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Frohe Weihnachten, Merry Christmas

Ein Weihnachtengel zu Besuch
 
Irgendwie stellte sich dieses Jahr bei mir keine Weihnachtsstimmung ein. Das Wetter mag eine Rolle gespielt haben, es war eher novemberartig als vorweihnachtlich. Vielleicht war es auch die Hektik, das ganze Jahr ist wie im Fluge vergangen. Während ich darüber nachdenke, höre ich ein helles Glöckchenklingeln. Schnell schaue ich zum Fenster, und im gleichen Augenblick ist alles in Silber getaucht. Sternchen schwirren durch die Luft und schwups steht ein Engel auf meiner Fensterbank. Ob mich das verwundert? Oh nein, ich kenne den Weihnachtsengel, er war bereits zweimal bei mir. Schnell öffne ich das Fenster und kaum geschehen, ist mein ganzes Büro erfüllt mit silbernen Sternen. „Hallo“, haucht der Engel etwas atemlos, „endlich habe ich Dich gefunden. Mir hat wieder einmal keiner gesagt, dass Du umgezogen bist. Nichts klappt mehr richtig.“ Der Engel streicht sich über die Flügel und kommt, sich umschauend, langsam zu Ruhe. „Hallo, lieber Weihnachtsengel, welche Freude, Dich wiederzusehen“, begrüße ich ihn und bemerke, dass er irgendwie noch prächtiger aussieht als beim letzten Besuch. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich mich riesig freue. „Magst Du nicht Platz nehmen, lieber Engel, und etwas trinken?“ Der Engel nickt mit dem Kopf und setzt sich in den Sessel, der im Nu von feinem silbernen Sternenstaub überdeckt ist. Dann schaut er sich um und raunt mir zu: „Oh ja, eine heiße Tasse Schokolade, das wäre einfach himmlisch. Nur in Eile bin ich, das ist nicht gut für die Gesundheit. Die Suche nach Dir hat mich viel Kraft gekostet, aber jetzt bin ich da und nehme mir die Zeit, über das mit Dir zu sprechen, was in diesem Jahr bei Dir passiert ist. Außerdem will ich mit Dir reden, denn was sich so abspielt in dieser Welt verstehe ich nicht ganz, dabei musst Du mir auf die Sprünge helfen.“ „Erst einmal ausruhen, lieber Engel, und die heiße Schokolade genießen, dann reden wir über Alles“, rufe ich ihm bei hinaushuschen zu. Der Engel schließt seine Augen und entspannt sich.
 
Es fühlt sich richtig gut an, den Engel wieder hier zu haben, denke ich beim Zubereiten seines Getränks. Automatisch überlege ich, ob nun Sahne auf die heiße Schokolade darf oder nicht. Dann muss ich lachen und gebe eine große Portion auf die lecker duftende heiße Schokolade. „Was hast Du so gelacht“ fragt der Engel, der plötzlich wieder putzmunter aussieht. „Ob Du Allergien hast und ob Sahne wohl in Ordnung ist für Dich“, lasse ich ihn wissen. Der Engel lacht nun ebenfalls und entgegnet: „Seit wann haben Engel Allergien? Ich glaube, Du bist arg im Stress und hörst kaum etwas Anderes, kann das sein? Engel und Allergien pfff, “ kichert der Weihnachtsengel vor sich hin. „Ja, das stimmt, deshalb tut es mir jetzt gut, mit Dir hier zu sitzen und einfach einmal zu lachen. Weißt Du, lieber Engel, es sind immer mehr Menschen und vor allem Kinder, die unter Allergien aller Art leiden. Am Traurigsten sind die dran, die bereits auf Chemikalien oder noch schlimmer auf  Strahlung reagieren. Was diese Menschen zum Teil mitmachen müssen, ist unbeschreiblich. Verstehen will sie keiner, es würde zum Handeln zwingen.“ Der Engel seufzt tief und schaut mich mit bekümmertem Gesicht an. „Trotzdem kann es so nicht weitergehen. Das Wegschauen nützt doch nichts. Schau nach draußen, kein Schnee, und auch sonst ist alles etwas merkwürdig. Wir wundern uns oft über die Menschen, Dir kann ich es ja sagen. Ihr redet und redet und redet vom Klima, von Umweltverschmutzung,… aber was ändert Ihr? Fast nichts! Es geht Euch immer noch um Profit, Märkte, Konsum. An eure Umwelt denkt ihr nur in kleinen Schritten, viel zu kleinen Schritten, “ sagt nun der wütende Engel. „Ja, ich weiß,“ kann ich nur entgegnen. „Das Schlimmste dabei ist die Bagatellisierung zum Schutz von irgendwelchen Interessengruppen. Eine Verhöhnung der Umstände und der Menschen, die es schon erwischt hat.“

