Archiv der Kategorie ‘Lifestyle‘

Fast Food Generation

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Wir sind die Fast Food Generation schlechthin. Pizza, Döner, Burger, Pommes Frites, Fertiglasagne – ohne Fast Food läuft nichts mehr. Kinder und Jugendliche sind bereits Kunden der großen Fast-Food-Ketten, so die Entwicklung unserer Zeit. Hektik, Zeitmangel, Stress und Konsumüberfluss bestimmen unseren Alltag. Leider ist Essen bei den meisten von uns zur Nebensache mutiert, gekocht wird nach einem stressigen Arbeitstag in den seltensten Fällen. Das Fertigprodukt ab in den Backofen oder die Mikrowelle und schon geht es vor den Fernseher zum Entspannen. Viele Leute essen sogar vor der Flimmerkiste, die Dauerberieselung kennt keine Grenzen. Die Umsätze der bekannten Fast-Food-Ketten steigen ständig, die Zahl der Übergewichtigen leider auch.

Erschrocken bin ich neulich über die Pressemeldung, dass wir Deutsche die dicksten Europäer sind. Ungesundes und fettes Essen halten Siegeszug auf unsere Teller. Nicht, dass solche Lebensmittel nur fett sind, erschwerend hinzukommt, dass sie größtenteils gesundheitsschädliche Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Glucose, Stabilisatoren, Farbstoffe, Aromen usw. enthalten, die Allergien und Unverträglichkeiten fördern. Die Tendenz der steigenden Zahl der Allergiker bestätigt diese negativen Auswirkungen unseres Essverhaltens.

Den Kindern Fast Food gänzlich zu verbieten, ist sicherlich der falsche Weg. Aber abwechselnd Fast Food und selbst zubereitete Mahlzeiten anbieten, wäre eine mögliche Alternative. Viele leckere Gerichte lassen sich in kurzer Zeit mit frischen Zutaten zu einer geschmackvollen und gesunden Mahlzeit zubereiten. Wir scheinen vor lauter Zeitsparen völlig vergessen zu haben, wie man mit dem Einsatz von Phantasie und Kreativität den Alltag interessant und abwechslungsreich gestalten und sogar gesund Kochen kann. Die Belohnung ist oft ein spannendes Geschmackserlebnis. Entspannen kann man nicht nur beim Fernsehen, sondern mit Gewissheit auch beim Kochen, das kann ich Euch aus eigener Erfahrung versichern. Selbst gemachte Pizza, ein Genuss für die ganze Familie! Probiert es selber einmal aus, belohnt  werdet Ihr mit außergewöhnlichen, wohlschmeckenden Leckereien, mit denen Fertigpizza, Fertigtüten und „Dosenfutter“ keinesfalls mithalten können. Was nicht heißen soll, sich nicht einmal einen Hamburger gönnen zu dürfen. Sicher ist das erlaubt, sich aber ausschließlich von Fast Food zu ernähren ist die falsche Entscheidung, mit unerwünschten Konsequenzen. Deshalb schlage ich Euch die Kombination von Kochen und ab und zu mal Fast Food als gesunde Ernährungsvariante vor, die Euch und Euren Lieben einen abwechslungsreichen, gesünderen und zufriedenen Feierabend garantiert. Haben Männer erst einmal die Küche erobert, läuft alles andere wie geschmiert, nach dem Motto, „selbst ist der Mann“. Überrascht Eure Frau mit einem selbst gekochten Gericht, über ihre Reaktion werdet ihr staunen.
Viel Spaß beim Genießen wünscht Euch
Thommy

Ist Pillenschlucken die neue Volkskrankheit?

thommy-blog.jpgFreiverkäufliche Medikamente werden bei uns so stark umworben wie nie zuvor. Die Medien überfluten mit Werbespots für Arzneien, Diät- und Vitaminpräparate – für jeden Zweck quasi das passende Mittelchen. Zeitungen sind ebenfalls vollgestopft mit Medikamentenwerbung, die uns die schnelle und einfache Lösung für fast jedes medizinische Problem vorgaukeln. Pille einwerfen und schon geht´s wieder!

Stürzt das Kind, dann gibt man am besten gleich eine Wund- und Heilsalbe.
Bei Kopfschmerzen nimmt man sofort eine Schmerztablette, damit man alle Aktivitäten ungehindert wahrnehmen kann. Für Magenschmerzen und Völlegefühl nach zu fettem Essen oder zu viel Alkohol gibt ja Säurehemmer.
Gegen Rückenschmerzen am besten gleich eine Salbe auftragen oder ein Wärmepflaster.
Überflüssige Pfunde bekämpft man mit Pülverchen aus der Apotheke und das Abnehmen geht fast von selbst, ganz ohne Sport, so die Werbung. Auch Erkältungsmittel werden uns noch und nöcher angepriesen.

Die sorglose Einnahme der verschiedensten Medikamente, diese wohlmöglich miteinander kombiniert, sollte uns vorsichtig stimmen, das kann nicht gut gehen. Alt bewährte Heilmittel geraten durch den Trend der schnellen unkomplizierten Selbstmedikation in den Hintergrund. Das Wissen um diese oftmals sehr wirkungsvollen und gut verträglichen Hausmittel geht völlig verloren.

Anstatt sich maßlosen Essattacken und übermäßigem Alkoholkonsum hinzugeben, rate ich auf die Alarmsignale des Körpers zu achten, seinen Lebensstil zu korrigieren, sich zu bewegen und auch mal versuchen, ein Zipperlein auszuhalten. Man muss nicht wegen jeder Kleinigkeit sofort zur Keule greifen, einige Beschwerden vergehen von selbst. Die Pharmaindustrie freut sich, deren Rechnung geht auf, wie die Pressemeldungen über ständige Umsatzsteigerungen bestätigen. Die Werbung macht sich bezahlt, denn deren Kasse klingelt!

Ein Spaziergang oder Ruhe bewirken oft Wunder bei Kopfschmerzen und erspart so manche bittere Pille. In meiner Kindheit gab es bei kleineren Blessuren nicht gleich ein Wundheilungspräparat. Bei uns galt die Devise „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, Pflaster drauf und die Wunden heilten ganz von alleine. Durch den epidemieartigen Bewegungsmangel unseres Zeitalters, sind Übergewicht, Rücken- und Gelenkprobleme die reinsten Volkskrankheiten. Hier würden mehr Bewegung, wie z. B. Nordic Walking, Schwimmen, Fahrradfahren, spezielle Gymnastikübungen für den Rücken dazu beitragen, dass diese Erkrankungen erst gar nicht entstehen bzw. sie sich auf gesunde Weise regulieren. Die Dicksten in ganz Europa zu sein, ist keine besondere Ehre. Ausreichend Bewegung und sportliche Aktivitäten, fettarme und gesunde ausgewogene Ernährung verhelfen zum gesünderen Abnehmen als die Drinks aus der Apotheke.

Die medikamentenlastige allgegenwärtige Werbung suggeriert uns, die Einnahme von Medikamenten als harmlose Normalität anzusehen. Aber weit gefehlt, es sollte uns hingegen bewusst sein, dass Arzneimittel unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Es handelt sich um synthetisch hergestellte Präparate, sprich chemische Stoffe, angereichert mit Aromen und anderen Hilfsstoffen, deren negative Auswirkungen, ebenfalls nicht zu unterschätzen sind. Durch den Standartsatz „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker“, soll die Alltagstauglichkeit unterstrichen oder vorgetäuscht werden. Allerdings ist ein weiteres nicht zu unterschätzendes Risiko, die Selbstmedikation, denn Kombination verschiedener Präparate kann ungeahnte Folgen haben.

Wir stopfen uns gedankenlos voll mit Arzneimittel ohne über die möglichen  Folgen nachzudenken. Dass viele medizinische Studien das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden, wissen die meisten Leute leider nicht. Der SWR berichtete im vergangenen Jahr, dass davon auszugehen ist, dass bis zu 90 Prozent der Pharmastudien in irgendeiner Form manipuliert sind:

Euer Thommy

Grüne Signale von der CeBit

thommy-blog.jpgDer Umweltschutz hat auch auf der CeBit Einzug gehalten. Das Schlüsselwort der diesjährigen CeBit ist „Green IT“. Diese positive Signalwirkung ist sehr begrüßenswert, denn dass Computer-Elektronik zunehmend umweltfreundlich produziert wird und ein umfangreicheres Recycling gewährleistet ist, wirkt sich auf die globale Umwelt nachhaltig aus. Das ist dringend notwendig, denn z.B. die Antiflammschutzmittel sind bei Mensch und Umwelt längst „angekommen“, wie es die Toxikologen nennen. Da ein PC heute fast in jedem Privathaushalt vorhanden ist, diese Geräte also nicht „nur“ den betrieblichen Arbeitsschutz betreffen, ist diese umweltfreundliche Entwicklung “kurz vor Zwölf – äußerst positiv zu bewerten.

Die gezielte Schadstoffreduzierung und Reduzierung des Stromverbrauchs der neuartigen Computer, wird nicht nur den Wünschen der Verbraucher gerecht, sondern ist ein bedeutungsvoller richtungweisender Beitrag, der neben dem besseren Umweltschutz, eine gesündere PC-Anwendung möglich macht.

Greenpeace hat zum Thema „grüne Technologie“ sogar einen Greenpeace CeBit-Blog eingerichtet.

Das unterstreicht die nachhaltige Bedeutung dieses uns global betreffenden Themas und dass man sich in vielen Bereichen um dieses Problem wirklich Gedanken macht. Umweltfreundliche Produkte, besonders Elektronik, da diese durch die Schnelllebigkeit schnell wieder durch neue Produkte ersetzt wird, sind in unserem Zeitalter eine unabdingliche Notwendigkeit, darüber sollten wir uns bei Kaufentscheidungen im Klaren sein, und nicht uns nach der „Geiz ist geil“-Methode zum Kauf des günstigsten PCs verleiten lassen. Es gibt andere wichtige Kaufkriterien. Unser Verantwortungsbewusstsein  zu einem besseren Umweltschutz sollte unsere Kaufentscheidungen für gesundheitlich verträgliche Produkte nachhaltig prägen. Ich bin gespannt, ob die CeBit auch einen Computer vorstellt, der dem „MCS- Standart“ Genüge trägt und wirklich keine Chemikalien ausströmt.

Bis demnächst,

Euer Thommy

Normalität für Chemikaliensensible (MCS): Kopfschmerzen, Schwindel und Asthma an Weihnachten

Obwohl das ganze Weihnachtsfest harmonisch abgelaufen ist und das Essen wunderbar gelungen, stellen sich bei manchen Menschen Kopfschmerzen, Schwindel oder Asthmaanfälle ein. Woran mag es liegen, wenn nicht tief ins Glas geschaut wurde und kein Stress vorhanden war? Einer der Hauptauslöser können duftstoffhaltige Geschenke oder Gäste mit speziell für die Festtage aufgetragenen Duftstoffen sein. Ca. 15% der Bevölkerung leidet unter MCS – Multiple Chemical Sensitivity, sie haben an Weihnachten einen sehr schweren Stand. Ausweichen ist kaum möglich, wenn sie das Fest im Kreis der Familie verbringen möchten, für viele bleibt nur die Isolation.

Aftershaves, Parfüms und Bodylotions sind dafür bekannt, Asthma und Kopfschmerzen auszulösen. Grund dafür können die darin enthaltenen komplexen Chemikaliengemische sein, die akut auf das Nervensystem oder die Atmungsorgane einwirken. Über 4.000 Chemikalien kommen in künstlichen Duftstoffen zur Anwendung. Lösemittel wie bspw. Xylol, Toluol, Azeton oder allergieauslösende natürliche ätherische Öle wie u.a. Kampfer, Citral und Limonen gelten als typische Inhaltsstoffe. Besonders empfänglich für Reaktionen gegenüber Duftstoffen sind Asthmatiker, Chemikaliensensible, Personen mit MCS- Multiple Chemical Sensitivity und Allergiker.

Auch Kerzen, Duftkerzen und Raumduftsprays zählen häufig zu den Auslösern von weihnachtlichen Beschwerden. Normale Kerzen bestehen aus Paraffin, ein Abfallprodukt der Erdölindustrie, und die Dochte sind oft zusätzlich bleihaltig. Wer nicht lüftet nach dem Abbrennen von Kerzen, hat schnell eine hohe Schadstoffkonzentration in der Innenraumluft. Ist ein Weihnachtsbaum vorhanden, muss man zusätzlich an Terpene und Pestizide als Belastung denken. All diese Chemikalien addieren sich zu den bereits in der Raumluft befindlichen Chemikalien aus Reinigungsmitteln, Möbeln, etc. hinzu und sorgen dafür, dass bei einer erkrankten Person das „Fass überläuft“. Beschwerden stellen sich ein.

Was häufig hilft gegen Kopfschmerzen, Asthma und anderen Beschwerden an den Festtagen, ist frische Luft, sowie rigoroses Eliminieren von Duftstoffen und anderen enttarnten Auslösern. Das mag zwar alles traurig für denjenigen sein, der die Duftstoffe geschenkt hat, aber auch ein Lehrstück. Am Besten klärt man schon im Vorfeld mit allen Weihnachtsbesuchern ab, dass auf Duftstoffe und duftende Geschenke völlig verzichtet werden muss.

