Asbest – das Gift nimmt kein Ende

Verarbeitungs- und Anwendungsverbot von Asbest verhindert Neuerkrankungen nicht

Die Verarbeitung von Asbest, das man früher gerne auch als Wunderfaser bezeichnete, fand in den 60er und 70er Jahren seinen Höhepunkt. In der EU ist die Herstellung und Anwendung von Asbest seit 2005 verboten. Das hochgiftige Mineral ist bei Berufsgenossenschaften zwar als Verursacher von Berufskrankheiten anerkannt, doch viele Betroffene kämpfen um die Anerkennung ihrer Erkrankung. Durch die lange Wirkdauer der mineralischen Fasern ist damit zu rechnen, dass auch zukünftig viele Krankheits- und Todesfälle auf das Konto von Asbest zu verbuchen sein werden. Zwischen Kontakt mit dem giftigen Staub und dem eigentlichen Krankheitsausbruch können mehr als 30 Jahre vergehen.

Asbest löst folgende Erkrankungen aus:

– chronische Atemwegserkrankungen
– Asbestose (Staublunge)
– Rippenfellkrebs
– Bauchfellkrebs
– Kehlkopfkrebs
– Lungenkrebs

Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral, das aus feinen faserförmigen Silikaten beschaffen ist. Auf Grund seiner einst vielfältigen geschätzten Eigenschaften wie z. B. Feuerfestigkeit, Isolations-fähigkeit, Säurebeständigkeit und Stabilität, wurde Asbest in der Vergangenheit von der Industrie entsprechend häufig verarbeitet. Asbest fand u. a. in der Bau- und Autoindustrie, als Brandschutz, in Elektrogeräten, Heizungen wie auch in Fußbodenbelägen rege Anwendung.

Die Unvergänglichkeit von Asbest birgt großes Risiko für die Gesundheit

Das Risiko an den Folgen einer Asbesterkrankung zu sterben ist hoch. Leider ist das Problem um den zumeist Tod bringenden Staub durch das in Kraft getretene Anwendungsverbot in Deutschland nicht beseitigt. Denn das früher in großen Mengen verbaute giftige Mineral kann auch heute noch seine negative Wirkung freisetzten, z. B. durch Witterungseinflüsse oder im Zuge von Sanierungsarbeiten. Das ARD-Magazin Panorama gibt an, dass bei Sanierungsarbeiten oft geschlampt und, ohne Schutzvorkehrungen zu treffen, leichtsinnig mit kontaminierten Baumaterialien hantiert wird. Das führt dazu, dass auch heute noch immer weitere Asbesterkrankungen entstehen. In den letzten 30 Jahren sind in Deutschland lt. Panorama über 20 000 Menschen an den Folgen einer Asbestbelastung gestorben.

Asbest-Alarm: Schulgebäude sind häufig mit asbesthaltigen Baumaterialien belastet

Immer wieder erreichen uns Meldungen in den Medien über Asbestbelastungen in Deutschlands Schulen. Es ist davon auszugehen, dass der krebserregende Stoff in vielen deutschen Schulgebäuden in den 60er und 70er Jahren verbaut wurde. In Hamburg wurden im vergangenen Jahr viele Schulen und Turnhallen vorübergehend wegen möglicher Asbestgefahr geschlossen. Ganz aktuell gibt die Hamburger Schulbehörde nun Entwarnung und erläutert, der Asbestverdacht hätte sich bei den aufwändigen Untersuchungen nicht erhärtet. In keiner der Proben seien mehr als 500 Asbestfasern pro Kubikmeter Raumluft nachgewiesen worden, somit bestand lt. Aussagen der Behörden, für Schüler und Sportler keine akute Gesundheitsgefahr. Hamburg ist jedoch kein Einzelfall, auch in Berlin mussten fünf asbestverseuchte Schulen geschlossen werden, betroffen sind 2000 Schüler. Die Berliner Schulstadträtin Schultze-Berndt gibt an, dass Schüler und Lehrer in keiner der betreffenden Schulen gesundheitlich gefährdet waren, die Luftmessungen hätten keinen Nachweis auf eine Asbestbelastung erbracht.