„So ist es, und dann sitzt Ihr hier wie Du mit Deiner Maschine, die saubere Luft produziert und die klingt wie der Nordwind.“ Ich lache und der Engel stimmt ein. „Ach lieber Engel, Du hast recht, es ist schon merkwürdig. Den Luftfilter brauche ich noch immer. Du siehst ja, das Papier wird nicht weniger. Obwohl mein neues Büro hier Lehm an den Wänden hat und Holz auf dem Boden, wird die Luft für mich problematisch durch den ganzen Papierkram.“ Der Engel wandert im Büro umher, schaut sich interessiert um und sieht mir in die Augen. „Habt Ihr Chemikaliensensiblen etwas erreicht dieses Jahr? Ist es besser geworden für Euch? Ich meine, wenn ich hier Deine ganze Arbeit sehe, dann sieht es doch so aus, als würde einiges vorangehen.“ Langsam lässt er sich in den Sessel gleiten, nimmt seine Tasse und genießt mit geschlossenen Augen ein paar Schlückchen seiner heißen Schokolade. „Nun erzähl schon, spann mich nicht auf die Folter“, sagt der Engel mit zwinkernden Augen. „Das Wichtigste, was passiert ist, ist, dass sich immer mehr Menschen auf die Suche nach Informationen begeben, Selbsthilfegruppen gründen und sich immer effektiver vernetzen. Sie bleiben nicht mehr passiv in der Ecke sitzen, sie wollen gesünder werden, und dafür kämpfen sie. Für sie ist es nicht mehr länger akzeptabel, ins Abseits gestellt zu werden. Stell Dir vor, in Italien und in der Schweiz gingen Chemikaliensensible sogar vor das Regierungsgebäude und sprachen die Minister an.“ Der Engel sieht mich mit großen Augen an und meint „Gut, gut, dann passiert wirklich langsam etwas. Es wird auch Zeit, dass die Menschen aufwachen. Was gibt es Wichtigeres als die Gesundheit? Wo können die Leute denn Informationen herbekommen?“ „Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten. Immer mehr Menschen schauen sich im Internet um, wenn sie etwas Bestimmtes wissen möchten. Andere nehmen Kontakt zu Selbsthilfegruppen auf, lesen Bücher und Infobroschüren, oder sie gehen auf medizinische Kongresse. All das ist auch ein Nebeneffekt der Gesundheitsreform und weil kaum noch ein Arzt Zeit hat für seine Patienten. Dadurch übernehmen die Leute mehr Eigeninitiative. Das Austauschen von Wissen untereinander bringt ihnen viel und gibt Rückhalt.“ Der Weihnachtsengel nickt zustimmend und stellt seine Tasse nieder, „Ja, das hört sich gut an. Es schaut wirklich so aus, als hätte ein Umdenkprozess stattgefunden. Manchmal gefällt mir eure neue Technik richtig gut, wenn man so hört, wie sich Menschen dadurch verbinden und sich dann gegenseitig helfen. Ihr müsst nur aufpassen, dass sie Euch nicht schadet. Zuviel ist ungesund, das ist bekannt, und niemand muss dringend mit dem Handy von überall telefonieren oder oben in den Bergen mit dem Computer arbeiten. Das ist Quatsch und das braucht keiner.“ „Du hast Recht, wo es unnötig ist, ist es unnötig. Gut, dass es auch dazu Menschen gibt, die aufstehen und auf die Gefahren hinweisen. Das sind keine Zukunftsverweigerer, die uns den Fortschritt vermiesen wollen, sondern Menschen, die geschädigt wurden. Nicht selten werden sie aus ihrer Not heraus zu richtigen Experten. Sie sind dann oft die einzige Rettung für viele andere, denen es ähnlich geht.“ Der Engel nickt und meint. „Genau, wenn ich das höre von Dir, dann ist mir wohler. Ich sehe jetzt, dass Ihr Menschen wach werdet. Es beruhigt mich etwas, denn wir Engel sind oft erschöpft, weil wir ständig auf Euch aufpassen müssen.“ sagt der Weihnachtsengel im Aufstehen. „Was nicht heißen soll, dass wir nicht da sind, wenn Ihr uns braucht. Du weißt ja, Ihr liegt uns sehr am Herzen, sage das auch Deinen Leuten. Und noch etwas, wir Weihnachtsengel haben auch Wünsche frei, wusstest Du das? Ich wünsche mir für nächstes Jahr, dass es für Euch Leute mit Allergien und Umweltkrankheiten viel Hilfe gibt und dass aufgehört wird, Euch hinzustellen, als würdet Ihr Euch alles einbilden. Warte ab, wenn wir Engel uns etwas wünschen…, „raunt mir der Weihnachtsengel überzeugend zu, „dann passiert etwas Gutes. Jetzt muss ich mich sputen, es steht noch viel auf meinem Zettel, was ich erledigen muss. Sag Deinen Leuten frohe Weihnachten von mir, und es wird alles gut werden. Der Engel steht schon am Fenster, dreht sich noch einmal um und umarmt mich mit seinen silbernen Flügeln. Plötzlich sind wir beide in glitzernden Sternenstaub gehüllt und alles leuchtet silbern. Noch einmal streicht mir der Engel über den Kopf und dann sehe ich ihn nur noch davonfliegen durch den winterlichen Abendhimmel. Noch einmal glänzen seine Flügel in der roten Abendsonne auf, dann ist er verschwunden. Ich schließe das Fenster und merke, mir ist ganz wohlig ums Herz, jetzt ist Weihnachten.  

Autor: Silvia K. Müller, Dezember 2007

Weihnachtsgedanken der MCS Schutzengel

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Ein Jahr gibt es unsere Aktion MCS Schutzengel bereits. Unsere Engelsgarde besteht aus neun Schutzengeln aus Deutschland und Österreich.

Wir kennen uns fast alle untereinander, helfen uns gegenseitig und wurden gute Freunde. Doch hört Elly und mir einfach zu, was wir Engelchen zu berichten haben:

MCS Schutzengel Helene: Es war mal wieder ein aufregendes und trauriges Jahr für uns Chemikaliensensiblen. Unser Bewegungsradius wird immer kleiner, gerade nach Weihnachten, wenn alle ihr neues Parfüm auftragen, mir graut jetzt schon davor! Erst kürzlich, als ich zu einem Arzttermin durch die Fußgängerzone gehen musste, kam ich an einer Parfümerie vorbei. Man merkt, die Werbung in den Medien fruchtet, der Laden war total voll. Die Auswirkungen des Ganzen bekommen wir in Kürze zu spüren. Da könnte ich platzen vor Wut. Leider wird die Zahl der MCS-Kranken weiter ansteigen, doch wir werden alles versuchen, damit sich unsere Lage verbessert.

