Archiv der Kategorie ‘Krank durch Chemikalien‘

Japanische Multicenterstudie zu Multiple Chemical Sensitivity (MCS)

Fragebogen zur MCS Diagnostik

Ein japanisches Wissenschaftlerteam beschreibt Multiple Chemical Sensitivity (MCS) als ein Syndrom, bei dem multiple Symptome durch Chemikalien-exposition im Niedrigdosisbereich eintreten, Details seien bisher ungeklärt. Das Ziel der Ende Dezember 2007 veröffentlichten Multicenterstudie bestand darin, die jeweiligen klinischen Charakteristika bei ärztlich diagnostizierten MCS Patienten zu analysieren. Die Wissenschaftler bewerteten diese spezifischen Charakteristika anhand der 106 Krankenakten von Patienten, bei denen MCS gemäß den international in der Wissenschaft angewendeten Diagnosekriterien, dem American Consensus von 1999, und den japanischen Diagnosekriterien für MCS diagnostiziert worden waren. (1)

 Studiendesign

Das Team führte mittels eines validierten Fragebogens, des Quick Environment Exposure Sensitivity Inventory (QEESI), eine Auswertung subjektiver Symptome der Patienten durch. Anschließend verglichen sie diese QEESI Auswertungs-ergebnisse mit denen von vier Patientengruppen aus den USA, über die Miller und Prihoda zuvor berichtet hatten. Es handelte sich bei den amerikanischen Wissenschaftlern um einen kontrollierten Vergleich von Symptomen und chemischen Intoleranzen, die von Golfkriegsveteranen, Personen mit Implantaten und Personen mit Multiple Chemical Sensitivity berichtet worden waren. (2)  

Patientengruppe

74% des japanischen Patientenkollektivs waren Frauen. Die Mehrzahl der männlichen Patienten war um dreißig Jahre alt, während das Alter der Frauen zwischen 10 und 65 Jahren variierte. Bei den bewerteten verursachenden Faktoren lag bei Männern die Tendenz bei einer Verursachung durch den Arbeitsplatz, während weibliche Patienten eine Vielfalt von Faktoren zeigten.

 Studienergebnis

Allergische Erkrankungen waren bei 84.0% der Patienten vor der Erkrankung präsent. Ein signifikanter Unterschied bei der QEESI Auswertung zwischen Männern und Frauen wurde nur in einem von zehn Punkten gefunden, der Symptomschwere und der Auswirkung der Krankheit im Leben. Jedoch waren alle zehn Bewertungspunkte bei der chemischen Intoleranz bei Frauen signifikant höher als bei Männern, was auf eine schwerere Symptomatik bei der weiblichen Patientengruppe hindeutet. Die durchschnittliche QEESI Punktzahl in der japanischen Patientengruppe lag niedriger, als bei allen vier amerikanischen Patientengruppen mit selbst berichteter MCS. Hierzu ist anzumerken, dass die amerikanischen Patientenkollektive, die zum Vergleich herangezogen wurden – u. a. Implantatpatienten und Golfkriegsveteranen – Extremgruppen darstellen, die nicht unbedingt repräsentativ für die allgemeinen Patienten mit Chemikalien-sensitivität anzusehen sind.

Fazit

Diese japanische Studie ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich erfreu-licherweise weltweit immer mehr Wissenschaftler adäquat mit dem Thema MCS auseinander setzen und im Stande sind, die Erkrankung zu diagnostizieren.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Literatur:

  1. Hojo S, Ishikawa S, Kumano H, Miyata M, Sakabe K., Clinical characteristics of physician-diagnosed patients with multiple chemical sensitivity in Japan, Department of Environmental Science, Shokei Gakuin University, Japan; Department of Psychosomatic Medicine, The University of Tokyo, Tokyo, Japan; Department of Public Health and Clinical Ecology, Kitasato University School of Pharmaceutical Sciences, Tokyo, Japan., Int J Hyg Environ Health. 2007 Dec 20.
  2. Miller, C.S., Prihoda, T.J., 1999b. A controlled comparison of symptoms and chemical intolerances reported by Gulf War veterans, implant recipients, and persons with Multiple Chemical Sensitivity. Toxicol Ind Health 15, 386-397.  

Anhang

Diagnosekriterien Chemikaliensensitivität (MCS) American Consensus 1999

  1. Die Symptome sind durch (wiederholte chemische) Exposition reproduzierbar
  2. Der Zustand ist chronisch
  3. Minimale Expositionen (niedriger als vorher oder allgemein toleriert) resultieren in Manifestationen des Syndroms
  4. Die Symptome verbessern sich, oder verschwinden, wenn der Auslöser entfernt ist
  5. Reaktionen entstehen auch gegenüber vielen chemisch nicht verwandten Substanzen
  6. Die Symptome betreffen mehrere Organsysteme

Asthma, Allergien, Migräne, Chronic Fatigue Syndrome (CFS) und Fibromyalgie stellen keine Ausschlussdiagnose für MCS dar.

Normalität für Chemikaliensensible (MCS): Kopfschmerzen, Schwindel und Asthma an Weihnachten

Obwohl das ganze Weihnachtsfest harmonisch abgelaufen ist und das Essen wunderbar gelungen, stellen sich bei manchen Menschen Kopfschmerzen, Schwindel oder Asthmaanfälle ein. Woran mag es liegen, wenn nicht tief ins Glas geschaut wurde und kein Stress vorhanden war? Einer der Hauptauslöser können duftstoffhaltige Geschenke oder Gäste mit speziell für die Festtage aufgetragenen Duftstoffen sein. Ca. 15% der Bevölkerung leidet unter MCS – Multiple Chemical Sensitivity, sie haben an Weihnachten einen sehr schweren Stand. Ausweichen ist kaum möglich, wenn sie das Fest im Kreis der Familie verbringen möchten, für viele bleibt nur die Isolation.

Aftershaves, Parfüms und Bodylotions sind dafür bekannt, Asthma und Kopfschmerzen auszulösen. Grund dafür können die darin enthaltenen komplexen Chemikaliengemische sein, die akut auf das Nervensystem oder die Atmungsorgane einwirken. Über 4.000 Chemikalien kommen in künstlichen Duftstoffen zur Anwendung. Lösemittel wie bspw. Xylol, Toluol, Azeton oder allergieauslösende natürliche ätherische Öle wie u.a. Kampfer, Citral und Limonen gelten als typische Inhaltsstoffe. Besonders empfänglich für Reaktionen gegenüber Duftstoffen sind Asthmatiker, Chemikaliensensible, Personen mit MCS- Multiple Chemical Sensitivity und Allergiker.

Auch Kerzen, Duftkerzen und Raumduftsprays zählen häufig zu den Auslösern von weihnachtlichen Beschwerden. Normale Kerzen bestehen aus Paraffin, ein Abfallprodukt der Erdölindustrie, und die Dochte sind oft zusätzlich bleihaltig. Wer nicht lüftet nach dem Abbrennen von Kerzen, hat schnell eine hohe Schadstoffkonzentration in der Innenraumluft. Ist ein Weihnachtsbaum vorhanden, muss man zusätzlich an Terpene und Pestizide als Belastung denken. All diese Chemikalien addieren sich zu den bereits in der Raumluft befindlichen Chemikalien aus Reinigungsmitteln, Möbeln, etc. hinzu und sorgen dafür, dass bei einer erkrankten Person das „Fass überläuft“. Beschwerden stellen sich ein.

Was häufig hilft gegen Kopfschmerzen, Asthma und anderen Beschwerden an den Festtagen, ist frische Luft, sowie rigoroses Eliminieren von Duftstoffen und anderen enttarnten Auslösern. Das mag zwar alles traurig für denjenigen sein, der die Duftstoffe geschenkt hat, aber auch ein Lehrstück. Am Besten klärt man schon im Vorfeld mit allen Weihnachtsbesuchern ab, dass auf Duftstoffe und duftende Geschenke völlig verzichtet werden muss.

Stellen sich Asthma, Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen oder erhebliche Stimmungsschwankungen nach Abbrennen von Kerzen, Anwendung eines Parfüms, Aftershaves, Raumduftes oder ähnlichem ein, weg damit aus dem Umfeld der chemikaliensensiblen oder allergischen Person. Duschen mit neutralem Duschshampoo, ein Spaziergang durch die klare Winterluft und lüften des Wohnraums führt häufig schnell zu Linderung.

