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Bevölkerung durch Duftstoffe und Parfum gesundheitlich beeinträchtigt

Viertel der Gesamtbevölkerung hat Probleme mit Duftstoffen

Studie ermittelte: Eine ständig größer werdende Anzahl von Alltagsprodukten ist beduftet, und immer mehr Menschen reagieren mit Gesundheitsbeschwerden auf Duftstoffe. Weichspüler, Parfüm, Aftershave, duftende Waschmittel, Raumbeduftung, beduftete Produkte lösen bei ihnen eine Vielzahl von Symptomen aus, die von Kopfschmerzen, Schwindel, Atembeschwerden bis hin zu psychischen Reaktionen wie bspw. Aggression oder Depression führen können.

Reagiert die Gesamtbevölkerung auf Duftstoffe?
Eine aktuell erschienene Studie des amerikanischen Wissenschaftlerteams Caress und Steinemann erforschte, wie viele Personen in der Allgemeinbevölkerung bereits mit Gesundheitsbeschwerden auf duftstoffhaltige Produkte reagieren und wie viele Menschen in Subpopulationen, die bereits unter Asthma und Chemikaliensensitivität (MCS) leiden, Probleme damit haben. (1) Caress und Steinemann trugen in zwei Studiendurchgängen in zwei geographischen Gebieten Daten mittels Telefoninterviews zusammen.

Die beiden erfahrenen Wissenschaftler hatten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Studien über Multiple Chemical Sensitivity, Asthma durch Chemikalien und Hypersensitivität auf Chemikalien durchgeführt. (2-6) Sie ermittelten Häufigkeit, Ursachen, erstes Auftreten der Erkrankung und die Auswirkung im Alltag für die betroffenen Personen. In der aktuellen Studie gingen sie per Zufallsprinzip vor und erhielten in den Jahren 2002-2003 Daten von 1057 Teilnehmern und 2005 bis 2006 von 1058 Teilnehmern.

Duftstoffe sind lästig und verursachen Gesundheitsbeschwerden
Die Auswertung der Daten erbrachte, dass über ein Viertel der Allgemeinbevölkerung duftende Produkte an Mitmenschen als lästig empfinden. Eine hohe Anzahl von Studienteilnehmern bekundete zusätzlich gesundheitliche Auswirkungen durch duftende Waschmittel, Weichspüler und Raumbeduftung.

Die beiden Wissenschaftler der University of West Georgia hatten die Studienteilnehmer zur Ermittlung u. a. gefragt, wie es ihnen ergeht, wenn sie sich neben jemandem aufhalten müssen, der Duftstoffe benutzt hat, ob sie es lästig oder ansprechend finden.

Weitere Fragen des Teams erörterten, ob jemand Kopfschmerzen, Atembeschwerden oder andere Gesundheitsprobleme erleidet, wenn er Raumduftsprays oder Duftstoffen ausgesetzt ist, oder ob er durch den Geruch von Weichspüler, Weichspülervlies, gestört fühlt, wenn dieser durch die Abluft des Wäschetrockners nach außen dringt. (1,6)

Erheblicher Anteil der Bevölkerung hat Probleme mit Duftstoffen
Die Ergebnisse von beiden Umfragen zusammen ergaben, dass sich 30,5 % der Gesamtbevölkerung durch duftstoffhaltige Produkte von Mitmenschen belästigt fühlt.

Schwere gesundheitliche Auswirkungen beklagten 19 % und 10,9 % der Studienteilnehmer aus der Gesamtbevölkerung. Sie berichteten u. a. über Reizungen, die durch den Geruch von Weichspüler oder Wäschetrocknervlies eintreten, der in die Außenluft geleitet wurde.

Die beiden amerikanischen Wissenschaftler sagten, dass ihre Ergebnisse klar darlegen, dass ein erheblicher Prozentsatz der amerikanischen Gesamtbevölkerung unter beeinträchtigenden gesundheitlichen Auswirkungen durch duftstoffhaltige Produkte leidet. Bei der Bevölkerungsgruppe, die bereits unter Asthma und Chemikaliensensitivität leidet, liegt der Prozentsatz noch höher als bei der Allgemeinbevölkerung, bekundeten die beiden Wissenschaftler der University of West Georgia.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 02.04.2009

Weitere Artikel über Studien von Caress SM und Steinemann AC:

Literatur:
1. Caress SM, Steinemann AC. Prevalence of fragrance sensitivity in the American population, University of West Georgia, J Environ Health. 2009 Mar;71(7):46-50.
2. Caress S, Steinemann A., Asthma and chemical hypersensitivity: prevalence, etiology, and age of onset, Toxicol Ind Health. 2009 Feb; 25(1):71-8.
3. Caress SM, Steinemann AC.,A national population study of the prevalence of multiple chemical sensitivity. Arch Environ Health. 2004 Jun;59(6):300-5.
4. Caress SM, Steinemann AC., Prevalence of multiple chemical sensitivities: a population-based study in the southeastern United States.Am J Public Health. 2004 May;94(5):746-7.
5. Caress SM, Steinemann AC, Waddick C, Symptomatology and etiology of multiple chemical sensitivities in the southeastern United States. Arch Environ Health. 2002 Sep-Oct;57(5):429-36.
6. Anne C. Steinemann, Fragranced consumer products and undisclosed ingredients, Department of Civil and Environmental Engineering, Evans School of Public Affairs, University of Washington, USA, Environ Impact Asses Rev (2008), doi:10:1016/j.eiar.2008.05.002

Asthma, Hypersensitivität auf Chemikalien: Häufigkeit, Ursache und Alter bei Krankheitsbeginn

Asthma wird häufig durch Duftstoffe und Chemikalien ausgelöst

Asthma und Hypersensitivität auf Chemikalien sind in Industrieländern relativ häufig verbreitet. Das amerikanische Wissenschaftlerteam Caress und Steinemann untersuchte in einer Studie die Prävalenz und Ätiologie von Asthma, als auch die Überlappung mit Chemikalienhypersensitivität in der Bevölkerung. Asthma und Hypersensitivität auf Chemikalien waren fast im gleichen Maße vertreten.

Ursachen und Häufigkeit vom MCS auf der Spur
Die Wissenschaftler der University of West Georgia, Caress und Steinemann, hatten in den vergangenen Jahren bereits drei groß angelegte Studien über die Häufigkeit und Ursachen von Multiple Chemical Sensitivity – MCS durchgeführt. Aus den Erkenntnissen, die aus den Studien gewonnen wurden, verdeutlichte sich, dass Chemikalien-Sensitivität kein Buch mit sieben Siegeln ist.

In ihrer aktuellen Studie ermittelten die beiden Wissenschaftler das nationale Auftreten von Asthma und die potentielle Überschneidung mit Hypersensitivität auf Chemikalien. Sie untersuchten dabei auch die Ätiologie des Asthma, das Alter der Patienten, als es erstmalig auftrat, und demographische Besonderheiten. Die Daten wurden in vier Etappen in den Jahren 2005 bis 2006 auf dem amerikanischen Kontinent gesammelt.

Asthmatiker reagieren häufig auf Chemikalien
Caress und Steinemann fanden bei ihrer Studie heraus, dass 12,9 % der Bevölkerung unter Asthma leidet. Fast genauso viele Menschen, 11,6 %, litten unter einer Hypersensitivität auf Chemikalien. Von den Personen, die Asthma beklagten, berichteten 31,4 %, dass sie hypersensibel auf Chemikalien reagieren.

Duftstoffe häufige Auslöser von Asthma
Von den Studienteilnehmern, deren Asthma durch Chemikalien getriggert wurde, berichteten 38 % über Irritationen durch Produkte, die Duftstoffe enthalten, 37,2 % hatten gesundheitliche Probleme durch Raumduftsprays. Dass ihr Asthma durch toxische Chemikalien verursacht wurde, berichteten 13,6 % der Studienteilnehmer.

Einen Unterschied zwischen Rasse und Herkunft konnten die Wissenschaftler nicht feststellen, hier lag die Verteilung ziemlich gleich. Das Alter des ersten Auftretens des Asthmas lag bei fast 50% der Studienteilnehmer in deren Kindheit.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 31. März, 2009

Weiterer Artikel über Studien von Caress und Steinemann:

Literatur:
Caress S, Steinemann A., Asthma and chemical hypersensitivity: prevalence, etiology, and age of onset, Toxicol Ind Health. 2009 Feb; 25(1):71-8.
Caress SM, Steinemann AC.,A national population study of the prevalence of multiple chemical sensitivity. Arch Environ Health. 2004 Jun;59(6):300-5.
Caress SM, Steinemann AC., Prevalence of multiple chemical sensitivities: a population-based study in the southeastern United States.Am J Public Health. 2004 May;94(5):746-7.
Caress SM, Steinemann AC, Waddick C, Symptomatology and etiology of multiple chemical sensitivities in the southeastern United States.Arch Environ Health. 2002 Sep-Oct;57(5):429-36.

Nanopartikel in Körperpflegeprodukten und Kosmetik haben möglicherweise Auswirkungen auf die Umwelt

 Nano Partikel können problematisch fürt die Umwelt sein

Salt Lake City, 26. März 2009 – Über die Verwendung von Mikroben als ihren „Kanarienvogel im Käfig“  berichteten Wissenschaftler aus Ohio vorgestern, dass Nanopartikel, die jetzt in Kosmetika, Sonnencremes und Hunderten anderer Körperpflegeprodukte eingesetzt werden, schädlich für die Umwelt sein könnten.
 
Ihr Bericht war Teil von Symposien, die rund zwei Dutzend Dokumente beim 237. Nationalen Meeting der American Chemical Society einbezogen. Wissenschaftler bemühten sich dort darum, die Auswirkungen von Nanopartikeln auf die Umwelt und auf die menschliche Gesundheit zu verstehen. Hunderte von Produkten nutzen diese Nanopartikel – die ein Fünftausendstel des Durchmessers eines menschlichen Haares besitzen – und sind bereits auf dem Markt. Angesichts, dass noch viele weitere Produkte auf ihr Debüt warten, versuchen Wissenschaftler, unerwünschte Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt schon im Vorfeld zu vermeiden.
 
Die Studie von Cyndee Gruden, PH. D. und Olga Mileyeva-Biebesheimer fokussierte sich auf Nano-Titandioxid (nano-TiO2) Partikel, die man in Kosmetik, Sonnencremes und sonstigen Körperpflegeprodukten findet. Diese Partikel werden wegen ihrer hochgradig nützlichen Eigenschaft zugefügt, ultraviolettes Licht im Sonnenlichtspektrum zu blocken. Übermäßige Sonnenlichtexposition kann zu vorzeitiger Hautalterung und Hautkrebs führen.
 
Gruden, die an der University of Toledo arbeitet, erklärte, dass die Nanopartikel in Haushalten den Abfluss heruntergespült werden, wenn die Leute baden und dann in den Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen enden. Von dort aus können sie in Seen, Flüsse und andere Wasserströme eintreten, wo Wasserorganismen eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung einer gesunden Umwelt leisten.
 
„Wenn sie in einen See geraten, was passiert dann?“, fragte Gruden, „Werden sie in einen Organismus eintreten und sich mit ihm verbinden? Vielleicht töten sie ihn – oder haben überhaupt nichts damit zu tun. Das sind wichtige Fragen die beantwortet werden müssen, um zu entscheiden, welche Auswirkungen Nanopartikel auf unsere Umwelt haben können. Im Moment sind wir hinsichtlich der Antworten hierzu nicht allzu sicher.“
 
Gruden studierte das Überleben von Escherichia coli (E. coli) Bakterien, wenn diese in Laborkulturen unterschiedlichen Konzentrationen von nano-TiO2 ausgesetzt sind. Sie fand überraschenderweise eine ausgedehnte Reduktion von Überleben bei ihren Proben, die für weniger als eine Stunde geringen Konzentrationen von Nanopartikeln ausgesetzt waren. „Wie schnell die Auswirkungen eintraten überraschte mich.“ sagte sie. Diese Erkenntnisse öffnen die Türen für zukünftige Forschung, einschließlich Studien zur Feststellung, ob der gleiche Effekt auch in der Natur eintritt.
 
Gruden’s Methode zur genauen Feststellung der Schäden durch Nanopartikel verwendet Fluressenz, um zu identifizieren, wann die Zellmembranen in Mikroben Schaden nehmen. Wenn Membranen – ein kritischer Bestandteil einer Mikrobe – beschädigt sind, stoßen diese Zellen ein schwaches rotes Leuchten aus. „Die Methode, die sich auf Fluressenz stützt, erlaubt uns, die Ergebnisse schneller zu erlangen, vielleicht mit größerer Sensitivität,“ sagte sie und ergänzte dazu, dass diese Herangehensweise wissenschaftliche Anstrengungen beschleunigen könnte, die Schwelle, bei der Nanopartikel toxisch für Mikroben werden können, zu verstehen.   

