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Chronische Intoxikation – Sensibilisierung – Allergien

Seit dem 2. Weltkrieg sind Allergien um das 20- bis 30-fache gestiegen. Die Belastung der Bevölkerung wird in Bayern mit 20 – 30% angegeben (zugegeben). Die deutsche Allergietestung missachtet immer noch den Allergietyp IV, das ist der Allergietyp einer zellulären Immunreaktion. Dieser spielt in Sachen Umweltmedizin eigentlich die Hauptrolle.

In Zusammenhang mit dem so umstrittenen MCS ist anzumerken, dass MCS in aller Regel – Rea gibt 80% an – in Verbindung mit Nahrungsmittelallergien vorkommt.

Wirkschwellenmodulation

Die Sensibilisierung ist also eine Form der Wirkschwellenmodulation. Mit einfachen Worten: Die toxikologischen Wirkschwellen sind innerhalb eines Individuums zeitlich nicht konstant (s.a. Chronische Intoxikation/Entgiftung).

Allergische Reaktionen auf Chemikalien

Die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) der deutschen Forschungsgemeinschaft hat vor über 10 Jahren eine besondere Liste der „sensibilisierenden Arbeitsstoffen“ eingeführt. Diese Liste wächst mit jeder Ausgabe und zwar exponentiell.

Im Text findet sich folgende Beschreibung:

„Bis heute lassen sich weder für die Induktion einer Allergie (Sensibilisierung) noch für die Auslösung einer allergischen Reaktion beim Sensibilisierten allgemein gültige, wissenschaftlich begründbare Grenzwerte angeben. Die Induktion ist um so eher zu befürchten, je höher die Konzentration eines Allergens bei der Exposition ist. Für die Auslösung einer akuten Symptomatik sind in der Regel niedrigere Konzentrationen ausreichend als für die Induktion einer Sensibilisierung. Auch bei Einhaltung der MAK-Werte sind Induktion oder Auslösung einer allergischen Reaktion nicht sicher zu vermeiden.“ (MAK-Liste 2006).

Diese Formulierungen sind etwas umständlich, aber es ist eine mögliche Beschreibung von MCS. Zwar beschränkt sich die MAK-Kommission im Kontext auf humorale Immunmechanismen, erfasst also nur die halbe Wahrheit, aber dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung und eine Bestätigung dafür, dass gar nicht die Rede davon sein kann, dass MCS eine psychische Erkrankung sei.

MCS-Definition

Die MCS-Definition, die heute als die Konsensdefinition gilt, stammt von dem amerikanischen Arbeitsmediziner Cullen, und ist ähnlich umständlich, wie sich die MAK-Kommission ausgedrückt hat:

Konsensuskriterien für multiple chemische Sensitivität (MCS) sind :

[Cullen 1987, Cullen et al. 1995, UBA 2003]

  1. Die Symptome treten nach Chemikalienexposition reproduzierbar auf.
  2. Das Beschwerdebild ist chronisch
  3. Das Beschwerdebild wird bereits durch niedrige – zuvor tolerierte – Konzentrationen, die allgemein gut vertragen werden, hervorgerufen.
  4. Die Beschwerden bessern sich bzw. verschwinden nach Elimination des Agens.
  5. Reaktionen treten gegenüber zahlreichen, chemisch nicht verwandten Substanzen auf.
  6. Die Symptomatik umfasst zahlreiche Organsysteme.

Eleganter und treffender ist die Definition der amerikanischen Umweltbehörde EPA: „MCS sind Reaktionen auf Chemikalien, die vorher vertragen worden sind.“ (Wirkschwellenmodulation). Die amerikanische Arbeitsmedizinerin Grace Ziem betont einen anderen Aspekt: „Reaktionen auf Chemikalien, die von der Allgemeinbevölkerung vertragen werden“.

Beide Definitionen zusammen ergeben eine ausreichende Definition, nämlich eine, die markiert, dass hier eine Wirkschwellenmodulation innerhalb eines Individuums stattgefunden hat und andererseits, dass die üblichen Bewertungsgrößen wie etwa ADI-, BAT- oder MAK-Werte für die Bewertung nicht mehr herangezogen werden können.

MCS-Diagnose ist sehr einfach

Prof. Ross vom EHC, Dallas, definierte auf Anfrage: „Chemical Sensitivity is Sensitivity to Chemicals“. Es ist in der Tat so einfach:

„Bei mir stellte sich einmal ein Mann vor, der immer von Elektromotoren die Wicklungen abgebrannt hat. Durch die Brandgase hat er eine toxische Enzephalopathie entwickelt. Er konnte sich u.a. keine Graphiken und keinen Zeichnungen mehr merken – schlimm für einen Techniker. „MCS habe ich aber nicht“, sagte er. Meine Gegenfrage „Wie fühlen Sie sich, wenn Sie in einem Kaufhaus an der Parfümtheke vorbeigehen?“ – Gedankenpause – „Wenn meine Frau den Haarspay nimmt, dann krieg‘ ich die Krise“…

Dass man sich in Deutschland so schwer tut, MCS zu diagnostizieren, liegt also daran, dass man sich nicht traut. Das Phänomen ist ganz einfach zu erkennen, nur wenn man daran zweifelt, dass es das Phänomen überhaupt gibt, dann hat man natürlich Probleme und möchte gerne eine möglichst komplizierte Definition, damit sie den Anschein von Wissenschaftlichkeit hat. Die WHO subsumiert MCS unter Allergien.

Der Stand der Wissenschaft zu MCS entnehmen Sie bitte meinem MCS – Papier. Die Lektüre ist für Strategiefestlegungen in Rechtverfahren unerlässlich.

Autor: Dr. Tino Merz, Sachverständiger für Umweltfragen, www.dr-merz.com

Weitere wichtige Artikel zum Thema:

Gesundheitsvorsorge einfach und billig – Das steht dahinter

Nachgedacht

Wenn Sie die Blogserie „Gesundheitsvorsorge einfach und billig“ verfolgt haben, haben Sie viel darüber gelesen wie man mit auch mit wenig Geld und wenig Zeit die Schäden minimieren kann, die unser Alltag an unserer Gesundheit verursacht. Sie haben über die richtige Auswahl von Lebensmitteln gelesen, über mehr Bewegung und Entspannung im Alltag und über die Vermeidung von Schadstoffen.

Die Tipps waren immer an Normalverdiener ohne Managergehalt, orientiert. In diesem Blog wurde nicht davon ausgegangen, dass uns Allen die Mittel zur Verfügung stehen, die wir brauchen, weil es nicht so ist.

Und in diesem letzten Teil des Blogs geht es um den Hintergrund, der so eine Blogserie notwendig macht. Bevor Sie nun aufhören, weiterzulesen, der praktische Ansatz bleibt erhalten. Artikel, die sagen „So isses – Ja und jetzt?“ gibt es genug, dieser Blog ist keiner davon. Das Weiterlesen macht also wirklich Sinn.

In dieser Blogserie ging es um Schadensbegrenzung. Wäre es nicht ideal, wenn es hochqualitätive Biolebensmittel für Alle gäbe, öffentliche Möglichkeiten für mehr Sport und Spaß an der frischen Luft? Wenn es solide Wohnungen und schadstoffarme, praktische Möbel und ebensolche Kleidung gäbe? Und Arbeitsplätze, mit denen alle Beteiligten zufrieden sein können? Qualitätssicherung für alle Produkte? Ein Traum, den unsere Wirtschaft nicht gerade in Erfüllung gehen lässt.

Belastende Arbeitsplätze

Die Realität sieht anders aus. Auf der Arbeit werden wir ständig mit Bedingungen konfrontiert, die unsere Gesundheit gefährden oder uns zumindest unangenehm sind. Zeitdruck, Schichtarbeit, Überstunden, Lärm, Staub und Schadstoffdämpfe, Hitze oder Kälte, und so weiter.

Im schlimmsten Fall lassen wir unseren Frust gegenseitig aneinander aus, und ein furchtbares Betriebsklima entsteht – was wirklich nicht sein muss, aber es gibt auch positive Beispiele, gute Teams, die sich verstehen. Das ist leider Zufall, auch wenn wir selbst nicht über andere lästern und Streit anfangen müssen.

Zeitungen berichteten vor einiger Zeit von einem Mann, der an einer Papierwalze gearbeitet hat. Er wurde von der Maschine erfasst und überlebte wie durch ein Wunder, ist aber schwer verletzt und wird nie wieder ganz gesund. Wie wäre der Unfall zu verhindern gewesen? Durch das Anbringen eines Geländers vor der Maschine…

Gespart wird wirklich an allen Ecken und Enden. Viele Bedingungen am Arbeitsplatz, egal ob Büro, Fabrik oder Handwerksbetrieb, könnte man verbessern. Woran es hängt? An den Euros natürlich…

Auch nach Feierabend: Die Misere geht weiter

Und an den Euros hängt auch unser Leben nach Feierabend, unser Essen, Trinken, Wohnen und letztendlich unser Zusammenleben in der Familie oder unsere Freundschaften. Kontakte leiden unter Hetze, Erschöpfung, Frust, Krankheit und wenig Zeit.

Konventionelle, also mit Chemikalien künstlich so billig wie möglich produzierte Lebensmittel, bestimmen den Markt. Bio, viel gesünder, ist teuer. Wer wenig Geld hat, muss sich eine Wohnung mieten, so billig es geht. Schimmel und Schadstoffe sind oft dabei, irgendeinen Haken hat so eine Wohnung immer. Billige Kleidung wird unter erbärmlichen Bedingungen in Fernost produziert und ist voller Schadstoffe, das Gleiche gilt für Möbel.

Profitable Kranke

Werden wir unter all diesen Bedingungen krank, ist das kein Wunder. Hier wird gespart, dort wird gespart, und je billiger, desto schädlicher. Wer Geld hat, kann sich ein gesundes Leben leisten, wer keines hat, hat Pech. Und die Behandlung wird auch zum Privileg. Schonende, gründliche Behandlung ist oft ein Privileg für Selbstzahler und Privatversicherte. Gesundheit ist Privileg für die wenigen mit Geld, das muss man so sagen. Gesundheit muss man sich leisten können.

Aber nicht, dass Normalversicherte nicht behandelt werden. Nein. Mit Kranken wird eine ganze Medizinindustrie betrieben. An Kranken können Ärzte, Pharmakonzerne, Kliniken, Psychotherapeuten, usw. usw. massenhaft Geld verdienen.

Psychopharmaka betäuben problematische Patienten. Je mehr operiert, therapiert, verschrieben wird, desto mehr wird verdient. Haben diese Leute ein Interesse an unserer Gesundheit? Ist der Bock nicht längst Gärtner?

Wer uns den letzten Cent aus der Tasche zieht

Die gleiche Industrie, die sich mit all den oben genannten Fakten äußerst unbeliebt macht, hat aber noch ein paar Trümpfe in der Tasche. Diese Trümpfe heißen Werbung und Luxusprodukte, oft minderer Qualität. Einerseits haben viele von uns zu wenig Geld. Andererseits gibt ein eine Werbung, die ständig neue Trends ausruft, uns neue Dinge kaufen lässt.

Uns fehlt was – Und die Industrie kann es nicht ersetzen!

Uns fehlt was. Uns fehlt Sicherheit, Geborgenheit. Uns fehlt die solide Grundlage einer Gesellschaft, in der – kurz gesagt – Leben wachsen und gelebt werden kann. Unser Leben wird zum brutalen Markt. Und wenn uns was fehlt, haben wir ständig das Gefühl, dass wir was brauchen.