Verbraucherschutz – Fehlanzeige: Asbest wird weiter nach Deutschland importiert

Asbest gilt als unvergänglich, dies trifft im wahrsten Sinne des Wortes zu, denn trotz des bestehenden Anwendungs- und Verarbeitungsverbots gelangt Asbest weiterhin zu uns nach Deutschland. Asbest wird in einigen Ländern der Erde, u. a. in Kanada und China, auch heute noch abgebaut, oft ohne jegliche Arbeitsschutzvorkehrungen. Eine vom Bundesumweltministerium erteilte Ausnahmegenehmigung ermöglicht dem Chemiekonzern Dow Chemical aus Stade bei Hamburg den legalen Import von Weißasbest aus Kanada nach Deutschland, wie die kürzlich ausgestrahlte TV-Dokumentation „Die Asbestfalle“ von Inge Altmeier, verdeutlicht. Zu einer Stellungnahme war das Bundesumweltministerium gegenüber dem TV-Team nicht bereit, stattdessen verwies man auf die lokalen Verbraucherschutzämter. Doch wer sich dort tatsächlichen Verbraucherschutz vor Asbest erhofft, wird bitter enttäuscht. Lediglich das Gewerbeaufsichtamt in Bayern sucht nach asbesthaltigen Produkten und wird lt. der TV-Doku immer wieder fündig. In welchen Waren Asbest gefunden wird, muss der unabhängige Kontrolleur aus Datenschutzgründen jedoch hüten wie einen Schatz, er darf die schwarzen Schafe nicht benennen. Diese Vorschriften bringen zum Ausdruck, wie es um den Verbraucherschutz in Deutschland bestellt ist.

Asbest gelangt in unsere Haushalte

Inge Altmeier wurde durch Hinweise eines Arbeitsmediziners auf das Thema Asbest aufmerksam und dadurch animiert, intensiv über das brisante Thema zu recherchieren. In der daraus entstandenen Reportage wurde berichtet, dass theoretisch bereits eine tiefeingeatmete Asbestfaser Krebs auslösen kann. Asbest gelangt durch Importe von Alltagsprodukten in deutsche Haushalte. In neun von zehn untersuchten Thermoskannen, die zumeist in China produziert wurden, konnte Asbest in den am Glaskolben angebrachten Abstandshaltern nachgewiesen werden. Geht nun eine solche asbesthaltige Thermoskanne zu Bruch und werden die giftigen Asbestfasern eingeatmet, besteht beim Verbraucher Gesundheitsgefahr.

Inge Altmeier führt an, dass zunehmend Asbestfasern bei jungen Frauen im Bauchfell nachgewiesen werden. Es besteht die Annahme, dass die Ursache in den heute noch asbestbelasteten Schulgebäuden zu suchen ist.

Wie steht es um die Unversehrtheit unserer Gesundheit?

Umso unverständlicher sind die derzeit in Deutschland schleppend verlaufenden Sanierungsarbeiten in deutschen Schulen anzusehen. Der Fall Hamburg lässt die berechtigte Frage aufkommen, ob die Schulbehörden mit ihrer Entwarnung für die nachgewiesenen Asbestwerte Schülern und Lehrpersonal auch tatsächlich hundertprozentige Unversehrtheit ihrer Gesundheit garantieren können. Auch lässt der derzeitige Trend der Industrie zur verstärkten Verarbeitung von Nanotechnologie in den unterschiedlichsten Produktpalletten die Vermutung aufkommen, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit scheinbar nichts dazu gelernt zu haben scheint. Nanopartikel sind um ein Vielfaches kleiner als Asbestfasern. Die Auswirkung von Nanoteilchen auf unsere Gesundheit lässt per dato viele wissenschaftliche Frage unbeantwortet. Verarbeitete Nanotechnik muss auf den Produkten nicht deklariert werden. Seitens der Behörden und Politiker sollte allerdings im Zweifelsfall immer für die Verbraucher entschieden werden und nicht für die Industrie.

Autor: Maria Herzger, CSN – Chemical Sensitivity, 26. März 2010

Weitere Artikel – Asbest und krank durch die Arbeit:

7 Kommentare zu “Asbest – das Gift nimmt kein Ende”

  1. canary2 25. März 2010 um 22:57

    When I got sick in my school, the OSHA inspector said that even after the school’s remodel, my school still had a lot of asbestos in the ceiling tiles, floor tiles and other places throughout the school. I it scary to know that it doesn’t show up in the body until much later in life.

  2. Energiefox 26. März 2010 um 12:00

    Prima Bericht Maria,
    ich hab eine Asbest – Sanierung miterlebt, wir mussten durch ein Luftschleuse und in Spezialkleidung den Arbeitsraum betreten. Eine Firma hat saniert. Sollten dann auch nur wirklich dringende Arbeiten machen, sonst den kontaminierten Arbeitraum nicht betreten. Ja ich denke mit der so gelobten Nano- Technik kommt der nächste Schrecken, vermutlich etliche Jahre später heißt es dann, wären wir doch nur vorsichtiger gewesen. Am Fernsehen habe ich mal ein Bericht gesehen, Arbeiter in einem Hafen die haben Asbest verladen bzw. kamen damit in Kontakt. Einige waren an den Folgen schon verstorben. Die zeigten einen da wuchsen im Brustbereich kleine Asbeststücke aus der Haut raus, er sagte so lange die Lunge nicht schlimm betroffen ist, wäre es noch nicht so schlimm.
    Gruß Energiefox

  3. Juliane 26. März 2010 um 12:58

    Mir ist der Fall einer hessischen Schule bekannt, wo man verschimmelte mit Asbestplatten verkleidete Pavillons ohne Schutzmaßnahmen bei laufendem Unterricht niedergeriss.

    Anwohner der Nachbarhäuser versuchten sich zu wehren. Erfolglos: Weder ein Pressebericht noch eine Anzeige konnten das verhindern.

    Eine Schülerin erkrankte an MCS.
    Sie hatte den hochbelasteten Staub in der Pause auf dem Schulhof eingeatmet.

  4. Feldspatz 27. März 2010 um 16:48

    Dass Asbest weiterhin so gefährlich für die Gesundheit sein kann, war mir bisher überhaupt nicht bewusst. Völlig unverständlich ist es, dass Asbest sozusagen auf legalem Weg zu uns nach Deutschland gelangt. Ich frage mich, was wird dann daraus hergestellt? Wo findet Asbest aus Kanada bei uns Anwendung?

    Dass man mit der Nanotechnologie so sorglos umgeht, wie früher mit Asbest, ist mir unbegreiflich. Dennoch besteht ein Unterschied zu früher. Heute müsste man schlauer sein. Aber es scheint, wie Maria berichtet, so wie es aussieht, hat man aus der Vergangenheit absulut nichts dazugelernt. So ist der heutige freizügige Umgang mit Nanotechnik dennoch anders einzustufen. Damals hat man es nicht besser gewusst. Heute jedoch, müsste man schlauer sein und auf die Kritik aus der Wissenschaft reagieren.

    Aber auch hier siegt die Industrie, immerhin gilt Deutschland als führend in der Nanotechnologie:

    http://www.gtai.com/startseite/info-service/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2009/nov-dez-09/met-nanotechnologie/?backlink=Zur%C3%BCck%20zu%20Pressemitteilungen

    Ich denke, da hat sich der Schutz der Verbraucher vor dieser neuen Technik erledigt…

  5. Maxi Cooper 28. März 2010 um 22:06

    Eigentlich dachte ich, dass Asbest soweit kein Problem mehr für uns darstellt. Aber dank dieser ausführlichen Infos weiß ich nun, dass ich mich geirrt habe. Es ist unvorstellbar, dass Asbest nach allem, was man heute darüber weiß, weiterhin nach Deutschland gelangt und in Folge dessen, auch eifrig verarbeitet wird.

    Die Nanotechnologie scheint der nächste Supergau zu werden.

    Den Passus des Rechts auf Unversehrtheit der Gesundheit, kann man nach meinem Empfinden aus dem Grundgesetz streichen, sind eh nur leere Phrasen.

  6. Holger 4. April 2010 um 23:45

    Dass giftiges Asbest kein Ende nimmt und uns noch lange Zeit beschäftigen wird, scheint mir auch diesen Artikel betätigt, den ich eben von der SPD Fraktion Offenbach, gefunden habe. Deutsche Schulen scheinen besonders stark mit Asbest kontaminiert zu sein:

    http://spd-fraktion-offenbach.blogspot.com/2010/02/kathe-kollwitz-schule-vollstandig-von.html

    Die Politik ist am Zug, diese Mißstände rapide zu beseitigen und Schüler und Lehrer gesundheitlichen Schutz vor giftigem Asbest zu garantieren.

  7. Anna 24. Juli 2015 um 11:23

    Der Artikel ist ja nun schon etwas her. Wenn sich an den Zuständen bis heute nichts geändert hat, wäre das wirklich unglaublich. Vor allem das Thema Asbest in Schulgebäuden beunruhigt mich sehr. Es kann doch nicht sein, dass der Gesundheitsschutz so wenig Beachtung findet!

Kommentar abgeben: