Die beliebtesten Blogs im Juli 2010 – CSN Blog Top 10

Als im Juli bekannt wurde, dass eine chemikaliensensible Frau in Spanien in Lebensgefahr ist, weil die Stadt die Gehwege und Bäume vor ihrem Haus mit Organophosphat-Pestiziden besprüht, wurden Organisationen weltweit aktiv. Sie baten ihre Mitglieder, eine Petition für die junge Frau zu unterzeichnen und an den Stadtrat zu schreiben. Bei CSN war dieser Aufruf der am Häufigsten gelesene Artikel im Monat Juli. Platz Zwei erreichte der Bericht einer ehemaligen Lehrerin über Schadstoffe in der Schule und was passierte, als sie dadurch krank wurde. Auf dem dritten Platz der Blog Top 10 landete ein Artikel über Gesundheits- und Umweltgefahren durch Laminat. Der Artikel ist, seit er online ging, fast in jeder Monats-Top 10 zu finden, das starke Interesse verdeutlicht, dass es erhebliche Probleme mit diesem Bodenbelag gibt.

Zum Lesen der CSN Top 10 Artikel, einfach anklicken:

  1. Hilferuf: Junge Frau in Lebensgefahr
  2. Schadstoffe in der Schule: Kranke Lehrer, kranke Schüler
  3. Laminat belastet Umwelt und Gesundheit
  4. Wenn die Galle überläuft – Natürliche Hilfe bei Gallensteinen, Gallenkolik & Co.
  5. Folgen einer Deo-Pflicht für Angestellte
  6. Studie aus Rom bestätigt hypothetische Theorie von Multiple Chemical Sensitivity
  7. Action!!! Weltweit schreiben MCS-Kranke an Oprah Winfrey
  8. Krank in Deutschland: Konsequenzen für eine Familie
  9. Bremsenstiche
  10. Hilferuf: Spanischer Professor mit Quecksilbervergiftung und MCS trat in Hungerstreik

Der Weihnachtsengel hat uns nicht vergessen

CSN wünscht Frohe Weihnachten

Nachdem die Morgennebel aufgestiegen sind, ist der Himmel in ein zartes rosa getaucht, es verspricht ein schöner Tag zu werden. Die letzten Nächte war es sternenklar und schon bitter kalt. Die Kamine der Häuser pusteten dicke Wolken gegen Himmel. Mit leiser Vorahnung schaue ich immer wieder aus dem Fenster. Irgendetwas Besonderes wird heute passieren, nur was?

Plötzlich drang ein gleißend heller Lichtstrahl durchs Fenster, traf auf die Wand und verwandelt sich in glitzernden Sternstaub. Das ganze Zimmer glitzerte wie tausende von Diamanten. Meine Vorahnung hatte gestimmt, der Weihnachtsengel stand am Fenster und wollte gerade klopfen, damit ich ihn bemerke. Unsere beiden Gesichter strahlten vor Freude, was den Sternenstaub, der das Zimmer erfüllte, noch unendlich mehr glitzern ließ.

Ich öffnete geschwind das Fenster und schwups war der Engel auch schon im Zimmer, umarmte mich mit beiden Flügeln und redete sogleich wie ein Wasserfall los: „Schön, dass Du da bist, Du glaubst nicht, wie viel wir dieses Jahr zu tun haben – endlich bin ich wieder hier.“ Dann ließ er sich auf das gemütliche Sofa in meinem Büro plumpsen. Ich klopfte den Sternenstaub von meinem dicken Pullover und entgegnete: „Was glaubst Du, was ich mich freue, dass Du wieder da bist, lieber Weihnachtsengel, wir hatten schon Angst, Du hättest uns dieses Jahr vergessen.“ Der Engel kicherte und verschluckte sich dabei fast: „Wie sollte ich Euch vergessen? Das ganze Jahr sind ich und meine Freunde für Euch mit Chemikalien-Sensitivität und Allergien tätig. Ihr seht uns zwar nicht, aber eigentlich müsstet Ihr gemerkt haben, dass wir da sind.“

Der Weihnachtsengel sah so wunderschön aus, das weißsilbrige Gefieder glänzte und hob sich edel vom pfirsichfarbenen Farbton der Wand ab. Es kam einem Gemälde gleich. „Doch, auch wenn das Jahr nicht einfach war, Ihr müsst dagewesen sein, wir haben immer wieder gespürt, dass jemand auf uns aufpasst, und einiges Gutes ist uns widerfahren.“ Der Engel kicherte und zwinkerte mit den Augen: „Sag ich doch, wir helfen. Selbst wenn nicht alles mit einem Fingerschnippen besser ist für Euch, dennoch ändert sich langsam etwas im Bewusstsein der Menschen für Eure Belange. Komm setz Dich zu mir, damit wir darüber reden können. Aber sag mal, könnte ich dazu eine heiße Tasse Schokolade haben, sowie im letzten Jahr? Daran habe ich auch das ganze Jahr gedacht, muss ich gestehen.“

Vor lauter Aufregung hatte ich doch tatsächlich vergessen, dem Weihnachtsengel etwas anzubieten. Die Freude ihn dazuhaben war zu groß gewesen. „Aber natürlich lieber Engel, wie konnte ich das vergessen. Ich eile und Du bekommst von den leckeren Plätzchen, die wir gebacken haben. Sie sind extra für Allergiker und mit glutenfreiem Mehl und ohne Nüsse gebacken. Trotzdem schmecken Sie köstlich.“ Ein Strahlen ging über das Gesicht des Weihnachtsengels und er hauchte: „Das klingt wunderbar, lass auch die Menschen mit Allergien das Rezept wissen, vergiss das bloß nicht!“ Ich lief geschwind in die Küche, und als ich mit der heißen Schokolade mit einem großen Sahnehäubchen und einem Teller mit den frischgebackenen Kokosmakronen zurückkam ins Büro, wurde das Strahlen im Gesicht des Engels noch größer.