Um für einander da zu sein, uns gegenseitig zu unterstützen und zu helfen so gut es geht, dazu haben wir die Aktion MCS Schutzengel ins Leben berufen. Aus meinen bisherigen Erfahrungen heraus kann ich Euch sagen, dass es eine sehr wichtige, dringend benötigte und erfolgreiche Einrichtung ist. Dieses Jahr haben uns sehr viele MCS-Kranke um Rat gebeten und ich habe viel Trauriges erfahren. Eine liebe Chemikaliensensible unter uns, die leider nicht die modernen Mittel der Kommunikation benutzen kann, fühlte sich ganz besonders einsam. Letztes Weihnachten war besonders schlimm für sie. Kennenlernen durfte ich diese liebe Person allerdings erst Anfang dieses Jahres. In zahlreichen Telefongesprächen konnte ich sie ab und an aufmuntern oder ihr einfach nur zuhören. Ich weiß, dass ich ihr wenigstens ein bißchen helfen konnte. Ihre schwerwiegenden Probleme sind enorm. Dadurch, dass sie eben keinen PC nutzen kann, hat sie es besonders schwer und sie fühlt sich oft einsam. Bei mir konnte sie sich ihren Kummer von der Seele reden, es war ihr eine wichtige Hilfe. Auch wenn ich ihr als Schutzengel ihre Probleme nicht wegzaubern kann, so war ich ihr dennoch eine Stütze, das weiß ich.
Helene: Und wie war es bei Dir MCS Schutzengel Elly?

MCS Schutzengel Elly: Auch mir wurde viel Trauriges anvertraut. Mir geht der Hut hoch, dass man MCS-Kranke so ungerecht behandelt. Auch Gutachter in Renten- oder Schwerbehindertenverfahren treten Chemikaliensensiblen oft herablassend und demütigend gebenüber. MCS-Kranke haben auch eine Würde. MCS-Kranke werden in Deutschland um ihre Rechte und Ansprüche betrogen. Das möchte ich nicht hinnehmen und werde mich daher bemühen, dass sich dieser Mißstand ändert.

MCS Schutzengel Elly: Was können wir noch tun, Helene?

Helene: Ich schlage vor, dass wir versuchen, tatkräftige Unterstützung von neuen „MCS Schutzengeln“ zu erhalten, die ebenfalls wie wir, anderen helfen möchten. Denn Zuhören und gegenseitige Hilfe sind sehr wichtig, oftmals auch entscheidend in sozialrechtlichen Verfahren. Ich selber habe mitbekommen, wie ein lieber Schutzengel einer MCS-Betroffenen durch Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Sie ging ruhig und nicht nervös zu ihrem Renten-Gutachtertermin. Das wirkte auch positiv auf den Gutachter. So kam es, dass dieses Verfahren sogar ein positives Ende nahm. Also, wir brauchen uns gegenseitig. Durch Mutmachen, gegenseitiges Beruhigen, Tipps erteilen, mit all solchen Dingen können Schutzengel Großes bewirken. Mehr als sie selber erahnen! Einige Schutzengel haben vielleicht sogar ihr eigenes Rentenverfahren abgeschlossen und können anderen bei dieser speziellen Angelegenheit nützliche Tipps geben. Vielleicht fühlen sich Mitbetroffene von unseren Erfahrungen angesprochen und möchte uns unterstützen. Das wäre wunderbar! Unter den Schutzengel haben sich sogar Telefonfreundschaften entwickelt. Und ganz nebenbei haben die MCS Schutzengel eine sinnvolle Beschäftigung. Ich empfinde es jedenfalls so, denn meine frühere Arbeit fehlt mir immer noch sehr. Es ist schön anderen helfen zu können, man wird wieder gebraucht. Das ist auch wichtig für das eigene Wohlbefinden. Also alles in allem eine runde Sache.

Elly: Ach Helene, und jetzt steht Weihnachten vor der Tür, was können wir da für unsere Schützlinge tun?

Helene: Liebe Elly, das ist garnicht so einfach. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Familie. Viele unter uns, sind ganz alleine, haben keine Angehörigen mehr oder keine Kontakte zu ihnen, meist krankheitsbedingt. An Weihnachten werden sie sich dann ganz besonders einsam fühlen. Stell Dir vor, Du wärst ganz alleine und dann noch an solch einem Abend. Viele Menschen müssen Heilig Abend alleine verbringen, mit MCS ist es sicherlich ganz besonders schwer. Ich denke, dass wir als Schutzengel ein wenig dazu beitragen können, dass sie wenigstens durch einen Anruf oder eine schöne Weihnachtskarte von uns, ein wenig Freude erfahren. Wir werden weiterhin unsere Hilfe anbieten, wenn wir gebraucht werden. Und wir werden gebraucht, dass wissen wir beide, oder?

Elly: Ich hätte da eine Idee, Helene.

Die alleinstehenden MCS-Kranken unter uns, könnten sich doch an Heilig Abend oder an den Weihnachtsfeiertagen im CSN-Chat verabreden und sich dort ein wenig unterhalten. Das wäre sicherlich eine tolle Abwechslung, gerade an diesen Feiertagen. Sie wären nicht alleine und sicher nicht so traurig, sie könnten sich gegenseitig austauschen.

Helene: Oh, Elly, da hast Du wirklich eine schöne Idee, die es gleich zu verbreiten gilt. Vielleicht entstehen dabei sogar dauerhafte Kontakte oder manche schließen sogar Freundschaft dadurch, wie wir beide! Das würde ich mir für alle wünschen.