Glauben wir nur nicht, mit diesem Gefühl könnte man nicht kräftig Profit machen. Die Werbung zeigt uns ständig neue Dinge, und wir kaufen Vieles, was wir nicht brauchen. Dabei brauchen wir doch unser Geld!

Aber unser Gefühl, dass uns etwas fehlt, wird ausgenutzt, und irgendetwas Schönes muss es in unserem Leben doch geben! Ständige neue Moden und neue billige Kleidung, neue Lebensmittel, die uns als „wie hausgemacht“ und so weiter angeboten werden, und tatsächlich aus eiskalten Fabriken stammen, Alkohol und Fernsehunterhaltung um uns zu betäuben, Zuckerzeug, dass krank und abhängig macht, Zigaretten, die laut Packungshinweis sogar töten können, Düfte die uns in geschlossenen Gebäuden Sommer und Natur aus der Chemiefabrik vorgaukeln, nichts, was beim näheren Hinsehen irgendwie gut ist, nur Dinge, die eine kurze Befriedigung und einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, Zeitungen, die aus dem Tod von Menschen reißerische Sensationen machen, Filme, die – Stopp! Sei still, Amalie, hör auf, das Letzte zu zerreden, was uns Allen noch bleibt! Sei ganz besonders still, wenn du die Wahrheit sagst!

Man kann nicht still sein. Was wir brauchen, ist nicht käuflich, aber die Profitgier kann es zerstören. Produkte können unsere menschlichen Bedürfnisse sowenig ersetzen, wie Prostitution Liebe ersetzt. Und doch – Kritik zerläuft im Sand. Kritik wird in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen, ebenso eiskalt vermarktet wie alles andere auch.

Chancen auf Verbesserung gleich Null?

Unsere Chancen auf Verbesserung scheinen auf Null zu stehen. Also hat sich eine höchst problematische Haltung durchgesetzt – „Die Welt geht unter, na und, ich besauf mich noch mal“, kann man das überspitzt ausdrücken. Wir besaufen uns, mit krankmachenden Lebensmitteln, Alkohol, Zigaretten, Mode, Medien. Nichts im Leben scheint möglich, ohne die Industrie zu bezahlen, die uns soviel genommen oder besser gesagt nie gegeben hat. Wenn das alles so ist, wieso sollen wir aufhören, uns zu besaufen? Kritik geht ohnehin unter, wird noch mit verkauft.

… oder doch nicht?

Würde, um in der überspitzen Darstellung zu bleiben, die Welt auch untergehen, wenn wir uns nicht mehr besaufen? Angenommen, das kollektive Besäufnis wäre vorbei, wir kaufen nur noch, was wir wirklich brauchen. Dann hätten wir erst mal ein dickes Wirtschaftsproblem. Und dann wäre Umdenken gefragt. Veränderung, neue Möglichkeiten, vielleicht doch Verbesserung? Chancen, Achtung vor uns selbst und unseren Mitmenschen zu gewinnen?

Wirtschaftssanktionen für die Industrie

Verbraucher haben Macht und müssen diese zeigen. Kritik kann untergehen oder vermarktet werden. Die Verweigerung von Luxusprodukten kann keiner mehr vermarkten, und keiner bestrafen. Sie wird schon gezwungenermaßen häufiger. Deutschland wird ärmer. Viele Menschen können sich nur noch das Nötigste leisten.

Man kann nur alleine anfangen, und versuchen, Andere zu überzeugen. Das Internet bietet als einem großen Teil der Bevölkerung zugängliches Medium unglaubliche – kostenlose – Chancen.

Seinen Lebensstil zu verändern, überhaupt Veränderung, ist nie leicht. Aber die Aussicht auf ein Leben im kollektiven Besäufnis ist auch alles andere als anziehend. Geldnot hier, Konsumzwang da – ja, und wo ist für uns noch Platz? Wir müssen einfach Raum schaffen, für uns selbst, für die Natur und für Menschlichkeit, auch wenn die Industrie diesen Raum scheinbar felsenfest besetzt hält.


Autor: Amalie für CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. August 2009 

SERIE: Gesundheitsvorsorge einfach und billig

Chemikalien-Sensitivität raubt Erkrankten fast alles

MCS - Plötzlich steht einem das Wasser bis zum Hals

Wer MCS hat, dem steht das Wasser schnell bis zum Hals

Plötzlich ist das Leben auf den Kopf gestellt. Wer unter MCS – Multiple Chemical Sensitivity (Chemikalien-Sensitivität) leidet, der weiß von was die Rede ist. Um die 80000 Chemikalien haben wir weltweit im Einsatz und die meisten davon landen in irgendwelchen Alltagsprodukten. Nicht einfach also für jemanden der seinen Alltag meistern muss, wenn er auf Chemikalien im Niedrigdosisbereich reagiert. Einschränkungen und Verluste auf allen Ebenen sind ab einem gewissen Schweregrad der MCS zwangsläufig die Folge.

Thommy’s MCS Blogfrage der Woche: Was ist für Euch am Schlimmsten?

  • Die durch MCS verursachten Symptome?
  • Der Verlust Eures Arbeitsplatzes?
  • Die Reduzierung Eures Bewegungsradius?
  • Der Verlust von Freunden?
  • Die finanziellen Probleme durch MCS?
  • Der Verlust sozialer Kontakte?
  • Die Diskriminierung durch ein Umfeld das nicht verstehen will?
  • Die grundlose Psychiatrisierung durch Ärzte?

Gesundheitsvorsorge einfach und billig – Keime und Schadstoffe

Für Gesundheit kann man selbst viel tun

Selbst auf die Gesundheit achten, hält die Familie gesund

Was, zwei so große Themen sollen in einem Blog behandelt werden? Schon klar: Umfassend informieren ist da nicht drin. Es geht darum, wichtige Eckpunkte aufzuzeigen, praktische „Merksätze“ zu geben, die uns im Alltag Orientierung zu geben. Auch der dritte Teil dieser Blogserie wurde für alle die geschrieben, die sich nicht ein speziell auf ihre Wünsche zurechtgeschnittenes Haus ohne Schadstoffe leisten können.

Arbeitsplätze: Krank durch Schadstoffe, keine Hilfe

Die Schadstoffe am Arbeitsplatz sind die Schlimmsten. Leider kann man hier als Einzelperson für sich selbst wenig verbessern. Die dramatischste Schadstoffbelastung findet in Fabriken und Werkstätten sowie im Handwerk statt.

Dagegen nehmen sich Großraumbüros – die vollgestopft und laut sind, nahezu Fabrikcharakter annehmen können – und Kaufhäuser oder Läden noch fast harmlos aus, aber auch hier gibt es viele, unvermutete Schadstoffe.

An dieser Stelle ein großes Lob an Alle, die gemeinsam als Arbeitnehmer Verbesserungen erreicht haben – Und wir denken immer an die, die krank geworden sind und nun an ihrer Krankheit und finanzieller Not leiden.

Praktisch für den Einzelnen empfehlen lässt sich wenig, nur ein Jobwechsel, wenn man merkt, dass man wirklich krank wird. Möglichkeiten: Schlecht. Klar.

Wohnungen: Achtung vor Plattenbau und Schimmel

Bei unserer Wohnung haben wir immerhin etwas mehr Einfluss. Auch hier setzt das Geld die Grenzen. Bei der Wohnungssuche können wir dennoch einiges beachten. Wer Glück halt, findet eine Wohnung in einem gemauerten Gebäude. Grund: Plattenbauten aus Beton sind oft hochgradig schadstoffbelastet (u.a. PCB), besonders die aus älterem Baujahr.

Das Zweite, worauf man ein Auge haben sollte, ist Schimmel. Dieser ist sehr schädlich. Es schimmelt offensichtlich oder riecht entsetzlich muffig? Dann bitte nicht mieten. Oft erkennt man Schimmel auch an Tapeten, die lose sind oder bereits am Gebäude, wenn schwarze Flecken auf der Außenwand zu sehen sind. Marode Fallrohre, Risse im Verputz, Algen können Hinweise auf Feuchte sein. Es ist auch gut, wenn Mieter in ihren Häusern die Sanierung von Baumängeln und Schimmel verlangen.

Fußboden: Vorsicht, Schadstofffallen

Beim Fußboden kann man auch in Fallen tappen. Allerdings lassen sich Lösungen finden. Erst mal gilt: Alt ist besser. Lösemittel in Klebern haben hier oft schon „ausgegast“. Optimal sind altes Parkett und Fliesen, während die typischen Problemfaktoren Laminat, Gummi, Plastik und so weiter heißen. Und brandneu sind die Schlimmsten. Gefahr droht auch aus den Klebern unter den Fußbodenbelägen. Bei Parkett und PVC-Platten, den Plattenböden aus Plastik, muss man darauf achten, dass sich kein schwarzer Kleber darunter befindet, der enthält gefährliche Schadstoffe (PAK’s, Bitumen, Teer). Ein unangenehmer Geruch kann immer ein Warnsignal für Schadstoffe sein.

Klartext reden: Mieter sind Verbraucher!

Wenn Sie also auf Wohnungssuche sind, sollten sie auf diese Faktoren achten. Und: Mieter sind Verbraucher. Verbraucher müssen klar machen, was Sie von den Anbietern wollen, und was nicht. Also: Wenn Sie die Wohnung sowieso nicht nehmen, sagen Sie dem Vermieter hinterher ruhig, wieso.

Möbel: Schadstoffarm kann auch billig sein

Und auf was sollte man bei der Einrichtung achten? Klar: Bio wäre besser, es gibt sogar Biomöbel. Die folgenden Tipps sind für alle, die keine Millionäre sind und daher nicht ihren persönlichen Baubiologen vor jedem Kauf zu Rate ziehen können. Wie bei Lebensmitteln gilt hier: Auf Einfaches setzen. Und anders als bei Lebensmitteln: Wenn es nicht mehr so frisch ist, ist es besser. Alte Sachen haben oft schon ausgegast.

Allerdings ist der Kauf alter Möbel nicht immer angesagt. Was dort ist, kann schon überall gewesen sein. Und abbeizen und neu lackieren ist ein echtes Gesundheitsrisiko, vor allem, wenn die abgebeizten Möbel mit dem Geruch der Abbeize in der Wohnung ausdampfen oder wenn Massivholz mit sogenannten Holzschutzmitteln oder gegen Holzwürmer behandelt wurde.

Besser: Kaufen Sie möglichst einfache Möbel, und lassen Sie sie erst eine Zeit woanders stehen, bevor sie ins Schlafzimmer kommen, das möglichst schadstoffarm sein sollte, damit der Körper sich dort erholen kann. Hier gehören am Besten einige Jahre alte, ausgedampfte Möbel hin.

Sehr einfache und relativ preiswerte Möbel gibt es aus hellem Holz (Ahorn, Esche) in einigen Bio-Möbelläden. Auch pulverlackierte Möbel aus Metall, z.B. für Regale, aus dem normalen Möbelhaus, sind oft schadstoffarm. Pulverlack ist der matte, leicht körnige Lack. Auch Aluminium schneidet in punkto Schadstoffe gut ab. Ansonsten hilft die Nase bei der Auswahl der Möbel. Ist das Möbelstück relativ geruchsneutral? Dann sind zumindest mit einiger Wahrscheinlichkeit auch wenige Schadstoffe dran.

Immer der Nase nach gehen

Überhaupt macht es Sinn, nach der Nase zu gehen. Unsere Nase kennt als unser eigenes Sinnesorgan unsere persönlichen Toleranzgrenzen, und ist damit besser als jede Theorie, was man bevorzugen oder meiden sollte. Dabei gilt: Je weniger etwas riecht, desto besser ist es. Auch billige Produkte müssen keine Schadstoff-Bomben sein. Die Palette reicht von stark gesundheitsschädlich bis sehr schadstoffarm.

