Die 10 größten Lügen über MCS

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Notorische Lüge: „MCS ist eine neue, nicht anerkannte, von den Medien hochgespielte seltene und psychisch bedingte Krankheit.“

  • Lüge Nummer 1: Chemikalien-Sensitivität (MCS) existiert nicht
  • Lüge Nummer 2: Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist selten
  • Lüge Nummer 3: Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist eine neue Krankheit
  • Lüge Nummer 4: Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist nicht anerkannt
  • Lüge Nummer 5: Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist nicht erforscht
  • Lüge Nummer 6: Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist psychisch bedingt
  • Lüge Nummer 7: Chemikalien-Sensitivität (MCS) hat unbekannte Ursachen
  • Lüge Nummer 8: Chemikalien-Sensitivität (MCS) kommt nicht durch Chemie
  • Lüge Nummer 9: Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist keine Behinderung
  • Lüge Nummer 10: MCS Erkrankte haben keine pathologischen Befunde

Die Realität sieht anders aus, denn die 10 größten Lügen über Chemikalien-Sensitivität sind längst widerlegt.

Weichspüler kann den Atem rauben

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Weichspüler verschmutzen nachgewiesenermaßen unsere Gewässer, doch was nur Wenige wissen, der unnötige Waschzusatz kann auch die Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Im Mäuseversuch wurde durch ein US Forschungslabor bestätigt, dass viele Menschen sich zu Recht über Gesundheitsbeschwerden durch Weichspülergeruch beschweren, denn auch die Versuchstiere reagierten erheblich auf die Ausdünstungen von handelsüblichen Weichspülern, und Mäuse lügen bekanntermaßen nicht.

Gesundheitsbeschwerden durch Weichspüler

Weichspüler sind trotz dass sie problematische Substanzen für unsere Umwelt darstellen immer noch in vielen Haushalten im ständigen Gebrauch. Wäsche, die einmal damit gewaschen wurde, „duftet“ über lange Zeit oder präziser gesagt: Sie dünstet gesundheitsschädliche Chemikalien aus. Allergiker, Asthmatiker und insbesondere chemikaliensensible Personen beklagen sich immer wieder, dass bei ihnen Weichspülergeruch erhebliche Gesundheitsbeschwerden auslöst. In Einzelfällen kann dies soweit führen, dass eine betroffene Person aus einem Haus ausziehen muss, weil der Nachbar ständig mit Weichspüler gewaschene Wäsche im Garten oder auf dem Balkon aufhängt und dadurch die gesundheitlichen Beschwerden im Lauf der Zeit unerträglich werden.

Menschen kann man als Simulanten hinstellen, Mäuse nicht

„Das kann doch überhaupt nicht sein, auf Weichspüler kann man gar nicht reagieren, was für ein Spinner“, so oder ähnlich klingt oft die Rede eines uneinsichtigen Weichspüleranwenders, den ein Nachbar verzweifelt um Rücksicht bittet. Dass es sehr wohl sein kann, dass eine Person auf Weichspülerausdünstungen reagiert, liegt auf der Hand, denn herkömmlicher Weichspüler enthält eine erhebliche Anzahl von Chemikalien. Ein Labor in Vermont konnte die Auswirkungen im Tierversuch eindeutig nachvollziehen, so dass nun auch der letzte Zweifel erlöschen muss. In einer kontrollierten Studie untersuchte Anderson Laboratories, ein Speziallabor für Schadstoffanalytik, ob es eine biologische Ursache für die akuten nachhaltigen Beschwerden von bestimmten Personen, beispielsweise Menschen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) oder mit Asthma, auf Weichspüler gibt. Dafür wurden verschiedene Tests mit Mäusen durchgeführt, bei denen die Tiere den Emissionen von 5 verschiedenen handelsüblichen Weichspülern für 90 Minuten unter verschiedenen Testbedingungen ausgesetzt wurden. Der Testverlauf wurde per Video dokumentiert.

Präziser Untersuchungsablauf

Sensoren zur Feststellung der Lungenfunktion und eine computergestützte Version der ASTM Testmethode E-981 wurden vom Anderson Team verwendet, um die akuten Veränderungen in verschiedenen Atmungszyklen bei den Versuchstieren festzustellen. Ganz spezielles Augenmerk wurde hierbei auf die Atempause nach dem Einatmen und die Pause nach dem Ausatmen, als auch auf den Luftfluss in der Mitte der Ausatmungsgeschwindigkeit gelegt. Die Wissenschaftler untersuchten die stattfindenden Veränderungen bei fünf verschiedenen Weichspülern und achteten dabei insbesondere auf sensorische Irritationen (SI), pulmonale Irritationen (PI) und die Einschränkungen im Luftfluss (AFL) in Bezug auf eine sich verändernde Intensität.

Auch Mäuse reagieren auf die Chemikalien in Weichspüler

Am Höhepunkt des jeweils eintretenden Effektes auf Weichspülergeruch bei den Versuchstieren erstreckten sich die sensorischen Irritationen auf 21 bis 58% der Atemzüge. Nach drei Expositionen wurde eine krankhafte Veränderung in Form einer leichten Entzündung in den Lungen der Mäuse festgestellt. Analysen aus den Emissionen eines Weichspülertuchs wurden mittels gaschromatographischer Massenspektrometrie durchgeführt. Die Wissenschaftler identifizierten verschiedene bekannte irritative Substanzen, dazu zählten die aromatischen Kohlenwasserstoffe Isopropylbenzol, Styrol und Trimethylbenzol, sowie Phenol und das Monoterpen Thymol.

Langanhaltender gesundheitsschädlicher Effekt

Wäsche, die bereits mit einem der Weichspülertücher getrocknet wurde, emittierte Chemikalien, die ausreichten, um während des Höhepunktes des Effekts, eine sensorische Irritation bei 49% der Atemzüge auszulösen. Das Auslegen eines Weichspülertuches über Nacht in einem kleinen Raum, was dem Trocknen in einem Bad oder einer kleinen Küche gleichkommt, führte zu einer Atmosphäre, die eine deutliche sensorische Irritation bei 61% der Atemzüge auslöste.

Ohne Weichspüler waschen ist gesünder

Die Ergebnisse der Wissenschaftler von Anderson Laboratories, demonstrieren ganz unverkennbar, dass einige handelsübliche Weichspüler Chemikalien freisetzen, die dazu in der Lage sind, erhebliche Atemwegsbeschwerden auszulösen. Sie verursachten sensorische und pulmonale Irritation, sowie einen reduzierten Luftfluss in der Mitte der Ausatmungsphase bei normalen Mäusen. Diese Forschungsergebnisse bieten klare toxikologische Grundlage für eine Erklärung, warum einige Menschen schwere gesundheitliche Reaktionen auf Weichspülerausdünstungen erleiden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Mai 2008

Literatur:

Anderson RC, Anderson JH., Respiratory toxicity of fabric softener emissions, J. Toxicol Environ Health A. 2000 May 26;60(2):121-36.

Diagnostik von Chemikalien-Sensitivität / MCS in der Praxis

arzt-im-patientegesprach-ii.jpgDiagnostik von Chemikalien-Sensitivität / MCS in der Praxis Im Durchschnitt waren Menschen, die unter Chemikalien-Sensitivität leiden, bei sechs verschied-enen Ärzten, bevor ihnen mitgeteilt wurde, was sie haben. Aber es gibt auch Fälle, die über sechzig Mediziner aufsuchten und immer noch keine plausible Diagnose in der Hand halten.

Die diagnostische Feststellung einer Chemikalien-Sensitivität (Multiple Chemical Sensitivity – MCS) ist an sich nicht so schwer wie vermutet. Sachkundige Ärzte in Kliniken und Praxen setzen zur Feststellung spezifische MCS Fallkriterien erfolgreich ein. Wissenschaftler aus den USA, Kanada und Japan überprüften die derzeit gebräuchlichsten MCS Fallkriterien, den American Consensus. Sie wendeten diese Kriterien in klinischen Studien an und befanden, dass sie die bislang beste Falldefinition zur Diagnostik darstellen, um Patienten mit MCS mit höchster Wahrscheinlichkeit zu identifizieren, solange kein MCS- spezifischer Marker gefunden ist.

Von Arzt zu Arzt und keiner findet etwas

Seit mehr als 50 Jahren werden Menschen, die auf minimale Konzentrationen von Alltagschemikalien mit leichten bis stark behindernden Symptomen reagieren, gar nicht oder fehldiagnostiziert. Vielen Erkrankten wird sogar unterstellt, sie würden simulieren, übertreiben oder seien nur „nicht ganz richtig im Kopf“. So mancher von ihnen musste seine Arbeit aufgeben, weil dort kein Verständnis für ihn vorhanden war oder Schadstoffe vor Ort das Arbeiten für ihn unmöglich machten. Eltern müssen sich für ihr chemikaliensensibles Kind nach einer schadstofffreien Schule umsehen oder sogar für Unterricht zu Hause sorgen, weil es an der jetzigen giftbelasteten Schule immer kränker wird.

Hürden über Hürden führen in eine Zwangsisolation

Auch im Alltag haben chemikaliensensible Menschen größte Schwierigkeiten. All das, was in unserer Gesellschaft als normal gilt, ist ihnen nicht möglich. Sie müssen immer wieder Absagen gegenüber Freunden und der eigenen Familie erteilen, ganz gleich, ob es sich nun um einen Schwimmbadbesuch oder eine Geburtstagseinladung handelt, weil sie dort auf das Chlorwasser oder parfümierte Mitmenschen reagieren. Nicht einmal die Tageszeitung zur Teilnahme am Weltgeschehen ist für chemikaliensensible Menschen lesbar, weil sie mit Kopfschmerzen, Schwindel oder ähnlichem auf die starken Lösungsmittelausdünstungen der Druckerschwärze reagieren. Selbst Fernseher oder Computer zum Kommunizieren können von einigen der Erkrankten nicht mehr benutzt werden, weil die ausgasenden Flammschutzmittel zu körperlichen Ausfällen bei ihnen führen. All dies führt für Hypersensible früher oder später zwangsläufig zu totaler Isolation, aus der oft kein Weg herausführt.

Korrekte Diagnose statt Ignoranz verbessert Prognose

Ist Chemikalien-Sensitivität als korrekte Diagnose gestellt, eröffnet sich den betroffenen Menschen die Möglichkeit sich zu schützen. Mit entsprechender Anleitung werden Erkrankte mittels gezielter Vermeidungsstrategien auf längere Sicht in die Lage versetzt, wieder mehr Toleranz aufzubauen. Bleibt eine korrekte Diagnose aus, oder wird die Krankheit gänzlich ignoriert, wird die Möglichkeit verhindert, sich auf die Krankheit richtig einzustellen, und es ist im Verlauf eine Verschlimmerung bis hin zu totaler Behinderung zu erwarten.

Geringer Aufwand reicht zur Diagnostik einer MCS

Es braucht keine riesige, ultramoderne Hightech Klinik und aufwendige Labordiagnostik, um Chemikalien-Sensitivität zu diagnostizieren, sagte Albert Donnay, ein Wissenschaftler, der seit vielen Jahren die umfassendste Bibliographie über MCS verwaltet. Mehr als die Anwendung von speziellen MCS Fallkriterien sei nicht erforderlich, ein Symptomfragebogen wie der QEESI könne zur leichteren Erstellung der Anamnese genommen werden. Erfülle ein Patient die MCS Fallkriterien, leide er mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit unter Chemikalien-Sensitivität. Alles an weiterer Diagnostik diene nur der Festigung der eigentlichen Diagnose, Feststellung oder Ausschluss weiterer Krankheiten und dem Ermitteln von vorhandenen Schädigungen.

Donnay war Coautor der jüngsten und nun weitläufig gebräuchlichsten MCS Falldefinition, dem American Consensus. Dieser wurde ursprünglich 1993 mit Forschungsgeldern der amerikanischen Behörden NIEHS und NIOSH im Rahmen einer Studie erstellt (1). Diese MCS Falldefinition dient zur Diagnostik und Definition der von der WHO mit dem mit international gültigen Krankheitscode ICD-10 T78.4 einklassifizierten Erkrankung Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS). Sie bestand ursprünglich aus 5 Kriterien zur Diagnostik der weltweit vornehmlich in Industrieländern auftretenden Krankheit. Der American Consensus wurde durch 39 Ärzten und Wissenschaftlern mit großer Erfahrung über diese Krankheit unterzeichnet. Eine Gruppe von 89 namhaften Ärzten und Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachgebieten und weitreichender Erfahrung mit Chemikalien-Sensitivität ergänzte diese Fallkriterien 1999 auf der NIH Atlanta- Konferenz um ein weiteres 6. Kriterium.

Definition Chemikalien-Sensitivität (MCS) – American Consensus

Von 89 führenden amerikanischen Wissenschaftlern wurde die vormals häufig angewendete Definition für MCS von Cullen, einem langjährigen Berater der Industrie, die in der Praxis Mängel aufwies, modifiziert. Sie stellt sich wie folgt dar:

  1. Die Symptome sind mit (wiederholter chemischer) Exposition reproduzierbar
  2. Der Zustand ist chronisch
  3. Minimale Expositionen (niedriger als vormals oder allgemein toleriert) resultieren in Manifestation des Syndroms
  4. Die Symptome verbessern sich oder verschwinden, wenn der Auslöser entfernt ist
  5. Reaktionen entstehen auch gegenüber multiplen nicht chemischen Substanzen
  6. Die Symptome involvieren mehrere Organsysteme. (1999 ergänzt)

Asthma, Allergien, Migräne, Chronische Müdigkeit Syndrome und Fibromyalgie stellen keine Ausschlussdiagnose für MCS dar.

USA – Bewertung und Anwendung der American Consensus Kriterien

Die American Medical Association (vergleichbar dt. Ärztekammer) schlug zusammen mit der American Lung Association (Med. Vereinigung für Lungenkrankheiten), der U.S. Environmental Protection Agency (Umweltschutzbehörde) und der U.S. Consumer Product Safety Commission in einem Consensus vor, dass man die Diagnosekriterien von Nethercott anwenden solle, und dass MCS formell bei Personen, bei denen alle 6 Consensuskriterien zutreffen, diagnostiziert werden solle, gegebenenfalls zusätzlich zu jedweden anderen bei diesen Personen diagnostizierten Erkrankungen. Bereits 1994 hatten diese Fachgesellschaften und Behörden bekannt gegeben, dass MCS Beschwerden nicht als psychogen missverstanden werden sollten.

Kanada – Bewertung der American Consensus Fallkriterien

Die Forschungseinheit für Umwelthypersensibilität der Universität Toronto, geleitet unter dem Epidemiologen Prof. Dr. Gail McKeown-Eyssen, bewertete verschiedene veröffentlichte Falldefinitionen für Umweltsensibilitäten und Multiple Chemikalien-Sensitivität, einschließlich dem American Consensus und dessen Ergänzung 1999. Die Wissenschaftler aus Toronto befanden, dass die 1999 vervollständigte Definition die beste Falldefinition derzeit ist, um die Patienten mit Umweltsensibilitäten und MCS am genauesten zu diagnostizieren (2).