Wie findet Ihr diese Idee von Elly? Verabredet Euch im Forum zum Chat und entflieht der Einsamkeit!
Wir wünschen Euch allen ein schönes und beschwerdefreies Weihnachtsfest.
Alles Liebe,

Eure MCS-Schutzengel

Helene und Elly

Unverhoffte weihnachtliche Überraschung

Weihnachten ist das Fest der Freude und der Liebe. Für Chemikaliensensible zugegebenermaßen auch das Fest der Schwierigkeiten. Zu erklären brauche ich Euch nicht viel dazu. Ihr wisst ja, mit Pestiziden behandelte Weihnachtsbäume, Kerzen aus Erdölschlacken, duftende Gäste, und, und, und. Trotzdem sollten wir auch Freude an Weihnachten haben. Oder selbst welche verbreiten. Was meint Ihr? Seid Ihr dabei?  

Falls Ihr keine Idee habt, wie man eine Weihnachtsfreude zaubert, hört Euch einfach einmal diese tolle Idee einer Aktivistenfreundin aus den USA an. Maggie geht heimlich in die Natur und schmückt Bäume. Sie nimmt Glitzergirlanden, dicke fette Kugeln, Schleifen, was ihr in den Sinn kommt. Ich habe Bilder von ihren Bäumen gesehen. Herrlich!  

Und nun stellt Euch vor, jemand fährt an einer Straße vorbei oder geht einen häufig besuchten Spazierweg und plötzlich sieht er unverhofft einen toll geschmückten Baum. Ups, was ist das? Glaubt mir, es wird jedem warm im Herzen und ein Lächeln huscht über das Gesicht. Vielleicht beginnt so mancher, der den toll geschmückten Baum sieht, sogar wieder an den Weihnachtsengel zu glauben.  

Sobald meine heftige Erkältung vorbei ist, lege ich los. Einen Baum habe ich mir schon ausgesucht und wenn ich fertig bin, stelle ich Euch ein Photo davon hier ein.

Na, wäre das nicht auch etwas für Euch?
Ich verrate nichts!

Parfüm: Schlecht für die Ratte – gut für den Menschen?

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Dick aufgetragen können Parfüms eine Plage sein, das können viele Menschen sofort aus eigener Erfahrung bestätigen. Sie stinken einfach, wie mancher sagt. Doch mangelnder Wohlgeruch ist nicht alles. Einige der Duftwässerchen rauben einem regelrecht die Sinne, verursachen Kopfschmerzen, Schwindel und lassen einen keinen klaren Gedanken mehr fassen. Dass solche Reaktionen durch die Chemikalien in so manchem Parfüm verursacht werden, ist leicht nachvollziehbar, wenn man sich die Inhaltsstoffe anschaut. Nicht schlecht gestaunt habe ich dennoch, als ich eine Pressemitteilung der amerikanischen Stiftung National Toxic Encephalopathy Foundation (NTEF), die sich für Menschen mit toxisch bedingten Hirnschäden einsetzt, bezüglich des Parfüms „Angel“ von Thierry Mugler zugeschickt bekam. (1) Demnach ist manches Parfüm nicht nur „dick aufgetragen“ eine Gefahr.

Parfüm nur noch auf Verordnung in der Apotheke?

„Angel“ zu Deutsch Engel, enthält das toxikologisch relevante Cumarin. Cumarin ist laut der Gefahrstoffverordnung mit dem Andreaskreuz als gesundheitsschädlich gekennzeichnet. Cumarinderidivate werden als sehr wirksames Rattengift vertrieben. In geringerer Dosierung wird Cumarin als hochpotentes Herzmedikament eingesetzt. Natürlich kein Medikament, das man ohne ärztliche Verschreibung erhält wie Halsschmerzpastillen, sondern eines, was nach ganz präziser Diagnostik in einer wohlüberlegten Dosierung verordnet wird. Die Stiftung NTEF sieht genau hier eine Gefahr für Benutzer des cumarinhaltigen Parfüms. Sie fordert durch eine Petition die Reglementierung von „Angel“ und dass es als Medikament eingestuft wird. Außerdem soll der Import wegen zahlreicher Verletzungen der amerikanischen Importbestimmungen beendet werden.

Parfüminhaltsstoffe im Nebel der Verschwiegenheit

Bis vor einiger Zeit waren die Inhaltsstoffe von Parfüms völlig unbenannt, angeblich um Nachahmungen zu verhindern. Mancher unbedarfte Verbraucher mag es glauben. Doch die Realität sieht anders aus, denn mit wenig Mühe und relativ geringem finanziellen Aufwand kann eine Laboranalyse eines Parfüms erstellt werden und nicht lange danach könnte es in Kopie auf dem Markt sein. Neuen gesetzlichen Regelungen ist es zu verdanken, dass nun wenigstens einige von mehreren Tausend im Einsatz befindlichen Inhaltsstoffen angegeben werden müssen. Allerdings nur dann, wenn sie einen bestimmten Prozentsatz überschritten haben, was für Extremallergiker immer noch keinen umfassenden Schutz bedeutet. Eine leichte Verbesserung bestenfalls, denn vormals bestand überhaupt keine Pflicht, Inhaltsstoffe zu deklarieren. Im Fall von „Angel“ habe der Hersteller einige Jahre lang nur wenige Inhaltsstoffe bekannt gegeben, berichtet die Stiftung, doch jetzt kamen weitere hinzu, unter anderem das besagte Gift Cumarin.

