Archiv der Kategorie ‘MCS, Multiple Chemical Sensitivity‘

Weltweiter Aufklärungsmonat über Chemikalien-Sensitivität und toxisch bedingte Schädigungen

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Chemikalien-Sensitivität kann jeden treffen, ganz gleich welche Nationalität, welches Alter, welche Hautfarbe, Schulbildung oder sozialen Status er hat

Aufklärung über Chemikalien- Sensitivität nahm eine positive Wende, als der Gouverneur des US  Bundesstaat Connecticut, John G. Rowland, 1998 erstmals offiziell festlegte, dass  in Zukunft in seinem Bundesstaat im Monat Mai ganz besondere Aufklärung über die Wirkung minimaler Konzentrationen von Alltagschemikalien auf chemikaliensensible Menschen betrieben werden solle.

Gouverneur Rowland war sich sehr bewusst, dass es von hoher Wichtigkeit ist, über das Schicksal toxisch geschädigter und chemikaliensensibler Menschen aufzuklären, da deren Leben in erster Linie von der Hilfe und dem Verständnis anderer Mitmenschen abhängt. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist eine regelrechte Aufklärungsbewegung daraus entstanden, und weltweit wird in diesem Monat über Chemikalien-Sensitivität (MCS) und toxische Schädigungen berichtet, außerdem finden vielfältige Aktionen statt. In Deutschland sind Patientenorganisationen im Mai besonders aktiv, auch einzelne Chemikaliensensible treten aus dem Schattendasein heraus.

US Gouverneure setzen sich ein

Seit 1998 findet in den USA jährlich im Mai gezielte Aufklärung über toxische Schädigungen, deren Vermeidungsmöglichkeiten und Chemikalien-Sensitivität (MCS) statt. Insgesamt 37 Gouverneure (entsprechen dt. Ministerpräsidenten) verschiedener Bundesstaaten riefen hierzu mit ihren mit eindrucksvollen Staatssiegeln versehenen Proklamationen im vergangenen Jahr auf. Die Gouverneure wollen vor allem auf die Wichtigkeit wissenschaftlicher Forschung und darauf, wie toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität in der Zukunft zu vermeiden sind, aufmerksam machen. In diesem Jahr haben bereits 26 Gouverneure ihr Staatssiegel unter eine Proklamation für MCS/Toxische Schädigungen gesetzt und unterstützen die Erkrankten in diesem Monat mit besonderer Aufklärung. Einige weitere Proklamationen sind zugesagt.

Amerikanische Gouverneure unterstützen auch 2008 Menschen mit Chemikalien-Sensitivität und toxische Schädigungen

Im vergangenen Jahr wurden von CSN alle deutschen Ministerpräsidenten angeschrieben und gebeten, den Aufklärungsmonat für Chemikalien – Sensitivität und toxische Schädigungen zu unterstützen, damit auch in unserem Land Chemikaliensensible und toxisch Geschädigte mehr Verständnis und Hilfe erfahren können. Leider war, trotz der den Anschreiben beigefügten Informationen über die Schwere und den Umfang der Erkrankungen, die Resonanz gering, und die Antworten aus Rheinland-Pfalz, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern deuten an, dass Wissen und Verständnis für Chemikalien induzierte Erkrankungen hierzulande bisher kaum vorhanden sind.

Deutsche Ministerpräsidenten gegenüber Chemikaliensensiblen passiv

Europa ist aktiv im Mai

In internationaler Kooperation wurde ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Fallbeispiele von chemikaliensensiblen Menschen aus den verschiedensten Ländern bei einem internationalen Kongress in Spanien präsentiert werden. Es wird ein Buch aus den Berichten entstehen, das verdeutlicht, dass überall Menschen betroffen sind, dass Chemikalien-Sensitivität keine Erkrankung einer Minderheit ist, und wie groß die Einbußen der Erkrankten auf allen Ebenen sind. Auch in Deutschland und der Schweiz beteiligen sich verschiedene Organisationen mit gezielten vielfältigen Veröffentlichungen über Chemikalien-Sensitivität und Aktivitäten an der Aufklärungskampagne.

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Einige der Organisationen erstellten Flyer zum Verteilen, andere gestalteten Buttons (SHG Ludwigsburg & Stuttgart), arrangierten Vorträge, Fernsehbeiträge und Zeitungsberichte oder berichten auf ihren Webseiten in diesem Monat auf hochinformative Weise fast täglich Neues über Chemikalien-Sensitivität und über Menschen, die durch Chemikalien in ihrem Alltag krank wurden. Angestrebtes Ziel ist es, in Europa ebenfalls etwas mehr Verständnis für die Chemikaliensensiblen zu erhalten, da dies für Erkrankte unmittelbar mit weniger Schmerzen, mehr Lebensqualität und Möglichkeiten, am normalen Leben teilzunehmen, einhergeht.

Aktiv werden mit der Broschüre über Chemikalien-Sensitivität

CSN hat für den Monat Mai viele Blogs mit außergewöhnlichen Informationen vorbereitet und stellt als Auftakt die neue CSN Broschüre über Chemikalien-Sensitivität vor, die jeder in seinem Umfeld verbreiten kann, um über die Erkrankung zu informieren und Bewusstsein für die Erkrankten zu schaffen.

Wir wünschen allen viel Erfolg!

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. Mai 2008

Weitere Informationen über Aktionen, informative Berichte über Chemikaliensensitivität, etc. finden Sie auf der Webseite von CSN – Chemical Sensitivity Network und im CSN Forum.

Biochemische Anomalien bei Patienten mit MCS

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Verminderte Entgiftungsfähigkeit und Nährstoffdefizite sind in der Lage, bei Patienten mit Chemikalien-Sensitivität als Promotor bei der Entstehung der Erkrankung wie auch in deren Verlauf zu fungieren und sorgen mit dafür, dass sich MCS Erkrankte in der Regel ständig krank fühlen. Gezielte Nährstofftherapie führt bei einem Teil der Patienten zu deutlicher klinischer Verbesserung, auch in der Entgiftungsleistung.

