Dioxin in Bio-Eiern ist nicht unbedenklich

Mediziner zur Gefährlichkeit von Dioxin und wie es in Eier gelangen kann

Die Meldung „Dioxin in Eiern“ ging bereits vor etwas mehr als einem Jahr durch die Medien und besorgte die Verbraucher. Damals waren Bio-Eier frei von Dioxinen gewesen. Aktuell ist es ausgerechnet ein Biohof in Nordrhein-Westfalen, dessen Eier mit PCB’s belastet sind. PCB’s sind Dioxinen sehr ähnlich und ebenfalls hochtoxisch. Kaum war die Nachricht über die Dioxine in Bio-Eiern in den Medien, wurde bereits bagatellisiert. Etwas Dioxin sei nicht schlimm, man würde schließlich nicht viele Eier auf einmal essen. Mancher isst aber jeden Tag ein oder zwei Frühstückseier. Die Verharmlosung, etwas Dioxin sei nicht schlimm, ist ohnehin nicht angemessen, das verdeutlicht der nachfolgende Artikel, den der HNO-und Umweltmediziner Dr. Michael Jaumann im vergangenen Jahr an die Zeitung „Stuttgarter Nachrichten“ schrieb, um den Sachverhalt für die Leser aufzuklären. Der Umweltmediziner beschäftigt sich seit über zwei Jahrzehnten intensiv mit Umweltmedizin und ist u.a. Mitglied des Ausschusses „Umwelt und Prävention“ in der Ärztekammer Baden-Württemberg.

Dr. Jaumann schrieb zum Artikel in den Stuttgarter Nachrichten:

Sehr geehrte Frau Volz,

vielen Dank für Ihren Artikel zum Thema der möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Dioxine und verwandte Stoffe. Als Arzt und Umweltmediziner – der sich seit über zwanzig Jahren mit dem Thema Dioxin aus umweltmedizinischer Sicht befasst – kann ich dieser, die Situation “verharmlosenden” Stellungnahme seitens des Herrn Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht zustimmen. Richtig und wichtig ist nur, dass wir unnötige und vermeidbare zusätzliche Belastungen vermeiden sollten (dies besonders deshalb, da wir in Deutschland weltweit die mit am höchsten belastete Bevölkerung haben). Diese äußerst wichtige Zusatzinformation seitens des BfR fehlt, warum auch immer.

Heutzutage werden von unseren Bauern die meisten Pflanzen mit Düngern und auch Pflanzenschutzmitteln (chlororganische Verbindungen) während dem Wachstum behandelt. Diese sind eine mögliche Quelle die in der weiteren Verarbeitung zu Dioxin etc. führen könnte. Ein weiterer Aspekt ist, dass unser gesamtes Ackerland in Deutschland mit Dioxinen belastet ist und diese Stoffe aus dem Boden aufsteigen und sich auf den dort wachsenden Pflanzen niederschlagen. Dies in einer Höhe von zehn bis fünfzehn Zentimetern über dem Boden. Dies wäre die zweite mögliche Quelle für entsprechende Vorläufermoleküle die dann zu Dioxinen führen. Diese Pflanzen werden von den Tieren gefressen und diese Stoffe reichern sich im Fettgewebe der Tiere (und später der Menschen) an und werden quasi nie mehr abgebaut. Eine sich lebenslang anhäufende Belastung im körpereigenen Fett ist die Folge. Aus diesen Gründen sind Vegetarier, die sich aus konventionell angebauten Pflanzen ernähren oftmals sogar höher belastet.

In Göppingen hatten wir vor Jahren heftige Diskussionen über die Auswirkungen der Müllverbrennungsanlage (MVA). Deren Abgase haben in der Umgebung zu einer erhöhten Belastung der Böden mit Dioxinen und verwandten Stoffen geführt. Es drohte eine Einschränkung für die Bauern seitens des Umweltministeriums. Untersuchungen bei dort aufgewachsenen Lämmern ergaben eine Belastung des Muskelfleisches mit 24,7 pg/gramm Gesamt-TEQ an Dioxinen und Verwandten. Eine einmalige Fleischportion von 200 Gramm würde fast der Gesamtjahresdosis für diese Stoffe entsprechen die man seitens der Behörden für “ungefährlich” hält.

Für mich als Arzt, der für die Menschen in seinem Umfeld Verantwortung trägt, ist dies nicht akzeptabel. Niemand kennt die langfristigen Auswirkungen (z.B. rasant steigende Allergiker-Raten in Deutschland u.ä.?).

Deshalb halte ich die nachfolgende Einschätzung für enorm wichtig:

Zum Thema gesundheitlicher Auswirkungen und Risiken durch Dioxine wurde im Jahr 1994 eine Neu-Bewertung der Dioxine seitens der US-amerikanischen Umweltbehörde (US-EPA) veröffentlicht die auch heute noch im vollen Umfang gültig ist: der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die vorhandene Evidenz ausreicht, Dioxine und verwandte Verbindungen als höchstwahrscheinlich krebserregend für den Menschen einzustufen, und dass auch andere negative Auswirkungen schon bei sehr niedrigen Konzentrationen eine womöglich nach wichtigere Rolle spielen.

Von größerer Bedeutung könnten Entwicklungsstörungen, Effekte auf das Immunsystem und auf die Reproduktion sein. Speziell aufgeführt sind eine reduzierte Fähigkeit des Immunsystems auf Infektionen zu reagieren, eine Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit und ein Anstieg an Endometriose, einer zunehmenden Ursache für Unfruchtbarkeit junger Frauen.

