Archiv der Kategorie ‘Chemikaliensensitivität, Chemikalienunverträglichkeit‘

Öffentlicher Hilferuf für eine MCS-Patientin

Wir bitten hiermit öffentlich um adäquate medizinische Hilfe für die unter MCS und schwersten Reaktionen auf Nahrungsmittel leidende Angelika Hubernagel aus Essen. Es geht um ihr Überleben. 

Wir sprechen mit unserem Hilferuf insbesondere die zuständigen Behörden, Umweltkliniken, Umweltärzte und die Verbände der deutschen Umweltmediziner an:  

Eine Frau mit MCS ist in höchster Not und brauch adäquate Hilfe 

Seit Wochen suchen Geli H. und ihr Mann verzweifelt nach medizinischer Hilfe. Die 44-jährige Frau hat stark ausgeprägte MCS- Multiple Chemical Sensitivity und schwerste Reaktionen auf nahezu alle Nahrungsmittel. Es hat sich ein völliger Toleranzverlust eingestelllt und geht immer weiter bergab. Im Moment kann sie nur noch gekochtes Rindergehacktes essen. Von allem Anderen bekommt sie trotz Cortison Atemnot, der Hals schwillt zu. Jeglicher Versuch, medizinische Hilfe zu erhalten, blieb bisher erfolglos. Sollte in den nächsten Tagen keine medizinische Hilfe erfolgen, ist mit dem Schlimmsten zu rechnen. 

Schwerste Reaktionen auf geringste Auslöser

Geli kann nicht mehr aus dem Haus gehen, sie ist wegen ihrer Reaktionen auf Chemikalien nur noch in ihrer Wohnung. Der Luftfilter läuft Tag und Nacht. Sie erleidet Erstickungsanfälle, Schwindel, starke Kopfschmerzen, Magenkrämpfe, der ganze Mund-Rachenraum ist nur noch wie rohes Fleisch. Oft läuft ihr Körper nach Aufnahme winzigster Nahrungsmengen 6-7 Stunden später rot an und sie bekommt Atemnot. Das Trinken von kleinen Schlucken Wasser sorgt ebenfalls für Zusammenbrüche.  

Hilfe verzweifelt gesucht

Jörg H. kann nicht mehr zur Arbeit gehen, weil seine Frau ständig schwerste Reaktionen erleidet und rund um die Uhr betreut werden muss. Der Arbeitgeber zeigte bislang Verständnis. Geli wiegt noch 40.8 kg bei 1.63m. Im CSN Forum schrieb ihr Mann einen Hilferuf. 

Die beiden haben durch ganz Deutschland telefoniert, um einen Arzt oder eine Klinik zu finden, die Geli helfen kann. Keiner hält sich für zuständig. Sie erhielten ausschließlich Absagen. Auch die Umweltklinik in Riddorf/ Bredstedt erteilte eine Absage. Der Klinikleiter sagte, frühestens im Januar könne sie vielleicht kommen. Sechs Betten hat die Klinik, den Rest der 21 Betten, die ursprünglich für Umweltpatienten gedacht waren, sind an Spielsüchtige vergeben. 

Die in erreichbarer Nähe des Wohnortes befindliche anthroposophische Klinik Witten-Herdecke erteilte ebenfalls eine Absage. Man ist ausgelastet und hat auch keine Zeit für MCS-Patienten. 

Ein Umweltarzt, der um Hilfe gebeten wurde, ließ wissen, dass er auch nicht helfen könne und es keine Umweltklinik in ihrer Nähe gäbe. Ein anderer führender Umweltmediziner verwies durch eine Mitarbeiterin an eine Hotline, die nur am Wochenanfang erreichbar ist. 

Ein niedergelassener Arzt, den das Ehepaar um Hilfe bat, sagte, es sei eine psychosomatische Behandlung in einer Uniklinik erforderlich. Dass die schwer chemikaliensensible Frau pathologische Laborwerte aufweist, jedoch keine psych-ischen Auffälligkeiten und dass sie überhaupt nicht in der Lage ist, in eine herkömmliche Klinik zu gehen, interessierte nicht. Heute Morgen fuhren Geli und Jörg H. in ihrer Verzweifelung trotzdem in die Uniklinik. Schon vor der Tür erlitt sie schwere Reaktionen auf die Desinfektionsmittel, Parfüms und Duftstoffe, die durch die offene Tür nach außen drangen und den Zigarettenrauch der rauchenden Patienten am Klinikeingang. Sie fuhren wieder nach Hause. Dort ist sie jetzt und keiner weiß mehr weiter.  

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. Dezember 2009

Chemikalien-Sensitivität – MCS in Stern TV: Bericht über den Drehtag zur Sendung

Corretta Danzer in Stern TV 

Stern TV wird morgen in seiner Sendung die Krankheit Chemikalien-Sensitivität (MCS) als Thema darstellen. Es wurde ein Bericht mit der chemikaliensensiblen Tierärztin Coretta Danzer gedreht, die zusammen mit Dr. Runow als Studiogast während der Sendung mit Günther Jauch anwesend sein wird. Das Stern TV Team hat sich größte Mühe gegeben diese Sendung zu realisieren und eigens einen Raum hergerichtet, in dem die MCS-Patientin sich aufhalten kann um Fragen zu beantworteten. Im Vorfeld hatte das Stern TV Team intensiv über die Krankheit recherchiert und sich für die beiden Drehtage auf die besondere Problematik eingestellt. Coretta Danzer berichtet für uns: 

Bericht über den Drehtag

Im Frühjahr wurde im CSN-Forum jemand gesucht, der sich für eine Reportage über MCS bereit erklärt. Nach kurzer Überlegung, stellte ich mich zur Verfügung. Zuvor war von Silvia Müller abgeklärt worden, dass es sich um eine korrekte Berichterstattung zu MCS handelt. 

Nun begann die Kontaktaufnahme mit der Reporterin und es kam ins Gespräch, dass ich auch zu Günther Jauch ins Studio soll. Ich bekam Bedenken, dass dort zu viele Möglichkeiten bestehen mit Stoffen in Berührung zukommen, die bei mir gesundheitliche Reaktionen auslösen können. Nachdem mir versprochen wurde, dass ausreichend Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, stimmte ich doch zu. 

Gute Recherche im Vorfeld

Es folgten längere Telefonate mit der Reporterin. Dabei wurde über meine Krankheitsgeschichte gesprochen und über die Vorbereitungen und den Ablauf des 2-tägigen Dreh. Bei diesen Telefonaten stellte ich fest, dass das Team von Stern-TV bereits gut recherchiert hatte und schon eine beachtliche Menge über MCS wusste. 