Chemikalien-Sensitivität nicht mit Allergien vergleichbar
Patienten mit Chemikalien – Sensitivität (MCS) zeigen zahlreiche physiologische und biochemische Anomalien und sind generell kränker, als eine Kontrollgruppe von Allergiepatienten, berichtet L. Galland in Occupational Medicine, der amerikanischen Fachzeitschrift für Arbeitsmedizin.

Anomalien feststellbar
Galland bringt vor, dass MCS mit spezifischen Anomalien des Aminosäuren- und Fettsäurenstoffwechsels, sowie verminderter Aktivität von ESOD (Superoxide Dismutase in den Erythrozyten) und eGPX (extrazelluläre Glutationperoxidase), Mitralklappenprolaps Syndrom, Schilddrüsenunterfunktion und autoimmuner Schilddrüsenentzündung assoziiert wird. Galland stellte in seiner Studie weiterhin fest, dass bei MCS Patienten und Kontrollpersonen mit Allergien Magnesium- und Vitamin B6-Defizite gleich häufig auftreten.

Eins kommt zum anderen
Da sich Chemikaliensensible fast immer krank fühlen, ist es wahrscheinlich, dass einige dieser Anomalien zu ihrem generell schlechten Gesundheitszustand beitragen, wenn nicht auch zu ihren Sensitivitäten. Galland stellte die Hypothese auf, dass es ebenfalls möglich sei, dass diese verschiedenen Anomalitäten durch eine unidentifizierte fundamentale metabolische- oder neuroendokrine Störung verursacht werden, die mit Hypersensitivitätszuständen gemeinsam einhergeht.

Ergebnisse zum Nachdenken
Ein provokantes Ergebnis ist die große Häufigkeit, mit der verminderte Konzentrationen von Antioxidantien gefunden wurden. Ebenfalls signifikant war, dass die Erythrozytenaktivität von SOD bei 89% und eGPX bei 48% der MCS-Patienten erniedrigt war. Des Weiteren zeigten 41% der MCS- Patienten eine verminderte Ausscheidung essentieller Aminosäuren, trotz einer proteinreichen Diät. Vitamin C in Leukozyten war hingegen nur bei 5 Patienten erniedrigt, die kein zusätzliches Vitamin C einnahmen.

Therapien statt Ignoranz gegenüber Patienten erfolgreich

Galland vertritt, basierend auf seinen Studienergebnissen, wie viele Umweltmediziner weltweit die Auffassung, dass Mangel an Antioxidantien zu Hypersensitivität gegenüber Umweltschadstoffen und toxischen Chemikalien beitragen kann. Tatsächlich wurde eine Behandlung, die die Gabe von Antioxidantien, Selen, Vitamin C, Kupfer, Zink, sowie schwefelhaltigen Aminosäuren umfasste, von deutlichen klinischen Verbesserungen bei 25% der Patienten in der MCS- Gruppe und von begrenzter symptomatischer Besserung bei weiteren 18% begleitet. Bei allen Patienten, bei denen ESOD oder eGPX erneut bestimmt wurden, wurde im Anschluss an die Behandlung eine Verbesserung der Konzentration beobachtet. Die Möglichkeit, chemikaliensensiblen Patienten adäquate Diagnostik und darauf aufbauende individuelle Therapie zugänglich zu machen, ist daher als sinnvoll zu erachten und sollte gezielt forciert werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, April 2008

Literatur: Galland L., Biochemische Anomalien bei Patienten mit MCS, Occup. Med. 1987 Oct-Dec;2(4):713-20.

Chemikaliensensitivität durch Lösemittel

Lösungsmittel - oft Krankmacher am ArbeitsplatzAn vielen Arbeitsplätzen erkranken die Angestellten durch Lösemittel, sie können deren Leistungsfähigkeit erheblich mindern oder sogar zu Arbeitsunfähigkeit führen. Die Forschungsgruppe Allergie und Asthma, geleitet von der schwedischen Wissenschaftlerin Prof. Dr. Eva Millqvist, untersuchte für die Universität Göteborg Personen, die an ihrem Arbeitsplatz Lösemitteln ausgesetzt waren, und konnte gegenüber einer Kontrollgruppe Chemikaliensensitivität und einen Anstieg des Nervenwachstumsfaktor objektivieren. Provokationsgestützte PET Studien sicherten das Ergebnis zusätzlich ab.

Atemwegsbeschwerden durch Chemikalien

Lösemittel sind in vielen Fertigungs-prozessen und an zahllosen Arbeitsplätzen vertreten. Oft ist der Schutz unzureichend, und nach einer Weile treten gesundheitliche Beschwerden auf. Es müssen keine hohen Konzentrationen erreicht werden, damit bestimmte Lösemittel sensibilisieren oder Schäden am Nervensystem verursachen. Auf Dauer wirkt sich stetiger Kontakt im Niedrigdosisbereich ähnlich aus.

Atemwegssymptome verursacht durch Chemikalien oder Gerüche, gehören zu den gängigen Beschwerden, die auch nach Kontakt mit Substanzen berichtet werden, die normalerweise als ungiftig gelten. Die schwedische Wissenschaftlerin Eva Millqvist veröffentlichte ganz aktuell eine Studie, in die sie Erkenntnisse aus einer Recherche über Mechanismen einer erhöhten Atemwegssensitivität gegenüber Gerüchen und Chemikalien am Arbeitsplatz einfließen ließ.

Krankmacher Arbeitsplatz

Millqvist stellte fest, dass Personen, die an ihrem Arbeitsplatz organischen Lösemitteln ausgesetzt waren, öfter nasale Irritationen und geringere Schwelle gegenüber dem Geruch von Pyridin, verglichen mit einer nicht exponierten Kontrollgruppe, aufwiesen. Diese über die Atemwege ablaufende, durch Chemikalien ausgelöste Symptomatik kommt relativ häufig vor. Alleine in Schweden weisen rund sechs Prozent der Allgemeinbevölkerung eine deutliche, speziell über die Atemwege ablaufende Chemikaliensensitivität auf und leiden unter einer verstärkten Capsicain Hustensensitivität, die dafür bekannt ist, die Reaktivität sensorischen Nerven der Atemwege zu reflektieren.