Parfüm verstößt gegen Gesetze

Die Petition, die an die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassung FDA gerichtet ist, verweist im Fall des Parfüms auf über 10 Verstöße des Kodex der Vereinigten Staaten und des Kodex für staatliche Vorschriften, sagte die Präsidentin des NTEF, Angel de Fazio aus Las Vegas. Gerade habe sie der FDA auf deren Bitte noch eine fehlende Angabe zukommen lassen, die Ermittlungen sind also angelaufen.

Parfüm – Gefahr für Kranke

„Ein potentielles Gesundheitsproblem, das mit dem Parfüm Angel in Zusammenhang steht, besteht im darin enthaltenen Cumarin“, führt der bekannte Toxikologe mit Spezialgebiet Immuntoxikologie, Jack D. Thrasher, an. „Cumarin ist eine Vorstufe zum gesetzlich geregelten Medikament Warfarin und wird von Personen eingenommen, die unter Herzkrankheiten leiden oder bei denen Blutgerinnung fatal sein kann. Das Parfum enthält auch Ethanol und weitere Chemikalien, die eine Durchlässigkeit der Haut verstärken, was es dem Cumarin ermöglicht, in den Blutstrom einzudringen. Das verstärkt das potentielle Risiko für Herzpatienten und auch Personen, die vor einer Operation stehen. Dieser Duft ist ein Medikament, was erfordert, dass er neu eingestuft wird, und Restriktionen bezüglich seiner Verwendung.“

Parfüminhaltsstoffe bedenklich für jeden

Was weiß man in Deutschland über die Gefahr von Cumarin? Eine Menge, denn das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes im vergangenen Jahr intensiver mit dem nach frischem Heu, Waldmeister oder Vanille riechenden Duft- und Aromastoff Cumarin befasst. Von Umweltorganisationen war herausgefunden worden, dass zimthaltiges Weihnachtsgebäck meist Cumarin in unterschiedlicher Konzentration enthält. Das Bundesamt für Risikobewertung nahm sich der Angelegenheit an und erstellte eine Zusammenfassung mit dem Titel: „Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet“, über die Gefahren der Substanz (2). Wegen der gesundheitsschädlichen Wirkung größerer Mengen – Cumarin kann Leberschäden verursachen – darf Cumarin im Lebensmittelbereich nur als Bestandteil von Aromen und sonstigen Lebensmittelzutaten mit Aromaeigenschaften verwendet werden…Lange bekannt ist zudem, dass Cumarin im Tierexperiment die Bildung von Tumoren auslösen kann. Nach tierexperimentellen Befunden einer hepatotoxischen Wirkung wurde 1954 zunächst in den USA der Zusatz von synthetischem Cumarin zur Aromatisierung von Lebensmitteln verboten. Darüber hinaus wird Cumarin als Medikament zur Behandlung insbesondere von Stauungsfolgen durch venöse (chronische venöse Insuffizienz) und lymphatische (Lymphödem) Abflussstörungen eingesetzt. Die kanzerogenen Eigenschaften von Cumarin im Tierversuch sind seit den 1970er Jahren bekannt und haben seitdem zu anhaltenden Diskussionen über die Bedeutung dieser Ergebnisse für den Menschen und über den zugrunde liegenden Wirkmechanismus geführt.“

Auf Seite 8 und 9 der gesundheitlichen Bewertung des BfR steht über die dermale Aufnahme der Substanz aus Kosmetika zu lesen: „Im Gegensatz zum Einsatz bei der Lebensmittelherstellung darf synthetisches Cumarin als Duftstoff in kosmetischen Mitteln ohne Beschränkung eingesetzt werden. Nach EU-Verordnung 76/768/EWG über kosmetische Mittel (Amtsblatt der EU vom 11.03.2003) muss Cumarin lediglich ab einer Konzentration von 0,001 % in „Leave-on“Produkten und ab einer Konzentration von 0,01 % in „Rinse-off“-Produktion als Bestandteil deklariert werden.“

Wie viel Gift bekommt der Verbraucher täglich?

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat im Fall von Cumarin ermittelt und führt an: „Bereits aus einer überschlägigen Betrachtung der Produktionsmenge von synthetischem Cumarin, umgerechnet auf den pro Kopf-Anteil in der Bevölkerung, wird deutlich, dass die dermale Exposition nicht unwesentlich ist. Yourick und Bronaugh (1997) berechneten aus einer jährlichen Produktion von 250.000 angelsächsischen Pfund (113,4 t) in den USA bei einer Bevölkerungszahl von 250 Millionen Menschen eine durchschnittliche tägliche Cumarin- Menge von 1,2 mg pro US-Amerikaner.“ (2) Hier stutzte ich beim Lesen etwas, denn nicht jeder in der amerikanischen Bevölkerung verwendet Duftstoffe und selbst wenn, enthalten diese nicht zwangläufig auch immer Cumarin, ergo ist für Benutzer solcher Cumarinhaltiger Produkte mit wesentlich höheren Werten und somit höherem Risiko für die Benutzer zu rechnen.

Parfümlobby – Änderungen wären besser als aussitzen

Die Fachzeitung für Parfumeure scheint ihrer ersten Reaktion zufolge recht hilflos zu sein gegenüber dem „Angriff“ der amerikanischen Stiftung NTEF auf ein erfolgreiches Parfüm. Rat, was zu tun ist, weiß man nicht und fragt stattdessen die Leser um Vorschläge. (3) Guter Rat ist nicht teuer, ich würde etwas logisches Denken und Pragmatismus vorschlagen: Zurück zu natürlichen Essenzen, die ungiftig sind, auch wenn ein Parfüm etwas teurer in der Herstellung ist, denn lebende Kunden kaufen länger.