Stellen sich Asthma, Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen oder erhebliche Stimmungsschwankungen nach Abbrennen von Kerzen, Anwendung eines Parfüms, Aftershaves, Raumduftes oder ähnlichem ein, weg damit aus dem Umfeld der chemikaliensensiblen oder allergischen Person. Duschen mit neutralem Duschshampoo, ein Spaziergang durch die klare Winterluft und lüften des Wohnraums führt häufig schnell zu Linderung.

Autor: Silvia K. Müller, Dezember 2007

Literatur:

  1. Burstein R, Jakubowski M., Unitary hypothesis for multiple triggers of the pain and strain of migraine, J Comp Neurol. 2005 Dec 5;493(1):9-14
  2. Baldwin CM, Bell IR, O’Rourke MK., Odor sensitivity and respiratory complaint profiles in a community-based sample with asthma, hay fever, and chemical odor intolerance, Toxicol Ind Health. 1999 Apr-Jun;15(3-4):403-9
  3. Baldwin CM, Bell IR, O’Rourke MK, Lebowitz MD., The association of respiratory problems in a community sample with self-reported chemical intolerance. Eur J Epidemiol. 1997 Jul;13(5):547-52
  4. Baldwin CM, Bell IR., Increased cardiopulmonary disease risk in a community-based sample with chemical odor intolerance: implications for women’s health and health-care utilization, Arch Environ Health. 1998 Sep-Oct;53(5):347-53
  5. Bell IR, Schwartz GE, Peterson JM, Amend D., Self-reported illness from chemical odors in young adults without clinical syndromes or occupational exposures, Arch Environ Health. 1993 Jan-Feb;48(1):6-13
  6. Cone JE, Shusterman D., Health effects of indoor odorants,Environ Health Perspect. 1991 Nov;95:53-9.
  7. Elberling J, Skov PS, Mosbech H, Holst H, Dirksen A, Johansen JD.,Increased release of histamine in patients with respiratory symptoms related to perfume. Clin Exp Allergy. 2007 Nov;37(11):1676-80
  8. Fisher BE.,Scents and sensitivity, Environ Health Perspect. 1998 Dec;106(12):A594-9
  9. Henneberger PK., Work-exacerbated asthma, Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2007 Apr;7(2):146-51.
  10. Kelman L.The triggers or precipitants of the acute migraine attack, Headache Center of Atlanta, Cephalalgia, 2007 May;27(5):394-402
  11. Kumar P, Caradonna-Graham VM, Gupta S, Cai X, Rao PN, Thompson J., Inhalation challenge effects of perfume scent strips in patients with asthma, Ann Allergy Asthma Immunol. 1995 Nov;75(5):429-33
  12. Millqvist E, Bengtsson U, Löwhagen O.,Provocations with perfume in the eyes induce airway symptoms in patients with sensory hyperreactivity, Allergy. 1999 May;54(5):495-9
  13. Millqvist E, Löwhagen O., Placebo-controlled challenges with perfume in patients with asthma-like symptoms, Allergy. 1996 Jun;51(6):434-9

Arbeitsplätze für Menschen mit Chemikaliensensitivität (MCS)

Frau mit MCS - Multiple=

Wer unter Chemikaliensensitivität oder Multiple Chemical Sensitivity (MCS) in schwerer Ausprägung leidet, hat auf dem normalen Arbeitsmarkt kaum eine Chance. Schon Alltagschemikalien aus Parfüms, After Shave oder normalen Reinigungsmitteln reichen in geringer Dosierung aus, um diese Menschen außer Funktion zu setzen. Auf normalen Arbeitsplätzen begegnet man zusätzlich regelmäßig noch vielen weiteren Chemikalien wie beispielsweise Lösemittel aus Inventar und Produktionsvorgängen, neuer Teppichboden oder belastete Drucker- und Kopiererstäube, die dieser Personengruppe bereits den Aufenthalt in den Räumlichkeiten unmöglich gestalten, geschweige denn kontinuierliche Leistung zulassen. Unsichtbare Barrieren nennt man diese Problematik im Fachjargon, weil man die Chemikalienbelastung nicht sehen kann. Anstatt Verständnis erhalten Erkrankte am Arbeitsplatz oft Gespött oder werden sogar von Kollegen bewusst Chemikalien ausgesetzt. Es gibt jedoch auch positive Projekte.

Treffender, als es Marlene Catterall aus Ottawa bei einer Debatte des kanadischen Unterhauses sagte, kann man die Situation der Umweltsensiblen kaum beschreiben:

„Es gibt da beim Management und der Regierung einige Tendenzen, die diese Probleme (Umweltsensibilitäten) nicht ernst nehmen und die glauben lassen, dass sie es mit einer Gruppe von Hypochondern zu tun haben. Ich denke, kein verantwortungsbewusster Arbeitgeber kann wirklich glauben, dass eine Gruppe von Angestellten plötzlich über Nacht zu Hypochondern wird. Dies sind sehr reale Probleme, sie sind nicht unbekannt in der internationalen Wissenschaft und verdienen sehr ernsthafte Aufmerksamkeit von der Regierung.“ (1)

Rehabilitierungsprogramm für Rehabilitierungsprogramm
Ein aktuell erschienener Bericht in der amerikanischen Fachzeitung Work setzt sich mit den Einschränkungen und Barrieren auseinander, die Chemikaliensensible (MCS) im Arbeitsleben betreffen. Wegen der Schwere der Symptome, der oft anzutreffenden Stigmatisierung und der unerfüllten krankheitsbedingten Bedürfnisse am Arbeitsplatz, müssen diese Menschen ihr Arbeitsleben sehr häufig frühzeitig beenden. Damit Chemikaliensensiblen geholfen wird, weiter arbeiten zu können oder eine neue Beschäftigung zu finden, müssen Rehabilitationsexperten die Barrieren genau verstehen, die sich für diese behinderten Menschen an einem Arbeitsplatz ergeben. Ihre Aufgabe besteht dann darin, diese Barrieren zu reduzieren oder zu beseitigen. Im Bericht in der Fachzeitschrift Work wird von Wissenschaftlern der University of Arkansas als Lösung eine „umweltmäßige Karriereentwicklung“ präsentiert, um weitere Beschäftigung von Chemikaliensensiblen durch Rehabilitationsinterventionen in Gang zu setzen und Barrieren zu beseitigen. (2) Dies ist dringend erforderlich, denn wie kürzlich in einem anderen Bericht in der gleichen Fachzeitschrift dargelegt wurde, werden Chemikaliensensible häufiger als Personen mit AIDS, Allergien, Asthma, Magenbeschwerden, Trauma oder Tuberkulose in ihrem Berufsleben diskriminiert. (3)