Abgesicherte Studienergebnisse

Die Hustensensitivität der am Arbeitsplatz Lösemittel ausgesetzten Angestellten war laut der schwedischen Wissenschaftler assoziiert mit veränderten Werten von Nervenwachstumsfaktoren im Nasensekret. Die Patienten hatten lang anhaltende Symptome, die ihre Arbeitsleistung negativ beeinträchtigten. PET Studien (Positronen Emissionstomographie) begleitet von Provokation mit mehreren verschiedenartigen Duftstoffen zeigte bei den Patienten mit geruchsassoziierten Symptomen einen Anstieg in der Aktivierung des vorderen gürtelförmigen Cortex und des Cuneus-Precuneus. Diese abnormalen Muster wurden nur bei Aktivierung durch Gerüche beobachtet, ansonsten blieb sie aus.

Chemikaliensensitivität nicht psychisch

Prof. Millqvist stellte bei einer Teilgruppe, die unter Chemikalien und durch Gerüche verursachte Atemwegssymptomatik litt, fest, dass den Reaktionen ein sich dauerhaft auswirkender physiologischer Mechanismus zugrunde zu liegen scheint. Nur in wenigen Ausnahmefällen könne sich Stress noch als zusätzlicher Störfaktor auswirken.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, April 2008

Literatur: Millqvist E., Mechanisms of increased airway sensitivity to occupational chemicals and odors, Asthma and Allergy Research Group, Department of Respiratory Medicine and Allergy, Sahlgrenska Academy at Göteborg University, Göteborg, Sweden. Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2008 Apr;8(2):135-9.

Jugendliche häufig an Chemikaliensensitivität erkrankt

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Chemikaliensensitivität bei Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das kaum Erwähnung findet in der Öffentlichkeit. Doch sie existieren, die Kinder und Jugendlichen, die auf Alltagschemikalien wie Parfum, Lacke, Zeitungen, Abgase, etc. mit zum Teil schweren körperlichen Symptomen reagieren. Schwedische Wissenschaftler fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass Chemikaliensensitivität bei Jugendlichen mit 15,6% fast genauso häufig wie bei Erwachsenen auftritt. Die Folgen sind weitreichend, denn in Schulen und beim Start ins Berufsleben wird kaum Rücksicht auf sie genommen. Zusätzlich sind Kinder und Jugendliche durch ihre Krankheit zwangsläufig sozial ausgegrenzt.

Jugendliche kooperativ gegenüber Wissenschaftlern
Die schwedische Wissenschaftlerin Prof. Eva Millqvist beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Chemikaliensensitivität. Sie konnte in mehreren Studien belegen, dass die Erkrankten körperlich auf minimale Konzentrationen von Alltagschemikalien, wie beispielsweise Parfum, reagieren. Aktuell untersuchte Millqvist und ihr Team eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Gruppe von 401 Teenagern. Sie schickten den Jugendlichen Fragebögen zu und luden anschließend eine Teilgruppe von 85 Teenagern zu einem speziellen Capsaicin Inhalationstest ein. Die Teilnahmebereitschaft der jungen Leute war hoch, 81,3% beantworteten die Fragen bezüglich Sensibilität gegenüber Chemikalien und Lärm, sowie Ängsten und Depressionen.

Chemikaliensensitivität erschreckend häufig bei Jugendlichen
Die von den Wissenschaftlern ermittelte Häufigkeit für eine Chemikaliensensitivität bei Jugendlichen lag bei 15,6%. Eine hohe Zahl, die Konsequenzen nach sich ziehen müsste, denn bisher wird in europäischen Ländern an Schulen kaum ein Augenmerk auf chemikaliensensible Schüler gerichtet oder gar Rücksicht auf sie genommen. In den USA und Kanada hingegen ist man sich der Existenz dieser Problematik durchaus bewusst, und es gibt zahlreiche Schulen und Universitäten, an denen ein striktes Duftstoffverbot besteht und die auf Chemikalien verzichten, wo immer es möglich ist. Sind bei Renovierungsarbeiten doch ausnahmsweise chemikalienhaltige Materialien erforderlich, geben solche Bildungseinrichtungen frühzeitig Warnungen heraus oder sperren die betreffenden Areale. Solches Entgegenkommen und ein chemikalienfreies Umfeld ermöglicht es den kranken jungen Menschen, ihre Intelligenz zu entfalten, in die Gemeinschaft integriert zu sein und einer eigenständigen Zukunft entgegen gehen zu können.

Psyche nebensächlich beteiligt
Millqvist und ihr Team gingen auch der Frage nach, ob die Psyche eine Rolle bei den Chemikaliensensiblen spielt, fanden jedoch nur bei 3,7% der Jugendlichen affektive und Verhaltensänderungen. Wobei nicht beurteilt werden kann, ob die psychische Komponente nicht als Resultat der weitreichenden Restriktionen, denen diese jungen Menschen durch ihre limitierende Erkrankung zwangsläufig unterworfen sind, gelitten hat. Denn statt eine unbeschwerte Jugendzeit unter Gleichaltrigen, Selbstfindung und Ausloten von persönlicher Freiheit erleben zu dürfen, sind chemikaliensensible Jugendliche von vornherein zwangsisoliert, und ihnen sind krankheitsbedingt die Flügel gestutzt. Somit müssen auch psychische Folgeerscheinungen einkalkuliert werden. Sensorische Hypersensibilitäten spielten eine eher untergeordnete Rolle, sie lagen nur bei etwa einem Prozent der Jugendlichen vor, deuten jedoch an, dass Überlappungen bei Umweltkrankheiten existieren.