Das Team stellte sich auf MCS ein

Es wurden viele Einzelheiten besprochen, so stellte ich eine Liste zusammen, mit Waschmittel für die Kleidung, Duschgel, Shampoo, Deo und Körpercreme, die von mir toleriert werden, mit denen sich das 3-köpfige Team waschen musste und mit dem die Kleidung vorher gewaschen werden musste. Ich erklärte auch, dass ich stark auf Zigarettenrauch reagiere, und dass es nicht möglich sein mal kurz zwischen durch eine Zigarette zu rauchen. Ebenso kann ich keine Kaugummis oder Bonbons vertragen. Als das soweit geklärt war und der ungefähre Ablauf besprochen war, stand der Termin schnell fest. 

Der erste Drehtag

Am ersten Montag im Mai war es soweit. Morgens kam das Team an, die Reporterin, der Kameramann und der Tonassistent. Zuerst besprachen wir alles noch einmal persönlich und ich erzählte meine Krankheitsgeschichte in groben Zügen. Ein sehr ungewohntes Gefühl für mich war es, dass ich mit fremden Menschen redete, die keine Symptome bei mir auslösten, sie hatten sich wirklich genau an meine Anweisungen gehalten. 

Dann wurde unsere Wohnung etwas umgeräumt und umdekoriert, um für die Aufnahmen das beste Licht und den besten Hintergrund zubekommen. Beim Interview musste ich dann oftmals die einzelnen Fragen mehrmals beantworten, was viel Konzentration brauchte. Sehr beeinträchtigt haben mich die Scheinwerfer, die sehr gerochen haben, als sie warm wurden. 

Interviews auch mit dem persönlichen Umfeld

Es folgte das Interview mit meinem Mann. Wir wurden dann noch beim Mittagessen gefilmt und bei einem kurzen Spaziergang mit unseren Hunden. Es folgte eine Begutachtung von verschiedenen Putzmitteln und Körperpflegeprodukten durch mich, wobei diese von der Reporterin mitgebracht worden waren und ich gleich zwei Produkte aus unserem Haus verbannte, diese hatten mir schon durch die Verpackung Beschwerden bereitet. 

Und es blieb keine Luft zum erholen, es wurde in meiner Tierarztpraxis gedreht, bei einer Behandlung von zwei Hunden. Eine langjährige Patientenbesitzerin hatte sich dazu bereit erklärt. Sie wurde auch noch befragt. 

Dann kamen unsere Freunde zum Kaffee und meine Freundin hatte Kuchen mitgebracht. Unsere Freunde wurden auch interviewt. Es gab noch einige Fragen an mich, und dann war endlich Schluss, denn ich konnte mich kaum noch konzentrieren und mir tat alles weh. 

Zweiter Drehtag

Am Dienstag trafen wir uns morgens bei dem BIO-Supermarkt in dem wir meistens einkaufen, d.h. eigentlich mein Mann, ich gehe nur noch selten einkaufen. Es wurde ein Einkauf gefilmt und wir mussten im Supermarkt noch Fragen beantworten. Ich war noch vom Vortag mitgenommen und hatte mich für meine Verhältnisse zu lange in dem Supermarkt aufgehalten, mir ging es immer schlechter. Zum Abschluss drehten wir in der Fußgängerzone in Fuldas Innenstadt. Es gab ein kurzes Interview und mein Mann und ich mussten die Fußgängerzone entlang laufen. Ich hatte schon auf dem kurzen Weg bis zum Drehort genügend Chemikalien und Reizstoffe  abbekommen, sodass ich so starke Symptome bekam, dass dann abgebrochen wurde, weil ich nicht mehr konnte. Wir verabschiedeten uns von dem sehr netten Team und mein Mann brachte mich nach Hause. 

Der Termin fürs Studio sollte zu Anfang schon Ende Mai sein und wurde seit dem mehrmals bis auf Anfang Dezember verschoben. 

Insgesamt war es sehr anstrengend gewesen und ich hoffe aber, dass die Anstrengungen nicht vergebens waren und MCS in der Bevölkerung dadurch bekannter wird.

Autor: Coretta Danzer, CSN – Chemical Sensitivity Network, 8. Dezember 2009

Dysfunktion des Gehirns bei Patienten mit Multiple Chemical Sensitivity festgestellt

Gehirn zeigt Auffälligkeiten bei MCS-Patienten

 

Eine aktuell in der medizinischen Fachzeitschrift Journal of Neurological Science erschienene Studie berichtet über Patienten, die unter MCS – Multiple Chemical Sensitivity leiden und bei denen nachgewiesen wurde, dass hirnorganische Störungen durch Chemikalienexposition eintreten. (1) Das Wissenschaftlerteam des Universitätshospitals Vall d‘ Hebron in Barcelona setzte Provokationstests ein und ermittelte danach durch eine radiologische Untersuchungsmethode und psychometrische Testverfahren die Veränderungen in der Hirnfunktion bei den MCS-Patienten. Es konnten neurokognitive Beeinträchtigungen bei den Chemikalien-sensiblen festgestellt werden. Die pathologischen Ergebnisse bei den MCS-Patienten bestätigen die Ergebnisse von vier vormals von amerikanischen Wissenschaftlern durchgeführten SPECT Studien. (2-5)  

Provokationtest zeigt Unterschiede bei MCS-Patienten

Für ihre Studie hatten die spanischen Wissenschaftler eine Probandengruppe ausgewählt, die aus Patienten mit diagnostizierter MCS und einer Kontrollgruppe aus gesunden Personen bestand. Alle Probanden wurden unter kontrollierten Bedingungen Chemikalien in nicht toxischer Dosis ausgesetzt. Nach der Provokation wurde ein SPECT Scan (photon emission computed tomography) durchgeführt, als auch validierte psychometrische Tests. Mittels dieser verschiedenen Untersuchungen konnten die Wissenschaftler eine Veränderung der Durchblutung des Gehirns und der kognitiven Auswirkungen bei den Patienten feststellen. 

Im Vergleich zu den Kontrollpersonen wiesen die MCS-Patienten nach der Provokation mit Chemikalien eine Minderperfusion in verschiedenen Teilen des Gehirns auf. Die verminderte Durchblutung wurde vor allem in den Bereichen, in denen Geruch verarbeitet wird, dem rechten und linken Hippocampus, dem rechten Parahippocampus, der rechten Amygdala und den rechten temporalen Regionen des Cortex festgestellt. 

