auch viele Duftstoffe zählen. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass durch die VOCs an den menschlichen Zellen Entzündungsprozesse gefördert werden. Lt. Prof. Traidl-Hoffmann können diese verursachten Entzündungen, die Entstehung von Allergien fördern bzw. Allergien verschlimmern.

„Lufterfrischer“ beinhalten hochkonzentriert Allergie auslösende Chemikalien

Der Umweltanalytiker Andreas Winkens aus Mönchengladbach hat im Auftrag des Deutschen Allergie- und Asthmabundes sechzehn verschiedene „Lufterfrischer „aus Naturwarenläden- und Reformhäusern wie auch aus Drogerien, auf Formaldehyd und Aromastoffe, sog. Aromate untersucht. Krebserregendes Formaldehyd konnte in den aufwändig untersuchten Proben zwar nicht hochkonzentriert nachgewiesen werden, aber dennoch besteht keine Entwarnung.

Das uns von Duftstoffen und Parfum in Hochglanzjournalen, Werbespots und in groß angelegten Kampagnen suggerierte Image von Wellness und positivem Effekt auf die Gesundheit bröckelt entschieden. Dies verdeutlichen die aktuellen Untersuchungsergebnisse von Andreas Winkens, wie auch die zunehmend zu verzeichnenden kritischen Meldungen aus wissenschaftlichen Fachkreisen und den Medien.

Krebserregendes Benzol, das beispielsweise in Autoabgasen vorkommt, wurde in einer der Proben festgestellt. Als besonders problematisch beurteilt Andreas Winkens die extrem hohen Werte der stark Allergie auslösenden und zu Sensibilisierungen führenden Limonen-Konzentrationen. Die Laborauswertung erbrachte den Nachweis, dass 80 Prozent der untersuchten „Lufterfrischer“ stark erhöhte Belastungen dieser Limonen-Aromastoffe vorweisen, der höchste Wert überschreitet die Empfehlungen für gesunde Innenraumluft um mehr als das Zehnfache. Der Umweltanalytiker gibt zu bedenken, dass gerade in Raumluftsprays vielzählige Duftstoffe enthalten sind, deren mögliche schädliche Wechselwirkungen bisher völlig unzureichend geklärt sind.

Auch das UBA beurteilt die Verwendung von „Lufterfrischern“ kritisch

Wolfgang Straff, der Leiter des Fachgebietes Umweltmedizin des Umweltbundesamtes in Berlin, beantwortet die durch „Alles Wissen“ gestellte Frage, Lufterfrischer, Duftöle und Raumduftsprays auf Grund ihrer gesundheitlichen Bedenklichkeit besser ganz vom Markt zu nehmen, eher ausweichend. Er führt an, dass es derzeit in der wissenschaftlichen Fachliteratur keinen Anlass für eine solche Maßnahme gäbe. Dennoch rät er vom Gebrauch von „Raumerfrischern“ ab, da diese eine unnötige und zusätzliche Belastung der Innenraumluft darstellen.

Lüften statt chemischem Beduften!

Unangenehme Gerüche werden durch Raumluftsprays, Duftöle und „Lufterfrischer“ lediglich überdeckt und belasten die Gesundheit der oft ahnungslosen Verbraucher. Insbesondere der ungebremste Einsatz unfreiwilliger Raumbeduftung in der Öffentlichkeit ist als äußerst kritisch anzusehen, gerade auch unter dem Aspekt der rapiden Zunahme von Atemwegserkrankungen, Allergien und umweltbedingten Erkrankungen, wie bspw. von MCS – Multipler Chemikalien Sensitivität. Das Beduften von Arztpraxen sollte demnach ausnahmslos unterbunden werden, damit Patienten in Lebensbereichen, die eigentlich zu einer Verbesserung ihrer Gesundheit beitragen sollen, nicht mit synthetischen Substanzen / Chemikalien konfrontiert werden, die stattdessen ihrer Gesundheit erheblich schaden können.

Resümee

Es führt kein Weg an ausgiebigem Lüften vorbei, denn „Lufterfrischer“ belasten die Innenraumluft, anstatt die Luftqualität zu verbessern. Somit ist die Bezeichnung „Lufterfrischer“ eine Irreführung der Verbraucher. Die im Filmbeitrag dargestellten möglichen Gesundheitsschäden durch „Raumerfrischer“ sollten die Konsumenten nicht unterschätzen, denn nach wie vor lässt die mögliche Wirkung der einzelnen Inhaltstoffe derartiger Produkte untereinander viele wissenschaftliche Fragen offen, grünes Licht für gesundheitliche Unbedenklichkeit kann nicht gegeben werden, ganz im Gegenteil.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity Network, 15.04.2010

Weitere interessante CSN-Artikel zum Thema:

Sonntagsgedicht: soll´n doch in die klapse geh´n

soll´n doch in die klapse geh´n

ich denke oft darüber nach

was wir alles erlebt haben,

als wir einst durch die strassen zogen

haben in die schaufenster geschaut

die mit schönen sachen prangen

habe dein glücklich gesicht gesehn

gespiegelt im glase

ich denke oft darüber nach

was wir alles erlebt haben,

als wir einst durch die strassen zogen

sahen den jungen muttis hinterher

die mit ihren kindern gangen,

freuten uns schon darauf,

dass wir es auch bald täten

ich denke oft darüber nach

was wir alles erlebt haben,

als wir einst durch die strassen zogen

gingen in das eiscafe

oder china-garden

und es schmeckte wunderbar

freute mich an deinem lachen

ich denke oft darüber nach

warum es nicht mehr geht

MCS: alles zerstört

ALLES zerstört

nichts ist mehr möglich

täglich neue botschaften

was dich alles plagt

das leben aus den fugen

reißt uns aus dem gleichgewicht

und die andren menschen

fleißig weggehört

niemand will mittragen

so schlimm kann es wohl nicht sein,

sollen doch nicht so übertreib´n,

wer hat das schon je gehört,

das düfte krank machen?

das kann doch nur psychisch sein,

soll´n doch in die klapse geh´n,

dort wo sie hingehör´n

ich denke oft darüber nach

warum es nicht mehr geht

MCS: alles zerstört

doch es werden immer mehr

die düfte krank machen

soll´n die alle auch

in die klapse geh´n?

kinder machen geht nicht mehr

arbeiten geh´n unmöglich schwer

allein shoppen – das war einmal

der alltag nur ne qual

CANARIES sind wir wohl,

doch wir finden das nicht toll,

würden lieber auch

normal leben

aber man lässt uns nicht

die krankheit hat noch kein gesicht

die pharma kann ja nichts

an uns verdienen

ich denke oft darüber nach,

warum es jetzt nicht mehr geht,

MCS: alles zerstört

wir sind nur lästig überall

ob genetisch-müllmaterial?

oder psychisch entartet?

wir sind nicht existent

drum werden wir auch nicht berentet,

s ´ist doch nur psychosomatisch

doch es werden immer mehr

die düfte krank machen,

fleißig weggehört,

nur nicht nachfragen

nur nicht mittragen

nur dummheit kann suggerieren,

s´kann ewig so weitergehn,

nun wird es sich rächen

unser siechtum hat gewarnt,

der falsche wohlstand längst enttarnt

atlantis lässt grüßen

ich denke oft darüber nach:

sind wir die eisschollen,

die jetzt den eisbären fehlen?

ist der mensch so überhitzt,

dass er wie ein feuer brennt?

affen, nashörner, tiger

sterben aus –

sind wir es nun

die zuerst dafür büßen?

ich denke oft darüber nach

was wir alles erlebt haben,

als wir einst durch die strassen zogen

nun sind wir in dem knast

der erzwungnen isolation

haben nicht das gesetz gebrochen

oder irgendwas verbrochen

oder DOCH?

pardon – natürlich –

wir sind wachstumbremser,

konsumverderber,

unsre krankheit

anti-westlicher-lebensstil

drum gehör´n wir verbrannt,

wir sind ketzer, hexer im geldgierland;

scheiterhaufen der NICHTBEACHTUNG

täglich in flammen

ich denke oft darüber nach,

warum nichts mehr geht,

MCS: alles zerstört

ALLES zerstört,

nichts ist mehr möglich

und doch

wir lachen:

unsre LIEBE

unsre LIEBE

ist IMMER möglich?

unsre LIEBE

ist der FELS

der brandung

ich denke oft darüber nach,

warum SIE noch immer

geht…

Autor: Gerhard Becker, CSN – Chemical Sensitivity Network, 11. April 2010

Gedicht: Menschsein

Menschsein

Ich bin kein Kind

das ihr vor’s Fernsehen

setzen müsst-

Ich bin kein Kind

dem ihr die Filme

schmackhaft machen müsst –

Ich bin kein Kind

dem ihr sagt

dass es alles alleine schaffen muss-

Ich bin kein Kind

dass ihr mit Floskeln

abspeist, um es loszuwerden.

Ich bin ein Mensch

der eure Gemeinschaft sucht-

Ich bin ein Mensch

der eure Liebe braucht-

ich bin ein Mensch

der eure Fürsorge schätzt

Ich bin ein Mensch

dem Worte wichtiger sind

als Filme…

Ich bin ein Mensch.

Dieses Gedicht wurde von Mona, der “Glasprinzessin”  geschrieben. Mona hat schwere Chemikalien-Sensitivität / MCS und muss fast die ganze Zeit draußen in der Natur verbringen.

Autor: Mona die Glasprinzessin für CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. April 2010

Mona’s GeschichteMona die “Glasprinzessin” ein einsames Leben mit Wind und Wetter