Jugendlichen eine Zukunft sichern
Die Ergebnisse der aktuellen Millqvist Studie fordern ein zügiges Umdenken, weil Jugendliche mit schwerer Chemikaliensensitivität meist weder Schule, noch Ausbildung oder Studium beenden können und infolgedessen ein Leben lang stark benachteiligt bis ausgegrenzt sein werden. Gesundheitliche Stabilisierung ist selten zu erwarten, da adäquate Behandlung von Chemikaliensensiblen in der Regel nicht angeboten wird und Rücksichtnahme, obwohl die Krankheit beispielsweise in Deutschland als Behinderung anerkannt ist, nicht stattfindet. Somit ist es chemikaliensensiblen Jugendlichen meist nicht möglich, einen Beruf zu ergreifen, womit ihnen auch jeglicher Anspruch auf Leistungen aus Sozialversicherungen fehlt. Wer keine vermögenden Eltern hat, ist verloren und muss nicht selten aufgrund seiner Krankheit ein Leben unterhalb der Armutsgrenze führen. Die Ergebnisse der schwedischen Studie zwingen zu einem raschen Kurswechsel, um jungen Chemikaliensensiblen zu helfen und auch, um schwerwiegende sozioökonomische Folgen zu verhindern.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, April 2008


Literatur:
Andersson L, Johansson A, Millqvist E, Nordin S, Bende M., Prevalence and risk factors for chemical sensitivity and sensory hyper reactivity in teenagers, Int J Hyg Environ Health. 2008 Apr 8

Multiple Chemical Sensitivity (MCS) und Sick Building Syndrom (SBS) im Mäuseversuch bestätigt

MäuseversuchInternationale Studien haben mehrfach gezeigt, dass etwa 15 % der Allgemeinbevölkerung unter Chemikal-iensensitivität (MCS) leidet. Der dadurch entstehende wirtschaftliche Schaden geht in die Milliardenhöhe.


Deuten Menschen jedoch an, durch Schadstoffe im Innenraum oder durch Alltagschemikalien krank geworden zu sein, wird ihnen oft kein Glauben geschenkt. Ihre Beschwerden werden bagatellisiert und gerne auf die Psyche geschoben, der Grund liegt auf der Hand: Kostenabwehr.


Moderne Schadstoffanalytik ist mittlerweile jedoch in der Lage, Aufschluss zu bringen. Ein Labor in den USA konnte bei Mäusen ähnliche Reaktionen und Sensitivitäten nach Inhalation von flüchtigen Innenraum-schadstoffen feststellen, wie man sie von Chemikaliensensiblen kennt. Den Versuchstieren kann jedoch im Gegensatz zu Menschen keine Simulation unterstellt werden.

Mäuse brauchen kein Geld
Anderson Laboratories ist ein renommiertes Labor in Vermont in den USA, das sich seit über zwei Jahrzehnten auf Schadstoffanalytik spezialisiert hat. Das besondere an diesem Labor sind Tierversuche im Doppel- oder Trippelblind Verfahren, die zur Beweisführung dienen, dass bestimmte Materialproben toxische Inhaltsstoffe enthalten. Die von Menschen beklagten Reaktionen werden sehr oft bei den Labormäusen nachgewiesen. Die Versuche werden bei Anderson Laboratories mittels Video aufgezeichnet und im Doppelblindversuch abgesichert. Gerade dann, wenn behauptet wird, dass beispielsweise Angestellte in einem Büro gar nicht krank sein können durch die Ausgasungen eines giftigen Teppichbodens und nur hysterisch sind, kann ein solcher Test sehr anschaulich verdeutlichen, dass Emissionen des besagten Teppichbodens sehr wohl Reaktionen hervorrufen können. Für solche Versuche wird Luft über eine Teppichbodenprobe in ein abgeschlossenes Glas-Terrarium geblasen, in dem sich die Versuchtiere befinden. Nicht selten tritt bei solchen Versuchen sogar das Ableben der Versuchstiere ein. Gleichzeitig zu den Tierversuchen werden Screenings durchgeführt, die analysieren, um welche Schadstoffe es sich handelt. Für Personen, die sich in Gerichtsverfahren befinden, kann eine solche Analytik und Tierversuchsreihe ausschlaggebend sein, denn Labormäusen ist keine Hysterie, Geldnot, Simulantentum, etc. anzuhängen.

Alltagschemikalien lösen sensorische und pulmonale Irritationen aus
Viele Symptome, die bei MCS und Sick Building beschrieben werden, berichtet das Anderson Team, ähneln den Symptomen, von denen man weiß, dass sie durch flüchtige irritierende Chemikalien eintreten. Insbesondere Reizungen von Augen, Nase und Rachen sind häufig bei SBS, MCS und sensorischer Irritation (SI). Auch Atembeschwerden werden bei SBS, MCS und pulmonaler Irritation (PI) sehr häufig beobachtet.

Mäuse reagieren auf Weichspüler, Wegwerfwindeln, Parfüm…
Anderson Laboratories klärte in der vorliegenden Studie die Fragestellung, ob Innenraumschadstoffe sensorische und / oder pulmonale Irritationen hervorrufen können. Dazu atmeten die Mäuse der Versuchsreihe eine Stunde lang die verdünnten flüchtigen Emissionen von Raumluftspray, Weichspüler, Parfüm und Schaumstoffmatratzen ein. Währenddessen konnten bei den Versuchstieren zahlreiche Kombinationen von sensorischen und pulmonalen Irritationen, als auch Verminderung der Atmung (analog einer Asthmaattacke) gemessen werden. Luftproben, die in Räumlichkeiten genommen wurden, in denen Menschen sich wiederholt über schlechte Luftqualität beschwerten, verursachten ebenfalls sensorische und pulmonale Irritationen und Verminderung der Atmung bei den Mäusen. (Anm.: die Mäuse waren zuvor auf funktionale Ausfälle hin untersucht worden). Bereits in vorherigen Studien hatte Anderson Laboratories schon zahlreiche neurologisch bedingte Verhaltensänderungen nach Expositionen gegenüber Emissionen von Produkten oder Luft aus einer angeschuldigten Räumlichkeit bei den Versuchsmäusen dokumentieren können. Solche neurologischen Beschwerden sind vordergründiger Teil der Symptomatik bei SBS und MCS Patienten. Anderson Laboratories empfiehlt anhand der veröffentlichten Daten, dass SBS und MCS als sensorische Irritation, pulmonale Irritation und Neurotoxizität beschrieben werden kann. Denn all diese Beschwerden können von flüchtigen irritativen Chemikalien verursacht werden, die beispielsweise aus herkömmlichen Alltagsprodukten ausgasen und in belasteter Innenraumluft vorgefunden werden.

