Archiv der Kategorie ‘Gesundheit‘

Luftverschmutzung kann Depressionen auslösen

Schadstoffe verursachen Schäden im Gehirn

Luftverschmutzung kann bei länger andauernder Belastung zu physischen Veränderungen im Gehirn, sowie Lern-und Gedächtnisproblemen und sogar zu Depressionen führen, das erbrachten Forschungsergebnisse bei Mäusen.

Während andere Studien die schädlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung auf das Herz und die Lungen gezeigt haben, ist diese eine der ersten Langzeitstudien, um die negativen Auswirkungen auf das Gehirn aufzuzeigen, sagte Laura Fonken, Hauptautor der Studie und Doktorand für Neurowissenschaften an der Ohio State University.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass längerer Kontakt mit schadstoffbelasteter Luft zu sichtbaren, negativen Auswirkungen auf das Gehirn führt, was zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen kann“, sagte Fonken.

„Dies könnte wichtige und beunruhigende Konsequenzen für Menschen auf der ganzen Welt haben, die in belasteten städtischen Gebieten wohnen und arbeiten.“

Die Studie erschien Mitte 2011 in der medizinischen Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“. Für die Studie arbeiteten Fonken und Kollegen vom Ohio State Department für Neurowissenschaften mit Forschern der Universität Davis, vom Herz- und Lungen-Institut zusammen.

Bei früheren Studien an Mäusen stellte die Davis Research Group, der Qinghua Sun, assistierender Professor für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, sowie Sanjay Rajagopalan, Professor für Herz-Kreislauf-Medizin angehörten, fest, dass Feinstaub Entzündungen im ganzen Körper verursacht und zu Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit führen kann. Diese neue Studie zielte darauf ab, ihre Forschung hinsichtlich der Auswirkungen von Luftverschmutzung auf das Gehirn auszudehnen.

„Je mehr wir über die gesundheitlichen Auswirkungen von lang anhaltenden Luftverschmutzung herausfinden, desto mehr Gründe zur Sorge gibt es“, sagte Randy Nelson, Co-Autor der Studie und Professor für Neurowissenschaften und Psychologie an der Ohio State.

In der neuen Studie wurden Mäuse entweder gefilterter Luft oder schadstoffbelasteter Luft für sechs Stunden am Tag ausgesetzt, und das an fünf Tagen in der Woche für 10 Monate – somit fast die Hälfte der Lebensspanne der Mäuse.

Die verschmutzte Luft enthielt Feinstaub, die Art von Verschmutzung, die durch Autos, Fabriken und natürlichen Staub verursacht wird. Die feinen Partikel sind winzig – etwa 2,5 Mikrometer im Durchmesser, oder etwa ein Dreißigstel des durchschnittlichen Durchmessers eines menschlichen Haares. Diese Partikel können bis in tiefe Bereiche der Lunge und anderer Organe des Körpers vordringen.

„Je mehr wir über die gesundheitlichen Auswirkungen von anhaltender Luftverschmutzung herausfinden, desto mehr Gründe zur Sorge gibt es. Diese Studie ist ein weiterer Beweis für die negativen Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Gesundheit.“

Die Feinstaubkonzentration, der die Mäuse ausgesetzt waren, war gleichbedeutend mit dem, was die Menschen in einigen belasteten städtischen Gebieten ausgesetzt werden, so die Forscher.

Nach 10 Monaten Exposition gegenüber der schadstoffbelasteten oder gefilterten Luft führten die Wissenschaftler eine Reihe von Verhaltenstests bei den Versuchstieren durch.

Bei einem Lern- und Gedächtnis-Test wurden die Mäuse in der Mitte einer hell erleuchteten Bühne platziert und bekamen eine Frist von zwei Minuten, um ein Fluchtloch zu finden, das in einen dunklen Kasten führte, wo sie sich wohler fühlen. Dann erhielten sie fünf Tage Training, um das Fluchtloch zu finden. Die Mäuse, die verschmutzte Luft geatmet hatten, brauchten jedoch länger, um zu erlernen, wo sich das Fluchtloch befand. Die Mäuse, die schadstoffbelasteter Luft ausgesetzt waren, erinnerten sich auch bei späteren Prüfungen schlechter daran, wo sich das Fluchtloch befand.

In einem weiteren Experiment wiesen die Mäuse, die schadstoffbelasteter Luft ausgesetzt waren, depressivere Verhaltensweisen auf als die Mäuse, die gefilterte Luft geatmet hatten. Die Mäuse, die schadstoffhaltige Luft eingeatmet hatten, wiesen zusätzlich Anzeichen von verstärkten angstähnlichen Verhaltensweisen in einem der Tests auf, in einem anderen Test jedoch nicht.

Aber wie führt die Luftverschmutzung zu Veränderungen in Lernen, Gedächtnisleistung und Stimmung?

Die Forscher führten Tests durch, die auf den Hippocampus im Gehirn der Mäuse abzielten, um die Antworten zu finden.

„Wir wollten deshalb so genau auf den Hippocampus achten, weil dieses Gehirnareal mit Lernen, Gedächtnis und Depression assoziiert ist“, sagte Fonken, der gemeinsam mit Nelson, Mitglied des Ohio State Institute für Verhaltensmedizin ist.

Die Ergebnisse zeigten deutliche, körperliche Unterschiede im Hippocampus jener Mäuse, die schadstoffbelasteter Luft ausgesetzt waren, im Vergleich zu denen, die ihr nicht ausgesetzt waren.

Die Wissenschaftler untersuchten speziell die Verästelungen, die aus Nervenzellen (oder Neuronen) wachsen und als Dendriten bezeichnet werden. Die Dendriten haben kleine Ansätze, sogenannte Stacheln, die aus ihnen herauswachsen und die Signale von einem Neuron zum anderen übermitteln.

Die Mäuse, die verschmutzter Luft ausgesetzt waren, hatten weniger Stacheln in Teilen des Hippocampus, kürzere Dendriten und eine insgesamt reduziertere Zellekomplexität.

„Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Arten von Veränderungen mit einer verminderten Lern-und Gedächtnisleistung verbunden sind“, sagte Nelson.

In anderen Studien fanden einige der Co-Autoren dieser Studie aus dem Davis-Forschungszentrum, dass chronische Exposition gegenüber Luftverschmutzung ausgedehnte Entzündungen im Körper hervorruft, was mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen beim Menschen verbunden ist, einschließlich Depression. Diese neue Studie gab Hinweise darauf, dass diese Low-grade-Entzündung offensichtlich im Hippocampus vorhanden ist.

Bei Mäusen, die schadstoffbelastete Luft geatmet hatten, waren chemische Botenstoffe, die Entzündungen verursachen – sogenannte pro-inflammatorische Zytokine – im Hippocampus aktiver, als bei Mäusen, die gefilterte Luft atmeten.

„Der Hippokampus ist besonders empfindlich gegenüber Schäden, die durch Entzündungen verursacht werden“, sagte Fonken.

„Wir vermuten, dass die systemische Entzündung, die durch das Einatmen von verschmutzter Luft verursacht wird, an das zentrale Nervensystem übermittelt wird.“

Die Studie wurde von den National Institutes of Health unterstützt.

Autor:

Jeff Grabmeier, Ohio State University, Air Pollution linked to Learning and Memory Problems, Depression, Columbus, Ohio, 5. Juli 2011

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

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Bisphenol-A, Übergewicht und Diabetes

Das allgegenwärtige Bisphenol-A wurde mit Übergewicht bei Erwachsenen und Insulin-Resistenz in Zusammenhang gebracht.

Erhöhte Bisphenol-A Werte im Urin von älteren Erwachsenen stehen mit einer Zunahme von Gewicht und des Taillenumfang in Zusammenhang, beides sind Indikatoren für Adipositas und können zu ernsthaften Erkrankungen und Leiden führen.

Chinesische Forscher fanden heraus, dass Erwachsene über 40 Jahre mit erhöhten Bisphenol-A (BPA) Werten in ihrem Urin zu Adipositas, mehr Bauchfett und zu Insulin-Resistenz neigen. Diese Stoffwechselstörungen können zu weiteren, gefährlicheren Gesundheitsproblemen führen, u.a. zu Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen.