Autor: Silvia K. Müller, CSN-Chemical Sensitity Network

Literatur:

  1. NTEF Presseerklärung, NTEF Petitions the FDA to Have Angel Perfume Declared a Drug, Las Vegas, NV 89126, 29. Oktober 2007
  2. BfR, Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet, Gesundheitliche Bewertung des BfR Nr. 043/2006 16. Juni 2006
  3. Comment: NTEF Attacks Clarins, Perfumer & Flavorist magazine, Okctober 30, 2007

Die Natur sucht sich Wege

Zerstörte Landschaft

Eines meiner Lieblingsmotive beim Photographieren ist Industrie und Natur im Kontrast. Orte, an denen die Natur wieder Oberhand gewinnt oder Signale aussendet.  img8517_dxo.jpg

Die Industrie ist an vielen Stellen auf unserem Planeten dabei, die Natur in die Ecke zu drängen, sie zu verdrängen, und mancherorts geschieht dies gnadenlos. Doch sie bäumt sich auf und kämpft erfolgreich zurück und zeigt uns dabei, wo wir als Mensch stehen. img8585_dxo.jpg

Manchmal triumphiert die Natur, indem sie den Stolz des Menschen überwuchert oder umschlingt.

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Ein anderes Mal wirken die morbiden Zerfallsprozesse vor sich hinrostender Industriekultur schon fast wie von einem Künstler perfekt inszeniert. p1010510.JPG

Die Natur kann auch ein zynischer Clown sein, der uns Menschen den Spiegel vorhält. Unsinniges wird uns von ihr vor Augen geführt, um zum Umdenken anzuregen. Und dann ist es immer wieder der Mensch, der sich durch seine Handlungen selbst in Frage stellt.

Plötzlich springt der Funke über…

Menschen im Straßencafe, südländisches Flair

Was war für Euch früher Öko? Ein Synonym für Birkenstock tragende Müslifresser? Irgendetwas in diese Richtung hatte jeder im Kopf, wenn er an Öko dachte, oder? Jedenfalls hätten wir nie an eine Managerin im Designerkostüm gedacht, die sich vom kühlen Glasschreibtisch aus für die Umwelt einsetzt. Oder einen Malermeister, der sich ausschließlich schadstofffreien Anstrichen verschworen hat? Viele Menschen haben heutzutage eine ökologische Gesinnung, ohne sie nach außen sichtbar zur Schau zu tragen.

Ich bin froh, dass sich die Zeiten geändert haben und ökologisches Denken und Handeln nicht mehr verknüpft sind mit ausgelatschten Birkenstocks, in denen handgestrickte geringelte Strümpfe stecken. Im Bioladen z.B. trifft man heute Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht, und es sind alles interessante, wache und meist gesund aussehende Menschen. Ich musste schmunzeln, als ein Artikel in einer edlen Hochglanz Frauenzeitung, der an Singles gerichtet war, den Tipp weitergab, in einem Biosupermarkt Ausschau zu halten. Witzig, aber warum nicht? Richtige Ignoranten trifft man dort selten. Parfümträger auch nicht so oft. Dafür bekommt man eher ein nettes Lächeln zurück oder ein Gespräch an der Kasse oder im Cafe. Mir ging es per Zufall einmal so. Ich war auf der Suche nach einem schadstofffreien Haus für ein chemikaliensensibles Ehepaar in Not. An der Kasse fragte ich den Besitzer, ob er nicht etwas wüsste. Hmm, nein im Moment nicht. „Aber ich“, sagte der junge Mann hinter mir, „ich habe genau das was Sie suchen.“ Ich drehte mich um, und wir kamen direkt ins Gespräch. Das mit dem Haus klappte für das Ehepaar in Not nicht, ihnen war es doch nicht komfortabel genug. Dafür wurden wir beide dicken Freunde und konnten zusammen noch vielen Menschen helfen. Das Haus war in den letzten Jahren mehrfach Obdach für Chemikaliengeschädigte und der junge Mann verlangte nie etwas dafür. Wo findet man das noch heutzutage?!

Es stimmt wirklich, dass man im Bioladen auf Gleichgesinnte trifft und nette Gespräche finden kann. Es sind Leute, denen man nicht groß erklären muss, was für einen wichtig und gesund ist, und was andererseits unakzeptabel ist, weil es die Umwelt zerstört. Der Funke springt schneller über als sonst wo, weil irgendwie die Wellenlänge stimmt. Es muss nicht die Frau oder der Mann fürs Leben sein, für den man auf der Pirsch ist. Bekanntschaften schließen, Gleichgesinnte treffen, ein nettes Gespräch ist viel wert. Wer weiß, was sich daraus ergibt…

Autor: Silvia K. Müller, CSN-Chemical Sensitivity Network

Seit wann benutzen Fische Parfüm?

Duftstoffe begegnen uns in jeder Alltagssituation. Wir haben „unsere Welt“ beduftet. Ob es nun die tägliche Körperpflege betrifft, unsere Nahrung oder ein Putzmittel, Babywindeln, Kerzen, Hotelzimmer, sogar Socken und U-Bahnkarten gibt es mit Duft. Die Bestandteile der Duftstoffe sind zumeist Chemikaliengemische. Sie reichern sich in unserem Fettgewebe, der Muttermilch und in unserer Umwelt an. Ein staatliches Labor in der Schweiz fand Duftstoffkomponenten nun sogar in Fischen in hochalpinen Bergseen. Wie kommen sie dorthin, in Höhen, die nur selten ein Wanderer erreicht und in denen niemand lebt?

