Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Alltagsgegenständen

Fahraeder mit giftigen Griffen

Es gibt in unseren Alltagsprodukten Chemikalien, die auf unsere Gesundheit lauern, die extrem gesundheitsschädlich sind. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK genannt, sind eine Gruppe von organischen Kohlenwasserstoffen, wobei über 100 verschiedene PAK bekannt sind. Sie entstehen u. a. als Rückstände von unvollständigen Verbrennungsvorgängen von Tabak, Kraftstoff, Kohle, aber auch beim Grillen und als Abfallprodukt in Kokereien und beim Verbrennen von billigen Teerölen. PAK sind in vielen Bedarfsgegenständen in toxischen Konzentrationen nachweisbar, sie sind z. B. in Weichmachern in Kunststoffen, Gummi und Kautschukoberflächen enthalten. Verbindliche Grenzwerte gibt es in Deutschland für diese krebserregenden wie auch erbgutschädigenden Stoffe bisher nicht.

Verbraucherschutz – Fehlanzeige
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sind besonders von Menschen, die an Multipler Chemikalien Sensitivität erkrankt sind, zu meiden. PAK können über Hautkontakt, aber auch über die Nahrungsaufnahme, in den menschlichen Organismus eindringen. Durch die hohe Fettlöslichkeit können sich PAK im Fettgewebe ansammeln und somit zu schwerwiegenden Gesundheitsstörungen führen. Lt. Sach-Glossar des UBA, werden PAK endokrine, gentoxische, kanzerogene und teratogene Wirkweisen zugesprochen. Auch dem BfR sind die gentoxischen und kanzerogenen Eigenschaften von PAK bekannt. Das BfR stuft die Schadstoffgruppe der PAK bereits 2007 in die Klasse der POP, der persistenten organischen Umweltkontaminanten, ein. Als unverantwortlich ist daher die Tatsache anzusehen, dass es für PAK keinerlei Grenzwerte in Deutschland gibt, sondern das BfR lediglich freiwillige Orientierungswerte eingeführt hat.

Umso wichtiger ist eine intensive Aufklärung, welche Produkte des Alltags mit PAK belastet sein können. Am 31. März wurde in der Sendung PLUSMINUS im Ersten zu diesem Thema ein Filmbericht gezeigt. In Anbetracht des weltweiten Aufklärungsmonats für Chemikalien Sensitivität ist die Aufklärung über das Vorhandensein von PAK in Alltagsprodukten unerlässlich.

Utopisch hohe PAK-Werte und nichts passiert
Die Untersuchungen des TÜV ergaben bei den 30 verschiedenen Produkten lt. PLUSMINUS utopische PAK-Werte. Bis zu tausendfach über dem gültigen Orientierungswert lagen teilweise die Belastungen an PAK. Der TÜV Rheinland berichtete in PLUSMINUS, dass jemand, der den untersuchten Lenkradbezug eine Stunde lang anfasst, einer Benzo(a)pyrenbelastung (PAK) ausgesetzt sei, als würde er in der gleichen Zeit ca. 1000 Zigaretten rauchen. Der TÜV Rheinland gibt an, dass das Problem der PAK-Belastung unserer Alltagsprodukte langjährig bekannt sei und sich bereits in früheren Messungen gleichwertige Ergebnisse zeigten. Der TÜV bemängelt die fehlende Kennzeichnungspflicht bzw. fehlende Grenzwerte von PAK in Gebrauchsgegenständen.

Der Beitrag in PLUSMINUS verdeutlicht die Passivität der Verantwortlichen – Handeln Fehlanzeige. Lt. BfR könnte man die PAK-Werte bei der Herstellung technisch reduzieren. Doch ohne Druck der Behörden werden auch weiterhin stark PAK-belastete Produkte in den Regalen landen, die erheblichen Gesundheitsstörungen bei den Verbrauchern verursachen können, und dies völlig unnötig, denn es ginge auch anders. Durch das Fehlen von gesetzlichen Grenzwerten wird weiterhin legal ermöglicht, hoch belastete und krankmachende Waren an den Verbraucher zu bringen, ohne dass ein Einschreiten der Behörden Abhilfe schaffen kann. Die Waren werden also trotz hoher nachgewiesener Toxizität nicht aus den Regalen genommen, sondern landen ganz legal beim Verbraucher.

Viele Alltagsprodukte mit toxischen PAK belastet
Mögliche belastete Gebrauchsgegenstände können z. B. Fahrradgriffe, Fahrradhupen, Autolenkräder, Lackkleidung, Badeschuhe, Gummireifen von Spielzeugen, Armbanduhren, Griffe von Taschenlampen und Werkzeugen sein. Eine sehr verbreitete Problematik stellen auch alte Parkettkleber dar, die in Wohnungen und Häusern verwendet wurden. Dass diese PAK-haltigen Parkettkleber noch nach Jahrzehnten Gesundheitsgefahren bergen, wurde durch ehemalige US-Housings im Rhein-Main Gebiet bekannt, die in Sozialwohnungen umgewandelt worden waren und deren Bewohner erhebliche Gesundheitsbeschwerden bekamen. Als Warnhinweis für eine hochgradige PAK-Belastung gilt ein starker Eigengeruch, Teergeruch und der Geruch nach Mottenkugeln.

Behörden sind am Zug
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wie auch das Bundesministerium für Gesundheit sind gefordert, dringend Abhilfe und gesetzliche Grundlagen zu schaffen, damit Verbraucher nicht länger hochgradig toxisch wirkenden Chemikalien im Alltag ausgesetzt sind und damit die Bevölkerung völlig unnötigen schwerwiegenden Gesundheitsrisiken.

Die rasant ansteigende Zahl degenerativer Erkrankungen, darunter vor allem Krebs, und die steigende Zahl von Neuerkrankungen bei Umweltkrankheiten wie z. B. Multiple Chemical Sensitivity (MCS), könnte durch angemessenes Handeln der Verantwortlichen vielfach eingedämmt werden.

Autor: Maria, CSN – Chemical Sensitivity Network, 18. Mai 2009

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7 Kommentare zu “Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Alltagsgegenständen”

  1. Energiefox 18. Mai 2009 um 17:53

    „Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wie auch das Bundesministerium für Gesundheit sind gefordert, dringend Abhilfe und gesetzliche Grundlagen zu schaffen, damit Verbraucher nicht länger hochgradig toxisch wirkenden Chemikalien im Alltag ausgesetzt sind und damit die Bevölkerung völlig unnötigen schwerwiegenden Gesundheitsrisiken.“

    Aus dem Bericht von Maria,
    das denke ich auch, aber wie es immer ist so ist jedenfalls mein Eindruck, die Industrie wird wohl geschützt. Es ist wirklich eine Schande . Genauso ist es ja auch mit dem Lärm, er macht krank es gibt sogar Bestimmungen nur es wird nicht durchgesetzt, der Bürger steht dumm da.

    Danke Maria für den Bericht, so was müsste anstatt der dummen Wahlplakate für die Europawahl dick überall zu lesen sein.
    Ich ärgere mich jedenfalls, wenn ich nichtssagende Wahlplakate sehe, da
    denke ich schade um das Papier auf das so ein Böldsinn gedruckt wurde.
    Gruß Energiefox

  2. Henriette 19. Mai 2009 um 21:55

    Das ist ja der Gipfel, dass sich solch giftige Schadstoffe legal in unseren Alltagsgegenständen befinden dürfen, ohne jegliche Grenzwerte.

    Man sieht also seitens der Politiker tatenlos zu, wie die ahnungslosen Konsumenten krank werden und dahin kränkeln. Das ist untragbar, was da abgeht. PAK – Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, sollten schnellstens aus Produkten unseres Alltags verbannt werden, anstatt zu zulassen, dass wir auch diese toxischen Chemikalien im ganz normalen Alltag abbekommen.

  3. I-Pünktchen 20. Mai 2009 um 09:20

    Was für Zustände herrschen um unsere Gesundheit? Kaum zu glauben, dass man unsere Gesundheit durch mangelnde Schutzvorkehrungen dermaßen verspielt.

  4. Lucca 20. Mai 2009 um 17:38

    Ja, wieder ein Thema das unter den Teppich gekehrt wird. Würde man es abhandeln, gäbe es viel zu tun. PAK sind überall.

  5. Supergirl 21. Mai 2009 um 11:30

    Das muss man sich einmal vorstellen, hochgiftiges PAK belastete Produkte dürfen legal verkauft werden, ohne dass irgendetwas geschieht, um die Käufer vor Gesundheitsschäden zu bewahren. Diese Gesundheitspolitik ist mir zu hoch. Einerseits beschweren sich die Politiker über die hohen Kosten im Gesundheitswesen, aber ein Eingreifen geschieht nicht.

    Bei den Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen – PAK, wäre es mehr als angebracht, wie diese Ausführungen verdeutlichen. Aber lieber kehrt man die Tatsachen weiter eifrig unter den Teppich, womöglich um die eigene Unfähigkeit zu vertuschen?

  6. Andreas Schmidt 30. August 2010 um 21:06

    Hatte einen Opel-Corsa Leihwagen (neu) für zwei Tage und plözlich in den Handinnenflächen ein rotes juckendes Kontaktekxem…..
    Ob es da einen Zusammenhang gibt?
    Jedenfalls war es, nachdem ich den Wage wieder zurückgegeben hatte, nach drei Tagen weg.

  7. Maria 31. August 2010 um 07:41

    Hallo Andreas,

    das was Du beschreibst deutet sehr darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Deinen Beschwerden und dem neuen Leihwagen gibt. Vermutlich hast Du auf das Lenkrad reagiert, darin sind sehr oft PAKs verarbeitet. Gerne kannst Du Dir meinen Artikel über die Innenraumluft von Neuwagen ansehen. Dort kommt zum Ausdruck, wie Chemikalien-belastet Neuwagen sind.

    http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/05/15/innenraumluft-von-neuwagen-ist-oft-der-reinste-giftcocktail-gesundheit-bleibt-auf-der-strecke/

    Viele Grüsse
    Maria

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