Autor: Silvia K. Müller, Dezember 2007

Literatur:

  1. Burstein R, Jakubowski M., Unitary hypothesis for multiple triggers of the pain and strain of migraine, J Comp Neurol. 2005 Dec 5;493(1):9-14
  2. Baldwin CM, Bell IR, O’Rourke MK., Odor sensitivity and respiratory complaint profiles in a community-based sample with asthma, hay fever, and chemical odor intolerance, Toxicol Ind Health. 1999 Apr-Jun;15(3-4):403-9
  3. Baldwin CM, Bell IR, O’Rourke MK, Lebowitz MD., The association of respiratory problems in a community sample with self-reported chemical intolerance. Eur J Epidemiol. 1997 Jul;13(5):547-52
  4. Baldwin CM, Bell IR., Increased cardiopulmonary disease risk in a community-based sample with chemical odor intolerance: implications for women’s health and health-care utilization, Arch Environ Health. 1998 Sep-Oct;53(5):347-53
  5. Bell IR, Schwartz GE, Peterson JM, Amend D., Self-reported illness from chemical odors in young adults without clinical syndromes or occupational exposures, Arch Environ Health. 1993 Jan-Feb;48(1):6-13
  6. Cone JE, Shusterman D., Health effects of indoor odorants,Environ Health Perspect. 1991 Nov;95:53-9.
  7. Elberling J, Skov PS, Mosbech H, Holst H, Dirksen A, Johansen JD.,Increased release of histamine in patients with respiratory symptoms related to perfume. Clin Exp Allergy. 2007 Nov;37(11):1676-80
  8. Fisher BE.,Scents and sensitivity, Environ Health Perspect. 1998 Dec;106(12):A594-9
  9. Henneberger PK., Work-exacerbated asthma, Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2007 Apr;7(2):146-51.
  10. Kelman L.The triggers or precipitants of the acute migraine attack, Headache Center of Atlanta, Cephalalgia, 2007 May;27(5):394-402
  11. Kumar P, Caradonna-Graham VM, Gupta S, Cai X, Rao PN, Thompson J., Inhalation challenge effects of perfume scent strips in patients with asthma, Ann Allergy Asthma Immunol. 1995 Nov;75(5):429-33
  12. Millqvist E, Bengtsson U, Löwhagen O.,Provocations with perfume in the eyes induce airway symptoms in patients with sensory hyperreactivity, Allergy. 1999 May;54(5):495-9
  13. Millqvist E, Löwhagen O., Placebo-controlled challenges with perfume in patients with asthma-like symptoms, Allergy. 1996 Jun;51(6):434-9

Ignorieren von Umweltkrankheiten ist ein Kunstfehler mit Folgen

Schadstoffsanierung bringt Besserung für die Gesundheit

Immer wieder werden Beschwerden von Umweltkranken schlichtweg bagatellisiert und ebenso oft werden die Erkrankten grundlos psychiatrisiert, um Kosten für Verursacher abzuwehren. Eine japanische Fallberichtstudie über eine Hausfrau, deren Haus mit Formaldehyd und anderen Lösemitteln durch Baumaterialien und Ausstattung kontaminiert war, belegt, dass Ernstnehmen und Handeln der bessere Weg ist. Nach der Sanierung erholte sich die Bewohnerin, und die Formaldehyd- und Lösemittelwerte blieben deutlich unter Grenzwert. Ein Beispiel am Rande, dafür, was Sanierung von belastetem Umfeld und korrekte Diagnostik erreichen kann. Eine Ende dreißigjährige Hausfrau, Mutter von zwei Kindern, beschwerte sich über die Innenraumluft in ihrem Haus. Inspekteure eines öffentlichen Gesundheitscenters untersuchten die Beschwerde der Hausfrau und stellten in verschiedenen Räumen Formaldehyd und andere Lösemittel in so hohen Konzentrationen fest, dass die japanischen Grenzwerte für Innenraumbelastung drastisch überschritten wurden.

Verbesserung durch Sanierung

Es wurde eine Sanierung des Hauses durchgeführt, um die Innenraumluft zu verbessern. Vinyltapeten wurden ausgetauscht gegen Tapeten, die aus Pflanzen hergestellt waren. Türen aus Spanplatten wurden gegen Vollholztüren ausgetauscht, Spanplattentreppenstufen mit Kork belegt, etc. Nach Sanierung des Hauses wurden Formaldehyd und Lösemittel nochmals gemessen. Die Konzentrationen waren nun so weit heruntergegangen, dass keine Belastung mehr vorhanden war, was die Effizienz der Sanierung belegte. Die Beschwerden der Hausfrau waren ebenfalls zurückgegangen, was gleichfalls die Effizienz der Sanierung bewies. Vier Jahre nach der Inspektion untersuchte das gleiche Institut die Formaldehyd- und Lösemittelkonzentrationen erneut. Sie waren noch immer unter den nationalen Grenzwerten. Bei der Hausfrau wurde mittels Fragebogen bzgl. der Innenraumluft, ihres Alltags, ihrer körperlichen Verfassung etc. eine gute Gesundheit festgestellt.

Ignorieren ist ein Kunstfehler

Diese Fallberichtsstudie aus Japan verdeutlicht auf anschauliche Weise, dass das Ignorieren von umweltbedingten bzw. Innenraumluft bedingten Beschwerden einen Kunstfehler darstellt, da es bei Erkrankten eine Besserung ihres Gesundheitszustandes verhindert. Durch richtige Diagnostik und entsprechendes Sanieren kann hingegen die Gesundheit, wie im vorliegenden Fall, wieder gewonnen und weitere Folgen vermieden werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity, Dezember 2007

Literatur:

Harada K, Hara K, Wei CN, Ohmori S, Matsushita O, Ueda A., Case study of volatile organic compounds in indoor air of a house before and after repair where sick building syndrome occurred, Department of Microbiology and Environmental Chemistry, School of Health Sciences, Kumamoto University, Kumamoto, Japan, Int J Immunopathol Pharmacol. 2007 Apr-Jun; v20(2 Suppl 2):69-74.

Arbeitsplätze für Menschen mit Chemikaliensensitivität (MCS)

Frau mit MCS - Multiple=

Wer unter Chemikaliensensitivität oder Multiple Chemical Sensitivity (MCS) in schwerer Ausprägung leidet, hat auf dem normalen Arbeitsmarkt kaum eine Chance. Schon Alltagschemikalien aus Parfüms, After Shave oder normalen Reinigungsmitteln reichen in geringer Dosierung aus, um diese Menschen außer Funktion zu setzen. Auf normalen Arbeitsplätzen begegnet man zusätzlich regelmäßig noch vielen weiteren Chemikalien wie beispielsweise Lösemittel aus Inventar und Produktionsvorgängen, neuer Teppichboden oder belastete Drucker- und Kopiererstäube, die dieser Personengruppe bereits den Aufenthalt in den Räumlichkeiten unmöglich gestalten, geschweige denn kontinuierliche Leistung zulassen. Unsichtbare Barrieren nennt man diese Problematik im Fachjargon, weil man die Chemikalienbelastung nicht sehen kann. Anstatt Verständnis erhalten Erkrankte am Arbeitsplatz oft Gespött oder werden sogar von Kollegen bewusst Chemikalien ausgesetzt. Es gibt jedoch auch positive Projekte.

Treffender, als es Marlene Catterall aus Ottawa bei einer Debatte des kanadischen Unterhauses sagte, kann man die Situation der Umweltsensiblen kaum beschreiben:

„Es gibt da beim Management und der Regierung einige Tendenzen, die diese Probleme (Umweltsensibilitäten) nicht ernst nehmen und die glauben lassen, dass sie es mit einer Gruppe von Hypochondern zu tun haben. Ich denke, kein verantwortungsbewusster Arbeitgeber kann wirklich glauben, dass eine Gruppe von Angestellten plötzlich über Nacht zu Hypochondern wird. Dies sind sehr reale Probleme, sie sind nicht unbekannt in der internationalen Wissenschaft und verdienen sehr ernsthafte Aufmerksamkeit von der Regierung.“ (1)

Rehabilitierungsprogramm für Rehabilitierungsprogramm
Ein aktuell erschienener Bericht in der amerikanischen Fachzeitung Work setzt sich mit den Einschränkungen und Barrieren auseinander, die Chemikaliensensible (MCS) im Arbeitsleben betreffen. Wegen der Schwere der Symptome, der oft anzutreffenden Stigmatisierung und der unerfüllten krankheitsbedingten Bedürfnisse am Arbeitsplatz, müssen diese Menschen ihr Arbeitsleben sehr häufig frühzeitig beenden. Damit Chemikaliensensiblen geholfen wird, weiter arbeiten zu können oder eine neue Beschäftigung zu finden, müssen Rehabilitationsexperten die Barrieren genau verstehen, die sich für diese behinderten Menschen an einem Arbeitsplatz ergeben. Ihre Aufgabe besteht dann darin, diese Barrieren zu reduzieren oder zu beseitigen. Im Bericht in der Fachzeitschrift Work wird von Wissenschaftlern der University of Arkansas als Lösung eine „umweltmäßige Karriereentwicklung“ präsentiert, um weitere Beschäftigung von Chemikaliensensiblen durch Rehabilitationsinterventionen in Gang zu setzen und Barrieren zu beseitigen. (2) Dies ist dringend erforderlich, denn wie kürzlich in einem anderen Bericht in der gleichen Fachzeitschrift dargelegt wurde, werden Chemikaliensensible häufiger als Personen mit AIDS, Allergien, Asthma, Magenbeschwerden, Trauma oder Tuberkulose in ihrem Berufsleben diskriminiert. (3)

Arbeitsplätze, die besser für alle sind
Es gibt in den USA und Kanada seit vielen Jahren von staatlichen Behörden und Gewerkschaften geführte Programme, die für eine effektive Integration von Chemikaliensensiblen sorgen, statt sie völlig aus der Gesellschaft auszustoßen. Das erste großangelegte Programm startete 1993. Es gab dazu sogar Arbeitsbücher und ein Video für Mitarbeiter und Vorgesetzte zur besseren Veranschaulichung. (4,5,6) Besonders im Bildungsbereich gibt es zahlreiche Integrationsprogramme mit großem Erfolg. So haben beispielsweise über 30 Universitäten seit Jahren Statuten, die Duftstoffe und Einsatz von Chemikalien auf dem Campus verbieten. (7) Diese Maßnahme sorgt dafür, dass erkranktes Lehrpersonal oder Studenten mit MCS arbeiten können. (8) Professoren und gesunde Studenten haben längst den Vorteil dieser speziellen Anpassungen bemerkt und bekunden erhöhte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, seit z.B. Duftstoffe verboten sind. Auch auf privater Ebene haben Firmen unterschiedlicher Größe Arbeitsplätze geschaffen, die Chemikaliensensiblen ermöglichen, ihre Qualifikation einzubringen.