Weiterhin fand das Wissenschaftlerteam heraus, dass die Patienten, auf die die Fallkriterien des American Consensus von 1999 zutrafen, häufiger als die Patienten, die keine Umweltsensibilitäten oder MCS hatten, unter folgenden vier Symptomen litten: benommen und erschöpft; Konzentrationsstörungen; sich „benebelt“ fühlen; stärkerer Geruchssinn als bei den meisten Menschen. In einer später durchgeführten Studie konnten die Wissenschaftler genetische Unterschiede bei Patienten mit Chemikaliensensibilität gegenüber einer Kontrollgruppe feststellen (3). 

Japan – Bewertung der American Consensus Fallkriterien

Wissenschaftler der Universität Tokio, Abt. Psychosomatik, führten eine kontrollierte Studie durch, um die MCS Falldefinition im täglichen Leben zu bestätigen. Das 12-köpfige Wissenschaftlerteam kam zum Ergebnis, dass MCS Patienten, auf die die Fallkriterien des American Consensus von 1999 zutrafen, unter chemiefreier Umgebung frei von somatischen oder psychischen Symptomen sind. Die Symptome traten nur auf, wenn die MCS Patienten gegenüber Chemikalien exponiert waren (4).

MCS diagnostizieren – kein Problem

Die erweiterte MCS Falldefinition American Consensus wird von Wissenschaftlern aus aller Welt erfolgreich zur Diagnostik in der Praxis und in wissenschaftlichen Studien zur Erforschung der Erkrankung eingesetzt. Albert Donnay, Mitautor der Diagnosekriterien, teilte mit, dass bisher kein falsch positiver oder falsch negativer Fall bekannt geworden sei (5). In 42 Studien wurde die American Consensus Falldefinition bis 2006 zugrunde gelegt oder benannt (6). Entsprechend tragen neuere Forschungsstudien, bei denen der American Consensus als Diagnosekriterium korrekt angewendet wird, zur erheblich Aufklärung der Krankheit bei.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Mai 2008

Literatur:

  1. Nethercott JR, Davidoff LL, Curbow B, Abbey H., Multiple chemical sensitivities syndrome: toward a working case definition, Arch Environ Health. 1993 Jan-Feb;48(1):19-26.

  2. McKeown-Eyssen GE, Baines CJ, Marshall LM, Jazmaji V, Sokoloff ER, Multiple Chemical Sensitivity: Discriminant validity of case definitions, Department of Public Health Sciences, Faculty of Medicine, University of Toronto, Kanada, Arch. Environ Health, 2001 Sep-Oct: 56 (5):406-12

  3. McKeown-Eyssen G, Baines C, Cole DE, Riley N, Tyndale RF, Marshall L, Jazmaji V: Case-control study of genotypes in multiple chemical sensitivity: CYP2D6, NAT1, NAT2, PON1, PON2 and MTHFR. Int J Epidemiol 2004, 33:971-978

  4. Hojo S, Ishikawa S, Kumano H, Miyata M, Sakabe K., Clinical characteristics of physician-diagnosed patients with multiple chemical sensitivity in Japan, Department of Environmental Science, Shokei Gakuin University, Japan; Department of Psychosomatic Medicine, The University of Tokyo, Tokyo, Japan; Department of Public Health and Clinical Ecology, Kitasato University School of Pharmaceutical Sciences, Tokyo, Japan., Int J Hyg Environ Health. 2007 Dec 20

  5. Albert Donnay, Open letter to CIIN MCS Case Definition Committee, 06 Jul 2007

  6. Albert Donnay, Personal Conversation, 31.05.2006

Krank durch Chemikalien – Der Brief zu Pfingsten

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Manfred B. war Landvermesser, ein Beruf an der frischen Luft, der dafür sorgt, dass man kernig und abgehärtet durch Wind und Wetter ist. Eigentlich müsste Manfred B. mit 70 Jahren nun seinen Ruhestand genießen dürfen, doch es kam alles anders. Während seiner Arbeit musste er ein Benzinaggregat im Dienstwagen mit sich führen. Benzin enthält viele hochgiftige Chemikalien, auch solche, die dafür bekannt sind, dass sie Krebserkrankungen auslösen.

Manfred B.

Alter: 75

Beruf: Landvermesser

1998 fing meine Krankheit an. Ich war Landvermesser und hatte in meinem Dienstwagen ein Benzinaggregat, was eigentlich im Fahrgastraum nicht transportiert werden durfte, weil der Benzingeruch wohl nicht gesund ist. Ich bekam immer Halsschmerzen und konnte kaum noch schlucken, sodass ich von meinem Hausarzt ein Attest bekam, dass ich dieses Benzinaggregat im Auto nicht transportieren dürfe, da ich darauf allergisch reagierte. Nachdem das Aggregat trotzdem nicht abgeschafft wurde, wurde ich krankgeschrieben. Seit dieser Zeit bin ich plötzlich auf vielfältige chemische Gerüche überempfindlich und reagiere mit Schwindel, Brechreiz, Brustschmerzen und Atemnot – zudem habe ich nur 3/5tel Lunge und bin dadurch besonders empfindlich. Heute bekomme ich Brust- und Kopfschmerzen mit Schwindel bei den geringsten Gerüchen, bin geschieden und wohne nur noch alleine.

Ich bin nun Rentner und habe mit 58 Jahren meinen Dienst gekündigt und bin vorzeitig im Vorruhestand gewechselt.

Meine Familie musste ich aufgegeben und habe meine zwei Kinder dadurch auch noch verloren. Ich muss Unterhalt zahlen, sodass ich mir keine wichtigen Medikamente oder dringend notwendige Nahrungsergänzungsmittel erlauben kann und bin mit ca. 7.000 Euro verschuldet.

Fehldiagnosen gab es bei mir nicht, weil es für meine Ärzte keine MCS gibt, und die Ärzte, die MCS diagnostisieren können, kann ich nicht bezahlen. Man untersuchte mich, fand nichts, guckte mich komisch an und schickte mich wieder nach Hause. Ich habe schon oft nachgedacht, meinem Leben ein Ende zu machen – 1973 hatte ich einen Lungentumor der mir 2/5tel Lunge kostete – jetzt muss ich wieder ins Krankenhaus nach Essen- Heidhausen in die Ruhrlandklinik, um einen weiteren Tumor an der Lunge entfernen zu lassen. Ich habe vor dem Zweibettzimmer jetzt schon Angst, weil ich nicht weiß, ob mein Bettnachbar Rasierwasser oder sonstige kosmetischen Artikel benutzt und ob sein Besuch parfümiert ist.

Ich war in dem Krankenhaus zu einem Vorgespräch, um die Narkose zu besprechen. Ich wollte gerne die Narkose mit Xenon haben, aber es geht dort nicht – man hat mich nur ausgelacht und gesagt – ich sollen mir keine Sorgen machen, ich würde auch mit der anderen Narkose wieder wach – aber ob ich Nachwirkungen habe, weiß ich erst später. Vielleicht hänge ich dann ganz daneben.

Brief an CSN von Manfred B. zu Pfingsten 2008:

Hallo Silvia,

kann nur wenig schreiben, muss mich wieder hinlegen – bin zu schwach – musste mir vor ca. 5-6 Wochen in obige Klinik einen Lungentumor entfernen lassen. Du kennst ja wie normale Krankenhäuser eingerichtet sind – Furnierholz – Gardinen – desinfiziertes Putzwasser – kann man als MCS Kranker nichts gegen machen – auch das mehrmals tägliche Ansprühen mit Desinfektionsmittel bei Spritzengeben – hat mich so zugedeckt , dass ich anstatt wie andere nach einem Tag Intensivstation, erst am 11.Tag auf ein Zimmer kam – zwischendurch hatte ich, wohl durch die Ansprüherei mit Desinfektionsmittel, eine Herzattacke, was den Aufenthalt auf der Intensivstation noch verlängerte. Ich habe jeden Abend gebetet, morgens nicht mehr aufzuwachen. Ich hoffe, dass so etwas niemand von Euch mitmachen muss – übrigens, ich bin ein lebenslanger Nichtraucher.

So es wird wieder schwummerig und als Alleinstehender muss ich vorsichtig sein und mich schnell wieder legen.

Den Brief kannst Du auch veröffentlichen, wenn es wichtig genug erscheint.

Liebe Grüße an alle,

Manfred Bröcker

Interview: MCS aus heiterem Himmel

WERNER SALLMAIER, FILMAUTOR DER ALPENKLINIK, IM GESPÄCH MIT SILVIA K. MÜLLER, CHEMICAL SENSITIVITY NETWORK.

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Am 4.April 2008 sahen die Fernsehzuschauer der beliebten ARD Serie Alpenklinik, was passiert, wenn eine Rose zur Ohnmacht führt:

„Kurz vor der Hochzeit bricht Miriam scheinbar ohne Grund ohnmächtig zusammen. Sie zeigt lebensgefährliche Vergiftungssymptome und ringt mit dem Tod. Daniel befindet sich am Rande der Verzweiflung, denn er kann ihr nicht helfen…“ Nach erneutem Zusammenbruch durch Pestizid behandelte Rosen, die ihr diesmal der Bürgermeister persönlich in die Klinik bringt, ist die Diagnose klar: Manchmal kommt eine MCS Erkrankung „Aus heiterem Himmel.“

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SILVIA K. MÜLLER: Herr Sallmaier, Chemikaliensensible in Deutschland haben sich unglaublich über Ihren Film gefreut, sie fühlten sich besser verstanden als beim Arzt. Der Film hat für viele MCS Kranke und ihre Angehörigen eine große Bedeutung, und er hat diese Menschen in ihrer Verzweifelung sehr aufgebaut, weil in der Alpenklinik so sachlich über die Krankheit und mögliche Ursache gesprochen wurde.

WERNER SALLMAIER: Das Interesse MCS- Betroffener war eine Überraschung. Das hätte ich nicht erwartet. Mich freuen die Reaktionen ganz besonders. Es kommt sehr selten vor, dass mit einem Unterhaltungsformat“ und das ist die „Alpenklinik“ ein ernstes Thema doch so nachhaltig von einem breiten Publikum erlebt wird.

Wenn gerade Betroffene so positiv reagieren, dann tut das dem Autor gut. Es zeigt ihm: Du hast deinen Job gut gemacht. Gut und sorgfältig recherchiert. Eine Umsetzung gefunden, die ein heikles Thema glaubwürdig darstellt.Ich muss dazu sagen, dass ich in keiner Weise medizinisch „vorbelastet“ bin. Ich versuche nur, meine Arbeit ernst zu nehmen. Das heißt, sich mit Figuren und den Situationen, in die man sie als Autor schickt, sehr intensiv auseinanderzusetzen.

Natürlich hat sich jeder der MCS Kranken gefragt: Wo kam bloß die Idee her. Auch in unserem Forum für Chemikaliensensible wurde gerätselt. Möchten Sie es uns verraten?

Wir wollten in dieser Folge eine dramatische, lebensbedrohliche Situation für Miriam. Es musste aber ein gutes Ende möglich sein. Ein Unfall, wo und wie auch immer, schied aus. Ebenso Krebsleiden und ähnliche Erkrankungen. Das wird ja oft genug erzählt.

Bei meinen Recherchen stieß ich durch Zufall (ja, so war’s) auf diese Chemikalien-Sensitivität. Je mehr ich darüber las, desto interessanter wurde das Thema. MCS passte perfekt zu dem dramaturgischen Bogen, den ich spannen wollte. Ein „Krankheitsbild“ wurde für Miriam geschaffen. Mögliche Diagnosen entwickelt etc.

Kennen Sie persönlich jemanden der unter MCS leidet?

MCS war mir bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt. Durch die Beschäftigung damit beginnt man aber die Welt (vor allem unsere Umwelt) mit anderen Augen zu sehen. Für chemikaliensensible Menschen kann der Alltag zum Spießrutenlauf werden. Glücklich, wer damit kein Problem hat.

Ist es Ihnen selbst schon einmal schlecht geworden von Parfüm oder sogar von einer pestizidbehandelten Rose?

Persönlich versuche ich, mit so wenig Chemie wie möglich durch mein Leben zu kommen. Das kommt aber eher aus allgemeinem Umweltbewusstsein. Lieber den Apfel mit einem Wurm teilen, als mit der chemischen Keule zuschlagen.

Die MCS Kranken waren, wie gesagt, begeistert über die Sachlichkeit bei der Diagnosestellung. Wie haben Sie diese fachlichen korrekten Details gefunden? Gab es einen Arzt, der sie beraten hat?

Neben diverser Fachliteratur konnte ich während des ganzen Arbeitsprozesses auf ärztliche Beratung zurückgreifen. Es war immer das Bestreben, diese Erkrankung so dramatisch wie nur möglich, jedoch auch in allen Bereich plausibel zu erzählen. Ein Arzt hier aus Österreich hat mich beraten über MCS.

Hat Ihnen die Redaktion völlig freie Hand gelassen bei der Ausarbeitung der MCS Szene?

Von Seiten der Redaktion (der Sender) hatte ich völlig freie Hand. Es gab da keine Vorbehalte, Einschränkungen etc. Die Geschichte musste stimmen. Hier liegt die Verantwortung beim Autor und der Produktion.

Möchten Sie uns verraten, ob Miriam weiter an MCS leiden wird in den Folgesendungen?

Ob MCS für die Figur der Miriam weiter eine Rolle spielt? Diese Erkrankung wird Teil ihrer „Biografie“. Das heißt, es kann nicht vergessen werden. Es ist jedoch kaum anzunehmen, dass MCS in einer weiteren Folge so dominant angesprochen wird. Aber: Nichts ist fix. Und ich bin nur einer von mehreren Autoren, die an dieses Reihe schreiben.

Ganz herzlichen Dank für das nette Interview, Herr Sallmaier. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit der Alpenklinik und werden sicher bei der nächsten Folge wieder dabei sein, denn für uns Chemikaliensensible wird es auf jeden Fall spannend anzuschauen, was nun weiter passiert.

Manchmal sind es eben wirklich Zufall und Glück, die beim Schreiben „Regie“ führen. Wenn es mit dieser Geschichte aus der „Alpenklinik“ gelungen ist, Betroffenen „aus der Seele“ zu sprechen, ihr Anliegen zu unterstützen, dann freut mich das ganz besonders.

Copyright: CSN-Chemical Sensitvity Network

Photos: Copyright Mona/Lisa Film

Warum erhalten Chemikaliensensible keine Hilfe?

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Warum wird Chemikaliensensiblen, trotz der nachweislich horrenden durch MCS bedingten ökonomischen Ausfälle, nicht geholfen?