Daher empfiehlt es sich, die eigene Nase als besten Schadstoff-Detektor einzusetzen. Schließlich will man sich in der Wohnung erholen und wohlfühlen können, statt schädlichen Einflüssen ausgesetzt zu sein. Also ob eine neue Wohnung, ein Bett, ein Tisch oder ein Schrank, Sie müssen es riechen können.

Schadstoffarme Kleidung

Auch bei Kleidung kann man auf den Geruch achten. Und: Neue Kleidung vorm ersten Tragen einmal waschen. Damit lässt sich die Schadstoffmenge schon deutlich reduzieren. Und es ist nicht nur billiger, sondern auch gesünder, Kleidung zu kaufen, die nicht in die Reinigung muss – Chemische Reinigung ist Gift. Sie tun sich keinen Gefallen damit, sich als teure Ausnahme mal ein „gutes Stück“ zu leisten, das in die chemische Reinigung muss. Das Geld ist auf Ihrem Konto wirklich besser aufgehoben.

Duftstoffe: Völlig nutzlose Chemiebomben

Eine Möglichkeit der Schadstoffvermeidung, die wirklich für jeden möglich ist, ist die Vermeidung von Duftstoffen. Duftstoffe sind überall – Waschmittel, Weichspüler, Kosmetik, Seife. Und Duftstoffe sind üble Chemie. Allerdings gibt es – nicht nur im Bioladen, sondern ganz normal – duftstofffreie Produkte für Allergiker.

Wenn wir Duftstoffe meiden, schonen wir unsere Gesundheit und die unserer Mitmenschen, genau wie wenn wir aufhören, zu rauchen. Duftstofffreie Produkte sind genauso teuer oder billig wie andere Produkte – klar, denn die Duftstoffe machen keinen praktischen Sinn, man kann sie in ein Produkt machen oder einfach weglassen.

Und was ist mit den Keimen?

Genau. Um Hygiene im Alltag sollte es in diesem Artikel auch gehen. Das hat viel mit Schadstoffen zu tun, sehr viel sogar. Wir ekeln uns natürlich vor Keimschleudern. Und diesen Ekel nutzt eine ganze Industrie aus, um damit ohne Rücksicht auf unsere Gesundheit Profit zu machen. Müllbeutel, antibakteriell. Desinfizierende Badreiniger. Desinfektionsmittel für Mini-Wunden im Hausgebrauch. Antibakterielle Pflaster. Töpfe mit antibakterieller Beschichtung.

Die Liste der Produkte ist endlos. Und tragisch. Was man uns für gesund verkauft, ist ein großes Risiko für unsere Gesundheit, kann sogar die Keime, die es vernichten soll, regelrecht anzüchten! Erstmal sind Desinfektionsmittel Gift. Das muss man so sagen. Sie sollen Keime töten, aber Gifte können nicht zwischen Mensch und Keim unterscheiden, sie sind einfach Gift.

Überdesinfizierte Umwelt: Das beste Laborschälchen für Bazillen

Und: Mit der Überdesinfektion züchten wir uns vielleicht die nächste Epidemie heran. Keime, gegen die kein Antibiotikum der Welt mehr hilft, gibt es bereits – und ja, es gab schon Tote. Bakterien wollen auch leben. Sie passen sich an, werden widerstandsfähiger und überleben Desinfektionsmittel. Die „Krankenhauskeime“, widerstandsfähige Sorten, gezüchtet in Mitten von Antibiotika und Desinfektion, sind längst für ihre nicht selten rasant tödliche Wirkung berüchtigt.

Was können wir tun? Ganz einfach: Regen Sie sich nicht über vermeintliche Keimschleudern auf, die uns die Werbung geschickt einredet. Sie putzen ihr Bad und ihre Küche, leeren den Müll regelmäßig aus? Prima, dann ist doch alles in Butter. Und dazu meiden Sie noch alle Produkte, die als „antibakteriell“, „desinfizierend“ usw. bezeichnet werden. So schützen Sie Ihre eigene Gesundheit und helfen, die Gesundheit Aller vor neuen, totalresistenten Killer-Bazillen zu schützen. Für die sind solche Produkte die beste Anzucht, ein Laborexperiment mit realem Risiko. Die Seife oder normales Spülmittel reinigen genauso gut. Und noch was:

Regelmäßiger Feinputz der Wohnung, also Staubwischen, auch auf und hinter Schränken und das Auswischen des Kühlschranks mit klarem Wasser, bringen der Gesundheit mehr als Überdesinfizieren. Feinputz reduziert nämlich Schimmelpilze, die sich besonders gern bei hoher Luftfeuchte im Staub vermehren. Und in bundesdeutschen Kühlschränken wird oft weniger auf Hygiene geachtet als in den Bädern.

Desinfektionsmittel und Antibiotika gehören nicht in die Hausapotheke

Zum Thema Pflaster: Es gibt auch Pflaster ohne Desinfektionsmittel, oft als „hypoallergen“ verkauft. Und: Desinfektionsspray ist etwas, das der Arzt anwendet, wenn es nötig ist, nichts für die heimische Hausapotheke, ebenso wenig wie antibakterielle Zahnpasta oder antibiotische Salben.

Wenn der Arzt Antibiotika verschreibt, sollte das nicht wegen einem Schnupfen geschehen, denn da wirkt es nichts, züchtet aber Resistenzen im Körper, wenn es auf zufällig anwesende Keime trifft. Wenn es sich nicht um einen absoluten Notfall handelt (den sollte der Arzt erkennen), sollte ein Antibiotikum nur nach einer Laboruntersuchung (zahlt sogar die Kasse) gegeben werden. Schlaue Patienten betteln dem Arzt kein „Mittel“ für ihre Erkältung ab.

Antibiotika: Nur nach Verschreibung und so selten wie möglich

Wird ein Antibiotikum gegeben, muss es nach Verschreibung genommen werden. Sie bekommen die Tabletten für zehn Tage verschrieben, fühlen sich nach drei Tagen wieder gut, die Tabletten wandern in den Schrank und wenn Ihnen das nächste Mal der Hals wehtut, nehmen Sie eine? Falsch und gefährlich! Die Zeit, die man ein Antibiotikum nimmt, hat einen Sinn. Nach dieser Zeit sind die Keime tot.

Nimmt man es kürzer, können besonders starke Keime überleben und schon hat man ein Bakterium mehr, gegen das das Antibiotikum nicht mehr hilft. Natürlich, wenn eine Allergie oder schwere Nebenwirkungen auftreten, muss ein Antibiotikum früher abgesetzt werden. Ansonsten sollte man die Zeit einhalten, damit die Keime auch tot sind.

Allgemein kann jedes Medikament schwere Nebenwirkungen haben und langfristige Schäden nach sich ziehen oder gar tödlich wirken. Gerade Antibiotika können echte „Hämmer“ sein. Also: So selten wie möglich, nur, wenn es sein muss.

Wo sind die wahren Keimschleudern?

Und wenn es um echte Keimschleudern geht, ist der Herd das beste Mittel dagegen. Fleisch, Fisch, Eier gehören immer gut durchgekocht bzw. gebraten, gebacken oder gegrillt. Hohe Temperaturen überstehen die berüchtigten Salmonellen nicht.

Die fühlen sich übrigens auch im Kartoffelsalat mit der Eier-Mayonaise wohl. Also: Kartoffelsalat nicht lange stehen lassen (dann vermehren sich die Keime), selbstgemachte Mayonaise immer sofort aufbrauchen oder besser die konservierte aus der Packung nehmen, wenn Mayo sein muss. Und Essen nicht lange herumstehen lassen, sondern, wenn man es später essen will, in den Kühlschrank setzen.

Ein Gewächshaus für Kariesbakterien, für faule Zähne und Mundgeruch, ist unser Mund bei schlechter Zahnhygiene. Also immer schön ordentlich putzen. Aber: Auch hier schaden „antibakterielle“ Zahncremes mehr, als sie nutzen. Selbst das Putzen mit Zahnbürste und Wasser an sich reinigt. Wichtig ist dagegen die Benutzung von Zahnseide. Einfache, billige Zahnseide, am Besten ungewachst, reicht da aber völlig aus.

Sie sehen – Man kann Schadstoffe reduzieren und Keimquellen vermeiden. Dabei müssen Sie der Werbung nicht glauben, gerade, was Keime angeht!


Autor: Amalie, CSN – Chemical Sensitivity Network, 6. August 2009

SERIE: Gesundheitsvorsorge einfach und billig

Duftstoffe lassen Asthmatikern, Allergikern und Umweltkranken im Alltag keine Chance

Duftstoffe lassen manchen nur noch die Einsamkeit

Duftstoffe lassen manchen Menschen nur noch die Einsamkeit

Vielen Verbrauchern ist nicht offensichtlich, dass es sich bei synthetischen Duftstoffen um Chemikalien handelt. Den Anwendern ist es völlig unbewusst, dass Duftstoffe viele gesundheitliche Langzeitschäden, wie z. B. Asthma und Allergien verursachen können. Viele in Parfums bzw. parfümierter Kosmetika beinhaltete chemischen Zusätze sind in der Medizin als Auslöser für Krebs, Immunschäden, Kontaktekzeme, neurotoxische Schädigungen, lebenslange Duftstoff-überempfindlichkeit, Genschäden etc., bekannt.

Gesundheitsschäden durch sorglosen Umgang mit Parfum & Co.

Zahlreiche in Parfums, parfümierter Kosmetika sowie in parfümierten Alltagsprodukten zum Einsatz kommenden Inhaltsstoffe / Chemikalien, gelangen durch Aufnahme über die Atemwege sowie über die Haut in den menschlichen Organismus, wo sie sich schleichend im Fettgewebe einlagern können. Sogar in Muttermilch sind manche der Chemikalien nachweisbar.

Parfum, Kosmetika und andere mit Duftstoffen versehene Produkte erlangten in den letzten Jahren bei den Verbrauchern stark zunehmende Beliebtheit. Die Werbetrommel für Aromatherapie, Wellness und Dergleichen wurde in groß angelegten Kampagnen intensiv betrieben, was nun Früchte zu tragen scheint.

Die Verbraucher vermuten sich mit Düften etwas Gutes zu gönnen. Doch dieser Luxus kann viele unangenehme Folgen haben – die Konsumenten wiegen sich in trügerischer Sicherheit. Dass die Anwendung von Parfum negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnte, ist der Mehrheit völlig unbekannt.

Derzeit bringt fast jeder Star und jedes Sternchen eine eigene Duftserie auf den Markt – das schafft solches blindes Vertrauen beim Kunden. Doch bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt und der sorglose, wie auch an Intensität zunehmende Umgang mit Duftstoffen, kann für die ahnungslosen Verbraucher schwerwiegende Gesundheitsschäden, mit kaum vorstellbaren Einschränkungen für das ganze weitere Leben zur Folge haben.

Duftstoffe nach Nickel häufigste Auslöser von Allergien

Die Zahl der Duftstoffallergiker nimmt drastisch zu. Duftstoffe zählen nach Nickel zu den häufigsten Auslösern von Allergien. Massive Einschränkungen im persönlichen Lebensumfeld sind die unumgänglichen folgenschweren Konsequenzen einer Duftstoffallergie.