Da BPA-Belastungen weit verbreitet sind – die meisten Menschen in den Vereinigten Staaten haben BPA in ihrem Körper – weist diese Studie auf ein möglicherweise nicht unerhebliches Gesundheitsrisiko hin, dass von diesem Schadstoff ausgeht.

BPA ist eine in großen Mengen produzierte Chemikalie, die zur Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen, Epoxidharz-Beschichtungen von Konservendosen und für manche Thermodrucker-Papiersorten verwendet wird [z.B. Kassenzettel]. Die Chemikalie kann Lebensmittel und Getränke kontaminieren und über die Nahrung in den Körper gelangen. BPA kann auch über die Haut aufgenommen oder eingeatmet werden.

Frühere epidemiologische Studien, die im Journal of the American Medical Association und von der Zeitschrift PLoS One veröffentlicht wurden, haben Zusammenhänge zwischen BPA und Stoffwechselstörungen aufgedeckt, welche mit dieser Studie übereinstimmen.

Vorausgegangene Laboruntersuchungen bringen BPA mit einer Zunahme von Fettzellen und höheren Insulin-Werten in Zusammenhang. Diese wiederum können zu Hyperinsulinämie und Insulin-Resistenz und – vielleicht – Fettsucht führen. Pränatale Belastungen von Nagern mit dieser Chemikalie können auch die Entwicklung von Hirnregionen verändern, die für Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel zuständig sind. Deshalb erhöhen diese Tierstudien die Plausibilität der neuen Ergebnisse aus China.

In dieser Studie wurden die BPA-Werte von 3.390 Erwachsenen über 40 aus der Songnan Gemeinde in Shanghai gemessen. Für jede Person wurden soziodemographische und medizinische Daten sowie Angaben zum Lebensstil erhoben. Blutzucker und Insulin wurden ebenfalls gemessen.

Für jede Person wurde der Body Mass Index (BMI, Körpergewicht durch Größe) errechnet. Als „Übergewicht“ wurde ein BMI von 24 bis 28 angesehen, über 28 galt als fettsüchtig. Ein dicker Bauch wurde bei Männern mit einem Taillenumfang von über 35 Inch (88.9 cm) und bei Frauen mit 33,5 Inch (85.09 cm) definiert.

BPA wurde in einer morgendlichen Urinprobe gemessen. Die Werte wurden in Gruppen unterschiedlicher Konzentration (von niedrig bis hoch) unterteilt und [anhand des BMI] miteinander verglichen. Sie bewegten sich in einem Bereich, den man typischerweise in den Vereinigten Staaten findet.

Bei den höchsten Werten ergab sich sowohl zu adipösem BMI und Taillenumfang als auch zu erhöhter Insulin-Konzentration im Blut ein Zusammenhang. Insgesamt tendierten die jüngeren Männer (Durchschnittsalter 59) in dieser Studie zu den höchsten Werten dieser Chemikalie in ihrem Urin.

Bei Teilnehmern mit einem BMI von unter 24, aus den Gruppen mit den höchsten BPA-Werten, war das Vorkommen von Insulin-Resistenz um 94 Prozent erhöht – eine auffälligere Zunahme als in den entsprechenden Adipositas-Gruppen.

Die Aussagekraft dieser Studie ist dadurch begrenzt, dass der Zusammenhang nur an einem einzigen BPA-Erhebungsort festgestellt wurde und dass das Design dieser Studie diesen nicht beweisen kann – die Forscher benutzen die Methode der Querschnittstudie.

Diese Studie legt nahe, dass die BPA-Werte bei Erwachsenen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellen, da sie mit Adipositas und verwandten Gesundheitsprobleme im Zusammenhang stehen.

Autor dieser Studienzusammenfassung: Steven Neese, 4. Januar 2012 für EHN

Übersetzung: Brun0 für CSN – Chemical Sensitivity Network

Quelle der Studie:

Wang, T, M Li, B Chen, M Xu, Y Xu, Y Huang, J Lu, Y Chen, W Wang, X Li, Y Liu, Y Bi, S Lai and G Ning. 2011. Urinary Bisphenol A (BPA) concentration associates with obesity and insulin resistance. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism http://dx.doi.org/10.1210/jc.2011-1989

Der Original-Artikel „Ubiquitous bisphenol A linked to adult obesity, insulin resistance“ steht unter der Creative Commons Lizenz: by-nc-nd. Diese Übersetzung wurde abweichend von dieser Lizenz von Environmental Health News genehmigt. Sie steht unter keiner CC-Lizenz.

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Einige vermeintliche genetische MCS-Faktoren spielen bei Japanern mit MCS keine Rolle

Genotypen von geringer Bedeutung

Genetisch bedingte Beeinträchtigung des Fremdstoffmetabolismus ist ein postulierter Mechanismus bei Umwelterkrankungen wie Multiple Chemical Sensitivity (MCS). Während Wissenschaftler aus Deutschland, Kanada und den USA feststellten, dass bestimmte genetische Varianten das Risiko erhöhen, an MCS zu erkranken, stellten japanische Forscher nun das Gegenteil fest. Sie konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen Probanden mit MCS und Kontrollpersonen feststellen.

QEESI als Tool zur Diagnostik von MCS

Die japanische Wissenschaftlergruppe definierte Personen, die eine starke Reaktion auf chemische Substanzen aufweisen, mittels des von Claudia Miller entwickelten Fragebogens „Quick Environmental Exposure und Sensitivität Inventory“ (QEESI), als „auf Chemikalien empfindlich reagierende Bevölkerungsgruppe“.

Sind bestimmte Gentypen anfälliger für MCS?

Das Ziel der im Dezember in der medizinischen Fachzeitschrift „Environmental Health Prevention Medicine“ Studie war, den Zustand der Patienten, die empfindlich auf Chemikalien reagieren, zu ermitteln und deren Genotypen zu analysieren. Die Wissenschaftler wollten so die Faktoren für eine Anfälligkeit für MCS in der japanischen Bevölkerung herausfinden.

Untersuchung gemeinsamer Genotypen

Die Mediziner befragten insgesamt 1.084 Mitarbeiter aus japanischen Unternehmen mittels des QEESI Diagnosetools, um so bei diesen Personen MCS und Sick Building Syndrom festzustellen. Als gemeinsame Genotypen wurde bei den Teilnehmern die Glutathion-S-Transferase (GST) M1, GSTT1, Aldehyddehydrogenase2 (ALDH2) und Paraoxonase1 (PON1) analysiert, um Faktoren für die Anfälligkeit einer Sensitivität gegenüber Chemikalien zu identifizieren.

Doppelte Absicherung der Diagnose

Vier der Probanden hatten die Diagnose MCS im Vorfeld, keiner der Probanden hatte die Diagnose Sick Building Syndrom. Die Probanden wurden in vier Stufen nach Punktzahlen von 0, 1-19, 20-39 und 40 oder mehr, auf jeweils drei der QEESI Subskalen eingeteilt. Darüber hinaus nutzten die Wissenschaftler die MCS Diagnosekriterien von Hojo, um sicherzugehen und die MCS Fälle von Kontrollpersonen zu unterscheiden. Es wurden keine signifikanten Unterschiede in der Allelverteilung der genetischen Polymorphismen der GSTM1, GSTT1, ALDH2 oder PON1 Gene in den vier Ebenen der einzelnen Subskalen, oder zwischen MCS-Fällen und Kontrollpersonen gefunden.

Gemeinsame Genotypen von geringer Bedeutung

Die Wissenschaftler der Kumamoto University schlossen aus ihren Forschungsergebnissen, dass die häufig verbreiteten Genotypen GSTM1, GSTT1, ALDH2 und PON1 in der japanischen Bevölkerung von geringer Bedeutung für MCS sind.

Ob es daran liegt, dass die Japaner einem anderen Genpool entspringen, oder ob genetische Faktoren generell als Mechanismus bei der Entstehung von MCS letztendlich eine untergeordnete Rolle spielen, werden zukünftige Studien zeigen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 02. Januar, 2012

Literatur:

Fujimori S, Hiura M, Yi CX, Xi L, Katoh T., Department of Public Health, Faculty of Life Sciences, Kumamoto University, Factors in genetic susceptibility in a chemical sensitive population using QEESI, Environ Health Prev Med. 2011 Dec 29.