Chemikaliensensitivität bei Mäusen beobachtet
Bei einigen der verabreichten Chemikalienmischungen (z.B. Emissionen einiger Weichspüler, Wegwerfwindeln und Vinylmatratzenschoner) traten stärker werdende sensorische Irritationen auf (2-4fach), wenn sie in einem Zeitraum von 24 Stunden zwei- bis dreimal pro Stunde in Serie verabreicht wurden. Bei anderen Chemikaliengemischen (z.B. Emissionen eines Duftsteins) trat diese Wirkung nicht auf. Obwohl bei jeder Exposition der Stimulus bei den Versuchstieren gleich war, steigerte sich jedoch das Ausmaß der Reaktion der Tiere, was die Wissenschaftler als veränderte Sensibilität bei den Mäusen gegenüber diesen Chemikalien deuteten. Diese Reaktion sei nicht als generalisierte Stressreaktion zu deuten, bekundeten die Wissenschaftler aus Vermont, da die Reaktionen bei den Tieren eben nur bei bestimmten Mischungen von irritativen Stoffen auftraten und bei anderen eben nicht. Dies sei eindeutig eine spezifische Reaktion gegenüber einer Mischung einer bestimmten flüchtigen Chemikalie.

Erfolgsversprechendes MCS Forschungsmodell
Diese Studie von Anderson Laboratories ist eines der wenigen Male in der MCS Forschung, dass Wissenschaftler wirklich beides, die Intensität eines Stimulus und das Ausmaß der Reaktion, messen konnten, womit es ihnen in der Tat gestattet ist, eine Diskussion über Sensitivitätsänderungen zu führen.
Die Veränderung der sensorischen Irritation bei den Mäusen könnte als Forschungsmodell dafür dienen, wie Menschen eine sich steigernde Sensitivität gegenüber Schadstoffen entwickeln. Ein intensives Studieren dieses sich darbietenden Systems sollte in der Lage sein, sehr viel darüber herauszufinden, wie Menschen auf Schadstoffe reagieren und wie sich ihre Sensitivität gegenüber flüchtigen irritativen Chemikalien verändert.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, April 2008

Literatur: Anderson RC, Anderson JH., Sensory irritation and Multiple Chemical Sensitivity, Toxicol Ind Health. 1999 Apr-Jun;15(3-4):339-45.

Schwedische Behörden verbieten Duftstoffe in Krankenhäusern

antiduftstoffzeichen-ii.jpgNachdem es in den USA und Kanada bereits viele Krankenhäuser, Schulen und Universitäten gibt, die Duftstoffe wie Parfüm, Deo, After Shave, Weichspüler, etc. verbieten, soll nun auch in Schweden Vernunft zum Wohle der Gesundheit eintreten. Insbesondere sollen Personen mit Allergien und Multiple Chemical Sensitivity (MCS) durch ein Duftstoffverbot geschützt werden. Diese Personengruppen erleiden bei minimalem Kontakt bereits leichte bis sehr schwere Symptome, die von Kopfschmerzen, Hautreaktionen, asthmatischen Beschwerden bis zu Schockreaktionen reichen können.

Der Grund des Duftstoffverbotes besteht darin, dass ca. 6% der Bevölkerung Schwedens bereits unter einer Hypersensibilität gegenüber Duftstoffen leidet. Das kommt bisherigen amerikanischen und kanadischen Erhebungen nahe, auch dort leiden immer mehr Menschen unter körperlichen Beschwerden, wenn sie mit Duftstoffen bereits in geringer Konzentration in Kontakt kommen. Dies hat sogar ganze Städte, bspw. Flagstaff oder Calgary, dazu bewogen, den Duftstoffen den Kampf anzusagen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Duftstoffindustrie steht sofort Gewehr bei Fuß und versucht mit Gegenkampagnen solche Bestrebungen zu unterbinden.

In der Region Göteborg werden von dem geplanten Duftstoffverbot in Krankenhäusern etwa 50.000 Angestellte betroffen sein, hinzukommen Patienten, die in den medizinischen Einrichtungen Behandlung bekommen. Eine sinnvolle Maßnahme, wenn man bedenkt, dass viele Parfüms aus mehreren Hundert chemischen Einzelsubstanzen bestehen, die kranke Menschen leichter beeinträchtigen und deren Genesung verzögern oder in Frage stellen können.

In Deutschland steht man Duftstoffverboten bisher konträr gegenüber. Außer drei Warnmeldungen des Umweltbundesamtes erfuhren Allergiker und MCS Erkrankte bisher keine Unterstützung. Im Gegenteil, die Zahl der öffentlichen Gebäude und Krankenhäuser, die Duftvernebler installieren, nimmt zu, sehr zum Leidwesen von Menschen, die auf diese Duftstoffchemikalien reagieren.

Die Krankenhausbehörde von Göteborg/Schweden bereitet derzeit einen Maßnahmenkatalog vor, der Duftstoffverboten in den USA nachkommt. Parfüms und andere stark duftende Produkte des persönlichen Bedarfs sollen in Krankenhäusern verboten werden. Insgesamt 49 Gemeinden in der Region Göteborg streben die Einführung eins vollständigen Duftstoffverbotes an, war von der schwedischen Online Zeitung „The Local“ zu erfahren.


Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, März 2008

Umweltkranke: Jetzt glauben sie mir endlich!

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Es ist erschütternd wie sehr Chemikaliensensible und Umweltkranke darunter leiden müssen, wie mit ihnen umgegangen wird. Höhnische Bemerkungen, Belächeln oder direktes Anzweifeln der Existenz ihrer Krankheit, ist für viele Erkrankten der traurige Alltag. Wenn ich mit Umweltkranken am Telefon spreche, berichtet man mir von ungerechter Behandlung, Schikanen und direkter Diskriminierung.

Chemikaliensensible leiden oft sogar mehr darunter, als unter ihren zweifelsfrei vorhandenen Schmerzen und körperlichen Einschränkungen im Alltag. Muss das sein? Tritt jemand einem Gelähmten gegen den Rollstuhl? Oder nimmt jemand einem Blinden den Stock weg? Niemals, wer es wagen würde, den würde die Gesellschaft ächten.

Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, an einen Abend in meinem damaligen Arbeitskreis Giftgeschädigter in Trier. Ein Ehepaar, das fast jedes Mal extra aus dem Saarland angereist kam, wollte mich beim Rausgehen sprechen. Der Mann war Schreiner gewesen und konnte kaum noch außer Haus körperlich funktionieren. Er reagierte aufgrund seiner Formaldehydsensibilität auf fast alles. „Ich muss Dir etwas sagen Silvia“, sagte er mit fester Stimme, „bei mir haben sie jetzt Krebs festgestellt.“ Ich war wie erschlagen und wusste vor Betroffenheit nicht recht was ich sagen sollte. „Das tut mir furchtbar Leid“, mehr kam nicht aus mir heraus, weil ich die beiden so sehr mochte. „Nein, Silvia, es ist in Ordnung, ich bin froh darüber, denn jetzt müssen sie mir endlich glauben.“

Diese Begebenheit habe ich einige Male an medizinischen Kongressen berichtet, um die Situation von Chemikaliensensiblen zu verdeutlichen. Die Ärzte reagierten erschüttert und brachten kein Wort hervor. Eigentlich kann man dazu kaum noch etwas sagen, so ungeheuerlich ist es, dass ein schwer kranker Mensch in unserer Gesellschaft froh ist, dass er schlussendlich zu allem noch Krebs bekommen hat – damit ihm endlich geglaubt wird.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, März 2008

Umweltmedizin: Immunsystemschäden und deren Therapie bei Chemikaliensensiblen

INTERVIEW – Barbara Fritts sprach mit Prof. Dr. Bertie Griffith / EHC-Dallas

Das Environmental Health Center in Dallas gehört zu den renommiertesten Umweltkliniken weltweit. Die Klinik verfügt als Einzige über Cleanroombedingungen und ermöglicht dadurch, dass dort selbst hypersensible Patienten mit Chemikaliensensitivität diagnostiziert und erfolgreich behandelt werden können. Die Umweltklinik hat bis dato rund 60.000 Patienten geholfen. Das nachfolgende Interview wurde von Barbara Fritts mit dem Immunologen Prof. Dr. Bertie Griffith vom EHC-Dallas geführt, um Chemikaliensensiblen und Umweltpatienten einen Einblick über Schädigungen des Immunsystems und Therapiemöglichkeiten zu geben.

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T und B Zellen: Was sie für den Umweltpatienten bedeuten

Die Funktion von T und B Zellen zu verstehen ist ein Schritt in die Richtung, umweltbedingte Sensitivitäten zu verstehen. „Über 90% der Patienten, die am EHC Dallas gesehen werden, haben gestörte T und B Zellen“ laut Prof. Dr. Bertie Griffiths, EHC-D Immunologe. „Wir schauen nach gestörten Gleichgewichten in den T-Zell Verhältnissen als Marker für Funktionsstörungen des Immunsystems. B-Zellen sind die Zellen, die nach störenden Krankheitsauslösern wie Viren, Bakterien, Schimmelpilzen, Chemikalien, etc. schauen und Antikörper gegenüber diesen Eindringlingen produzieren.
 
T-Zellen, speziell CD4 (Helferzellen genannt) sind aufgerufen, keine Antikörper zu produzieren, sondern „den T-Zellen zu helfen den Eindringling zu erkennen, so dass die B-Zellen mit dem Bilden von Antikörpern fortfahren können  – eine Systemerinnerung eines jeden Eindringlings, und wie mit ihm zu verfahren ist,“ erklärt Prof. Dr. Griffith.
 
Der Körper hat einen eingebauten Stoppmechanismus, um die Erkennung und die Antikörperantwort zu stoppen, wenn die Arbeit getan ist, und das wird von den CD8 (Suppressor) T-Zellen erreicht. Diese Suppressor T-Zellen sagen dem System, dass es an der Zeit ist, ihre Wachsamkeit zu stoppen, weil der Körper jetzt genug Systemerinnerung bezüglich des Eindringlings hat und wie mit ihm zu verfahren ist. Das Verhältnis von CD4 (Helferzellen) und CD8 (Supressorzellen) ist für gewöhnlich nicht in Balance bei Umweltpatienten, sie wieder in Balance zu bringen stellt einen großen Teil der Genesung dar.
 
„Wir wissen wirklich nicht, warum Umweltpatienten eine solche gestörte Anordnung der T- Zellen und ihren Verhältnissen haben,“ bemerkt Prof. Dr. Griffith. Am Wahrscheinlichsten hat es mit dem Entgiftungssystem der jeweiligen Person zu tun, dass entweder überlastet ist mit störenden Eindringlingen aus der Umwelt und/oder nährstoffbedingt zu unterversorgt ist, um vernünftig zu funktionieren, wenn es überlastet ist durch große Mengen von Chemikalien, Schimmelpilze, Medikamente oder auch durch Bio-Chemikalien, die durch extremen Stress oder Trauma produziert werden. Dies führt zu einer Situation, in der der Körper zu überwältigt ist und zu unterversorgt, um vernünftig zu funktionieren. Als Resultat ist dann die korrekte Ausbildung und Produktion der T-Zellen und ihre Fähigkeit zu kommunizieren und korrekt zu funktionieren beeinträchtigt.
 