Duftstoffe in der Kritik des UBA

Aus einer Pressemeldung des UBA aus dem Jahr 2004 geht bereits hervor, dass rund 2500 verschiedene Duftstoffe in unseren Alltagsprodukten wie z. B. wie in Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetikprodukten, Parfum, Raumsprays, Raumluftverbesserern und Duftkerzen, Müll- und Staubsaugerbeutel, aber auch an öffentlichen Plätzen, Räumen, Geschäften durch sogenanntes „Airdesign“, Anwendung finden.

UBA warnt vor Einsatz chemischer und natürlicher Duftstoffe

Aufgrund des starken Allergie-Potentials verschiedener Duftstoffe – das wissenschaftliche Beratungskomitee der Europäischen Union (SCCNFP) hat einige als besonders stark Allergie auslösend eingestuft – empfiehlt das Umweltbundesamt, lieber zu lüften anstatt zu beduften. Das UBA empfiehlt explizit den zurückhaltenden Einsatz von parfümierten Produkten, z. B. der anderenorts so hochgelobten Wellness- und Aromatherapie, wie auch von Duftlampen, Räucherstäbchen und Ähnlichem. Auch gibt das UBA an, dass Menschen mit umweltbezogenen Gesundheitsstörungen, wie z. B. MCS – Multiple Chemikalien Sensitivität, oft stark unter Duftstoffen leiden. Das UBA räumt bestimmten Duftstoffen eine schwere Abbaufähigkeit in der Umwelt sowie ein Anreichern in Umwelt, Mensch und Tier, ein.

Einsatz von chemischen Duftstoffen ohne gesetzliche Grenzen

Da Raumbeduftung über Lüftungsanlagen oder Duftsäulen nicht der Gefahrstoffverordnung unterliegt, sind die Hersteller nicht verpflichtet die Inhaltsstoffe ihrer Duftgemische zu deklarieren. Der Geschäftszweig des Airdesigns bzw. Duftmarketings hat also völlig freie Bahn im Einsatz ihrer chemischen Duftstoffe, sprich Chemikalien, mit denen die ahnungslose Kundschaft in so manchem Geschäft oder Wellness-Tempel usw., oft ohne deren Wissen und Einfluss, konfrontiert wird.

Das UBA empfiehlt im Jahr 2008 in einer Pressemeldung, Wasch- und Reinigungsmittel ohne Duftstoffe zu verwenden und berichtet über die Vermarktung von inzwischen 2500 bis 3000 verschiedenen Duftstoffen durch die Industrie. Das UBA gibt an, dass, wenn der Gehalt der als besonders Allergie auslösenden Duftstoffe (Chemikalien) in Waschmitteln, von 0,01 Prozent überschritten wird, dies durch die Hersteller auf der Verpackung angeben werden muss. Ebenfalls führt das UBA an, dass neben möglichen Kontaktallergien durch Duftstoffe, auch weitere Unverträglichkeiten entstehen können.

Stiftung Warentest zu natürlichen und künstlichen Aromastoffen

Auch die Stiftung Warentest kritisiert künstliche wie auch natürliche Aromastoffe und spricht in ihrem Test aus dem Jahr 2004 von Raumluft-belastenden Chemikalien, beim Einsatz von Duftkerzen und Duftölen in Räumen. Die Raumluftbelastung an Terpenen wurde bei der Anwendung von Duftölen als besonders hoch eingestuft und überschritt den vorgegebenen Richtwert für Terpene in Wohnräumen um ein mehr-hundertfaches. Die Tatsache, dass Duftstoffe flüchtige organische Verbindungen sind, ist den meisten Käufern derartiger Produkte wohl kaum bewusst.

Mögliche Auswirkungen von Duftstoffallergie und MCS unterschätzt

Das Krankheitsbild der Duftstoffallergie hört sich für gesunde Menschen im ersten Moment nicht so schlimm an. Allergien und Unverträglichkeiten haben doch viele, werden manche denken.

Es gibt neben Duftstoffallergikern zunehmend auch mehr MCS-Kranke (Multiple Chemical Sensitivity), die Duftstoffe häufig als Hauptauslöser ihrer Beschwerden bezeichnen. Über die vielen folgeschweren gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen einer solchen Duftstoffallergie und / oder Chemikalien-Sensitivität für das weitere eigene Leben, macht sich keiner so recht Gedanken bzw. es ist sich niemand des massiven Ausmaßes bewusst.

Die Realität und der Alltag für diese Personengruppen sind hart

Auf Grund der Tatsache, dass Duftstoffe fast allgegenwärtig sind, ist es für Duftstoffallergiker und Chemikaliensensible kaum noch möglich, am öffentlichen Leben teilzuhaben. Die in gesunden Zeiten möglichen Freizeitaktivitäten werden in unvorstellbarem Ausmaß eingeschränkt.

Weil es jeden treffen kann, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie sich das eigene Leben plötzlich ändern und was es tatsächlich bedeuten könnte, wenn auf einmal bspw. Folgendes nicht möglich wäre:

  • Kino- und Theaterbesuch,
  • Einkaufsbummel
  • Weggehen mit Freunden und Bekannten
  • Besuche derjenigen in ihren Wohnungen
  • Mitfahren in anderen PKW’s bzw. in Öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Vereinssport oder Fitnessstudio
  • Essengehen im Lieblingsrestaurant
  • Faulenzen am Strand oder Baggersee

Nicht zu verschweigen, sogar der Besuch einer öffentlichen Toilette wird zum Alptraum, weil diese zumeist mit bedufteten WC-Steinen oder automatischen Duftspendern ausgestattet sind.

Wenn Selbstverständliches zum Gesundheitsproblem wird

Vieles das für andere selbstverständlich ist, wird für Duftstoffallergiker und Chemikaliensensible zum Problem.

Einige Beispiele aus dem Alltag:

Die Betätigung der Wischanlage im Auto: Durch die zugesetzten Duftstoffe in Scheibenreinigungs- und Frostschutzmittel kann dies zur Qual werden und möglicherweise einen Asthma-Anfall, starken Schwindel, Migräne und vieles mehr auslösen.

Duftstoffe von Kollegen am Arbeitsplatz: Sie können zum unüberwindbaren Hindernis werden. Das kann sogar bedeuten, dass man den Job aufgeben muss. Und das „nur“, weil man plötzlich hochallergisch und in unvorstellbarer Intensität, mit starken Gesundheitsbeschwerden auf Duftstoffe reagiert.

Die gemeinschaftlich genutzte Waschküche im Mietshaus: Sie kann nicht mehr betreten werden, weil die Chemikaliengerüche der durch die Mitbewohner benutzten Waschmittel- und Weichspüler und Trocknertücher Gesundheitsreaktionen hervorrufen.

Aufenthalte auf Balkon oder Terrasse: Plötzlich unmöglich, wenn der Nachbar seine duftende Wäsche aufgehängt hat oder Duftkerzen verwendet.

Der Gang durchs Treppenhaus zur eigenen Wohnung: Wegen der Ausdünstungen aus der Waschküche eskaliert er zum Spießrutenlaufen.

Einbuße der Lebensqualität bei Duftstoffallergikern und MCS-Kranken

Richtig vorstellen, was es heißt ein Leben als Duftstoffallergiker oder MCS-Patient führen zu müssen, können sich gesunde Menschen höchstwahrscheinlich nicht. Die zuvor beschriebenen Auswirkungen von Chemikaliensensitivität und Duftstoffüberempfindlichkeit auf die eigene Lebensqualität sind wirklich enorm.

Der Gesetzgeber ist gefragt zeitnah dafür Sorge zu tragen, dass krankmachende Produkte aus den Regalen verschwinden. Im Hinblick darauf, dass es jeden treffen kann, wäre man sicherlich gut beraten das eigene Konsumverhalten von Duftstoffen kritisch zu überdenken und sich zu überlegen, ob der Gebrauch dieser Alltagschemikalien tatsächlich notwendig ist. Schließlich gibt es mittlerweile viele unparfümierte Produkte, die die eigene Gesundheit aber auch die der Mitmenschen, sozusagen ohne Aufwand äußerst positiv und nachhaltig beeinflussen können.

Autor: Maria, CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. August 2009

taz Panter Preis 2009 – Jetzt Stimme abgeben: Umweltkranke und Chemikaliengeschädigte unterstützen

Unermütlicher Einsatz für Menschen die durch Chemikalien erkrankten

Nominiert für den taz Panter Preis 2009

Silvia K. Müller, CSN, und Dr. Peter Binz, Neurologe aus Trier, sind für den diesjährigen taz Panterpreis nominiert. Ihr Engagement gilt seit vielen Jahren Menschen, die durch Chemikalien auf ihrem Arbeitsplatz, durch Wohngifte in ihrem Haus oder anderweitige Chemikalienexposition erkrankten. Viele dieser Erkrankten leiden dadurch unter MCS – Multiple Chemical Sensitivity, einer Hypersensibiltät auf Chemikalien. Sie reagieren auf geringste Spuren von Alltagschemikalien und müssen deshalb oft sozial vollig isoliert leben. Die seit den Vierziger Jahren bekannte Krankheit betrifft mindestens 10% der Bevölkerung (internationale Studien sprechen von 10-30%), sie wird jedoch weitgehend verschwiegen und bagatellisiert. Von Behörden, Insitutionen und Versicherungen bekommen Menschen, die durch Chemikalien erkrankten, in den seltensten Fällen Hilfe, im Gegenteil, man rückt ihre Beschwerden häufig sogar mit Kalkül in Richtung Psyche, um so auf subtile Weise Ansprüche abzuwehren. Die taz berichtete in ihrem Artikel „Gegen Gifte, die das Hirn zerfressen“ über die Arbeit und die Beweggründe der beiden Nominierten.

Jetzt an der Wahl der Preisträger beteiligen

Stimme für Umweltkranke und Chemikaliengeschädigte abgeben

Die LeserInnenwahl für den taz Panter Preis hat am Samstag, den 1. August 2009, begonnen. Bis zum 29. August 2009 ist es möglich, das Projekt zu wählen, das einem am Wichtigsten erscheint. Jeder kann mitmachen, man muss dazu kein taz Abonennt sein. Auch Stimmen aus dem Ausland sind zulässig.

Die Nominierten >>> Panter Preis 2009

taz Präsentation >>> Bericht über Silvia K. Müller und Dr. Peter Binz

Bericht im CSN Blog >>> Nominiert für den taz Panther Preis: Silvia K. Müller – CSN und Neurologe Dr. Peter Binz

Man kann online oder per Briefpost abstimmen. Jeder kann nur einmal wählen. Es zählen nur Stimmabgaben, die mit Absender versehen sind. Es ist möglich, dass mehrere Personen aus einem Haushalt unter Angabe des vollen Namens abstimmen.

Wer Silvia K. Müller und Dr. Peter Binz wählen möchte, klickt online die Namen über dem Adressfeld im taz Formular an, und wer per Post abstimmt, schreibt einfach die beiden Namen und seine eigene Adresse auf eine Karte (ohne ist ungültig).

Online Stimme abgeben >>> taz Panterpreis

Die Postadresse der taz:

taz, Rudi-Dutschke-Straße 23, 10969 Berlin

Preisverleihung taz Panter Preis 2009

Der taz Panter Preis wird am 19. September in der Komischen Oper Berlin verliehen. Es gibt zwei Preise, die verliehen werden, einen, den die taz Jury vergibt und einen, bei dem die Leser die Entscheidung treffen. Die Nominierten haben also eine doppelte Chance, den Preis zu erhalten. Die Gewinner und Gewinnerinnen des taz Panter Preises werden auf der Preisverleihung bekannt gegeben.

taz Panter Preis - CSN und Umweltmediziner nominiert

Wir würden uns freuen, wenn Sie mit Ihrer Stimme das Engagement von Silvia K. Müller und Dr. Peter Binz, und damit Menschen die durch Chemikalien erkrankten, unterstützen.