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Alzheimer und Diabetes: Ein tödliche Duo

Neuere Forschung zeigt, dass die beiden tödlichsten Krankheiten in Amerika etwas miteinander zu tun haben könnten

„Wir wissen, dass es einen Zusammenhang gibt“, sagt Heather Snyder, zweite Chefin für medizinische und wissenschaftliche Zusammenarbeit der Alzheimer’s Association.
„Was wir herauszubekommen versuchen, ist warum das so ist.“

Snyder spricht von zwei der schlimmsten Plagen: Alzheimer und Diabetes. Beide gehören zu den tödlichsten Erkrankungen. Nach Auskunft von Centers for Disease Control and Prevention [Zentren für Hygiene und Vorsorge] sind sie jeweils die sechst- und siebt-häufigste Todesursache in den Vereinigten Staaten.

Neuerdings legt die Forschung nahe, dass sie neben ihrer Tödlichkeit noch etwas anderes sind – nämlich eine allgegenwärtige biologische Gefahr. Aus diesem Grunde könnte die Forschung zu einer der beiden Erkrankungen auch zu erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten der anderen führen.

Als erstes muss erwähnt werden, dass in den USA 26 Millionen Menschen Diabetes haben, davon wissen 7 Millionen nicht einmal, dass sie erkrankt sind, wie das National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Disease [staatliche Institut für Diabetes, Verdauungs- und Nierenerkrankungen] bekannt gibt. Trotz aller Aufklärungs-Kampagnen bleibt Diabetes eine Erkrankung, bei welcher der Blutzuckerspiegel zu hoch ansteigt, weil der Körper Insulin nicht wirksam genug nutzen kann. Das heißt, der Körper hört auf, genug Insulin zu produzieren, das den Zellen dazu dient, Zucker zu absorbieren und in Energie umzuwandeln.

Bestimmte Teile der Bevölkerung haben eine unverhältnismäßig hohe Diabetes-Rate, dazu gehören Latinos, Afrikaner, Asiaten und amerikanische Ureinwohner. Nach dem National Institutes of Health [oberste amerikanische Gesundheitsbehörde] haben 8,3 Prozent der US-Bevölkerung Diabetes, doch mehr als 16,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung amerikanischer Indianer und der Urbevölkerung Alaskas wurden damit diagnostiziert. Die Diabetes-Raten sind je nach Region unterschiedlich, wobei amerikanische Indianer im südlichen Arizona mit 33,5 Prozent von den höchsten Leidensraten betroffen sind.

Zwischen Diabetes und Alzheimer bestehen mehrere Zusammenhänge. Zum Beispiel die Insulin-Resistenz, und Diabetes 2 erhöht das Risiko für Herzerkrankungen als auch für Schlaganfälle. Beides kann eine Schädigung der Blutgefäße zur Folge haben und Forscher glauben, dass geschädigte Blutgefäße im Gehirn gut zu Alzheimer beitragen könnten.

Außerdem benötigen unsere Hirnzellen sehr viel Energie, was durch Diabetes beeinträchtigt werden kann, da die Erkrankung die Fähigkeit des Körpers bremst, Zucker aufzunehmen, um die nötige Energie zu erzeugen. Die Gesundheit des Gehirns ist darüber hinaus vom harmonischen Zusammenspiel vieler verschiedener Chemikalien abhängig. Zu viel Insulin kann das Gleichgewicht dieser Chemikalien durcheinander bringen und unter Umständen Alzheimer auslösen. [Anmerkung: Bei Diabetes 2 reagiert der Körper anfänglich mit überhöhter Insulinproduktion auf die zunehmende Insulin-Resistenz.] Und zuletzt kann hoher Blutzucker Entzündungen hervorrufen, welche Hirnzellen zerstören und zum Entstehen von Alzheimer beitragen können.

Den Verbindungen zwischen Diabetes und Alzheimer nachzugehen, könnte letztendlich auch ein besseres Verständnis der vaskulären Demenz mit sich bringen, eine Erkrankung mit den gleichen Symptomen wie Alzheimer. Doch wie Snyder es sagt, „ist Alzheimer als eine der zehn häufigsten Todesursachen in den USA die einzige, der man nicht vorbeugen kann, die sich weder heilen noch verzögern lässt“. Im Gegensatz dazu kann man vaskulärer Demenz vorbeugen oder mit Hilfe derselben Gesundheitsregeln in den Griff bekommen, die auch das Risiko für Diabetes reduzieren können.

„Ursachen [Vaskulärer Demenz] sind Bluthochdruck, eine Diät mit hohem Fettanteil, Rauchen und nicht behandelte Diabetes“, sagt Carson Henderson, stellvertretender Leider des Two Hawk Institute, einer Gesellschaft, die Indianern gehört und von diesen betrieben wird, zu deren Aufgaben Gesundheitserziehung, Schulung und Forschung in Indian Country gehören. „Wer Sport treibt, sich richtig ernährt, nicht raucht, kann vaskulärer Demenz im Alter vorbeugen.

Vaskuläre Demenz wird von einer schlechten Durchblutung des Gehirns verursacht, oft in Folge eines oder mehrere Infarkte. „Wenn Sie vaskuläre Demenz haben, sterben ihre Hirnzellen ab, weil kleine, sehr feine Blutgefäße im Gehirn blockiert werden und die Zellen darunter weder Blut noch Sauerstoff bekommen“, erklärt Carsons Ehemann Neil Henderson aus Choctaw in Oklahoma, der das American Indian Diabetes Prevention Center [Vorsorgezentrum] am Health Sciences Center’s College of Public Health [Schule für öffentliche Gesundheit am Zentrum für Gesundheitswissenschaften] an der University of Oklahoma leitet. „Vaskuläre Demenz ähnelt Alzheimer sehr stark, doch die Ursachen sind andere. Man leidet trotzdem an Gedächtnisverlust und Verwirrung.“

Der neuste Zusammenhang zwischen Diabetes und Demenz ergab eine aktuelle Studie, die an der Kyushu University in Japan durchgeführt wurde. Forscher untersuchten über 15 Jahre lang „1.017 in der gleichen Gemeinde lebende demenzfreie Personen“ und stellten fest, dass Alzheimer und vaskuläre Demenz „bei Menschen mit Diabetes signifikant höher waren als bei jenen mit einer normalen Glukose-Toleranz“.

Snyder erklärt die Bedeutung dieser Entdeckung folgendermaßen: „Diabetes schädigt Ihr Herz und es bestehen Zusammenhänge zwischen der kardiovaskularen Gesundheit und der Gesundheit des Gehirnes. Das Gehirn verbraucht 25 Prozent des Sauerstoffs im Blut, um zu funktionieren, wenn das Herz nicht gesund ist, wird es das Gehirn genau so wenig sein.“

Nach und nach werden nun die Verbindungen zwischen Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfall aufgedeckt. Nachdem nun nicht auszuschließen ist, dass Diabetes zu den Ursachen einer der lethalsten Erkrankungen in Amerika gehört, unternehmen Organisationen wie die Alzheimer’s Association alles, was sie können, um für flächendeckende Aufklärung und Vorsorge zu sorgen.

Autor: ICTMN Team, 14. Dezember 2011

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Wir danken Indian Country Today Media Network für die Genehmigung, den Artikel übersetzen zu dürfen.
Original-Artikel: „A Deadly Duo: New Research Shows Two of the Leading Killers in America Might be Linked“
Twitter: Indian Country

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Weihnachtsbäume mit krebserregenden Pestiziden belastet

BUND-Weihnachtsbaumtester finden in fast der Hälfte der Bäume teils verbotene Pestizide

Berlin – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in sechs von 15 getesteten Weihnachtstannen und -fichten teils verbotene Pestizide gefunden.In einem Drittel der untersuchten Nadelproben von in Berliner und Leipziger Baumärkten und Straßenverkaufsstellen gekauften Bäumen wurde das in Deutschland verbotene Insektizid Flufenoxuron nachgewiesen. In zwei Proben wurde das nicht für Weihnachtsbäume zugelassene Herbizid Metolachlor und in einer Probe das in der EU seit 2004 verbotene Herbizid Atrazin gefunden. Diese Chemikalien gelten als krebserregend bzw. hormonell wirksam. Gleich drei Pestizide wurden in einer Nordmanntanne von einem Verkaufsstand vor dem Leipziger Globus-Baumarkt gefunden. Sie stammt vom Tannenhof Zernitz-Lohm in Brandenburg.Die höchste Belastung wurde in einer Blaufichte gemessen, die ebenfalls in Leipzig in einem Hagebaumarkt gekauft wurde und deren Herkunft unbekannt ist.