„Welch ein Genuss, was habe ich mich darauf gefreut und nun berichte mir, wie war das Jahr für all die Menschen mit schweren Allergien und Chemikalien-Sensitivität“, sagte der Weihnachtsengel gespannt. „Du weißt ja, dass meine Organisation CSN, Menschen mit Chemikaliensensitivität hilft und über die Krankheit publiziert. Das Beste in diesem Jahr war, dass die Krankheit nun nicht nur in Deutschland anerkannt ist, sondern auch in Österreich, Luxemburg und zum ersten Oktober wurde sie auch in Japan in das Register für körperlich bedingte Krankheiten aufgenommen. Dadurch besteht in diesen Ländern die Möglichkeit, dass Erkrankte mehr Rechte eingeräumt bekommen und auch medizinische Hilfe erhalten. Bis zur umfassenden Akzeptanz ist es noch ein weiter Weg, aber er ist geebnet.“ Der Weihnachtsengel nickte wohlwollend und meinte: „Das wird noch besser werden, man kann Euch nämlich nicht mehr ignorieren, dazu haben schon zu viele Menschen Chemikalien-Sensitivität. Seid geduldig und verbreitet weitere alle wichtigen Informationen, die jeder, der auf Spuren von Alltagschemikalien reagiert, einfach wissen muss. Es wird werden und schließlich sind wir auch noch da,“ sagte der Engel mit überzeugender Stimme. Dann lehnte er sich zurück, trank seine heiße Schokolade und naschte von den Plätzchen und murmelte dabei: „Was gibt es noch?“

„Ein tolles Projekt, in der Schweiz entsteht ein ökologisches Wohnprojekt extra für Menschen, die auf Chemikalien reagieren. Die Stadt Zürich handelt zukunftsgerichtet und möchte durch das Projekt Erfahrungen für gesundes Bauen und Wohnen gewinnen. Jetzt wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben und auch deutsche Umweltärzte und Baubiologen sitzen in der Jury. Der Präsident der Baugenossenschaft, die sich speziell für dieses Wohnprojekt für Chemikaliensensible gegründet hat, sagte, man sei offene Türen eingerannt für das Projekt. Es sei vielen Menschen klar, dass Wohnraum gesund sein muss und nicht schadstoffbelastet, damit es den Bewohner gut geht. Solche Projekte bräuchten wir auch in Deutschland und wir hoffen, dass auch hier Menschen, die in keinem normalen Haus mehr leben können, weil sie zu krank dazu sind, irgendwann in solchen gesunden Häusern leben dürfen“, berichtete ich dem Weihnachtsengel.

Der Engel schaute mich an und sagte: „Das wird kommen, sie können Euch nicht ewig hängen lassen. Ihr seid als Behinderte anerkannt und das bedeutet, man muss Euch helfen, kein Behinderter darf benachteiligt werden. Seid zuversichtlich, es wird sich einiges Positive für Euch tun.“

In Gedanke sah ich plötzlich Hoffnung in den Gesichtern der Erkrankten, die fast nur draußen lebten, weil sie keinen Innenraum tolerieren können wegen der Schadstoffe in herkömmlichen Baumaterialien. Eigentlich sollte gesundes Bauen zur Norm werden, genauso wie zur Norm werden sollte, dass wir die Innenräume nicht mehr mit giftigen Reinigungsmitteln oder Raumduftsprays kontaminieren. Wie vielen Menschen mit Allergien, Asthma, Chemikalien-Sensitivität, etc. dies zugute käme und wie viel an gewonnener Leistungskraft der wirtschaftlichen Produktivität zugute käme.

Der Weihnachtsengel schien meine Gedanken zu erahnen. Er fuhr fort: „Es gab doch dieses Jahr auch eine Konferenz des Umwelt Bundesamtes und dort wurde beschlossen, dass eigens ein Institut gegründet werden soll, dass sich mit Schaffung von gesunder Luft in Innenräumen beschäftigen soll. Du wirst sehn, daraus könnten wichtige Änderungen in Gang kommen. Auch mit diesem Duftstoffwahnsinn will man sich auseinandersetzen. Wir Weihnachtsengel schütteln nur mit dem Kopf, wo ihr Menschen glaubt, diese künstlichen Duftstoffe einsetzen zu müssen. Wir halten oft die Luft an, so schlimm ist es. Und weißt Du was? Diese künstlichen Weihnachtsdüfte die überall benutzt werden, die können wir schon überhaupt nicht leiden. Weihnachten muss nach echter Tanne, Lebkuchen, frisch gebackenen Plätzchen riechen, nicht nach Chemie und überhaupt, was soll dass überall Chemie zu versprühen,“ sagte der Engel mit erzürntem, verständnislosen Gesicht.

Dass selbst Weihnachtsengel sich durch die künstliche Beduftung unserer Umwelt gestört fühlen, hätte ich nicht gedacht. „Im kommenden Jahr werden wir sehen, wie ernst sie es meinen und ob dass geplante Institut uns Allergiker schützt. Es würde für viele Menschen mehr Lebensqualität, bessere Gesundheit und weniger Leiden bedeuten,“ ließ ich den Engel wissen. Dieser nickte und entgegnete, „Darauf werden wir gemeinsam hinarbeiten, wir Weihnachtsengel stehen geschlossen hinter Euch. Ihr wisst ja, wir sind auch den Rest des Jahres nicht untätig, auch wenn man uns dann nicht zu Gesicht bekommt“.

Dann stand er plötzlich auf, strich seine Flügel glatt, flatterte einmal und der ganze Raum war mit noch mehr glitzerndem Sternenstaub erfüllt als zu seiner Ankunft. Alles funkelte und eine unglaubliche Zuversicht erfüllte den Raum. Kein Fünkchen Zweifel war mehr vorhanden, nur noch Gewissheit, dass sich vieles für die Menschen mit Allergien ändern wird – zum Guten. Wie hatte er das nur gemacht?

„Sag lieber Weihnachtsengel, warum bin ich plötzlich von Zuversicht erfüllt dass alles besser wird?“ fragte ich. Der Weihnachtsengel schüttelte schmunzelnd den Kopf und erwiderte verschmitzt: „Glaubst Du etwa nicht mehr an uns? Na warte ab – dann kicherte er schelmisch, öffnete das Fenster und sog die klare Luft von draußen ein. „So muss Luft sein, klar, sauber und wohltuend, alles andere ist ungesund, und das werden immer mehr Menschen verstehen, lass uns mal machen und, nicht dass Ihr Euch solange auf die faule Haut legt, ich erwarte, dass Ihr auch weiter daran arbeitet, dass Verständnis für eine gesündere Umwelt eintritt“, sagte der Weihnachtsengel und umarmte mich zum Abschied. Dabei hauchte er in mein Ohr: „Ich weiß, ich kann mich auf Euch alle verlassen und Ihr könnt Euch auf uns verlassen. Habt frohe Weihnachten und vergesst nicht, wir sind da.“

Ich steckte dem Weihnachtsengel noch schnell ein Tütchen mit frischgebackenen Plätzchen zu und bedankte mich bei ihm, dass er da gewesen war. Fast wäre mir dabei eine Träne die Wange heruntergekullert, doch auch das schien der Weihnachtsengel vorausgeahnt zu haben, denn sein Flügel strich mir zart übers Gesicht und hüllte mich in silbrigen Sternenstaub ein. Die Morgenröte war fast verblasst, als der Weihnachtsengel davonflog, dafür war plötzlich alles in ein unendlich schönes silbriges Licht getaucht.

Frohe Weihnachten!