Für Brigitte. Chemical Sensitivity – Eine Krankheit, die ein Zeichen für uns alle setzt

Menschen mit MCS wollen akzeptiert werden - Sie wollen leben

Die nachstehenden Seiten informieren über die Krankheit, an deren Folgen Brigitte S. starb. Sie dienen zur Information, zum Verständnis und tragen zum Andenken an Brigitte bei.

Wir können und wollen nicht akzeptieren, dass liebe Mitmenschen so aus dem Leben scheiden müssen.

„Wir verstehen das Leid, dass Du mitgemacht hast und wünschen Dir Frieden.“

CSN – Chemical Sensitivity Network

Chemical Sensitivity – Eine Krankheit, die ein Zeichen für uns alle setzt

Es war im Jahr 1945, als die erste Veröffentlichung über Menschen, die plötzlich auf minimale Spuren von Alltagschemikalien reagierten, mit denen sie zuvor keine Probleme hatten, in einer medizinischen Fachzeitschrift für Allergologen in den USA erschien. Theron Randolph, der Autor des Artikels, stand damals noch in den Anfängen seiner Beobachtungen, doch lernte er durch seine Patienten rasch hinzu.

Das Schlüsselerlebnis

Randolph’s in Fallbeschreibung aus dem Jahr 1947:

Eine 41jährige Kosmetikverkäuferin, die Frau eines Arztes, litt unter häufigen Kopfschmerzen, chronischer Erschöpfung, ständigem Schnupfen, Ausschlag, Irritiertheit, etc. Jedes Mal, wenn sie Nagellack auftrug, bekam sie spontan Ödeme und Ausschlag an den Augenlidern. Sie hatte ganz offensichtlich eine Hypersensitivität gegenüber Parfums, Kosmetika mit Duftstoffen und vielen Medikamenten.

Das Spektrum der Substanzen, auf die die Frau Reaktionen entwickelte, weitete sich immer weiter aus. Randolph berichtet, dass diese Frau beispielsweise jedes Mal, wenn sie zu ihm nach Chicago zur Behandlung fuhr, akuten Husten, Asthmaanfälle und Kopfschmerzen bekam, wenn sie eine Gegend im nördlichen Indiana erreichte, in der eine große Ölraffinerie ihren Stützpunkt hatte. An nebligen oder regnerischen Tagen ging es ihr noch schlechter, weil die Emissionen der Ölraffinerie nach unten gedrückt wurden.

Auch auf Autoabgase, insbesondere Dieselabgase, reagierte die ehemalige Kosmetikverkäuferin sehr stark. So konnte sie im Hotel nur im obersten Stockwerk übernachten, wo sie keinen Abgasen ausgesetzt war. Hielt sie sich im zwanzigsten Stock des Hotels auf, verbesserte sich ihr Zustand innerhalb vierundzwanzig Stunden. Hielt sie sich im Parterre des Hotels auf, ging es ihr zunehmend schlechter. Randolph musste zusehen, wie sich die Gesundheit der Frau zunehmend verschlechterte. Sie bekam Phasen, in denen sie wie betrunken herum torkelte und das Bewusstsein verlor. Dreimal lief sie in einen Wagen in einem solchen Zustand.

Karenz – doch wie und wo?

Der Allergologe Randolph verschrieb eine möglichst weiträumige Karenz gegenüber allen Auslösern der Reaktionen, die ihm und der Patientin bekannt waren, und siehe da, die Frau stabilisierte sich und Randolph war klar, dass Vermeidung ein Grundpfeiler der Behandlung von Patienten sein musste, die besondere Empfindlichkeit gegenüber Alltagschemikalien zeigten.

Theron Randolph, der Autor dieses Fallberichtes, stand damals noch in den Anfängen seiner Beobachtungen, die er im weiteren Verlauf intensivierte und die er 1962 im ersten Buch über die Krankheit Chemikalien-Sensitivität ausführlich darlegte. Wenig später sollte der Allergologe die erste Umweltklinik weltweit gründen. Diese Klinik hatte sehr streng kontrollierte Umweltbedingungen, die bis heute in ihrer Perfektion nicht oft erreicht wurden. In Deutschland gibt es bis heute keine Umweltklinik mit solchen Umweltbedingungen, wie sie Randolph damals schon als essentiell erachtete.

Der Aufschrei blieb bis heute aus

Eigentlich hätte mit Erscheinen von Randolphs erstem Buch und seinen vielen damaligen Publikationen in medizinischen Zeitschriften ein Aufschrei erfolgen müssen, und gleichzeitig hätte die Medizin beginnen müssen, diese anschaulich vermittelten Erkenntnisse in die Praxis einfließen zu lassen. Doch weit gefehlt, nichts geschah, denn man befand sich gerade im Rausch der Möglichkeiten, die ständig neu auf den Markt kommende Chemikalien boten. Nylonstrümpfe, Haarspray, Nagellack, Putzmittel, die im Nu jeden Fleck tilgen, erste synthetische Parfums, wetterfeste Farben und wunderschöne chromblitzende, benzinfressende Straßenkreuzer, die Statussymbol einer ganzen Ära wurden.

Das Wirtschaftwunder hatte sich seinen Weg gebahnt und wollte nicht durch Menschen gestört werden, die auf das „Wunder Chemie“ reagierten, welches einer aufstrebenden Industrie größten Profit versprach. Man wollte den Zweiten Weltkrieg vergessen, man wollte leben, das Leben in vollen Zügen genießen.

Seit der damaligen Zeit ist die Zahl der auf dem Markt befindlichen Chemikalien rasant angestiegen, man geht von über 70.000 Chemikalien aus, mit denen wir uns umgeben. Eine Welt ohne synthetische Chemikalien ist undenkbar geworden. Wir profitieren davon, müssen aber längst die Kehrseite der Medaille bezahlen, wie durch Chemikalien induzierte Krankheiten beweisen.

Wissenschaftler in den USA gehen davon aus, dass bereits zwischen 15 – 30 % der Allgemeinbevölkerung, darunter versteht man Personen, die nicht am Arbeitsplatz geschädigt wurden, leicht bis mittelschwer und 4 – 6 % schwer auf Alltagschemikalien, wie z.B. Parfum, Zigarettenrauch, frische Wandfarbe, Duftstoffe, Zeitungsausdünstungen, Autoabgase, etc. mit vielfältigen Symptomen reagieren. Die Krankheit kann schwere Ausmaße erreichen. Eine wissenschaftliche Studie, die im September 2003 in der Zeitschrift Environmental Health Perspectives erschien, belegt, dass 12,6% der Gesamtbevölkerung in den USA unter Chemikalien-Sensitivität (MCS) leiden. Von dieser Bevölkerungsgruppe die eine Hypersensitivität auf Chemikalien haben, laut dem Wissenschaftlerteam, 13,5% (oder 1,8% des gesamten Kollektivs) wegen der Erkrankung ihren Job verloren.

Um eine Vorstellung zum Ausmaß der Krankheit zu geben: Umgerechnet auf die US Gesamtbevölkerung leiden demnach rund 36,5 Millionen Amerikaner an MCS und mehr als 5,2 Millionen, das sind etwa 1,8% der Gesamtbevölkerung, können infolgedessen ihren Arbeitsplatz aufgrund ihrer Chemikalien-Sensitivität verlieren. Studien über die Situation in Deutschland gibt es nicht.

Das Endstadium einer MCS

Im Endstadium der Erkrankung kämpfen Betroffene täglich rund um die Uhr um ihr Überleben. Sie finden oftmals keinen Ort mehr, an dem ihr Körper zu Ruhe kommt, sprich symptomfrei ist. Das Nervensystem ist bei ihnen häufig so stark geschädigt, dass Chemikalien in allergeringster Konzentration ausreichen, um schwerste Reaktionen und Anfälle, auch Bewusstlosigkeit auszulösen. Als Vergleich zu den in Mitleidenschaft gezogenen Nerven kann man sich ein beschädigtes Starkstromkabel vorstellen, das bei jeder Berührung einen Kurzschluss verursacht. Nichts funktioniert mehr.

In den USA lebte eine junge Medizinstudentin namens Cindy Duering. In ihrem Studentenapartment wurden in ihrer Abwesenheit Pestizide gegen Schädlinge versprüht. Die Schädlingsbekämpfer behandelten sogar ihre Kleidung. Die junge Frau hatte keinen Schimmer, in welcher Gefahr sie schwebte, als sie ihr Apartment nach dem Einsatz wieder betrat und darin lebte. Sie brach zusammen, konnte nicht mehr weiter studieren und musste in einem speziell für sie errichteten Haus leben. Sie kämpfte täglich um ihr Überleben und versuchte trotz schwerster Reaktionen, ihrer Krankheit auf den Grund zu gehen. Sie gründete mit einer anderen Frau zusammen eine Organisation, die sich fortan für die Rechte der MCS Erkrankten einsetzte und sie beschaffte sich medizinische Studien, trat mit Wissenschaftlern in Kontakt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Cindy Duering schrieb viele Artikel, in denen sie den Erkrankten die medizinischen Aspekte der Erkrankung vermittelte.

Ihre Krankheit verschlimmerte sich, trotz, dass sie hermetisch abgeriegelt in einem schadstofffreien Haus mit Luftfiltern lebte. Die Schädigung schritt fort, und eine bekannte amerikanische Ärztin und Wissenschaftlerin sagte einmal weinend: „Wir hätten alles für sie getan, ohne auch nur einen Cent dafür zu verlangen. Sie hat so sehr gekämpft, sie war so brillant, in dem was sie schrieb, es wäre uns eine Ehre gewesen. Aber ihr Zustand war so schwerwiegend, dass man sie bildlich gesehen, auf einen anderen Planeten hätte verfrachten müssen, und selbst das wäre ungewiss gewesen.“

Cindy Duering bekam für ihre außerordentlichen Leistungen den Alternativen Nobelpreis verliehen. Ihr Mann nahm ihn in Stockholm für sie entgegen. Cindy war in einem Zustand der Hypersensitivität. Ihr Mann konnte nur alle paar Tage durch den Briefschlitz mit ihr kommunizieren, weil er von seiner Arbeit Stoffe ausdünstete, die bei ihr Anfälle auslösten. Es sollte noch schlimmer kommen. Cindy bekam durch die fortschreitende Nervschädigung nun schon Anfälle, wenn ein Geräusch auftrat. Das Klingeln des Telefons, sogar ihre eigene Stimme hinterließ sie in stunden bis tage-lang anhaltenden Krämpfen und schwersten Schmerzen. Sie konnte nur noch durch Schreiben auf ein Stück Pergamentpapier mit Bleistift mit anderen kommunizieren. Dann ging auch das nicht mehr, denn es löste Anfälle aus.

Die junge Frau, der einst die Welt der Medizin offen stand, starb an ihrer MCS und den toxischen Schäden, die Organophosphat-Pestizide hinterlassen hatten. Der Zustand von Cindy Duering kommt dem von Brigitte nahe. Auch ihr Körper reagierte auf immer mehr und zum Schluss reichte das Zirpen einer Grille in weiter Entfernung, das Auftreffen von Wind auf ihrer Haut, um schwerste kaskadenartige Schmerzzustände und Anfälle auszulösen. Ist dieser Punkt – Point of no Return – erreicht, gibt es kein zurück. Kein Arzt ist in der Lage zu helfen. Medikamente führen nur zu weiterer Verschlechterung, unerträglichen Schmerzen und Leiden, weil auch sie aus Chemikalien bestehen.