Wie können Umweltpatienten in dieser Situation beginnen, sich zu erholen? Zuallererst und in erster Linie muss jemand die über Jahre hinweg akkumulierten Gifte entsorgen, die den Körper belasten. Das wird erreicht durch Chemiefreiheit von Nahrung, Wasser und Umfeld. Zweitens, ist es von größer Wichtigkeit, nährstoffbedingte Ungleichgewichte zu erkennen und zu korrigieren, die das Entgiftungssystem davon abgehalten haben, richtig zu funktionieren; der behandelnde Arzt kann Vitamin- und Mineralstoffanalysen erstellen lassen, um die spezifischen Nährstoffbedürfnisse zu ermitteln. Drittens ist es wichtig, die Last der akkumulierten Giftstoffe durch Schwitzen in der Sauna und/oder durch körperliche Betätigung loszuwerden.
 
Als Hilfe, um ein richtig funktionierendes Immunsystem wiederherzustellen, empfiehlt Prof. Dr Griffith einige grundsätzliche Gesundheitsprinzipien, wie oben genannt, einzuhalten und mit der Nahrung hochwertige Proteine zu sich zu nehmen, um die Produktion gesunder, gut geformter T- und B- Zellen anzuregen. Des weiteren werden Antigene genutzt, um die überreaktive und die in Ungleichgewicht befindliche antikörperbasierte Immunantwort zu beruhigen und außerdem ALF (autogener lymphatischer Faktor), ein Immunsystemmodulator, der exklusiv für EHC Patienten hergestellt und bei ihnen angewendet wird, um wieder gesunde und gehorsame T-und B-Zellen herzustellen.  „Der ALF wird aus Ihren eigenen Zellen gewonnen, um die Zellfunktion zu normalisieren“, erklärt Prof. Dr. Grifith
Prof. Dr. Bertie Griffith ist Facharzt für Mikrobiologie/Immunologie am Environmental Health Center – Dallas und Berater für die AEHF.

Übersetzung des Interviews: Silvia K. Müller mit freundlicher Genehmigung des EHC-Dallas

MCS- Schutzengel Helene zieht positive Bilanz

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Meist berichte ich über negative Erlebnisse unserer MCS- Schützlingen oder von anderen unerfreulichen Dingen. Heute aber, möchte ich über die aktuelle Entwicklung zu MCS sprechen. Ist es nicht schön wie die augenblicklichen Entwicklungen verlaufen? Merkt Ihr Leute, unsere Bemühungen, MCS in die Öffentlichkeit zu bringen, tragen Früchte.

Die Medien zeigen Interesse an MCS. Es wurde ja auch einmal Zeit, oder? Ich freue mich, dass sich viele von Euch gemeldet haben, um als Fallbeispiel für einen TV-Beitrag zur Verfügung zu stehen. Die Meisten von Euch arbeiten lieber im Hintergrund, ist auch toll. Denn jeder noch so kleine Beitrag ist ein Teil des Puzzles, an deren Vollendung, nämlich die wirkliche und öffentliche Anerkennung von MCS, wir gemeinsam arbeiten, mit all unseren individuellen Möglichkeiten und noch zur Verfügung stehenden Kräften. Es ist ein langer und harter Weg, aber wir haben schon viel erreicht und arbeiten daran, dass es noch besser wird.

Die vergangenen Wochen haben uns gezeigt, dass es sich lohnt, hartnäckig zu sein, zu kämpfen und auch einmal etwas auf sich zu nehmen, was man sonst nicht tut, doch belohnt werden kann. Dass das ZDF einen ausführlichen und sachlichen Bericht über MCS gesendet hat, ist einfach wunderbar. Wir Schutzengel haben uns auch alle darüber sehr gefreut. Auch dass die Schweiz sich öffentlich des Problems MCS annimmt und unterstützt. Und sogar die Presse, sogar die BILD hat MCS auf den Tisch gebracht und ein Ende ist nicht in Sicht. Weitere TV-Sender möchten über MCS berichten und viele von Euch haben sich bereit erklärt dort mitzumachen. Meinen ganz lieben Dank an Euch alle für Euren Einsatz. Glaubt mir, auch wenn´s schwer fällt, es lohnt sich, wie wir an den aktuellen Ereignissen deutlich erkennen können. Toll, oder?

Weiter so,

Eure Helene

Anerkennung von MCS durch Stadt Zürich

christian-maske.jpgChristian Schifferle, Präsident der MCS Liga Schweiz, gehört zu den Chemikalien-sensiblen, die trotz schweren Reaktionen auf Alltagschemikalien zwei Dinge nie verlieren: Mut und Beharrlichkeit. Jetzt zeigt es sich, dass es sich auszahlt, wenn man den Kopf nicht in den Sand steckt, ganz gleich wie dick es kommt. Die Stadt Zürich baut als erste europäische Stadt Wohnraum für Menschen mit MCS.

Schadstofffreier Wohnraum gesünder für alle Menschen

fotos_mcs_alu-vorbau_wohnwa.jpg Über zehn Jahre lebt der Schweizer in einem Wohnwagen, den er mit Alu ausgekleidet hat, um Ausgasungen von Materialien zu  unterbinden. Keine normale Wohnung war so schadstofffrei, dass er es lange darin aushielt. Reaktionen auf lösemittelhaltige Farbe, Ausdünstungen aus Teppichboden, rauchende oder Duftstoffe benutzende Mitbewohner, irgendetwas war immer, was ihn krank werden ließ. Seit der Gründung der MCS Liga traf der rührige Schweizer auf viele weitere Chemikaliensensible, denen es ähnlich geht und hatte nur noch ein Ziel vor Augen: MCS-gerechter Wohnraum.