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Nanoparticles in cosmetics may have adverse environmental effects

Nanoparticles in cosmetics may have adverse environmental effects

Nanoparticles in cosmetics/personal care products may have adverse environmental effects

SALT LAKE CITY, March 26, 2009 – Using aquatic microbes as their „canary-in-a-cage,“ scientists from Ohio today reported that nanoparticles now being added to cosmetics, sunscreens, and hundreds of other personal care products may be harmful to the environment.

Their report was part of symposia that included almost two dozen papers at the 237th National Meeting of the American Chemical Society where scientists grappled to understand the environmental and human health effects of nanotechnology. Hundreds of products utilizing these microscopic particles ”1/5,000th the diameter of a human hair” already are on the market. With many more poised for debut, scientists are seeking to avoid unwanted health and environmental effects in advance.

The study by Cyndee Gruden, Ph.D. and Olga Mileyeva-Biebesheimer focused on nano-titanium dioxide (nano-TiO2) particles found in cosmetics, sunscreens, and other personal care products. The particles are added to those products for their highly beneficial effects in blocking ultraviolet light in sunlight. Excess exposure can cause premature aging of the skin and skin cancer.

Gruden, who is with the University of Toledo, explained that the particles are washed down the drain in homes as people bathe and end up in municipal sewage treatment plants. From there, they can enter lakes, rivers, and other water sources where microorganisms serve essential roles in maintaining a healthy environment.

„When they enter a lake, what happens?“ Gruden asked. „Would they enter an organism or bind to it? Maybe they kill it” or have nothing to do with it at all. These are important questions for determining the effects that nanoparticles may have on the environment. Right now, we’re not really sure of the answers.“

Gruden studied survival of Escherichia coli (E. coli) bacteria when exposed in laboratory cultures to various amounts of nano-TiO2. She found surprisingly large reductions in survival in samples exposed to small concentrations of the nanoparticles for less than an hour. „How fast the impact was surprised me,“ she said. The findings open the door to future research, including studies to determine whether the same effects occur in the natural environment.

Gruden’s method for pinpointing damage from nanoparticles uses fluorescence to identify when the cell membrane in microbes undergo damage. When membranes – a crucial part of the microbe – are damaged, the cells emit a faint red glow. „Methods based upon fluorescence allow us to obtain results faster, maybe with greater sensitivity,“ she said, adding that this approach could speed scientific efforts to understand the threshold at which nanoparticles become toxic to microbes.

In a second study on nanotoxicity at the ACS National Meeting, scientists from Utah described development of a new biosensor that flashes like a beacon upon detecting nanoparticles in the environment.

Anne Anderson and colleagues at Utah State University and the University of Utah have inserted genes into a strain of Pseudomonas putida (P. putida) ”a beneficial soil microbe” so that it emits light upon contact with nanoparticles of heavy metals. They are with Utah State University. The bacteria glow brightly when it is in its normal healthy state. The glow dims upon exposure to toxic substances.

„The novelty of the biosensor is we’re able to get responses very, very quickly,“ she said, „and we can get those answers in the absence of other factors that could bind the challenging compounds.“ Anderson noted that traditional approaches in measuring bacterial cell growth may take two days. „At the snap of your finger you can see some of these things take place.“

Anderson’s group discovered that P. putida cannot tolerate silver, copper oxide and zinc oxide nanoparticles. Toxicity occurred at levels as low as micrograms per liter. That’s equivalent to two or three drops of water in an Olympic-sized swimming pool. Anderson warns it could spell danger for aquatic life. „If you look up the Environmental Protection Agency’s risk level of Copper to fish and other aquatic organisms, you are at that point of toxicity.“

There’s much debate in the science community about nanoparticle toxicity, Anderson said. Some scientists believe that nanoparticles in nature will aggregate together or bind onto silt and/or other organic matter, greatly reducing their toxicity. „We don’t know if that’s true or not,“ she said. So other members of this Utah research group currently are investigating that aspect of the issue.

Although the public is ultimately responsible for understanding the risks of consumer products, Gruden said, science plays a large role in highlighting possible hazards. „It is the scientist’s job to perform good research and let the findings speak for themselves,“ she said. And so far the promises of nanotechnology need more evaluation. „To date, it’s unclear whether the benefits of nanotech outweigh the risks associated with environmental release and exposure to nanoparticles.“

Literature:
American Chemical Society, Nanoparticles in cosmetics/personal care products may have adverse environmental effects, Public release date: 26-Mar-2009

Mit toxischen Chemikalien verseuchte Container – tägliche Realität im Hafen von Hamburg und Rotterdam

Containerschiff - Container werden mit Chemikalien begast

In der gestrigen Ausgabe von Report München wurde u. a. über giftverseuchte Container berichtet, die täglich im Hamburger Hafen und im Rotterdamer Seehafen aus aller Welt eintreffen. Vielfach bringen sie giftige Fracht, die nicht nur die Gesundheit des Zoll- und Verladepersonals gefährdet, sondern auch die der Endverbraucher. Eine Vielzahl der mit Chemikalien, z. B. neurotoxische Schädlingsbekämpfungsmittel, hochgradig verseuchten Produkte, wie Spielwaren, Textilien, Möbel und Lebensmittel gasen über viele Tage und Monate hinweg aus. Manche der Chemikalien sind sogar über einen noch längeren Zeitraum hinweg hoch wirksam und kontaminieren zwangsläufig unsere Wohnungen und Arbeitsbereiche, was eine erhebliche Gesundheitsgefahr für den Konsumenten bringt.

Brommethan – geruchlos, toxisch, tückisch
Am häufigsten wird das Gas Brommethan, auch Methylbromid genannt, für Container eingesetzt. Demnach sind Container, die mit dem geruchlosen, in hohen Konzentrationen süßlich riechenden Pflanzenschädlingsbekämpfungsmittel belastet sind, keine Seltenheit. Brommethan kommt zum Einsatz, um zu verhindern, dass sich Schädlinge aus Übersee in den Importländern ausbreiten oder die Ware auf dem Transportweg von Schädlingen oder Schimmel befallen wird. Die toxische Chemikalie wird über die Atmung und durch Anfassen über die Haut aufgenommen. Brommethan ist als krebserzeugend in Kategorie 3B für Stoffe einklassifiziert, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung Anlass zur Besorgnis geben.