Arbeitsplätze, die besser für alle sind
Es gibt in den USA und Kanada seit vielen Jahren von staatlichen Behörden und Gewerkschaften geführte Programme, die für eine effektive Integration von Chemikaliensensiblen sorgen, statt sie völlig aus der Gesellschaft auszustoßen. Das erste großangelegte Programm startete 1993. Es gab dazu sogar Arbeitsbücher und ein Video für Mitarbeiter und Vorgesetzte zur besseren Veranschaulichung. (4,5,6) Besonders im Bildungsbereich gibt es zahlreiche Integrationsprogramme mit großem Erfolg. So haben beispielsweise über 30 Universitäten seit Jahren Statuten, die Duftstoffe und Einsatz von Chemikalien auf dem Campus verbieten. (7) Diese Maßnahme sorgt dafür, dass erkranktes Lehrpersonal oder Studenten mit MCS arbeiten können. (8) Professoren und gesunde Studenten haben längst den Vorteil dieser speziellen Anpassungen bemerkt und bekunden erhöhte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, seit z.B. Duftstoffe verboten sind. Auch auf privater Ebene haben Firmen unterschiedlicher Größe Arbeitsplätze geschaffen, die Chemikaliensensiblen ermöglichen, ihre Qualifikation einzubringen.

Menschenrechte gelten auch am Arbeitsplatz
Die kanadische Menschrechtskommission tritt nicht nur bei Diskriminierung von Umweltsensiblen in jedem einzelnen Fall ein, sie hat auch bereits einen Leitfaden zur Gestaltung MCS gerechter Arbeitsplätze herausgegeben. (9) Hierdurch können Betriebe ein Umfeld schaffen, dass es Umweltsensiblen ermöglicht zu arbeiten und Kollegen den Umgang mit ihnen erleichtert.

Maxwell Yalden, ehemals Vorsitzender der Kanadischen Menschenrechts-kommission, äußerste sich zur bestehenden Problematik bereits 1990 in unmissverständlicher Form: „Ich und meine Kollegen empfinden alles, was Umweltsensibilität betrifft und alle damit verbundenen Angelegenheiten als sehr bedauerlich. Es gibt eine Tendenz in vielen Kreisen, diese Erkrankung tot zu reden oder so zu behandeln, als gäbe es sie nicht. Sie schütteln ihre Köpfe; sie sagen, es gibt einfach keine Möglichkeit, mit manchen Menschen umzugehen. Unsere Einstellung jedoch ist, dass es ein Problem ist, ein echtes Problem. Es ist ein Problem, unter dem manche Menschen leiden, und sie leiden sehr schmerzhaft. Sie leiden noch mehr wegen des Demütigungsfaktors. Niemand nimmt sie ernst. Wir glauben, dass es ein großes Ausmaß öffentlicher Missverständnisse gibt, und wir möchten versuchen, sie zu beseitigen.

Wir werden jeder Beschwerde von jeglicher Person nachgehen, die glaubt, dass man sie diskriminiere, weil sie an Umweltsensibilitäten leidet. Es ist nicht an uns, über medizinische Sachverhalte ein Urteil zu sprechen – und es gibt medizinische Sachverhalte. In der Medizinwelt gibt es ein großes Ausmaß von Meinungsverschiedenheiten bzw. Fehlen von Einstimmigkeit betreffs dieses Syndroms. Wir denken, es ist klar, dass es eine Krankheit ist. Es ist ein Problem. Es ist keine Illusion. Ich denke, wir alle haben die Aufgabe, den Menschen zu helfen zu verstehen, was involviert ist und etwas dagegen zu tun.“ (10)

Chemialiensensitivität akzeptieren spart Milliarden
In Deutschland verwiesen Politiker schon 1998 darauf, dass Chemikaliensensitivität für die Betroffenen katastrophale persönliche, finanzielle und soziale Folgen hat. Insbesondere der Wirtschaft und in der Industrie entstünden jährlich Kosten in Milliardenhöhe aufgrund der nachlassenden Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. (11)

In Kanada wurden von der Environmental Illness Society of Canada noch genauere Zahlen ermittelt. Dort kostet Chemikaliensensibilität pro Jahr ca. 10 Milliarden Dollar an Produktivitätsverlust, 1 Milliarde Dollar an Steuerverlust und 1 Milliarde Dollar an vermeidbaren Kosten im Gesundheitssystem. (12)

Caress und Steinemann hatten in den USA im Jahr 2002 eine aufsehenerregende Studie mit Fakten und Zahlen über die Auswirkungen von MCS veröffentlicht. Rund 36,5 Millionen Amerikaner sind chemikaliensensibel. Bei rund 5,2 Millionen der Erkrankten kann Chemikaliensensitivität bis zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. (13)

Arbeitsplätze sichern
Viele Chemikaliensensible schleppen sich mit letzter Kraft zur Arbeit, um nicht aus dem sozialen Netz zu fallen. Sie haben Familien zu versorgen und Verpflichtungen, was ihnen keinen anderen Ausweg lässt. Doch wenn keine Änderungen durchgeführt werden, um den Arbeitsplatz chemikalienfrei zu gestalten, wird die Bandbreite der Substanzen, die Symptome auslösen, immer größer, und der Gesundheitszustand zwangsläufig immer schlechter. Das Resultat führt zu völliger Invalidität, häufig Überschuldung, Ende des Arbeitslebens und nicht selten schlußendlich zu auseinanderbrechenden Familien.

Nicht jeder Chemikaliensensible wird wieder arbeiten können, auch nicht unter schadstoffkontrollierten Bedingungen. Manche dieser Erkrankten sind auf Arbeitsplätzen tätig, die man auch mit großen Änderungen nicht umfassend schadstofffrei gestalten kann, wie z.B. Chemiker, Friseure, Laborangestellte, Anstreicher oder Schädlingsbekämpfer. Andere sind schlicht und einfach zu krank zum Arbeiten oder ihre Reaktionen zu schwerwiegend. Eine Erhebung geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Chemikaliensensiblen zu dieser Gruppe zählt. Dies trifft insbesondere für solche zu, die durch neurotoxische Chemikalien erkrankten. Die verbleibenden zwei Drittel hätten jedoch eine reelle Chance, wieder halbwegs funktionierende Teile der Gesellschaft zu werden, wenn man die entsprechenden Voraussetzungen schafft und für Akzeptanz, Verständnis und Kooperation bei den Mitarbeitern in einem Betrieb sorgt.

