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Umweltmedizin in Deutschland Teil 5: Situation Umwelterkrankter aus der Sicht eines Umweltmediziners

Die Resonanz der Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und des Ministeriums für Gesundheit auf die Nachfrage der Gründe für die Beendigung der Umweltmedizin-Vereinbarung war für Patienten wie auch Umweltärzte wenig befriedigend. Auf die Antwort der Barmer Hauptverwaltung in Nordrhein schrieb Dr. Peter Ohnsorge, Präsident der Europaem – Europäische Akademie für Umweltmedizin e.V. und Vorstandsmitglied des dbu – Deutschen Berufsverbandes der Umweltmediziner e.V., nachfolgende Stellungnahme, in der die tatsächliche Situation der Umweltkranken in Deutschland sehr deutlich zum Ausdruck kommt.

Am 24.01.09 schrieb Dr. Peter Ohnsorge / Europaem

Sehr geehrte Frau Müller,

das ist mal wieder eine der Computersätze strotzenden Antworten der gesetzlichen Krankenkassen!

In Wirklichkeit ziehen sich alle Krankenkassen weiterhin auf eine Basisversicherung zurück und lassen Sie als Umwelt geschädigten Patienten im eiskalten Regen stehen. Die unter Absatz 2 blumig ausgeführten Irreleitungen der Krankenkasse ist ein Hohn! De facto ist eine umweltmedizinische Diagnostik und Therapie nicht Bestandteil des Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenkassen! Man hat das geschickt gelöst, indem man Umwelt verursachte Erkrankte bewusst in den diffusen Bereich der Psychosomatik oder gar sogar der Psychiatrie abschiebt. Das wohlwissend, dass es keinen wissenschaftlich haltbaren Beweis einer psychosomatischen oder psychiatrischen Ursache dieser Krankheitsbilder gibt. Bisher sind unseres Wissens nach lediglich beschreibende Diagnosen und Verlaufsbeobachtungen von psychosomatischen Therapien veröffentlicht worden.

Zwei Aspekte sind dabei dramatisch:

  • Zum Einen wird vermeintlich eine nicht ausreichende und uneffektive Therapie angeboten oder auch sogar teilweise erzwungen. Eine psychosomatische Therapie kann durchaus eine momentane symptomatische Hilfestellung darstellen, wenn es sich um Verhaltenstherapie handelt. Eine ursächliche Behandlung wird damit aber nicht durchgeführt! Der Krankheitsprozess wird nicht gestoppt oder zur Gesundung geführt. Das Leiden geht weiter!
  • Zum Anderen wird wertvolle Zeit verstreichen, bis die ursächliche Kontaktunterbrechung zu den Krankheitsverursachern veranlasst wird. Die ursächliche Kontaktunterbrechung ist zwingend notwendig, um den ersten und wichtigsten Schritt der Therapie einer solchen Erkrankung einzuleiten. Eine psychiatrische Therapie hat zudem das Potential, die Erkrankung sogar noch zu verschlimmern. Psychopharmaka konkurrieren meist in den Stoffwechselwegen mit der Entgiftung von Schadstoffen oder blockieren diese Stoffwechselwege manchmal sogar. Damit wird möglicherweise eine Gesundung erheblich abgebremst.

Die klinisch praktizierende Umweltmedizin hat, entgegen der plakativ immer wieder aufgeführten Fehlinformation von Seiten des sogenannten „wissenschaftlichen Mainstreams“, inzwischen ausreichend wissenschaftlich basierte Erkenntnisse und die darauf aufbauende jahrelange klinisch praktizierte Erfahrung, diese Umwelt induzierten Erkrankungen zu diagnostizieren und zu therapieren! Alle Sozialversicherungsträger sollten sich endlich der Erkenntnis öffnen, dass es allemal effektiver, caritativer und vor allem langfristig versicherungs- sowie volkswirtschaftlich sinnvoller ist, erkannte Erkrankungsursachen anzugehen und rechtzeitig auf der Basis diagnostisch abgesicherten Erkenntnisse zu therapieren.

In Anbetracht der demoskopischen Entwicklung in unserer Bevölkerung mit der ausufernden Alterungspyramide mit synchronem Anwachsen chronischer Erkrankungen und auch zunehmender Umwelt verursachter Erkrankungen können nur die Gesundheitssysteme weiter existieren, die rechtzeitig primäre Präventionsmaßnahmen starten und dauerhaft umsetzen. Dazu sind die langjährigen Erfahrungen und Erkenntnisse der klinisch praktizierenden Umweltmedizin hilfreich.

Zur Bewältigung von chronischen Multisystem Erkrankungen, zu denen auch die Umwelterkrankungen gehören, müssen wir in unserem ärztlichen Handeln weniger den linear kausalen Weg der allein an Hochschulen orientierten Medizin verfolgen. Auch können nicht mehr die gängige Richt- und Grenzwertorientierung der Toxikologie und Arbeitsmedizin als einzige Grundlage umweltmedizinischer Entscheidungen akzeptiert werden. In der gängigen Abschätzung von Umwelt verursachten Erkrankungen fehlen die Beachtung u. a. immunologischer und teilweise auch endokriner Aspekte. Wir stehen komplexen Erkrankungen gegenüber, die wir in komplexer Diagnostik und Therapie bearbeiten müssen. In der Umweltmedizin beachten wir dabei besonders

  • die multifaktorielle Belastung,
  • die Langzeitbelastung im Niedrigdosisbereich, die zu erheblichen Kumulationseffekten  führen kann,
  • sowie die individuelle Suszeptibilität, in die Vorerkrankungen, Multimorbidität, der Genderaspekt und die individuelle Vulnerabilität genauso hineingeht, wie genetische Polymorphismen.

Das alles, einschließlich der Notwendigkeit primär präventive Strategien zu entwickeln, haben wir in den letzten Jahren bereits mehrfach mit nationalen und europäischen Politikern diskutiert und zunehmend Gehör gefunden, zuletzt auf Einladung des European Council im Europaparlament in der „Conference on Environment and Health, Indoor Pollution and Multi System Illnesses“, November 2008.

Zum Schluss noch die schmerzliche Wahrheit des Krankenkassenwesen 2009!

In Bayern bekomme ich von der gesetzlichen Krankenkasse als niedergelassener HNO-Arzt (Zusatzbezeichnung bedeuten keine Modulation der Gebühren) beim ersten Patientenkontakt 12,40 €, was in der zugedachten Zeiteinheit von 8 Minuten noch nicht einmal meine Praxiskosten deckt. Beim Zweitkontakt ist für die Dauer eines Quartals keine weitere Vergütung vorgesehen, es sei denn ich setze Diagnostik an. Ein Allergietest oder eine übliche Hörtestung überschreitet aber dann schon die definierte Quartalsgesamtvergütung von 33,60 € Wie glauben Sie, kann ich unabhängig von den laufenden Praxiskosten in der zeitlichen Vorgabe von 8 Minuten Patientenkontakt für 12€ an Umweltanamnese geschweige denn an differentialdiagnostischen Erwägungen und therapeutischen Aufklärungsgesprächen durchführen, sodass mir für meine Arbeit zumindest noch ein minimaler Erlös bleibt?

Die Honorarvergütung war schon jahrelang in der Kassenpraxis nicht kostendeckend und musste Praxis intern ständig aus den Liquidationen von Privatpatienten subventioniert werden. Mit der neuen Gebührenordnung sind jedoch in diesem Jahr zusätzliche erhebliche Honorareinbußen verordnet worden. Sie werden es sicher in der Presse verfolgt haben. Das trifft natürlich besonders die letzten Kassenarztpraxen, die bisher zumindest was möglich war noch kassentechnisch abgewickelt haben. Die politisch plakativ gern immer wieder geforderte „sprechende Medizin“ ist in Wirklichkeit nicht gewollt. Aber ohne umfangreiche Anamnese ist jede fundierte Umweltmedizin uneffektiv. Die Folge wird sein, dass nicht nur, wie bisher teilweise, sondern zukünftig die gesamte Umweltmedizin in den Bereich der sogenannten „Individuellen Gesundheitsleistung (IGeL)“ verschoben wird. IGeL bedeutet, dass Leistungen nach der  privatärztlichen Gebührenordnung abgerechnet werden. Wir Umweltmediziner können aber nach dem erheblichen Einbruch der allgemeinen ärztlichen Vergütung jetzt keine Leistungen mehr umsonst anbieten.

Hier muss mit den gesetzlichen Krankenkassen endlich ein gangbarer Weg gefunden werden. Es ist denkbar und zu hoffen, dass die explodierende Veränderung im Gesundheitswesen dafür in Zukunft wieder gangbare Wege finden wird. Wir als national und in Europa tätigen umweltmedizinischen Fachverbände, Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner und European Academy for Environmental Medicine, werden uns dafür einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Peter Ohnsorge

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 27.02.2009

Fortsetzungsserie: Umweltmedizin in Deutschland

50% der Büroangestellten leiden unter Sick Building Syndrome

Krank durch das BüroIn Jakarta/ Indonesien wurde unter den Angestellten in Büros der Stadt eine Studie durchgeführt. Die Studie brachte zutage, dass über 50% der Büroangestellten dort unter Sick Building Syndrome leiden. Die Wissenschaftler sagten gegenüber dem Jakarta Globe, die Krankheit würde oft verkannt.

Ursache seien toxische Substanzen in den Bürogebäuden. 400 Personen nahmen an der Studie teil, die von Juli 2008 bis Januar 2009 lief. Die Hälfte der Arbeiter klagten nach einem Arbeitstag über akutes Unwohlsein, Kopfschmerzen, Atemwegsbeschwerden, Erschöpfung, trockenen Husten und Halsschmerzen.

Die WHO hatte 1984 bekannt gegeben, das rund 30% aller neuen Gebäude weltweit Probleme mit der Luftqualität im Innenraum aufweisen.

Der Studienleiter Budi Haryanto teilte mit, dass viele Menschen überhaupt nicht richtig realisieren, dass der Aufenthalt über einen gewissen Zeitraum in einem Gebäude das Sick Building Syndrome bei ihnen verursachen könne.

Bundi Haryanto erklärte, dass SBS durch schlechte Ventilation und Klimaanlagen, die von Schimmel befallen sind, verursacht würde. Zur Luftverschmutzung im Innenraum würden aber auch Photokopierer, Laserdrucker und andere Maschinen, Gardinen und Einrichtung, als auch Schmutz in Teppichen beitragen.

Budi Haryanto erläuterte, dass eine langfristige Exposition gegenüber Schadstoffen zu Krebs und Herzkrankheiten führen könne, während weniger schwere Symptome durch den Schadstoffkontakt sich in Konzen-trationsstörungen, Paranoia und sogar Depressionen äußerten. Budi Haryanto meinte weiter, dass sich dies vielleicht für manchen harmlos anhören würde, SBS könne aber über längere Sicht tödlich enden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 19.01.2009

Fast Food fördert Asthma bei Kindern

Fast Food ist nicht gesund

Fast Food ist bequem, schnell und vor allem Kinder lieben es. Hamburger, Pommes, Ketchup, frittierte Hühnchenteile, kaum ein Kind sagt dazu Nein. Unsere Lebensweise hat dazu geführt, dass Fast Food Restaurants wesentlich häufiger angesteuert werden, als noch vor Jahren. Auch Zuhause sind viele Familien aus Zeitmangel und Bequemlichkeit zu Fertignahrung übergegangen. Für Kinder kann dies neben Übergewicht weitere gesundheitsschädliche Folgen haben: Asthma.

Asthma häufiger denn je
Der Verzehr von Fast Food als auch die Häufigkeit von Asthma haben in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Durch gute Aufklärung begannen während der gleichen Zeit Mütter, ihre Babys länger zu stillen. Kanadische Wissenschaftler fragten sich, ob zwischen dem Konsum von Fast Food und dem Anstieg von Asthma ein Zusammenhang besteht. In ihrer Studie untersuchten sie gleichzeitig, ob der normalerweise schützende Effekt des Stillens in Bezug auf die Entwicklung von Asthma bei Kindern durch häufigen Verzehr von Fast Food verändert wird.

