Ein arbeitsreicher Tag im Garten

Rosen im Garten

Heute am Samstag wird kein Wecker der Welt Eleonore und Gustav aus ihren Federn reißen. So genießen es die Beiden, noch gemütlich etwas länger in der intensiv nach Rosenaromen duftenden Bettwäsche vor sich hin zu dösen. Von Kopfweh und Erschöpfung im Elan gebremst, gönnen sie sich noch ein Viertelstündchen und danach ein ausgedehntes Frühstück mit allem drum und dran, denn schließlich wollen sich beide gleich im Garten nützlich machen.

Der grüne Teppich – makellos

Gustav nimmt sich heute früh als allererstes seinem grünen Teppich an. Eine Unkrautbehandlung ist nicht von Nöten, die hat Gustav gewissenhaft, wie er ist, ja bereits mit seinem hochwirksamen “Unkrautfrei” kürzlich erledigt, und das ausgebrachte Herbizid beginnt bereits erste Wirkung zu zeigen.

Heute wird dem lästigen Moos der Kampf angesagt. Das Wetter für die Behandlung mit dem “Moosfrei”, für seinen über alles geliebten Rasen, scheint heute optimal. Laut Herstellerangaben soll es sonnig und trocken dafür sein, also ran an den Speck! Entsprechend den Dosierungsangaben auf der Verpackung, vermischt er das chemische Gießmittel in seiner extragroßen Gießkanne mit Wasser und los geht’s. Das ist kräftezehrend und langwierig bei der ausgedehnten Rasenfläche der Beiden, aber es muss gemacht werden. Da er schon mal dabei ist, übergießt Gustav auch die Betonplatten der Gehwege mit “Moosfrei”, so braucht Gustav sich nicht zusätzlich mit dem Fugenkratzer bzw. seinem Hochdruckreiniger abzumühen und alles geht bequem in einem Rutsch, denn sein Rücken macht ihm zu schaffen. Gustav ist heilfroh, dass er seinen Buckel nicht mehr krumm machen muss, um Moos und Unkraut zu entfernen, die Industrie vereinfacht ihm die Gartenarbeit mit dem immer breit gefächerten Angebot chemischer Produkte immens.

An der Garageneinfahrt angekommen, ist Gustav sichtlich erstaunt über das gestern noch nicht da gewesene zahlreiche Laub – der aufgefrischte Wind der letzten Nacht hat sichtlich ganze Arbeit geleistet. Anstatt die Einfahrt mühselig zu kehren, holt Gustav, um Kräfte zu schonen, seinen benzinbetriebenen Laubsauger aus dem Gartenschuppen. Die starke Abgasbelastung und der betörende Lärm sind für ihn zweitrangig, die Hauptsache, ich bin schnell fertig, denkt Gustav etwas antriebslos.

Gestylt in den Garten – ran an die Arbeit

Mit ihren neuen, intensiv nach Kunststoff riechenden Gartenclogs und Gartenhandschuhen ausstaffiert, möchte Eleonore Gustav nun, wie versprochen, an den üppig wachsenden Prachtstauden behilflich sein. Eigentlich ist Gartenarbeit nicht wirklich ihr Ding, denn dort tummeln sich die unterschiedlichsten Plagegeister, mit denen sie lieber nicht konfrontiert werden möchte, aber versprochen ist versprochen!

Zuerst beginnt Eleonore die Rosen mit dem neuen Anti-Pilzmittel vorbeugend zu behandeln. Laut Verpackung soll das Sprühen der Rosen in einem Abstand von ca. 30 – 40 cm erfolgen. Pflichtbewusst und hilfsbereit wie immer, legt Eleonore los. Nur dumm, dass heute ein böiger Wind herrscht, denn dadurch ist es gar nicht so einfach, nicht selbst eine Ladung des Spritzmittels abzubekommen. Vielleicht wäre es doch sinnvoller gewesen, den vom Hersteller empfohlenen Spezial-Sprühkopf zu besorgen. Na ja, jetzt muss es eben ohne gehen, denkt sie, von den zunehmenden Kopfschmerzen genervt. Da sie nun schon dabei ist, bittet Gustav seine hübsch gestylte “Gärtnerin”, die Anti-Pilz-Behandlung auch bei einigen Zierpflanzen präventiv vorzunehmen. Bevor sie mit den Pflanzenschutz fortfährt, geht Eleonore kurz ins Haus, um sich eine Halsschmerztablette gegen ihr plötzlich angeflogenes starkes Kratzen im Hals zu holen. Zusätzlich nimmt sie ein Schmerzmittel ein, welches laut Werbung bei Kopfschmerzen und gleichzeitig gegen Erkältungsbeschwerden helfen soll. Bevor es nun zurück in die pralle Sonne geht, behandelt Eleonore ihre stark angegriffenen Haarspitzen mit einem extra beim Friseur erworbenen Intensiv-Sonnenschutz-Blocker, einem Spezial-Öl, welches stark blumig duftet. Nun weiter im Text, schließlich soll Gustav nicht merken, wie schwer ihr heute das Gärtnern fällt.

Steriler Garten ohne Plagegeister

Gustav bringt inzwischen das Ködermittel für die weit verbreiteten Nacktschnecken im Obst- und Gemüsebeet an. Hier darf es ruhig ein bisschen mehr sein, denn die unliebsamen Gäste machen sich in großer Zahl über ihr Gepflanztes her, das kann Gustav gar nicht leiden. Auch positioniert er die ihm empfohlenen Wühlmausköder an den Gehwegen und den Blumenbeeten an der Terrasse, um auch diese mögliche Plage in den Griff zu kriegen.

Die Spritzmittel für den schädlingsfreien Obst- und Gemüsegarten hat Gustav auch schon in seinem Regal mit den Pflanzenschutzmitteln im Gartenschuppen stehen, dessen erneutes Ausbringen er sich für die nächsten Tage vorgenommen hat. Ein hochwirksames Gieß- und Streumittel für die anstehende Invasion an Ameisen, die fast alljährlich seinen heiß geliebten Rasen und andere Gartenbereiche attackieren, steht auch schon im Regal. Selbst gegen den Pflaumenwickler, der im letzten Jahr seine Zwetschgen- und Mirabellenbäume befallen hat, ist Gustav seit seinem letzten Einkauf im Gartenmarkt bestens gerüstet. Auf alle Fälle ist Gustav beruhigt, auf fast sämtliche Schädlinge und Krankheiten ist er bestens vorbereitet, denn es gibt für alles das passende chemische Mittel. Einen Großteil davon hat er in seiner Pflanzenschutzgalerie im Schuppen positioniert, sicher ist sicher. Neulich hat sich Gustav im gut sortierten Baumarkt mit einem altbewährten namhaften Holzschutzmittel eingedeckt, mit dem er demnächst seine Pergola an der Terrasse verschönern möchte.

Nieder mit dem Ungeziefer auf der Terrasse

GartenarbeitNun widmet sich Eleonore noch kurz dem Einpflanzen von Stiefmütterchen am Wegrand und dann ihren Kübelpflanzen auf der Terrasse, die eigentlich ihr einziges Metier im Garten sind. Gegen die zahlreichen Schildläuse auf ihrem Zitrusbäumchen sprüht Eleonore großzügig ihr altbewährtes Insekten- Zierpflanzenspray, welches sie auch gerne bei ihren Zimmerpflanzen anwendet. Gegen den starken Blattläusebefall an ihren Containerpflanzen verabreicht sie dem Substrat Anti-Schädlings-Stäbchen, deren Anzahl sie nach Topfgröße anhand der Vorgaben auf der Verpackung dosiert.

Endlich – Verdiente Ruhe am Pool

Nun sind Eleonore und Gustav geschafft und wollen den restlichen Nachmittag noch etwas an ihrem großzügigen Pool genießen. Von ihrem Einkommen alleine könnten sie sich diesen Luxus nicht gönnen, aber Gustav hat vor Jahren geerbt, und seither genießen es die Beiden, an ihrem Pool in der Sonne zu liegen. Die Betonplatten im Liegebereich um den Pool hat Gustav erst kürzlich mit Anti-Algen-Mittel behandelt, welches gut zu wirken scheint, denn die Platten sehen aus wie neu. Eleonore freut sich über die rund um den Pool im Rasen platzierten schicken Petroleum-Laternen aus gebürstetem Edelstahl, deren intensiver Duft allabendlich einen Hauch von Urlaubsflair verbreitet und zugleich die lästigen Stechmücken fernhält. Sicherheitshalber tragen beide ihre starken wohlduftenden innovativen Nano-Sun-Blocker auf, die Eleonore erst gestern, trendbewusst wie sie ist, bei ihrer Kosmetikerin besorgt hat, damit sie vor unliebsamen Sonnenbrand verschont bleiben. Auch frischt Eleonore ihren Sonnenschutz für ihre Haare besser noch einmal auf, denn das chlorhaltige Pool-Wasser und die intensive Sonnenstrahlung setzen ihren erst kürzlich gefärbten, leicht dauergewellten Haaren in der warmen Jahreszeit sichtlich zu. Die Liegen und die restlichen Gartenmöbel reinige ich morgen mit meinem neuen, nach Limonen duftenden Outdoor-Kunststoffreiniger, jetzt möchte ich nur noch entspannen, denkt Eleonore und träumt lieber von ihrem Permanent-Make-up, das sie sich bei ihrem nächsten Termin im Beauty-Salon verabreichen lässt, dann sieht sie selbst beim Schwimmen stets aus wie aus dem Ei gepellt.