Wenn Chemikaliensensitivität nicht mehr länger ignoriert würde und Erkrankte dahingehend unterstützt würden, dass sie ihre Arbeit weiter verrichten können, würde dies, wie die oben genannten Studien und Aussagen belegen, Milliarden einsparen. Zusätzlich würde das unbeschreibliche menschliche Leid und finanzielle Verluste für Chemikaliensensible und deren Familien minimiert, und die Gesellschaft könnte weiterhin auf das Wissen und die Fähigkeiten vieler wertvoller Menschen zurückgreifen. Nicht zuletzt würden durch gesündere Arbeitsplätze alle profitieren.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN, Dezember 2007

Literatur:

1. Marlene Catterall, M.P. (Ottawa West), Hansard, House of Commons Debates, 5. Juni, 1990
2. Szirony GM, Kontosh LG, Koch L, Rumrill P, Hennessey M, Vierstra C, Roessler RT., An ecological approach to facilitate successful employment outcomes among people with multiple chemical sensitivity, Work. 2007;29(4):341-9
3. Vierstra CV, Rumrill PD, Koch LC, McMahon BT., Multiple chemical sensitivity and workplace discrimination: the national EEOC ADA research project, Work. 2007;28(4):391-402
4. Multiple Chemical Sensitivities at Work: A Training Workbook for Working People, New York: The Labor Institute, 1993
5. Videotape „MCS: An Emerging Occupational Hazard.“ New York: The Labor Institute, 1993
6. Job Accommodation Network, Tracie DeFreitas Saab, Accommodation and Compliance Series: Employees with Multiple Chemical Sensitivity and Environmental Illness, 01/02/06.
7. Silvia K. Müller, Duftverbot an über 30 Universitäten, CSN, Mai 2007
8. Thomas Kerns, When the day is particularly beautiful, Our Toxic Times, Dez. 2007
9. Debra Sine, Leslirae Rotor, Elizabeth Hare, Canadian Human Rights Commission, Acommodating Employees with Environmental Sensitivities, A Guide fort he Workplace, Nov. 2003
10. Maxwell Yalden, former CHair Canadian Human Rights Commission, Hansard, House of Commons Minutes of Proceedings and Evidence of the Standing Commitee on Human Rights and the Status of Disabled Persons, 10. Mai 1990
11. Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Michael Müller, Dr. A. Schwall-Düren, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/11125, 19.06.1998
12. Environmental Illness Society of Canada, Socio-Economic Study of MCS, 2001
13. Caress SM, Steinemann AC, Waddick C. 2002. Symptomatology and etiology of multiple chemical sensitivities in the southeastern United States. Arch Environ Health 57(5):429-436.

Parfüm: Schlecht für die Ratte – gut für den Menschen?

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Dick aufgetragen können Parfüms eine Plage sein, das können viele Menschen sofort aus eigener Erfahrung bestätigen. Sie stinken einfach, wie mancher sagt. Doch mangelnder Wohlgeruch ist nicht alles. Einige der Duftwässerchen rauben einem regelrecht die Sinne, verursachen Kopfschmerzen, Schwindel und lassen einen keinen klaren Gedanken mehr fassen. Dass solche Reaktionen durch die Chemikalien in so manchem Parfüm verursacht werden, ist leicht nachvollziehbar, wenn man sich die Inhaltsstoffe anschaut. Nicht schlecht gestaunt habe ich dennoch, als ich eine Pressemitteilung der amerikanischen Stiftung National Toxic Encephalopathy Foundation (NTEF), die sich für Menschen mit toxisch bedingten Hirnschäden einsetzt, bezüglich des Parfüms „Angel“ von Thierry Mugler zugeschickt bekam. (1) Demnach ist manches Parfüm nicht nur „dick aufgetragen“ eine Gefahr.

Parfüm nur noch auf Verordnung in der Apotheke?

„Angel“ zu Deutsch Engel, enthält das toxikologisch relevante Cumarin. Cumarin ist laut der Gefahrstoffverordnung mit dem Andreaskreuz als gesundheitsschädlich gekennzeichnet. Cumarinderidivate werden als sehr wirksames Rattengift vertrieben. In geringerer Dosierung wird Cumarin als hochpotentes Herzmedikament eingesetzt. Natürlich kein Medikament, das man ohne ärztliche Verschreibung erhält wie Halsschmerzpastillen, sondern eines, was nach ganz präziser Diagnostik in einer wohlüberlegten Dosierung verordnet wird. Die Stiftung NTEF sieht genau hier eine Gefahr für Benutzer des cumarinhaltigen Parfüms. Sie fordert durch eine Petition die Reglementierung von „Angel“ und dass es als Medikament eingestuft wird. Außerdem soll der Import wegen zahlreicher Verletzungen der amerikanischen Importbestimmungen beendet werden.

Parfüminhaltsstoffe im Nebel der Verschwiegenheit

Bis vor einiger Zeit waren die Inhaltsstoffe von Parfüms völlig unbenannt, angeblich um Nachahmungen zu verhindern. Mancher unbedarfte Verbraucher mag es glauben. Doch die Realität sieht anders aus, denn mit wenig Mühe und relativ geringem finanziellen Aufwand kann eine Laboranalyse eines Parfüms erstellt werden und nicht lange danach könnte es in Kopie auf dem Markt sein. Neuen gesetzlichen Regelungen ist es zu verdanken, dass nun wenigstens einige von mehreren Tausend im Einsatz befindlichen Inhaltsstoffen angegeben werden müssen. Allerdings nur dann, wenn sie einen bestimmten Prozentsatz überschritten haben, was für Extremallergiker immer noch keinen umfassenden Schutz bedeutet. Eine leichte Verbesserung bestenfalls, denn vormals bestand überhaupt keine Pflicht, Inhaltsstoffe zu deklarieren. Im Fall von „Angel“ habe der Hersteller einige Jahre lang nur wenige Inhaltsstoffe bekannt gegeben, berichtet die Stiftung, doch jetzt kamen weitere hinzu, unter anderem das besagte Gift Cumarin.

Parfüm verstößt gegen Gesetze

Die Petition, die an die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassung FDA gerichtet ist, verweist im Fall des Parfüms auf über 10 Verstöße des Kodex der Vereinigten Staaten und des Kodex für staatliche Vorschriften, sagte die Präsidentin des NTEF, Angel de Fazio aus Las Vegas. Gerade habe sie der FDA auf deren Bitte noch eine fehlende Angabe zukommen lassen, die Ermittlungen sind also angelaufen.