Fast Food, Ursache für Asthma?
In der Fall-Kontrollstudie der Wissenschaftler der University of Manitoba nahmen insgesamt 246 Kinder mit diagnostiziertem Asthma teil und 477 Kontrollkinder im Alter von 8-10 Jahren, die nicht unter Asthma litten. Die Mediziner ermittelten, ob die Kinder häufig Fast Food gegessen hatten und ob sie gestillt worden waren. Im Studienverlauf beurteilten sie den Zusammenhang zwischen Asthma und Fast Food Konsum.

Zusammenhang Asthma – Fast Food aufgedeckt
Die Auswertung der Wissenschaftler erbrachte, dass Kinder mit Asthma öfter Fast Food zu sich nahmen als Kinder, die nicht unter Asthma litten. Kinder die nur kurzzeitig gestillt wurden und häufig Fast Food konsumiert hatten, zeigten ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko Asthma zu entwickeln, im Vergleich zu Kindern, die über längere Zeit gestillt wurden und nicht viel Fast Food in ihrer späteren Kindheit zu sich nahmen.

Erstaunlicherweise stellten die Wissenschaftler fest, dass auch langes Stillen nichts nutzte, wenn die Kinder in ihrer Kindheit viel Fast Food konsumierten. Hieraus schlossen die kanadischen Mediziner, dass Fast Food dem positiven Schutzeffekt des Stillens entgegenwirkt.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 16. 02.2009

Literatur:
Mai XM, Becker AB, Liem JJ, Kozyrskyj AL., Fast food consumption counters the protective effect of breastfeeding on asthma in children? Clin Exp Allergy. 2009 Jan 22.

Tageszeitungen, Zeitungskiosk – Keine Chance für Chemikaliensensible

Zeitung lesen? Unmöglich wegen MCS

Der Geruch frisch gedruckter Zeitungen ist stechend und signifikant, selbst Gesunde beklagen sich. Wer Menschen mit Chemikaliensensitivität (MCS) fragt, auf was sie reagieren und womit sie Probleme im Alltag haben, wird von fast allen hören, dass Tageszeitungen für sie tabu sind und schwere Symptome auslösen. Atemwegsbeschwerden, brennende tränende Augen, Schwindel, Kopfschmerzen, laufende Nase, Brennen der Gesichtshaut gehören zu den Beschwerden die von Chemikaliensensiblen aufgezählt werden. Einen Zeitungskiosk aufzusuchen ist für sie nicht möglich.

Toluol im Zeitungskiosk?
Eine Gruppe von italienischen Wissenschaftlern von der Universität Bari untersuchte über den Zeitraum einer Arbeitswoche Zeitungskioske. Das Team führte Messungen durch, um die durchschnittliche Lösungsmittelkonzentration in 16 verschiedenen Zeitungskiosken und zwei Druckereien zu ermitteln. Zusätzlich quantifizierte man die zahlreichen Lösungsmittel. In allen Zeitungsständen und in den Druckereien wurden halogenierte, aliphatische, oxygenierte und aromatische Verbindungen über eine ganze Woche hinweg kontrolliert. Die Wissenschaftler benutzen hierzu Diffusionssammler und analysierten mittels Gaschromatographie und Massenspektometrie.

Hundertfach erhöhte Toluolwerte im Zeitungskiosk
Die Zeitungsstände wiesen allesamt wesentlich höhere Toluol-konzentrationen als in der umgebenden Außenluft auf. Einige der Zeitungsstände hatten Toluol geschwängerte Innenraumkonzen-trationen, die hundertfach höher als die korrespondierenden Werte in der Außenluft waren.

Kein Zweifel Zeitungen dünsten Toluol aus
Als Kontrolle, ob die Toluolbelastung in Zeitungsständen tatsächlich aus den Tageszeitungen stammt, untersuchten die Wissenschaftler die Innenraumluft von zwei Zeitungsdruckereien. Die Unter-suchungen in den beiden Druckereien bestätigte, dass Zeitungen, insbesondere deren Druckfarbe, die Hauptquelle für das Toluol in der Innenraumluft von Zeitungsständen ist.

Dass Chemikaliensensible auf Tageszeitungen mit massiven gesundheitlichen Beschwerden reagieren und einen Zeitungskiosk nicht betreten können, mag bei diesem Hintergrund nachvollziehbar sein.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN  – Chemical Sensitivity Network, 15. Februar 2009

Literatur:
Caselli M, de Gennaro G, Saracino MR, Tutino M, Indoor contaminants from newspapers: VOCs emissions in newspaper stands, Environ Res. 2009 Feb;109(2):149-57. Epub 2008 Dec 23.

Das Krankenhaus im eigenen Haus – Hospital at Home

Das Krankenhaus im eigenen Haus

Vielleicht denkt Ihr ja auch ab und zu darüber nach, was Ihr machen sollt, falls Ihr mal wegen einer „normalen“ Erkrankung oder eines Unfalls in ein Krankenhaus müsst. Ich bin immer zu dem Schluss gekommen, dass ich sobald irgend möglich zusehen muss, dass ich wieder in meine eigenen vier Wände komme, ob das ärztlicherseits nun gebilligt wird oder nicht. Oder am besten, ich versuche alles ambulant machen zu lassen.

Ich kannte mal eine Frau (ohne MCS), die sich ambulant einen Tumor an der Wirbelsäule hat entfernen lassen. Umso erfreuter war ich neulich, als ich über einen Artikel über „Hospital at Home“ stolperte (allerdings ohne MCS-Zusammenhang). Offenbar hatte jemand schon mal die Idee. Allerdings nicht hier zu Lande. Aber vielleicht könnte das ja die Akzeptanz für eine solche Behandlungsweise für MCS-Kranke hierzulande erhöhen. Man steht dann nicht mehr ganz so wie vom Himmel gefallen da. Geht nicht, gibt’s nicht, hatten wir noch nie, würde man dann wohl hören. Doch siehe: geht, gibt’s, war schon mal da.

Im Folgenden gebe ich kurz den Inhalt wieder. Es geht um eine Arbeit, in der ein schon vorher sporadisch erschienener Artikel zu dem Thema ausgewertet wurde:

Hospital at Home
Das Krankenhaus ist heute der Goldstandard für die medizinische Akutversorgung. Allerdings ist es nicht für alle Patienten eine ideale Behandlungsumgebung. Eine Alternative dazu ist die „Hospital at Home“ – Versorgung (HHV). Sie wird allgemein definiert als klinische Leistungen, die in Zusammenhang mit akuter stationärer Versorgung des Patienten in  der sozialen und räumlichen Umgebung von Patient und assoziiertem Krankenhaus erbracht werden.

Die Studie grenzte diese sehr allgemeine Umschreibung ein auf Modelle zur Vermeidung von Krankenhauseinweisungen und umfasst 10 randomisierte kontrollierte Studien aus Australien, Neuseeland, dem Vereinigten Königreich und Italien.

In vielen Ländern, in denen es HHV-Programme gibt, ist dies eine populäre Antwort auf die steigende Nachfrage nach Akutbetten in Krankenhäusern. Patienten, die nach einer entsprechenden Bewertung durch ihren Hausarzt oder der Notfallambulanz diese Form der Behandlung erhalten, vermeiden auf diese Weise evtl. die Aufnahme auf eine Station zur Akutbehandlung.

Die Arten von Patienten, die zu Hause behandelt werden, variieren mit den Schemata. Einige sind für Patienten mit bestimmten Erkrankungen wie COPD oder stellen spezielle Dienste bereit bei parenteraler Ernährung. Die meisten Programme umfassen jedoch ein breites Spektrum an Erkrankungen.

Hospital at Home spart Kosten
Die Verringerung von Kosten durch Vermeidung von Krankenhauseinweisungen ist generell das Hauptziel derartiger Programme. Andere vermutete Vorteile beinhalten eine Reduktion des Risikos von negativen Einflüssen, die mit dem Aufenthalt im Krankenhaus typischerweise verbunden sind, sowie den potentiellen Vorteil, im eigenen Wohnumfeld rehabilitiert zu werden.

Es war bisher jedoch nicht bekannt, ob die Ergebnisse einer Behandlung zu Hause besser, schlechter oder gleichwertig zu den im Krankenhaus erzielten sind. Auch war bisher unbekannt, ob die Kosten tatsächlich geringer sind.

Hospital at Home – bessere Prognose
Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung waren eine Verringerung der Sterblichkeit, die nach 6 Monaten Nachkontrolle statistische Signifikanz erreichte. Nach drei Monaten gab es eine statistisch nicht signifikante Erhöhung von Wiedereinweisungen. Weiter fand man eine größerer Zufriedenheit mit der Versorgung, eine niedrigere Komplikationsrate und niedrigere Kosten.

In den Vereinigten Staaten gab es i.w. nur ein HHV-Modell, das von der Johns Hopkins Medical School entwickelt wurde. Es demonstrierte ebenfalls, dass HHV machbar und effektiv war. Die, die zu Hause versorgt wurden, hatten weniger wesentliche klinische Komplikationen wie Delirium, die Zufriedenheit der Patienten und ihrer Familienangehörigen war höher und die Kosten waren niedriger.

Trotz dieser nachweislichen Vorteile, die das HHV-Modell unterstützen, hat es nur eine sehr geringe Verbreitung. Die Gründe hierfür werden außer in inkompatiblen Anreizsystemen in der Komplexität dieses klinischen Modells gesehen.
Die Implementation eines solchen Modells kommt der Errichtung eines neuen Hospitals von Grund auf gleich. Die gesamte Infrastruktur muss erst aufgebaut werden, bevor der erste Patient behandelt werden kann. Dies ist eine wesentliche Barriere für die Annahme eines solchen Modells. Es kann ungefähr ein Jahr lang mehrere Projektteams beschäftigen und erfordert dabei Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten innerhalb und oft zwischen Organisationen.

Hospital at Home ist also kein einfaches Modell, das man mal eben aus der Schublade ziehen könnte. Nichtsdestotrotz scheint mir dies ein guter Ansatzpunkt zu sein, der helfen könnte, die medizinische Versorgung von MCS-Patienten zu verbessern.

Autor: Karlheinz

Literatur:
Bruce Leff, MD, Defining and disseminating the hospital-at-home model, CMAJ 2009 180: 156-157, doi:10.1503/cmaj.081891.

Sasha Shepperd, MSc DPhil, Helen Doll, MSc DPhil, Robert M. Angus, MBChB, Mike J. Clarke, MA DPhil, Steve Iliffe, BSc MBBS, Lalit Kalra, MD PhD, Nicoletta Aimonio Ricauda, MD, Vittoria Tibaldi, MD PhD, and Andrew D. Wilson, MD, Avoiding hospital admission through provision of hospital care at home: a systematic review and meta-analysis of individual patient data, CMAJ 2009 180: 175-182, doi:10.1503/cmaj.081491.

Neuropsychiatrische Maskerade – Die Psyche ist nicht immer Ursache für psychische Symptome

Neuropsychiatrische Maskerade

Anfang Februar 2009 erschien in der amerikanischen Fachzeitschrift für Psychiatrie ein Bericht über einen bewusstseinserweiternden Kongressvortrag von Josè Maldonado / Stanford University. Maldonado legte anschaulich dar, dass psychische Symptome klar von psychiatrischen Krankheiten unterschiedene werden müssen, da deren Ursache nur zu oft nicht in der Psyche begründet ist, sondern in der Wirkungsweise von bestimmten Chemikalien, Medikamenten und den Begleiterscheinungen von anderen Krankheiten. Ein Aspekt, dem in der Praxis sicher in den allerseltensten Fällen Beachtung geschenkt wird und wodurch man vielen Erkrankten therapeutisch nicht gerecht wird.

Wenn Chemikalien, Medikamente und Krankheiten die Psyche beeinflussen
Josè Maldonado riet Ärzten bei seinem Vortrag auf einem Psychiatrie-Kongress in San Diego, jene Krankheiten, die psychische Symptome auslösen, von den primär psychiatrischen Erkrankungen zu unterscheiden. Infektionen, Krankheiten des endokrinen Systems, Stoffwechselkrankheiten, neurologische Erkrankungen und Krankheiten des Bindegewebes seien häufige unterschätzte Auslöser einer psychischen Symptomatik. In seinem ausführlichen Referat ging der Psychiater auf verschiedene Faktoren ein, gab aber zu verstehen, dass dies nur die Spitze des Eisberges sei, denn alleine über Infektionskrankheiten, die dazu in der Lage sind, psychische Symptomatiken auszulösen, könne er einen ganzen Monat lang erzählen.

Chemo, Pestizide, Schwermetalle,…
Maldonaldo, Professor für Psychiatrie und Medizin, leitet am Stanford Universitity Medical Center die medizinische und forensische Psychiatrie. Er bot auf dem „US Psychiatric and Mental Health Congress“ in San Diego Ärzten klinische Beratung zur Unterscheidung primär und sekundär psychischer Symptome an. Es gäbe bei jeder Krankheit bestimmte Hinweise, die die Unterscheidung ermöglichen.

Neben den genannten Krankheiten könnten auch verschiedene Medikamente wie (Korticostereoide, Opiate, Chemotherapien gegen Krebs, Parkinsonmittel), Drogen und Alkohol oder Toxine wie Schwermetalle, bestimmte Insektizide, z. B Organophosphate, oder manche Farben psychische Symptome auslösen. Es müsse daher darauf geachtet werden, ob der Patient mit solchen Substanzen belastet sei oder war. Bei Patienten, die bspw. unter Angstzuständen litten, müsse eruiert werden, ob diese Kohlenmonoxid, lösemittelhaltigen Farben oder Benzindämpfe ausgesetzt waren. Psychosen hingegen könnten bspw. durch Benzin, Organophosphatinsektizide, Nervengase, Schwermetalle, Kohlenmonoxid, Farben und Lösungsmittel ausgelöst werden.

Medikamente
Besonders häufig sei es auch die Wechselwirkung von Medikamenten, erläuterte Maldonado, sowohl verschriebene als auch freiverkäufliche. Dazu führte Maldonaldo ein Beispiel aus seinen Erfahrungen als Psychiater der Stanford Transplantationsabteilung an. Er stellte fest, dass manche Patienten über 20 Mittel einnahmen, die nicht Teil ihrer Therapie waren. An einem Tag fragte er einen Transplantationspatienten, wie viele verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente er denn so einnehme. Der Mann zog eine Tüte voll mit Medikamenten hervor. Dann habe er ihn gefragt, ob er auch frei verkäufliche Medikamente einnähme. Daraufhin hätte der Mann eine weitere, noch größere Tüte herbeigebracht.

Endokrine Störungen
Störungen der Schilddrüse können eine Vielzahl psychischer Symptome verursachen. Maldonaldo nannte hier Angst, Depressionen, Bipolare Störungen und Manien, seelische Labilität und schwere Symptome bis hin zu Demenz, Psychosen und Delirium.

Mit einer Angststörung verwechselt werden kann das Pheochromocytoma, das Katecholamine ausschüttet. Mit Urintest, CT von Kopf, Nacken und Brust oder auch dem Massieren der adrenalinausschüttenden Drüsen, was Panikattacken hervorruft, lässt sich der Tumor identifizieren. Der Tumor muss operativ entfernt werden.

Hyperparathyroidismus ruft neben verschiedenen körperlichen Symptomen auch Müdigkeit und nicht selten das Restless-Legs-Syndrom hervor.

Eine überaktive Nebenschilddrüse kann Depressionen, Gedächtnisschwäche, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit verursachen, im Extremfall kommt es zum Delirium. Auch hier ist die chirurgische Entfernung die Therapie der Wahl.

Diabetes
Bei Unterzuckerung, meist durch Diabetes, kommt es zu eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten, Schweiß, Angst, Zittern, bis hin zum Koma. Man könne leicht herausfinden, erklärt Maldonaldo, ob der Zustand durch Unterzuckerung bedingt ist, wenn man dem Patienten etwas Zuckerhaltiges zu essen gibt.

Stoffwechselstörungen
Eine erbliche Störung des Kupferstoffwechsels führt zur Anreicherung von Kupfer im Körper und in der Folge zu Bewegungsstörungen, Psychosen und Persönlichkeitsveränderungen. Neurologische Symptome, auch parkinsonähnlich, können ebenso auftreten wie Depression und Paranoia. Behandelt werden kann z.B. mit Chelaten oder Zink, dem Gegenspieler von Kupfer im Körper. Maldonaldo vergaß nicht, an dieser Stelle eindringlich darauf hinzuweisen, dass sich neurologische Symptome zu Beginn der Therapie verschlechtern können.

Porphyrie
Die Pophyrie, eine relativ seltene Stoffwechselerkrankung, kann körperliche und psychische Symptome von unterschiedlichster Intensität und verschiedenster Art hervorrufen. Sie ist mit einer Urinuntersuchung feststellbar.

Infektionskrankheiten, Borreliose
Man  könne einen ganzen Monat damit verbringen, über Infektionskrankheiten zu sprechen, stellte Maldonaldo bei seinem Vortrag fest.

Die Borreliose etwa werde oft fehldiagnostiziert. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenbiss zu erkranken, liegt bei 3%. Die Borreliose kann zu einer Arthritis, die kommt und geht, neurologischen Symptomen, Hirnhautentzündung und Hirnentzündung mit Schädigungen sowie Herzdefekten führen.

Aus psychiatrischer Sicht sei die Borreliose oft schwer von der Depression zu unterscheiden. Andere psychische Symptome verschiedener Intensität könnten hinzukommen, so etwa Panikattacken, Halluzinationen, Anorexie, Manien etc. Die Diagnose dieser Infektion wird durch Bluttest gestellt. Ergänzend könnten ein PET Scan und ein MRT weiteren Aufschluss über das Ausmaß der bereits eingetretenen Hirnschädigung bei Erkrankten geben.

Herpes
Herpesinfektionen können zur Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung führen. Maldonado gab zu verstehen, dass plötzliches Fieber, Kopfschmerzen, gefolgt von kognitiven und neurologischen Störungen, sowie neuropsychiatrischen Symptomen wie Halluzinationen, Gedächtnisverlust, Änderungen des Verhaltens etc. zu den Anzeichen der Erkrankung gehören, die bis zum Koma führen und tödlich enden kann. Verschiedene klinische Tests, u.a. PCR Tests, ermöglichen die Diagnose, behandelt wird mit Virostatika. Ein MRI könne ergänzend Entzündungen im Hirn aufdecken. Maldonado erwähnte, dass nach der Erkrankung neurologische Schäden zurückbleiben können.

Bindegewebserkrankungen

Lupus (SLE), sagte der Stanford Mediziner, kennzeichne sich durch wiederkehrende Phasen von Entzündungszuständen verschiedener Organe, wie Haut, Gelenke, Nieren oder Blutgefäße. Die Erkrankung zeige sich auch durch psychische und neurologische Symptome wie Demenz, Psychose oder kognitive Störungen. Die medikamentöse Behandlung müsse den Ursprung dieser Psychosen selbstverständlich berücksichtigen.

Delirium
Maldonaldo konzentrierte sich bei seinem Vortrag auch insbesondere auf Deliriumszustände, die 15% aller medizinischen Fälle, 40% auf chirurgischen Stationen und 80% der Patienten auf der Intensivstation betreffen. Patienten im Delirium würden häufiger an der zu Grunde liegenden Erkrankung sterben oder schwerere Verläufe erleben. Maldonaldo erläuterte, dass er keinen einzelnen Grund für das Delirium sähe, vielmehr verschiedene Risikofaktoren. So seien ältere Menschen häufiger betroffen als junge, Männer öfter als Frauen, verschiedene Genussgifte oder Drogen würden das Risiko ebenso erhöhen, wie manche Medikamente. Als Folge würden bei den Patienten auch nach Abklingen der Erkrankung oft psychische und neurologische Störungen auftreten. Daher sei es wichtig, das Delirium schnell zu erkennen und korrekt zu behandeln.

Neuropsychiatrische Maskerade
Maldonaldo vermittelte auf dem Psychiatrie-Kongress, dass das Wissen über die verschiedenen Faktoren, die eine neuropsychiatrische Maskerade bedingen, an Mediziner aller Fachrichtungen weitergegeben werden sollte und auf internationaler Ebene fester Bestandteil der medizinischen Ausbildung werden muss. Nur so könne man vermeiden, dass Patienten in einen Teufelskreis geraten und unnötig in Psychiatrien enden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 8. Februar 2009

Übersetzung: Amalie für CSN

Literatur: José R. Maldonado, Vortrag Neuropsychiatric Masquerade, 21th U.S. Psychiatric and Mental Health Congress, 2008

Watch out for Lead in your Lipstick

Watch out for Lead in your LipstickFDA Fails to Protect: Remains Silent about Lead in Lipstick

CAMPAIN FOR SAFE COSMETICS – For Immediate Release: February 9th, 2009

Washington – More than a year after the Campaign for Safe Cosmetics reported that popular brands of lipstick contain lead, the U.S. Food and Drug Administration has still not released the results of its own testing of lead in lipstick, despite pressure from senators and repeated calls from health groups.

New reports indicate that the beauty industry’s lead problems go further than lipstick. The Canadian government announced last week it found lead in children’s face paint. The results were publicly announced immediately as the government evaluates next steps. Health Canada also announced last week that it has designated two silicon-based chemicals widely used in personal care products – D4 and D5 – as toxic, an important step toward regulating dangerous substances out of consumer products.

Unlike Health Canada, the U.S. FDA has no such toxic designation, does not conduct routine safety testing of personal care products, and does not publicly report information in a timely manner – as evidenced by the lead-in-lipstick situation.In Oct. 2007, the Campaign for Safe Cosmetics reported that 61% of lipsticks it tested contained lead. In Nov. 2007, Sens. John Kerry, Barbara Boxer and Dianne Feinstein urged FDA to test a range of lipsticks for lead, publicly report the results, and take immediate action to reduce consumers‘ exposure to lead from cosmetic products.

Fourteen months later, FDA has made no public statements, issued no reports, and taken no action to reduce consumers‘ exposure.

„The typical turnaround time in a laboratory for lead tests is 10 days. There’s no reason for FDA to sit on its lead-in-lipstick research for over a year,“ said Stacy Malkan of the Campaign for Safe Cosmetics, a coalition of health and environmental groups.

„FDA appears to still be operating under Bush-era tactics of secrecy and delay. It’s time for new leadership and new direction at FDA, so the agency can do what Americans expect it do to: ensure the safety of cosmetic products.“

„The scientific data is conclusive: Lead in any amount is a health concern. Lead is a proven neurotoxin that can cause learning and behavioral problems, and pregnant women and children are particularly vulnerable.“

Umweltmedizin: Dr. Martin Pall bringt MCS in Standardwerk der Toxikologie ein

Hoffnung am Ende einer dunklen Straße

Diese Woche traf eine E-Mail von Dr. Martin Pall aus den USA ein, die wir für Euch übersetzt haben, weil sie eine wichtige, hoffnungsvolle Information enthält:

E-Mail von Dr. Martin Pall:
Der NO/ONOO-Zyklus hat in den letzten Monaten auf viele bemerkenswerte Weisen Anerkennung gefunden, so dass er als DAS vorherrschende Modell dieser vorher unerklärten Krankheit angesehen werden sollte.

Ich war eingeladen worden, um den einführenden Vortrag zum Europäischen Umweltmedizin-Treffen in Würzburg zu halten, eine Zwei-Tages Veranstaltung, die weitgehend von dem Mechanismus des NO/ONOO-Zyklus dominiert worden war. Dies war Teil einer „großen Europatournee“, auf der ich sieben Vorträge in fünf Ländern gehalten habe. Dabei war ich der einzige Nichteuropäer, der eingeladen worden war, um im Europäischen Parlament anlässlich eines speziellen Meetings zum Thema Umweltmedizin zu sprechen.

Darüber hinaus gab es zwei spezielle Minisymposia, die passend zu meinem Besuch in Europa organisiert worden waren, eine weitere große Ehre. Ich hielt Vorträge in Italien, Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich, unter anderem an drei medizinischen Fakultäten. So gab es denn eine ungewöhnliche Anerkennung für den Mechanismus des NO/ONOO-Zyklus, ein Mechanismus, der Menschen in vielen Ländern dieser Erde hilft, ihre durch Chemikaliensensitivität bedingten Reaktionen tatsächlich zu vermindern.

Ich könnte vielleicht hinzufügen, dass es ein auf Deutsch geschriebenes Buch über MCS gibt, mit Hans-Ulrich Hill als erstem Autor, das sich vorwiegend mit dem Mechanismus des NO/ONOO-Zyklus für MCS beschäftigt.

Während dies alles eine außerordentliche Anerkennung für diese wissenschaftliche Arbeit ist, so kommt doch die wichtigste Anerkennung von anderer Seite. Ich bin gebeten worden einen Übersichtsbeitrag über MCS als ein Kapitel in einem sehr angesehenen mehrbändigen Werk über Toxikologie zu schreiben. Der Beitrag wurde angenommen und wird im kommenden Herbst erscheinen. Dies ist aus wenigstens vier unterschiedlichen Gründen außerordentlich wichtig:

Der erste Grund ist natürlich, dass MCS von Seiten der Toxikologen weitgehend ignoriert worden ist, trotz ihrer hohen Prävalenz in den Vereinigten Staaten und in anderen Populationen, weil sie das Gefühl hatten, dass es dafür keine vernünftige Erklärung gab. Nun, offensichtlich, glauben sie, dass wir jetzt eine überzeugende und gut abgesicherte Erklärung für MCS haben und dass diese Erklärung deshalb in den größeren Rahmen der Toxikologie integriert werden sollte.

Zweitens, die Tatsache, dass sie mich gefragt haben, dieses Übersichtskapitel zu schreiben, ist offensichtlich eine außerordentliche Anerkennung, sowohl für meine eigene Arbeit bei der erstmaligen Entwicklung eines detaillierten und gut belegten Mechanismus, wie auch für den Mechanismus selbst.

Drittens, ist dies sowohl der längste derartige Übersichtsbeitrag über MCS, der je geschrieben wurde, als auch mit weit über 400 Literaturstellen der am umfangreichsten dokumentierte Beitrag.

Viertens, werden in diesem Kapitel zahlreiche sehr wichtige Arten von Belegen besprochen, die neu für mich waren und den Mechanismus des NO/ONOO-Zyklus stützen. Darunter wichtige Studien über den toxischen Wirkmechanismus der sieben Chemikaliengruppen, die an MCS beteiligt sind. Weiter sind darunter wichtige Studien an Tiermodellen, die fast alle Elemente des NO/ONOO-Zyklus beinhalten, sowie eine Serie von publizierten Studien über verschiedene objektiv messbare Reaktionen auf chemische Exposition im Niedrigdosisbereich, Reaktionen, die mit dem NO/ONOO-Zyklus übereinstimmend sind und die als spezifische Biomarkertests für MCS entwickelt werden sollten.

Wenn diese Arbeit herauskommt, werden wir als Community, die sich um das Leiden der Millionen chemikaliensensibler Menschen sorgt, eine einzigartige Möglichkeit haben, die Ansichten der allgemeinen Öffentlichkeit, der Nachrichtenmedien und sogar des Gerichtssystems über diese schreckliche weltweite Epidemie dramatisch zu verändern. Diese Gelegenheit erwächst wesentlich aus dem Zusammentreffen von harter, exakter Wissenschaft und außerordentlicher Anerkennung.

Martin L. Pall

Environmental Medicine – Dr. Martin Pall about Chemical Sensitivity

MCS finds access into Toxicology

The NO/ONOO-cycle has been recognized in many extraordinary ways over the past several months, such that it should be viewed as THE predominant model of this previously unexplained disease.

I was invited to give the initial address at the European Environmental Medicine meeting in Wurzburg, a two day meeting that was largely dominated by the NO/ONOO- cycle mechanism. This was part of a „grand European tour,“ giving seven talks in five countries. These included being the only non-European invited to address the European Union Parliament (The Council of Nations) at a special meeting on Environmental Medicine.

There were also two special mini-symposia organized to correspond to my visit in Europe, another great honor. I gave talks in Italy, Germany, Austria, Switzerland and France, including talks at three medical schools. So there has been extraordinary recognition of the NO/ONOO- cycle mechanism, a mechanism that is helping people in many countries around the world to actually lessen their chemical sensitivity responses.

I might add that there was a book written in German on multiple chemical sensitivity, with Hans-Ulrich Hill as first author, that is largely focussed on the NO/ONOO- cycle mechanism of  MCS.

While these are all extraordinary recognition for this science, the most important recognition is elsewhere. I have been asked to write a review on MCS, to be a chapter in a very prestigious multivolume set on toxicology, and that review has been accepted and will be coming out this coming autumn. This is extraordinarily important for at least four distinct reasons.

The first, of course is that MCS has been largely ignored by the toxicologists, despite its high prevalence in the U.S. and in other populations because they have felt that there was no reasonable explanation for it. Now, clearly, they find that we now do have a compelling and well-supported explanation for MCS and therefore it should be integrated into the larger framework of toxicology.

Secondly, the fact that they asked me to write this review is obviously extraordinary recognition for my own work in developing, for the first time, this detailed and well-supported mechanism, as we! ll as for the mechanism itself.

Thirdly, this review is the longest such review on MCS ever written, as well as the most extensively documented, having well over 400 citations in it.

Fourthly, there are several very important types of evidence that were new to me, supporting the NO/ONOO- cycle mechanism that are reviewed in this chapter, including important studies of the mechanism of toxic action of the seven groups of chemicals implicated in MCS, including important animal model studies of MCS implicating almost all of the NO/ONOO- cycle elements and including a series of published studies of various objectively measurable responses to low level chemical exposure, responses that are consistent with the NO/ONOO- cycle and that should be developed as specific biomarker tests for MCS.