Lt. Report München kam es bereits in der Ukraine und in Südafrika zu Todesfällen, Zoll- und Hafenarbeiter wie auch LKW-Fahrer werden oft mit schweren Vergiftungserscheinungen in Kliniken eingeliefert. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die toxische Wirkung des heimtückischen Schädlingsbekämpfungsmittels Brommethan erst mit einer Verzögerung von 4 bis 24 Stunden zeigt.

Gesundheitsgefahren durch Brommethan
Das BfR und der TÜV Rheinland stellten die Symptomatik von Brommethan folgendermaßen dar:

Erste Anzeichen nach kurzem Kontakt:
Schwindel, undeutliche Sprache, Verhaltensauffälligkeiten

Akute Vergiftung:
Neuronal: Kopfschmerzen, Erbrechen, Übelkeit Gliederschmerzen, Schwitzen, Muskelschwäche, Zittern, Gleichgewichtsstörungen, Halluzinationen und Delirium
Augen: Bindehautentzündung, Tränenfluss, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, vorübergehende Erblindung, Netzhautbluten
Atmung: Brustschmerzen, Atemnot
Krämpfe, Koma, Atem- und Herzstillstand, Tod

Spätfolgen:
Neurologische Schäden
Wahrnehmungsprobleme, Taubheitsgefühle
Symptome können verzögert auftreten, Ödeme bis zu 2 Tage später 

Chronische Vergiftung, niedrige Dosen über Wochen/Monate:
Bewusstseinstörungen, Zittern, Sprachstörungen
Schlaflosigkeit, Halluzinationen
Teilw. dauerhafte Veränderung im zentralen Nervensystem
Erbgutverändernd, gentoxisch

Vorsicht – Ware kann belastet sein
Brommethan durchdringt übliche Folienverpackungen bei der Begasung, das Tückische daran ist, dass eine solche Verpackung aber auch das Auslüften des begasten Produkts verzögert. Normalerweise sind Brommethan-Restemissionen in den meisten begasten Materialien nach 1 – 6 Tagen offener Lagerung nicht mehr nachweisbar. Durch eine Folienverpackung kann es folglich passieren, dass dieser Vorgang verlangsamt bis gebremst wird, was dazu führen kann, dass ein Arbeiter oder der Käufer eines Produktes, Rückstände des Begasungsmittels bei der Entfernung der Verpackung einatmet.

Sehr problematisch ist es auch anzusehen, dass Container nicht gekennzeichnet sein müssen und der Absender wie auch der Empfänger eines Containers nicht unbedingt über die Begasung der Ware informiert sind, weil der Container in einem Sammeltransport verschifft wurde und vom Spediteur begast wurde. Das Procedere kann sogar Waren betreffen, von denen niemand vermutet, dass sie begast wurden, weil es für die Produktgruppe normalerweise überhaupt nicht erforderlich ist. Für den Handel wird angeraten, dass Containerware generell ausgelüftet wird, was in der Praxis jedoch oft kaum durchführbar ist.

Toxische Ware hat in Holland keine Chance
In Holland wird mit Nervengift und anderen Toxinen belastete Containerware nicht in den Handel gebracht, sondern nach vorheriger Prüfung der Verbrennung zugeführt. Während man in Rotterdam die aus Asien stammenden Container professionell entgast, kritisierte Report München, dass man die Container in Deutschland meistens achtlos öffnet und die toxischen Gase, ohne Schutzvorkehrungen zu treffen, ins Freie entweichen lässt. Report München kritisierte in diesem Zusammenhang insbesondere die Politik, die sich offensichtlich auch weiterhin nicht ausreichend mit den giftigen Containern befasse und es zulässt, dass Nervengifte und andere bei uns verbotene toxische Chemikalien aus fernen Ländern unsere Gesundheit bedrohen.

Trotz Zwischenfällen noch keine durchgreifende Änderung
Das Thema ist indes nicht neu, es gab bereits im September 2007 lt. Report einen Zwischenfall in Deutschland beim Entladen eines aus Indien stammenden Containers. Auf der Münchner Messe trug ein ganzes Arbeitsteam Vergiftungserscheinungen davon, die ärztliche und teilweise auch stationäre Behandlung erforderten. Die Ware war mit dem Giftgas Methylbromid kontaminiert gewesen, das bereits bei einmaligem Einatmen zur dauerhaften Schädigung des Zentralen Nervensystems führt. Seither ist kostbare Zeit verstrichen, denn an der Problematik der mit Giftgas und anderen toxischen Stoffen verseuchten Containern und deren risikoreichen Abfertigung hat sich in Deutschland nichts verbessert, während man in den Niederlanden schärfere Vorschriften erlassen hat. In Holland werden die Container mit Hilfe von Filteranlagen in geschlossenen Hallen über einen entsprechend notwendigen Zeitraum entlüftet. Dadurch wird gewährleistet, dass kein Brommethan in die Umgebungsluft gelangt. Die Chemikalie ist ein stark umweltschädliches und die Ozonschicht angreifendes Umweltgift. 

Der Verbraucherschutz, die Politik und Ministerien sind gefragt schnellstens zu handeln, damit in der EU längst verbotene Chemikalien nicht mehr länger auf dem Seeweg nach Deutschland gelangen und zwangsläufig die Gesundheit der Zollbeamten. Hafenarbeiter und auch der Endverbraucher auf unverantwortliche Weise ruinieren und die Umwelt schädigen.

Autor: Maria, CSN – Chemical Sensitivity Network, 24.03.2009

Report Beitrag über Giftige Container anschauen:

Nervengift bedroht unsere Gesundheit

Weitere Artikel von Maria:

Die Karibik hat eine Schattenseite: Prostatakrebs durch Pestizide

Toxisches Paradies: Karibikinseln durch Pestizide verseucht

Sonne, Palmen, weiße Strände, azurblaues Meer. Urlaub oder sogar Leben in der Karibik, ein Traum, den mancher sich gerne erfüllen würde. Die Karibikinseln Guadeloupe und Martinique haben jedoch auch ihre Schattenseite. Die beiden Inseln weisen mit die höchste Rate von Prostatakrebs weltweit auf. Französische Wissenschaftler fanden den Grund hierfür heraus: Pestizide. 