Parfüm – Gefahr für Kranke

„Ein potentielles Gesundheitsproblem, das mit dem Parfüm Angel in Zusammenhang steht, besteht im darin enthaltenen Cumarin“, führt der bekannte Toxikologe mit Spezialgebiet Immuntoxikologie, Jack D. Thrasher, an. „Cumarin ist eine Vorstufe zum gesetzlich geregelten Medikament Warfarin und wird von Personen eingenommen, die unter Herzkrankheiten leiden oder bei denen Blutgerinnung fatal sein kann. Das Parfum enthält auch Ethanol und weitere Chemikalien, die eine Durchlässigkeit der Haut verstärken, was es dem Cumarin ermöglicht, in den Blutstrom einzudringen. Das verstärkt das potentielle Risiko für Herzpatienten und auch Personen, die vor einer Operation stehen. Dieser Duft ist ein Medikament, was erfordert, dass er neu eingestuft wird, und Restriktionen bezüglich seiner Verwendung.“

Parfüminhaltsstoffe bedenklich für jeden

Was weiß man in Deutschland über die Gefahr von Cumarin? Eine Menge, denn das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes im vergangenen Jahr intensiver mit dem nach frischem Heu, Waldmeister oder Vanille riechenden Duft- und Aromastoff Cumarin befasst. Von Umweltorganisationen war herausgefunden worden, dass zimthaltiges Weihnachtsgebäck meist Cumarin in unterschiedlicher Konzentration enthält. Das Bundesamt für Risikobewertung nahm sich der Angelegenheit an und erstellte eine Zusammenfassung mit dem Titel: „Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet“, über die Gefahren der Substanz (2). Wegen der gesundheitsschädlichen Wirkung größerer Mengen – Cumarin kann Leberschäden verursachen – darf Cumarin im Lebensmittelbereich nur als Bestandteil von Aromen und sonstigen Lebensmittelzutaten mit Aromaeigenschaften verwendet werden…Lange bekannt ist zudem, dass Cumarin im Tierexperiment die Bildung von Tumoren auslösen kann. Nach tierexperimentellen Befunden einer hepatotoxischen Wirkung wurde 1954 zunächst in den USA der Zusatz von synthetischem Cumarin zur Aromatisierung von Lebensmitteln verboten. Darüber hinaus wird Cumarin als Medikament zur Behandlung insbesondere von Stauungsfolgen durch venöse (chronische venöse Insuffizienz) und lymphatische (Lymphödem) Abflussstörungen eingesetzt. Die kanzerogenen Eigenschaften von Cumarin im Tierversuch sind seit den 1970er Jahren bekannt und haben seitdem zu anhaltenden Diskussionen über die Bedeutung dieser Ergebnisse für den Menschen und über den zugrunde liegenden Wirkmechanismus geführt.“

Auf Seite 8 und 9 der gesundheitlichen Bewertung des BfR steht über die dermale Aufnahme der Substanz aus Kosmetika zu lesen: „Im Gegensatz zum Einsatz bei der Lebensmittelherstellung darf synthetisches Cumarin als Duftstoff in kosmetischen Mitteln ohne Beschränkung eingesetzt werden. Nach EU-Verordnung 76/768/EWG über kosmetische Mittel (Amtsblatt der EU vom 11.03.2003) muss Cumarin lediglich ab einer Konzentration von 0,001 % in „Leave-on“Produkten und ab einer Konzentration von 0,01 % in „Rinse-off“-Produktion als Bestandteil deklariert werden.“

Wie viel Gift bekommt der Verbraucher täglich?

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat im Fall von Cumarin ermittelt und führt an: „Bereits aus einer überschlägigen Betrachtung der Produktionsmenge von synthetischem Cumarin, umgerechnet auf den pro Kopf-Anteil in der Bevölkerung, wird deutlich, dass die dermale Exposition nicht unwesentlich ist. Yourick und Bronaugh (1997) berechneten aus einer jährlichen Produktion von 250.000 angelsächsischen Pfund (113,4 t) in den USA bei einer Bevölkerungszahl von 250 Millionen Menschen eine durchschnittliche tägliche Cumarin- Menge von 1,2 mg pro US-Amerikaner.“ (2) Hier stutzte ich beim Lesen etwas, denn nicht jeder in der amerikanischen Bevölkerung verwendet Duftstoffe und selbst wenn, enthalten diese nicht zwangläufig auch immer Cumarin, ergo ist für Benutzer solcher Cumarinhaltiger Produkte mit wesentlich höheren Werten und somit höherem Risiko für die Benutzer zu rechnen.

Parfümlobby – Änderungen wären besser als aussitzen

Die Fachzeitung für Parfumeure scheint ihrer ersten Reaktion zufolge recht hilflos zu sein gegenüber dem „Angriff“ der amerikanischen Stiftung NTEF auf ein erfolgreiches Parfüm. Rat, was zu tun ist, weiß man nicht und fragt stattdessen die Leser um Vorschläge. (3) Guter Rat ist nicht teuer, ich würde etwas logisches Denken und Pragmatismus vorschlagen: Zurück zu natürlichen Essenzen, die ungiftig sind, auch wenn ein Parfüm etwas teurer in der Herstellung ist, denn lebende Kunden kaufen länger.

Autor: Silvia K. Müller, CSN-Chemical Sensitity Network

Literatur:

  1. NTEF Presseerklärung, NTEF Petitions the FDA to Have Angel Perfume Declared a Drug, Las Vegas, NV 89126, 29. Oktober 2007
  2. BfR, Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet, Gesundheitliche Bewertung des BfR Nr. 043/2006 16. Juni 2006
  3. Comment: NTEF Attacks Clarins, Perfumer & Flavorist magazine, Okctober 30, 2007

Die Natur sucht sich Wege

Zerstörte Landschaft

Eines meiner Lieblingsmotive beim Photographieren ist Industrie und Natur im Kontrast. Orte, an denen die Natur wieder Oberhand gewinnt oder Signale aussendet.  img8517_dxo.jpg

Die Industrie ist an vielen Stellen auf unserem Planeten dabei, die Natur in die Ecke zu drängen, sie zu verdrängen, und mancherorts geschieht dies gnadenlos. Doch sie bäumt sich auf und kämpft erfolgreich zurück und zeigt uns dabei, wo wir als Mensch stehen. img8585_dxo.jpg

Manchmal triumphiert die Natur, indem sie den Stolz des Menschen überwuchert oder umschlingt.