Verständnis, Akzeptanz und Prävention

Cindy und Brigitte sind keine Einzelfälle, sie gehören zu den wenigen Fällen, die bekannt wurden, Sie setzen ein Zeichen, dass wir sorgsamer mit Chemikalien umgehen müssen. Wir sind als Menschen dort angelangt, wo wir Chemikalien-Sensitivität nicht mehr ignorieren oder als Hysterie, psychische Störung oder ähnliches abtun sollten. Akzeptieren, dass es innerhalb unserer Gesellschaft Menschen gibt, die den Tribut für den sorglosen Umgang mit toxischen Chemikalien zahlen, könnte ein Beitrag sein, den jeder von uns leisten kann. Chemikaliensensible Menschen, die in allen industrialisierten Ländern anzutreffen sind, Verständnis und Hilfe entgegenbringen und sie als Zeichen sehen, dass darauf hinweist, dass wir präventiv agieren und über Risiken aufklären müssen, wäre zum Wohle aller, vor allem der kommenden Generationen.

Für Brigitte.

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Juli 2009

Stellungnahme des UBA zu Duftstoffe in Farben und Wandabwicklungen

Duftstoffe in Farben können Gesundheitsbeschwerden auslösen

Statt Abbau von Barrieren für Behinderte werden neue unüberwindbare Barrieren geschaffen

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt seit Jahren von dem Einsatz von Duftstoffen und weist auf Gesundheitsgefahren hin. Ein Umdenkprozess konnte dadurch leider noch nicht eingeläutet werden. Die Zahl der Asthmatiker, Duftstoffallergiker und Menschen mit Chemikalien-Sensitivität hat in den letzten Jahren zugenommen. Einer der Gründe hierfür ist der zunehmende Einsatz von Duftstoffen auch außerhalb der privaten Haushalte. Raumbeduftung, Einsatz von Duftsprays, gelgefüllte Duftspender, automatische Duftvernebler und die Verwendung von Parfums, duftstoffhaltigen Wasch- und Pflegeprodukten hat dramatisch zugenommen.

Duftstoffe in Wandfarben – Eine neue Barriere für manche Behinderten

Als innovative Neuheit wurde zu Anfang des Jahres von einer Firma ein Patent für Farben und Wandabwicklungen vorgestellt, diese enthalten Duftstoffe, die über Jahre an die Umgebungsluft freigegeben werden. CSN nahm dies zum Anlass, das UBA zu konsultieren und um Stellungnahme zu bitten, da davon auszugehen ist, dass solche duftstoffhaltigen Farbsysteme dafür sorgen, dass sich z.B. Personen, die unter MCS oder Asthma leiden, in solchen Gebäuden nicht aufhalten können. Entsprechende wissenschaftliche Literaturhinweise, Studien und Abstracts wurden beigefügt.

Der Offene Brief des CSN nebst Anlagen wurde nachrichtlich auch an die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Dr. Michael Müller MdB – Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Umwelt Natur und Reaktorsicherheit – und an den Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. gesendet.

Die Antwort des Umweltbundesamtes drückte Sorge über den Einsatz von Duftstoffen in Innenräumen aus. Der Antwortbrief des UBA ist im Anschluss an die nachfolgende CSN Anfrage zu lesen.

Offener Brief bzgl. Pressemitteilung der Firma Wacker Chemie AG vom 31.3.2009

Sehr geehrter Herr Dr. Straff,

am 31. März 2009 informierte die Firma Wacker Chemie AG, München, in einer Pressemitteilung über eine Neuentwicklung zum Einsatz von Duftstoffen in der Bauindustrie.

Im Wortlaut:

„Unter dem Motto „Inspired By Excellence“ präsentiert der Münchner WACKER-Konzern auf der vom 31. März bis 2. April 2009 in Nürnberg stattfindenden European Coatings Show (ECS) nachhaltige Produktlösungen aus den Kompetenzbereichen Coatings, Construction und Adhesives

CAVAMAX®/CAVASOL® Cyclodextrin-Duftstoff-Komplexe für innovative Coatings

WACKER hat ein System entwickelt, mithilfe von Cyclodextrinen Duftstoffe in Bauanwendungen trotz der hohen Flüchtigkeit und der chemischen Empfindlichkeit dieser Stoffe effektiv einzusetzen. Die ringförmigen Zuckermoleküle schützen empfindliche Substanzen in ihrem Inneren und setzen sie nach dem Trocknen und Abbinden des Beschichtungsstoffes kontrolliert frei. Damit bietet sich erstmals die Möglichkeit, ätherische Öle und andere Duftstoffe in unterschiedlichen

nichthydrophoben Anwendungen der Bauindustrie, wie Beläge, Putze, Anstriche, Spachtelmassen und andere Beschichtungen sowie Dichtstoffe, einzusetzen.“

Im Hintergrundpapier April 2006, „Duftstoffe: Wenn Angenehmes zur Last werden kann“ stellte das Umweltbundesamt fest:

„Aus Gründen der Vorsorge empfiehlt das UBA, Duftstoffe in öffentlichen Gebäuden – wie Büros, Kaufhäusern und Kinos – nicht einzusetzen, um die Gesundheit empfindlicher Verbraucherinnen und Verbraucher nicht zu beeinträchtigen. Sofern trotzdem Riech- und Aromastoffen in die Raumluft sollen, darf dies nur mit Zustimmung aller Raumnutzer erfolgen, um Belästigungen zu vermeiden. …

Das UBA rät davon ob, Riech- und Aromastoffen gezielt über Lüftungs- und Klimaanlagen in Gebäuden zu verbreiten, vor allem, falls dies ohne Kenntnis der Raumnutzerinnen und -nutzer erfolgt. Aus Sicht des UBA birgt ein solcher Zusatz im Zweifelsfall – bei bisher weitgehend unbekannten Risiken – eher gesundheitlichen Schaden als Nutzen für die Verbraucherinnen und Verbraucher. „

Cyclodextrin-Duftstoff-Komplexe können in Belägen, Putzen, Anstrichen, Spachtelmassen, Beschichtungen sowie Dichtstoffen eingesetzt werden.

Bitte teilen Sie uns mit, wie der Verbraucher in Zukunft davor geschützt werden kann/soll, dass er unwissend in Innenräumen wohnt, arbeitet, oder Gebäude betreten muss, die durch den Einsatz von CAVAMAX®/CAVASOL® beduftet werden.

Bestimmte Personengruppen in unserer Bevölkerung haben erhebliche Probleme mit Duftstoffen, hierunter fallen bekannterweise auch Schwangere und Chemotherapie-Patienten. Für weitere Personengruppen stellen Cyclodextrin-Duftstoff-Komplexe eine regelrechte Gesundheitsgefahr dar, hierzu zählen Allergiker, Asthmatiker als auch für jene Menschen, die an einer Multiplen Chemikalien Sensitivität (MCS) erkrankt sind. Mithin ist durch den Einsatz solcher Systeme mit einem Anstieg gerade eben dieser Erkrankungen zu rechnen.

Nicht nur chemische Duftstoffe können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Durch neuere Studien wurde bekannt, dass ätherische Öle ebenfalls nicht unbedenklich sind. Neben luftgetragenen Risiken für Allergiker, wird von Wissenschaftlern auch für gesunde Raumbenutzer Bedenklichkeit signalisiert. Insbesondere in den Sommermonaten mit höherer Ozonbelastung ist in Räumlichkeiten in denen ätherische Öle in der Raumluft enthalten sind, mit Schadstoff- und Feinstaubeintrag durch Oxidationsprozesse zu rechnen. Erkenntnisse, die u. a. in Studien von Nazaroff et al/ Berkeley University (2006) und Weschler et al/ University Texas (2004) nachgelesen werden können. (Anlage)

Abschließend möchten wir noch darauf hinzuweisen, dass der Einsatz von Farbsystemen die Duftstoffen enthalten, in öffentlichen Gebäuden im Rahmen der am 23.03.09 auch in Deutschland in Kraft getretenen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen festgeschriebene Nichtdiskriminierung verstößt, da er insbesondere in Gebäuden wie Schulen, Krankenhäusern,

Pflegeeinrichtungen, Behörden und Veranstaltungsgebäuden für Teile der oben angesprochenen Personengruppen, neue (teils unüberwindbare) Barrieren errichtet.

Auch Personen, die unter Einfluss von Duftsstoffen bisher noch keine gesundheitlichen Probleme entwickelt haben, empfinden Duftstoffe oft als lästig und störend. Mithin will niemand durch Duftstoffe beeinflusst werden.

Dieser offene Brief wird zeitgleich im Blog des Chemical Sensitivity Network http://www.csn-deutschland.de/blog veröffentlicht.

Wir bitten Sie um eine Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Silvia K. Müller

CSN – Chemical Sensitivity Network

Das Umweltbundesamt schrieb eine Antwort auf die CSN Anfrage vom 24.06.2009:

Umweltbundesamt, Dr. Wolfgang Straff, Dessau, 15.07.2009

Sehr geehrte Frau Müller,

vielen Dank führ Ihr Schreiben. Es zeigt uns, wie wichtig unsere Arbeit in diesem Bereich ist. Wie Sie richtig zitieren, empfiehlt das UBA, Duftstoffe in öffentlichen Gebäuden nicht einzusetzen. Diese Empfehlung gilt nach wie vor.

Als wissenschaftliche Bundesoberbehörde gehört es zu unseren Aufgaben, sowohl die politischen Entscheidungsträger, als auch die allgemeine Öffentlichkeit über Fragen des Umweltschutzes und auch der gesundheitlichen Zusammenhänge zu informieren und Empfehlungen auszusprechen. Aus diesen Empfehlungen ergibt sich allerdings keine rechtliche Verbindlichkeit – weder für private, noch für juristische Personen. Wir beurteilen die Anwendung von Duftstoffen in Innenräumen – insbesondere dann, wenn dies zur Maskierung mangelhafter Raumluftqualität erfolgt – aus lufthygienischen Gründen kritisch. Trotzdem teilen wir nicht Ihre Auffassung, dass eine Exposition gegenüber Duftstoffen zwangsläufig mit gesundheitlichen Problemen bestimmter Personengruppen verbunden sein muss. Dies gilt nach unserer Auffassung auch nicht für Schwangere und Chemotherapiepatienten und -patientinnen.

Besorgte Verbraucherinnen und Verbraucher sollten darauf achten, dass bei Renovierungsmaßnahmen solche Produkte zur Anwendung kommen, die keine unerwünschten Inhaltsstoffe enthalten. Eine Orientierung gibt das Umweltzeichen „der blaue Engel“, bei dessen Vergabekriterien Aspekte des Umwelt- und des Gesundheitsschutzes eine Rolle spielen.

Sowohl Qualität der Außen- als auch der Innenraumluft ist für das UBA ein wichtiges Thema. Es wird sich auch weiterhin mit der hygienischen Problematik der Anwendung von Duftstoffen befassen.

Mit freundlichen Grüßen,

Im Auftrag

Dr. W. Straff

Psychostudien unter der Lupe

Psychostudien unter der Lupe

Die früher genannten Studienergebnisse bei Vergleichen von Psychotherapie mit Placebobehandlungen und Unbehandelten sollen im Folgenden noch etwas genauer betrachtet werden.

Das Beispiel

Als Ausgangs- und Orientierungspunkt soll dabei ein Ergebnis der schon erwähnten NIMH-Studie [1] dienen. Dort ging es um die Behandlung von Depressionen mit verschiedenen Methoden.

Die Hamiltonskala

Zur Beurteilung der Schwere der Erkrankung und des Behandlungserfolgs werden den Patienten zu Begin und am Ende der Behandlung einige vorgegebene Fragen gestellt und die Antworten dann von den Befragern nach einem Punkteschema bewertet. Dabei wurde eine Version der weit verbreiteten sog. Hamilton-Skala (HRSD) benutzt. Aus den Punkteergebnissen wurde dann jeweils ein Skalenwert ermittelt, der die Schwere der Depression des betreffenden Patienten repräsentieren soll. Höhere Werte stehen dabei für eine schwerere Depression, d.h. niedrigere Werte sind „besser“. Ein Resultat von 15 bis 18 wird als milde bis mittelschwere Depression gewertet. Schwer depressive Patienten erreichen üblicherweise einen Wert von 25 oder mehr.

Die Ergebnisse

Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:

tabelle-1

* Imipramin ist ein trizyklisches Antidepressivum

Die angegebenen Werte sind jeweils die Mittelwerte der einzelnen Gruppen.

Durch die Behandlung mit Psychotherapie verbessern sich die Teilnehmer durchschnittlich um einen Wert I. Erfolgt diese Verbesserung wiederum mit einer gewissen zufälligen Variabilität, wird die Streuung der Ergebnisse dabei größer, d.h. die Standardabweichung wird größer (vgl. obige Tabelle).

Die Standardabweichung „s“ ist ein Maß für die Schwankungsbreite der Ergebnisse in den einzelnen Gruppen. Bei dem Ergebnis m ± s liegen 68,3% der Einzelergebnisse zwischen (m – s) und (m + s). Dabei ist „m“ der Mittelwert. Je kleiner s ist, desto dichter liegen die Einzelergebnisse beisammen.

Die nachfolgende Graphik zeigt die Studienergebnisse (die ersten vier Zeilen der Tabelle) als normalverteilte Wahrscheinlichkeitsdichten. Je höher die Kurve, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in der Gruppe den zugehörigen HRSD-Punktewert hat. Farben wie in der Tabelle.

Tabelle 2

Die Effektstärke

Um die Ergebnisse verschiedener Studien vergleichen zu können, verwendet man häufig die sogenannte Effektstärke (meist mit „d“ oder „ES“ abgekürzt) , die je nach beabsichtigter Genauigkeit oder Perspektive auf verschiedene Weise berechnet werden kann.

Im einfachsten Fall nimmt man d = (m1-m2)/s2 (Glass’s Delta). Dabei ist m1 der von der betrachteten Versuchsgruppe erreichte Mittelwert nach der Behandlung, m2 der von der Kontrollgruppe (hier die Placebogruppe: m2=8,8) erreichte Mittelwert und s2 die Standardabweichung von der Kontrollgruppe (hier s2=5,7).

Im vorliegenden Fall erhält man formal eine negative Effektstärke, wenn die Therapiegruppen besser als die Vergleichsgruppen sind, weil weniger HRSD-Punkte „besser“ sind. Konventionell zählt man die Effektstärke aber in Richtung der „Verbesserung“ positiv. In diesem Fall würde man also d statt d berichten.

Klinische Relevanz der Effektstärke

Nach der Konsensempfehlung des (englischen) Nationalen Instituts für klinische Exzellenz (National Institute for Clinical Excellence (NICE)) sind für einen klinisch relevanten Effekt mindestens 3 Punkte auf der Hamilton-Skala oder alternativ eine Effektstärke von d = 0,5 erforderlich [2].

Bei entsprechend hoher Standardabweichung können die absoluten Unterschiede trotz nicht vorhandener klinischer Relevanz nach dem Kriterium d < 0,5 recht hoch sein. Umgekehrt können die entsprechenden absoluten Unterschiede bei sehr kleiner Standardabweichung trotz klinischer Relevanz gemäß d % 0,5 sehr klein sein. Daher die zusätzliche Forderung, dass der Effekt mindestens 3 Punkte auf der Hamilton-Skala ausmachen muß.

Ein Wert auf der Hamilton-Skala von 6 oder besser wird in Studien oft als Grenzwert genommen, ab dem ein Patient als „geheilt“ gilt.

Die Behandlung ist nicht wirklich besser als das Placebo

Befürworter der Psychotherapie, insbesondere solche, die selber Psychotherapie machen, führen als Beleg für die Effizienz von Psychotherapie gegenüber Placebobehandlungen oder Nichtbehandlung häufig die Ergebnisse der Metastudie von Lambert und Bergin [3] an, in der 15 Metastudien ausgewertet wurden. Dort kam man auf Werte für die Effektstärke von:

„Psychotherapie“ gegenüber „keine Behandlung“: d = 0,82

„Psychotherapie“ gegenüber „Placebo“: d = 0,48

„Placebo“ gegenüber „keine Behandlung“: d = 0,42

(D.h. für den Fall „Psychotherapie“ gegenüber „keine Behandlung“: der Unterschied zwischen den Durchschnittsergebnissen für die „Psychotherapie“-Gruppe und die „keine Behandlung“-Gruppe beträgt das 0,82-fache der Standardabweichung der „keine Behandlung“-Gruppe, das sind 0,82×5,7 = 4,7 HRSD-Punkte.)

Der Unterschied zwischen Psychotherapie und Placebo beträgt also nach Effektstärken 0,48 (zweite Zeile).

Nach der oben angegebenen Formel für die Effektstärke d = (m1-m2)/s2 folgt aus dem ersten und dritten Wert jedoch eine Differenz zwischen den Ergebnissen von Psychotherapie und Placebo von nur 0,40 Standardabweichungen der „keine Behandlung“-Gruppe. Der Unterschied rührt möglicherweise daher, dass die Standartabweichung für „keine Behandlung“ größer war als die für „Placebo“. Eine andere bzw. zusätzliche Möglichkeit besteht darin, dass eine leicht abweichende Formel zur Berechnung der Effektstärke verwendet wurde.

Wie auch immer man jedoch rechnet: Die Placebogruppe ist zwar etwas schlechter als die Therapiegruppen, der Unterschied in den erreichten Mittelwerten ist nach dem NICE-Standard jedoch klinisch nicht relevant.

…und der Vorsprung schwindet

Dabei ist weiter zu bedenken, dass wichtige unspezifische Faktoren wie die Überzeugtheit des Therapeuten hinsichtlich seiner Behandlung bei Placebobedingungen nicht vorhanden sind und auch weitere unspezifische Kontextfaktoren fehlen können.([4], S. 46)

„Weinberger [6] ging so weit zu sagen, dass der Unterschied in den verschiedenen Behandlungsformen darin liegt, welche generellen Faktoren [= unspezifische Faktoren] benutzt und welche generellen Faktoren vernachlässigt werden.“([4], S. 82)

Einige Studien haben versucht, den Überzeugungs- bzw. Loyalitätseffekt abzuschätzen. Dabei fand man, wenn der Therapeut von seiner Behandlung überzeugt ist, eine Effektstärke von 0,95. Ist der Therapeut nicht überzeugt, wie bei einer Placebobehandlung anzunehmen, lag die Effektstärke nur bei 0,66.

Bei Gültigkeit der obigen Formel für die Effektstärke, liegt der Unterschied aufgrund des Überzeugungseffekts in den Ergebnissen für das jeweilige Meßinstrument bei 0,29 Standardabweichungen. Die entsprechende Differenz in der oben genannten Studie von Lambert und Bergin lag bei 0,48. D.h. allein dieser Faktor reduziert den Unterschied zwischen Therapie und Placebo auf 0,19 Standardabweichungen (das entspräche in obigem Beispiel ca. 1,1 Punkte auf der Hamilton-Skala) und führt so praktisch zu einem Ausgleich.

In einer anderen Studie von Bergmann et. al. (1985) ([4], S. 59) kam man gar auf einen Überzeugtheitseffekt von 0,65. Ein Effekt in dieser Größe würde den Unterschied zwischen Therapie und Placebo sogar mehr als ausgleichen.

(Weiter unten wird an einer Stelle der Mittelwert von (0,29+0,65)/2 = 0,47 verwendet.)

Weitere Therapeuteneffekte

Auch sind die Erfolgsraten verschiedener Therapeuten systematisch unterschiedlich hoch. Die davon in Studien ausgehenden Effekte führen in Vergleichsstudien zwischen verschiedenen Therapiemethoden oft zu einer Übertreibung von Unterschieden. Korrigiert man diese Effekte, so verschwinden allfällige Wirksamkeitsunterschiede zwischen den Therapieformen. Schätzungen kommen auf durch unterschiedlich erfolgreiche Therapeuten bedingte Unterschiede in Ergebnissen von Studien zum Vergleich von Therapiemethoden auf Effektstärken bis zu 0,6 ([4], S. 77) (vermutlich „gute“ gegenüber „schlechte“ Therapeuten). Diese Effektstärke überwiegt wiederum die gefundenen Unterschiede zwischen „echten“ Therapien und „Placebos“. D.h. im Einzelfall kann es wichtiger sein, einen „guten“ Therapeuten zu haben, als eine „echte“ Therapie zu bekommen.

Blatt et.al. kamen in einer Analyse der NIMH-Studie zu dem Ergebnis: „Die Analyse der Daten läßt auf einen existierenden signifikanten Unterschied innerhalb der therapeutischen Wirksamkeit unter Therapeuten schließen, sogar unter den best trainiertesten und erfahrensten Therapeuten in dieser Studie… [Die Unterschiede bestehen] nicht in Abhängigkeit von der allgemeinen klinischen Erfahrung der Therapeuten oder der Erfahrung in der Behandlung von depressiven Menschen. Jedoch werden die Unterschiede in der therapeutischen Wirksamkeit mit der grundsätzlichen klinischen Ausrichtung assoziiert… Die effektivsten Therapeuten hatten in Bezug auf den klinischen Prozeß eher eine psychologische denn eine biologische Orientierung…“ ([4], S. 78)

Luborsky et. al. fanden [5]: „Trotz dieser Schritte, die die Fähigkeiten [der Therapeuten] maximieren sollten und die Unterschiede minimieren, reichte der Range [die Variationsbreite] der prozentualen Verbesserung der Klienten bei den 22 Therapeuten in den sieben Studien von geringfügig negativer Veränderung bis zu 80% Verbesserung.“ ([4], S. 79)

„Die Person des Therapeuten ist offenbar der kritische Faktor, wenn es um den Erfolg einer Therapie geht.“([4], S. 82)

Wie wirksam ist Psychotherapie?

Zur Beurteilung der absoluten Wirksamkeit von Psychotherapien hilft die Effektstärke jedoch nicht weiter. Dazu muß man die absoluten Verbesserungen betrachten.

Aus obiger Tabelle geht hervor, dass die beste Psychotherapie eine mittlere Verbesserung von 12,2 Punkten auf der Hamiltonskala brachte, bei einem Ausgangswert von 19,2. Das ist eine sehr deutliche Verbesserung.

Psychotherapie ist also durchaus wirksam. Die Placebobehandlung erbrachte jedoch eine fast genau so große Verbesserung um 10,3 Punkte bei einem Ausgangswert von 19,1. Der Unterschied von 1,9 Punkten ist klinisch nicht relevant.

Eine Behandlung ohne spezifische Inhalte, die nach gängigen theoretischen Vorstellungen unwirksam sein sollte, bringt also ein fast genauso gutes Ergebnis.

Die Differenz ist praktisch vollständig durch Überzeugtheitseffekte der Therapeuten sowie ggf. weitere Kontexteffekte erklärbar.

Ein hypothetischer Fall

Nun folgt noch ein hypothetischer Vergleich mit dem Fall, dass die NIMH-Studie noch eine weitere der „keine Behandlung“-Bedingung entsprechende Kontrollgruppe gehabt hätte, die statistisch ein im Sinne der Metastudie von Lambert und Bergin repräsentatives Verhalten zeigt.