Menschenrechte gelten auch am Arbeitsplatz
Die kanadische Menschrechtskommission tritt nicht nur bei Diskriminierung von Umweltsensiblen in jedem einzelnen Fall ein, sie hat auch bereits einen Leitfaden zur Gestaltung MCS gerechter Arbeitsplätze herausgegeben. (9) Hierdurch können Betriebe ein Umfeld schaffen, dass es Umweltsensiblen ermöglicht zu arbeiten und Kollegen den Umgang mit ihnen erleichtert.

Maxwell Yalden, ehemals Vorsitzender der Kanadischen Menschenrechts-kommission, äußerste sich zur bestehenden Problematik bereits 1990 in unmissverständlicher Form: „Ich und meine Kollegen empfinden alles, was Umweltsensibilität betrifft und alle damit verbundenen Angelegenheiten als sehr bedauerlich. Es gibt eine Tendenz in vielen Kreisen, diese Erkrankung tot zu reden oder so zu behandeln, als gäbe es sie nicht. Sie schütteln ihre Köpfe; sie sagen, es gibt einfach keine Möglichkeit, mit manchen Menschen umzugehen. Unsere Einstellung jedoch ist, dass es ein Problem ist, ein echtes Problem. Es ist ein Problem, unter dem manche Menschen leiden, und sie leiden sehr schmerzhaft. Sie leiden noch mehr wegen des Demütigungsfaktors. Niemand nimmt sie ernst. Wir glauben, dass es ein großes Ausmaß öffentlicher Missverständnisse gibt, und wir möchten versuchen, sie zu beseitigen.

Wir werden jeder Beschwerde von jeglicher Person nachgehen, die glaubt, dass man sie diskriminiere, weil sie an Umweltsensibilitäten leidet. Es ist nicht an uns, über medizinische Sachverhalte ein Urteil zu sprechen – und es gibt medizinische Sachverhalte. In der Medizinwelt gibt es ein großes Ausmaß von Meinungsverschiedenheiten bzw. Fehlen von Einstimmigkeit betreffs dieses Syndroms. Wir denken, es ist klar, dass es eine Krankheit ist. Es ist ein Problem. Es ist keine Illusion. Ich denke, wir alle haben die Aufgabe, den Menschen zu helfen zu verstehen, was involviert ist und etwas dagegen zu tun.“ (10)

Chemialiensensitivität akzeptieren spart Milliarden
In Deutschland verwiesen Politiker schon 1998 darauf, dass Chemikaliensensitivität für die Betroffenen katastrophale persönliche, finanzielle und soziale Folgen hat. Insbesondere der Wirtschaft und in der Industrie entstünden jährlich Kosten in Milliardenhöhe aufgrund der nachlassenden Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. (11)

In Kanada wurden von der Environmental Illness Society of Canada noch genauere Zahlen ermittelt. Dort kostet Chemikaliensensibilität pro Jahr ca. 10 Milliarden Dollar an Produktivitätsverlust, 1 Milliarde Dollar an Steuerverlust und 1 Milliarde Dollar an vermeidbaren Kosten im Gesundheitssystem. (12)

Caress und Steinemann hatten in den USA im Jahr 2002 eine aufsehenerregende Studie mit Fakten und Zahlen über die Auswirkungen von MCS veröffentlicht. Rund 36,5 Millionen Amerikaner sind chemikaliensensibel. Bei rund 5,2 Millionen der Erkrankten kann Chemikaliensensitivität bis zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. (13)

Arbeitsplätze sichern
Viele Chemikaliensensible schleppen sich mit letzter Kraft zur Arbeit, um nicht aus dem sozialen Netz zu fallen. Sie haben Familien zu versorgen und Verpflichtungen, was ihnen keinen anderen Ausweg lässt. Doch wenn keine Änderungen durchgeführt werden, um den Arbeitsplatz chemikalienfrei zu gestalten, wird die Bandbreite der Substanzen, die Symptome auslösen, immer größer, und der Gesundheitszustand zwangsläufig immer schlechter. Das Resultat führt zu völliger Invalidität, häufig Überschuldung, Ende des Arbeitslebens und nicht selten schlußendlich zu auseinanderbrechenden Familien.

Nicht jeder Chemikaliensensible wird wieder arbeiten können, auch nicht unter schadstoffkontrollierten Bedingungen. Manche dieser Erkrankten sind auf Arbeitsplätzen tätig, die man auch mit großen Änderungen nicht umfassend schadstofffrei gestalten kann, wie z.B. Chemiker, Friseure, Laborangestellte, Anstreicher oder Schädlingsbekämpfer. Andere sind schlicht und einfach zu krank zum Arbeiten oder ihre Reaktionen zu schwerwiegend. Eine Erhebung geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Chemikaliensensiblen zu dieser Gruppe zählt. Dies trifft insbesondere für solche zu, die durch neurotoxische Chemikalien erkrankten. Die verbleibenden zwei Drittel hätten jedoch eine reelle Chance, wieder halbwegs funktionierende Teile der Gesellschaft zu werden, wenn man die entsprechenden Voraussetzungen schafft und für Akzeptanz, Verständnis und Kooperation bei den Mitarbeitern in einem Betrieb sorgt.

Wenn Chemikaliensensitivität nicht mehr länger ignoriert würde und Erkrankte dahingehend unterstützt würden, dass sie ihre Arbeit weiter verrichten können, würde dies, wie die oben genannten Studien und Aussagen belegen, Milliarden einsparen. Zusätzlich würde das unbeschreibliche menschliche Leid und finanzielle Verluste für Chemikaliensensible und deren Familien minimiert, und die Gesellschaft könnte weiterhin auf das Wissen und die Fähigkeiten vieler wertvoller Menschen zurückgreifen. Nicht zuletzt würden durch gesündere Arbeitsplätze alle profitieren.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN, Dezember 2007

Literatur:

1. Marlene Catterall, M.P. (Ottawa West), Hansard, House of Commons Debates, 5. Juni, 1990
2. Szirony GM, Kontosh LG, Koch L, Rumrill P, Hennessey M, Vierstra C, Roessler RT., An ecological approach to facilitate successful employment outcomes among people with multiple chemical sensitivity, Work. 2007;29(4):341-9
3. Vierstra CV, Rumrill PD, Koch LC, McMahon BT., Multiple chemical sensitivity and workplace discrimination: the national EEOC ADA research project, Work. 2007;28(4):391-402
4. Multiple Chemical Sensitivities at Work: A Training Workbook for Working People, New York: The Labor Institute, 1993
5. Videotape „MCS: An Emerging Occupational Hazard.“ New York: The Labor Institute, 1993
6. Job Accommodation Network, Tracie DeFreitas Saab, Accommodation and Compliance Series: Employees with Multiple Chemical Sensitivity and Environmental Illness, 01/02/06.
7. Silvia K. Müller, Duftverbot an über 30 Universitäten, CSN, Mai 2007
8. Thomas Kerns, When the day is particularly beautiful, Our Toxic Times, Dez. 2007
9. Debra Sine, Leslirae Rotor, Elizabeth Hare, Canadian Human Rights Commission, Acommodating Employees with Environmental Sensitivities, A Guide fort he Workplace, Nov. 2003
10. Maxwell Yalden, former CHair Canadian Human Rights Commission, Hansard, House of Commons Minutes of Proceedings and Evidence of the Standing Commitee on Human Rights and the Status of Disabled Persons, 10. Mai 1990
11. Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Michael Müller, Dr. A. Schwall-Düren, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/11125, 19.06.1998
12. Environmental Illness Society of Canada, Socio-Economic Study of MCS, 2001
13. Caress SM, Steinemann AC, Waddick C. 2002. Symptomatology and etiology of multiple chemical sensitivities in the southeastern United States. Arch Environ Health 57(5):429-436.

Fairness gegenüber Umweltkranken mit MCS ist überfällig

Frau mit Schutzmaske, MCS - Multiple Es ist erschütternd, wie sehr Chemikalien-sensible und Umweltkranke darunter leiden müssen, wie mit ihnen umgegangen wird. Höhnische Bemerkungen, Belächeln oder direktes Anzweifeln der Existenz ihrer Krankheit ist für viele Erkrankte der traurige Alltag. Von einschlägig bekannten „Experten“ geprägte Berichterstattung leistet den letzten Feinschliff. „Umweltkranke sind unser Gesellschaftsmüll“, sagte ein Politiker „treffend“ vor Jahren.

Wenn ich mit Umweltkranken am Telefon spreche, berichtet man mir häufig von ungerechter Behandlung, Schikanen und direkter Diskriminierung. Chemikaliensensible leiden oft sogar mehr darunter, als unter ihren zweifelsfrei vorhandenen Schmerzen und körperlichen Einschränkungen im Alltag. Muss das sein? Tritt jemand einem Gelähmten gegen den Rollstuhl? Wird ein AIDS- oder Krebskranker als Hypochonder bezeichnet, weil er auf Nahrung, Duftstoffe und Alltagschemikalien zu reagieren beginnt im Endstadium oder nach Chemotherapie? Oder nimmt jemand einem Blinden den Stock weg? Niemals, wer es wagen würde, den würde die Gesellschaft ächten.