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Ein anderes Mal wirken die morbiden Zerfallsprozesse vor sich hinrostender Industriekultur schon fast wie von einem Künstler perfekt inszeniert. p1010510.JPG

Die Natur kann auch ein zynischer Clown sein, der uns Menschen den Spiegel vorhält. Unsinniges wird uns von ihr vor Augen geführt, um zum Umdenken anzuregen. Und dann ist es immer wieder der Mensch, der sich durch seine Handlungen selbst in Frage stellt.

Plötzlich springt der Funke über…

Menschen im Straßencafe, südländisches Flair

Was war für Euch früher Öko? Ein Synonym für Birkenstock tragende Müslifresser? Irgendetwas in diese Richtung hatte jeder im Kopf, wenn er an Öko dachte, oder? Jedenfalls hätten wir nie an eine Managerin im Designerkostüm gedacht, die sich vom kühlen Glasschreibtisch aus für die Umwelt einsetzt. Oder einen Malermeister, der sich ausschließlich schadstofffreien Anstrichen verschworen hat? Viele Menschen haben heutzutage eine ökologische Gesinnung, ohne sie nach außen sichtbar zur Schau zu tragen.

Ich bin froh, dass sich die Zeiten geändert haben und ökologisches Denken und Handeln nicht mehr verknüpft sind mit ausgelatschten Birkenstocks, in denen handgestrickte geringelte Strümpfe stecken. Im Bioladen z.B. trifft man heute Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht, und es sind alles interessante, wache und meist gesund aussehende Menschen. Ich musste schmunzeln, als ein Artikel in einer edlen Hochglanz Frauenzeitung, der an Singles gerichtet war, den Tipp weitergab, in einem Biosupermarkt Ausschau zu halten. Witzig, aber warum nicht? Richtige Ignoranten trifft man dort selten. Parfümträger auch nicht so oft. Dafür bekommt man eher ein nettes Lächeln zurück oder ein Gespräch an der Kasse oder im Cafe. Mir ging es per Zufall einmal so. Ich war auf der Suche nach einem schadstofffreien Haus für ein chemikaliensensibles Ehepaar in Not. An der Kasse fragte ich den Besitzer, ob er nicht etwas wüsste. Hmm, nein im Moment nicht. „Aber ich“, sagte der junge Mann hinter mir, „ich habe genau das was Sie suchen.“ Ich drehte mich um, und wir kamen direkt ins Gespräch. Das mit dem Haus klappte für das Ehepaar in Not nicht, ihnen war es doch nicht komfortabel genug. Dafür wurden wir beide dicken Freunde und konnten zusammen noch vielen Menschen helfen. Das Haus war in den letzten Jahren mehrfach Obdach für Chemikaliengeschädigte und der junge Mann verlangte nie etwas dafür. Wo findet man das noch heutzutage?!

Es stimmt wirklich, dass man im Bioladen auf Gleichgesinnte trifft und nette Gespräche finden kann. Es sind Leute, denen man nicht groß erklären muss, was für einen wichtig und gesund ist, und was andererseits unakzeptabel ist, weil es die Umwelt zerstört. Der Funke springt schneller über als sonst wo, weil irgendwie die Wellenlänge stimmt. Es muss nicht die Frau oder der Mann fürs Leben sein, für den man auf der Pirsch ist. Bekanntschaften schließen, Gleichgesinnte treffen, ein nettes Gespräch ist viel wert. Wer weiß, was sich daraus ergibt…

Autor: Silvia K. Müller, CSN-Chemical Sensitivity Network

Seit wann benutzen Fische Parfüm?

Duftstoffe begegnen uns in jeder Alltagssituation. Wir haben „unsere Welt“ beduftet. Ob es nun die tägliche Körperpflege betrifft, unsere Nahrung oder ein Putzmittel, Babywindeln, Kerzen, Hotelzimmer, sogar Socken und U-Bahnkarten gibt es mit Duft. Die Bestandteile der Duftstoffe sind zumeist Chemikaliengemische. Sie reichern sich in unserem Fettgewebe, der Muttermilch und in unserer Umwelt an. Ein staatliches Labor in der Schweiz fand Duftstoffkomponenten nun sogar in Fischen in hochalpinen Bergseen. Wie kommen sie dorthin, in Höhen, die nur selten ein Wanderer erreicht und in denen niemand lebt?

Der Traum von sauberer Luft und sauberem Wasser

Über zweitausend Meter hohe Berge, glasklare Luft, traumhafte Panoramen mit tiefblauen Bergseen – eine friedliche Szenerie, die einen wieder eins mit der Natur werden lässt. Doch der Schein trügt, denn das staatliche Schweizer Labor für analytische Chemie hat bei Proben von Fischen aus den Seen im Hochgebirge und Flachland persistierende organische Verbindungen (POPs) und Bestandteile von Duftstoffen festgestellt.

Fische Endlager für Insektizide, Flammschutzmittel und Duftstoffe?

Es wurden Fische aus sieben alpinen Seen in Regionen zwischen 2062 und 2637 Metern über dem Meeresspiegel untersucht. Die Wissenschaftler fanden im Fettgewebe der Fische Konzentrationen von Altinsektiziden und längst verbannten Chemikalien wie DDT, DDE, Dieldrin, HPEX, HCB, HCH, PCBs, PCDD/F und PBDE. Zusätzlich zu diesen hochbedenklichen Chemikalien wurden sieben verschiedene künstliche Moschusverbindungen und Xylolmoschus festgestellt. Diese Chemikalien sind Bestandteile aus Duftstoffgemischen, die man in Pflege-, Putz- und Waschmitteln und Parfüm findet.

Durch Niederschlag in den Fisch im Bergsee gelangt

Die Konzentrationen von PCB, PCDD/F, und PBDE waren in den Fischen aus den Gebirgsseen so hoch wie im Flachland. Ganz anders sah es mit der Konzentration der synthetischen Moschusverbindungen aus. Diese aus Duftstoffen in Waschmitteln und Kosmetika stammenden Verbindungen hatten sich in den Fischen der Gebirgsseen weniger stark angereichert, als in Fischen aus dem Flachland. Der Grund hierfür liegt darin, dass in die Flachlandseen Wasser aus Wasseraufbereitungsanlagen einfließen, eine Belastung, die es in den Hochgebirgsarealen nicht gibt.