Der Traum von sauberer Luft und sauberem Wasser

Über zweitausend Meter hohe Berge, glasklare Luft, traumhafte Panoramen mit tiefblauen Bergseen – eine friedliche Szenerie, die einen wieder eins mit der Natur werden lässt. Doch der Schein trügt, denn das staatliche Schweizer Labor für analytische Chemie hat bei Proben von Fischen aus den Seen im Hochgebirge und Flachland persistierende organische Verbindungen (POPs) und Bestandteile von Duftstoffen festgestellt.

Fische Endlager für Insektizide, Flammschutzmittel und Duftstoffe?

Es wurden Fische aus sieben alpinen Seen in Regionen zwischen 2062 und 2637 Metern über dem Meeresspiegel untersucht. Die Wissenschaftler fanden im Fettgewebe der Fische Konzentrationen von Altinsektiziden und längst verbannten Chemikalien wie DDT, DDE, Dieldrin, HPEX, HCB, HCH, PCBs, PCDD/F und PBDE. Zusätzlich zu diesen hochbedenklichen Chemikalien wurden sieben verschiedene künstliche Moschusverbindungen und Xylolmoschus festgestellt. Diese Chemikalien sind Bestandteile aus Duftstoffgemischen, die man in Pflege-, Putz- und Waschmitteln und Parfüm findet.

Durch Niederschlag in den Fisch im Bergsee gelangt

Die Konzentrationen von PCB, PCDD/F, und PBDE waren in den Fischen aus den Gebirgsseen so hoch wie im Flachland. Ganz anders sah es mit der Konzentration der synthetischen Moschusverbindungen aus. Diese aus Duftstoffen in Waschmitteln und Kosmetika stammenden Verbindungen hatten sich in den Fischen der Gebirgsseen weniger stark angereichert, als in Fischen aus dem Flachland. Der Grund hierfür liegt darin, dass in die Flachlandseen Wasser aus Wasseraufbereitungsanlagen einfließen, eine Belastung, die es in den Hochgebirgsarealen nicht gibt.

Alltagsbeduftung hat Nebenwirkungen

Für die Duftstoffbestandteile und persistierenden Chemikalien in den Fischen im Hochgebirge gibt es laut Schweizer Wissenschaftler nur eine Erklärung: sie stammen direkt aus atmosphärischem Niederschlag und Luftverschmutzung. Regen, Schnee, Nebel sorgen in diesen hohen Regionen für die Belastung der Fische mit Duftstoffbestandteilen, die sich in unserer Atmosphäre befinden. Die Umweltverschmutzung durch die Alltagsgewohnheiten der Menschen sorgt somit für „parfümierte“ Fische. Eine Entwicklung, die jedem die Tragweite einer bedufteten Welt kritisch vor Augen halten sollte.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, August 2007

Literatur: Persistent organic pollutants, brominated flame retardants and synthetic musks in fish from remote alpine lakes in Switzerland Schmid P, Kohler M, Gujer E, Zennegg M, Lanfranchi M. Empa, Swiss Federal Laboratories for Materials Testing and Research, Laboratory for Analytical Chemistry Dubendorf, Switzerland. Chemosphere, Januar 2007

Schadstoffe ignorieren bringt Nationen zunehmend ins Schwitzen

Ich lese jeden Tag wissenschaftliche Studien, Newsletter und Pressemitteilungen zu umweltmedizinischen Themen, ich kann nur sagen, man härtet ab dabei. Als ich gestern die Pressemitteilung der University of British Columbia las, schreckte ich jedoch doch etwas zusammen. Die Zahlen, die dort zu lesen waren, was Umweltgifte das Land Kanada kosten, sind nämlich astronomisch. Ob es in anderen Ländern anders ist, ich glaube es kaum. Dies ist das erste Mal, dass man in Kanada das Ausmaß von schweren gesundheitlichen Auswirkungen, verursacht durch Umweltgefahren wie Luftverschmutzung, Pestizide, Dioxine, Schwermetalle, Antiflammschutz-mittel und andere persistierende Schadstoffe (POPs), misst. Die Studie, die in dieser Woche im medizinischen Fachjournal Environmental Research veröffentlicht wird, schätzt, dass in Kanada 25.000 Menschen jährlich durch Schadstoffe sterben, 24.000 neue Krebsfälle hinzukommen und 2.500 Babys mit zu geringem Geburtsgewicht zur Welt kommen.

Das Studiendesign war von höchstem Niveau. Die Studienautoren benutzten als Grundlage eine Methodologie, die von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) in Zusammenarbeit mit 100 führenden Experten auf den Gebieten Umweltgesundheit, Epidemiologie und Toxikologie entwickelt wurde. David Boyd, der im vergangenen Monat mit der David Suzuki Stiftung zusammenarbeitete, sagte: „In unserer kulturellen DNA denken wir, dass Kanada ein ursprüngliches Land sei, aber dass passt nicht zusammen mit unseren Zahlen, wenn es um Umweltbelange geht.“ Und was er dann sagt, ist eigentlich auf alle Industrienationen übertragbar: „Wenn wir vor die Wahl gestellt werden zwischen Schutz der Umwelt oder den schadstoffproduzierenden Industrien, machen wir weiter damit, die Industrien zu beschützen.“

Doch der Wissenschaftler zeigt nicht nur die Missstände auf, er hat auch Rat für das umweltkranke Land. Er empfiehlt, dass Kanada eine umfangreiche nationale Umweltstrategie entwickelt, die strengere Standards für Luftqualität, Trinkwasser, Nahrung und Konsumprodukte einschließt. Ein weiteres Ziel solle sein, dass Kanada mehr in die Forschung, öffentliche Aufklärung, Verlaufstudien und die Entwicklung grüner Technologien investiere. Ein gutes Beispiel dafür, wie man verfahren sollte, sei Schweden, dieses Land sei Kanada Lichtjahre voraus. Dort gäbe es ein Substitutionsprinzip, erläuterte der Wissenschaftler, dass laut geltendem Gesetz verlange, dass, wenn eine sicherere Chemikalie verfügbar sei, diese Alternative zum Einsatz kommen muss.