Trauminseln mit Schattenseite
In einem Reiseführer der „Blumeninsel“ Martinique heißt es, „in den dichten Wäldern der Insel herrscht Stille, vergleichbar mit unseren Hinterhöfen“. Man kann dort allenfalls noch dem Zirpen von Feldgrillen lauschen. Dafür gibt es ausgedehnte Plantagen mit Bananen, Zuckerrohr, Mango, Avocado, Litschi, Guava und vieles Exotisches mehr, dass in alle Welt verschickt wird. Die Sonne und abendliche Regenfälle lassen die Flora üppig gedeihen auf den Antillen, den Inseln unter dem Winde. Das hat auch Nachteile: Schädlinge, die sich über die Pflanzen und das Obst hermachen. Der Pestizideinsatz auf den Plantagen ist entsprechend hoch.
 
Weltweite Spitzenposition für Prostatakrebs
Französische Wissenschaftler untersuchten mittels einer multifaktoriellen Analyse, warum auf Guadeloupe und Martinique mehr Männer an Prostatakrebs erkranken wie fast überall sonst auf der Welt. Im Jahr 2002 lagen die beiden Antilleninseln Guadeloupe und Martinique mit 152 neuen Prostatakrebsfällen pro 100 000 Einwohner/Jahr weltweit an der Spitze. Krebsneuerkrankungen treten dort vergleichsweise häufiger auf als auf allen anderen karibischen Inseln oder bei den Bewohnern Frankreichs.
 
Ursachen für Prostatakrebs auf der Spur
Eine Analyse der französischen Wissenschaftler zeigte, dass die Häufigkeit von Prostatakrebs auf Martinique und in Frankreich sich seit 1983 signifikant unterscheidet. Die Anstiegskurven sind nicht parallel, was darauf hindeutet, dass sich die Menschen auf den Karibikinseln zwar einerseits genetisch von denen in Frankreich unterscheiden können, aber andererseits, dass die Genetik keinesfalls der einzige Faktor sein könne, befand das Wissenschaftlerteam von Belpomme.
 
Umwelt und Bewohner pestizidbelastet
Anhand einer kartographisch angelegten Analyse über Bodenbelastung konnte das Team aus Paris belegen, dass die Kontaminierung des Wassers der Inselbewohner von den Bananenplantagen herrührt. Ferner stellte das Team retrospektiv fest, dass die Personen aus der Gesamtbevölkerung, die 1972 auf Martinique auf Organochlorpestizide in ihrem Fettgewebe hin untersucht wurden, mit extrem hohen Werten von DDT, DDE, alpha, beta and gammaHCH, Aldrin und Dieldrin belastet waren.
 
Pestizide Ursache für Krebs auf Karibikinseln
Das französische Wissenschaftlerteam kam zu dem Schluss, dass dieses festgestellte wachsende Auftreten von Prostatakrebs weder durch ethnographische Faktoren oder durch veränderten Lebensstil herrühren kann. Vielmehr war es für die Wissenschaftler schlüssig, dass Umweltfaktoren, wie der intensive anhaltende Kontakt gegenüber kanzerogenen, mutagenen und für das Fortpflanzungssystem toxischen Pestiziden den Prostatakrebs bei den Bewohnern auf Guateloupe und Martinique verursachen.
 
Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 19.03.2009
 
Literatur:
Belpomme D, Irigaray P, Ossondo M, Vacque D, Martin M. Prostate cancer as an environmental disease: An ecological study in the French Caribbean islands, Martinique and Guadeloupe, Int J Oncol. 2009 Apr;34(4):1037-44

Tragen einer Schutzmaske in der City schützt vor Herzkrankheiten ausgelöst durch Autoabgase

Maske schützt vor Schadstoffen

Tragen einer Schutzmaske schützt besser als ein Tuch

Das Tragen einer Schutzmaske kann das Risiko für Herzerkrankungen durch Autoabgase reduzieren, fand ein schottisches Wissenschaftlerteam in einer aktuellen Studie heraus. Sie stellten fest, dass sich durch die Autoabgase die Arterien verhärten, was zu hohem Blutdruck und reduziertem Blutfluss zum Herzen führt. Das Tragen einer Schutzmaske konnte diesen negativen Effekt fast völlig aufheben.

Worst Case Szenario
Die schottischen Wissenschaftler nutzten für ihre Studie ein Worst Case Szenario, die chinesische Stadt Beijing, die für ihre extreme Luftverschmutzung bekannt ist. Durch die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele wurde viel über die dramatische Luftverschmutzung in dieser Stadt bekannt.

Die Forscher der University of Edinburgh stellten fest, dass das Tragen einer Schutzmaske im Straßenverkehr von Beijing die Auswirkungen der Abgase um rund 98% reduzierten.

Normaler Alltag in einer Stadt
Dr. Nicholas Mills, Leiter des Zentrum für Herzforschung an der University of Edinburgh, erläuterte, dass für diese Studie ein Dutzend junger Männer mit dem Rad durch die Stadt fuhren und dabei zwangsläufig durch Dieselabgase kontaminiert wurden. Nach einer Stunde verhärteten sich die Arterien der Fahrradfahrer und die Blutgefässe an ihren Handgelenken so sehr, dass sie die Fähigkeit verloren, sich auf- und zuzuziehen. Dies führte automatisch zu erhöhtem Blutdruck und reduziertem Blutfluss zum Herzen.

Herzkrankheiten durch Abgase
Der schottische Wissenschaftler erläuterte die hierdurch entstehende Gesundheitsgefahr: „Akute Exposition gegenüber Dieselabgasen steht in Zusammenhang mit einer unmittelbaren und vorübergehenden Verhärtung der Arterien. Dies kann, zumindest zum Teil, ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erklären, die mit Luftverschmutzung in Zusammenhang stehen.“

Masken sind unterschiedlich effektiv
Auf dem Markt gibt es unterschiedliche Schutzmasken, die für verschiedene Zwecke und Einsatzgebiete ausgelegt sind. Richtige Schutzmasken, wie Arbeiter sie an bestimmten Arbeitsplätzen tragen, erwiesen sich bei den Untersuchungen, die das Wissenschaftlerteam durchführte, als wesentlich effektiver gegenüber herkömmlichen Masken, wie sie beispielsweise von Fußgängern in Städten wie Beijing verwendet werden. Noch schlechter schnitt das Vorhalten eines Taschentuchs oder das Tragen einer normalen OP-Maske ab, sie erwiesen sich als völlig unzureichend.

Erste Studie zur Effizienz von Masken im Citybereich
Dr. Mills enthüllte bei der Bekanntgabe seiner Studienergebnisse eine sehr bedenkliche Tatsache. Seine Studie war die erste Studie, die die Effizienz von Schutzmasken in einer innerstädtischen Alltagssituation untersuchte, und das, obwohl solche Masken von Menschen in Städten mit starker Luftverschmutzung regelmäßig getragen werden. Auch Radler in Citys rund um die ganze Welt tragen oft Masken, um sich vor schädlichen Abgasen zu schützen.

Masken – günstig, effektiv
Beijing ist einer der am stärksten verschmutzen Städte der Welt, genau deshalb war diese Stadt ideal für diesen Forschungszweck. Mills berichtete, dass sich herausstellte, dass die effektivste Maske eine Staubmaske sei, wie sie von Arbeitern getragen wird, um Exposition gegen Stäube zu minimieren. Eine solche Maske konnte den Blutdruck selbst bei kurzer Tragezeit reduzieren. Die Masken seien jedoch nicht gedacht, um sich damit großartig körperlich zu betätigen, und seien deshalb für Radfahrer nicht unbedingt optimal, merkte der Wissenschaftler an. Für ihn war jedoch zweifelsfrei klar, das Tragen einer Maske in smogreichen Städten ist sehr hilfreich.

Tragen einer Maske generell sinnvoll?
Wie sehr das Tragen einer Maske im Zusammenhang mit Herzkrankheiten auch in weniger verschmutzten Regionen effizient sei, müsse noch ermittelt werden, merkte der schottische Wissenschaftler an. Dies zu untersuchen sei in jedem Fall sehr sinnvoll, denn eine deutsche Studie habe gezeigt, dass Menschen, die einen Herzanfall hatten, bevor ihre Symptome sich einstellten, häufig im Straßenverkehr gewesen waren. Patienten, die vor einem Herzanfall mindestens eine Stunde Straßenverkehr ausgesetzt waren, waren dreimal so häufig betroffen, wie die Patienten, die zuvor keinen Abgasen ausgesetzt waren.

Die Forschungsergebnisse des Wissenschaftlerteam der University of Edinburgh sprechen deutlich für das Tragen einer Schutzmaske im Innenstadtbereich, um Gesundheitsrisiken durch Abgase zu reduzieren.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 13.03.2009

Literatur:

Mills NL, Donaldson K, Hadoke PW, Boon NA, MacNee W, Cassee FR, Sandström T, Blomberg A, Newby DE., Adverse cardiovascular effects of air pollution, Centre for Cardiovascular Science, University, Nat Clin Pract Cardiovasc Med. 2009 Jan;6(1):36-44.

Lucking AJ, Lundback M, Mills NL, Faratian D, Barath SL, Pourazar J, Cassee FR, Donaldson K, Boon NA, Badimon JJ, Sandstrom T, Blomberg A, Newby DE., Diesel exhaust inhalation increases thrombus formation in man, Centre for Cardiovascular Science, University of Edinburgh, 1: Eur Heart J. 2008 Dec;29(24):3043-51.

US Hersteller nehmen toxische Babyflaschen vom Markt – Verkauf nach Europa geht weiter

Toxische Babyflaschen

In den USA haben die sechs größten Hersteller für Babyflaschen in der ersten Märzwoche mitgeteilt, dass sie den Verkauf von Fläschchen einstellen, die Bisphenol A (BPA) enthalten. (1) Der Druck von Konsumenten und Verbraucherorganisationen war immer stärker geworden. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass bei Babyflaschen aus Polycarbonat durch Erhitzung in der Mikrowelle erhebliche Konzentrationen BPA in die Nahrung übergehen. (2) Generalsstaatsanwälte aus vier U.S. Bundesstaaten hatten aufgrund der zunehmenden Fakten über die Toxizität von den größten Herstellern für Babyflaschen erbeten, die Chemikalien aus der Produktion zu verbannen.

Bisphenol A – Jeder ist betroffen
Bisphenol A ist eine Chemikalie, die großflächig in der Kunststoffproduktion eingesetzt wird. BPA gilt als gesundheitsschädlich, insbesondere, weil sie in das Hormonsystem des Körpers eingreift. Wissenschaftler warnen seit Jahren immer stärker davor, dass Bisphenol A bereits in geringster Konzentration gesundheitlich folgenreich sein kann. Insbesondere für Ungeborene, Babys und Kleinkinder ist sie sehr bedenklich. Die Chemikalie greift u.a. in die Zellfunktion ein und stört die Entwicklung des Gehirns.

Bisphenol A wird in der Industrie seit den fünfziger Jahren eingesetzt. Die Chemikalie kann in der Bevölkerung nahezu bei jedem im Urin nachgewiesen (3) werden, was ein Beleg dafür ist, dass BPA in extrem vielen Produkten enthalten ist. Über 90% der industrieunabhängigen Studien belegen, dass die Chemikalie Risiken für die Gesundheit birgt. Wissenschaftliche Studien ergaben, dass BPA neben der Wirkung auf das Hormonsystem u. a. Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs und Leberschäden auslösen kann.

Behörden in Deutschland & Europa: Keine Gefahr durch Bisphenol A
In Deutschland wurde durch Umweltorganisationen, Zeitungs- und Fernsehberichte über die Gefahren der Babyfläschchen aus Kunststoff hingewiesen. Die Organisationen und Medien informierten die Verbraucher detailliert über gesundheitliche Folgen. Offizielle Stellen hingegen gaben mehrfach Entwarnung und ließen verlauten, es bestünde keine Gefahr. (4,5,6)

Wie man von Behördenseite in der EU die Basis für die Entwarnung für die Chemikalie Bisphenol A schafft, konnten interessierte Leser bspw. in der Süddeutschen Zeitung erfahren. (3) Dort stand nachzulesen,  dass man in der EU die Grenzwerte für die Chemikalien um das fünffache erhöht habe. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA habe sich für die Heraufsetzung der Grenzwerte auf zwei Industriestudien berufen, die vom Interessenverband der Kunststoffhersteller bezahlt wurden.

Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung BfR konnte sich bisher zu noch keiner eindeutigen Warnung hinreißen, im Gegenteil, man ließ Ende letzten Jahres in deutscher und in englischer Sprache verlauten, dass gemäß dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Kenntnistand auf Babyflaschen aus Polycarbonat nicht verzichtet werden müsse. (4,5)

Der Deutsche Bundestag gab im November 2008 in einer offiziellen Meldung Entwarnung für die Bedenklichkeit von Babyflaschen, die Bisphenol A enthalten: (6)

„Berlin: (hib/HLE) Mehrere für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige nationale und europäische Einrichtungen sehen kaum Risiken durch den Kunststoffbestandteil Bisphenol A, der zum Beispiel in Behältern für Kleinkindnahrung enthalten ist.