Alltagsbeduftung hat Nebenwirkungen

Für die Duftstoffbestandteile und persistierenden Chemikalien in den Fischen im Hochgebirge gibt es laut Schweizer Wissenschaftler nur eine Erklärung: sie stammen direkt aus atmosphärischem Niederschlag und Luftverschmutzung. Regen, Schnee, Nebel sorgen in diesen hohen Regionen für die Belastung der Fische mit Duftstoffbestandteilen, die sich in unserer Atmosphäre befinden. Die Umweltverschmutzung durch die Alltagsgewohnheiten der Menschen sorgt somit für „parfümierte“ Fische. Eine Entwicklung, die jedem die Tragweite einer bedufteten Welt kritisch vor Augen halten sollte.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, August 2007

Literatur: Persistent organic pollutants, brominated flame retardants and synthetic musks in fish from remote alpine lakes in Switzerland Schmid P, Kohler M, Gujer E, Zennegg M, Lanfranchi M. Empa, Swiss Federal Laboratories for Materials Testing and Research, Laboratory for Analytical Chemistry Dubendorf, Switzerland. Chemosphere, Januar 2007

Schadstoffe ignorieren bringt Nationen zunehmend ins Schwitzen

Ich lese jeden Tag wissenschaftliche Studien, Newsletter und Pressemitteilungen zu umweltmedizinischen Themen, ich kann nur sagen, man härtet ab dabei. Als ich gestern die Pressemitteilung der University of British Columbia las, schreckte ich jedoch doch etwas zusammen. Die Zahlen, die dort zu lesen waren, was Umweltgifte das Land Kanada kosten, sind nämlich astronomisch. Ob es in anderen Ländern anders ist, ich glaube es kaum. Dies ist das erste Mal, dass man in Kanada das Ausmaß von schweren gesundheitlichen Auswirkungen, verursacht durch Umweltgefahren wie Luftverschmutzung, Pestizide, Dioxine, Schwermetalle, Antiflammschutz-mittel und andere persistierende Schadstoffe (POPs), misst. Die Studie, die in dieser Woche im medizinischen Fachjournal Environmental Research veröffentlicht wird, schätzt, dass in Kanada 25.000 Menschen jährlich durch Schadstoffe sterben, 24.000 neue Krebsfälle hinzukommen und 2.500 Babys mit zu geringem Geburtsgewicht zur Welt kommen.

Das Studiendesign war von höchstem Niveau. Die Studienautoren benutzten als Grundlage eine Methodologie, die von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) in Zusammenarbeit mit 100 führenden Experten auf den Gebieten Umweltgesundheit, Epidemiologie und Toxikologie entwickelt wurde. David Boyd, der im vergangenen Monat mit der David Suzuki Stiftung zusammenarbeitete, sagte: „In unserer kulturellen DNA denken wir, dass Kanada ein ursprüngliches Land sei, aber dass passt nicht zusammen mit unseren Zahlen, wenn es um Umweltbelange geht.“ Und was er dann sagt, ist eigentlich auf alle Industrienationen übertragbar: „Wenn wir vor die Wahl gestellt werden zwischen Schutz der Umwelt oder den schadstoffproduzierenden Industrien, machen wir weiter damit, die Industrien zu beschützen.“

Doch der Wissenschaftler zeigt nicht nur die Missstände auf, er hat auch Rat für das umweltkranke Land. Er empfiehlt, dass Kanada eine umfangreiche nationale Umweltstrategie entwickelt, die strengere Standards für Luftqualität, Trinkwasser, Nahrung und Konsumprodukte einschließt. Ein weiteres Ziel solle sein, dass Kanada mehr in die Forschung, öffentliche Aufklärung, Verlaufstudien und die Entwicklung grüner Technologien investiere. Ein gutes Beispiel dafür, wie man verfahren sollte, sei Schweden, dieses Land sei Kanada Lichtjahre voraus. Dort gäbe es ein Substitutionsprinzip, erläuterte der Wissenschaftler, dass laut geltendem Gesetz verlange, dass, wenn eine sicherere Chemikalie verfügbar sei, diese Alternative zum Einsatz kommen muss.

Umfassende Maßnahmen einzuleiten ist höchste Eisenbahn für Kanada, denn die oben angeführte Berechnung ist noch lange nicht Ende der Fahnenstange. Zwei wichtige Aspekte sind in den Berechnungen nämlich nicht eingeschlossen und führen zu wesentlich höheren Kostenbergen. Boyd und Genuis kalkulierten die umweltbedingten Erkrankungen (EBD – Morbitität und Mortalität verursacht durch die Exposition gegenüber Umweltgefahren) in vier Kategorien: Atemwegserkrankungen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs und angeborene Leiden. Allergien, Umweltkrankheiten wie Chemikaliensensibilität (MCS) und Chronic Fatigue Syndrom (CFS), neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimers, Parkinsons, Multiple Sklerose und ALS, hormonelle Fehlfunktionen, etc. wurden in die Berechnung nicht einbezogen. Die Wissenschaftler hatten sich ausschließlich auf solche Erkrankungen fokussiert, für die bereits seit längerem starke Beweise für eine Entstehung durch Umweltschadstoffe bestehen. Der Grund dafür war insbesondere der, dass für einige Krankheiten noch keine ausreichende Datenlage in Bezug auf EBD vorhanden ist.

Als weiterer Aspekt, der auf wesentlich höhere Summen schließen lässt, ist festzustellen, dass schadstoffbedingte Krankheiten nicht alleinig im Gesundheitswesen Kosten verursachen, sondern eine ganze Reihe weiterer erheblicher Kostenberge produzieren. Bereits der entstehende Produktivitätsausfall dürfte die anfallenden Kosten im Gesundheitswesen übersteigen. Es dauert erfahrungsgemäß lange, bis ein Arbeitnehmer sich krankschreiben lässt. Die Gefahr den Job zu verlieren war nie so groß wie heute, somit schleppt sich mancher noch lange zur Arbeit, obwohl er nicht mehr kann. Volle Leistung und höchste Konzentration ist von diesen angeschlagenen Menschen keinesfalls mehr zu erwarten. Ist der Job verloren, fällt eine Familie als Konsument weitgehend aus, es geht nur noch um das blanke Überleben.

Fazit: Schadstoffbedingte Krankheiten zu ignorieren, schützt zwar einzelne Verursacher und bestimmte Industriezweige, ist für die Allgemeinheit und dass soziale System mittelfristig nicht mehr bezahlbar. Ganz abgesehen von den ethischen Aspekten wie in Kauf genommener frühzeitiger Tod, verlorene Lebensqualität und Lebensfreude. Wie auch dass schadstoffbelastete Kinder sich körperlich und in ihrer Intelligenz nicht voll entwickeln können, was den Kostenberg nachhaltig weiter wachsen lässt und nicht abzusehende Folgen für ein Land hat.

Autor: Silvia K. Müller

Literatur: University of British Columbia, Pressemitteilung: Pollution Killing up to 25,000 Canadians Annually, Says First Environmental Burden of Disease Study in Canada, 2. Oktober 2007