Ich erinnere mich, als sei gestern gewesen, an einen Abend in meinem damaligen Arbeitskreis Giftgeschädigter Trier. Ein Ehepaar, das fast jedes Mals extra aus dem Saarland angereist kam, wollte mich beim Rausgehen sprechen. Der Mann war Schreiner gewesen und konnte kaum noch außer Haus funktionieren. Er reagierte aufgrund seiner Formaldehydsensibilität auf fast alles. „Ich muss Dir etwas sagen, Silvia“, sagte er mit fester Stimme, „bei mir haben sie jetzt Krebs festgestellt.“ Ich war wie erschlagen und wusste vor Betroffenheit nicht recht, was ich antworten sollte. „Das tut mir furchtbar Leid“, mehr kam nicht aus mir heraus, weil ich die beiden so sehr mochte. „Nein, Silvia, es ist in Ordnung, ich bin froh darüber, denn jetzt müssen sie mir endlich glauben.“

Diese Begebenheit habe ich einige Male an medizinischen Kongressen berichtet. Die Ärzte schauen für üblich nach unten. Kommentare kommen keine. Eigentlich kann man dazu auch kaum noch etwas sagen, so ungeheuerlich ist es, dass ein schwer kranker Mensch in unserer Gesellschaft froh ist, dass er schlussendlich Krebs bekommen hat durch die Chemikalien, die ihn an seinem Arbeitsplatz erkranken ließen.

Was meint Ihr, warum werden wir diskriminiert und was können wir unternehmen, dass sich die Situation mittelfristig ändert?

Autor: Silvia K. Müller, CSN-Chemical Sensitivity Network

Unbequemer Umweltmediziner aus Trier erhielt Zivilcouragepreis

Am vergangenen Samstag erhielt der Trierer Neurologe Dr. Peter Binz in Bodenwerder bei Hameln den Zivilcouragepreis der Solbach- Freise Stiftung. Der jährlich vergebene Ehrenpreis wurde an Dr. Binz für sein langjähriges, herausragendes und tapferes Engagement für chemikaliengeschädigte Menschen aus allen Lebensbereichen vergeben. Seit Jahrzehnten setzt der Arzt von der Mosel sich insbesondere für Arbeiter ein, die in Betrieben durch Chemikalien zu Schaden kamen. Mancher Betrieb verbesserte durch seinen Einfluss die Arbeitsbedingungen und sorgte so nachhaltig für gesündere Arbeitsplätze. Menschen aus ganz Deutschland waren zu der Vergabe des Ehrenpreises angereist und wohnten der harmonischen, musikalisch untermalten Preisverleihung bei.

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Letztendlich Ehrung für unbequeme Wahrheit

Es hat sich viel bewegt durch den gerechtigkeitsbewussten Trierer Arzt, der es nicht akzeptieren kann, dass ausgerecht die Menschen, die die Arbeit in unserem Land verrichten, im Schadensfall leer ausgehen und oft auf das Schlimmste schikaniert werden. Durch seine Einstellung bekam Dr. Binz in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder härteste Repressalien durch Verursacher, Versicherungen, Behörden und sogar Standeskollegen zu spüren. Für die Solbach- Freise Stiftung war er, insbesondere wegen seiner unbeugsamen Selbstverpflichtung seinen Patienten gegenüber, der richtige Kandidat für den mit 4.000€ dotierten Zivilcouragepreis in diesem Jahr. In ihrer Laudatio stellte die Gründerin der Stiftung, Anne Solbach- Freise, diese Beweggründe umfassend dar.

Die Zeit liefert die unwiderlegbaren Beweise

Arztkollegen, Wissenschaftler, Selbsthilfegruppenleiter für Chemikaliengeschädigte, Patienten und gerechtigkeitsbewusste Menschen, sie alle waren aus ganz Deutschland angereist, um der Vergabe des Zivilcouragepreises „Demokratie wahren – Zivilcourage zeigen“ an Dr. Peter Binz beizuwohnen.

Tief betroffen folgten die Anwesenden den Worten des Preisträgers, der von seinen Patienten und den Ereignissen der vergangenen Jahrzehnte berichtete. Mancher Zweifel seiner Gegner ist durch erschütternde Tatsachen widerlegt worden. Wenn fast alle Arbeiter eines Werkes, manchmal sogar alle, durch bestimmte Chemikalien verstorben sind, gibt es keine plausible Basis mehr für Zweifel an den Aussagen oder Negieren der Feststellungen des fachlich hochkompetenten Arztes. Das einstige Unterstellen von Simulantentum, Gefälligkeitsgutachten gegen die Opfer, Fehlen von epidemiologischen Studien und dass es so gut wie nie behördlichen Nachforschungen gab, erscheint bei diesem Hintergrund unentschuldbar.

Statt Zweifel an der Glaubwürdigkeit – Solidarität

Für die Patienten selbst gab es nie einen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Dr. Peter Binz. Sie gingen sogar mehrfach auf die Strasse für ihren Arzt, der vielen von ihnen das Leben gerettet hatte. Während der Feierlichkeit in Bodenwerder wurde hierzu sinnbildlich eine Filmdokumentation aus dem Jahr 1997 gezeigt. Damals hatten die Gegner mit vereinten Kräften versucht, zu erwirken, dass Dr. Binz die Approbation entzogen würde. Mehrere Hundert Patienten aus allen Teilen Deutschlands waren nach Mainz angereist, um gegen das Unrecht gegenüber ihrem Arzt zu demonstrieren und ihre Solidarität zu bekunden. Einige der damaligen Demonstranten sind zwischenzeitlich an ihren schweren Chemikalienschädigungen verstorben. Der Filmbeitrag rührte daher manche der anwesenden Betrachter zu Tränen.

Verfolgung ist der Alltag für Überbringer unliebsamer Botschaften

Damals entschied das Gericht, dass Dr. Binz für seine Patienten eingetreten sei und keine Absicht bestand, jemandem Schaden zuzufügen. Dennoch verhalten sich die Kostenabwehrer eher so, wie die Stifterin, Frau Solbach Freise, es treffend formulierte: „Nicht die Botschaft ist das Übel, sondern ihr Überbringer“, und der soll büßen. Einfach ist eine solche Verfolgung über mehrere Jahrzehnte nicht zu erdulden, dass kann die ganze Familie Binz bekunden. Allen Familienmitgliedern sitzt es noch in den Knochen, wie auf Intension der KV Trier eine überfallartige Durchsuchung der Praxis- und Wohnräume von Dr. Binz erfolgte und alle Patientenakten beschlagnahmt wurden. In der Laudatio wurden daher auch der hohe Einsatz von Frau Binz und der große Zusammenhalt der Familie besonders hervorgehoben, ohne die der widerständige Arzt die ehrverletzenden und existenzbedrohenden Vorwürfe der Kassenärztlichen Vereinigung Trier im vergangenen Jahr hätte nicht durchhalten können.

Ein Leben für Patienten und Aufklärung

Im Leben des Dr. Binz gibt es neben Ehrlichkeit zwei wichtige Dinge: Seine große Familie und seine Patienten. Auch zukünftig wird sich der in der Umweltmedizin weltweit geschätzte Arzt der Aufklärung von Gesundheitsschäden durch Chemikalien widmen und, wenn er aus dem Berufsleben aussteigt, darüber schreiben. Ganz gemäß seiner Lebensphilosophie: „Allem voran der Patient“, wird das Preisgeld des Zivilcouragepreises den Opfern von Chemikalienschädigungen zugute kommen.

Photoalbum: Verleihung Zivilcouragepreis an Dr. Peter Binz (Diaschau anklicken)

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 20.11.2007

Presseinformation:

Weitere Informationen, Bild- und Videomaterial können bei CSN – Chemical Sensitivity Network, Silvia K. Müller, Tel. 06784-9839913, csn.deutschland@gmail.com angefordert werden.

Parfüm: Schlecht für die Ratte – gut für den Menschen?

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Dick aufgetragen können Parfüms eine Plage sein, das können viele Menschen sofort aus eigener Erfahrung bestätigen. Sie stinken einfach, wie mancher sagt. Doch mangelnder Wohlgeruch ist nicht alles. Einige der Duftwässerchen rauben einem regelrecht die Sinne, verursachen Kopfschmerzen, Schwindel und lassen einen keinen klaren Gedanken mehr fassen. Dass solche Reaktionen durch die Chemikalien in so manchem Parfüm verursacht werden, ist leicht nachvollziehbar, wenn man sich die Inhaltsstoffe anschaut. Nicht schlecht gestaunt habe ich dennoch, als ich eine Pressemitteilung der amerikanischen Stiftung National Toxic Encephalopathy Foundation (NTEF), die sich für Menschen mit toxisch bedingten Hirnschäden einsetzt, bezüglich des Parfüms „Angel“ von Thierry Mugler zugeschickt bekam. (1) Demnach ist manches Parfüm nicht nur „dick aufgetragen“ eine Gefahr.

Parfüm nur noch auf Verordnung in der Apotheke?