MCS, eine Krankheit organischen Ursprungs

Im Vergleich zu den Kontrollpersonen wiesen MCS-Patienten eine geringere Lebensqualität und verminderte neurokognitive Funktion auf. Bei den MCS-Patienten verschlechterte sich neurokognitive Funktion nach Chemikalienexposition. 

Das spanische Wissenschaftlerteam geht aufgrund der Untersuchungsergebnisse davon aus, dass MCS eine neurogene Ursache hat, weil die provozierten Chemikalienexpositionen eben diese neurokognitiven Beeinträchtigungen verursachten und weil das SPECT Scan Fehlfunktionen des Gehirns insbesondere in den geruchsverarbeitenden Arealen aufwies, was somit für MCS einen organischen Ursprung nahelegt.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 7. Dezember 2009

Literatur:

  1. Orriols R, Costa R, Cuberas G, Jacas C, Castell J, Sunyer J., Brain dysfunction in multiple chemical sensitivity, J Neurol Sci. 2009 Oct 2. 
  2. Heuser G, Mena I, Alamos F (1994) NeuroSPECT findings in patients exposed to neurotoxic chemicals. Toxicol Ind Health 10, 561-571. 
  3. Simon TR, Hickey DC, Fincher CE, Johnson AR, Ross GH, Rea WJ (1994) Single photon emission computed tomography of the brain in patients with chemical sensitivities. Toxicol Ind Health 10,573-577. 
  4. Fincher CE, Chang TS, Harrell EH, Kettelhut MC, Rea WJ, Johnson A, Hickey DC, Simon TR (1997) Comparison of single photon emission computed tomography findings in cases of healthy adults and solvent-exposed adults. Am J Ind Med 31,4-14. 
  5. Fincher CE, Chang TS, Harrell EH, Kettelhut MC, Rea WJ, Johnson A, Hickey DC, Simon TR (1997) Comparison of single photon emission computed tomography findings in cases of healthy adults and solvent-exposed adults: Correction of previous results. Am J Ind Med 32,693-694.

MCS Schutzengel Aktion „Weihnachten – es denkt wer an Dich!“

Weihnachten für einsame MCS-Kranke

 

Morgen ist der 2. Advent und die meisten Menschen sind bereits mitten in den Weihnachtsvorbereitungen. Sie dekorieren ihre Wohnungen, backen Plätzchen, machen sich Gedanken um ihre Lieben und besorgen Geschenke. Traurigerweise werden auch in diesem Jahr wieder viele Menschen das Weihnachtsfest einsam und alleine erleben müssen, so auch viele Chemikaliensensible. Der CSN Weihnachtsengel und MCS-Schutzengel Helene denken, dass wir alle zusammen den Einsamen unter uns das Weihnachtfest verschönern könnten und haben sich für das diesjährige besinnliche Fest etwas ausgedacht. 

Einsame MCS-Kranke erhalten eine Weihnachtsüberraschung

Wir möchten nicht tatenlos zusehen, dass einsame MCS-Kranke Weihnachten in Vergessenheit erleben und bitten Euch um Eure Mithilfe und Beteiligung. Diejenigen MCS Kranken, die niemanden mehr haben der an sie denkt, sollten eine schöne Weihnachtsüberraschung erhalten.   

Ein paar Präsente haben wir schon, aber es müssten noch einige mehr sein und wir möchten Euch fragen, ob Ihr etwas beisteuern möchtet. Es muss nicht unbedingt etwas Gekauftes sein, denn auch etwas selbst Gemachtes kann sehr erfreuen. Eurer Kreativität und Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ihr könntet z. B. etwas MCS-Gerechtes basteln, ein schönes Gedicht verfassen, vielleicht auch einen Gutschein für etwas Selbstgestricktes aus Biowolle, oder einfach etwas Schönes verschenken, das Euch selbst gut gefällt. Oder vielleicht habt Ihr ein MCS-Hilfsmittel doppelt. Sicherlich fällt Euch etwas ein, wie wir gemeinsam anderen Betroffenen Weihnachten verzaubern könnten, stimmt´s? 

Wie bekommen einsame MCS-Kranke eine Überraschung?

Wer alleine ist, darf uns seine Adresse senden (nicht scheuen, sonst sind die Weihnachtsengel sauer) und wer von Euch MCS Betroffene kennt, die alleine sind, wird gebeten CSN per E-Mail Bescheid zu geben oder selbst aktiv zu werden. Der CSN Weihnachtsengel und MCS-Schutzengel Helene werden sich dann um den Rest kümmern. Sie werden auf ihren nächtlichen Schlittentouren durch den Weihnachtshimmel alle Bedachten mit einem Weihnachtspäckchen überraschen.  

Allen ein schönes Adventswochenende,

Euer MCS-Schutzengel Helene und der CSN Weihnachtsengel

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Wer etwas geben möchte, damit wir dann einem einsamen MCS-Kranken als Überraschung schicken, kann es an die CSN Adresse (CSN, Mühlwiesenstr. 2, 55743 Kirschweiler) senden. Falls Selbstgebackenes dabei ist, bitte wegen etwaiger Allergien die Zutaten aufschreiben.

Prof. Martin Pall – Informationen über Ursachen und Behandlung von MCS jetzt auf deutschsprachiger Webseite verfügbar

Prof. Martin Pall jetzt mit eigerner deutschsprachiger Webseite über MCSAls Ende Oktober ein von Prof. Dr. Martin Pall geschriebenes Kapitel über MCS in einem renommierten Toxikologiebuch erschien, wünschten sich sehr viele MCS-Kranke, dass diese Informationen in deutscher Sprache verfügbar wären. Jetzt ist es soweit, das Buchkapitel wurde übersetzt und ist sowohl online als auch in Form einer Broschüre verfügbar. Es wird darin der Mechanismus, warum es durch bestimmte Chemikalien zu einer Sensitivität (MCS) kommt, und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, ausführlich dargelegt. 

Vor ein paar Tagen erfolgte ebenfalls der Launch einer deutsprachigen Webseite von Prof. Martin Pall: www.martinpall.info Hier findet der Interessierte Informationen über MCS, verschiedene andere Umwelterkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen. Die Seite wird nach und nach noch ergänzt werden. 