In der Antwort der Bundesregierung (16/10759) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/10672) heißt es, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit habe in einer Studie 2008 darauf hingewiesen, dass auch Säuglinge und Kleinkinder über eine ausreichende Stoffwechselkapazität zur Eliminierung der Mengen an Bisphenol A verfügen, wie sie bei der Aufnahme von Flaschennahrung auftreten könnten, schreibt die Regierung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Gesellschaft für Toxikologie e.V. würden sich der Einschätzung der Europäischen Behörde anschließen. Aus den Studien ergebe sich, „dass oral aufgenommenes Bisphenol A schnell in Darm und Leber zu einem hormonell/östrogen unwirksamen Metaboliten verstoffwechselt und bei Primaten einschließlich des Menschen mit einer Halbwertszeit von weniger als sechs Stunden ausgeschieden wird“, erläutert die Regierung. „Daher ist derzeit nicht davon auszugehen, dass es zu einer Akkumulation von Bisphenol A im menschlichen Körper kommt“, erklärt die Regierung.“

Behördenmeinung zweitrangig – Hersteller handeln
In den USA wird von Behördenseite ebenfalls Unbedenklichkeit proklamiert. Doch trotz dass das FDA und der American Chemical Council (vertritt die Chemische Industrie) in den vergangenen Tagen wiederholt bekundeten, dass Bisphenol A sicher sei (6), haben nun die größten Hersteller von Babyflaschen in den USA in der ersten Märzwoche den endgültigen Beschluss verkündet, keine BPA-haltigen Babyfläschchen mehr zu verkaufen. (1)

Babyflaschen aus Polycarbonat waren in den vergangenen Jahren sehr populär geworden, weil das Material bruchfest und leichter als Glas ist. Zunehmend waren jedoch Bedenken durch Wissenschaftler, Verbraucherorganisationen und Konsumenten an die Hersteller herangetragen worden, was diese nun letztendlich zum Handeln zwang.

Völliger Sinneswandel und der Entschluss, den Verkauf BPA-haltiger Babyflaschen zu stoppen, trat ein, nachdem der Generalstaatsanwalt von Connecticut, Richard Blumenthal, zusammen mit Generalstaatsanwälten aus Connecticut, Delaware und New Jersey elf Hersteller von Babyflaschen anschrieben und um freiwilligen Verzicht auf die in Verruf geratene Chemikalie BPA in ihrer Produktion baten.

In USA und Kanada ade, in Europa weiterhin „Herzlich Willkommen“?
In Kanada steht Bisphenol A schon seit Oktober 2008 auf der Liste für toxische Substanzen. (8,9) Seit Mitte 2008 sind dort der Verkauf, die Herstellung und der Vertrieb von Babyflaschen aus Polycarbonat, die BPA enthalten, verboten.

Jetzt stehen BPA-haltige Babyflaschen seit vergangener Woche bei den sechs größten amerikanischen Herstellern auf der Liste für auslaufende Produkte.

Die Sprecherin des größten Babyflaschenherstellers, Phillips Avent, sagte öffentlich, dass dieser Entschluss gefasst wurde, weil man BPA nicht mehr verwenden wolle. Ein weiterer Hauptgrund sei auch gewesen, dass die größten U.S. Discounter für Baby- und Kinderartikel Druck ausgeübt und die Abnahme ihrer Produkte eingestellt hätten.

Die Phillips Avent Sprecherin gab in ihrem Statement abschließend bekannt, dass der Konzern BPA-haltige Produkte nach der Deadline 31. Dezember 2009 in Europa weiterhin verkaufen werde. (1)

Giftige Babyflaschen? „Nein Danke“
Europäische Verbraucherorganisationen sind nun aufgerufen, gegen eine Verklappung von gesundheitsschädlichen Bisphenol A-haltigen Babyflaschen auf dem Europäischen Markt zu protestieren.

Wie in den USA bewiesen, können Verbraucher mithelfen, die Hersteller durch rigorosen Kaufverzicht toxischer Babyflaschen unter Handlungszwang setzen, hierdurch könnte ein eindeutiges Signal gesetzt werden, dass die Gesundheit von Babys und Kindern grundsätzlich vor Marktinteressen zu stellen sind.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 9. März 2009

Literatur:

  1. Washington Post, No BPA for Baby Bottles in the U.S., March 6. 2009
  2. Silvia K. Müller, Mikrowelle löst die gefährliche Chemikalie Bisphenol-A aus Plastik, CSN Blog 25.11.2008
  3. Iain A. Lang, PhD; Tamara S. Galloway, PhD; Alan Scarlett, PhD; William E. Henley, PhD; Michael Depledge, PhD, DSc; Robert B. Wallace, MD; David Melzer, MB, PhD, Association of Urinary Bisphenol A Concentration With Medical Disorders and Laboratory Abnormalities in Adults, JAMA. 2008; 300(11):1303-1310, September 16, 2008
  4. BfR, Ausgewählte Fragen und Antworten zu Bisphenol A in Babyfläschchen, Aktualisierte FAQ vom 29. Januar 2007
  5. BfR, Why has bisphenol A not been banned? 6.6.2008
  6. Deutscher Bundestag, hib-Meldung 312/2008, Behörden sehen kaum Risiken durch Bis-Phenol-A, 12.11.2008
  7. Manufacturing News, FDA: Baby Bottles With Bisphenol A Are Safe, June 11, 2008
  8. Health Canada, Government of Canada Protects Families With Bisphenol A Regulations, Press Release, 17. Oct. 2008
  9. Die Welt, Bisphenol A – Kanada verbietet giftige Babyflaschen, 1. Mai 2008

Weitere CSN Artikel zur Thematik Bisphenol A

Mindestens 84% der Limonaden und Cola in Dosen mit Bisphenol A belastet

Bisphenol A in Limonaden

Limonaden und Cola in Dosen mit Bisphenol A belastet

Die kanadische Gesundheitsbehörde Health Canada hat gängige Limonaden, Cola’s und Energiedrinks analysieren lassen und stellte fest, dass mindestens 84% der Getränke in Dosen mit der im Körper Östrogen imitierenden Chemikalie Bisphenol A belastet sind. In 69 von 72 Getränkedosen wurde der Nachweis erbracht.