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Winter 2009

Bundesministerium für Gesundheit zum aktuellen MCS-Notfall

SOS für eine MCS-Patientin

Am 10. Dezember wurde im CSN Blog ein öffentlicher Hilferuf für eine Frau publiziert, die an schwerer MCS – Multiple Chemical Sensitivity erkrankt ist und unter völligem Toleranzverlust gegenüber Nahrungsmitteln und Wasser leidet. Die 44-jährige müsste dringend in einer Umweltklinik mit aufbauenden Infusionen behandelt werden. Der Versuch, in einer normalen Klinik Behandlung zu erhalten, scheiterte an den Chemikalien, mit denen man in einer Klinik unweigerlich konfrontiert wird. Eine Umweltklinik in Süddeutschland offerierte eine außerplanmäßige Aufnahme der Schwerstkranken am 4. Januar, bis dahin ist ihr Leben weiter in Gefahr. Diese untragbare Situation zum Anlass nehmend, schrieb Frau L. am 13. Dezember den Bundesgesundheitsminister an und bat um Unterstützung:

Sehr geehrter Herr Bundesgesundheitsminister Dr. Rösler,

SOS – ich spreche Sie direkt an, weil ich eine unglaubliche Geschichte vorbringen muss. Seit Wochen sucht Geli Hubernagel und ihr Mann verzweifelt nach medizinischer Hilfe. Die 44 jährige Frau hat eine sehr ausgeprägte MCS (multiple chemical sensitivity) und schwerste Reaktionen auf alle Nahrungsmittel. Ihr Zustand verschlechtert sich sehr stark. Selbst das Trinken von kleinen Schlucken Wasser sorgt ebenfalls für schwere Reaktionen.

Trotz großer Bemühungen blieb jeglicher Versuch, medizinische Hilfe zu bekommen, bisher erfolglos. Leider fehlt mir der Kontakt zu Frau Hubernagel, aber Frau Silvia K. Müller leitet das CNS Deutschland (Chemical Sensitivity Network). Sie hält den Internetkontakt mit der Patientin.

In den letzten Monaten haben 2 Frauen, die in ähnlich hoffnungsloser Situation waren, Selbstmord begangen.

Das Bundesgesundheitsministerium antwortete wie folgt:

Sehr geehrte Frau L,

vielen Dank für Ihre Zuschrift vom 13.12.2009, in der Sie die Situation von Frau Hubernagel schildern.

Bitte haben Sie Verständnis, dass der Minister nicht selbst antwortet. Angesichts der vielfältigen Aufgaben unseres Hauses und der damit verbundenen Verpflichtungen von Bundesminister Dr. Philipp Rösler wird er bei der Beantwortung der zahlreich eingehenden Bürgerbriefe durch ein engagiertes Team von Experten unterstützt. Dies kommt den Bürgern in den meisten Fällen in Form einer zügigen Antwort auf ihre Fragen zugute.

Den Erwartungen, die ich Ihrem Schreiben entnehme, kann das Bundesministerium für Gesundheit leider nicht entsprechen. Bedingt durch die Zuständigkeiten und Befugnisse gibt es hier keine Möglichkeit, den dargestellten Sachverhalt zu überprüfen bzw. eine wertende Stellungnahme abzugeben.

Für die Entscheidungen zur Behandlung einer Erkrankung kann man sich an einen Arzt des Vertrauens wenden. Das Bundesministerium für Gesundheit kann keine individuelle Patientenberatung durchführen, keine Auskunft über Verordnungsmöglichkeiten für den konkreten Einzelfall erteilen und auch keine Arztempfehlungen aussprechen.

Individuelle Fragen kann auch eine Krankenkasse beantworten. Allein sie ist rechtlich befugt und in der Lage, verbindlich zu informieren und konkrete Entscheidungen im Einzelfall zu treffen. Krankenkassen haben die Möglichkeit, das Verhalten eines Arztes von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung überprüfen zu lassen. Falls Sie eine solche aufsichtsrechtliche Überprüfung wünschen, erfahren Sie die Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde bei der Krankenkasse. Man kann sich gemeinsam mit der Krankenkasse oder auch direkt dorthin wenden.

Wenn jemand  mit der Entscheidung oder dem Verhalten einer Krankenkasse nicht einverstanden ist, steht es demjenigen offen, sich an die zuständige Aufsichtsbehörde zu wenden. Bei bundesunmittelbaren Krankenkassen ist dies das Bundesversicherungsamt, Friedrich-Ebert-Allee 38, 53113 Bonn; ansonsten das jeweilige Sozialministerium des Bundeslandes, das auch die Aufsicht über die Gesundheitsversorgung im jeweiligen Bundesland inne hat.

Dieses Schreiben ist im Auftrag und mit Genehmigung des Bundesministeriums für Gesundheit durch das Kommunikationscenter erstellt worden und dient Ihrer Information.

Mit freundlichem Gruß

Gerlind Nestler

Kommunikationscenter

Bundesministerium für Gesundheit

Aktuelle Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit finden Sie unter: www.bmg.bund.de

Das Thema GESUNDES WOHNEN für Umwelterkrankte rennt offene Türen ein

Eine der ersten Sitzungen zur Gründung der MCS-Wohnungsbaugenossenschaft

 

Gesundes Wohnen ist längst kein Müsli-Thema mehr, das belächelt wird. Zahlreiche Städte und Gemeinden haben durch Sick Buildings, „kranke“ Gebäude, schmerzhaft gelernt. Im privaten, wie im öffentlichen Bereich, wird zunehmend auf gesündere Bauweise und schadstoffkontrollierte Ausstattung geachtet, weil mittelfristig dadurch sogar gespart werden kann und die Umwelt geschont wird. 

Menschen, die bereits als umweltkrank gelten und auf Chemikalien in geringster Konzentration reagieren, sind die besten Indikatoren, was Schadstoffe in Gebäuden betrifft. Was sie vertragen, dürfte gesünder für alle sein und für mehr Wohlbefinden und Lebensqualität im Wohnbereich sorgen. Was sie nicht vertragen und bei ihnen Gesundheitsbeschwerden auslöst, kann auch andere Menschen krank machen. Für öffentliche Bauherren als auch für die Bauindustrie sind Umwelterkrankte daher Kooperationspartner, die viel know how einbringen können. 

Vor Kurzem hatten wir berichtet, dass die Stadt Zürich ein Bauvorhaben für das erste MCS-Haus in der Schweiz vergeben und einen Architektur-Wettbewerb ausgerufen hat. 

Im nachfolgenden Interview erfahren wir vom Initiator Christian Schifferle, dem Präsidenten der MCS-Liga und der Wohnungsbaugenossenschaft Gesundes Wohnen – MCS, wie er mit dem Vorschlag, ein baubiologisches Wohnhaus für MCS-Kranke zu bauen, nicht nur auf Interesse stieß, sondern sogar offene Türen einrannte. 