Tomas Brückmann, BUND-Pestizidexperte: „Weihnachtsbäume, die in Deutschland auf den Markt kommen, dürfen diese gefährlichen Pestizide nicht enthalten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in geheizten Räumen die giftigen Pestizidrückstände aus den Bäumen in die Umgebung abgegeben werden. Zwar sind die nachgewiesenen Mengen nicht akut gesundheitsschädlich. Aber man sollte Kleinkinder nicht unter belasteten Weihnachtsbäumen krabbeln lassen. Sie können die Chemikalien über die Atemluft und die Haut aufnehmen. Zusammen mit der Aufnahme anderer Schadstoffe sind gesundheitliche Schäden vorstellbar.“

Der BUND forderte die Pflanzenschutzbehörden in den Ländern und Landkreisen auf, verstärkt ihrer Kontrollpflicht nachzukommen. Um Belastungen bei Weihnachtsbäumen zu vermeiden, müssten die Anwender von Pestiziden künftig regelmäßiger überprüft werden. Bundesagrarministerin Ilse Aigner müsse sich dafür einsetzen, dass in der Landwirtschaft deutlich weniger Pestizide eingesetzt werden. Verbrauchern empfiehlt der Umweltverband, Weihnachtsbäume am besten direkt beim Förster oder aus lokaler und regionaler Aufzucht zu kaufen, vorzugsweise gekennzeichnet mit dem Bioland-, Neuland- oder Naturland-Siegel. Zu empfehlen seien auch mit dem FSC-Siegel (Siegel für nachhaltige Waldbewirtschaftung) zertifizierte Bäume.

Literatur:

BUND, BUND-Weihnachtsbaumtester finden in fast der Hälfte der Bäume teils verbotene Pestizide, 16. Dezember 2011

Weiterführende Informationen und Tipps wo es giftfreie, ökologische Weihnachtsbäume gibt:

Videos:

Durst und Brände mit Limonade löschen?

Brominierte Schlacht: Eine Limonaden-Chemikalie mit zweifelhafter Unbedenklichkeit

Eine als Flammschutzmittel für Kunststoffe patentierte und in Lebensmitteln in ganz Europa und Japan verbotene brominierte Chemikalie namens BVO [brominated vegetable oil] wird in Nordamerika seit Jahrzehnten Limonaden zugefügt. Nun interessieren sich manche Wissenschaftler erneut für diese wenig bekannte Zutat, die man in den USA in 10 Prozent aller Limonaden findet. Untersuchungen über ihre Toxizität gab es zuletzt in den 70’er Jahren und manche Fachleute drängen nun auf eine Neubewertung. Nach ein paar extremen Limonade-Trinkgelagen – nicht weit von dem entfernt, was viele Computer-Spieler regelmäßig konsumieren – mussten ein paar Patienten wegen Hautschädigungen, Gedächtnisverlust und Nervenerkrankungen medizinisch behandelt werden, alles Symptome einer Brom-Überdosis. Andere Studien legen nahe, dass BVO in menschlichem Gewebe akkumuliert. In Versuchen mit Mäusen haben hohe Dosen Fortpflanzungs- und Verhaltensprobleme verursacht.

Marietta, Georgia, 12.12.2011 – Es ist Montagabend im „Battle & Brew“, einem Gamertreff in diesem Vorort von Atlanta. Die Leute machen es sich in Sesseln gemütlich, ihre Ohren verschwinden unter Kopfhörern, ihre Augen sind starr auf Flachmonitore fixiert und ihr Bewusstsein hat sich im Spiel des Tages aufgelöst: „The Elder Scrolls V: Skyrim“.

Um die ganze Nacht voll wach zu bleiben, hat jeder eine offene Dose „Spieler-Sprit“ in nächster Nähe der Tastatur stehen. „Ich habe manche dieser Typen gesehen, wie sie sechs Limonaden in sechs Stunden verarbeitet haben“, sagt Brian Smawley, ein regelmäßiger Gast der Spieler-Bar.

Die Gamer sagen, sie saufen ihren Treibstoff wegen dem Zucker und dem Koffein, doch die Trinker von Mountain Dew und einigen anderen Getränken mit Zitronengeschmack bekommen eine Portion sogenanntes brominiertes Pflanzenöl, oder BVO [s.o.].

BVO, von Chemiefirmen als Flammschutzmittel patentiert und in ganz Europa und in Japan für Lebensmittel verboten, wird seit Jahrzehnten in Nordamerika Limonaden zugesetzt. Nun interessieren sich manche Wissenschaftler erneut für diese wenig bekannte Zutat, die man in den USA in 10 Prozent aller Limonaden findet.

Nach ein paar extremen Limonade-Trinkgelagen – nicht weit von dem entfernt, was viele Computer-Spieler regelmäßig konsumieren – mussten ein paar Patienten wegen Hautschädigungen, Gedächtnisverlust und Nervenerkrankungen medizinisch behandelt werden, alles Symptome einer Brom-Überdosis. Andere Studien legen nahe, dass BVO in menschlichem Gewebe akkumuliert, so wie es weitere brominierte Verbindungen wie z.B. Flammschutzmittel tun. In Versuchen mit Mäusen haben hohe Dosen Fortpflanzungs- und Verhaltensprobleme verursacht.

Gutachten eines Industrieverbandes waren 1977 für die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel [FDA] die Grundlage, um den nach ihrer Auffassung sicheren Höchstwert für BVO in Limonaden festzulegen. Doch manche Wissenschaftler sagen, dass sich dieser Grenzwert auf unzulängliche, veraltete Daten stützt, darum bestehen sie darauf, dass man diese Chemikalie einer neuen Prüfung unterziehen muss.

„Von diesem Gutachten abgesehen ist die wissenschaftliche Datenlage spärlich“, sagte Walter Vetter, Lebensmittelchemiker an der Universität Hohenheim in Stuttgart und Autor einer neueren, aber unveröffentlichten Studie über BVO in europäischen Limonaden-Importen.

Flammschutzmittel in Limonade?

Wenn Sie das nächste Mal nach Mountain Dew, Squirt, Fanta Orange, Sunkist Pineapple, Gatorade Thirst Quencher Orange, Powerade Strawberry Lemonade oder Fresca Original Citrus greifen, sehen Sie sich die Inhaltsstoffe an. Mountain Dew führt brominiertes Pflanzenöl an vorletzter Stelle auf, neben Disodium EDTA [Ethylendiamintetraessigsäure-Natriumsalz (PDF)] und Yellow 5 [Tartrazin oder E102]. Bei diesen Getränken handelt es sich um eine Stichprobe jener, die BVO als Inhaltsstoff entsprechend den Anforderungen der FDA angeben. Die aller beliebtesten Limonaden – Coca-Cola und Pepsi – enthalten kein BVO.

Niemand muss ein Gamer sein, um diese Limonaden mit Fruchtgeschmack zu trinken. In den USA trinken 85 Prozent der Kinder mindestens einmal pro Woche ein Getränk, das Zucker oder künstliche Süßstoffe enthält, wie aus einer Studie vom November hervorgeht. Limonaden sind nach einer Studie des nationalen Krebs-Institutes (PDF) die größte Kalorienquelle für Teenager zwischen 14 und 18 Jahren. Für Erwachsene sind Limonaden, Energy- und Sport-Drinks die viert größte Quelle (PDF) für Kalorien, wie eine staatliche Studie heraus fand.

Halten Sie eine Flasche Mountain Dew gegen das Licht. Es sieht trüb aus. Brominiertes Pflanzenöl ist für das trübe Aussehen verantwortlich, weil es die fruchtigen Geschmacksstoffe in ihrer Mischung im Getränk fixiert. Ohne einen solchen Emulgator wie BVO würden die Geschmacksstoffe an die Oberfläche steigen. Die FDA begrenzt den Einsatz von BVO auf 15 ppm [15 mg pro kg] in Getränken mit Fruchtgeschmack.