Umfassende Maßnahmen einzuleiten ist höchste Eisenbahn für Kanada, denn die oben angeführte Berechnung ist noch lange nicht Ende der Fahnenstange. Zwei wichtige Aspekte sind in den Berechnungen nämlich nicht eingeschlossen und führen zu wesentlich höheren Kostenbergen. Boyd und Genuis kalkulierten die umweltbedingten Erkrankungen (EBD – Morbitität und Mortalität verursacht durch die Exposition gegenüber Umweltgefahren) in vier Kategorien: Atemwegserkrankungen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs und angeborene Leiden. Allergien, Umweltkrankheiten wie Chemikaliensensibilität (MCS) und Chronic Fatigue Syndrom (CFS), neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimers, Parkinsons, Multiple Sklerose und ALS, hormonelle Fehlfunktionen, etc. wurden in die Berechnung nicht einbezogen. Die Wissenschaftler hatten sich ausschließlich auf solche Erkrankungen fokussiert, für die bereits seit längerem starke Beweise für eine Entstehung durch Umweltschadstoffe bestehen. Der Grund dafür war insbesondere der, dass für einige Krankheiten noch keine ausreichende Datenlage in Bezug auf EBD vorhanden ist.

Als weiterer Aspekt, der auf wesentlich höhere Summen schließen lässt, ist festzustellen, dass schadstoffbedingte Krankheiten nicht alleinig im Gesundheitswesen Kosten verursachen, sondern eine ganze Reihe weiterer erheblicher Kostenberge produzieren. Bereits der entstehende Produktivitätsausfall dürfte die anfallenden Kosten im Gesundheitswesen übersteigen. Es dauert erfahrungsgemäß lange, bis ein Arbeitnehmer sich krankschreiben lässt. Die Gefahr den Job zu verlieren war nie so groß wie heute, somit schleppt sich mancher noch lange zur Arbeit, obwohl er nicht mehr kann. Volle Leistung und höchste Konzentration ist von diesen angeschlagenen Menschen keinesfalls mehr zu erwarten. Ist der Job verloren, fällt eine Familie als Konsument weitgehend aus, es geht nur noch um das blanke Überleben.

Fazit: Schadstoffbedingte Krankheiten zu ignorieren, schützt zwar einzelne Verursacher und bestimmte Industriezweige, ist für die Allgemeinheit und dass soziale System mittelfristig nicht mehr bezahlbar. Ganz abgesehen von den ethischen Aspekten wie in Kauf genommener frühzeitiger Tod, verlorene Lebensqualität und Lebensfreude. Wie auch dass schadstoffbelastete Kinder sich körperlich und in ihrer Intelligenz nicht voll entwickeln können, was den Kostenberg nachhaltig weiter wachsen lässt und nicht abzusehende Folgen für ein Land hat.

Autor: Silvia K. Müller

Literatur: University of British Columbia, Pressemitteilung: Pollution Killing up to 25,000 Canadians Annually, Says First Environmental Burden of Disease Study in Canada, 2. Oktober 2007

Hallo und willkommen

bei unserer CSN-Blog Community für Chemikaliensensible (MCS – Multiple Chemical Sensitivity) und alle, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, mehr wissen zu wollen über das Leben, ja sagen wir ruhig das Überleben im 21. Jahrhundert.

Mich wundert es immer wieder, dass viele Menschen denken, mich kann Sensibilität auf Chemikalien nicht erwischen, ich bin ja nicht so empfindlich, und wie viele Leute Chemikaliensensibilität als Krankheit einer Minderheit deklarieren. Na ja, 15-30 % der Bevölkerung ist nicht gerade wenig, und es ist an der Zeit, aufzuhören, die Augen zuzuhalten und zu sagen „Du siehst mich nicht“. Es kann jeden erwischen, das habe ich in über einem Jahrzehnt Beratungsarbeit mit Chemikaliensensiblen beobachtet. Es waren arme wie reiche Leute dabei, jede Hautfarbe und alle möglichen beruflichen Fachrichtungen. Klar waren Ärzte oder gar Psychiater oder Psychologen, die plötzlich auf Parfüm, Zigarettenrauch, Tageszeitungen, frisch gepinselte Räume oder Putzmittel reagierten und vom eigenen Berufsstand für verrückt erklärt wurden, total erschüttert und verstanden die Welt nicht mehr. Doch mancher von jenen stellte sich auf die Hinterbeine und setzt sich heute als Fachmann für die Erkrankten ein.

Den Spieß umdrehen und die Chance erkennen, etwas zu ändern im eigenen Leben, ganz egal wie düster es aussieht im Moment, kann sehr positive Folgen haben. Keiner ist so motiviert wie jemand, den eine Sache selbst betrifft. Mein geheimer Wunsch ist es, dass Chemikaliensensible als genau die „Warnzeichen kurz vor Zwölf“ angesehen werden, die sie sind, und dass ein allgemeines Umdenken erfolgt.

Habt Ihr Ideen dazu? Interessante Erfahrungen? Sind Euch wichtige Informationen über den Weg gelaufen? Dann beteiligt Euch und seid mit dabei, um aus dem CSN-Blog eine spannende Plattform wachsen zu lassen, die Austausch unter Chemikaliensensiblen und lebens- und umweltbewussten Mitmenschen bietet.

Wer hat an der Uhr gedreht? Denkt dran, dafür ist es nie zu spät!

In diesem Sinne, herzlichst

Eure

Silvia