Bisphenol A – in einigen Bereichen bereits verboten
Bisphenol A (BPA) wurde bereits in Babyflaschen, Wasserflaschen und Getränkebecher aus Polycarbonat gefunden und führte in Kanada und Kalifornien zu deren Verbot. Jetzt untersuchte ein Labor für die kanadische Gesundheitsbehörde Getränkedosen und fand die stark in Verruf stehende Chemikalie BPA in signifikanter Dosis in den beliebten Dosengetränken. Bisher hatte noch niemand nach dieser Chemikalie in Limonaden gesucht. Die Innenbeschichtung der Getränkedosen ist mit der Chemikalie BPA beschichtet, um den Kontakt des Getränks mit dem Metall der Dose zu verhindern, weil vor allem säurehaltige Getränke das Metall angreifen können.

Limonaden in Dosen fast alle belastet
Health Canada ließ von einem Speziallabor 72 verschiedene Getränke in Dosen analysieren. Außer vier Getränken, Ice Tea’s, waren alle anderen Getränke kohlensäurehaltig. Die ausgewählten Limonaden, Cola, Energiedrinks, Fruchtsaftgetränke deckten etwa 84% der Vielfalt des kanadischen Marktes ab, um einen objektiven Überblick zu erlangen. Außer in zwei Tonic Water und einem Energiedrink war in allen Getränke in Dosen Bisphenol A nachweisbar.

Am höchsten waren Energiedrinks mit Bisphenol A belastet. Sie werden vor allem von Jugendlichen gerne getrunken. Auch viele Erwachsene lieben den munter machenden Kick der Energiedrinks.

Viele Faktoren haben einen ausschlaggebenden Einfluss
Health Canada prangerte bewusst keine Marken an, weil die Konzentrationen in einem Getränk durch verschiedene Faktoren stark variieren können. Sie ist u.a. starken Schwankungen durch die Art der Sterilisation der Getränkedosen und die dabei entstehende Temperatur abhängig und natürlich auch durch den Transport und die Lagerung. Wenn hierbei bestimmte Temperaturen überschritten werden, ist eine höhere Freisetzung von BPA in das Getränk zu erwarten. Eine Getränkedose, die in einem Kiosk in heißer Sonne stand, wird höhere Werte aufweisen, als eine Dose, die gekühlt in einem Laden stand.

Gesundheitsgefahr durch Getränke in Dosen?
Health Canada und die Getränkeindustrie spielen die Untersuchungsergebnisse bisher herunter. Die BPA Konzentrationen in den Getränken seien relativ gering und lägen unter Grenzwert. Ein Vertreter der Getränkeindustrie interpretierte das Untersuchungsergebnis sogar als Bestätigung für die Sicherheit der Verpackungen für Getränke.

Geringe Dosis BPA bereits bedenklich
Unabhängige Wissenschaftler und Umweltorganisationen hingegen warnen schon lange vor den Auswirkungen von Bisphenol A auf die Gesundheit. Für sie gibt es keine „sichere“ Dosis bei dieser Chemikalie, die in das Hormonsystem eingreift.

Natürliches Östrogen zirkuliert in sehr geringer Konzentration im menschlichen Körper, die sich im Bereich Parts per Trillion bewegt. Die Konzentration der Östrogen imitierenden Chemikalie BPA, die in einer einzigen Getränkedose enthalten sein kann, liegt ungefähr bei der Hälfte eines Parts per Billion. Dieser Wert ist somit ungefähr fünfhundertmal höher als die Konzentration des natürlichen Östrogens, das sich im menschlichen Körper befindet.

BPA kann in fast allen Nahrungsmitteln, die in Dosen oder Plastikfolie verpackt sind, nachgewiesen werden. Zu bedenken gilt, dass durch deren regelmäßigen Konsum sich die Konzentration der Chemikalie im Körper aufaddiert.

Konsument muss sich vorerst selbst schützen
Der Verbraucher ist vorerst auf sich alleine gestellt. Alternativ zu Getränken aus Dosen ist es sicherer, Limonaden, Cola und Energiedrinks nur aus Glasflaschen zu konsumieren, bis unschädliche Beschichtungen als Alternative zu Bisphenol A gefunden worden sind. Auch auf die Benutzung von Getränkebechern aus Polycarbonat, in denen die Chemikalie ebenfalls enthalten ist, sollten gesundheitsbewusste Personen gänzlich verzichten. Vor allem, wenn heiße Getränke eingefüllt werden, oder wenn der Becher durch Sonneneinstrahlung warm wird, tritt BPA aus und geht in das Getränk über. Alternativ für Polycarbonatbecher können Edelstahlbecher für den Getränkekonsum unterwegs verwendet werden.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 6. März 2009

Literatur:
Health Canada, Survey of Bisphenol A in Canned Drink Products, A WHO Collaborating Centre for Food Contamination Monitoring, March, 2009

CSN-Blog Top 10 – Die beliebtesten Artikel im Februar

Top, die März Top 10 

 

Die Top 10 Artikel im CSN-Blog im Monat Februar 2009

 

Dass der Artikel über den Club Watt, Nummer Eins in den Top 10 Charts des Monats Februar geworden ist, hat einen Grund. Thommy, der Autor des Artikels, hatte die spontane Idee eine Party im Kommentarbereich seines Blogartikels zu starten und schon bebte im CSN-Blog regelrecht der Boden – in 71 Kommentaren heizten Blogmitglieder als DJ’s mit Musikvideos und House Music die Stimmung an, das immer mehr Besucher herbeiströmten um mitzufeiern. Die nachfolgenden Artikel wurden von den CSN- Bloglesern im Monat Februar am häufigsten gelesen: 

  1. Club Watt – innovatives Energiespar-Konzept 

  2. Triclosan 

  3. Medikamentenunverträglichkeit bei Patienten mit MCS – Multiple Chemical Sensitivity häufig 

  4. Umweltkranke haben definitiv keine „Lifstyle-Erkrankung“, Herr Dr. Harth 

  5. Die Psychiatrisierung von MCS-Kranken stellt in Deutschland den Tatbestand der Diskriminierung körperlich Behinderter dar 

  6. Umweltmedizin: Dr. Martin Pall bringt MCS in Standardwerk der Toxikologie ein 

  7. Neuropsychiatrische Maskerade – Die Psyche ist nicht immer Ursache für psychische Symptome 

  8. MCS Refugium – Traumhaftes Ferienziel in der Schweiz für Chemikaliensensible 

  9. Frei nach Ernst Neger: Heile, heile… 

  10. ADHS und Allergien – begünstigt durch Farbstoffe in Lebensmitteln?