Brominiertes Pflanzenöl, das aus Sojabohnen oder Mais gewonnen wird, enthält Brom-Atome, welche den Zitrus-Geschmacksstoff schwerer machen (PDF), so dass er sich mit Wasser mischt oder als Flammschutzmittel chemische Reaktionen verlangsamt, die zu einem Feuer führen.

Brominierte Flammschutzmittel werden neuerdings besonders genau unter die Lupe genommen, da Untersuchungen gezeigt haben, dass sie sich im Körper der Menschen ansammeln und weltweit auch in der Muttermilch. Um die Ausbreitung von Flammen zu verlangsamen, werden sie der Polystyrolschaum-Füllung für Polstermöbel und Kinderprodukte, wie auch den Kunststoffen für Elektronik-Artikel beigemischt. Tierstudien wie auch ein paar Humanstudien stellten einen Zusammenhang mit eingeschränkter neurologischer Entwicklung, verminderter Fruchtbarkeit, dem frühen Eintritt der Pubertät und veränderten Schilddrüsen-Hormonen her.

BVO müsste heutzutage nicht als Flammschutzmittel in Möbelpolsterungen verwendet werden, doch Patente in Europa, die Anfang 2011 Dow Global Technologies und in den Vereinigten Staaten Koppers Inc. erteilt wurden, sorgen dafür, dass dem so ist.

„Es gibt einige Bedenken [wegen BVO], da die Leute befürchten, es könnte sich ähnlich wie Flammschutzmittel verhalten und mit ähnlichen Gesundheitsrisiken verbunden sein“, sagte Heather Stapleton, eine Umwelt-Chemikerin an der Duke University, die sich auf die Erforschung von brominierte Verbindungen spezialisiert hat.

Die Limonaden-Hersteller und Branchenverbände sagen, sie machen sich wegen der Sicherheit von brominiertem Pflanzenöl keine Sorgen, sie sagen, ihre Produkte entsprechen den Richtlinien der Regierung.

„Es handelt sich um eine sichere, von der FDA zugelassene Zutat, die für manche Citrus-basierten Getränke verwendet wird“, sagte Christopher Gindlesperger vom amerikanischen Getränkeverband, der PepsiCo, den Hersteller von Mountain Dew vertritt. „Es ist wichtig, dass die Verbraucher darauf vertrauen können, dass unsere Produkte sicher sind und dass sich unsere Industrie an alle Vorgaben der Regierung hält“.

Chris Barnes von der Dr. Pepper Snapple Group, die Hersteller von Squirt und anderen Getränken die BVO enthalten, wiederholte diese Antwort.

„Alle Inhaltsstoffe in Produkten der Dr. Pepper Snapple Group entsprechen den Anforderungen der FDA und anderen Regulierungen“, sagte Barnes. Alte Daten

Einige Fachleute sind überzeugt, dass sich die Richtlinien der FDA auf Jahrzehnte alte Daten stützen.

„Solche Verbindungen, die derart verbreitet sind, sollten regelmäßig und mit neuerer Technik neu untersucht werden, um sicher zu stellen, dass es keine Wirkungen gibt, die von den früheren Untersuchungsmethoden nicht erfasst wurden“, sagte Charles Vorhees, ein Toxikologe am Cincinnati Children’s Hospital Medical Center, der die neurologische Wirkung von BVO in den frühen 80’er Jahren untersucht hat. „Nach meiner Ansicht gehört BVO zu jenen Verbindungen, die eine Neuuntersuchung rechtfertigen.“

Das Testen der Toxizität hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert. Inzwischen können Versuchstiere über mehrere Generationen auf Veränderungen in ihrer neurologischen Entwicklung, in ihrem Hormonhaushalt und in ihrer Reproduktion untersucht werden, was man sich in den 70’er und 80’er Jahren nicht vorstellen konnte.

„Ich bin kein Toxikologe, doch nach meiner Ansicht hat sich die toxikologische Untersuchung von Chemikalien seit damals verbessert“, fügte Vetter hinzu.

1970 stellten Wissenschaftler in England fest, dass Ratten nach einer sechswöchigen Diät die 0,8 Prozent brominiertes Maisöl enthielt, beachtliche Mengen an Brom in ihrem Fettgewebe hatten. Die Brom-Werte veränderten sich nicht, selbst nachdem die Ratten zwei Wochen lang eine Kontroll-Diät bekamen.

Etwa zur selben Zeit bestätigte eine Studie, dass sich Brom in Menschen ansammelt. Forscher untersuchten die Serum-Werte von Menschen in Großbritannien – wo BVO verwendet wurde – und von Kontrollgruppen in den Niederlanden und in Deutschland, wo BVO nicht verwendet wurde.

„Damals hatten britische Bürger im Vergleich zu den Bewohnern von Deutschland und den Niederlanden höhere Brom-Werte“, sagte Vetter. Nach diesen Studien wurden die höchsten Fett gebundenen Brom-Werte im Gewebe von britischen Kindern gefunden.

Die Autoren der Studie schrieben: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Brom-Rückstände in den Kindern auf die Aufnahme von brominiertem Pflanzenöl zurückzuführen ist.“

Daten aus Versuchen mit Ratten zeigen, dass BVO toxisch sein kann. Eine Studie aus dem Jahre 1971 von kanadischen Forschern stellte fest, dass Ratten die mit einer Diät gefüttert wurden, welche 0,5 Prozent brominiertes Öl enthielt, Schädigungen des Herzmuskels entwickelten. In einer späteren Studie von 1983 bekamen mit denselben Ölen gefütterte Ratten Verhaltensstörungen und solche, die mit 1 Prozent BVO gefüttert wurden, hatten Wahrnehmungsprobleme. Bei 2 Prozent waren sie nicht mehr fortpflanzungsfähig.

Die Diäten in jener Studie enthielten „kolossale Dosen“ BVO, ungefähr hundert mal mehr als die heutigen zulässigen Höchstwerte, sagte Vorhees, Hauptautor der Studie von 1983.

Doch zwei Fallstudien aus den letzten 15 Jahren zeigen, dass kolossale Dosen auch bei Menschen vorkommen können – mit gesundheitlichen Folgen.

Epische Gelage

In MMO-Nächten [s.u.] im Battle & Brew spielen manche Gamer 12 Stunden am Stück. in diesen Multiplayer Online games spielen tausende weltweit gegeneinander. Während diesen epischen Schlachten ist eine Limonade pro Stunde nicht ungewöhnlich. Ein Gamer, der jede Stunde eine 20 Flüssigunzen Flasche Limonade trinkt, bringt es in sechs Stunden auf 3,5 Liter.

„Sie sitzen 12 Stunden da und hauen sich nur Limonade rein“, sagte Smawley.

Nahezu jeder amerikanische Teen spielt Computerspiele, berichtet das Pew Research Center. Die 110 Milliarden Dollar Softdrink Industrie und die 74 Milliarden Computerspiele Industrie wissen das. Activision, der Hersteller von „Call of Duty: Modern Warfare 3“, der neusten Ausgabe dieses populären Computerspieles, hat sich mit Mountain Dew für eine Werbekampagne zusammen geschlossen und belohnt Spieler mit Bonuspunkten, wenn sie mehr Mountain Dew trinken.

1997 berichteten Ärzte aus der Notaufnahme an der University of California in Davis von einem Patienten mit einer schweren Brom-Vergiftung durch den täglichen Genuss von vier Litern Orangenlimonade. Er litt unter Kopfschmerzen, Müdigkeit, Ataxie (Verlust der Muskel-Koordination) und Gedächtnisverlust.

In einem Fall, der 2003 aus Ohio berichtet wurde, bekam ein 63-jährigen Mann an seinen geschwollenen Händen Geschwüre, nachdem er mehrere Monate täglich 8 Liter Red Rudy Squirt getrunken hatte. Bei dem Mann wurde Bromoderma diagnostiziert, eine seltene Überempfindlichkeit der Haut gegenüber Brombelastungen. Der Patient hörte mit dem Trinken des brominierten Softdrinks auf und erholte sich nach Monaten.