Fertig eingecremt kontrolliert Gustav vorsichtshalber in seinem Gartenschuppen, ob er ausreichenden Vorrat an Algenschutzmittel, Dauer-Chlortabs, Wasserdesinfektionsmittel, Flockungsmittel etc., im Regal stehen hat, denn bei den stark gestiegenen Temperaturen möchte Gustav, vorbeugend, für alle möglichen Eventualitäten zur Erlangung bzw. Beibehaltung einer optimalen Wasserqualität im Pool gerüstet sein. Den praktischen, im Wasser befindlichen Dosierschwimmer hat Gustav an den neuen Witterungsbedingungen orientiert, vorhin neu angepasst, so dass eine ausreichende Menge an Chemikalien permanent ins Schwimmbadwasser abgegeben wird.

Nun kann der Samstag gemütlich und entspannend mit Schwimmen und Sonnenbaden ausklingen, das haben sich Beide nach getaner anstrengender Gartenarbeit redlich verdient. Bald fängt es zu dämmern an, dann wird Gustav für stimmungsvolle Beleuchtung sorgen, weil er weiß, wie sehr seine Eleonore die besondere Atmosphäre und den verströmenden Duft der extravaganten Petroleumlaternen genießt.

Autor: Maria, CSN – Chemical Sensitivity Network, 6. Juni 2009

Weitere Artikel von Maria aus ihrer Artikelserie “Chemikalien im Alltag”:

5 Kommentare zu “Ein arbeitsreicher Tag im Garten”

  1. Energiefox 6. Juni 2009 um 12:23

    Maria -Zitat….Steriler Garten ohne Plagegeister…Zitat Maria

    warst Du bei meinen Nachbarn. Nicht so in geballter Form aber alles was
    Du beschreiben hast kommt hier vor.
    Wirklich gelungen finde ich den Beitrag. Noch ergänzen möchte ich, so kann es auch sein, wenn Jungendliche mit Hilfe eines Trampolins Arschbomben im Schwimmteich machen wackeln beim Nachbarn die Fenster. Natürlich muss so ein Schwimmteich noch daurend gespült werden und nachts beleuchtet. Man gönnt sich ja sonst nur mehrere Autos.
    Gruß Energiefox

  2. Maria 6. Juni 2009 um 15:05

    Energiefox,

    ja leider kommt es oft vor, dass die Leute arglos jedes Mittelchen im Garten anwenden, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was sie ihrer eigenen Gesundheit und der Umwelt damit antun. Die Hauptsache alles geht schön bequem. Ein paar Schädlinge an den Pflanzen sind auch noch kein Weltuntergang. Anstatt mit Chemiekeule, könnte man Schädlinge auch mit Nützlingen bekämpfen. Aber die Sprühflasche aus dem Gartencenter ist am einfachsten zu handhaben, die Nützlinge muss man erst bestellen, im Gartencenter findet man gleich das passende Herbizid oder Insektizid. Die Chemieindustrie macht es möglich. Bei vielen Leuten geht es im Garten noch viel mehr zur Sache, als in meinem Blog beschrieben, manche lassen keine Gartenchemikalie unversucht.

    Viele Grüsse
    Maria

  3. Eric 7. Juni 2009 um 14:42

    Super gelungene Geschichte, die aufzeigt, wie Chemie-abhängig es in deutschen Gärten abläuft, aber auch um den arglosen Gebrauch von diverser Kosmetika.

    Ich musste oft schmunzeln,

    Eric

  4. Princess 7. Juni 2009 um 22:45

    Meine Nachbarn schlagen noch viel härter zu, als Eleonore und Gustav hier im Blog. Sie haben teilweise alte Eisenbahnschwellen als Grundstückseinfriedung und lassen ansonsten nichts aus. Ihre vielen Holzzäune und Holztore, alle selbst konstruiert, werden regelmäßig gestrichen, natürlich nicht mit umweltbewusster Farbe, sondern volle Kanne die Chemie-Keule. Auch mit Pflanzenschutzmitteln sind sie nicht zimperlich. Vor einigen Jahren haben sie einen Teil ihres großen Grundstücks, auf dem sich immer massenhaft Unkraut breit macht, weil sie nichts pflegen, großflächig mit einem Unkrautfrei, wie hier im Blog beschrieben, gespritzt und danach einen Kunstrasenteppich darüber gelegt. Dort finden dann öfter Grillfeste statt. Doch zuvor wird mit dem Benzin-betriebenen Laubsauger das Laub bekämpft. Zum Glück weiß ich nicht alles, was sie im Garten anrichten, aber es ist schon schlimm genug, was ich alles von ihnen mitbekomme.

  5. Morningstar 8. Juli 2009 um 13:12

    Genau so gehts ab bzw. noch schlimmer. Diejenigen die so sorglos mit Chemikalien in ihrem persönlichen Umfeld umgehen, werden die Message der Geschichte vermutlich nicht verstehen. Die Chemie hat Einzug in unser komplettes Leben gehalten und kaum einer kriegt es mit.

    Grüsse

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