Ein ganz normaler Nachmittag im Leben von Gustav und Eleonore R.
Weiter geht’s mit der Geschichte von Gustav und Eleonore, die eigentlich keine Geschichte ist. Der Nachtmittag trägt sich genauso oder fast genauso jeden Tag millionenfach zu, doch verfolgen wir einen ganz normalen Freitag im Leben von Gustav und Eleonore R weiter:

Mittag – Sehen und gesehen werden
Um 14 Uhr ist sie mit ihrer besten Freundin Pauline in ihrem Lieblings-Cafe verabredet. Dort treffen sie sich besonders gerne, weil das Cafe trendy und in ist. Alleine schon den durchdringende kräftige Geruch der Duftkerzen, diesmal ist es Sommerwind, liebt Eleonore. Die beiden lieben auch die angebotenen, besonders knallbunten Tortenschnittchen, die sie zusammen mit ihrem Lieblingstee, Wildkirsche, genießen.
Eleonore, figurbewusst und eitel wie immer, eilt noch geschwind ins Fitness-Studio, damit bei ihr kein Hüftgold ansetzt. Schon im Eingangsbereich wird sie von leichtem, belebendem Duft empfangen. Ihr Studio ist das angesagteste in der Stadt. Seit einiger Zeit sind mehrere Duftsäulen installiert, die den Schweißgeruch der Sporttreibenden überdecken und eine frische angenehme Atmosphäre vermitteln sollen. An der Theke gönnt sich Eleonore noch schnell einem Eiweiß-Fitness-Shake, diesmal mit Pfirsich-Maracuja-Geschmack, um ihre verbrauchte Energien wieder aufzufüllen, und hüpft danach schnell unter die Dusche und genießt das kühlende Gefühl ihres Duschgels “Sport”.
Wellness, damit es weitergeht durch den Tag
Heute gönnt sch Eleonore das lang ersehnte Wellness-Verwöhnprogramm bei ihrer Kosmetikerin: Intensivgesichtsreinigung, für die unreine Haut zusätzlich das hochwirksame dermazeutische Fruchtsäurepeeling, danach Gesichtsmaske mit Anti-Aging-Effekt, Gesichts- und Dekolleté-Massage, Ganzkörper-Ayurveda Massage etc.
Während des Ayurveda-Programms genießt sie den fruchtig anmutenden Geruch der Räucherstäbchen und die entspannende indische Musik. Heute Abend möchte sie besonders hübsch ausschauen. Sie informiert sich über Permanent Make-up, das sie sich gerne beim nächsten Termin verabreichen lassen möchte. Für heute Abend gönnt sie sich aber noch eine Exklusiv-Verschönerung für ihre Fingernägel, die sie sich mehrfarbig mit Airbrush gestalten lässt. Eleonore wählt rosa und cremefarbene Nagelverlängerungen und glitzernde Verzierungen. Gustav wird von ihrem Look begeistert sein, er freut sich immer, dass sie sich für ihn aufmöbelt.
Beim Auftragen des Nagellacks und der anschließenden Versiegelung ihrer “neuen” Nägel wird ihr leicht schummerig. Das Kopfweh steht auch wieder auf der Matte.
Nun, nach so viel Verwöhnprogramm, geht Eleonore schnell Einkaufen, und dann eilt sie in die Apotheke. Auf der Ruhebank davor nimmt sie einen kräftigen Schluck aus der PET-Flasche, um eine weitere Kopfschmerztablette herunterzuspülen. Auf dem Weg zur Straßenbahnstation kommt Eleonore an mehreren Parfümerien vorbei, durch deren offene Türen praktisch die Düfte ihres kompletten Warenangebotes durch die Fußgängerzone verströmen.
Feierabend nach einem anstrengenden Arbeitstag
Zum Glück ergattert Eleonore diesmal einen Sitzplatz in der Straßenbahn, sie kann sich kaum noch auf den Beinen halten, die hämmernden Kopfschmerzen haben an Intensität zugenommen. Sie ist völlig platt. Na ja, bis die befreundeten Nachbarn zum Grillabend kommen, ist zum Glück noch Zeit, bis dahin wird es mir sicher wieder besser gehen, denkt sie hoffnungsvoll.
Freitags kommt Gustav immer schon etwas früher vom Büro nach Hause. Er hat sich noch Einiges vorgenommen, bis das Grillen losgeht heute Abend. Geschwind zieht er seine Gartenklamotten an und bringt zu Ende, was er neulich durch den plötzlich einsetzenden Regen unterbrechen musste. Er schneidet die restlichen Eiben seiner Hecke, akkurat mit seiner neuen leistungsfähigen Benzin-Heckenschere.
Danach bekämpft Gustav noch die Schädlinge an seinen geliebten Rosen mit seinem extra besorgten Pflanzenschutzmittel. Der Garten ist sein Hobby, so hasst Gustav Unkraut besonders. Seinen Rasen pflegt er daher mit einem speziellen “Rasenunkrautfrei” eines namhaften Herstellers. Aber das braucht er zum Glück heute nicht zu machen, diese Behandlung hat der seinem grünen Teppich bereits letzte Woche verabreicht, heute steht lediglich noch Rasenmähen auf dem Programm.
Der Garten ruft, Freunde kommen
Während sich Gustav im Garten austobt, wischt Eleonore noch schnell Staub und nimmt noch wohlriechende Möbelpolitur, denn schließlich soll heute alles blitzen und glänzen, wenn ihre Freunde kommen. Sie füllt noch rasch im Gäste-WC den WC-Erfrischer im Spülkasten auf und hängt zusätzlich einen WC-Stein an den Rand. Damit unangenehme Düfte gleich eliminiert werden können, stellt sie den vorhin erworbenen Air-Stick auf die Ablage. Nun noch schnell den Staub auf den Blattpflanzen beseitigten, dafür hat Gustav Eleonore extra das Blattschutzspray besorgt.
Eine Spinne, auch das noch
Inzwischen hat Gustav sein Pensum für heute im Garten erfüllt. Da er sich nicht so fit fühlt, nimmt er ein Entspannungs-Erkältungsbad, vielleicht hilft ihm das, wieder munter zu werden. Währenddessen bügelt Eleonore mit ihrem Dampfbügeleisen schnell ihre Lieblingsbluse. Damit es einfacher und schneller geht, nimmt sie wie immer das nach Frische riechende Bügelspray.
Plötzlich sieht Eleonore eine Spinne, wie sie gerade hinter dem Wohnzimmerschrank verschwindet. Mist, Gustav liegt in Wanne, er kann mir nicht helfen, denkt sie aufgeregt und angeekelt. So greift sie zum Insektenspray, wie immer, wenn Gustav nicht zur Stelle ist, und sprüht einen ordentlichen Sprühstoß hinter den Schrank, aber vorsichtshalber auch im ganzen Raum, damit sich bloß nicht weiteres Ungeziefer blicken lässt. Eleonore hat Angst vor Insekten, daher hat sie einen hohen Verbrauch von Insektenspray, um den Plagegeistern den Kampf anzusagen.
Gleich geht’s weiter… ein ganz normaler Freitagabend im Leben von Gustav und Eleonore R.
Autor: Maria, Chemical Sensitivity Network, 10. Mai 2009
- Informationen über Duftstoffe, der Gefahren für Gesundheit und Umwelt finden Sie im CSN Infobereich Duftstoffe.

Ach wie schön ist doch unser Lifestyleleben, uns geht es gut, wir haben es geschafft, wir sind wer ……..
Meine Güte auch wenn es hier fiktive Personen sind, dieses Paar gibt es Millionenfach auf der Welt und sie haben keine Ahnung was sie sich und der Umwelt antun.
Da fällt mir sofort wieder folgendes ein: “Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.”
Ich vergebe ihnen nicht, denn Dummheit, Intoleranz, Ignoranz muss bestraft werden und sie wird bestraft!
Die hier beschriebenen Leute sind ganz normale Otto-Normalverbraucher, denen gar nicht mehr auffällt, was sie den ganzen Tag anwenden und abkriegen. Man wächst mit der ganzen Palette der hier beschriebenen Produkte auf und empfindet all das normal, nimmt aber nicht wahr, was die ganzen Alltagsdinge für Risiken für einem selbst bergen. Hier wird der ganz normale Alltag beschrieben, also der ganz normale Wahnsinn, der dazu beiträgt, dass die Zahl der Allergiker, Asthmatiker, Duftstoffallergiker, Neurodermitiker, MCS-Kranken usw. ständig weiter zunimmt.
Man müsste einmal eine Liste der Chemikalien erstellen, auf die Gustav und Eleonore an diesen Tag gestoßen sind. Ich wette, es werden nicht wenige sein.
Gruss Groppo