Reaktionen dieser Schwere stellen für die normale Bevölkerung kein Problem dar, sagte einer der an der Studie beteiligten Ärzte.

„Ein Konsum von BVO in normalem Umfang hat keine Gesundheitsprobleme zur Folge – außer dem Risiko, durch das Trinken von derart viel Zuckerwasser Diabetes zu entwickeln“. sagte Zane Horowitz, medizinischer Leiter des Oregon Poison Centers und Autor der Fallstudie von 1997.

Doch in der Spielerszene ist ein normaler Verbrauch nicht normal. Es sieht so aus, als ob jeder jemanden kennt, der oder die gewohnheitsmäßig diese „Brennstoff-Hilfe“ benötigt und genug konsumiert, um sich zu gefährden.

„Ich habe Hardcore-Typen gesehen, die sich nach jedem Spiel eine neue Ladung genehmigen“, Sean Hyatt, zweiter Chef im Battle & Brew.

„Und es sind nicht nur die „Stinker“ – Smawleys abschätze Bezeichnung für den stereotypisch verwahrlosten Spieler – die sich Gamer-Sprit rein donnern. Vorhees vom Cincinnati Children’s Hospital berichtet, dass sein Sohn die ganze Nacht auf bleibt, wenn er mit seinen Freunden ein neues Spiel antestet.

„Sie benutzen Mountain Dew nicht zufällig als Getränk, das sie wach hält – und sie essen so gut wie gar nichts“, sagte Vorhees.

Wenn jemand während solchen Gelagen nichts isst, nimmt dessen Körper das Getränk vollständig auf. Das ist für Kinder umso schlimmer, sagt Vorhees, weil sie weniger Körpermasse haben.

„Bei Kindern ist die Wirkung der Dosis meistens größer“, sagte Vorhees, „Ich glaube in der Tat, dass es Menschen gibt, welche diese hohen Dosen erreichen“.

Das verbotene Brom kommt zurück

Auf Daten aus früheren Studien gestützt, entfernte die FDA 1970 brominiertes Pflanzenöl aus seiner Positivliste GRAS (Generally Recognized as Safe/allgemein als sicher anerkannt) für Geschmacksstoff-Zusätze, sagte Douglas Karas, ein Sprecher der FDA. BVO kam wieder dazu, nachdem Studien eines Industrieverbandes von 1971 bis 1974 einen sicheren Grenzwert nachwiesen.

Der Verband der Hersteller von Geschmacksstoff-Extrakten bat die FDA, BVO wieder in Getränken mit Fruchtgeschmack zu erlauben, diesmal als Stabilisator, wozu es bis heute eingesetzt wird. Nach Prüfung der Eingabe und anderer Daten erlaubte die FDA den vorübergehenden Einsatz von BVO mit 15 ppm in Getränken mit Fruchtgeschmack, bis die Ergebnisse weiterer Studien vorliegen.

„Diese Entscheidung stützte sich auf die höchsten Werte aus vorliegenden Sicherheits-Studien, bei denen man keine schädliche Wirkung festgestellt hatte und auf die geschätzte tägliche Aufnahmemenge“, schrieb Karas in einer Email. „Obwohl es Dosen gab, die im Tierversuch Nebenwirkungen zur Folge hatten, gab es auch niedrigere [Höchst-]Dosen, bei denen man keine Nebenwirkungen beobachtete.“

Als Bedingung für die vorläufige Zulassung, lieferte der Herstellerverband zusätzliche Sicherheits-Studien an die FDA.

Die FDA legte fest, dass eine zweijährige Fütterungs-Studie mit Schweinen 1200 ppm als Wert, bei dem keine schädliche Wirkung auftritt, rechtfertigt. Eine zweijährige Fütterungs-Studie mit Beagle Hunden wurde ebenfalls durchgeführt. Obwohl es gerade zu dieser Studie qualitative Bedenken gab, sagte Karas, wurden bei den zwei Jahre lang mit bis zu 3600 ppm gefütterten Hunden keine Herzkreislauf-Erkrankungen festgestellt. Nach einer öffentlichen Prüfung der Daten, bei der es um die Qualitätsbedenken ging, beschloss die FDA, BVO in Getränken mit Fruchtgeschmack zu erlauben.

„Die Ergebnisse dieser Studien unterstützen einen sicheren BVO-Wert für Getränke von 15 ppm in Getränken mit Fruchtgeschmack“ sagte Karas. „Sein Gebrauch als Flammschutzmittel schließt seinen Gebrauch als Lebensmittel-Bestandteil nicht aus, solange der Gebrauch des Lebensmittels sicher ist.“

Über 30 Jahre später ist der Genehmigungs-Status von brominiertem Pflanzenöl immer noch vorläufig. Diesen Status zu ändern wäre kostenaufwendig und „stellt aktuell keine Priorität für die öffentliche Gesundheit dar“, sagte Karas.

Michael Jacobson, Geschäftsführer des Center for Science in the Public Interest [Zentrum für Wissenschaft im öffentlichen Interesse] war 1970 der der Petition beteiligt, BVO aus der Positivliste zu entfernen. Er sagte, es wäre für die FDA an der Zeit, eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung zu treffen.

„Ist es in den aufgenommenen Mengen schädlich? Vermutlich nicht“, sagte Jacobson. „Doch es wäre nicht schlecht, wenn sich die FDA gründlich mit der Literatur befassen würde, um zu einer Zulassung oder zu einem Verbot zu kommen“.

Auf mehr Sicherheit umstellen?

Wie aus einer auf einem Symposium über halogenisierte beständige organische Schadstoffe präsentierten Analyse (PDF) von importierten Limonaden hervorgeht, ist BVO nach Europa gesickert, ein Gebiet, in dem dieser Zusatzstoff überwiegend verboten ist.

„Wir fanden Produkte ohne Angabe der Inhaltsstoffe, obwohl BVO in den Limonaden vorhanden war“, sagte Vetter, Hauptautor der Studie.

Er sagte, Limonaden-Hersteller in Nordamerika könnten BVO problemlos durch Alternativen wie etwa Hydrokolloide ersetzen – Chemikalien, die in vielen Limonaden in Europa eingesetzt werden. Natürliche Hydrokolloide bilden auf dem Wasser kleine Tröpfchen, in denen Wasser unlösliche Verbindungen so lange, wie dies erforderlich ist, gelagert und stabilisiert werden können. Es handelt sich überwiegend um reine Naturprodukte, sagte Vetter.

Barnes von der Dr. Pepper Snapple Group sagte, dass BVO und Hydrokolloide „nicht die gleiche Funktionalität bieten und nicht untereinander ausgetauscht werden könnten“.

Vetter widersprach, wies darauf hin, dass Länder in Europa und anderswo seit Jahrzehnten natürliche Hydrokolloide für jene Limonaden-Marken verwendet haben, die in Nord-Amerika nicht ohne BVO auskommen.

Es gibt etliche Optionen, BVO durch sichere Chemikalien zu ersetzen“, sagte Vetter. „Ich kenne keine entscheidenden Nachteile von BVO gegenüber Hydrokolloiden oder umgekehrt.“

Warum wird in Amerika nicht auch umgestellt, wenn natürlich Alternativen in anderen Ländern längst in Gebrauch sind?

Wim Thielemans, ein Chemie-Ingenieur an der University of Nottingham in Großbritannien sagte, wenn die Alternativen in Europa längst in Gebrauch sind, „müsste ihre Leistung akzeptabel, wenn nicht sogar mit in den USA verwendeten brominierten Systemen vergleichbar sein“. Das bedeutet, „das Hauptmotiv, sie nicht zu verwenden, könnten die Kosten sein“, sagte er.

„Es ist ein nordamerikanisches Problem“, fügte Vetter hinzu. „In der EU würde BVO niemals erlaubt werden.“

Autor: Brett Israel für Environmental Health News, 12. Dezember 2011

Übersetzung: BrunO für CSN – Chemical Sensitivity Network

Bitte beachten: Der Original-Artikel „Brominated battle: Soda chemical has cloudy health history“ steht unter der Creative Commons Lizenz: by-nc-nd. Diese Übersetzung wurde abweichend von dieser Lizenz von Environmental Health News genehmigt. Sie steht unter keiner CC-Lizenz.