Interview:

Silvia K. Müller, CSN im Gespräch mit Christian Schifferle, Präsident der MCS-Liga Schweiz und der Wohnungsbaugenossenschaft Gesundes Wohnen – MCS 

Silvia K. Müller: Christian, wir sind alle total stolz auf Dich und freuen uns riesig über das MCS Wohnprojekt, das in der Schweiz in die Gänge kommt. Wie lange ist es jetzt her, seit Du erstmals die Idee für das Projekt hattest, und was waren Deine Gründe? 

Christian-SchifferleChristian Schifferle: Da ich seit meiner Kindheit umweltkrank bin, also seit über 50 Jahren, habe ich schon vor 20 Jahren erstmals die Stadtregierung von Zürich wegen Wohnungen für MCS-Kranke angefragt. Es brauchte also mehrere Anläufe und einen langen Atem. Ich bin als Kind in Lacken und Lösungsmitteln aufgewachsen und war offensichtlich krank, wurde aber von NIEMANDEM in meinem Umfeld ernst genommen und als Simulant behandelt. 

SKM: Hast Du unter diesem Außenseiterdasein, in das man Dich gepresst hat, gelitten? 

CS: Ja, denn ich führte schon früh einen sehr einsamen Kampf, um zu überleben. Das Ausgegrenztsein hat mich geprägt und zu einem gesellschaftskritischen MCS-Aktivisten gemacht, der zwar spirituell denkt, aber weiß, dass dazu konkretes Engagement gehört. Taten bedeuten mir mehr als schöne Worte. Die Not der andern und mangelnde Solidarität betreffen mich sehr. So habe ich vor bald 10 Jahren die MCS-Liga Schweiz gegründet. MCS ist wohl mein Schicksal und meine Lebensaufgabe, da ich diese Krankheit schon von Kind an hatte. 

SKM: Nicht jeder ist so stark wie Du, Christian, Du wirst wohl auch weiterhin für viele mitkämpfen müssen. Hast Du Dir ein Ziel gesteckt? Was können andere MCS-Kranke tun, damit es weitergeht? 

CS: Oh ja, ich habe etwas ganz fest im Sinn: Eine finanzstarke MCS-Stiftung, ein Hilfsfond für Umweltkranke, ist mein Ziel. Ich bin glücklich mit dem was wir schon gemeinsam erreicht haben, und alles, was jetzt kommt, ist eine Zugabe. Ich möchte alle ermuntern bei uns mitzumachen, denn wir bewegen etwas. Natürlich sollen auch ander MCS-Stiftungen entstehen. Das Hilfsfond-Projekt um Dr. Tino Merz  finde ich toll und ich werde es nach Kräften unterstützen. MCS-Kranke in Not brauchen Hilffe. 

SKM: Was hat Deiner Meinung nach bei der Stadt Zürich die Türen geöffnet für dieses innovative Projekt, von dem nicht zuletzt auch andere Wohnbauvorhaben profitieren werden? Gesundes Wohnen ist ja nicht nur ein Trend, es bedeutet gesunde leistungsfähigere Menschen. War dieser Gedanke für die Stadt Zürich auch maßgebend?    

CS: Ich machte Flugblattaktionen vor dem Zürcher Rathaus und Medienberichte in bekannten lokalen und landesweiten Medien. Auch andere MCS-Betroffene meldeten sich darauf bei den Behörden. Jetzt nimmt uns die Stadt Zürich ernst und ist interessiert, durch unser MCS-Wohnprojekt zu lernen, noch gesünder zu bauen. Wir werden jetzt vermehrt damit an die Medien gehen und ich finde es auch toll, was Du mit CSN-Deutschland für uns MCS-Kranke machst. Auch eine MCS-Stiftung, die mir sehr am Herzen liegt, ist durch den Sog dieses Wohnprojekts in die Nähe gerückt. 

SKM: Wie hast Du es geschafft, dass man Dir zuhörte bei der Stadt Zürich und dass jetzt, man kann es eigentlich schon so sagen, dass es so aussieht, als ob ein Traum für MCS-Kranke in Erfüllung geht? 

CS: Es war einfach dieser jahrelange Druck über Medienberichte. Was die Stadt Zürich da macht, ist toll. Ihr gebührt großer Dank für dieses Pionierprojekt. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Heute rennen wir mit dem Thema GESUNDES WOHNEN offene Türen ein. Dies müssen wir Umweltkranke nutzen und Fakten schaffen. Gesunde Häuser für Umweltkranke sind materielle Tatsachen, die andern helfen, diese Umweltkrankheit besser zu verstehen und zur Anerkennung zu führen. 

SKM: Wer waren und wer sind die größten Unterstützer für Euer Projekt? 

CS: Am Anfang waren es die etwa 45 Genossenschaftlerinnen, die bei uns bis jetzt je einen oder mehrere Anteilscheine von etwa 330 Euro und mehr erwarben. Total fast 20.000 Euro, damit hatten wir einen guten Start. Wichtig waren auch die beiden Ärzte Dr. Roman Lietha und Dr. Klaus Tereh, die uns von Anfang an unterstützten und die beide mit im Vorstand sind. 

Zudem half uns der Verein Innovage bei der Gründung mit unentgeltlicher Hilfestellung und Beratung. Ganz wichtig bei der Gründung sind auch mein MCS-Kollege Matthias Zeller und der Journalist Stefan Hartmann. Jetzt kommt uns die große Vernetzung zu Gute, die ich im Laufe der letzten 10 Jahre aufgebaut habe, denn vieles läuft über gute Beziehungen.  Auch haben wir seit Monaten eine gesunde engagierte Kauffrau in der Administration, Renate Kurze, eine Allrounderin, ein echter Engel. 

Vor 12 Jahren war ich ja bei RTL (Ilona Christen) zum ersten Mal als Talkgast in einer TV-Sendung über Allergien, um über das Thema Umweltkrankheit und Chemikalien-Unverträglichkeit zu reden. Als ich die große Reaktion spürte, wurde mir bewusst, wie wichtig die Medienpräsenz ist, um unser Thema zur Anerkennung zu führen. Das müssen wir weiter nutzen. Silvia, auch Dein TV-Auftritt letzthin war ganz stark. 

SKM: Wie geht es jetzt weiter? Durch eine E-Mail von Dir erfuhr ich, es wird einen Architekturwettbewerb geben. Das MCS Haus wird also kein hässliches Wohnsilo, sondern ein Haus, das auf MCS Kranke und ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Kannst Du uns ein wenig mehr erzählen? 

CS: Ja, die Stadt Zürich gibt uns das Grundstück günstig im Baurecht und organisiert einen großen Architekturwettbewerb für dieses MCS-Mehrfamilienhaus, das ja nicht nur gesund, sondern auch wohnlich sein soll. Mit in der Jury sind unter anderen auch Dr. Peter Ohnsorge und Peter Bachmann von Sentinelhaus. Des Weiteren 2 Baubiologen, 3 Architekten und natürlich auch MCS-Betroffene. 