Das übersetzte Buchkapitel, in dem die Mechanismen und Ursachen von MCS erläutert werden, kann online gelesen werden: 

MCS Protokoll von Prof. Martin Pall 

Wer gerne diesen Artikel gerne als gedruckte MCS-Broschüre hätte, kann sie von CSN per Post gegen eine 1.55€ Briefmarke erhalten. Anfrage und Briefmarke bitte an CSN, Mühlwiesenstr. 2, 55743 Kirschweiler senden. Es können auch mehrere Broschüren geschickt werden, hierzu bitte bei CSN das entsprechende Rückporto erfragen. 

Behandlungsmöglichkeiten von MCS

Die MCS-Broschüre enthält auch das von Prof. Dr. Pall in Kooperation mit der Allergy Research Group entwickelte Behandlungsprotokoll, um den NO/ONOO-Zyklus herunterzuregulieren. Dieser ist laut Prof. Pall bei den Umweltkrankheiten MCS, CSF und FMS hochreguliert und sorgt u.a. auch für die Chronifizierung der Krankheit. Bisher konnten bei einer ganzen Anzahl MCS-Kranker erhebliche Verbesserungen des Gesundheitszustandes und Reduzierung der Sensitivität beobachtet werden.

Kriterien für die Gründung eines MCS-Fond

MCS-Fond

Nachdem ich den Vorschlag der Gründung eines MCS-Fond aufgegriffen habe, gab es sofort Streit in der Weise, dass um die Verteilung des Bärenfells gestritten wurde, der noch gar nicht erlegt war. Dabei fiel u. a. das Adjektiv „demokratisch“. Nun, die Abstimmung über einen Fond erfolgt per Überweisung. Für die Ausrichter gelten andere Kriterien, wie folgt:

Glaubwürdigkeit, Seriosität sind Grundvoraussetzung

Um Geldgeber zu gewinnen, braucht ein Fond Glaubwürdigkeit, Seriosität und vor allem einen wichtigen Grund, warum Geldgeber Geld geben sollen, m. a. W. es geht dann darum, was MCS ist, wie es um den Stand der Wissenschaft steht, also der Objektivierbarkeit, und welche gesellschaftliche Bedeutung diese Krankheit hat.

Dazu ein Beispiel:

MCS wurde 1948 entdeckt. Der Allergologe Randolf stellte fest, dass einige Allergiker nicht reagierten, wenn die Testsubstanz von wild wachsenden Früchten, anstatt von konventionem Obst mit Pestizidrückständen, stammte. Erst 1962 hat er das veröffentlicht, 1966 gab es Doppelblindstudien einer Neurologin, die Nachweis führte, dass es Leute gibt, die auf unterdurchschnittliche Dosen reagieren. In den 70er Jahren wurde die erste wichtige Therapie entwickelt (Neutralisationstherapie), in den 80er Jahren wichtige Grundmechanismen der Pathologie erkannt, MCS endgültig definiert, in den 90er Jahren von der WHO als organische Erkrankung anerkannt und ein 3 000-seitiges Standardwerk publiziert (Rea), dass anschließend universitär überprüft und bestätigt wurde (Ashford & Miller), die Therapie stark verbessert (ALF), und die Frage der Chronifizierung geklärt (Pall), und schließlich wurde auch die Wissenslücke geschlossen, wie und warum so viele Substanzen ganz unterschiedlicher toxischer Wirkcharakteristik chronische Müdigkeit und chemische Sensitivität erzeugen. M. a. W., MCS ist nichts Neues, ist gut erforscht und von gravierender Bedeutung (die Prävalenz ist zweistellig).

Doch davon weiß die deutsche Diskussion nichts. Da wird über Psycho diskutiert und über angebliche Defizite der wissenschaftlichen Erklärungsmöglichkeiten, m. a. W., es entbehrt der wesentlichen Grundlagen. Die geistige Bettelsuppe der RKI-Studie repräsentiert hierzulande „Wissenschaft“. Das Niveau ist etwa dem der 60er Jahre vergleichbar, aufgepfropft mit Pall, so dass schließlich der falsche Eindruck erweckt wird, man sei wissenschaftlich erst noch am Anfang.

MCS-Fond

Das muss vorrangig geändert werden, und dafür ist ein Fond eine Organisationsform wie jede andere mit dem zusätzlichen Vorteil, dass etwas in der Kriegskasse ist, so dass man rechtliche Konsequenzen und rechtlich begründete Ansprüche professionell formulieren kann.

Es wird also darum gehen, ob ein Fond mit diesem Anspruch und dieser Begründung etabliert wird oder einfach nur ein Hut rumgeht mit der Begründung allgemeiner Bedürftigkeit. Es ist nicht die Frage, wer da mitmacht, denn es kommt nur darauf an, ob eine Linie vertreten wird, die rechtlich Relevantes vorzutragen in der Lage ist, indem es sich des vollen Umfanges der anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnislage bedient. Das muss professionell und generalstabsmäßig Schritt für Schritt aufgebaut werden. Dazu braucht es geduldige und zielstrebige Leute.

Kriterien für Glaubwürdigkeit und Seriosität

Zum Kontrast, was nicht geht: etwa die Forderung, es müssen sofort Container als Notquartiere her, weil sie eben einfach notwenig seien. So etwas müsse gar nicht teuer sein. M. a. W. sofort und dafür Pfusch. Solches über’s Knie gebrochene Handeln hätte fürchterliche Folgen für den Fond. Solche wichtigen Aktionen müssen sorgsam geplant werden.

Was auch nicht geht sind einfach dahingesagte Aussagen, wie diese: „Es ist doch bekannt“, dass es nichtsuizide Ableben durch Organversagen bei MCS gegeben habe. Eine so formulierte Aussage ist zu ungenau und daher hier nicht verwendbar. Denn, „bekannt“ setzt voraus, dass eine Dokumentation mit Belegen existiert und dass diese allgemein zugänglich ist. Die wissenschaftliche Begründetheit ist nicht das Problem, denn Organversagen bei MCS findet sich einschließlich der Erfahrung bei 20 000 Patienten bei Rea im 3. Band. Emailkaskaden und Interneteinträge dagegen sind juristisch „Hörensagen“. Die Schwelle von Relevanz lautet: Quod non est in actiis, non est in mundo – Es muss also aktenkundig sein, sonst ist es nicht ernst zunehmen.

Das sind die Kriterien für Glaubwürdigkeit und Seriosität: wissenschaftlich gut gesichert und gründlich fundamentiert und rechtlich ausreichend belegt, sowie rechtlich auch ausreichend relevant. Das markiert die Grenze von ernsthaften Bemühen und Wunschdenken. Bei Goethe steht: „Wer stetig sich bemüht, den können wir erlösen – So ist das gemeint.