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Menschenrechtsverletzungen: Sechs Agrarchemie-Konzerne schuldig gesprochen

Auch Internationaler Währungsfond, Weltbank und Welthandelsorganisation wegen systematische Menschenrechtsverletzungen schuldig gesprochen

Nach vier Verhandlungstagen des nach strengen juristischen Regeln arbeitenden Permanent People’s Tribunal folgte am 6. Dezember 2011 der Urteilsspruch. Danach sind die weltweit größten sechs Agrarchemie-Konzerne – Monsanto, Syngenta, Bayer, Dow Chemical, DuPont und BASF – schuldig, schwerwiegend, weitreichend und systematisch Menschenrechte verletzt zu haben.

Auf der Grundlage einer 274 Seiten umfassenden Anklageschrift verhandelte das Permanent People’s Tribunal Anklagen von Opfern und Zeugen aus Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und Nordamerika. Die Anklagepunkte betrafen das Recht auf Gesundheit und Leben sowie ökonomische, soziale und kulturelle Menschenrechte, aber auch zivile und politische Rechte und speziell die Rechte von Frauen und Kindern. Das Tribunal sprach die Konzerne auch schuldig, die Menschenrechte von indigenen Völkern verletzt zu haben. Die Anklageschrift wurde im Namen der Opfer durch PAN International eingereicht.

Carina Weber, Geschäftsführerin von PAN Germany: „Dieses Tribunal macht deutlich, dass durch multinationale Agrarchemie-Konzerne begangene Menschenrechts- verletzungen in großem Ausmaß stillschweigend geschehen. Viele Opfer sind nicht in der Lage, ihre Rechte im eigenen Land juristisch einzufordern und auf globaler Ebene existiert kein wirksamer Mechanismus, um die Konzerne für begangene Menschen- rechtsverletzungen haftbar zu machen.“

Über die Heimatländer der Konzerne – die Schweiz, Deutschland und die Vereinigten Staaten – urteilt die Jury, dass sie sich nicht gemäß der international übernommenen Verantwortung, die Menschenrechte zu fördern und zu schützen, verhalten.

Neben den sechs Konzernen und den drei Ländern wurden der Internationale Währungsfond, die Weltbank und die Welthandelsorganisation schuldig gesprochen. Sie haben, so die Jury, durch ihre Politik und ihre Programme die Konzentration und Macht von Konzernen begünstigt. Die Jury sprach die Welthandelsorganisation schuldig, eine unausgewogene Politik zu betreiben, indem sie das Recht auf geistiges Eigentum der Konzerne stärker betone als den Schutz vor Langzeitgefahren, die aus Aktivitäten der Unternehmen resultieren. Der Internationale Währungsfond und die Weltbank haben der Jury zufolge im Rahmen ihrer Vergabepraxis die Einhaltung der Menschenrechte nicht ausreichend berücksichtigt.

Für die Anklage von Konzernen nach nationalem Recht empfiehlt die Jury das Strafrecht statt des Zivilrechts. Die Jury drängt Regierungen, sich für die Umstrukturierung des Internationalen Rechts einzusetzen, damit multinationale Konzerne zur Rechenschaft gezogen werden können, die Beweislast zukünftig weniger auf den Opfern lastet und das Vorsorgeprinzip gestärkt wird.

Autor: PAN, Hamburg, 12. Dezember 2011

Mehr zum Permanent People´s Tribunal

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Ministerium für Gesundheit veröffentlicht Konsens über Multiple Chemical Sensitivity

Experten wollen die Zukunft von MCS Kranken in Spanien verbessern

In Spanien hat das Ministerium für Gesundheit ein Konsensdokument zu MCS herausgegeben. Der Konsens soll dazu beitragen, dass sich die bislang schwierige Situation der Chemikaliensensiblen verbessert. Medizinisches Personal und Angestellte in Gesundheitseinrichtungen sollen Kenntnis über die besonderen Bedürfnisse der MCS Kranken erhalten. Das 128-seitige Dokument (pdf), an dem mehrere Institutionen und medizinische Fachgesellschaften beteiligt waren, enthält unter anderem auch Empfehlungen, in welche Richtung zu dieser Umweltkrankheit zukünftig geforscht werden soll. Die spanische Bloggerin Eva Caballé, No Fun Blog, berichtet nachfolgend, was der Impuls für das Zustandekommen des MCS-Konsenses war. Ein ausführlicher Bericht über den Inhalt des MCS Konsensdokuments folgt in Kürze.

Eva Caballé:

Am 30. November hat das Ministerium für Gesundheit in Spanien endlich das erwartete Konsensdokument über Multiple Chemical Sensitivity (MCS) offiziell präsentiert.

Vor zwei Jahren wurden José Luís Aparicio, eine MCS Erkrankte, und ich vom spanischen Radioprogramm Carne Cruda interviewt. Sie waren so sehr schockiert über MCS und die Auswirkungen der Krankheit, dass sie sich entschlossen, das Ministerium für Gesundheit zu kontaktieren und jemanden vom Ministerium für ein Interview in ihre Show zu bitten, um der Behörde die schreckliche Situation der MCS-Kranken darzulegen. Nach einer ganzen Reihe erfolgloser Anrufe beim Ministerium für Gesundheit, riefen sie dort während einer live Radio-Show an, und das Ministerium musste schlussendlich akzeptieren.

Im Januar 2010 wurde der Generalsekretär des Ministeriums für Gesundheit auf „Carne Cruda“ befragt. Es war Sondersendung, die Multiple Chemical Sensitivity gewidmet war und an der Miguel Jara, Dr. Pablo Arnold, José Luís Aparicio und David Palma in meinem Namen teilnahmen.

Der Generalsekretär versprach öffentlich, sich mit Selbsthilfegruppen zu treffen, um MCS gerecht zu werden.

Im Februar 2010 fand das Treffen mit dem Ministerium für Gesundheit statt, um die Situation der Multiple Chemical Sensitivity Erkrankten in Spanien darzulegen. Das Ministerium verpflichtete sich, einen wissenschaftlichen Ausschuss zu schaffen, um jenes MCS Konsensdokument, das nun endlich freigegeben wurde, zu erarbeiten. Das Dokument umfasst 128 Seiten und wird durch das Ministerium für Gesundheit ins Englische übersetzt werden. Innerhalb von zwei Jahren wird es überprüft werden, um die jeweils neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse darin zu integrieren.

David und ich möchten an dieser Stelle allen danken, die Teil dieses langen Prozesses gewesen sind. Den Ärzten des Wissenschaftlichen Ausschusses, den 13 Vereinen, die das „Comité para el Reconocimiento de la Sensibilidad Química Multiple“ (Nationaler Ausschuss für die Anerkennung von MCS in Spanien) bildeten und dass sie für diesen Prozess einstimmig waren. Besonderer Dank auch an Jaume Cortés, Rechtsanwalt des Colectivo Ronda, weil seine uneigennützige Teilnahme so entscheidend war für diesen Erfolg. Und wir wollen uns ganz speziell bei Javier Gallego, dem Direktor des Carne Cruda, und seinem Team bedanken, denn ohne ihre mutige Haltung hätte dieser Tag niemals zustande kommen können.

David war während des Prozesses als Beobachter dabei, was wir dem Ausschuss hoch anrechnen. Nun verlässt er den Ausschuss, weil wir keinem MCS Verein angehören und weil wir glauben, dass unsere Arbeit abgeschlossen ist.

Der 30. November 2011 ist ein großer Tag für alle MCS-Kranken in Spanien gewesen. Das MCS Konsensdokument, wenn auch unvollkommen, legt den Grundstein für die zukünftige Anerkennung dieser Krankheit, und letztendlich erkennt es an, dass die MCS-Patienten existieren.