SKM: Wir haben seit einigen Monaten in Deutschland große Not und suchen verzweifelt nach Notunterkünften für MCS-Kranke, die es sehr schwer erwischt hat und die keinen Platz haben, wo sie überleben können. Wird auch für Notfälle ein Platz bei Euch sein? 

CS: Ja, die Wohnungsnot von andern Umweltkranken betrifft mich sehr. Selbstverständlich wollen wir Notwohnungen anbieten. Du weißt ja sicher noch, wie es mir ging, als ich einen Platz suchte für meinen alten Wohnwagen. Das vergesse ich nie, auch nicht die vielen Nächte, die ich da draußen im Wald verbrachte, unter freiem Himmel auf einem Liegestuhl schlafend. Geplant sind deshalb auch Notwohnungen für Umweltkranke und ein duftstofffreier Gemeinschaftsraum, wo sich MCS-Kranke treffen können. Die Hausordnung wird sehr strikt MCS-gerecht sein. 

SKM: Christian, das ist einfach wunderbar und wir schielen mit Wehmut in die Schweiz. Wird die Stadt Zürich sich in die Planung des MCS-Hauses einbringen? 

CS: Die Stadt wird unser Projekt begleiten, unter anderem mit ihren Bauökologen und Fachleuten, die sehr interessiert sind. Es macht Spaß, an diesen Sitzungen mit der Stadt dabei zu sein, zu spüren, wie man als MCS-Kranker nach vielen Jahren von den Behörden ernst genommen wird. Das Mehrfamilienhaus wird ganz am Stadtrand gebaut, direkt an der grünen Wiese, und 100 Meter von einem grossen Wald entfernt, am Hang des Uetlibergs. Der Wald dient auch als Luftfilter. 

SKM: Christian, wir wünschen Dir, dass das MCS Haus Projekt problemlos und rasch gebaut wird, damit auch Dein Nomadenleben im Wohnwagen ein Ende hat. Was wirst Du mit Deinem Wohnwagen oben in den Bergen machen, wenn Du endlich eine MCS-gerechte Wohnung hast? 

Christian mit MCS - WohnwagenCS: Da ich auch hitzeempfindlich bin und im Sommer oft unter der Wärme im Unterland leide, werde ich den Wohnwagen in den Bergen vorläufig behalten. Da viele MCS-Kranke hitzeempfindlich sind, planen wir auch MCS-gerechte Not- und Ferienwohnungen in den Bergen. Langfristig planen wir auch ein Netz von Ferienwohnungen, weil MCS-Kranke kaum geeignete Ferienwohnungen finden. Schön wäre es, auch am Meer solche Wohnungen zu haben. Das Zürcher MCS-Wohnprojekt kann ja nicht alle MCS-Wohnungsnot lösen, aber es soll ein pionierhafter Anstoss sein, dass viele andere MCS-Wohnprojekte entstehen. 

SKM: Das bedeutet, dass Eure Wohnbaugenossenschaft noch viel vorhat und wachsen will. Liege ich da richtig? 

CS: Richtig, und wir möchten andere ermuntern, Ähnliches zu tun. Wir haben eine ganze Reihe von Plänen, doch dazu braucht es noch viele engagierte MitarbeiterInnen. Auch wenn ich manchmal nicht weiß, wie lange meine Kraft reicht, da ich ständig ans Limit gehe, so freue ich mich über jeden Schritt, und es geht mir darum, gemeinsam etwas Tragfähiges aufzubauen. Eine starke MCS-Wohnbaugenossenschaft, eine finanzstarke MCS-Stiftung. Umweltkranke sollen menschenwürdig und respektiert leben können. Wir sind auf gutem Weg dahin, und nachfolgende Generationen sollen ja auch noch was zu tun haben. 

SKM: Lieber Christian, ich danke Dir sehr für das nette Interview. Magst Du uns noch etwas über die attraktive, neue Webseite GESUNDES WOHNEN MCS sagen, die Ihr speziell für das Wohnprojekt ins Netz gestellt habt? Uns würde noch etwas interessieren, wie wird es finanziell weitergehen, Ihr braucht ja eine Menge Geld in MCS-Dimensionen gedacht. 

CS: Liebe Silvia, danke für dein Interview-Anfrage und dass ich hier über unsere Wohnbaugenossenschaft und das Zürcher Wohnprojekt reden darf. Stell Dir vor, in den letzten Wochen sind bei uns Spenden eingegangen von vier Wohnbaugenossenschaften, je etwa 14.000 Euro total ca. 55.000 Euro. Ein Riesen Erfolg und guter Start. Das hat uns viel Mut gegeben. Wir wollen ja ca. 1 Mio. Euro zusammenbekommen und wie gesagt auch eine Stiftung gründen. 

Unsere neue Internetseite ist speziell für das Fundraising entworfen, um große Stiftungen und Firmen anzusprechen. Man kann sich auf der Internetseite gerne informieren. Wir sind auch froh um Unterstützung und Mitglieder aus dem deutschen Raum, da wir uns nicht nur auf die Schweiz beschränken wollen. Die Mitgliedschaft kostet einmalig ca. 330 Euro (1 Anteilschein) Wir haben 2 Ärzte im Vorstand, und zwei engagierte Frauen in der Geschäftsleitung. Als Präsident komme ich mit meiner Krankheit oft ans Limit, aber wir wollen in unserer Wohnbaugenossenschaft auch kranke Menschen integrieren und die Mitarbeit ermöglichen, so gut es geht, so machen wir vieles über Telefonkonferenzen. Natürlich sind wir froh um weitere MitarbeiterInnen. 

SKM: WOW – kann ich da nur sagen, Christian, solche Unterstützung durch die anderen Wohnungsbaugenossenschaften und dann diese Summen, das ist einfach phantastisch. Mach so weiter Christian, bleib stark, auf unsere Unterstützung kannst Du jederzeit zählen, und wir wünschen Euch, dass es weiterhin mit so großen Schritten voran geht und halte uns natürlich auf dem Laufenden. 

Presseresonanz auf das MCS-Wohnprojekt

 

Weitere Berichte über Christian Schifferle

 

Weitere Auskünfte über das MCS-Wohnprojekt erteilt:

Christian Schifferle, Präsident Wohnbaugenossenschaft GESUNDES WOHNEN MCS, Telefon 044 401 05 22 (09.00 – 12.00 und 14.00 – 17.00).

Die besten Blogs im Oktober

Die besten Blogs im Oktober Der Blog, der am Häufigsten gelesen wurde, spiegelt wieder, was für Menschen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) am Wichtigsten ist: Adäquate Diagnostik und zielgerichtete Behandlung ihrer Krankheit. Manuela war in den USA in einer umweltkontrollierten Umweltklinik, dem EHC-Dallas. Der Aufenthalt brachte sie sehr viel weiter, und ihr Gesundheitszustand verbesserte sich. Im Blog teilte sie ihre Erfahrungen mit, was auf großes Interesse stieß. 

Auf Platz Nummer zwei landete ein Blog, der die Notwendigkeit einer qualifizierten Umweltklinik darlegt, es war eine Suche gestartet worden, um drei MCS-Kranken im hypersensiblen Stadium zu helfen. 

Auf Platz drei ist ein Blog gelandet, der über den Erfolg einer Frau berichtet, die in ihrem Prozess über 400.000 Euro Schadensersatz zugesprochen bekam. Sie war durch ihre Wohnung krank geworden und hatte durch giftige Baumaterialien Chemikalien-Sensitivität entwickelt. 

 

Zum Lesen der CSN Top 10 einfach Artikel anklicken 

  1. Erfahrungen einer MCS Patientin in der Umweltklinik EHC-Dallas
  2. Aufruf zur Hilfe: Umwelterkrankte wurden innerhalb weniger Monate zum Notfall
  3. Frau mit Chemical Sensitivity gewinnt fast 400.000 Euro in Sick Building Prozess
  4. Berufsverband der Umweltmediziner warnt vor Schweinegrippen-Impfstoff bei Patienten mit Umweltkrankheiten
  5. Babyschnuller sind Bisphenol-A-belastet. Hormonell wirksame Chemikalien in Kinderartikeln und lebensmittelnahen Anwendungen gehören verboten
  6. MCS – Multiple Chemical Sensitivity – A Disease Caused by Toxic Chemical Exposure
  7. Umweltmedizin: Die Gene – MCS-Risiko – Ursache
  8. Laminat belastet Umwelt und Gesundheit
  9. Schreie aus der Stille
  10. Hoher Blutdruck, niedriger Blutdruck… Natürliche Hilfe bei Kreislaufproblemen

Grußwort zur taz Panter Preis Verleihung

CSN Grußwort zum taz Panter Preis

Grußwort zur taz Panter Preis Verleihung

Bis zur letzten Sekunde hatte ich gehofft, dass ich bei der heutigen Vergabe des taz Panter Preises teilnehmen könnte. Meine Chemikalien-Sensitivität hat mir leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daher möchte ich Ihnen auf diesem Wege meine Grüsse und die vieler chemikaliensensibler Menschen übermitteln, die ebenfalls gerne am heutigen Abend dabei gewesen wären.

Wir alle haben uns sehr über die Nominierung zum taz Preis gefreut. Es kam soviel positive Resonanz, sogar ein sehr guter Fernsehbeitrag zu bester Sendezeit kam dadurch bereits zustande.

Ich möchte mich besonders bei der taz Redaktion und den taz Teams, die uns aufsuchten, ganz herzlich bedanken. Schon die Nominierungszeit war großartig und ungeheuer spannend.

Die taz Nominierung hat für uns das Licht auf ein Thema gerückt, das als rotes Tuch gilt, weil es unbequem ist und meist totgeschwiegen wird. Gerade deshalb waren die Erkrankten so sehr erfreut über die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wurde. Wir erhielten Zuschriften aus ganz Deutschland, aus anderen europäischen Ländern und aus den USA. Alle sind in Gedanken heute Abend bei uns. Ob Dr. Binz und ich den Panter Preis erhalten, ist für all diese durch Chemikalien erkrankten Menschen nicht einmal so wichtig, denn wie ich waren auch sie der Meinung, den Preis hätte eigentlich jeder Nominierte verdient, weil alle Projekte herausragend sind.

Deshalb haben wir alle nur einen Wunsch, dass es heute ein gelungener Abend wird und alle Anwesenden für uns Umweltkranke, die wir nicht dabei sein können, kräftig mitfeiern.

Viel Spaß am heutigen Abend und ein herzliches Danke an alle, die uns mit ihrer Stimme unterstützten,

Silvia K. Müller

CSN – Chemical Sensitivity Network

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Wir halten Euch hier im CSN Blog und im CSN Forum auf dem Laufenden wer den diesjährigen taz Panter Preis heute Abend erhält.

Twittern ist der Trend 2009, CSN twittert – Sie können das auch!

CSN auf Twitter

Micro-Blogging auf Twitter ist die momentan modernste Art der Kommunikation im Internet und kostet weniger Zeit als alle bisherigen Möglichkeiten wie Blog oder Forum. Wie geht es? Auf www.twitter.com registrieren – ganz einfach, auf „Sign up now“ klicken. Ein Feld wird aufgerufen, in dem man den gewünschten Namen usw. eingibt, und eine Kurzbeschreibung.

Dann hat man eine Twitter-Seite und ein kleines Feld, in dem man Nachrichten in 140 Zeichen eingeben kann. Später, wenn man angemeldet ist, kann man unter „Settings“ auf das Bild neben dem Usernamen klicken und ein eigenes Bild hochladen. Das ist etwas weniger als bei einer SMS.

So bekommen Sie Mitleser („Follower“)

Schließlich muss man viele Leute anklicken, also „followen“. Das ist ganz einfach. Man klickt auf einen Twitter-User. Unter dessen Userbild kann man dann „Follow“ anklicken. Schon verfolgt man jemanden. Was dieser User schreibt, erscheint dann unter dem eigenen Schreibfeld, so wie die eigenen Einträge („Tweets“).

Übrigens kann man auch in der rechten Leiste bei einem User auf „Following“ und „Followers“ klicken. Dann erscheint eine Liste der User, die dieser User verfolgt bzw. die ihn verfolgen. Die User werden gezeigt mit Name, Bild, letztem Tweet. Auf dieser Liste gibt es neben jedem gelisteten User ein Bild mit einem schematischen Porträt und einem Plus oben Links. Das ist der Button, auf den man klicken muss, um diesen User zu verfolgen.

Diese Symbole in der Leiste rechts hat man auch, wenn man sein eigenes Profil anklickt. Hier kann man auch verwalten, wen man nicht mehr verfolgen möchte bzw. wer einen nicht mehr verfolgen soll. Auf das Symbol neben dem „Follow“-Button kann man klicken, um einen User in einer Nachricht zu erwähnen (@xy ihr tweet). Ebenso erscheinen noch zwei andere Felder, „Unfollow“ (nicht mehr verfolgen), „Block“ (nicht mehr verfolgt werden).

Andere User sehen in ihrer Liste, dass Sie sie verfolgen. Dann werden Sie, wenn Sie Glück haben, auch angeklickt, und gewinnen Mitleser. Tipp: Regelmäßig Twittern, nettes Userbild auswählen, viele Leute verfolgen, dann kommen die Follower schon.