Prof. Howard M. Kiepen, Leiter des Forschungsinstitutes für Umweltkrankheiten und Arbeitsmedizin an der renommierten Robert Wood Johnson Medical School in New Jersey teilte mit:

Das Phänomen der Sensibilität auf niedrige Dosen von gasförmigen Umweltchemikalien wird zunehmend als Ursache von Morbidität und ökonomischen Verlusten in den Vereinigten Staaten angesehen. Kürzliche Schätzungen deuten darauf hin, dass mehrere Zehnmillionen Menschen von Multiple Chemical Sensitivity (MCS) betroffen sein können.

Ein Bericht, der vom kanadischen Ministerium für Menschenrechte in Auftrag gegeben wurde, legt dar:

Etwa 4 Millionen Kanadier sind chemikaliensensibel. Davon sind ungefähr 500000 schwer und circa 5000 ziemlich stark behindert durch ihre Chemikaliensensibilität, und grob geschätzt 50 bis 60 Personen benötigen z.B. unterstützende staatliche Hilfe. Unter den schwersten Fällen begehen ca. 60% Suizid. Die Krankheit kostet schätzungsweise 10 Milliarden Dollar durch verlorene Produktivität, rund 1 Milliarde durch verlorene Steuereinnahmen und eine weitere Milliarde Dollar durch vermeidbare Kosten im Gesundheitssystem.

Literatur:

Glenn J. Greene and Howard M. Kipen, The Vomeronasal Organ and Chemical Sensitivity: A Hypothesis, EHP, 2002

Multiple Chemical Sensitivity, A Report, Prepared for the Ministry of Human Resources of the Government of Canada, 2003

Umweltmedizin: MCS „Psycho Studien“ halten kritischer Betrachtung nicht stand

Der wissenschaftliche Sachstand über Chemikalien-Sensitivität legt deutlich dar, dass die Erkrankung nicht psychisch bedingt sein kann. Trotzdem tauchen immer wieder Zitate aus Studien auf, die herausgefunden haben wollen, dass die Ursache der Erkrankung in der Psyche zu suchen sei. Diese Aussagen werden gerne benutzt, um Chemikaliensensible um ihr Recht bei Prozessen und ihre Ansprüche auf Therapie oder Entschädigung zu prellen. Ann Davidoff nahm häufig zitierte MCS „Psycho Studien“ unter die Lupe und musste feststellen, dass kaum eine davon das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt ist.

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MCS „Psycho Studien“ dienen oft der Ursachenvertuschung und Abwehr von Schadensersatzansprüchen gegenüber Verursachern

Ann L. Davidoff untersuchte eine Auswahl der vorhandenen Literatur über Chemikalien-Sensitivität, die eine psychogene Ursache für diese Erkrankung (MCS) postuliert [1]. Ziel ihrer Recherche war, zu ermitteln, ob diese Studien den Maßstäben der Wissenschaft tatsächlich Genüge tragen.

Studienmängel an der Tagesordnung

Davidoff findet bei ihrer Untersuchung von 10 Studien über MCS, die einen psychiatrischen Hintergrund der Erkrankung favorisieren, ernste methodologische Fehler hinsichtlich der Auswahl des Patientenkollektivs, den eingesetzten Messverfahren, sowie dem Studiendesign. Angesichts dieser Mängel hätten nur sehr vorsichtige Schlüsse aus den Studien gezogen werden dürfen. Acht von zehn Studien legten jedoch „überwiegend sogar explizit“ nahe, dass die Hypothese einer psychogenen Erkrankung von den erhobenen Daten gestützt werde.

Gründe ersichtlich

Davidoff identifiziert vier Gründe dafür, dass eine vergleichsweise nur spärlich untersuchte Erkrankung von unbekannter Ätiologie der medizinischen Gemeinschaft als psychogene emotionale Erkrankung erscheint.Die Tatsache, dass Depressionen, Angstzustände und seelische Not weit verbreitete medizinische Tatbestände sind, wird nicht ausreichend beachtet. Chronische Erkrankungen werden allgemein meist von psychiatrischen Folgeerkrankungen wie Depression, Angst, Erschöpfung und seelischer Not begleitet. Der Zusammenhang ist so stark, dass psychologische und psychiatrische Test- und Interviewdaten allein nicht zwischen psychiatrisch und anderweitig erkrankten Patienten mit gut dokumentierten körperlichen Erkrankungen unterscheiden können. Diese Verbindung zwischen körperlich-medizinischen Erkrankungen und psychiatrischen Folgeerkrankungen sollte nach Ansicht von Davidoff besser beachtet werden.

Fehlinterpretation an der Tagesordnung

Allein das Vorhandensein von seelischer Not, neuropsychiatrischen Symptomen (Depression, Angst, Anspannung, etc.) oder von psychiatrischen Diagnosen wird häufig dahingehend fehlinterpretiert, dass diese von einer emotionalen Störung psychogenen Ursprungs herrühren. Gemäß dem Konsens der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (American Psychiatric Association) sind psychiatrische Diagnosen jedoch rein deskriptive Entitäten, die Anzeichen und Symptome klassifizieren, ohne sie zu erklären. Mit anderen Worten, psychiatrische Diagnosen sind grundsätzlich „unspezifisch“ hinsichtlich ihrer Ätiologie.

Sinn und Zweck unklar

Die Begrenzungen psychometrischer Daten, die mit Hilfe von psychiatrischen/psychologischen Tests gewonnen wurden, sind nach Auffassung von Davidoff nicht allgemein bekannt. Es scheint in der medizinischen Gemeinde ein falsches Verständnis der Bedeutung psychometrischer Daten zu geben. Psychometrische Daten sind nicht mit Ergebnissen aus einem medizinischen Labor vergleichbar. Die Interpretation psychometrischer Testergebnisse basiert auf einem Vergleich des Testteilnehmers mit einem als normativ angesehenen Kollektivs, das typischerweise aus medizinisch gesunden Menschen besteht. Bestenfalls liefern psychometrische Daten Informationen über Symptome, Charakterzüge, Emotionen, Überzeugungen, Haltungen, Erinnerungen, Urteile und dergleichen. Sie haben nicht den Zweck, die Ursachen dieser Charakteristiken und Zustände zu enthüllen, und können dies auch gar nicht.

Gewöhnliches als Ungewöhnliches interpretiert

Davidoff fährt damit fort, dass einige Ärzte annehmen, dass Erkrankungen mit psychischem Ursprung sich von solchen mit organischem Ursprung durch Phänomene wie dem Auftreten von „sekundärem Gewinn“, Besserung durch Suggestion, das Vorhandensein von Symptomen in multiplen Organsystemen und selektive Fokussierung auf die Krankheit unterscheiden. Diese Phänomene scheinen jedoch auch bei Krankheiten mit bekannten organischen Ursachen verbreitet zu sein. Sekundärer Gewinn ist definiert als das bewusste oder unbewusste Benutzen von Symptomen für externe Vorteile (z.B. das Vermeiden von schädlichen Aktivitäten, das Gewinnen von Unterstützung, die sonst verweigert worden wäre). Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Versuch, von einer Erkrankung zu profitieren, nur bei psychisch kranken Individuen auftritt.

Mangelnde Sachkenntnis

Weiter sind Untersuchungen bez. sekundärem Gewinn anfällig für Verzerrungen und Unsicherheiten, da das Konstrukt nicht objektiv gemessen werden kann und da das Urteil von Spezialisten dazu tendiert, auf informalen Querschnittsbeobachtungen und Schlüssen zu beruhen – ohne Information über die körperliche und geistige Krankengeschichte des Patienten und dessen gewohnheitsmäßige Strategie, mit einem Problem zurecht zu kommen.Laut Davidoff werden Erkrankungen, die sich durch Suggestion oder Unterstützung bessern, manchmal für größtenteils psychogen gehalten. Aber Suggestion und Unterstützung können für Menschen mit körperlichen Erkrankungen sehr hilfreich sein. Ungefähr 35 von 100 Personen, die Placebos bekommen, berichten über eine Besserung, die manchmal sogar sehr deutlich ausfallen kann.

Was war vorher? Henne oder Ei?

Davidoff fährt mit der Feststellung fort, dass das Berichten von Symptomen in multiplen Organsystemen ohne sichtbare Anzeichen oder Befunde bei Standartlabortests kein Hinweis auf eine psychische Ursache ist. Davidoff schreibt weiter: Wenige Forscher würden leugnen, dass bei Individuen mit MCS gewöhnlich, aber nicht immer, psychiatrische Symptome (wie Depression, Angst, Gedächtnisprobleme, und überwältigende Erschöpfung) beobachtet werden. Was kontrovers ist, ist die Natur, das Timing und der Ursprung dieser Symptome, die durch mindestens sechs konkurrierende Hypothesen plausibel erklärt werden können:

1. Der psychopathologische Zustand bestand schon vor dem Beginn der MCS und trägt zu demselben bei (MCS als emotionale Störung aufgefasst).

2. Psychiatrische Befunde sind ein Korrelat von Risikofaktoren für MCS. Schlechte Stimmung und Müdigkeit können z.B. Korrelate einer biologischen Disposition sein, die darüber hinaus auch zu MCS führen kann.

3. Psychiatrische Befunde repräsentieren frühe präklinische Manifestationen von MCS. MCS wird hierbei als eine physiologische Erkrankung verstanden, die sich oft allmählich über längere Zeit nach wiederholten Expositionen gegenüber Umweltnoxen entwickelt.

4. Psychiatrische Symptome stellen die subjektive Komponente bestimmter neurophysiologischer Reaktionen auf auslösende Umweltnoxen dar und beginnen erst nach Einsetzen der MCS.

5. Psychiatrische Charakteristiken stellen vorübergehende oder bleibende psychosoziale Konsequenzen einer Krankheitsauslösenden Exposition und/oder einer chronischen, verwirrenden, lähmenden, isolierenden und stigmatisierenden Erkrankung dar.

6. MCS ist eine emotionale Störung, die sich oft bei Stress, wie er mit bestimmten Formen von Umweltexpositionen assoziiert ist, verschlimmert. Eine psychiatrische Vorgeschichte wird nicht verlangt.

Kombinationswirkung außer Acht gelassen

Die Hypothesen 1 und 6 gehen davon aus, dass das MCS eine emotionale Störung ist, verstärkt durch Stress oder Expositionen aus der Umwelt, bei einem Patienten mit oder ohne prädisponierender Psychopathologie. Die Hypothesen 2 bis 5 betrachten MCS als eine physiologische Erkrankung. Die psychiatrischen Charakteristiken werden als Korrelate oder Folgen dieser Erkrankung aufgefasst. Diese Hypothesen schließen sich nicht gegenseitig aus. MCS könnte eine Kombination miteinander nicht in Beziehung stehender Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen sein.

Objektive Wissenschaft braucht wasserdichtes Studiendesign

Davidoff fordert abschließend: Wenn das Verständnis der Ursachen für die beim MCS beobachteten psychiatrischen Merkmale vorangebracht werden soll, oder bei irgend einer anderen Erkrankung unbekannter Ätiologie, muss das Studiendesign so angelegt sein, dass zwischen konkurrierenden Hypothesen über die Ursachen der psychiatrischen Merkmale differenziert werden kann.

Schlussfolgerung: Prävention und Behandlung setzen derartige, wirklich objektiv durchgeführte Studien voraus.

Autoren: Karlheinz, Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Mai 2008

Literatur: [1] Davidoff AL, Fogarty L. Psychogenic origins of Multiple Chemical Sensitivities Syndrome: a critical review of the research literature. Arch Environ Health, 1994; 49:316-25.

(*) Die Reliabilität gibt die Zuverlässigkeit einer Meßmethode an. Ein Test wird dann als reliabel bezeichnet, wenn er bei einer Wiederholung der Messung unter denselben Bedingungen und an denselben Gegenständen zu demselben Ergebnis kommt. Sie lässt sich u.a. durch eine Testwiederholung (Retest-Methode) oder einen anderen, gleichwertigen Test ermitteln (Paralleltest). Das Maß ist der Reliabilitätskoeffizient und definiert sich aus der Korrelation der beiden Testungen. Bildlich: Wenn man mit einer Kanone ein Ziel anvisiert und die Kanonenkugeln zwar nicht das Ziel treffen, aber immer an der gleichen Stelle einschlagen, dann besitzt das Instrumentarium eine hohe Reliabilität. (Textexperiment)

Umweltmedizin: Genvariationen bei Chemikalien-Sensitivität festgestellt

Hypersensibilität gegenüber herkömmlichen Alltags-chemikalien im Niedrigdosisbereich, auch Chemikalien- Sensitivität (MCS) genannt, wird seit über einem halben Jahrhundert erforscht. Studien aus Kanada, USA und Deutschland zeigen, dass eine genetische Variante die Wahrscheinlichkeit erhöht, Chemikalien-Sensitivität zu entwickeln.

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Es ist hinreichend bekannt, dass Gene durch eine Vielzahl von Chemikalien geschädigt oder verändert werden können. Eine Untersuchungsmethode, die toxische Genschäden von anlagebedingten Genschäden differenziert, existiert zwar mittlerweile, sie ist allerdings mit extrem hohen Kosten verbunden.

Internationale Forschung
Mehrere wissenschaftliche Studien belegen, dass eine genetische Variante es für manche Menschen wahrscheinlicher macht, Chemikalien-Sensitivität zu entwickeln. 2004 untersuchte die Kanadierin Gail McKeown-Eyssen in einer Studie 203 weibliche MCS- Betroffene und 162 weibliche Kontrollpersonen, die sie mittels der MCS Falldefinition American Consensus identifizierte. Sie fand heraus, dass bestimmte genetische Varianten, die sich auf Entgiftungsprozesse beziehen, bei Menschen mit MCS häufiger auftreten als bei Menschen ohne MCS.

Menschen sind verschieden
Hintergrund: Beim Abbau einiger Chemikalien können giftige Nebenprodukte entstehen. Menschen, bei denen der Abbau besonders schnell vonstatten geht (in diesem Fall schnelle Acetylierer), können daher ggf. mehr der dabei entstehenden giftigen Stoffe in ihrem Körper ansammeln, als Menschen, bei denen die Abbauprozesse langsamer ablaufen. „Es hängt von der Substanz ab und davon, welche Zwischenprodukte entstehen, und wie schnell diese aus dem Körper ausgeschieden werden, ob die Tatsache, dass man einen schnellen Stoffwechsel hat, zu einer erhöhten oder verringerten Exposition führt.“ sagt McKeown-Eyssen.

Gene regulieren Entgiftung
Das Gen CYP2D6 (codiert das Entgiftungsenzym Cytochrom P450 2D6), das in seiner aktiven Form bei der Patientengruppe mit Chemikalien-Sensitivität mehr als dreimal so oft vertreten war als bei der Kontrollgruppe, gehört hierzu. Diese aktive Form ist mit entsprechend schnellerer Verstoffwechselung verbunden. Das Gen dient zum Abbau neurotoxischer Chemikalien, von Medikamenten, die das Nervensystem beeinflussen, wie bspw. Antidepressiva, Stimmungsaufheller, Codein und selbst für die körpereigenen Neurotransmitter ist es zuständig. Entsprechend leiden viele Chemikaliensensible zwangsläufig unter Medikamentenintoleranzen.