Autor: Eva Caballé, No Fun Blog, The Ministry of Health in Spain presents the Consensus Document on Multiple Chemical Sensitivity (MCS) – November 30, 2011

Übersetzung und Antext: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Informationen  zum Thema MCS zum Weitergeben:

Auch in diesem Jahr sagt der Nikolaus „Nein“ zu Parfum und Aftershave

Ein echter Nikolaus mag kein Parfum

Für den Nikolaus hat eine stressreiche Zeit begonnen. Im Dezember stapft er Allerortens mit prall gefülltem Sack durch die Straßen und Häuser, um so manchen Schuh, Stiefel oder Nikolausstrumpf zu füllen. Süßigkeiten, Nüsse, Orangen, Spielzeug und nette Kleinigkeiten gehören zu dem, was ein Nikolaus verteilt. Einige Erwachsene und Jugendliche hatten Parfum, Aftershave, Duftkerzen oder Aromaöle auf dem Wunschzettel stehen. Ein echter Nikolaus sagt jedoch „NEIN“ zu diesen Präsenten, denn Parfum, Aftershaves, Duftkerzen und Aromaöle enthalten eine Flut von Chemikalien und Allergenen. Manche dieser Chemikalien in Duftstoffen sind sogar krebserregend, schädigen das Nerven- und das Immunsystem, verursachen Allergien oder anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel und Asthmaanfälle. Welcher Nikolaus würde das jemandem wünschen. Für Unartige hat er schließlich seine Rute, und selbst die packt er nur ganz selten aus.

Unterstützen Sie den Nikolaus und sagen auch Sie „NEIN“ zu Parfums, Aftershaves, Duftkerzen, Aromaölen und anderen parfümierten Präsenten, damit alle Kinder und alle Erwachsenen eine Weihnachtszeit ohne gesundheitliche Beschwerden erleben dürfen. Falls Ihr einen Nikolaus trefft, gebt ihm dieses Kärtchen, damit er andere Weihnachtsmänner informieren kann. Es wird dazu beitragen, dass alle Kinder Freude haben werden, auch jene mit Allergien, Chemikaliensensitivität und Asthma.

AKTIONSKARTE, zum Ausdrucken anklicken >>>

Der echte Weihnachtsmann trägt KEIN PARFUM, denn er liebt alle Kinder. Auch die mit Asthma oder Allergien.

Die Karte darf gerne im Copy-Shop oder von einer Druckerei vervielfältigt werden, sofern das Layout nicht verändert wurde.

Die Aktionskarte steht auch für den Nikolaus in anderen Ländern zur Verfügung:

USA, ENGLAND

Weihnachtskarte klein

Druckvorlage

SPANIEN

Weihnachtskarte klein

Druckvorlage

NORWEGEN

Weihnachtskarte klein

Druckvorlage

DÄNEMARK:

Weihnachtskarte klein

Druckvorlage

Wer Dosensuppe löffelt, isst die Chemikalie BPA mit

Essen aus der Dose führt zu stark erhöhter Bisphenol-A Belastung

Wissenschaftler führten eine Studie durch, um die wichtige Frage zu klären, wie viel Bisphenol-A (BPA) man durch Essen von Nahrung aus der Dose zu sich nimmt. Die hormonaktive Chemikalie BPA ist ein Bestandteil der Innenbeschichtung von Konservendosen. Bei Studienteilnehmern, die fünf Tage lang eine Portion Dosensuppe am Tag gegessen hatten, stellte man einen mehr als 1.000 -prozentigen Anstieg von Bisphenol A fest. Die Studie, die in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht wurde, ist eine der ersten wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, bei der die BPA – Belastung beim Menschen nach Genuss von Nahrung aus Konservendosen quantifiziert wurde.

Beschichtungen von Konservendosen und Flaschen aus Polycarbonat setzen BPA frei

„Frühere Studien haben einen Zusammenhang zwischen erhöhter BPA-Belastung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen feststellen können. Der nächste Schritt war daher, herauszufinden, durch was Menschen BPA ausgesetzt sind. Wir wissen seit einer Weile, dass das Trinken von Getränken, die in bestimmten harten Kunststoffen gelagert wurden, zu einer erhöhten BPA Belastung im Körper führen kann. Die vorliegende Studie legt nahe, dass Nahrung aus Konserven ein noch größerer Grund zur Sorge sein könnte, vor allem aufgrund ihres verbreiteten Einsatzes“, sagte Jenny Carwile, Doktorand in der Abteilung für Epidemiologie an der Harvard School of Public Health (HSPH) und Hauptautor der Studie.

BPA verantwortlich für Fortpflanzungsstörungen und degenerative Erkrankungen

Es hat sich herausgestellt, dass Kontakt mit der hormonaktiven Chemikalie BPA, die zur Beschichtung von Nahrungsmittel- und Getränkedosen verwendet wird, die Fortpflanzungsfähigkeit bei Tieren stört. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit beim Menschen wurden mit BPA in Verbindung gebracht. Außer in Beschichtungen von Nahrungsmittel- und Getränkedosen, wird Bisphenol-A auch in Polycarbonat-Flaschen (durch die Recycling Nummer 7 gekennzeichnet) und in zahnmedizinischen Composites und Versiegelungen gefunden.

Suppe aus der Dose mit BPA belastet

Für ihre Studie rekrutierten die Wissenschaftler freiwillige Studenten und Mitarbeiter aus der HSPH. Sie hatten sich die Aufgabe gestellt herauszufinden, ob der Verzehr von Suppe aus der Dose die BPA-Konzentration im Urin im Vergleich stärker erhöht, als das Essen frisch zubereiteter Suppe. Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe konsumierte fünf Tage lang jeden Tag 350ml Gemüsesuppe aus der Dose. Die andere Gruppe nahm fünf Tage lang täglich 350ml frische Gemüsesuppe (zubereitet ohne Zutaten aus Konserven) zu sich. Nach zwei Tagen Karenz tauschten die Patientengruppen ihre Aufgaben.

BPA geht von Dosenbeschichtungen in Nahrungsmittel über

Als die Wissenschaftler die BPA-Belastung in den Urinproben der 75 Studienteilnehmer vorliegen hatten, staunten sie nicht schlecht. Der Vergleich der Urinproben, die während der Test-Tage gesammelt wurden, zeigte, dass der tägliche Verzehr einer Portion Dosensuppen mit einem 1.221% BPA-Anstieg im Urin verbunden war.

Forschungsergebnisse werfen weitere Fragen auf

Eine weitere Feststellung der Harvard Wissenschaftler bestand darin, dass die erhöhten BPA-Konzentrationen im Urin zeitlich begrenzt sein könnten, sie halten daher weitere Forschung für notwendig ist, um die Verweildauer im Körper zu quantifizieren. Schwierig werden dürfte jedoch die Feststellung in wie weit selbst kurzfristige BPA-Exposition Effekt auf den menschlichen Organismus hat.

Wissenschaftler fordern: Hersteller sollten nach Vorsorgeprinzip handeln

„Die unerwartete Höhe des BPA-Anstiegs im Urin, die wir nach nur einer Portion Suppe beobachteten, könnte für solche Personen bedenklich sein, die regelmäßig Lebensmittel aus Dosen essen oder täglich mehrere Getränke aus Dosen trinken. Für die Hersteller wäre es daher angebracht nachzuprüfen, wie sie BPA aus den Innenbeschichtungen der Dosen beseitigen können“, sagte Michels, Senior-Autor der Studie.

Verbraucher können Entscheidungen treffen, die Industrie zum Handeln bewegen

Nicht nur Verbraucherverbände und Wissenschaftler können die Nahrungs- und Getränkeindustrie zum zeitnahen Abwenden von BPA-haltigen Dosen bewegen, auch die Konsumenten können durch gezielten Einkauf Druck auf die Hersteller ausüben. In Frankreich wird Wurst sehr häufig in Weckgläsern angeboten. Die Gläser haben einen Glasdeckel, der durch einen Einmachgummi abgedichtet ist. In solchen Weckgläsern werden auch Suppen, Gemüse und Obst angeboten. Ansonsten wurde die wohl beste Alternative durch die Forschungsergebnisse eindeutig dargelegt: Frische Zutaten nehmen und daraus die Speisen selbst zubereiten.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 29. November 2011

Literatur:

Jenny L. Carwile, Xiaoyun Ye, xiaoliu Zhou, Anotonia M. Calafat, Karin B. Michels, J., Canned Soup Verbrauch und Harnwege Bishphenol A: A Randomized Crossover-Studie, JAMA, November 2011.

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