Autor: Dr. Tino Merz, Sachverständiger Umweltfragen für CSN – Chemical Sensitivity Network, 2. Dezember 2009

Vorhergehende Blogs zur Serie und zum Thema:

Weiterführende Informationen:

Die besten Blogs im November

Die besten Blogs im November

 

Im Monat November belegte im CSN Blog ein Thema den ersten Platz, das viele Menschen nach näheren Informationen suchen ließ, die Schweinegrippe. Der Berufsverband der Deutschen Umweltmediziner hatte eine Pressemitteilung herausgegeben, die über die Gefahren des Impfstoffes Pandemrix bei bestimmten Risikogruppen aufklärte. Wir übersetzten die Pressemitteilung ins Englische und auch im EMM Blog war sie der meist gelesene Artikel im vergangenen Monat. 

Auf Platz Zwei im CSN Blog landete ein Artikel über die Neuerscheinung eines Buches, das Dr. Hill geschrieben hat. Es handelt über die Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen, Umweltkrankheiten und chronischer Krankheiten.  

Platz Drei belegte ein Artikel über ein trauriges Vorkommnis, dass nicht nur in Deutschland Umweltkranke und Mitmenschen erschütterte, sonder auch in anderen Ländern weltweit. Der Tod von Angelika S. löste Nachdenken bei sehr vielen Menschen aus. Der Artikel erschien in fünf Sprachen, sogar auf Japanisch. Die MCS-Erkrankten setzen damit international ein Zeichen, dass sie nicht mehr länger schweigen über das, was aus Not geschieht, und über die mangelnde Hilfe für Umweltkranke.

 Zum Lesen der Top 10 Artikel im November 2009 einfach anklicken:

  1. Berufsverband der Umweltmediziner warnt vor Schweinegrippen-Impfstoff bei Patienten mit Umweltkrankheiten
  2. Umweltschadstoffe und neurodegenerative Erkrankungen des Gehirns
  3. Die letzten Monate im Leben der chemikaliensensiblen Angelika S.
  4. Angelika musste sterben
  5. Schweinegrippe – Wie schützen wir uns?
  6. Dr. Merz regt Hilfsfond für MCS-Kranke an
  7. Stadt Zürich schreibt Wohnprojekt und Architekturpreis für ein baubiologisches MCS – Haus aus
  8. Interview mit Eva Caballé über MCS – Multiple Chemical Sensitivity und über ihr neues Buch
  9. Interview Teil II – MCS Kranke werden vergessen, verschwiegen, ignoriert
  10. Discounter nehmen giftbelastete Babyschnuller aus ihren Regalen, Hersteller kündigen Produktionsänderung an

Umweltmedizin, Umwelterkrankte – Schweizer Bundesrat antwortet auf eine Interpellation

Bundeshaus-Schweiz

 

Umwelterkrankte und insbesondere Menschen mit MCS – Mutiple Chemical Sensitivity haben auch in der Schweiz einen schweren Stand. Umweltmedizinische Versorgung ist nur spärlich vorhanden. Geeigneter Wohnraum ist nicht verfügbar und ein erstes MCS-Wohnprojekt erst in Planung. Yvonne Gilli, Mitglied des Nationalrates, Grüne Franktion Schweiz, reichte am 23.09.2009 eine Interpellation im Schweizer Bundesrat ein, um die Situation hinsichtlich Umweltmedizin und die der Umwelterkrankten im Land abzuklären. Sie wurde am 18.11.2009 vom Schweizer Bundesrat beantwortet. Die Interpellation mit der Nummer 09.3816, Handlungsfeld Umweltmedizin, hatte 18 Mitunterzeichner: 

Bänziger Marlies, Donzé Walter, Fehr Jacqueline, Frösch Therese, Hodgers Antonio, John-Calame Francine, Lachenmeier-Thüring Anita, Meier-Schatz Lucrezia, Müller Geri, Prelicz-Huber Katharina, Rechsteiner Rudolf, Schelbert Louis, Schenker Silvia, Teuscher Franziska, Thorens Goumaz Adèle, von Graffenried Alec, Weber-Gobet Marie-Thérèse, Weibel Thomas. 

Eingereichter Text: Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wie beurteilt er im Vergleich zur Ip 03.3092 Forschungsstand und klinische Abklärungsmöglichkeiten für Betroffene, die sich über Symptome beklagen als Folge von gesundheitsschädigenden Umwelteinflüssen?

 2. Welche Handlungsmöglichkeiten sieht er, um den Bedarf an fachkompetenter umweltmedizinischer Beratung besser abzudecken? 

3. Wurden oder werden Wohnprojekte für Umweltkranke durch den Bund unterstützt, wie als Möglichkeit in der Antwort auf die Ip 03.3092 skizziert? In welchem Umfang? Wenn nein, was sind die Gründe? 

4. Wie wertet er die Notwendigkeit von Hausuntersuchungen durch Umweltfachstellen als Teil der umweltmedizinischen Abklärung und wie könnte deren Finanzierung gesichert werden? 

5. Wie beurteilt er die Rolle des Bundes im Zusammenhang mit der Sicherung industrieunabhängiger Forschungsgelder? 

Begründung
Während sich im letzten Jahrhundert gesundheitsschädliche Umwelteinwirkungen vor allem als spezifische Krankheiten (Asbest, Tabak) oder örtlich begrenzt (Chemieunfälle, Trinkwasserverschmutzung, Smog) manifestierten, gestaltet sich die umweltmedizinische Beurteilung heute ungleich komplexer. Produktionsstandards und gesetzliche Rahmenbedingungen mit der Festlegung von Grenzwerten haben die spezifischen Risiken minimiert. Äusserst rasche technologische Entwicklungen (Funk-, Nanotechnologie) mit ebenso rasch erfolgender industrieller Anwendung in einer globalisierten Wirtschaft konfrontieren uns mit einer neuen Ausgangssituation. Die individuellen Risiken sind „klein“, die Krankheitsbilder unspezifisch, multifaktoriell bedingt und geografisch weit verteilt. Bei der Exposition gegenüber Feinstaub bewirkt eine unmerkliche Verschlechterung der Atemkapazität von weniger als 5 Prozent in der Schweizer Bevölkerung, dass die Anzahl der Erkrankten um rund 50 Prozent ansteigt. Was als individuell kleines Risiko beurteilt wird, lässt die Gesundheitskosten explodieren. Ähnlich präsentiert sich die Situation vielleicht in den Gebieten Multiple Chemical Sensitivity oder electrosensitivity. Gemäss einem wissenschaftlichen Pilotprojekt der Universität Basel ergab sich 5 Prozent der Untersuchten ein plausibler Zusammenhang zwischen geschilderten Symptomen und Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern. Ein laufendes Folgeprojekt der Ärzte und Ärztinnen für Umweltschutz Schweiz scheint dies zu bestätigen.