Jetzt hat Christian Schifferle es geschafft, sein lang gehegter Traum wird wahr. Im schweizerischen Uster wurde vergangene Woche die Wohnungsbaugenossenschaft „Gesundes Wohnen MCS“ gegründet. Deren Ziel ist es, in der gesamten Schweiz baubiologischen Wohnraum zu schaffen. Dieser soll in erster Linie Menschen mit MCS zugute kommen, aber selbstverständlich auch anderen Bevölkerungskreisen. Gleichzeitig stellte sich ein größerer Erfolg ein, die Stadt Zürich sagte zu, dass sie ein MCS Apartmenthaus baut. Zukunftsgerichtet denkend, erhofft man sich von Seiten der Stadt dadurch auch Bündelung von Knowhow für weitere gesunde Wohnprojekte, die vielen Menschen zugute kommen werden.

Sieben Zeitungsartikel in kürzester ZeitAnerkennung MCS

Zum Wochenende erschien ein weiterer Artikel im Züricher Tages-Anzeiger über die Umweltkrankheit MCS, mit dem gleichen Foto eines Artikels über Christian Schifferle wie vor einem Jahr. Thema war, dass die Stadt Zürich nun ca. 12 MCS-gerechte Wohnungen bauen will. Für Anfangs März sind Baubiologe Guido Huwiler und Christian Schifferle von der Stadt zur Begutachtung von möglichem Bauland eingeladen. Guido Huwiler hat bereits einen Beratungsauftrag durch die Stadt erhalten, das Projekt ist also auf gutem Weg. Im Endeffekt bedeutet dies eine weitgehende Anerkennung von Multiple Chemical Sensitivity (MCS) durch die Stadt Zürich. Ein Erfolg, der in Europa seinesgleichen sucht.

Nichts ist umsonst und Anstrengung lohnt

Erst vergangene Woche hatte der 53-jährige Schweizer MCS Aktivist eine große Strapaze auf sich genommen. Er flog von Zürich nach Hamburg, um an einer Talkshow teilzunehmen, die im Anschluss an einen Beitrag über ihn in der ZDF Sendung 37° ausgestrahlt wurde. Es war sehr schwierig für Christian Schifferle, denn eine Aktivkohlemaske allein reicht nicht, um hundertprozentig vor Reaktionen durch Flugzeugbenzin, Dieselabgase bei Start und Landung zu schützen. Im Flugzeug selbst ist mit Antiflammschutzmitteln, Rückständen von Reinigungslösungen und vor allem mit Chemikalien aus Parfums und Aftershaves der Mitreisenden zu rechnen. Trotz aller berechtigten Bedenken ging alles gut vonstatten. Christian Schifferle hat die Reise gut überstanden und sich auch von seinem Auftritt bei Johannes B. Kerner ganz gut erholt. Die Sendung 37° wurde am Folgetag wiederholt und durch eine spannende Expertendiskussion mit Dr. Tino Merz, Rechtsanwalt Tamm und Prof. Dr. Eikmann ergänzt. Christian Schifferles Einsatz hat sich also gelohnt, es war ein voller Erfolg. Über 100 positive Reaktionen erreichten ihn, auch bei der Schweizer Partnerorganisation MCS SOS und bei CSN und anderen deutschen MCS-Gruppen gab große Resonanz.

Ausruhen ist nicht, denn auf Los geht’s los

Für ein Ausruhen bleibt kaum Zeit, denn in etwas zwei Wochen wird die MCS- Wohnbaugenossenschaft, als deren Präsident Christian Schifferle gewählt wurde, konstituiert und beginnt mit der Arbeit. Der Start lief vom Fleck weg gut und verspricht weiteren Erfolg. Innerhalb von drei Wochen gab es sieben Zeitungsartikel über MCS in Schweizer Zeitungen. Unterstützung durch die Medien ist den Schweizer Chemikaliensensiblen weiterhin gewiss. Alles in Allem also ein toller Erfolg, den die Schweizer MCS Aktivisten zu verbuchen haben.

foto_wohnwagen_schnee-ii.jpg Als Krönung ist zu erwarten, dass für Christian Schifferle persönlich die beschwerliche Zeit im betagten Wohnwagen einem Ende zugeht. „Es wird auch wirklich Zeit“, meint er gegenüber CSN, „denn noch einmal zügeln (umziehen) schafft der treue alte Bursche wahrscheinlich nicht mehr. Schon beim letzten Zügeln hatte ich große Bedenken. Ja, und wohin auch?“

Zürich handelt zukünftsorientiert und nachhaltig

Sobald die Realisierung des Projektes beginnt, wird auch Heidi Stremminger mit von der Partie sein. Die Leiterin des Vereins MCS-SOS verfügt durch den Bau ihres eigenen MCS Hauses nämlich sehr viel Erfahrung mit der Auswahl schadstofffreier Baumaterialien und Lösungen für MCS-typische Problemstellungen während der Bauphase.

Die Stadt Zürich hat eine gute Entscheidung getroffen, indem sie 10-12 Apartments für Chemikaliensensible schaffen will, denn kein Anderer als Chemikaliensensible kann mit soviel know how einen größeren Beitrag zu gesundem Bauen leisten. Ein Risiko besteht ohnehin nicht, meinte Arno Roggo Leiter der Liegenschaftsverwaltung, denn die Wohnungen können in jedem Fall vermietet werden. Zürich zeigt Weitblick, den gesundes Wohnen ist nicht nur ein gegenwärtiger kurzfristiger Trend, sondern, wie in vielen anderen Ländern erkannt, bedeutet es Gesundheit und Leistungsfähigkeit, statt Krankheit durch Sick Building’s (kranke Gebäude), und es erhöht die Lebensqualität aller Menschen, die in solchen gesunden Wohnräumen wohnen und arbeiten dürfen.

Autor: Silvia K Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Februar 2008