Aus Lambert und Bergins Ergebnis einer Effektstärke von 0.82 von „Psychotherapie“ gegenüber „keine Behandlung“ ergäbe sich rein rechnerisch nach obiger Formel für die Effektstärke als Ergebnis für den Fall „keine Behandlung“ gegenüber der besten Psychotherapie (Interpersonale Therapie) der Studie immer noch eine Verbesserung um 7,3 Punkte von 18,9 auf 11,6 Punkte (dabei wurde s = 5,7 angenommen).

Die nachfolgende Graphik zeigt das Ergebnis zusammen mit den Studienergebnissen für die Interpersonale Therapie:

Tabelle 3

Es gibt also auch eine nennenswerte Spontanremission.

Sie macht in diesem hypothetischen Fall bei der besten Psychotherapie im Mittel etwa 63% der absoluten Verbesserung auf der Hamilton-Skala aus. Zudem überschreitet die beste Therapie im Vergleich zu dem hypothetischen Fall „keine Behandlung“ die Schwelle von 3 Punkten auf der Hamilton-Skala für klinische Relevanz nur um 1,7 Punkte (dies wie gesagt bei einer Standardabweichung von 5,7).

Das lässt die folgende Interpretation zu:

Fast zwei Drittel der Wirkung von Psychotherapie beruht auf Regressionseffekten bzw. Spontanremission (vgl. Teil 2).

Unter Regressionseffekten und Spontanremission sollen dabei alle Effekte zusammengefasst werden, die nicht aus einer Behandlung oder einer Scheinbehandlung stammen.

Alles in allem ist die Wirksamkeit von Psychotherapie also selbst im Vergleich zu dem „keine Behandlung“-Fall alles andere als beeindruckend. Die Schwelle zur klinischen Relevanz wird im hypothetischen Beispiel gerade so eben überschritten.

Im nächsten Beitrag soll die Interpretation der Effektstärken genauer betrachtet werden.

Autor: Karlheinz, CSN – Chemical Sensitivity Network, 28. Juli 2009

Teil I – IV

Teil I: Psychische Beeinträchtigung als Folge von Chemikalien-Sensitivität

Teil II: Die „Lösungen“ der Mainstream Medizin, auch bei MCS Psychotherapie und Psychopharmaka

Teil III: Psychopharmaka: Wirksam? Unwirksam? Schädlich? Placebo?

Teil IV: Psychotherapie – Das größte Placebo des 20. Jahrhunderts?

Weitere Artikel zum Thema

Literatur:

[1] Elkin et. al. (1989). NIMH Treatment of Depression Collaborative Research Program: General Effectiveness of Treatment, Archives of General Psychiatry 46:971-82.

[2] National Institute for Clinical Excellence: Depression: management of depression in primary and secondary care. Clinical

practice guideline No 23. London: NICE; 2004.

[3] Lambert & Bergin (1994). The Effectiveness of Psychotherapy, in Handbook of Psychotherapy and Behavior Change, 4th ed., ed. Bergin & Garfield, 143-190, John Wiley & Sons.

[4] Reiband, Nadine (2006). Klient, Therapeut und das unbekannte Dritte, Carl-Auer Verlag.

[5] Luborsky et. al. (1997). The Psychotherapist Matters: Comparison of Outcomes across twenty-two Therapists and seven Patient’s Samples, Clinical Psychology: Science and Practice, 42, 602-11.

[6] Weinberger (1995). Common Factors aren’t so common: The common Factors Dilemma. Clinical Psychology: Science and Practice, 42, 45-69.

Gesundheitsvorsorge einfach und billig – Bewegung und Entspannung

Gymnastik an frischer Luft wirkt doppelt gut

Das erste Thema des zweiten Teils dieser Blogserie kennt jeder: „Sport ist gesund“. Schön und gut, aber wie soll das funktionieren, wenn man nicht unendlich Geld für teure Ausrüstung und mindestens genauso viel Zeit hat? Außerdem gibt es nun mal wichtigere Dinge, in die man seine Zeit steckt, auch in der Freizeit.

Entspannung ist genau so ein Thema wie Sport. Teure Yogakurse besuchen? Wozu? Sie haben erstens keine Zeit und zweitens keine Lust, Ihre Zeit in eine Entspannungstechnik zu stecken? Und Angst um die Gesundheit wegen dem Stress? Genau dann sollten Sie hier weiterlesen.

Mehr Bewegung im Alltag – Einfacher, als Sie denken

Tatsächlich muss Sport nicht lange dauern und die Hauptrolle in unserem Leben spielen, um gut für die Gesundheit zu sein. Wer öfter das Fahrrad nimmt – dran denken, das spart Sprit und Geld – , hin und wieder spazieren geht oder bei seinen kleinen Kindern einfach mal mitspielt, tut schon viel für die Gesundheit.

Wenn für Bewegung an der frischen Luft wenig Platz in Ihrem Leben ist, versuchen Sie es doch mal mit nur 5 Minuten Gymnastik am Tag. Schauen Sie unter www.5machtfit.de. Dort finden sich viele Übungen unterschiedlicher Schwierigkeit – von super einfach bis schwierig. Die Idee ist, sich jeden Tag 5 davon herauszusuchen und zu machen, was knapp 5 Minuten dauert. Am Besten immer mal wieder andere auswählen. Übrigens: An diese Übungen können Sie sich ruhig ranwagen, auch wenn Sie total unsportlich sind, ist bestimmt etwas für Sie dabei.

Körperliche Einschränkungen müssen kein Hindernis sein

Wer unter körperlichen Einschränkungen leidet, sollte den Kopf nicht gleich in den Sand stecken. Besser: Nach möglichen Aktivitäten suchen. Zum Beispiel schwere Rückenbeschwerden, die Gymnastik, lange Spaziergänge oder Radfahren unmöglich machen. Versuchen Sie es doch mal mit sanften Atemübungen. Das ist sogar gut für den kranken Rücken, der durch tiefe Atmung gelockert wird. Sie müssen – bei ernsten Erkrankungen natürlich in Absprache mit dem Arzt – selbst herausfinden, was für Sie möglich ist.

Ihre Gesundheit: Nicht Profit der Industrie

Bewegung, das sollte Entspannung, Erfrischung, Erholung und eine Pause vom Alltag heißen, kurz, Zeit für Sie, die Ihnen gefällt, ob allein oder mit anderen zusammen.

Leider wird mit Bewegung auch schon viel Kommerz gemacht. Aber wer braucht stickige oder überparfümierte Fitnesstudios, zum Herumradeln gleich ein neues Rennrad und für einen flotten Spaziergang Laufschuhe? Besser: Einfach das Fenster auf und etwas Gymnastik machen, einfach normale Schuhe anziehen und spazieren gehen, oder auf den Drahtesel im Keller schwingen und damit die Post einwerfen fahren.

Kostenlose Anleitungen für Gymnastikübungen finden sich im Internet. Geben Sie in Google ein, was Sie suchen, z.B. „Venengymnastik Übungen“ etc. Und suchen Sie auf den Webseiten von Frauenzeitschriften (nicht nur für Frauen) oder, wenn es um sehr einfach Übungen für Unsportliche geht, auf den Webseiten von Gesundheits- und Seniorenmagazinen.

Mehr Bewegung für die Gesundheit – Kostenlos!

Mehr Bewegung für die Gesundheit, etwas Sport, das gehört zu den wenigen Dingen, die wir uns absolut kostenlos leisten können, und die kein Privileg für besonders Wohlhabende werden müssen. Gerade deshalb sollten wir auch versuchen, so etwas Wichtiges für uns kostenlos, nicht kommerziell, zu halten. Lassen wir uns nicht einreden, was wir Alles bräuchten, sprich kaufen müssen!

Das Hamsterrad namens Leben: Wo bleibt die Entspannung?

Das zweite Thema in diesem Blog heißt Entspannung. Unser Alltag scheint zwei Extreme zu kennen: Totale Langeweile, unendlich eintönige Arbeit, oder komplette Überlastung. Oft kommt beides zusammen. Unser Leben? Ein endloses Hamsterrad, aus Arbeit, Arbeit, Arbeit, egal ob Geldverdienen, Kinder hüten oder Haushalt versorgen.

Keine Hilfe: Der Markt mit unseren strapazierten Nerven

Gegen den „Stress“ werden tausend Entspannungsmethoden angeboten. Diese werden wohl auch genutzt, sonst wäre nicht ein unendlicher Markt mit Yogakursen, Entspannungs-CDs und so weiter entstanden. Die Frage ist auch hier wieder, ob der Markt nicht mehr profitiert als wir.

Entspannungstechniken können uns, wenn überhaupt, da helfen, wo unser Leben keinen Raum für natürliche Entspannung, Freizeit, mehr zulässt. Entspannung muss dann in den Terminplaner. Der Haken: Wir machen uns noch mehr Stress, indem wir uns Sorgen über den Stress und die Entspannung für unsere Gesundheit machen.

Entspannung – Das Natürlichste der Welt

Gibt es eine Lösung? Unser gesunder Menschenverstand sagt uns, dass es wohl keinen Sinn macht, sich Stress mit der Entspannung zu machen. Und den Markt nicht mehr profitieren zu lassen als uns selbst.

Entspannung ist sehr einfach und das Natürlichste der Welt. Keiner muss uns das zeigen. Wir entspannen uns automatisch, wenn wir etwas tun, das uns gefällt. Haken: Was gefällt uns in unserem Alltag? Wann bleibt Zeit dafür? Und muss es viel kosten?

So geht einfache Entspannung wirklich

Wenn es um körperliche Entspannung geht, ist ein Spaziergang oder etwas Gymnastik, wenn auch nur fünf Minuten, am Sinnvollsten. Dafür muss man in keinen Kurs und kein Buch kaufen. Und wenn wir fit sind, sind wir leistungsfähiger, weniger schnell gestresst.

Und einfach nur Ruhe? Dafür braucht man keine Entspannungstechnik zu lernen. Nutzen Sie kleine Leerlaufmomente aus. Diese nervigen kleinen Momente, in denen man warten muss. Oder ein paar Sekunden, die Sie sich einfach mal leisten.

Kurz innehalten. Sie können ganz bewusst die Schultern nach unten sinken lassen und den Atem ruhig fließen lassen. Die Aufmerksamkeit nach innen richten. Einfach nur mal Ruhe. So geht Entspannung in einer halben Minute, oder in fünf, je nachdem, wie groß die Mini-Pause ist oder sein soll. Möglich auch ganz unauffällig zwischendurch.

Was uns wirklich gut tut ist, was uns wichtig ist

Aber das Beste in unserem Leben sind Dinge, die wir gern tun, und Dinge, die unseren Leben Inhalt geben. Das empfindet man nicht als Stress, selbst wenn es anstrengend ist. Vergessen wir Experten, die uns sagen wollen, was am Besten für uns ist.

Gibt es Dinge, die Ihnen gefallen, und die nicht viel kosten? Vielleicht bleiben hin und wieder ein paar Minuten dafür über. Oder noch besser, Sie tun etwas, das Sie für gut und sinnvoll halten, wenn Ihr Leben Ihnen dazu irgendeine Möglichkeit lässt. Wenn wir etwas tun, das wir selbst wollen – Und wann tun wir das schon mal? -, uns unser Leben wenigstens für eine Zeit gehört, fühlt sich das immer noch am Besten an.

Autor: Amalie für CSN – Chemical Sensitivity Network, 27. Juli 2009-07-27

Teil I der Serie

„Gesundheitsvorsorge einfach und billig“: Gesunde Ernährung