Schlechte Entgifter tragen höheres MCS Risiko
Frauen mit der schnell arbeitenden NAT2-Variante (N-Acetyltransferase 2), die sogenannten schnellen Acetylierer, wurden bei Chemikaliensensiblen viermal so häufig ermittelt als bei der Kontrollgruppe. NAT2 spielt wie CYP2D6 eine wichtige Rolle bei der Entgiftung von zahlreichen Medikamenten und toxischen Chemikalien, einschließlich aromatischer Amine, einer Chemikaliengruppe, die zur Herstellung von Farbstoffen und Kunstharzen verwendet wird.

Die Personen, die beide Genvarianten aufwiesen, litten sogar 18-mal häufiger unter Chemikalien-Sensitivität. McKeown-Eyssen ist diesem letztgenannten Ergebnis gegenüber jedoch noch vorsichtig, da die Analyse einer solchen Interaktion nicht Teil des ursprünglichen Studiendesigns war. Sie sagt: „Wir müssen mit dieser Beobachtung sehr vorsichtig sein, aber wenn sie wahr ist und wiederholt werden kann, bedeutet dies, dass einige Menschen ein sehr hohes Risiko haben.“

Weitere Beweise für physiologische Ursache von MCS
Wenn die vorgenannten Ergebnisse von McKeown-Eyssen wiederholt werden können, könnten sie einen weiteren Beweis für die physiologische Ursache von MCS darstellen.
Bereits 1994 hat die American Medical Association (AMA, größte Vereinigung von Ärzten und Medizinstudenten in den Vereinigten Staaten) in einer gemeinsamen Stellungnahme zusammen mit anderen Organisationen anerkannt, dass Chemikalienintoleranzen nicht als psychogen abgetan werden sollten.

Leichtes Spiel für Chemikalien
Der renommierte amerikanische Golfkriegssyndrom-Forscher Haley arbeitete ebenfalls in dieser Richtung und hatte schon 1999 in einer Studie eine verringerte Aktivität des PON1-Gens (Paraoxonase 1) bei Veteranen mit dem Golfkriegssyndrom gefunden. Die untersuchten Soldaten waren einer Vielzahl von Chemikalien, darunter in erheblichem Maße Organophosphatpestiziden, weiterhin Impfstoffen gegen Nervengifte, Flugzeugbenzin, Kampfstoffen, etc. ausgesetzt gewesen. Paraoxonase 1 ist besonders für den Abbau von Organophosphaten von Bedeutung.

In Deutschland konnten Schnakenberg et. al. 2006 die von McKeown-Eyssen und Haley gefundenen Resultate über die Genvarianten zum Teil bestätigen. Insgesamt nahmen 521 Personen an dieser MCS Studie teil. Es wurden Genvarianten von vier Genen analysiert: NAT2, GSTM1 (Glutathion S-Transferase M1), GSTT1 (Glutathion S-Transferase theta 1) und GSTP1 (Glutathion S-Transferase Pi Klasse). Die Mediziner fanden heraus, dass Personen, die langsame NAT2 Acetylierer sind, und diejenigen mit homozygot ausgelöschten GSTM1- und GSTT1- Genen, mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit Chemikalien-Sensitivität entwickelten.

Chemikalien & schlechte Entgiftung: Ursache für viele Zivilisationskrankheiten
Die deutschen Wissenschaftler und Mediziner kamen wie andere Forscher zuvor, zu der Erkenntnis, dass die Glutathion-S-Transferase eine wichtige Rolle bei der Entgiftung von Chemikalien spielt. Die Auslöschung dieses Genes könne ein wichtiger Schritt zu den Anfangsstadien von Krankheiten sein. Die Wissenschaftler bemerkten ebenfalls, dass Krankheiten wie das Non-Hodgkin-Lymphom, Leber- und Prostatakrebs, sowie Alzheimer, gewöhnlich mit durch GSTP1 verstoffwechselten Chemikalien in Zusammenhang gebracht wurden. Die Löschung des GSTP1-Gens bewirkt eine höhere Empfindlichkeit dieser Personen für die Entwicklung dieser Krankheiten, da ein Mangel an diesen Genen einen geringeren Schutz vor oxidativem Stress bedeutet.

Wissen schützt vor weiterem Schaden
Die drei genannten Studien stellen eine wichtige Entdeckung dar, die eine weitere biologische Basis für die Ätiologie von MCS liefert. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich auch effizientere Herangehensweisen für eine Therapie ableiten, denn diese spezielle Patientengruppe ist wesentlich fragiler und ist auch in der Regel außerstande, chemikalienbasierte Medikamente einzunehmen oder zu schnell durchgeführte invasive Therapien schadlos zu überstehen.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, April 2008

Literatur:

  • Eckart Schnakenberg, Karl-Rainer Fabig , Martin Stanulla, Nils Strobl , Michael Lustig , Nathalie Fabig and Werner Schloot,  A cross-sectional study of self-reported chemical-related sensitivity is associated with gene variants of drug-metabolizing enzymes, Environmental Health 2007, 6:6
  • McKeown-Eyssen G, Baines C, Cole DE, Riley N, Tyndale RF, Marshall L, Jazmaji V: Case-control study of genotypes in multiple chemical sensitivity: CYP2D6, NAT1, NAT2, PON1, PON2 and MTHFR. Int J Epidemiol 2004, 33:971-978
  • Haley, RW, Billecke, S, La Du, BN (1999). Association of low PON1 type Q (type A) Acetyl esterase activity with neurologic symptom complexes in Gulf War Veterans. Toxicology and Applied Pharmacology 157(3):227-33
  • Spivey, Angela: Genes and Sensitivity, Environmental Health Perspectives, 113(3), 2005.

Weltweiter Aufklärungsmonat über Chemikalien-Sensitivität und toxisch bedingte Schädigungen

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Chemikalien-Sensitivität kann jeden treffen, ganz gleich welche Nationalität, welches Alter, welche Hautfarbe, Schulbildung oder sozialen Status er hat

Aufklärung über Chemikalien- Sensitivität nahm eine positive Wende, als der Gouverneur des US  Bundesstaat Connecticut, John G. Rowland, 1998 erstmals offiziell festlegte, dass  in Zukunft in seinem Bundesstaat im Monat Mai ganz besondere Aufklärung über die Wirkung minimaler Konzentrationen von Alltagschemikalien auf chemikaliensensible Menschen betrieben werden solle.

Gouverneur Rowland war sich sehr bewusst, dass es von hoher Wichtigkeit ist, über das Schicksal toxisch geschädigter und chemikaliensensibler Menschen aufzuklären, da deren Leben in erster Linie von der Hilfe und dem Verständnis anderer Mitmenschen abhängt. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist eine regelrechte Aufklärungsbewegung daraus entstanden, und weltweit wird in diesem Monat über Chemikalien-Sensitivität (MCS) und toxische Schädigungen berichtet, außerdem finden vielfältige Aktionen statt. In Deutschland sind Patientenorganisationen im Mai besonders aktiv, auch einzelne Chemikaliensensible treten aus dem Schattendasein heraus.