Retweets, Minilinks und Suchbegriffe

Um einen User zu erwähnen oder einen RT (Retweet, Antwort oder Weitergabe einer Nachricht) zu machen, schreibt man @(Username). Damit die Nachricht nicht nur dieser User, sondern alle lesen können, schreibt man das @ nicht als ersten Buchstaben der Nachricht, sonder zum Beispiel (ihre Nachricht) @xy; oder RT @xy (ihre Nachricht).

Nur 140 Zeichen zu schreiben und sonst nichts kann auf die Dauer natürlich langweilig werden. Interessanter: Gute Links mit ein bisschen Antext twittern. Aber viele Links sind schon an sich größer als 140 Zeichen. Was tun? Einfach auf www.tinyurl.de gehen. Auf dieser Seite gibt es nur ein Feld, in das Sie Ihren Link einkopieren können. Auf „go!“ klicken, schon erscheint in einem Feld unter dem Link ein Minilink, eine kurze Buchstabenkombination. Kopieren und auf Twitter als Link verwenden.

Damit ihre Tweets gefunden werden, können Sie sie mit Suchworten versehen, die dann in der Suchfunktion von Twitter auftauchen. Ein Wort wird zum Suchwort, indem man das Zeichen „#“ davor setzt, also z.B. #btw09 oder #schweinegrippe. Zum Thema #btw09 (= Bundestagswahl 2009). Wenn Sie sagen wollen, dass Sie eine Partei gut finden, schreiben Sie z.B. #piraten+. Finden Sie eine Partei nicht gut, schreiben Sie kein Plus, sondern ein Minus, z.B. #npd-.

Das war alles zu theoretisch? Na, probieren Sie es einfach aus. Im praktischen Umgang ist Twitter super einfach, eins kommt zum nächsten. Es ist übrigens ganz normal, mehrere hundert Leute zu verfolgen, um auch von möglichst vielen verfolgt zu werden. Wer im 21. Jahrhundert angekommen ist, twittert. Versuchen Sie es also einfach!

CSNs Blogger sind auch sehr twitteraktiv. Sie wollen sich auf Twitter anmelden und die ersten Follower suchen? Dann schauen Sie mal hier:

  • www.twitter.com/CSN_deutschland
  • www.twitter.com/SilviaMueller
  • www.twitter.com/Jumper11
  • www.twitter.com/Toxicwarrior
  • www.twitter.com/Energiefox
  • www.twitter.com/ApisNigra
  • www.twitter.com/KirchnerAmalie
  • www.twitter.com/sys_oeko
  • Die CSN-Tweeties haben einen entscheidenden Vorteil. Sie schreiben hochwertige Tweets und sind garantiert keine Werbefritzen. Sie alle anzuklicken lohnt, weil sie sicher nicht jeden Tag alle dasselbe schreiben, sondern ziemlich unterschiedlich sind und auch nicht nur zu CSN, sondern auch zu vielen anderen Themen twittern.

    Also:

    „Bitte noch mehr #Tweeties und viele RTs @CSN_deutschland bitte RT #csn http://i8t.de/nzkuqzge Auf dass wir nie zensiert werden #zensur“

    Autor: Amalie, CSN – Chemical Sensitivity Network, 11. September 2009

    CSN im TV – Wenn der Job Menschen krank macht – Gift am Arbeitsplatz

    Gift am Arbeitsplatz

    Heute wurde ein TV Beitrag gedreht, in dem auch CSN und Dr. Klaus Runow vom Institut für Umweltkrankheiten mitgewirkt haben. Die Reportage „Gift am Arbeitsplatz“ wird morgen schon gesendet. Wer den SWR nicht empfangen kann, ab Freitag wird der Beitrag auch online zu sehen sein.

    SWR Ländersache – Sendung am Donnerstag, 03.09.2009, 20.15 bis 21.00 Uhr

    Wenn der Job Menschen krank macht – Gift am Arbeitsplatz

    Sie darf weder Weichspüler noch Haarspray benutzen, und wenn Besucher kommen, bittet sie sie, kein Parfum aufzulegen. Silvia Müller ist krank – ihr Körper reagiert allergisch auf immer mehr Chemikalien. Der Grund: Ihr früherer Arbeitgeber, ein großes Warenhaus, versprühte jede Nacht Insektengift, Silvia Müller und mehrere ihrer Kollegen wurden dadurch offensichtlich vergiftet. Inzwischen ist sie schwerbehindert und Frührentnerin.

    Kein Einzelfall: Auch verschiedene Mitarbeiter einer Modekette in Mainz wurden krank: Beim Auspacken und Aufbügeln der frisch gelieferten Ware kamen sie zu oft in Kontakt mit Chemikalien in Kleidung und Verpackung. Eine junge Dekorateurin musste mit gerade einmal Mitte 20 ihren Beruf aufgeben.

    Viele Menschen werden krank durch ihren Arbeitsplatz – auf Hilfe von außen können sie meist nicht hoffen; Berufsgenossenschaften und Staatsanwälte scheuen sich offenbar, Präzedenzfälle zu schaffen. Sabine Rappen über das Tabuthema Berufskrankheit.

    Text SWR: Sabine Rappen

    Bild: SWR

    Nominiert für den taz Panter Preis: Silvia K. Müller – CSN und Neurologe Dr. Peter Binz

    Der taz Panter Preis wird 2009 zum fünften Mal verliehen. Zu den 6 Nominierten gehören in diesem Jahr Silvia K. Müller, Leiterin des CSN – Chemical Sensitivity Network und der Trierer Neurologe Dr. Peter Binz.

    Nominiert für taz Panter Preis 2009 - Silvia K. Müller / CSN und Dr. Peter Binz

    Was ist der taz Panter Preis? taz Panter Preis

    Wer ist für den taz Phanter Preis 2009 nominiert? Die Nominierten

    Die LeserInnenwahl beginnt am 1. August 2009. Die Jury, die den zweiten taz Panter Preis vergibt, trifft sich kurz vor der Preisverleihung im September. Die letztendlichen Gewinner und Gewinnerinnen des taz Panter Preises werden auf der Preisverleihung am 19. September 2009 bekannt gegeben.

    Die taz berichtet: Gegen Gifte, die das Hirn zerfressen

    taz-logoSilvia Müller und Peter Binz, die Patientin und der Arzt: Seit Jahren setzen sie sich für die Rechte der Menschen ein, die durch aggressive und hochgefährliche Chemikalien am Arbeitsplatz krank geworden sind.