„Angel“ zu Deutsch Engel, enthält das toxikologisch relevante Cumarin. Cumarin ist laut der Gefahrstoffverordnung mit dem Andreaskreuz als gesundheitsschädlich gekennzeichnet. Cumarinderidivate werden als sehr wirksames Rattengift vertrieben. In geringerer Dosierung wird Cumarin als hochpotentes Herzmedikament eingesetzt. Natürlich kein Medikament, das man ohne ärztliche Verschreibung erhält wie Halsschmerzpastillen, sondern eines, was nach ganz präziser Diagnostik in einer wohlüberlegten Dosierung verordnet wird. Die Stiftung NTEF sieht genau hier eine Gefahr für Benutzer des cumarinhaltigen Parfüms. Sie fordert durch eine Petition die Reglementierung von „Angel“ und dass es als Medikament eingestuft wird. Außerdem soll der Import wegen zahlreicher Verletzungen der amerikanischen Importbestimmungen beendet werden.

Parfüminhaltsstoffe im Nebel der Verschwiegenheit

Bis vor einiger Zeit waren die Inhaltsstoffe von Parfüms völlig unbenannt, angeblich um Nachahmungen zu verhindern. Mancher unbedarfte Verbraucher mag es glauben. Doch die Realität sieht anders aus, denn mit wenig Mühe und relativ geringem finanziellen Aufwand kann eine Laboranalyse eines Parfüms erstellt werden und nicht lange danach könnte es in Kopie auf dem Markt sein. Neuen gesetzlichen Regelungen ist es zu verdanken, dass nun wenigstens einige von mehreren Tausend im Einsatz befindlichen Inhaltsstoffen angegeben werden müssen. Allerdings nur dann, wenn sie einen bestimmten Prozentsatz überschritten haben, was für Extremallergiker immer noch keinen umfassenden Schutz bedeutet. Eine leichte Verbesserung bestenfalls, denn vormals bestand überhaupt keine Pflicht, Inhaltsstoffe zu deklarieren. Im Fall von „Angel“ habe der Hersteller einige Jahre lang nur wenige Inhaltsstoffe bekannt gegeben, berichtet die Stiftung, doch jetzt kamen weitere hinzu, unter anderem das besagte Gift Cumarin.

Parfüm verstößt gegen Gesetze

Die Petition, die an die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassung FDA gerichtet ist, verweist im Fall des Parfüms auf über 10 Verstöße des Kodex der Vereinigten Staaten und des Kodex für staatliche Vorschriften, sagte die Präsidentin des NTEF, Angel de Fazio aus Las Vegas. Gerade habe sie der FDA auf deren Bitte noch eine fehlende Angabe zukommen lassen, die Ermittlungen sind also angelaufen.

Parfüm – Gefahr für Kranke

„Ein potentielles Gesundheitsproblem, das mit dem Parfüm Angel in Zusammenhang steht, besteht im darin enthaltenen Cumarin“, führt der bekannte Toxikologe mit Spezialgebiet Immuntoxikologie, Jack D. Thrasher, an. „Cumarin ist eine Vorstufe zum gesetzlich geregelten Medikament Warfarin und wird von Personen eingenommen, die unter Herzkrankheiten leiden oder bei denen Blutgerinnung fatal sein kann. Das Parfum enthält auch Ethanol und weitere Chemikalien, die eine Durchlässigkeit der Haut verstärken, was es dem Cumarin ermöglicht, in den Blutstrom einzudringen. Das verstärkt das potentielle Risiko für Herzpatienten und auch Personen, die vor einer Operation stehen. Dieser Duft ist ein Medikament, was erfordert, dass er neu eingestuft wird, und Restriktionen bezüglich seiner Verwendung.“

Parfüminhaltsstoffe bedenklich für jeden

Was weiß man in Deutschland über die Gefahr von Cumarin? Eine Menge, denn das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes im vergangenen Jahr intensiver mit dem nach frischem Heu, Waldmeister oder Vanille riechenden Duft- und Aromastoff Cumarin befasst. Von Umweltorganisationen war herausgefunden worden, dass zimthaltiges Weihnachtsgebäck meist Cumarin in unterschiedlicher Konzentration enthält. Das Bundesamt für Risikobewertung nahm sich der Angelegenheit an und erstellte eine Zusammenfassung mit dem Titel: „Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet“, über die Gefahren der Substanz (2). Wegen der gesundheitsschädlichen Wirkung größerer Mengen – Cumarin kann Leberschäden verursachen – darf Cumarin im Lebensmittelbereich nur als Bestandteil von Aromen und sonstigen Lebensmittelzutaten mit Aromaeigenschaften verwendet werden…Lange bekannt ist zudem, dass Cumarin im Tierexperiment die Bildung von Tumoren auslösen kann. Nach tierexperimentellen Befunden einer hepatotoxischen Wirkung wurde 1954 zunächst in den USA der Zusatz von synthetischem Cumarin zur Aromatisierung von Lebensmitteln verboten. Darüber hinaus wird Cumarin als Medikament zur Behandlung insbesondere von Stauungsfolgen durch venöse (chronische venöse Insuffizienz) und lymphatische (Lymphödem) Abflussstörungen eingesetzt. Die kanzerogenen Eigenschaften von Cumarin im Tierversuch sind seit den 1970er Jahren bekannt und haben seitdem zu anhaltenden Diskussionen über die Bedeutung dieser Ergebnisse für den Menschen und über den zugrunde liegenden Wirkmechanismus geführt.“

Auf Seite 8 und 9 der gesundheitlichen Bewertung des BfR steht über die dermale Aufnahme der Substanz aus Kosmetika zu lesen: „Im Gegensatz zum Einsatz bei der Lebensmittelherstellung darf synthetisches Cumarin als Duftstoff in kosmetischen Mitteln ohne Beschränkung eingesetzt werden. Nach EU-Verordnung 76/768/EWG über kosmetische Mittel (Amtsblatt der EU vom 11.03.2003) muss Cumarin lediglich ab einer Konzentration von 0,001 % in „Leave-on“Produkten und ab einer Konzentration von 0,01 % in „Rinse-off“-Produktion als Bestandteil deklariert werden.“

Wie viel Gift bekommt der Verbraucher täglich?

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat im Fall von Cumarin ermittelt und führt an: „Bereits aus einer überschlägigen Betrachtung der Produktionsmenge von synthetischem Cumarin, umgerechnet auf den pro Kopf-Anteil in der Bevölkerung, wird deutlich, dass die dermale Exposition nicht unwesentlich ist. Yourick und Bronaugh (1997) berechneten aus einer jährlichen Produktion von 250.000 angelsächsischen Pfund (113,4 t) in den USA bei einer Bevölkerungszahl von 250 Millionen Menschen eine durchschnittliche tägliche Cumarin- Menge von 1,2 mg pro US-Amerikaner.“ (2) Hier stutzte ich beim Lesen etwas, denn nicht jeder in der amerikanischen Bevölkerung verwendet Duftstoffe und selbst wenn, enthalten diese nicht zwangläufig auch immer Cumarin, ergo ist für Benutzer solcher Cumarinhaltiger Produkte mit wesentlich höheren Werten und somit höherem Risiko für die Benutzer zu rechnen.

Parfümlobby – Änderungen wären besser als aussitzen

Die Fachzeitung für Parfumeure scheint ihrer ersten Reaktion zufolge recht hilflos zu sein gegenüber dem „Angriff“ der amerikanischen Stiftung NTEF auf ein erfolgreiches Parfüm. Rat, was zu tun ist, weiß man nicht und fragt stattdessen die Leser um Vorschläge. (3) Guter Rat ist nicht teuer, ich würde etwas logisches Denken und Pragmatismus vorschlagen: Zurück zu natürlichen Essenzen, die ungiftig sind, auch wenn ein Parfüm etwas teurer in der Herstellung ist, denn lebende Kunden kaufen länger.

Autor: Silvia K. Müller, CSN-Chemical Sensitity Network

Literatur:

  1. NTEF Presseerklärung, NTEF Petitions the FDA to Have Angel Perfume Declared a Drug, Las Vegas, NV 89126, 29. Oktober 2007
  2. BfR, Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet, Gesundheitliche Bewertung des BfR Nr. 043/2006 16. Juni 2006
  3. Comment: NTEF Attacks Clarins, Perfumer & Flavorist magazine, Okctober 30, 2007

Seit wann benutzen Fische Parfüm?

Duftstoffe begegnen uns in jeder Alltagssituation. Wir haben „unsere Welt“ beduftet. Ob es nun die tägliche Körperpflege betrifft, unsere Nahrung oder ein Putzmittel, Babywindeln, Kerzen, Hotelzimmer, sogar Socken und U-Bahnkarten gibt es mit Duft. Die Bestandteile der Duftstoffe sind zumeist Chemikaliengemische. Sie reichern sich in unserem Fettgewebe, der Muttermilch und in unserer Umwelt an. Ein staatliches Labor in der Schweiz fand Duftstoffkomponenten nun sogar in Fischen in hochalpinen Bergseen. Wie kommen sie dorthin, in Höhen, die nur selten ein Wanderer erreicht und in denen niemand lebt?

Der Traum von sauberer Luft und sauberem Wasser

Über zweitausend Meter hohe Berge, glasklare Luft, traumhafte Panoramen mit tiefblauen Bergseen – eine friedliche Szenerie, die einen wieder eins mit der Natur werden lässt. Doch der Schein trügt, denn das staatliche Schweizer Labor für analytische Chemie hat bei Proben von Fischen aus den Seen im Hochgebirge und Flachland persistierende organische Verbindungen (POPs) und Bestandteile von Duftstoffen festgestellt.