US Gouverneure setzen sich ein

Seit 1998 findet in den USA jährlich im Mai gezielte Aufklärung über toxische Schädigungen, deren Vermeidungsmöglichkeiten und Chemikalien-Sensitivität (MCS) statt. Insgesamt 37 Gouverneure (entsprechen dt. Ministerpräsidenten) verschiedener Bundesstaaten riefen hierzu mit ihren mit eindrucksvollen Staatssiegeln versehenen Proklamationen im vergangenen Jahr auf. Die Gouverneure wollen vor allem auf die Wichtigkeit wissenschaftlicher Forschung und darauf, wie toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität in der Zukunft zu vermeiden sind, aufmerksam machen. In diesem Jahr haben bereits 26 Gouverneure ihr Staatssiegel unter eine Proklamation für MCS/Toxische Schädigungen gesetzt und unterstützen die Erkrankten in diesem Monat mit besonderer Aufklärung. Einige weitere Proklamationen sind zugesagt.

Amerikanische Gouverneure unterstützen auch 2008 Menschen mit Chemikalien-Sensitivität und toxische Schädigungen

Im vergangenen Jahr wurden von CSN alle deutschen Ministerpräsidenten angeschrieben und gebeten, den Aufklärungsmonat für Chemikalien – Sensitivität und toxische Schädigungen zu unterstützen, damit auch in unserem Land Chemikaliensensible und toxisch Geschädigte mehr Verständnis und Hilfe erfahren können. Leider war, trotz der den Anschreiben beigefügten Informationen über die Schwere und den Umfang der Erkrankungen, die Resonanz gering, und die Antworten aus Rheinland-Pfalz, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern deuten an, dass Wissen und Verständnis für Chemikalien induzierte Erkrankungen hierzulande bisher kaum vorhanden sind.

Deutsche Ministerpräsidenten gegenüber Chemikaliensensiblen passiv

Europa ist aktiv im Mai

In internationaler Kooperation wurde ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Fallbeispiele von chemikaliensensiblen Menschen aus den verschiedensten Ländern bei einem internationalen Kongress in Spanien präsentiert werden. Es wird ein Buch aus den Berichten entstehen, das verdeutlicht, dass überall Menschen betroffen sind, dass Chemikalien-Sensitivität keine Erkrankung einer Minderheit ist, und wie groß die Einbußen der Erkrankten auf allen Ebenen sind. Auch in Deutschland und der Schweiz beteiligen sich verschiedene Organisationen mit gezielten vielfältigen Veröffentlichungen über Chemikalien-Sensitivität und Aktivitäten an der Aufklärungskampagne.

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Einige der Organisationen erstellten Flyer zum Verteilen, andere gestalteten Buttons (SHG Ludwigsburg & Stuttgart), arrangierten Vorträge, Fernsehbeiträge und Zeitungsberichte oder berichten auf ihren Webseiten in diesem Monat auf hochinformative Weise fast täglich Neues über Chemikalien-Sensitivität und über Menschen, die durch Chemikalien in ihrem Alltag krank wurden. Angestrebtes Ziel ist es, in Europa ebenfalls etwas mehr Verständnis für die Chemikaliensensiblen zu erhalten, da dies für Erkrankte unmittelbar mit weniger Schmerzen, mehr Lebensqualität und Möglichkeiten, am normalen Leben teilzunehmen, einhergeht.

Aktiv werden mit der Broschüre über Chemikalien-Sensitivität

CSN hat für den Monat Mai viele Blogs mit außergewöhnlichen Informationen vorbereitet und stellt als Auftakt die neue CSN Broschüre über Chemikalien-Sensitivität vor, die jeder in seinem Umfeld verbreiten kann, um über die Erkrankung zu informieren und Bewusstsein für die Erkrankten zu schaffen.

Wir wünschen allen viel Erfolg!

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. Mai 2008

Weitere Informationen über Aktionen, informative Berichte über Chemikaliensensitivität, etc. finden Sie auf der Webseite von CSN – Chemical Sensitivity Network und im CSN Forum.

Biochemische Anomalien bei Patienten mit MCS

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Verminderte Entgiftungsfähigkeit und Nährstoffdefizite sind in der Lage, bei Patienten mit Chemikalien-Sensitivität als Promotor bei der Entstehung der Erkrankung wie auch in deren Verlauf zu fungieren und sorgen mit dafür, dass sich MCS Erkrankte in der Regel ständig krank fühlen. Gezielte Nährstofftherapie führt bei einem Teil der Patienten zu deutlicher klinischer Verbesserung, auch in der Entgiftungsleistung.

Chemikalien-Sensitivität nicht mit Allergien vergleichbar
Patienten mit Chemikalien – Sensitivität (MCS) zeigen zahlreiche physiologische und biochemische Anomalien und sind generell kränker, als eine Kontrollgruppe von Allergiepatienten, berichtet L. Galland in Occupational Medicine, der amerikanischen Fachzeitschrift für Arbeitsmedizin.

Anomalien feststellbar
Galland bringt vor, dass MCS mit spezifischen Anomalien des Aminosäuren- und Fettsäurenstoffwechsels, sowie verminderter Aktivität von ESOD (Superoxide Dismutase in den Erythrozyten) und eGPX (extrazelluläre Glutationperoxidase), Mitralklappenprolaps Syndrom, Schilddrüsenunterfunktion und autoimmuner Schilddrüsenentzündung assoziiert wird. Galland stellte in seiner Studie weiterhin fest, dass bei MCS Patienten und Kontrollpersonen mit Allergien Magnesium- und Vitamin B6-Defizite gleich häufig auftreten.

Eins kommt zum anderen
Da sich Chemikaliensensible fast immer krank fühlen, ist es wahrscheinlich, dass einige dieser Anomalien zu ihrem generell schlechten Gesundheitszustand beitragen, wenn nicht auch zu ihren Sensitivitäten. Galland stellte die Hypothese auf, dass es ebenfalls möglich sei, dass diese verschiedenen Anomalitäten durch eine unidentifizierte fundamentale metabolische- oder neuroendokrine Störung verursacht werden, die mit Hypersensitivitätszuständen gemeinsam einhergeht.

Ergebnisse zum Nachdenken
Ein provokantes Ergebnis ist die große Häufigkeit, mit der verminderte Konzentrationen von Antioxidantien gefunden wurden. Ebenfalls signifikant war, dass die Erythrozytenaktivität von SOD bei 89% und eGPX bei 48% der MCS-Patienten erniedrigt war. Des Weiteren zeigten 41% der MCS- Patienten eine verminderte Ausscheidung essentieller Aminosäuren, trotz einer proteinreichen Diät. Vitamin C in Leukozyten war hingegen nur bei 5 Patienten erniedrigt, die kein zusätzliches Vitamin C einnahmen.

Therapien statt Ignoranz gegenüber Patienten erfolgreich

Galland vertritt, basierend auf seinen Studienergebnissen, wie viele Umweltmediziner weltweit die Auffassung, dass Mangel an Antioxidantien zu Hypersensitivität gegenüber Umweltschadstoffen und toxischen Chemikalien beitragen kann. Tatsächlich wurde eine Behandlung, die die Gabe von Antioxidantien, Selen, Vitamin C, Kupfer, Zink, sowie schwefelhaltigen Aminosäuren umfasste, von deutlichen klinischen Verbesserungen bei 25% der Patienten in der MCS- Gruppe und von begrenzter symptomatischer Besserung bei weiteren 18% begleitet. Bei allen Patienten, bei denen ESOD oder eGPX erneut bestimmt wurden, wurde im Anschluss an die Behandlung eine Verbesserung der Konzentration beobachtet. Die Möglichkeit, chemikaliensensiblen Patienten adäquate Diagnostik und darauf aufbauende individuelle Therapie zugänglich zu machen, ist daher als sinnvoll zu erachten und sollte gezielt forciert werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, April 2008

Literatur: Galland L., Biochemische Anomalien bei Patienten mit MCS, Occup. Med. 1987 Oct-Dec;2(4):713-20.