When this paper comes out, we as a community concerned about the suffering of the millions of people who are chemically sensitive, will have a unique opportunity to dramatically change the views of the general public, the news media and even the court system of this horrible world-wide epidemic. That opportunity will come because of the essential juxtaposition of rigorous science and extraordinary recognition.

Martin L. Pall

Medikamentenunverträglichkeit bei Patienten mit MCS – Multiple Chemical Sensitivity häufig

Pillen, Tabletten oft Glückspiel

Unerträgliche Schmerzen, ein Infekt, der behandelnde Arzt weiß genau, welches Medikament helfen würde. Trotzdem sind dem Arzt möglicherweise die Hände gebunden, denn wenn der Patient gleichzeitig unter MCS – Multiple Chemical Sensitivity leidet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er viele Medikamente nicht verstoffwechseln kann oder allergisch darauf reagiert.

Chemikaliensensitivität – Reaktionen auf Medikamente
Die Tokyo University of Science führte eine Studie „Die Probleme von Patienten mit Multiple Chemical Sensitivity bei der Einnahme von Medikamenten“ durch. Ziel der Studie war die Erfassung, inwieweit MCS Patienten Schwierigkeiten mit der Einnahme von Medikamenten haben. 205 Personen, die durch einen Arzt MCS diagnostiziert bekommen hatten, nahmen teil. Die Ergebnisse zeigten, dass 60% der MCS Patienten Schwierigkeiten mit der Einnahme von Medikamente hatten. Die größten Probleme offenbarten sich bei Frauen und Personen in der Altersgruppe zwischen 40-59 Jahren, sowie bei Patienten, die ihre MCS als Folge von Pestizidintoxikation oder durch Medikamente entwickelt hatten.

Allergien erschweren, verhindern Medikamenteneinnahme
Die japanischen Wissenschaftler stellten fest, dass Lidocain, ein Anästhetikum, nahezu nicht anwendbar ist bei MCS Patienten. Weiterhin waren Koffein, Aspirin, Chlorphenylamin Maletat, Minocyclin Hydrochlorid, Levofloxacin, etc. bei MCS Patienten ungeeignet. Viele der befragten Patienten, die die aufgeführten Medikamente als nicht tolerierbar angaben, berichteten über Allergien in ihrem Werdegang. Dies lässt darauf schließen, dass Allergien ebenfalls beteiligt sind bei den Beschwerden, die die Patienten bei der Einnahme von Medikamenten bekommen (1).

Genvarianten verhindern reibungslose Verstoffwechselung
Die Verstoffwechselung von Medikamenten kann durch Genvarianten erschwert bis verhindert werden. (2-5) Das Gen CYP2D6 (codiert das Entgiftungsenzym Cytochrom P450 2D6), das in einer Studie von McKeowen-Eyssen in seiner aktiven Form bei den Chemikaliensensiblen mehr als dreimal so oft vertreten war wie bei der Kontrollgruppe, gehört hierzu. Diese aktive Form ist mit entsprechend schnellerer Verstoffwechselung verbunden. Das Gen dient zum Abbau von neurotoxischen Chemikalien und von Medikamenten, die das Nervensystem beeinflussen. Hierzu gehören u.a. Antidepressiva, Stimmungsaufheller, Codein.

Frauen mit der schnell arbeitenden NAT2-Variante (N-Acetyltransferase 2), die sogenannten schnellen Acetylierer, wurden von McKeowen-Eyssen bei Chemikaliensensiblen viermal so häufig ermittelt als bei der Kontrollgruppe. Auch NAT2 spielt wie CYP2D6 eine wichtige Rolle bei der Entgiftung von zahlreichen Medikamenten und toxischen Chemikalien. Chemikaliensensible, die einen oder mehrere Genvarianten, die den Fremdstoffwechsel steuern, tragen, müssen zwangläufig Nebenwirkungen und erhöhte Risiken bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten einkalkulieren.

Umweltmedizin bietet Alternativen
Durch die schwierige Problematik, vor die ein Arzt durch Medikamentenintoleranzen und -unverträglichkeiten bei chemikaliensensiblen Patienten gestellt wird, wird deutlich, wie dringlich es ist, die Umweltmedizin zu fördern, Behandlungsangebote in die Schulmedizin zu integrieren und spezielles umweltmedizinisches Fachwissen für niedergelassene Ärzte zugänglich zu machen. Das Finden von sicheren und praktikablen Alternativen für Chemikaliensensible könnte, neben der Verringerung von Leiden, auch Menschenleben retten.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 30.01.2009

Literatur:
1. Suzuki J; Nikko H; Kaiho F; Yamaguchi K; Wada H; Suzuki M., Faculty of Pharmaceutical Sciences, Tokyo University of Science, Yamazaki, Noda, Japan, The problems of multiple-chemical sensitivity patients in using medicinal drugs
Yakugaku Zasshi 2004 Aug;124(8):561-70
2. Eckart Schnakenberg, Karl-Rainer Fabig , Martin Stanulla, Nils Strobl , Michael Lustig , Nathalie Fabig and Werner Schloot,  A cross-sectional study of self-reported chemical-related sensitivity is associated with gene variants of drug-metabolizing enzymes, Environmental Health 2007, 6:6
3. McKeown-Eyssen G, Baines C, Cole DE, Riley N, Tyndale RF, Marshall L, Jazmaji V: Case-control study of genotypes in multiple chemical sensitivity: CYP2D6, NAT1, NAT2, PON1, PON2 and MTHFR. Int J Epidemiol 2004, 33:971-978
4. Haley, RW, Billecke, S, La Du, BN (1999). Association of low PON1 type Q (type A) Acetyl esterase activity with neurologic symptom complexes in Gulf War Veterans. Toxicology and Applied Pharmacology 157(3):227-33
5. Spivey, Angela: Genes and Sensitivity, Environmental Health Perspectives, 113(3), 2005