 

Am 18.11.2009 antwortete der Schweizer Bundesrat:

 
1. In den letzten Jahren wurden einige nationale und internationale Studien durchgeführt mit dem Ziel, das Phänomen der besonderen Empfindlichkeit auf Umwelteinflüsse wissenschaftlich zu untersuchen. In Kurzzeituntersuchungen konnte kein kausaler Zusammenhang zwischen Gesundheitsbeschwerden und den vermuteten Umwelteinflüssen festgestellt werden. Auch konnten keine objektiven Kriterien identifiziert werden, mit denen besonders empfindliche von durchschnittlich empfindlichen Personen sicher unterschieden werden können. 

In der Schweiz wurden Patienten aus der Region Basel, welche über umweltbezogene Gesundheitsstörungen klagten, im Rahmen eines vom Bund unterstützten Forschungsprojekts interdisziplinär untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Patientengruppe sehr heterogen ist in Bezug auf Umweltbelastungen, psychisch/seelische Belastungen sowie bestehende somatische Erkrankungen. Es zeigte sich auch deutlich, dass eine interdisziplinäre medizinische und psychologische Abklärung solcher Patienten und eine Erfassung von Umwelteinflüssen in ihrem Wohn- und Arbeitsbereich unumgänglich ist. 

Auf Basis der Empfehlungen aus dem Basler Projekt haben die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz Schweiz (AefU) im Januar 2008 ein Pilotprojekt „Umweltmedizinisches Beratungsnetz“ lanciert, welches Patienten eine vertiefte Abklärung ihrer Leiden anbietet. Dieses Pilotprojekt wird mit Unterstützung der Bundesämter für Gesundheit (BAG) und Umwelt (Bafu) wissenschaftlich begleitet und läuft bis Ende 2010. 

2. Der Bundesrat begrüsst die erwähnte Initiative und Aktivitäten der AefU. Das Bafu und das BAG werden im Rahmen der vorhandenen Mittel dieses Pilotprojekt weiterhin unterstützen. Bezüglich umweltmedizinischer Aus- und Weiterbildung verlangt das Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe in der Grundausbildung unter anderem auch das Verständnis der ökologischen Faktoren und Auswirkungen auf die Gesundheit (Art. 8 Bst. f MedBG, SR 811.11). Auch im Rahmen der Weiterbildung und Postdiplomstudien zu Prävention und öffentlicher Gesundheit werden umweltmedizinische Kurse angeboten. 

3. Wohnprojekte für Umweltkranke könnten auf der Basis des Wohnraumförderungsgesetzes (WFG, SR 842) durch den Bund unterstützt werden. Artikel 2 Absatz 2 WFG statuiert den Grundsatz, dass der Bund innovative Bau- und Wohnformen unterstützt. Artikel 41 Absatz 2 Buchstabe c WFG konkretisiert, dass das Bundesamt für Wohnungswesen exemplarische Projekte mit innovativem und nachhaltigem Charakter fördern kann. Schliesslich werden exemplarische Projekte durch Artikel 46 der Verordnung zum Wohnraumförderungsgesetz (WVF, SR 842.1) insofern privilegiert, als von den Anforderungen an die Gebäude- und Standortqualität, von den Kostenlimiten und von den besonderen Voraussetzungen, die für die Erneuerung von bestehendem Wohnraum gelten, abgewichen werden kann. Eine Unterstützung im Rahmen der verfügbaren Mittel wird somit gewährt, sofern die Projekte die übrigen an die Bundeshilfe geknüpften allgemeinen Anforderungen erfüllen. Bisher wurde jedoch kein Gesuch für ein Wohnprojekt für Umweltkranke gestellt. 

Die Stadt Zürich plant in enger Zusammenarbeit mit umweltmedizinischen Patienten („Chemikalienunverträglichkeit“) und Beratern den Bau eines Wohngebäudes, welches soweit wie möglich frei von Schadstoffbelastungen und anderen negativen Umwelteinflüssen sein soll. Das Amt für Hochbauten der Stadt Zürich dokumentiert die verschiedenen Arbeitsschritte bei der Planung und Ausführung ausführlich, um die dabei gemachten Erfahrungen für ähnliche Vorhaben, aber auch für das nachhaltige Bauen generell nutzen zu können. 

4. Im Rahmen einer umweltmedizinischen Untersuchung sollte die Umweltbelastung am Wohnort und am Arbeitsplatz abgeklärt werden. Ob dazu eine Hausuntersuchung nötig ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Im AefU-Pilotprojekt wird eine Hausuntersuchung aufgrund der Ergebnisse eines Umweltfragebogens und auf ärztliche Indikation nach einem standardisierten Protokoll durchgeführt. Diese Hausuntersuchungen werden aus Eigenmitteln und Eigenleistungen der AefU und von den Unterstützungsgeldern der Lungenliga Schweiz, privaten Stiftungen und dem Bafu finanziert. Nach der Auswertung des Pilotprojekts wird die Notwendigkeit von Hausuntersuchungen und ein allfälliger Finanzbedarf besser beurteilt werden können. 

5. Der Bund nimmt seine Rolle zur Sicherung industrieunabhängiger Forschungsgelder wahr, indem er wissenschaftliche Forschung gemäss Forschungsgesetz (FG, SR 420.1) unterstützt, namentlich über den Schweizerischen Nationalfonds. Die Bundesverfassung (vgl. Art. 20) und Artikel 3 FG garantieren die Freiheit von Lehre und Forschung. 

Zudem unterstützt der Bund im Rahmen der Ressortforschung wissenschaftliche Studien, die zur Aufklärung relevanter Fragen nötig sind. Zum Thema „Nichtionisierende Strahlung: Umwelt und Gesundheit“ hat der Bundesrat ausserdem das Nationale Forschungsprogramm NFP 57 lanciert. Der Bundesrat begrüsst aber auch die finanzielle Beteiligung der Industrie an Forschungsvorhaben. Dabei soll durch eine geeignete Projektorganisation die Unabhängigkeit der Forschung und der Publikation der Ergebnisse sichergestellt werden. 