Fische Endlager für Insektizide, Flammschutzmittel und Duftstoffe?

Es wurden Fische aus sieben alpinen Seen in Regionen zwischen 2062 und 2637 Metern über dem Meeresspiegel untersucht. Die Wissenschaftler fanden im Fettgewebe der Fische Konzentrationen von Altinsektiziden und längst verbannten Chemikalien wie DDT, DDE, Dieldrin, HPEX, HCB, HCH, PCBs, PCDD/F und PBDE. Zusätzlich zu diesen hochbedenklichen Chemikalien wurden sieben verschiedene künstliche Moschusverbindungen und Xylolmoschus festgestellt. Diese Chemikalien sind Bestandteile aus Duftstoffgemischen, die man in Pflege-, Putz- und Waschmitteln und Parfüm findet.

Durch Niederschlag in den Fisch im Bergsee gelangt

Die Konzentrationen von PCB, PCDD/F, und PBDE waren in den Fischen aus den Gebirgsseen so hoch wie im Flachland. Ganz anders sah es mit der Konzentration der synthetischen Moschusverbindungen aus. Diese aus Duftstoffen in Waschmitteln und Kosmetika stammenden Verbindungen hatten sich in den Fischen der Gebirgsseen weniger stark angereichert, als in Fischen aus dem Flachland. Der Grund hierfür liegt darin, dass in die Flachlandseen Wasser aus Wasseraufbereitungsanlagen einfließen, eine Belastung, die es in den Hochgebirgsarealen nicht gibt.

Alltagsbeduftung hat Nebenwirkungen

Für die Duftstoffbestandteile und persistierenden Chemikalien in den Fischen im Hochgebirge gibt es laut Schweizer Wissenschaftler nur eine Erklärung: sie stammen direkt aus atmosphärischem Niederschlag und Luftverschmutzung. Regen, Schnee, Nebel sorgen in diesen hohen Regionen für die Belastung der Fische mit Duftstoffbestandteilen, die sich in unserer Atmosphäre befinden. Die Umweltverschmutzung durch die Alltagsgewohnheiten der Menschen sorgt somit für „parfümierte“ Fische. Eine Entwicklung, die jedem die Tragweite einer bedufteten Welt kritisch vor Augen halten sollte.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, August 2007

Literatur: Persistent organic pollutants, brominated flame retardants and synthetic musks in fish from remote alpine lakes in Switzerland Schmid P, Kohler M, Gujer E, Zennegg M, Lanfranchi M. Empa, Swiss Federal Laboratories for Materials Testing and Research, Laboratory for Analytical Chemistry Dubendorf, Switzerland. Chemosphere, Januar 2007

Umgang mit Umweltkranken: ein Fall für die Menschenrechtskommission

Umweltkranke, die sensibel auf kleinste Spuren von Chemikalien oder auf elektromagnetische Strahlung reagieren, haben es im Alltag und Beruf schwer. Sie werden häufiger als Personen mit AIDS, Allergien, Asthma, Magenbeschwerden, Trauma oder Tuberkulose in ihrem Berufsleben diskriminiert. (1) Ihre Gesundheit und Arbeitsfähigkeit hängt von chemikalienfreien Räumlichkeiten und der Akzeptanz ihres Umfeldes ab. Leider treffen sie dabei noch viel zu häufig auf Unverständnis und Intoleranz, obwohl Chemikaliensensitivität (MCS) und Elektrosensibilität (EMS) in einigen Ländern als Schwerbehinderung anerkannt sind. (3,4,5) Die kanadische Menschenrechtskommission gab im Mai 2007 bekannt, dass sie jedem Einzelfall von Diskriminierung Umweltsensibler in ihrem Land nachgeht. (2)

Frau mit Atemmaske wegen Multiple=

Unterschiedliche Reaktion auf die Umwelt nichts Neues

Wir alle wissen und akzeptieren, dass beispielsweise Menschen mit roten Haaren und blauen Augen sehr empfindlich gegenüber Sonnenlicht reagieren und schneller einen Sonnenbrand bekommen als dunkelhäutige Menschen. Bei Reaktionen auf Chemikalien ist es schwieriger, Akzeptanz und Rücksichtnahme zu erzielen, denn man kann in diesem Fall rein vom Äußeren eines Mitmenschen her kaum beurteilen, dass er gesundheitliche Probleme durch ein Parfüm, Abgase, Putzmittel, Zigarettenrauch, Pestizide oder Farben hat. Ungefähr 15-30% der Bevölkerung gehören zur Gruppe der Chemikaliensensiblen, die mit Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, bis hin zu völligem Zusammenbruch, auf Alltagschemikalien reagieren, die anderen nichts oder kaum etwas ausmachen. (6-16) Ist eine Sensibilität eingetreten, besteht sie lebenslang und beansprucht entsprechende permanente Anpassungen. Rechtzeitiges Erkennen, Umweltkontrolle, Vermeidung Symptom auslösender Substanzen, Entgiftung und Regenerierung der normalen biologischen Körperprozesse sind der Schlüssel für Menschen mit Umweltsensibilitäten um ihre Gesundheit zu erhalten und zurückzuerhalten. (2)

Hürden im Alltag

Wie sieht es im Alltag für einen Chemikaliensensible aus, wird man diskriminiert aufgrund der Einschränkungen und besonderen Bedürfnissen? „Doch, das kommt vor“, sagt Michael, der seit mehr als 10 Jahren unter Multiple Chemical Sensitivity  (MCS) leidet. „In meinem persönlichen Umfeld geht es, da weiß jeder Bescheid und richtet sich danach. Solche Sachen wie, dass ein Freund extra Parfüm benutzt oder raucht, um meine Krankheit zu provozieren, kenne ich nicht. Aber durch Behörden fühle ich mich diskriminiert, dort habe ich nie richtiges Verständnis erfahren. Im Gegenteil, und das finde ich nicht korrekt. Meine Schwerbehinderung ist anerkannt, die MCS inklusive. Trotzdem muss man sich blöde Sprüche von parfümierten Angestellten anhören, die nicht gewillt sind, ein Fenster zu öffnen, weil sie dann frieren würden. Ich hocke da und soll einen Antrag ausfüllen und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Schrift sieht unmöglich aus, weil das Gehirn schon krampft und die Motorik nicht richtig will. Dass Gekrakel wird dann als nächster Punkt kritisiert. Schlussendlich schwankt man irgendwie aus dem mit Papier und Akten vollgestopften Raum und ist mindestens für den Rest dieses Tages im Eimer. Wenn es irgendwie möglich ist, versuche ich alles, was nur geht, telefonisch oder schriftlich zu regeln, doch manchmal muss man eben persönlich erscheinen. Das empfinde ich schon als diskriminierend, vor allem, weil ich selbst nichts für meine Situation kann, ich habe sie nicht verursacht und sie mir auch nicht ausgesucht“, erläutert der durch Lösemittel und Pestizide am Arbeitsplatz geschädigte junge Mann.

Umweltkrankheiten als Schwerbehinderung anerkannt

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Chemikaliensensitivität (MCS) mit dem Krankheitscode T78.4 einklassifiziert. Als Behinderung kann die Erkrankung in Deutschland und einigen anderen Ländern behördlich anerkannt werden (3,4,5).

In Deutschland wurde MCS, laut Auskunft des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung vom 14.09.2005, in den „Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit“ neu eingegliedert. Die Änderung wurde deswegen durchgeführt, weil sich viele Betroffene durch die Einstufung von 2004 für CFS und MCS diskriminiert fühlten und ein Teil der Ärzteschaft um diese Änderung gebeten hatte. Beide US Access Board waren unter Ziffer 26.3 „Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, psychische Traumen“ gelistet. Seit der Neueingliederung 2005 werden MCS und CFS unter Ziffer 26.18 „Haltungs- und Bewegungsaperrat, rheumatische Erkrankungen“ geführt. Nun kann beim Vorliegen einer besonders schweren MCS ein GdB von mehr als 50 anerkannt werden. (17)

In den USA ist MCS sogar schon seit 1992 vom zuständigen Department HUD als Schwerbehinderung anerkannt. (5) Den Erkrankten wird von US Behördenseite in erster Linie dadurch geholfen, dass zunehmend Wohnraum, öffentliche Gebäude und Arbeitsplätze für deren besondere Bedürfnisse angepasst werden. Die amerikanische Behörde – US Access Board – setzt sich intensiv mit Modalitäten auseinander, die es Behinderten ermöglichen sollen, öffentliche Gebäude zu betreten und an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen zu können. Mit diesem Abbau „unsichtbare Barrieren“ sollen Chemikalien- und Elektrosensible die Möglichkeit erhalten, am Leben teilzunehmen. So gibt es in der Stadt San Franzisko bspw. keine öffentliche Versammlung, in der Duftstoffe oder Zigarettenrauchen erlaubt wäre. Auf chemische Reinigungsmittel wird vor einer Veranstaltung ebenso verzichtet, wie auf das Versprühen von Pestiziden in einem bestimmten Zeitrahmen davor. (18)

Auch im Bildungsbereich geht man in den USA und Kanada den Chemikaliensensiblen bereits sehr entgegen. Über 30 Universitäten und zahlreiche Schulen sind duft- und weitgehend chemikalienfrei. Das ist ein nicht einfach durchzuführendes Entgegenkommen und deshalb besonders hoch einzuschätzen. (19)

Elektrosensible haben es besonders schwer

Wer auf Strom und Strahlung reagiert, ist durch die ständig zunehmende Belastung sehr beeinträchtigt und hat noch weniger Rückzugsrefugien als vergleichsweise Chemikaliensensible, von der Akzeptanz dieser relativ neuen Umweltsensibilität in der Gesellschaft und bei Behörden ganz zu schweigen.

