Ein ganz normaler Abend mit Freunden im Leben von Gustav und Eleonore R.

Gustav und Eleonore, ein ganz normales Ehepaar, mit ganz normalen Gepflogenheiten. Eine Geschichte aus ihrem Alltag, die eigentlich keine Geschichte ist. Der Freitagabend der beiden trägt sich genauso oder fast genauso millionenfach an vielen Orten auf der Welt zu. Verfolgen wir einen ganz normalen Abend im Leben von Gustav und Eleonore R., bis das Licht im Schlafzimmer ausgeht:

migraine

Abendessen: Chefkoch Gustav verwöhnt

…Gustav kümmert sich um das leibliche Wohl, er beginnt die Holzkohle aufzufüllen und zündet mehrere Grillanzünder an. Allmählich wird es höchste Zeit, er hat sich etwas verkalkuliert in der Badewanne. Für den heutigen Anlass hat er seinen besonderen Aftershave-Balsam aufgelegt, dazu sein intensiv riechendes Parfum aus der gleichen Serie.

Eleonore ist inzwischen mit den Vorbereitungen in der Küche und dem Tischdecken fertig. Schnell sprüht sie sich einige Hübe ihres erfrischend riechenden Feuchtigkeitssprays zur Entspannung ans Dekolleté und in den Nacken, jetzt können die Gäste kommen, denkt sie, als es auch schon an der Tür bimmelt. Ihre Freunde haben ihren Liebling mitgenommen, ihren Schäferhund, der stark nach Hundeshampoo riechend, aber brav schnell ein Plätzchen auf dem Rasen sucht.

Zur Begrüßung stoßen die Freunde mit einem Prosecco an, den Gustav mit einem Schuss Erdbeergeschmack aromatisiert hat. Der Geruch der Grillanzünder liegt noch in der Luft, um dem entgegenzuwirken, holt Eleonore schnell die Insekten-Duftkerzen aus dem Wohnzimmer, die sie zuvor extra besorgt hat. Ihre Freundin ist ganz begeistert von dem Duftaroma, Karibikgeruch ist das, verkündet Eleonore stolz, passend zum Südseelook der Terrassendekoration. Alles in allem wird es ein gelungener Abend, doch Gustav und Eleonore sind nicht ganz so fit, so drängen sie ihre befreundeten Nachbarn auch nicht, doch noch zu bleiben, als diese bereits ihren baldigen Aufbruch ankündigen.

Und dann:…”Heute nicht Schatz”

Nach dem mühseligen Abschminken im Bad, huscht Eleonore in ihr betörend riechendes Negligee und trägt ihre Nachtpflegeserie auf, bedient sich kurz an Gustavs Nachtisch und legt sich ins Bett. Gustav ist noch mit Auftragen seiner männlich riechenden Moschus-Nachtpflegecreme beschäftigt. Doch dann ist auch er endlich soweit und legt sich neben sie. Eleonore streckt ihm ihre Hand entgegen und fragt ihn ganz erwartungsvoll, nehmen wir heute Himbeer- oder Bananegeschmack? Doch Gustav antwortet träge und erschöpft: “Heute nicht Schatz, ich habe Kopfweh”.

Autor: Maria, Chemical Sensitivity Network, 10. Mai 2009

Informationen über Duftstoffe, der Gefahren für Gesundheit und Umwelt finden Sie im CSN Infobereich Duftstoffe.

5 Kommentare zu “Ein ganz normaler Abend mit Freunden im Leben von Gustav und Eleonore R.”

  1. Juliane 10. Mai 2009 um 21:43

    Und die Moral von der Geschichte
    Kunst-Duft macht die Natur zu nichte.

    Am Ende muss der gute Mann noch zu PD Dr. Harth, um eine Lifestyle-Erkrankung behandeln zu lassen.

    http://www.csn-deutschland.de/blog/2009/02/04/umweltkranke-haben-definitiv-keine-lifstyle-erkrankung-herr-dr-harth/

  2. Bongo Wongo 10. Mai 2009 um 22:32

    Die Moral von der Geschichte, ist, die Chemie hat Oberhand gewonnen über den Alltag, ohne dass die Leute es mitkriegen oder wahrhaben wollen. Wenn man diesem Paar einige Dinge zu ihren Geflogenheiten erzählen würde, bin ich davon überzeugt, sie würden sie verteidigen.

    So sind meine persönlichen Erfahrungen, nur einige Wenige, zumeist mit Kindern, werden nachdenklich und stellen vielleicht ein paar Dinge ab. Bei Düften will es niemand so richtig wahrhaben, dass sie chemischer Natur und meistens ungesund sind, hier fährt man voll und ganz auf die Werbung ab.

  3. Astrid 11. Mai 2009 um 08:08

    Genau Bongo Wongo. Und die Lebensmittel kauft man bei Demeter und den Duft bei Douglas. Wobei der Duft aus dem Bioladen auch nicht gesünder ist. Mein Eindruck: Duftsstoffe sind auch ein Suchtmittel.

  4. Henriette 11. Mai 2009 um 21:49

    Tja, die Leute merken überhaupt nicht mehr, wie viel Chemie sie jeden Tag umgibt. Vieles ist völlig überflüssig und zahlreiche gesundheitliche Beeinträchtigungen wären sicherlich vermeidbar, bei sorgsamerem Umgang und kritischem Hinterfragen im Alltag.

    Daher ist es wichtig, aufzuzeigen, wo der Hase läuft, was in den drei Teilen des Tagesablaufs von Eleonore und Gustav, gut gelungen ist.

  5. Lucie 14. Mai 2009 um 04:07

    Cool, genauso geht es ab!

    Ich denke zwar, dass vielen Leuten die Message der Geschichte, also des kompletten Dreiteilers, nicht offensichtlich erscheint, da dies hier Beschriebene eben für sie Normalität ist und ihnen nicht bewußt sein wird, welche Summe an Chemikalien sie über den Tag verteilt abbekommen, die dann noch untereinander im Körper wirken können. Selbst in der Wissenschaft sind die tatsächlichen Wirkungsweisen der verschiedenen Schadstoffe untereinander oft unbekannt, weil auf diesem Gebiet noch erheblicher Forschungsbedarf besteht.

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