Wichtig ist, dass die US-EPA in der Zusammenfassung darauf hinweist, dass solche Effekte im Tierversuch bei außerordentlich niedriger Belastung festgestellt wurden und zwar bei Konzentrationen die der durchschnittlichen Belastung der Bevölkerung entsprächen (hier ist auch zu bedenken, dass die Belastung der deutschen Bevölkerung mit Dioxinen und verwandten Stoffen deutlich höher liegt wie die der USA-Bevölkerung).

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Sehr geehrte Frau Volz,

es würde mich freuen, wenn Sie Ihren Lesern diese ergänzenden Informationen zukommen lassen könnten.

Gerne stehe ich Ihnen für weitere Informationen zur Verfügung

mit freundlichen Grüssen und bestem Dank

Dr.med. Michael P. Jaumann

Marktstr.16

73033 GOEPPINGEN

Arzt für HNO, Stimm- und Sprachstörungen und Umweltmedizin

Mitglied im Ausschuss Umwelt und Prävention der Ärztekammer Baden-Württemberg

Landesvorsitzender Württemberg Berufsverband deutscher HNO-Ärzte

p.s.

TEQ sind Toxizitäts-Äquivalente. Mit diesen wird die Giftigkeit der einzelnen Stoffe (Dioxine, Furane und polychlorierte Biphenyle (PCBs) bewertet und es kann dann die Belastung von z.B. Muskelfleisch in einem zusammenfassenden Wert gemessen werden.

Einen weiteren Artikel zur Dioxin Belastung in Eiern schrieb der Toxikologe Dr. Hans-Ulrich Hill:

Toxikologe zu Dioxin Belastung in Eiern

Hill legt dar, wie oft wir in Deutschland bereits Dioxin-Skandale bei Eiern hatten und woher die Dioxine stammen.

8 Kommentare zu “Dioxin in Bio-Eiern ist nicht unbedenklich”

  1. Petra 6. April 2012 um 11:39

    Wir haben jeden Tag Rauch auf dem Grundstück, viele Ofenbesitzer in der Nachbarschaft verbrennen Abrissholz, behandeltes und gestrichenes Holz, sogar Müll. Auf den Fensterbänken liegt Ruß, sogar im Haus, findet man ganz feinen schwarzen Staub.
    Im Garten baue ich kein Gemüse mehr an, allerdings frage ich mich, ob wir das vorhandene Obst noch gefahrlos essen können.

  2. Silvia 6. April 2012 um 12:02

    Habt Ihr den Rauch auch im Sommer?
    Wenn nicht dürfte es mit dem Obst in Ordnung sein, außer die KOntaminierung ist schon so stark dass auch der Boden belastet ist.

  3. Petra 6. April 2012 um 12:17

    Die meisten Ofenbesitzer lassen im Sommer nach.
    Allerdings haben wir auch Leute, die gerade im Sommer, Abfälle verbrennen. Oft stinkt es in der Nacht, weil Haufen im Garten brennen.
    So richtig Ruhe gibt es hier nie.

  4. Silvia 6. April 2012 um 12:25

    Gartenabfälle verbrennen ist doch verboten. Kümmert sich da bei Euch keiner drum?

  5. Petra 6. April 2012 um 18:08

    Hier im Ort, sind Feuer im Freien grundsätzlich verboten. Allerdings wird das nicht durchgesetzt, als Opfer hat man es schwer. Gerade in der Nacht und am Wochenende, ist keine Ordnungsbehörde erreichbar. Die Polizei wurde so stark abgebaut, dass es keinen Sinn mehr hat, die bei derartigen Sachen zu rufen.
    Die Verursacher verstecken ihre Feuer, oft ist die Quelle des Qualms, gar nicht gleich zu finden. Im Sommer, auch bei Hitze, sind die Nächte oft verqualmt. Ich meine hier nicht die Grillfreunde, der Grilldunst hat sich nach 20 Uhr verzogen. Der richtige Qualm kommt nach 23 Uhr und liegt oft bis zum Morgen über der Siedlung.
    Wir haben unser Schlafzimmer unterm Dach wegen der Wärme im Sommer aufgegeben, da nicht möglich ist, das Fenster in der Nacht offen zu lassen.
    So ist es im Sommer. Was sich bei uns im Winter abspielt, hab ich unter “Wissenschaftler warnen vor den Gefahren der Feinstaubbelastung durch Kamine und Kaminöfen”schon beschrieben.

    Liebe Grüße: Petra
    Schöne Ostern!

  6. Silvia 6. April 2012 um 20:52

    Oh Petra, ich wünsche Euch trotz dieser widrigen Umstände ein schönes Osterfest.

  7. Caroline 6. April 2012 um 22:14

    Mh da sieht man mal wieder, dass Bio nicht immer das Beste ist. Man kann das einfach nicht so pauschal sagen. Ich hoffe, dass es keine neuen Skandal um Dioxin gibt.

    Grüße

  8. Silvia 7. April 2012 um 21:58

    Die Wahrscheinlichkeit belastete Bioeier auf dem Tisch zu haben ist vergleichsweise gering Caroline, im Gegensatz zu konventionellen Eier. Bei konventionellen Eiern kannst Du nahezu rgenerell mit einer ganzen Reihe Chemikalien und Medikamenten rechnen.

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