Meika ist seit 3 Jahren sehr schwer elektrosensibel und lebt zeitweilig in der Natur, um ihrem Körper Ruhe zu gönnen. „Ich sage fast niemandem, weshalb es mir schlecht geht und was mit mir los ist, schon gar nicht bei einem Arzt oder einer Behörde. Es glaubt einem keiner und man wird mit Elektrosensibilität angeschaut, als sei man komplett irre. Das tue ich mir nicht mehr an. Helfen können die mir sowieso nicht. Also, warum dann sagen, ich habe Elektrosensibilität und kriege ein furchtbares Stechen im Kopf durch ihr Handy?“ Oder: „Herr Doktor ich bin elektrosensibel, was soll ich tun?“ „Nein, ich mache mich nicht selbst zur Irren, ich sage nichts und versuche irgendwie durchzukommen. Aber eins kann ich sagen, ein Zuckerschlecken ist das nicht, mein Leben habe ich mir anders vorgestellt. Ich habe eine superteure akademische Ausbildung und bin wirklich hochqualifiziert gewesen. Geldsorgen hatte ich nie und meine Karriere ging pfeilgerade nach oben. Jetzt komme ich mir manchmal wie ein Penner vor, wenn ich mich in ein entlegenes Tal im Wald verschanze und mich dort zum Ausruhen auf eine Bank für Wanderer lege. Noch habe ich Erspartes, aber es schmilzt, und was kommt dann? Ich weiß es nicht. Hilfe durch Behörden? Darauf zähle ich nicht, ich würde mir nur selbst etwas vormachen“, berichtet die promovierte Informatikerin, die aufgrund ihrer hohen Qualifikation früher weltweit im Einsatz war.

Manche Länder sind in Bezug auf Elektrosensibilität verständnisvoller

In Schweden ist die Wissenschaft und Aufklärung hinsichtlich Elektrosensibilität wesentlich weiter, dies hat in dem skandinavischen Land zu einer Anerkennung von Elektrosensibilität als Schwerbehinderung geführt. Es gibt dort bspw. sogar schon Klinikabteilungen mit Elektrosmog kontrollierten und strahlungsfreien Abteilungen. (3) In den USA kommt man den Elektrosensiblen ebenfalls bereits entgegen, sie können sich vor öffentlichen behördlichen Versammlungen nach Belastungsquellen am Veranstaltungsort erkundigen, was wenigstens ein erster Schritt in Richtung Akzeptanz der Existenz solcher Überempfindlichkeiten ist.

Arbeiten bis zum Umfallen

Schwindel, rasende Kopfschmerzen, die Konzentrationsfähigkeit im Keller, der Blick zunehmend verschwommen, und es sind noch Stunden hin bis zum Feierabend. Eine Szenerie, die einem Albtraum gleicht. Nur leider stellt sie die Realität dar, in der mancher Chemikaliensensible, der noch arbeitsfähig ist, seinen Alltag fristen muss. Zuhause kann man Auslöser leicht verbannen, auf dem Arbeitsplatz, im Alltag oder in der Freizeitgestaltung ist man auf das Wohlwollen der Mitmenschen angewiesen. Sieht die Kollegin es nicht ein, auf ihr Parfüm und Haarspray zu verzichten, weil sie sich sonst „in ihrer Freiheit eingeschränkt“ fühlt und der Chef nur ein müdes Achselzucken oder einen lockeren Spruch zur Situation übrig hat statt einschneidende Maßnahmen anzuberaumen, ist Leiden oder Aufgabe des Arbeitsplatzes für Erkrankte angesagt. Dass jeder Mensch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und saubere Luft zum Atmen hat, interessiert oft niemanden.

Diskriminierte Umweltkranke setzen sich zur Wehr

Nicht verwunderlich daher, was Wissenschaftler der Kent University / USA in diesem Zusammenhang herausfanden. Nämlich, dass Menschen, die sensibel auf ihre Umwelt reagieren, häufiger als Personen mit AIDS, Allergien, Asthma, Magenbeschwerden, Trauma oder Tuberkulose in ihrem Berufsleben diskriminiert werden. (1) Doch mittlerweile streben diese durch ihre Umweltsensibilitäten benachteiligen Menschen vergleichsmäßig öfter als andere Behinderte Prozesse an, damit sie ohne Einschränkungen und gesundheitliche Reaktionen arbeiten können. Häufig gehen diese Prozesse sogar zugunsten der behinderten Personen aus, denn Menschen mit Umweltsensibilitäten stehen, wie jedem anderen Behinderten, Rücksichtnahme und Anpassungen im Alltag und besonders im Berufsleben zu. Werden Rücksichtnahme und Anpassung nicht gewährt, stattdessen Schikanen oder Mobbing hochgefahren, kann von Diskriminierung Behinderter gesprochen werden.

Menschrechtskommission wird für Umweltkranke tätig

Doch es gibt Lichtblicke, die eine Tendenz von zunehmendem Verständnis für Umweltsensible aufzeigen. In Kanada beginnt sich die Situation für Umweltkranke seit längerem zu ändern. Das Land hat schon vor Jahren Weitblick gezeigt, indem man die erste staatliche Umweltklinik weltweit errichtete. Die Wartezeit für die Klinik ist lang, denn die Erfolge können sich sehen lassen. (20) Nun ist Kanada uns wieder einen Schritt voraus. Mitte des Jahres 2007 hat die kanadische Menschenrechtskommission sehr deutlich bekundet, dass sie für Menschen mit Umweltsensibilitäten ganz besonders eintritt. Die Behörde ist sich dessen bewusst, dass ein ernstzunehmend hoher Anteil der Bevölkerung unter Umweltsensibilitäten leidet. Darunter sind in erster Linie, Chemikalien- und Elektrosensibilität zu verstehen. Durch einem, fast hundertseitigen Bericht, den die kanadische Menschenrechtskommission in Auftrag gegeben hatte, um einen Überblick über den wissenschaftlichen Stand dieser Erkrankungen zu gewinnen, kam man u. a. zu folgender Erkenntnis: Die Erkrankten verspüren neurologische und zahlreiche andere beeinträchtigende Symptome. Vermeidung der Auslöser ist essentiell für sie, um ihre Gesundheit zurückzuerhalten. Hieraus wurden Richtlinien abgeleitet. (2)

Richtlinien der kanadischen Menschenrechtskommission (CHRC):

Personen mit Umweltsensibilitäten verspüren eine Reihe von negativen Reaktionen gegenüber Umweltagenzien bei Konzentrationen, die weit unter dem liegen, was „Normalpersonen“ beeinträchtigt. Dieser medizinische Zustand ist eine Behinderung, und diejenigen, die mit Umweltsensibilitäten leben müssen, stehen unter dem Schutz des Canadian Human Rights Act (Gesetzgebung der kanadischen Menschenrechtskommission), welche die Diskriminierung einer Behinderung verbietet. Die kanadische Menschenrechtskommission wird jede Anfrage und jeden Beschwerdevorgang von Personen verfolgen, die glauben, dass er oder sie aufgrund einer Umweltsensibilität diskriminiert wurden. Wie Andere mit einer Behinderung, wird vom Gesetz her verlangt, denjenigen mit Umweltsensibilitäten entgegenzukommen.

Das CHRC spornt Arbeitgeber und Dienstleister an, Eigeninitiative zu zeigen in diesen Belangen und hinsichtlich der Sicherstellung, dass ihre Arbeitsplätze und Einrichtungen für Personen mit einer großen Bandbreite von Behinderungen zugänglich sind.   Erfolgreiche Anpassungen für Personen mit Umweltsensibilitäten erfordern innovative Strategien, um Expositionen gegenüber Auslösern aus der Umwelt zu reduzieren oder zu eliminieren. Diese schließen ein: Entwicklung von Richtlinien für die Durchsetzung von Duftstoffverboten und Vermeidung von Chemikalien; Vereinbarung von Ausbildungsprogrammen zur Erreichung freiwilliger Einhaltung solcher Richtlinien; Minimierung von Chemikalieneinsatz und Kaufen von schadstoffarmen Produkten; Benachrichtigung von Mitarbeitern und Kunden im Vorfeld von Bau- oder Umbauarbeiten und Reinigungsaktivitäten. Solche Maßnahmen können Verletzungen und Krankheiten verhindern, Kosten, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken reduzieren. (2)

Rücksicht auf Umweltkranke kommt allen zugute

Zahlreiche Behörden und Institutionen verschiedener Länder, die sich ernsthaft mit der besonderen Problematik und den Bedürfnissen von Umweltsensiblen beschäftigen, kamen durch ihre intensive Auseinandersetzung mit der Thematik zu einer wichtigen Erkenntnis: Was besser für diese sensibilisierten Menschen ist, kommt dem Befinden aller zugute und dient der Produktivität, sowie dem Erhalt von Arbeitskraft und Gesundheit. Es bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnisse sich weltweit durchsetzen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, September 2007