    Dass Silvia Müller schwerbehindert und deshalb mit 46 Jahren schon Rentnerin ist, merkt man erst an ihrer langsamen, leicht undeutlichen Sprache. Und an den Hörgeräten, die sie seit 17 Jahren tragen muss, auf beiden Ohren, klein, aber unübersehbar. Silvia Müller ist „chemikaliensensibel“, wie es im Fachjargon heißt. Das bedeutet: Sie reagiert auf die Stoffe in Deos, Weichspülern, Haarsprays und vielen anderen Chemikalien extrem empfindlich; wenn es schlimm kommt, verliert sie das Bewusstsein. Spontan das Haus verlassen, wie es andere tun, zum Einkaufen, ins Theater, zu Freunden – völlig ausgeschlossen. „Ich vermisse das sehr“, sagt sie. Es hat lange gedauert, bis sie herausfand, was sie in diese Isolation getrieben hat.

    Zwölf Jahre hatte Silvia Müller als Dekorateurin bei einem großen Warenhaus gearbeitet. Anfangs hatte sie „nur“ rasende Kopfschmerzen, ihr wurde schwindelig und sie war schnell müde. Später wurde der Atem schwer, sie begann schlecht zu hören und einmal setzte ihr Herz für kurze Zeit aus. Sie hatte keine Ahnung, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz systematisch vergiftete.

    Durch einen Zufall erfuhr sie, dass ihr Arbeitgeber nachts toxische Insektizide versprühen ließ – Nervengift. „Ich fing früh um 6 Uhr an, um diese Zeit war noch nicht gelüftet worden.“ Sie war nicht als Einzige betroffen. Von 40 Kolleginnen erlitten einige Fehlgeburten, vier bekamen behinderte Kinder. Die Ärzte konnten oder wollten keinen Zusammenhang erkennen. „Die waren feige und wollten mit Berufskrankheiten nichts zu tun haben.“

    Durch eine Empfehlung kam Silvia Müller zu dem Trierer Neurologen Peter Binz. Er ermutigte sie, ihren ehemaligen Arbeitgeber anzuzeigen. „Er hat so eine tiefe Überzeugung ausgestrahlt, ohne ihn hätte ich den Kampf wohl nicht aufgenommen.“

    Der 68-jährige Binz ist ein stämmiger Mann, sein Gesicht läuft rot an, wenn er über seine „feigen Kollegen“, die „korrupte Politik“ und die „geldgeile Großindustrie“ redet. Die Wut hat sich in ihm angestaut. „Sie glauben nicht, wie viele Arbeiter durch Chemikalien vergiftet und schwer geschädigt sind.“

    Seit 30 Jahren macht Binz nichts anderes als das, was das Gesetz vorschreibt und was eigentlich für alle Ärzte selbstverständlich sein sollte: Wenn er den Verdacht hat, dass ein Mensch bei seiner Arbeit vergiftet wurde, meldet er das der Staatsanwaltschaft – meist jedoch folgenlos. „Das Kartenhaus bräche zusammen, würden die einen Präzedenzfall schaffen.“

    Fast alle Kollegen scheuen sich zu diagnostizieren, dass der Patient während der Arbeit vergiftet wurde. Sie würden unter Druck gesetzt: von den Kassen, Ärztekammern und Berufsgenossenschaften.

    Anfang der 80er-Jahre eröffnete Binz seine Praxis. Schnell erkannte er, dass viele seiner Patienten täglich mit gefährlichen Substanzen arbeiten. Allein mehr als 150 Arbeiter einer deutschen Schuhfabrik hat er bis heute behandelt – viele sind frühzeitig gestorben. Die lokale Presse berichtet darüber nicht.

    „Giftberufe“ nennt er die Jobs, die die Gehirne innerhalb weniger Jahre zerfressen können: Schreiner, Lackierer, Maler und Metallarbeiter, aber auch Putzfrauen und Bademeister gehören dazu. Binz spricht aus, was viele nicht hören wollen, und macht sich damit Feinde, die ihn fast zerstört haben: Mehrfach wollte man ihm die Approbation entziehen. Ein Ermittlungsverfahren wegen angeblichen Abrechnungsbetrugs hat ihn bisher 400.000 Euro gekostet – und ihn an den Rand seiner Kraft gebracht. Die Lobby gegen ihn ist mächtig. Noch ein Jahr will er durchhalten, dann ist sein ältester Sohn bereit, seine Praxis zu übernehmen und sie in seinem Sinne weiterzubetreiben.

    Warum er seit mehr als 30 Jahren gegen diese massiven Widerstände ankämpft? „Ich kann doch den Burschen nicht das Feld überlassen, ich würde ja mitspielen, wenn ich schweigen würde“, sagt der ehemalige Klosterinternatsschüler. „Vieles auf meiner Schule war weltfremd, aber Grundwerte wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Demut habe ich bis heute verinnerlicht.“ Mehrere tausend Fälle hat er dokumentiert, unermüdlich Anzeigen erstattet und in Vorträgen und auf Kongressen über die Folgen von Vergiftungen am Arbeitsplatz informiert. Gemeinsam mit Silvia Müller versucht er aufzuklären, zu informieren, die Patienten über ihre Rechte aufzuklären. Denn nur wer weiß, was ihm passiert sein könnte, kann sich wehren.

    Vor 13 Jahren gründete Silvia Müller das Chemical Sensitivity Network (CSN), eine Internetplattform, auf der sich Betroffene austauschen und informieren können. 3.000 Besucher hat die Seite täglich. Viele Stunden am Tag übersetzt Silvia Müller Studien, recherchiert oder hört einfach zu, was sich die Anrufer von der Seele reden müssen.

    Als Anlaufstelle ist CSN mittlerweile unverzichtbar geworden. „Chemikaliensensible sind oft völlig verzweifelt und isoliert.“ Neben den körperlichen Symptomen quälten die psychischen „Nebenwirkungen“. Menschen, die ihren Verdacht äußern, sich wehren, würden verleumdet, als irre abgestempelt, ihrer Würde beraubt.

    Silvia Müller ist umso entschlossener, gegen die „Lügen der Industrie“ anzukämpfen. CSN nimmt keine Spenden entgegen, zu groß sei die Gefahr der Einflussnahme. „Vielleicht bin ich nur eine kleine Ameise in dieser großen Maschinerie.“ Aber auch Ameisen, sagt sie und klingt sehr entschieden, können manchmal Großes bewegen.

    taz Artikel: PAUL WRUSCH

    Photo: Anja Weber

    CSN-Blog Top 10 – Die beliebtesten Artikel im April

    CSN Blogs sind top!

    Der am häufigsten gelesene Artikel im Monat April im CSN-Blog lässt durchblicken, dass gerade Heuschnupfenzeit ist und das viele Menschen wegen ihre Allergien auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden ohne Nebenwirkungen sind. Akupressur ist eine solche nebenwirkungsfreie Methode die zudem nicht einmal etwas kostet und überall angewendet werden kann.

    Auf Platz drei landete, direkt nach einem Bericht über verseuchte Schiffscontainer, noch ein weiterer Artikel über alternative Behandlungsmethoden  Doch schaut selbst, welche Artikel von den CSN-Bloglesern im Monat April am häufigsten gelesen wurden.

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