Quelle: Geschäftsdatenbank Yvonne Gilli, Handlungsfeld Umweltmedizin 29. November 2009

 

Weitere Interpellation zum Thema Umweltmedizin, Multiple Chemical Sensitivity,

eingereicht von Nationalratspräsidentin Pascale  Bruderer Wyss am 19.03.2003 nebst Antwort des Schweizer Bundesrates vom 14.05.2003.

Gedicht: Deine Atemzüge

Schlafen und Erholung fimden

 

Deine Atemzüge 

deine atemzüge hören
wenn du am morgen
noch schläfst  

deine gesichtszüge
noch geglättet
bevor die alltagssorgen
falten ritzen
wie du den tag
 W O H L  

(meistens nur irgendwie) 

überstehst 

der dich peitscht
verwundet
betäubt
und lähmt
durch düfte und gestank  

der chemiekalientoleranten

—  

Autor: Gerhard Becker, CSN  – Chemical Sensitivity Network, 29. November 2009 

Weitere Gedichte von Gerhard:

MCS-Patientin berichtet über ihre Reise in die Umweltklinik EHC-Dallas

Manuela im EHC bei der Sauerstofftherapie

 

Die Behandlung von Chemikalien-Sensivität (MCS) steckt in Deutschland noch immer in den Kinderschuhen. Keine Umweltklinik in unserem Land ist in der Lage, Patienten, die sich im Hypersensitivitätszustand befinden, auch nur aufzunehmen. Eine Umweltklinik mit angemessener Ausstattung, konsequentem Duftstoff- und Rauchverbot existiert nicht. 

Als Option begeben sich einige MCS-Patienten in die US Umweltklinik von Prof. Dr. William J. Rea, das EHC-Dallas. Manuela ist eine dieser Patientinnen, die eine Behandlung dort durchliefen. Sie berichtete uns vor einigen Wochen über ihren Behandlungsaufenthalt. Er hat ihr gut getan, nur hat sie den dringend Zuhause benötigten Sauerstoff leider noch nicht genehmigt bekommen. 

Nachfolgend berichtet Manuela über den Flug, ihre Erfahrungen mit amerikanischen Patienten und die Kosten, die auf einen zukommen, wenn man einen Behandlungsaufenthalt in der amerikanischen Umweltklinik anstrebt. Anzumerken ist, dass Patienten in einem fragilen Zustand nur mit Begleitung, mit Sauerstoffversorgung und Rollstuhlservice fliegen können. 

Wer Teil I von Manuela’s Bericht verpasst hat:

Erfahrungen einer MCS-Patientin in der Umweltklinik EHC-Dallas   

Erfahrungen bei Flug und Aufenthalt

Wer nicht fast am Ende seiner Kräfte ist, kann den Flug auch allein bewältigen. Die Fluglinie sollte vorher befragt werden, ob sie Pestizide in den Passagierraum sprüht. Ich bin mit American Airlines geflogen und hatte damit keine Probleme. 

Nach Möglichkeit organisiere man sich einen Platz hinter einer Trennwand. Dadurch wird vermieden, dass jemand vor einen mit einer „Parfümwolke“ sitzt. Auch wer allein fliegt, sollte eine Begleitperson bis zum unmittelbaren Abflug bei sich haben, denn das Bewegen des Gepäcks und das Finden des konkreten Terminals kann sehr anstrengend und belastend sein, wenn man sich nicht auf dem Flughafen auskennt. Die kühlen Temperaturen in den Flugzeugen sollten nicht unterschätzt werden. Eine warme Jacke sollte immer in greifbarer Nähe sein, auch wenn es draußen heiß ist. Das trifft auch später für den Aufenthalt im Hotel und der Klinik zu. Bei der Rückkehr aus dem je nach Jahreszeit sehr heißen Texas sollte unbedingt bedacht werden, dass es in Deutschland empfindlich kühl oder sogar kalt sein kann. Ebenfalls sollte die Atemschutzmaske immer sofort parat sein.

 Wer weiter vom Flughafen entfernt wohnt und ein Reisebüro für seinen Flug bemüht, dem kann es passieren, dass die Fluglinie die Zugfahrt zum und wieder vom Flughafen nach Hause nach dem Rückflug finanziert. Dafür erhält man einen Schein, auf dem eine Reservierungsnummer für das Zugticket abgedruckt ist. Diese Nummer muss am Fahrkartenautomaten (die mit dem Display, wo mit einer EC-Karte bezahlt werden kann) eingetippt werden. Danach wird das Zugticket kostenfrei ausgedruckt. Wir kannten uns damit nicht aus und bemerkten diesen Sachverhalt erst 15 Minuten vor der Zugabfahrt… 

Der Flug selbst war zwar sehr lang und da ich während des Fluges nicht schlafen konnte, war mir auch langweilig, aber ich hatte ihn besser überstanden, wie ich gedacht hatte. 

Fleißige Helfer zuhause

So angenehm es auch sein mag, dass der Ehepartner beim Flug und während des Behandlungszeitraumes in Dallas ist, was sicher vieles erleichtert, so war ich doch froh, dass mein Mann zu Hause geblieben war. Vieles bekommt man erst im EHC zu erfahren und ich konnte meinen Mann viele „Aufträge“ telefonisch mitteilen, was in der Zwischenzeit zu Hause alles erledigen werden sollte und musste. Das beginnt bei der Organisierung von genau den Biolebensmitteln, die man nach der Rückkehr als erstes essen darf (in Großstädten mag das kein Problem sein, in Klein- und Mittelstädten schon), das geht weiter mit vielen Dingen, die die Wohnung in einem cleanen Zustand versetzen soll und die man für die Weiterbehandlung zu Hause braucht (wer schon lange Zeit an MCS leidet und erst später fliegt, für den wird das kein Thema mehr sein) und hört bei bestimmten Vorarbeiten auf, damit möglichst schnell bestimmte Ärzte, Behörden usw. aufgesucht werden können, zwecks weiterer Krankschreibung, Anträge bei Arbeitsämtern, der ARGE usw.  

Mein Mann hatte z.B. während der Zeit meines Aufenthaltes fast die gesamte Wäsche mit viel Natron, duftfreien Waschmitteln und Essig als Spülmittel gewaschen, um die Wäsche duftfrei zu bekommen, er wischte die Schränke mit Natronlauge und Essigwasser aus, um die Schränke selbst von den sehr hartnäckigen Duftstoffen zu befreien. Er baute eine Heimsauna, versiegelte ausdünstende Holz und Spanplattenmöbel, machte bestimmte Wandabschnitte schimmelfest, kaufte und installierte Auftischwasser- und Duschfilter, organisierte die erwähnte Biokost und vieles andere mehr. 