Literatur

  1. Vierstra CV, Rumrill PD, Koch LC, McMahon BT., Multiple chemical sensitivity and workplace discrimination: the national EEOC ADA research project, Work. 2007;28(4):391-402
  2. Margaret E. Sears, Canadian Human Rights Commission, Policy on Environmental Sensitivities, Mai 2007
  3. Johansson O. Electrohypersensitivity: State-of-the-Art of a Functional Impairment. Electromagn Biol Med. 2006;25:245-258.
  4. BMGS Berlin, Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit, Anhaltspunkte 2005
  5. HUD, Carole W. Wilson, Associate General Counsel for Equal Opportunity and Administrative Law, Memorandum Multiple Chemical Sensitivity Disorder and Environmental Illness as Handicaps, March 5, 1992
  6. Wallace, Nelson, Kollander, Leaderer, Bascom, Dunteman – Indoor air quality and work environment study. Multivariate statistical analysis of health, comfort and odor perceptions as related to personal and workplace characteristics. US Environmental Protection Agency vol. 4, EPA Headquaters Buildings. Atmospheric Research and Exposure Assessment Laboratory. 1991
  7. Meggs, Dunn, Bloch, Goodman, Davidoff – Prevalence and nature of allergy and chemical sensitivity in a general population. Arch Environ Health 1996
  8. Bell, Schwartz, Peterson, Amend – Self-reported illness from chemical odors in young adults without clinical syndromes or occupational exposures. Arch Environ Health. 1993
  9. Bell, Schwartz, Peterson, Amend, Stini – Possible time-dependent sensitization to xenobiotics: self – reported illness from chemical odors, foods and opiate drugs in an older adult population. Arch Environ. Health. 1993
  10. Kreutzer R, Neutra RR, Lashuay N., Prevalence of people reporting sensitivities to chemicals in a population-based survey. Am J Epidemiol. 1999 Jul 1;150(1):13-6
  11. Morrow, Ryan, Hodgson, Robin – Alternations in cognitive and psychological functioning after organic solvent exposure. J Occup Med. 1990
  12. Maschewsky – MCS und Porphyrinopathien. Zeitung für Umweltmedizin 1996
  13. Stanley M. Caress, Anne C. Steinemann, A Review of a Two-Phase Population Study of Multiple Chemical Sensitivities, State University of West Georgia, Carollton, Georgia, USA; Georgia Institute of Technology, Atalanta, Georgia, USA. Environmental Health Perspectives, Sept. 2003
  14. Caress SM, Steinemann AC, Waddick C. Symptomatology and etiology of multiple chemical sensitivities in the southeastern United States. Arch Environ Health 57(5):429-436, 2002
  15. Caress SM,Steinemann AC., Prevalence of multiple chemical sensitivities: a population-based study in the southeastern United States, Am J Public Health. 2004 May;94(5):746-7
  16. Caress SM,Steinemann AC, National prevalence of asthma and chemical hypersensitivity: an examination of potential overlap. J Occup Environ Med. 2005 May;47(5):518-22.
  17. BMGS Berlin, MCS Ziffer 26.18, Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit, Anhaltspunkte 2005
  18. US Access Board, Access Board Policy, Juli 2000
  19. Silvia K. Müller, Duftverbot an über 30 Universitäten, CSN, Mai 2007
  20. Fox RA,Joffres MR,Sampalli T,Casey J.The impact of a multidisciplinary, holistic approach to management of patients diagnosed with multiple chemical sensitivity on health care utilization costs: an observational study,J Altern Complement Med. 2007 Mar;13(2):223-9.

Schadstoffe ignorieren bringt Nationen zunehmend ins Schwitzen

Ich lese jeden Tag wissenschaftliche Studien, Newsletter und Pressemitteilungen zu umweltmedizinischen Themen, ich kann nur sagen, man härtet ab dabei. Als ich gestern die Pressemitteilung der University of British Columbia las, schreckte ich jedoch doch etwas zusammen. Die Zahlen, die dort zu lesen waren, was Umweltgifte das Land Kanada kosten, sind nämlich astronomisch. Ob es in anderen Ländern anders ist, ich glaube es kaum. Dies ist das erste Mal, dass man in Kanada das Ausmaß von schweren gesundheitlichen Auswirkungen, verursacht durch Umweltgefahren wie Luftverschmutzung, Pestizide, Dioxine, Schwermetalle, Antiflammschutz-mittel und andere persistierende Schadstoffe (POPs), misst. Die Studie, die in dieser Woche im medizinischen Fachjournal Environmental Research veröffentlicht wird, schätzt, dass in Kanada 25.000 Menschen jährlich durch Schadstoffe sterben, 24.000 neue Krebsfälle hinzukommen und 2.500 Babys mit zu geringem Geburtsgewicht zur Welt kommen.

Das Studiendesign war von höchstem Niveau. Die Studienautoren benutzten als Grundlage eine Methodologie, die von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) in Zusammenarbeit mit 100 führenden Experten auf den Gebieten Umweltgesundheit, Epidemiologie und Toxikologie entwickelt wurde. David Boyd, der im vergangenen Monat mit der David Suzuki Stiftung zusammenarbeitete, sagte: „In unserer kulturellen DNA denken wir, dass Kanada ein ursprüngliches Land sei, aber dass passt nicht zusammen mit unseren Zahlen, wenn es um Umweltbelange geht.“ Und was er dann sagt, ist eigentlich auf alle Industrienationen übertragbar: „Wenn wir vor die Wahl gestellt werden zwischen Schutz der Umwelt oder den schadstoffproduzierenden Industrien, machen wir weiter damit, die Industrien zu beschützen.“

Doch der Wissenschaftler zeigt nicht nur die Missstände auf, er hat auch Rat für das umweltkranke Land. Er empfiehlt, dass Kanada eine umfangreiche nationale Umweltstrategie entwickelt, die strengere Standards für Luftqualität, Trinkwasser, Nahrung und Konsumprodukte einschließt. Ein weiteres Ziel solle sein, dass Kanada mehr in die Forschung, öffentliche Aufklärung, Verlaufstudien und die Entwicklung grüner Technologien investiere. Ein gutes Beispiel dafür, wie man verfahren sollte, sei Schweden, dieses Land sei Kanada Lichtjahre voraus. Dort gäbe es ein Substitutionsprinzip, erläuterte der Wissenschaftler, dass laut geltendem Gesetz verlange, dass, wenn eine sicherere Chemikalie verfügbar sei, diese Alternative zum Einsatz kommen muss.

Umfassende Maßnahmen einzuleiten ist höchste Eisenbahn für Kanada, denn die oben angeführte Berechnung ist noch lange nicht Ende der Fahnenstange. Zwei wichtige Aspekte sind in den Berechnungen nämlich nicht eingeschlossen und führen zu wesentlich höheren Kostenbergen. Boyd und Genuis kalkulierten die umweltbedingten Erkrankungen (EBD – Morbitität und Mortalität verursacht durch die Exposition gegenüber Umweltgefahren) in vier Kategorien: Atemwegserkrankungen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs und angeborene Leiden. Allergien, Umweltkrankheiten wie Chemikaliensensibilität (MCS) und Chronic Fatigue Syndrom (CFS), neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimers, Parkinsons, Multiple Sklerose und ALS, hormonelle Fehlfunktionen, etc. wurden in die Berechnung nicht einbezogen. Die Wissenschaftler hatten sich ausschließlich auf solche Erkrankungen fokussiert, für die bereits seit längerem starke Beweise für eine Entstehung durch Umweltschadstoffe bestehen. Der Grund dafür war insbesondere der, dass für einige Krankheiten noch keine ausreichende Datenlage in Bezug auf EBD vorhanden ist.

Als weiterer Aspekt, der auf wesentlich höhere Summen schließen lässt, ist festzustellen, dass schadstoffbedingte Krankheiten nicht alleinig im Gesundheitswesen Kosten verursachen, sondern eine ganze Reihe weiterer erheblicher Kostenberge produzieren. Bereits der entstehende Produktivitätsausfall dürfte die anfallenden Kosten im Gesundheitswesen übersteigen. Es dauert erfahrungsgemäß lange, bis ein Arbeitnehmer sich krankschreiben lässt. Die Gefahr den Job zu verlieren war nie so groß wie heute, somit schleppt sich mancher noch lange zur Arbeit, obwohl er nicht mehr kann. Volle Leistung und höchste Konzentration ist von diesen angeschlagenen Menschen keinesfalls mehr zu erwarten. Ist der Job verloren, fällt eine Familie als Konsument weitgehend aus, es geht nur noch um das blanke Überleben.

Fazit: Schadstoffbedingte Krankheiten zu ignorieren, schützt zwar einzelne Verursacher und bestimmte Industriezweige, ist für die Allgemeinheit und dass soziale System mittelfristig nicht mehr bezahlbar. Ganz abgesehen von den ethischen Aspekten wie in Kauf genommener frühzeitiger Tod, verlorene Lebensqualität und Lebensfreude. Wie auch dass schadstoffbelastete Kinder sich körperlich und in ihrer Intelligenz nicht voll entwickeln können, was den Kostenberg nachhaltig weiter wachsen lässt und nicht abzusehende Folgen für ein Land hat.

Autor: Silvia K. Müller

Literatur: University of British Columbia, Pressemitteilung: Pollution Killing up to 25,000 Canadians Annually, Says First Environmental Burden of Disease Study in Canada, 2. Oktober 2007