Wer verständnisvolle Eltern, Schwiegereltern, erwachsene Kinder usw. hat, für den mag das alles kein Problem sein und er kann seinen Partner getrost mitnehmen. Es ist aber auch eine Kostenfrage bezüglich des Fluges, der Unterbringung und der Verpflegung. Da die Biokost nicht billig ist, kann das für vier Wochen schon ins Gewicht fallen. Ich konnte einiges an Geld sparen, indem ich ab der zweiten Woche mir ein Zimmer mit einer anderen Patientin teilte. Das eingesparte Geld konnte ich dringend für die Behandlung gebrauchen. 

ALGII-Bezieher wissen, dass sie nur 3 Wochen Urlaubsanspruch haben, sich aber dennoch für den gesamten Zeitraum von meist mindestens vier Wochen abmelden und nach der Rückkehr wieder anmelden müssen.  

Erfahrungen mit amerikanischen Mitpatienten 

Grundsätzlich muss ich sagen – auch wenn wir Deutsche das nicht gern hören: Die Amerikaner sind erheblich herzlicher, freundlicher und hilfsbereiter wie wir Deutsche. Wenn ich einmal nicht wusste, wie ich von der Klinik zurück zum Hotel kommen sollte, wurde ich ohne viel Aufsehens mit in das Hotel genommen. Ebenso, wenn ich mal in die Stadt zum Einkaufen wollte. Als ich nicht wusste, wie ich die restlichen Medikamente, die bis zum Abflug nicht fertig werden würden, nach Deutschland bringen sollte, bot sich sofort ein Amerikaner an, diese nach Wien zu schicken, wo er Freunde hatte. Von dort hätte ich sie mir abholen können. Eine schwer elektrosensible und MCS-kranke Frau fragte, sobald sie mich sah, wie es mit ginge und bot ihre Hilfe an, um mit Dr. Rea bezüglich eines wichtigen Attestes für mich zu reden. 

Eine schwer krebskranke Amerikanerin schenkte mir, einfach so, einen Luftionisator, den man um den Hals hängen kann, für 190 Dollar und bot mir an, für mich Lebensmittel zu kaufen, nachdem ich im Scherz sagte, ich habe bald kein Geld mehr, um mir Lebensmittel zu kaufen, weil die Behandlung so teuer ist. 

Die Amerikaner halten uns Deutsche für streng, mit relativ wenig Humor. Unsere Regeln erlauben kaum Toleranz. Wenn sie einem helfen wollen, fragen sie nicht – wie bei anderen Aufgaben – warum dies nicht möglich sein könnte, sondern wie es trotz Probleme geschafft werden könnte. Insgesamt gesehen nehmen die Amerikaner alles lockerer wie wir Deutsche. Besonders Kinder, die in den USA aufgewachsen sind, aber deutsche Eltern haben, finden diese Strenge der Deutschen anstrengend. 

Kosten, die man einplanen muss

Wer eine Behandlung im EHC-Dallas plant und anschließend die Behandlung zu Hause weiterführt und teilweise auch Veränderungen an seiner Wohnung vornehmen muss, sollte für folgende Kosten eine Planung vornehmen: 

Flug und was man sonst so alles braucht:

  • Flug, Taxikosten in Dallas und in Deutschland
  • Flugtaugliche Koffer und andere Reiseutensilien
  • Reisehaarföns und Steckdosenadapters
  • Kühltaschen und Kühlpacks für den langen Transport von Medikamenten 

Notwendiges vor Ort

  • Duftfreie Wasch- und Spülmittel, Waschlotionen u.a. Körperpflegemittel (geht auch im EHC)
  • Bio-Lebensmittel, man muss sich selbst verpflegen
  • Leihwagen oder Taxikosten, falls kein Shuttleservice genutzt wird
  • Unterbringung in einem speziellen cleanen Klinik-Hotel (in Dallas)
  • Waschen von Wäsche im Hotel 

Kosten für Behandlung und Hilfsmittel während der Behandlung im EHC

  • Ärztliche Sprechstunden
  • Beratungskosten für den Ernährungsberater
  • Laborkosten für Immunstatus, Schwermetall- und Chemikalienbelastung
  • Sauerstofftherapie
  • Therapeutischer Besuch der Sauna für die Entgiftung, Massage
  • Keramikmaske mit einem Gaspuffersystem für die Sauerstofftherapie
  • Atemschutzmaske gegen Chemikalien, Duftstoffe und Feinstaub
  • Nährstoffe
  • Allergietests
  • Herstellung von Vaccinen 
  • Herstellung und Austestung des individuellen Immunregulationsmittels ALF. Herstellung und Austestung der individuellen Antigene zur Desensibilisierung. Desinfektionstücher, Einwegspritzen, etc. 
  • Erstellung des ärztlichen Abschlußberichtes (erfolgt erst 4-5 Wochen nach der Behandlung im EHC-D)  

Mögliche Kosten Zuhause

  • Wasserfilter für die Wohnung
  • Duschfilter zur Beseitigung des Chlors und für einen auch für Warmwasser geeigneten Carbon-Duschfilters
  • Versieglungsmaterial, um die Ausdünstungen von Holz- und Spannplattenmöbel zu unterbinden
  • Ev. Materialien zur Sanierung der Wohnung, z.B. Luftentfeuchter
  • Natron für therapeutische Entgiftungsbäder und zur Beseitigung von Duftstoffen und Chemikalien aus der Wäsche
  • Kosten für das mehrmalige Waschen der gesamten Haushaltswäsche, um sie von Duftstoffen und Chemikalien clean zu bekommen (falls nicht schon geschehen)
  • Bau oder Kauf einer Heimsauna, für die weiterführende tägliche therapeutische Saunasitzung zur Entgiftung
  • Energiekosten für die tägliche Saunasitzung
  • verträgliche Bionahrungsmitteln für die tägliche Ernährung
  • Spezielle Leuchtmittel, weil der Elektrosmog der Energiesparlampen oft nicht vertragen wird und das Risiko einer Quecksilberbelastung zu hoch ist
  • Luftreiniger
  • Weiterführende Sauerstoffbehandlung in Deutschland, falls die Krankenkassen das nicht übernehmen (dürfte meistens der Fall sein)

 

Autor: Manuela für CSN – Chemical Sensitivity Network, 25. Nov. 2009 

Teil I von Manuelas Bericht:

Erfahrungen einer MCS-Patientin in der Umweltklinik EHC-Dallas

Weitere Informationen über die Behandlung im EHC Dallas: